Erklärung des US-Präsidenten Barack Obama zum Haushaltsdefizit

WASHINGTON – (AD) – Nachfolgend veröffentlichen wir die Ausführungen von US-Präsident Barack Obama über das Haushaltsdefizit vom 31. Juli 2011.

Guten Abend. Die Kongressmitglieder haben noch immer einige sehr wichtige Abstimmungen vor sich, aber ich möchte dennoch bekannt geben, dass die führenden Politiker beider Parteien in beiden Häusern zu einer Einigung gekommen sind, mit der das Defizit reduziert und eine Zahlungsunfähigkeit abgewendet werden kann – eine Zahlungsunfähigkeit, die verheerende Auswirkungen auf unsere Wirtschaft gehabt hätte.

Durch den ersten Teil dieser Abstimmung werden wir im Laufe der nächsten zehn Jahre etwa eine Billion US-Dollar bei den Staatsausgaben einsparen. Auf diese Einsparungen hatten sich beide Parteien bereits zu Beginn dieses Prozesses geeinigt. Als Ergebnis hätten wir das niedrigste Niveau an inländischen Ausgaben seit der Präsidentschaft Dwight Eisenhowers. Gleichzeitig hätten wir noch genügend Spielraum, um Investitionen zu tätigen, die Arbeitsplätze schaffen, beispielsweise in den Bereichen Bildung und Forschung. Wir haben außerdem sichergestellt, dass diese Kürzungen nicht so abrupt umgesetzt werden würden, damit sie keine negativen Auswirkungen auf die instabile Wirtschaft hätten.

Ich habe von Anfang an die Meinung vertreten, dass die endgültige Lösung für unsere Probleme beim Defizit ausgewogen sein muss. Den Einwänden einiger Republikaner zum Trotz glaube ich, dass wir die wohlhabendsten Amerikanerinnen und Amerikaner ebenso wie die größten Unternehmen dazu auffordern müssen, ihren Anteil beizusteuern, indem sie auf Steuererleichterungen und Steuervergünstigungen verzichten. Den Einwänden einiger Mitglieder meiner eigenen Partei zum Trotz glaube ich, dass wir einige bescheidene Anpassungen bei Programmen wie Medicare durchführen müssen, damit wir deren Bestand für zukünftige Generationen sichern können.

Deswegen ist auch der zweite Teil der Einigung so wichtig. Darin wird ein aus beiden Parteien bestehender Kongressausschuss ins Leben gerufen, der bis November einen weiteren Vorschlag zur Defizitreduktion vorlegen wird, über den dann im Kongress abgestimmt wird. Zu diesem Zeitpunkt wird also alles vorliegen. Damit wir alle zur Verantwortung gezogen werden können, würden einschneidende Kürzungen, gegen die beide Parteien Einwände hätten, automatisch in Kraft treten, sofern wir nicht handeln. Während der kommenden Monate werde ich diesen Abgeordneten gegenüber weiterhin darlegen, warum ich ein ausgewogenes Vorgehen für notwendig erachte, um diese Aufgabe abzuschließen.

Ist dies nun die Art Einigung, die ich gewünscht hätte? Nein. Ich glaube, dass wir die notwendigen, schwierigen Entscheidungen – zur Steuerreform und zur Reform des Sozialleistungssystems – schon jetzt hätten treffen können, statt einen Kongressausschuss einzuschalten. Aber dieser Kompromiss ist ein wesentlicher Schritt in Richtung Defizitreduktion, die wir brauchen. Er bietet für jede Partei den starken Anreiz, vor Ende des Jahres einen ausgewogenen Plan aufzusetzen.

Aber vor allem können wir dank dieses Kompromisses die Zahlungsunfähigkeit vermeiden und eine Krise beenden, die Washington über das ganze Land gebracht hat. Außerdem ist so sichergestellt, dass wir eine derartige Krise in sechs, acht oder zwölf Monaten nicht noch einmal erleben. Wir entlasten unsere Wirtschaft, indem wir die Bürde der Schulden und der Ungewissheit von ihren Schultern nehmen.

Der ganze Prozess war sehr chaotisch. Es hat alles viel zu lange gedauert. Ich war sehr besorgt über die Auswirkungen, die dies während des letzten Monats auf das Vertrauen der Unternehmen und auch auf das der Konsumenten und die Wirtschaft als Ganzes hatte. Nichtsdestotrotz haben die Führungsspitzen beider Parteien den Weg zu einer Einigung gefunden. Dafür möchte ich ihnen danken.

Aber allen voran möchte ich mich bei den Amerikanerinnen und Amerikanern bedanken. Es war Ihre Stimme – Briefe, E-Mails, Tweets, Anrufe – die Washington in den letzten Tagen zum Handeln gezwungen hat. Und die Stimme des amerikanischen Volkes hat eine starke, nicht zu unterschätzende Macht.

Aber wir sind noch nicht am Ziel. Ich fordere die Mitglieder beider Parteien dazu auf, das Richtige zu tun und diese Vereinbarung in den nächsten Tagen mit ihrer Stimme zu unterstützen. So können wir die Zahlungsunfähigkeit vermeiden. So können wir unsere Rechnungen zahlen. So können wir auf verantwortungsvolle Art und Weise unser Defizit reduzieren. So können wir uns auf eine wichtige Aufgabe konzentrieren, nämlich alles dafür zu tun, dass Arbeitsplätze geschaffen werden, dass Löhne steigen und dass die Wirtschaft schneller wächst, als sie es derzeit tut.

Genau dafür sind wir vom amerikanischen Volk hierher entsandt worden, und wir sollten in den kommenden Monaten alles in unserer Macht stehende tun, um dies zu erreichen.

Herzlichen Dank an Sie alle.

Originaltext: Remarks by the President

Reaktion der Vereinigten Staaten auf die humanitäre Krise am Horn von Afrika

Familie vor einer Waage in einem Feldlazarett des Internationalen RettungskomiteesWASHINGTON – (AD) – Nachfolgend veröffentlichen wir einen Text aus dem offiziellen Blog des US‑Außenministeriums, DipNote, zur humanitären Krise am Horn von Afrika vom 28. Juli 2011.

Mehr als 11,5 Millionen Menschen am Horn von Afrika – insbesondere in Äthiopien, Kenia und Somalia – benötigen Soforthilfe. Die Vereinigten Staaten sind angesichts der großen Zahl unterernährter Menschen in der Region besorgt – insbesondere in Süd- und Zentralsomalia sowie unter den Flüchtlingen aus Somalia. Ein groß angelegter Einsatz, an dem viele Geberländer beteiligt sind, ist bereits angelaufen, um die Verschlechterung der bereits schrecklichen Situation zu verhindern, wobei es aber keine schnellen Lösungen geben wird. Die Vereinigten Staaten sind einer der größten Geldgeber für humanitäre Hilfe in der Region und stellen in diesem Haushaltsjahr circa 459 Millionen US‑Dollar für die Unterstützung der Bedürftigen bereit. Mit diesen Geldern wird humanitäre Hilfe für Flüchtlinge, Binnenvertriebene und andere von der Dürre betroffenen Bevölkerungsgruppen geleistet und die kurz- und längerfristige Lebensmittelsicherheit erhöht. Da die Soforthilfe die zugrunde liegenden langfristigen Probleme in der Region nicht lösen wird, arbeitet die US‑Regierung auch an umfassenden Plänen, wie beispielsweise dem Ernährungsprogramm des Präsidenten Feed the Future.

Humanitäre Hilfe für Flüchtlinge, Binnenvertriebene und andere von der Dürre betroffene Menschen

Berichte aus Somalia deuten darauf hin, dass sich die Zahl von 3.200 Flüchtlingen, die täglich neu in Äthiopien und Kenia eintreffen, erheblich erhöhen könnte, wenn die Lage in Somalia noch hoffnungsloser wird. Die US‑Regierung stellt circa 69 Millionen US‑Dollar für die Flüchtlingshilfe in Kenia, Äthiopien und Dschibuti bereit. Ein Großteil dieser Gelder sollte der Region ursprünglich zur Verfügung gestellt werden, um anhaltende humanitäre Bedürfnisse zu decken. Mit Verschärfung dieser Krise hat die US‑Regierung reagiert und nach dem Hilfsaufruf für die somalischen Flüchtlinge durch das Büro des UN‑Hochkommissars für Flüchtlinge zusätzlich 5 Millionen US‑Dollar bereitgestellt. Unsere Diplomatie und unser Geld führen dazu, dass andere Geber die internationalen Schutz- und Hilfsbemühungen unterstützen. Diese Bestrebungen sind für die Rettung von Menschenleben und die Gewährleistung eines sicheren Zufluchtsortes in den Nachbarländern Somalias unerlässlich, auch wenn diese selbst mit einer Dürre zu kämpfen haben, die als die schlimmste der vergangenen 60 Jahre beschrieben wird.

Lebensmittelsicherheit

Vor mehr als einem Monat haben die Vereinigten Staaten circa 19.000 metrische Tonnen Lebensmittelhilfe für das UN-Welternährungsprogramm in Somalia bereitgestellt. Sie werden den vorhandenen Lagerbeständen in der Region entnommen. Diese Woche kündigten die Vereinigten Staaten an, dass sie weitere 21 Millionen US‑Dollar für das Welternährungsprogramm in Somalia bereitstellen werden, die jenen zugute kommen sollen, die auf Lebensmittelhilfe angewiesen sind. Für die Flüchtlinge in Kenia wurden weitere 5 Millionen US‑Dollar für das UN‑Welternährungsprogramm angekündigt, womit die Vereinigten Staaten dieses Jahr insgesamt 69,6 Millionen US‑Dollar an Lebensmittelhilfe für mehr als 211.000 Flüchtlinge in Äthiopien und 507.000 Flüchtlinge in Kenia bereitgestellt haben. Seit September 2010 hat die US-Regierung 20 Millionen US‑Dollar für das UN‑Programm in Kenia für den Kauf von bis zu 37.000 metrischen Tonnen lokal angebauten Getreides zur Verfügung gestellt.

Das Ernährungsprogramm des Präsidenten: Feed the Future

Das Ernährungsprogramm des Präsidenten Feed the Future – das sich mit den grundsätzlichen Ursachen von Hunger und Unterernährung befasst – ist in dieser Zeit von großer Bedeutung. Die Erhöhung der Widerstandskraft und ein Ausbau der Kapazitäten der Hirten, um an einem kommerziell funktionierenden Viehhandel teilnehmen zu können, ist entscheidend, um den Teufelskreis am Horn von Afrika zu durchbrechen. Durch die Zusammenarbeit mit anderen Gebern und Regierungen in der Region wird Feed the Future die landwirtschaftliche Produktion insgesamt erhöhen sowie die Überlebensfähigkeit der Hirten stärken, die am meisten unter den Folgen der Dürre leiden.

Weitere Informationen erhalten Sie unter U.S. Response to Humanitarian Crisis in the Horn of Africa.

Originaltext: U.S. Response to Humanitarian Crisis in the Horn of Africa

Liberia feiert seine Unabhängigkeit

WASHINGTON – (AD) – Nachfolgend veröffentlichen wir einen Artikel von Mark Trainer, Autor des Büros für internationale Informationsprogramme vom 25. Juli 2011. 

Die Republik Liberia wurde 1822 gegründet, um den ehemals versklavten Afroamerikanern mehr Gleichberechtigung und mehr Freiheiten zu bringen. Heute haben fünf Prozent der Bevölkerung in Liberia amerikanisch-liberianische Wurzeln. Sie stammen von den Afroamerikanern ab, die nach Liberia emigrierten und eine Regierung nach dem Vorbild der amerikanischen Demokratie errichteten. Monrovia, ihre Hauptstadt, benannten sie nach dem fünften US-Präsidenten James Monroe.

Jospeh Jenkins Roberts war der erste und siebte Präsident Liberias.

Der erste Präsident Liberias – der Name leitet sich von dem Wort „liberty” (Freiheit) ab – war Joseph Jenkins Roberts, der gebürtig aus Norfolk in Virginia stammte. Er emigrierte 1829 nach Liberia und wurde im Jahr 1841 der erste schwarze Gouverneur des Landes. Auf seine Initiative hin wurde am 26. Juli 1847 die Republik Liberia gegründet. Roberts wurde zum Präsidenten gewählt, drei Mal in seinem Amt bestätigt und regierte das Land insgesamt acht Jahre lang. 1871 wurde er erneut ins Amt des Präsidenten gewählt, das er fünf weitere Jahre lang bekleidete. 

Im Verlauf des 20. Jahrhunderts kam Liberia eine immer wichtigere Rolle auf der internationalen Bühne zu. Liberia gehörte zu den Gründungsmitgliedern des Völkerbunds und dessen Nachfolger, den Vereinten Nationen. 1946 gewährte Liberia seinen Ureinwohnern das Wahlrecht. Auch bei der Gründung der Organisation für Afrikanische Einheit im Jahr 1963 war Liberia unter den Gründungsmitgliedern.

Nach jahrzehntelangen Unruhen konnten in Liberia im Oktober 2005 erfolgreich friedliche Wahlen abgehalten werden. Die Präsidentin, Ellen Johnson Sirleaf, wurde zum ersten weiblichen Staatsoberhaupt in Afrika gewählt.

Nach einem Treffen zwischen US-Außenministerin Hillary Rodham Clinton und Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf im April 2009 sagte Clinton: „Präsidentin Sirleaf und ihre Regierung haben während der letzten drei Jahre ohne Unterlass gearbeitet, um zu gewährleisten, dass die Reformen, der Wiederaufbau und die Entwicklung Liberias Fuß fassen und zu einem nachhaltigen Erfolg werden.“

(Dieser Text ist ein Produkt des Büros für internationale Informationsprogramme im US-Außenministerium. Web site: http://iipdigital.usembassy.gov/iipdigital-en/index.html)

Originaltext: Liberia celebrates independence

Anhebung der Schuldenobergrenze

WASHINGTON – (AD) – Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache von US-Präsident Barack Obama zur Debatte über das Haushaltsdefizit vom 25. Juli 2011.

Guten Abend. Heute Abend möchte ich über die Debatte sprechen, die wir in Washington über die Staatsverschuldung führen. Es ist eine Debatte, die das Leben aller Amerikanerinnen und Amerikaner direkt betrifft.

Während der letzten zehn Jahre haben wir mehr Geld ausgegeben, als wir eingenommen haben. Im Jahr 2000 konnte die Regierung einen Haushaltsüberschuss verzeichnen.  Aber statt mit diesen Geldern unsere Schulden zu bezahlen, wurden sie für Steuersenkungen in Billionenhöhe verwendet, während zwei Kriege und ein kostspieliges Programm für verschreibungspflichtige Medikamente einfach mit auf die Rechnung unseres Landes gesetzt wurden.

Infolgedessen war das Defizit im Jahr meines Amtsantritts auf dem besten Weg, eine Billion US-Dollar zu überschreiten. Verschlimmert wurde die Situation noch durch die Rezession; wir nahmen weniger Geld ein und mussten mehr ausgeben – für Steuererleichterungen für Mittelschichtsfamilien, damit die Wirtschaft angekurbelt wird, für die Arbeitslosenversicherung, für die Unterstützung der Einzelstaaten, damit die Entlassung von weiteren Lehrern, Feuerwehrleuten und Polizisten vermieden werden konnte. Diese Notmaßnahmen erhöhten das Haushaltsdefizit.

Jede Familie weiß, dass man eine geringe Belastung der Kreditkarte durchaus handhaben kann. Aber wenn wir so weiter machen wie bisher, dann könnten die immer weiter anwachsenden Schulden uns Arbeitsplätze kosten und die Wirtschaft nachhaltig schädigen. Weitere Steuergelder werden dafür aufgewendet, um die Zinsen für unsere Kredite zu zahlen. Es ist eher unwahrscheinlich, dass Unternehmen in einem Land gegründet werden und Arbeitsplätze schaffen, das seinen Haushalt nicht ausgleichen kann. Die Zinssätze könnten für jeden, der Geld leihen möchte, ansteigen: Für den Hausbesitzer mit der Hypothek, für den Studenten mit dem Studienkredit, für den Laden um die Ecke, der expandieren möchte. Und dann wird es an Geld für Investitionen fehlen, die Arbeitsplätze schaffen, wie zum Beispiel in den Bereichen Bildung oder Infrastruktur, oder auch für absolut unerlässliche Programme wie Medicare and Medicaid.

Es liegt nun in der Verantwortung beider Parteien, dieses Problem zu lösen, denn beide haben an den Entscheidungen mitgewirkt, die zu dieser Situation geführt haben. Genau daran haben wir in den letzten Monaten gearbeitet. Ich werde Sie nicht mit den Details aller Pläne und Vorschläge langweilen. Die Debatte konzentrierte sich im Kern auf zwei verschiedene Herangehensweisen.

Die erste von beiden besagt, dass wir gemäß unsere Verhältnisse leben sollen, indem wir ernsthafte, historische Kürzungen bei den Staatsausgaben vornehmen. Wir senken also die Inlandsausgaben auf das niedrigste Niveau seit der Präsidentschaft von Dwight Eisenhower. Wir reduzieren also die Verteidigungsausgaben des Pentagons um hunderte Milliarden von Dollar. Wir bekämpfen Verschwendung und Betrug in Gesundheitsfürsorgeprogrammen wie Medicare und nehmen gleichzeitig bescheidene Anpassungen vor, damit Medicare auch von den zukünftigen Generationen noch in Anspruch genommen werden kann. Schließlich fordern wir die vermögendsten Amerikanerinnen und Amerikaner und die größten Unternehmen auf, einige ihrer Steuererleichterungen und -abzüge aufzugeben.

Diese ausgeglichene Herangehensweise fordert jeden dazu auf, ein wenig zu geben, ohne, dass Einzelne zu große Opfer bringen müssen. So könnte das Defizit um etwa vier Billionen US-Dollar reduziert werden und wir wären auf dem richtigen Weg, unsere Schulden zurückzuzahlen. Die Kürzungen würden nicht so abrupt eingeführt werden, dass sie die wirtschaftliche Entwicklung beeinträchtigen, oder uns daran hindern, kleinen Unternehmen und Mittelschichtsfamilien unter die Arme greifen zu könnten.

Diese Herangehensweise ist zudem parteiübergreifend. Zwar sind viele Mitglieder meiner Partei nicht glücklich über die schmerzhaften Kürzungen, die sie vorsieht, aber es sind ausreichend Mitglieder gewillt, die Kürzungen zu akzeptieren, wenn die Last gerecht geteilt wird. Zwar würden die Republikaner wahrscheinlich weiterreichende Kürzungen und gar keine Steuererhöhungen begrüßen, aber viele Senatsmitglieder haben die Bereitschaft gezeigt, parteipolitische Interessen beiseite zu lassen und diese Vorgehensweise in Betracht zu ziehen, da es ihnen darum geht, das Problem zu lösen. Das ist auch der Plan, den der republikanische Vorsitzende des Repräsentantenhauses, John Boehner, mit mir während der letzten Wochen zusammen erarbeitet hat, was ich hier noch einmal hervorheben möchte.

Der einzige Grund dafür, dass dieser ausgewogene Plan noch nicht auf dem Weg ist, gesetzlich festgeschrieben zu werden, ist, dass eine große Anzahl republikanischer Kongressmitglieder auf einer anderen Vorgehensweise besteht. Danach würden nur Kürzungen vorgenommen, und die vermögendsten Amerikanerinnen und Amerikaner sowie die größten Unternehmen würden überhaupt keinen Beitrag leisten. Weil von den oberen Einkommensklassen nichts eingefordert wird, kann das Defizit bei dieser Vorgehensweise nur ausgeglichen werden, wenn vermehrt starke Kürzungen bei Programmen vorgenommen werden, die uns allen am Herzen liegen. Das sind Kürzungen, die die Last für erwerbstätige Familien noch weiter erschweren.

In der aktuellen Debatte geht es also nicht darum, ob wir schwierige Entscheidungen treffen müssen. Demokraten und Republikaner sind sich über die Summe einig, die wir zur Reduzierung des Haushaltsdefizits brauchen. In der Debatte geht es darum, wie wir vorgehen sollten. Den meisten Amerikanerinnen und Amerikanern, unabhängig davon, welcher Partei sie angehören, ist es unverständlich, dass wir eher einen älteren Menschen dazu auffordern, mehr für Medicare zu bezahlen als einen Unternehmer mit Privatjet oder die Ölkonzerne, Steuererleichterungen aufzugeben, die anderen Unternehmen nicht gewährt werden. Wie können wir eher einen Studenten darum bitten, mehr für seine Ausbildung zu zahlen als einen Hedgefondsmanager aufzufordern, einen angemessenen Steuersatz zu zahlen, der nicht niedriger ist als der seiner Sekretärinnen? Wie können wir eher Investitionen in Bildung und saubere Energie kürzen als Menschen wie mich auffordern, Steuererleichterungen aufzugeben, die wir nicht brauchen und um die wir nicht gebeten haben?

Das ist nicht richtig. Das ist nicht fair. Wir alle wollen eine Regierung, die nicht über ihre Verhältnisse lebt. Aber trotzdem gibt es gibt Dinge, für die der Staat bezahlen muss: neue Straßen und Brücken beispielsweise, Wettersatelliten und Lebensmittelkontrollen, medizinische Forschung und Leistungen für die Veteranen.

Eines darf man dabei nicht vergessen: Bei einer ausgeglichenen Herangehensweise wären die 98 Prozent der Amerikanerinnen und Amerikaner, die weniger als 250.000 US-Dollar verdienen, von Steuererhöhungen überhaupt nicht betroffen. Überhaupt nicht. Ganz im Gegenteil: Ich möchte die Lohnsteuersenkungen für erwerbstätige Familien ausweiten. Bei einem ausgeglichenen Vorgehen geht es darum, die Amerikanerinnen und Amerikaner, deren Einkommen in den letzten zehn Jahren am meisten gestiegen ist – Millionäre und Milliardäre – zu bitten, genauso Opfer zu bringen, wie alle anderen auch. Ich denke, diese patriotischen Amerikanerinnen und Amerikaner wären bereit, sich einzubringen. Tatsächlich haben sie in den letzten Jahrzehnten jedes Mal einen Beitrag geleistet, wenn ein parteiübergreifendes Paket zur Reduzierung des Defizits verabschiedet wurde. Als zum ersten Mal ein derartiger Kompromiss ausgehandelt wurde, hat einer meiner Amtsvorgänger folgendermaßen für eine ausgewogene Herangehensweise argumentiert:

„Wäre es Ihnen lieber, Defizite zu reduzieren und Zinssätze zu senken, indem wir die Beiträge derjenigen erhöhen, die derzeit keinen angemessenen Anteil zahlen? Oder würden Sie lieber ein größeres Haushaltsdefizit, höhere Zinssätze und eine höhere Arbeitslosenrate akzeptieren? Ich glaube, ich kenne Ihre Antwort.“

Das sind die Worte Ronald Reagans. Heute aber sind viele Republikaner im Repräsentantenhaus nicht dazu bereit, diese ausgewogene Vorgehensweise in Betracht zu ziehen – eine Vorgehensweise, die nicht nur von Präsident Reagan, sondern auch von Präsident George H. W. Bush, von Präsident Clinton, von mir selbst und von vielen Demokraten und Republikanern im Senat verfolgt wurde und wird. Wir sind also in einer Sackgasse angelangt.

Die Pattsituation ist diesmal so gefährlich, da sie an etwas gebunden ist, was sich Schuldenobergrenze nennt. Dieses Wort haben die meisten Menschen außerhalb Washingtons wahrscheinlich noch nie gehört.

Man muss hier wissen: Eine Erhöhung der Schuldenobergrenze erlaubt es dem Kongress nicht, mehr Geld auszugeben. Unser Land erhält so nur die Möglichkeit, bereits im Kongress aufgelaufene Rechnungen zu bezahlen. Früher war eine Anhebung der Schuldengrenze eine Routineangelegenheit. Seit den Fünfzigerjahren des 19. Jahrhunderts hat der Kongress sie immer wieder erhöht und jeder Präsident hat das so unterzeichnet. Präsident Reagan hat dies 18 Mal getan. George W. Bush sieben Mal. Wir müssen das bis kommenden Dienstag, den 2. August, auch tun. Sonst sind wir nicht mehr in der Lage, alle Rechnungen zu bezahlen.

Leider haben republikanische Mitglieder des Repräsentantenhauses in den letzten Wochen zum Ausdruck gebracht, dass sie nur dann für eine Vorgehensweise stimmen werden, die den ersten Fall von Zahlungsunfähigkeit in der Geschichte der Vereinigten Staaten verhindert, wenn alle anderen ihrem tief greifenden, ausschließlich auf Kürzungen beruhenden Ansatz zustimmen.

Wenn das geschieht und wir zahlungsunfähig werden, hätten wir nicht genügend Mittel, um unsere Rechnungen zu begleichen. Dazu gehören zum Beispiel monatliche Sozialversicherungszahlungen, Leistungen für Veteranen und Regierungsverträge, die wir mit tausenden Unternehmen abgeschlossen haben.

Zum ersten Mal in der Geschichte würden die Vereinigten Staaten ihren AAA-Status bei den Ratingagenturen verlieren. Investoren auf der ganzen Welt würden sich dann fragen, ob die Vereinigten Staaten immer noch eine gute Wahl sind. Die Zinssätze für die Belastung von Kreditkarten, für Hypotheken und für Kredite beim Autokauf würden in die Höhe schnellen, was für die Amerikanerinnen und Amerikaner gleichbedeutend mit einer Steuererhöhung wäre. Wir riskieren, eine schwere Wirtschaftskrise auszulösen – die Washington dann fast allein verursacht hätte.

Unseren Verpflichtungen nicht nachzukommen, wäre rücksichtslos und unverantwortlich. Die republikanische Parteispitze stimmt mit uns darin überein, dass wir die Zahlungsunfähigkeit verhindern müssen. Speaker Boehner hat heute einen neuen Vorschlag gemacht, bei dem die Schuldengrenze im Austausch für Ausgabenkürzungen vorübergehend angehoben werden würde. Das würde aber bedeuten, dass wir in einem halben Jahr wieder vor der gefährlichen Situation der drohenden Zahlungsunfähigkeit stehen. Mit anderen Worten: Das löst unser Problem nicht.

Eine Erhöhung der Schuldenobergrenze für einen Zeitraum von sechs Monaten reicht wahrscheinlich nicht aus, um eine Herabstufung durch die Ratingagenturen und höhere Zinssätze, die alle zu zahlen hätten, zu verhindern. Wir wissen, dass wir unser Defizit reduzieren müssen. Es hat keinen Sinn, unsere Wirtschaft in Gefahr zu bringen, indem wir Entscheidungen aufschieben und anderen überlassen.

Aber dieses Vorgehen birgt noch eine weitaus größere Gefahr. In den letzten Wochen haben wir gesehen, was wir in sechs Monaten wohl zu erwarten hätten. Das Repräsentantenhaus wird es wieder ablehnen, die Zahlungsunfähigkeit abzuwenden, es sei denn, alle übrigen Abgeordneten stimmen dem reinen Kürzungsansatz zu. Und wieder werden sie die wohlhabendsten Amerikanerinnen und Amerikaner nicht dazu auffordern, auf ihre Steuererleichterungen oder –abzüge zu verzichten. Und wieder werden sie starke Kürzungen bei Programmen wie Medicare verlangen. Und wieder werden sie die Wirtschaft als Geisel nehmen, es sei denn, sie bekommen ihren Willen.

So kann man das größte Land der Welt nicht regieren. Das ist ein gefährliches Spiel, das wir noch nie zuvor gespielt haben, und wir können es uns auch nicht leisten, es jetzt zu spielen. Nicht, wenn es um die Arbeitsplätze und die Lebensgrundlagen so vieler Familien geht. Die Amerikanerinnen und Amerikaner dürfen nicht zum Kollateralschaden des politischen Krieges in Washington werden.

Dem Kongress bleibt nun noch eine Woche, um zu handeln. Es gibt noch Möglichkeiten, Fortschritte zu machen. Der Senat hat einen Plan zur Vermeidung der Zahlungsunfähigkeit vorgelegt. Er sieht einen ersten Schritt zur Reduzierung des Defizits vor und garantiert, dass wir das hier in sechs Monaten nicht noch einmal durchmachen müssen.

Ich halte das für eine viel bessere Herangehensweise, obwohl wir zusätzlich zu ernsthaften Reduzierungen des Defizits immer noch die schwierigen Herausforderungen bei der Steuerreform und der Reform der Sozialleistungen bewältigen müssten. So oder so, ich habe den führenden Politikern beider Parteien mitgeteilt, dass sie innerhalb der nächsten Tage zu einem gerechten Kompromiss gelangen müssen, dem beide Häuser zustimmen – und den ich unterzeichnen kann. Ich bin zuversichtlich, dass wir diesen Kompromiss erreichen. Trotz unserer Meinungsverschiedenheiten haben die führenden republikanischen Politiker und ich schon zuvor eine gemeinsame Basis gefunden. Ich glaube, dass letztlich ausreichend Mitglieder beider Parteien die Politik hinten anstellen und uns dabei unterstützen werden, wirkliche Fortschritte zu machen.

Ich weiß, dass viele der neuen Kongressmitglieder und ich bin nicht immer einer Meinung sind. Aber wir wurden alle von den Amerikanern und zum Teil aus ähnlichen Gründen gewählt. Ja, viele möchten, dass die Regierung damit aufhört, über ihre Verhältnisse zu leben. Viele haben genug von einem System, in dem die wenigen Vermögenden gegenüber den Bürgerinnen und Bürger der Mittelschicht bevorzugt zu werden scheinen. Aber wissen Sie, wovon die Menschen wirklich genug haben?

Sie haben genug von einer Stadt, in der das Wort ‚Kompromiss‘ zu einem Schimpfwort geworden ist. Viele von ihnen kommen gerade so über die Runden, sie arbeiten den ganzen Tag, nur um etwas zu Essen nach Hause bringen zu können. Und wenn diese Amerikanerinnen und Amerikaner abends hundemüde nach Hause kommen und den Fernseher anstellen, dann bekommen sie in den Nachrichten nur diesen parteipolitischen Affenzirkus aus Washington zu sehen. Sie sehen Politiker, die sich scheinbar nicht einigen können, um zu tun, was nötig ist, damit das Leben für den Durchschnittsbürger wenigstens ein kleines bisschen besser wird. Das ärgert sie. Und das auch mit Recht.

Das amerikanische Volk hat vielleicht für eine Teilung der politischen Macht gestimmt, aber es hat mit Sicherheit nicht für eine machtlose Regierung gestimmt. Deswegen fordere ich Sie alle dazu auf, Ihrer Stimme Gehör zu verleihen. Wenn Sie für eine ausgewogene, ausgeglichene Herangehensweise zur Reduzierung des Defizits sind, dann lassen Sie es Ihren Kongressabgeordneten wissen. Wenn Sie glauben, dass wir dieses Problem durch einen Kompromiss lösen können, dann sagen Sie es.

Die Vereinigten Staaten sind schließlich seit jeher Experte für Kompromisse. Als Demokratie, in der Menschen jeder Herkunft und Religion leben, in der jede Überzeugung und jede Meinung begrüßt wird, stellen wir das Herzstück unserer Gründungsformel – „aus vielen Eins“ – immer und immer wieder auf die Probe. Wir führen hitzige und leidenschaftliche Debatten über viele aktuelle Themen, aber ob es um Sklaverei oder Krieg, Bürgerrechte oder Fragen der wirtschaftlichen Gerechtigkeit geht: Wir versuchen immer, nach den Worten Thomas Jeffersons zu leben: „Es kann nicht immer jeder alles so haben, wie er möchte – ohne diese von allen verinnerlichte Gesinnung sind wir voneinander getrennte Individuen, aber keine Gesellschaft.“

In der Geschichte finden sich zahlreiche Berichte über Persönlichkeiten, die an starren Ideologien festgehalten haben und sich weigerten, den Andersdenkenden zuzuhören. Aber an diese Amerikaner erinnern wir uns nicht. Wir erinnern uns an diejenigen, denen ihr Land wichtiger war als sie selbst und die persönliche Anliegen zugunsten des Wohles der Gemeinschaft hintangestellt haben. Wir erinnern uns an die Amerikaner, die dieses Land in den schwersten und dunkelsten Stunden zusammengehalten haben, die Stolz und Parteipolitik überwanden, um eine stärkere Einheit zu bilden.

An diese Menschen erinnern wir uns. So wie sie müssen auch wir jetzt handeln.  Die ganze Welt schaut zu. Nutzen wir also diesen Moment, um zu zeigen, warum die Vereinigten Staaten von Amerika immer noch die großartigste Nation auf der Welt sind – nicht nur, weil wir immer noch unser Wort halten und unseren Verpflichtungen nachkommen können, sondern, weil wir uns immer noch als eine Nation zusammenfinden können.

Vielen Dank. Möge Gott Sie segnen, und möge Gott die Vereinigten Staaten von Amerika segnen.

Originaltext: Address by the President to the Nation

Wie die Blütezeit des Islams die Moderne Welt prägte

 

Die Ausstellung 1001 Inventions gastiert derzeit in Los Angeles

WASHINGTON – (AD) – Nachfolgend veröffentlichen wir einen Artikel von Lauren Monsen, Autorin des Büros für internationale Informationsprogramme des US-Außenministeriums, vom 21. Juli 2011.

Was haben Fotoapparate, Kaffee, Parfüm und Zahnbürsten gemeinsam? Alle diese Dinge haben ihre Wurzeln in der Blütezeit der muslimischen Kultur.

Dies ist nur eine Auswahl der Innovationen, die während der Ausstellung „1001 Inventions: Discover the Golden Age of Muslim Civilization“ („1001 Erfindungen: Die Blütezeit der muslimischen Kultur“) gezeigt werden. Diese Wanderausstellung öffnete am 27. Mai im California Science Center in Los Angeles ihre Tore für Besucher. Die bis zum 31. Dezember 2011 geöffnete Ausstellung zeigt, wie Wissenschaft und Technologie in der islamischen Welt in der Zeit vom siebten bis zum 17. Jahrhundert aufblühten.

Der islamische Kulturraum reichte von Südspanien bis China und zog Gelehrte verschiedener Glaubensrichtungen an, die auf dem Wissen der Ägypter, Griechen und Römer aufbauten und so mit bahnbrechenden Erfindungen den Weg für die Renaissance ebneten. Laut Diane Perlov, der stellvertretenden Bereichsleiterin für die Entwicklung von Ausstellungen am California Science Center, drückt 1001 Erfindungen „die kulturell vielfältigen Wurzeln der modernen Wissenschaft“ aus und zeigt eine starke Verbindung zwischen der westlichen und der nicht-westlichen Gesellschaft auf.

Die Ausstellung nahm ihren Anfang in London und zog weiter nach Istanbul und New York, bevor sie nun in Los Angeles Station macht. Sie beschäftigt sich mit Fortschritten in den Bereichen Ingenieurwesen, Navigation, Architektur, Mathematik und Medizin, aber auch mit Gegenständen islamischer Herkunft, die heutzutage in jedem Haushalt zu finden sind.

Der Kurator Salim al-Hassani, emeritierter Professor an der University of Manchester (Vereinigtes Königreich), hob die „historische Amnesie bezüglich der wissenschaftlichen und kulturellen Fortschritte hervor, die während des Mittelalters gemacht worden sind“. 1001 Erfindungen soll dazu dienen, diesen Dornröschenschlaf zu beenden.

Die vollständig funktionsfähige Replik der Elefantenuhr

Die Besucher können eine fünf Meter hohe, funktionsfähige Replik einer Elefantenuhr aus dem 13. Jahrhundert bestaunen, die diesen Namen aufgrund ihres Fußes trägt, den ein geschnitzter Elefant bildet. Der aus der heutigen Südtürkei stammende Ingenieur al-Dschazarī hat diese Uhr entworfen, die Symbole verschiedener Kulturen trägt, darunter chinesische Drachen, einen ägyptischen Phoenix und hölzerne Figuren, die arabische Turbane tragen.

Zu den interaktiven Angeboten der Ausstellung gehört ein Computerspiel, „mit dessen Hilfe Sie sich auf einen antiken Handelsweg begeben und entscheiden können, welche Gegenstände Sie auf welchem Markt tauschen möchten“, so Perlov. „Die Besucher lernen nicht nur, wie Güter und Dienstleistungen auf Weltreise gingen, sondern auch, wie sich Informationen und Wissen auf diese Art verbreiteten.“

Außerdem können die Besucher „eine Figur durch ein modernes Haus navigieren und alle Gegenstände finden lassen, die ihre Wurzeln“ in der frühen muslimischen Zivilisation haben, sagt Perlov. „Wenn sie auf Parfüm, Seife, Zahnbürste, Kosmetikartikel oder Kaffee stößt, ertönt das Klingeln einer Glocke.“

Die Besucher der Ausstellung erfahren etwas über die Wegbereiter der klassischen islamischen Welt, wie beispielsweise über Prinzessin Fatima al-Fihri, die im Jahr 859 die erste moderne Universität in Fez (Marokko) gründete. Dort wurden bereits damals verschiedene Fächer an verschiedenen Fakultäten angeboten, die von Männern und auch Frauen studiert werden konnten. Ein anderer Vordenker, der 965 geborene ägyptische Physiker Alhazen, schuf die Grundlagen für das moderne Verständnis der Optik. Er erfand auch die Camera obscura, den Vorläufer moderner Fotoapparate.

Der andalusische Arzt Abulcasis (936 – 1013) war der erste Mediziner, der Nahtmaterial aus Katzendarm, das eigentlich aus Schafsdarm gewonnen wird, systematisch nutzte. Er erfand hoch entwickelte chirurgische Instrumente, darunter Skalpelle, Spritzen, Zangen und chirurgische Nadeln. Auch wenn ähnliche Instrumente heute aus Materialien hergestellt werden, die bei weitem die Werkstoffe der Ärzte von damals übertreffen, so sind „Design und praktischer Nutzen dieser Instrumente gleich“, sagt al-Hassani.

Seiner Meinung nach ist „eine der wichtigsten Botschaften dieser Ausstellung das gemeinsame wissenschaftliche Erbe der Menschheit“. „Wir hoffen, dass 1001 Erfindungen Kinder jeglicher Herkunft dazu anregt, eine wissenschaftliche Laufbahn einzuschlagen.“

„Wir leben heute in einem globalen Zeitalter, in dem Wissenschaft und Ideen über Kontinente hinweg reichen und geteilt werden. Das hat es auch schon in der Vergangenheit gegeben“, erklärt al-Hassani. „Männer und Frauen verschiedener Glaubensrichtungen – auch Atheisten – haben in der muslimischen Zivilisation zusammengearbeitet, um unser Wissen über die Erde voranzubringen.“

Wenn Sie mehr über diese Ausstellung erfahren möchten, besuchen Sie die Internetseite von 1001 Erfindungen.

(Dieser Text ist ein Produkt des Büros für internationale Informationsprogramme im US-Außenministerium. Web site: http://iipdigital.usembassy.gov/iipdigital-en/index.html)

Originaltext: How Islam’s Golden Age Shaped the Modern World

Bestrebungen zur Reduzierung des Haushaltsdefizits

Obama: Erklärung zum Haushaltsdefizit

Obama: Erklärung zum Haushaltsdefizit

WASHINGTON – (AD) – Nachfolgend veröffentlichen wir die Presseerklärung von Präsident Barack Obama zur Reduzierung des Haushaltsdefizits vom 19. Juli 2011.

Hallo allerseits. Ich möchte Sie über die Fortschritte informieren, die wir in unseren Gesprächen zur Reduzierung des Haushaltsdefizits gemacht haben.

Ich habe am Wochenende mit den führenden Mitgliedern beider Parteien gesprochen und habe sowohl Demokraten als auch Republikaner weiter dazu gedrängt, gemeinsam eine Vorgehensweise zu finden, mit der nicht nur eine höhere Schuldenobergrenze ermöglicht wird, sondern auch die zugrunde liegenden Herausforderungen bewältigt werden können, denen wir uns in Bezug auf Schulden und Defizit gegenübersehen.

In einigen Gesprächen wurden Fortschritte erzielt und bei einigen Problemen gab es eine Annäherung. Speaker Boehner und die republikanische Fraktion im Repräsentantenhaus hielten es für erforderlich, den Plan vorzustellen, über den sie heute abstimmen werden. Meines Erachtens war die allgemeine Einschätzung, dass dies kein Ansatz ist, für den beide Kammern stimmen würden, und es ist kein Vorschlag, den ich unterschreiben würde, da er nicht ausgewogen ist. Aber ich verstehe, dass sie diesen Vorschlag prüfen mussten.

Unser Problem ist jetzt, dass es kurz vor 12 ist und wir nicht mehr viel Zeit haben. Die gute Nachricht ist, dass heute eine Gruppe von Senatoren, die Sechsergang, Demokraten und Republikaner – jetzt eigentlich die Siebenergang, da noch ein republikanischer Senator hinzukam – einen Vorschlag vorgelegt hat, der im Großen und Ganzen mit dem Ansatz übereinstimmt, auf den ich gedrängt habe. Es geht dabei darum, dass wir die nicht zweckgebunden Ausgaben, die inländischen und die Verteidigungsausgaben, ernsthaft reduzieren müssen, wir müssen uns ernsthaft die Ausgaben für das Gesundheitswesen und für Sozialleistungen anschauen, und wir brauchen zusätzliche Einnahmen, damit wir eine Herangehensweise haben, bei der jeder Opfer bringt und jeder etwas aufgibt.

Wenn wir also sehen, dass demokratische Senatoren anerkennen, dass wir etwas gegen unser langfristiges Schuldenproblem tun müssen, das sich aus den Sozialleistungsprogrammen ergibt, und dass republikanische Senatoren anerkennen, dass Einnahmen ein Teil eines ausgewogenen Pakets sind, bei dem niemand unverhältnismäßig getroffen wird, weil wir Fortschritte beim Kampf gegen Schulden und Defizit machen wollen, dann ist das meines Erachtens ein wesentlicher Schritt vorwärts. Wie ich bereits sagte, stimmt der Rahmen, den sie aufgestellt haben, zum Großteil mit dem überein, was wir hier im Weißen Haus erarbeitet haben sowie mit dem, was ich mit den führenden Vertretern der Parteien besprochen habe, als sie hier im Weißen Haus waren.

Das ist also der letzte Stand: Wir haben einen demokratischen Präsidenten und eine Regierung, die bereit ist, ein hartes Maßnahmenpaket zu verabschieden, das Ausgabenkürzungen, Änderungen bei den Sozialleistungen, der Krankenversorgung der Armen, Medicaid, sowie der Krankenversicherung der Rentner, Medicare, vorsieht, die diesen Systemen eine Erneuerung ermöglichen würde, gleichzeitig aber auch eine Einnahmekomponente beinhaltet. Und wir haben nun eine parteiübergreifende Gruppe Senatoren, die dieser ausgewogenen Herangehensweise zustimmt. Auch die amerikanischen Bürger stimmen dieser ausgewogenen Herangehensweise zu.

Ich hoffe, und ich werde Speaker Boehner, Nancy Pelosi, Senator Reid und Senator McConnell dazu auffordern, dass sie morgen Tacheles reden und sich wirklich der harten Arbeit widmen, einen Plan auszuarbeiten, der es uns ermöglicht, rechtzeitig bis zu der von uns für den 2. August gesetzten Frist voranzukommen.

Ich möchte noch kurz auf ein paar Dinge eingehen. Einige von Ihnen fragen sich vielleicht, was das für den Plan bedeutet, an dem Senator McConnell und Senator Reid gearbeitet haben. Wir sind der Meinung, dass dies ein wichtiger Ansatz ist, den man weiterverfolgen sollte. Falls wir nicht zu einer Einigung kommen, müssen wir zumindest die Schuldenobergrenze erhöhen. Das ist also das Mindeste, was wir erreichen müssen. Aber wir glauben immer noch fest daran, dass wir mehr erreichen können.

Deswegen gratuliere ich der Sechsergang zu diesem Plan, der meiner Meinung nach ausgeglichen ist. Wir haben ihn erst kürzlich erhalten und konnten uns daher noch nicht alle Details ansehen. Er wird nicht mit allen Vorschlägen übereinstimmen, die wir gemacht haben, aber ich denke, dass wir uns im Grundsatz einig sind. Ich hoffe, dass wir uns im Laufe der nächsten Tage auf eine klare Richtung einigen und dieses Problem lösen können.

Bisher zumindest haben die Märkte gezeigt, dass sie auf die Führungsstärke Washingtons zählen und darauf vertrauen, dass wir die Wirtschaft nicht in den Abgrund stürzen. Wenn wir aber weiterhin nur politische Selbstinszenierung betreiben, wenn beide Seiten sich immer weiter festfahren, wenn wir nicht grundsätzlich im Geiste der Zusammenarbeit handeln, um die Politik für das Wahljahr hinter uns zu lassen und wirklich Probleme zu lösen, dann denke ich, dass die Märkte hier, die Amerikanerinnen und Amerikaner und die internationale Gemeinschaft sehr bald sehr negativ reagieren werden.

Es ist in den nächsten Tagen also wichtig, dass wir einsehen, dass wir keine Zeit für bloße Gesten mehr haben. Wir haben keine Zeit für Selbstdarstellung mehr. Jetzt ist es an der Zeit zu handeln und dieses Problem wirklich zu lösen. Ich glaube, dass wir jetzt das Potenzial für einen Konsens zwischen unseren beiden Parteien sehen und erkennen, was dies von uns verlangen wird.

Es wird nicht einfach werden. Es wird schwierig werden. Wir haben noch einige schwierige Verhandlungen vor uns, die wir führen müssen, damit wir wirklich etwas tun können. Und wie ich bereits sagte, brauchen wir diesen Notfallschutz, an dem Senator McConnell und Senator Reid arbeiten. Aber wir haben die Hoffnung, dass alle diese Chance wahrnehmen.

Originaltext: Remarks by the President on the Status of Efforts to Find a Balanced Approach to Deficit Reduction

„Wir Frauen haben den Weg in ein neues Leben geebnet!“

WASHINGTON – (AD) – Nachfolgend veröffentlichen wir den Artikel „Wir Frauen haben den Weg in ein neues Leben geebnet!” von Kristen Potter aus dem elektronischen Journal „Ausbildung von Mädchen und Frauen”, herausgegeben vom Büro für internationale Informationsprogramme im US-Außenministerium im Juli 2011.

Kristen Potter ist die Leiterin des Ausbildungsteams im US-Amt für internationale Entwicklung (United States Agency for International Development – USAID) in Rabat (Marokko).

Rachida hatte, wie viele andere marokkanische Frauen, niemals die Möglichkeit, die Grundschule zu besuchen. Als das USAID im Dorf Ain Jdid einen Alphabetisierungskurs für Frauen anbot, war Rachida bereit, den Spott anderer Dorfbewohner zu ertragen, um Lesen und Schreiben zu lernen.

Das Alphabetisierungsprogramm, von dem Rachida und über 10.000 weitere marokkanische Frauen profitierten, wurde für Mütter entwickelt. Es verfolgt den Ansatz, Lese- und Schreibfertigkeiten zu vermitteln, während die Eltern darin unterstützt werden, ihren Kinder, vor allem Mädchen, größere Bildungschancen zu geben. Die Lese- und Rechenfertigkeiten, die Rachida und ihre Klassenkameradinnen erwarben, erfüllen diese Frauen und ihre Familien mit Stolz. Als Mütter können diese Frauen nun zusammen mit ihren schulpflichtigen Kindern, von denen einige an anderen USAID-Bildungsprogrammen teilnehmen, mit Freude lernen.

Obwohl Marokko erhebliche Fortschritte bei der Verbesserung des Zugangs zu Bildung gemacht hat, gehören Mädchen und Frauen in ländlichen Gegenden zu der Bevölkerungsgruppe, die am stärksten ausgegrenzt ist. Auf dem Land besucht nur eines von sieben Mädchen eine Sekundarschule. In Marokko sind auf dem Land drei von fünf Mädchen im Alter zwischen 15 und 24 Jahren Analphabeten. Aber Rachida gehört nicht dazu. Nicht mehr.

Marokko und die Vereinigten Staaten: Bildungspartner

In den vergangenen 15 Jahren hat USAID in Partnerschaft mit dem marokkanischen Bildungsministerium eine zunehmend breites Spektrum von Programmen unterstützt, die sich der Förderung der Bildung von Mädchen und Frauen widmen. Das marokkanische Programm Bildung für Mädchen (1997 – 2003) förderte beispielsweise den Zugang zu Bildung und Bildungsabschlüssen für Mädchen in ländlichen Regionen und führte zu einem 21 prozentigen Anstieg bei der Zahl der Grundschülerinnen. Darüber erreichten 24 Prozent mehr Mädchen in den Zielregionen das sechste Schuljahr, was zeigte, dass auch die Leistungen der Mädchen positiv beeinflusst worden waren.

Trotz der langen erfolgreichen Zusammenarbeit zwischen USAID und dem Bildungsministerium, bleibt die niedrige Alphabetisierungsrate, insbesondere bei Mädchen und Frauen, für Marokko ein dringliches Anliegen. Während fast 95 Prozent der marokkanischen Kinder zur Schule gehen (darunter auch 92 Prozent Mädchen aus den ländlichen Gegenden), bleibt die Alphabetisierungsrate in Marokko weiterhin niedrig. Fast ein Drittel der Jugendlichen im Alter von 15 – 24 Jahren kann weder lesen noch schreiben.

Als Teil des USAID-Bildungsprogramms lernen marokkanische Frauen grundlegende mathematische Fertigkeiten.

Erste Schritte zur Alphabetisierung

Der Weg zur Erhöhung der Alphabetisierungsrate unter Mädchen und Frauen beginnt damit, das Problem zu erkennen und früh und unmittelbar Unterstützung anzubieten.

Als Teil der landesweiten Bemühungen des Bildungsministeriums, die Chancengleichheit in der Bildung zu erhöhen, startet USAID in diesem Jahr mit einem Pilotprogramm zur Beurteilung der grundlegenden Lese- und Rechenfertigkeiten unter Grundschülern der unteren Klassen. Diese Daten werden es den marokkanischen Lehrern ermöglichen, ihre Lehrmethoden zu verbessern und den Eltern eine Rückmeldung über die schulischen Stärken und Schwächen ihrer Kinder zu geben. Die Schulverwaltung wird diese Daten auch für die Entwicklung eines Programms zur Lehrerfortbildung nutzen, das auf die Bedürfnisse der Schüler ausgerichtet ist.

Dieses Pilotprogramm wird in Doukkala-Abda, wo Rachida lebt, stattfinden, einer Region mit traditionell niedriger Schulbesuchsquote und hoher Analphabetenrate. Diese Datenerhebung wird der erste Schritt sein um sicherzustellen, dass jedes Kind Lesen und Schreiben lernt sowie grundlegende rechnerische Fertigkeiten beherrscht. Die Forschung hat gezeigt, dass das frühe Erlernen grundlegender Fertigkeiten in einem engen Zusammenhang mit dem akademischen Erfolg steht. Aber Rachida würde Ihnen auch sagen, dass Lesen und Schreiben der Schlüssel für unabhängiges und lebenslanges Lernen ist. Wenn Rachida davon spricht, wie sie lesen lernte und dadurch in der Lage war, ihre Kinder in der Schule besser zu unterstützen, lächelt sie und sagt: „Wir Frauen haben den Weg in ein neues Leben geebnet!“.

Die in diesem Artikel vertretene Meinung spiegelt nicht unbedingt die Ansichten oder die Politik der US-Regierung wider.

Originaltext: “We Women Have Paved the Way to a New Life!”

Wenn der Brunnen ausgetrocknet ist… – Wasserknappheit erfordert drastische Lösungen

Lijiang am Yangtze (China)WASHINGTON – (AD) – Nachfolgend veröffentlichen wir einen Artikel von Steven Solomon, Autor des Büros für internationale Informationsprogramme des US-Außenministeriums vom 18. Juli 2011. Steven Solomon ist Autor von Water: The Epic Struggle of Wealth, Power, and Civilization, HarperCollins 2010, und schreibt Beiträge für den Blog http://thewaterblog.wordpress.com.

„Der Frosch trinkt den Teich nicht leer, in dem er lebt.“

Amerikanisch-indianisches Sprichwort

„Wenn der Brunnen ausgetrocknet ist, erkennen wir den Wert des Wassers“, beobachtete Benjamin Franklin, einer der Gründerväter der Vereinigten Staaten, vor mehr als 200 Jahren, lange bevor sich jemand die Notwendigkeit vorstellen konnte, aquatische Ökosysteme zu schützen, oder dass Trinkwasser auf der Erde knapp werden könnte. Heute beginnt der „globale Brunnen“ zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit auszutrocknen – und wir müssen alle auf schmerzhafte Art und Weise lernen, was passiert, wenn Gesellschaften zunehmend die wichtigste Ressource der Geschichte verlieren.

So wie Öl die Weltordnung und Geschichte im 20. Jahrhundert verändert hat, beginnt die weltweite Trinkwasserknappheit die Geopolitik, Volkswirtschaft, Umwelt, nationale Sicherheit, das tägliche Leben und das Schicksal der menschlichen Zivilisation im 21. Jahrhundert zu verändern. Dies natürlich umso gravierender, da Wasser, im Gegensatz zu Öl, unersetzbar ist: Öl können wir nicht trinken oder für den Anbau von Lebensmitteln nutzen.

Im Wesentlichen büßen wir unter dem Druck der unstillbaren Nachfrage unserer modernen Weltgesellschaft – die Trinkwasser doppelt so schnell verbraucht wie die Bevölkerung wächst – die nachhaltige, zugängliche Versorgung ein, die erforderlich ist, um den Wasserbedarf für die Produktion von Lebensmitteln, zur Energiegewinnung, in der verarbeitenden Industrie und im Haushalt der gegenwärtig 6,9 Milliarden Menschen zu decken. Das ist noch wesentlich weniger als das, was wir bei derzeitigen Trends und derzeitigem Verhalten für die 9 Milliarden Menschen im Jahr 2050 benötigen werden. Die Krise wird noch weiter durch erhebliche Ineffizienz und Verschwendung verschärft, die die Wasserbewirtschaftung beinahe überall prägen.

Steigende Wasserknappheit stellt die Menschheit vor zwei gewaltige Herausforderungen – eine ökologische und eine politische. Aufgrund der weltweit ungleichen Verteilung der Trinkwasserressourcen und des Bevölkerungsdrucks geht die alarmierende Verwerfungslinie in der Weltgesellschaft auseinander. Sie teilt die Welt in jene, die Wasser haben und jene, die keines haben. International geschieht dies zwischen Staaten, aber auch innerhalb der Länder passiert dies zwischen Interessengruppen, Sektoren und wirtschaftlichen Klassen, die lange Zeit um einen gerechten Zugang zu den Wasserressourcen konkurrierten.

Wasser und der Aufstieg von Zivilisationen

Das Management der Wasserressourcen war immer ausschlaggebend für Macht, Wohlstand und menschliche Errungenschaften. Jahrhunderte lang haben Gesellschaften politisch, militärisch, wirtschaftlich und technologisch um die Kontrolle der weltweiten Wasserressourcen gekämpft. Wir haben Städte um Wasser herum gebaut, um Güter darauf zu transportieren, seine vorhandene Energie in verschiedenen Formen zu nutzen, es in der Landwirtschaft, Industrie und im Haushalt einzusetzen und eine immer umfassendere Versorgung durch die Natur zu sichern, während wir einen Schutz gegen seine zerstörerischen Erscheinungsformen wie Überschwemmungen und Dürren aufbauten.

Gigantische Wasserbauwerke werden immer mit Wendepunkten in der Zivilisation sowie dem Aufstieg und Niedergang großer Staaten in Verbindung gebracht. Die landwirtschaftliche Revolution, die vor 5.000 Jahren die Zivilisation ermöglichte, gründete sich auf ein umfassendes Bewässerungssystem in den semi-ariden Überschwemmungsebenen der Flüsse in Ägypten, Mesopotamien und im Industal. Das antike Rom entwickelte sich aufgrund von reichlich vorhandenem, bekömmlichem Trinkwasser, das über ein hervorragendes Netzwerk aus 11 Aquädukten transportiert wurde, zu einer blühenden, urbanen Zivilisation mit einer Million Einwohner im Herzen des Weltreiches.

Der Startschuss und die lebenswichtige Hauptverkehrsader für die mittelalterliche Blütezeit Chinas war die Fertigstellung des 1.770 km langen Kaiserkanals, der die Ressourcen seiner niederschlagsreichen südlichen Reisanbauregion Jangtse mit der fruchtbaren, trockenen, ressourcenreichen nördlichen Region des Gelben Flusses, die sich Problemen in der Verteidigung ausgesetzt sah. Die Blütezeit des Islams basierte auf dem Wohlstand, der durch den Handel über große Entfernungen hinweg entstand, und der mit langen Karawanen, bestehend aus wassereffizienten Kamelen, in vormals undurchdringliche, wasserlose Wüsten von Oase zu Oase gebracht wurde.

Der anfängliche Weg des Westens an die Weltspitze war geprägt von schweren Pflügen, Energie, die durch Schaufelräder erzeugt wurde, und schließlich dem Segeln auf offenem Ozean. Die zukunftsweisende Erfindung der Industriellen Revolution vor einem Vierteljahrtausend war James Watts verbesserte Dampfmaschine. Der demografische Wandel durch die Revolution auf dem Gebiet der sanitären Anlagen und öffentlichen Gesundheit im späten 19. Jahrhundert entsprangen den Bemühungen, die zunehmend dichter besiedelten urbanen Cluster vor einer Reihe durch Wasser übertragbarer Krankheiten zu schützen.

Der Aufstieg der Vereinigten Staaten wurde auf ähnliche Weise durch die Beherrschung und Verbindung dreier unterschiedlicher hydrologischer Umgebungen gefördert:

• der gemäßigten, östlichen Hälfte, mit einer durch Niederschläge begünstigten Landwirtschaft, kleinen Flüssen für industrielle Wasserkraft und Beförderungssysteme, durch den durchbrechenden Eriekanal vereinigt.

• der Verbindung der zwei Ozeanküsten durch die Schifffahrt sowie eine Vorherrschaft derselben durch den Bau des in seiner Konstruktion eine große Herausforderung darstellenden Panamakanals.

• der innovative Triumph über den ariden Far West durch Bewässerung, Wasserkraft und Hochwasserschutz mittels riesiger Mehrzweckdämme, die in der Zeit der Weltwirtschaftskrise ihren Anfang mit dem Hoover-Staudamm nahmen.

Die weltweite Verbreitung gigantischer Dämme war wiederum ein Teil der treibenden Kraft für die bahnbrechende grüne Revolution, die im 20. Jahrhundert zu einer beispiellosen Vervierfachung der Weltbevölkerung und den Anfängen der heutigen weltweit vernetzten Wirtschaft führte.

Jede Ära wird von der Art und Weise geprägt, wie die Menschen auf die großen Wasserfragen dieser Zeit reagierten. Und so ist es heute auch wieder. Um die Bedeutung des Wassers in der modernen Gesellschaft ermessen zu können, ist es erforderlich, sich zu vergegenwärtigen, wie viel wir benötigen, um unseren Lebensstandard zu halten: Ein typischer, gut genährter Fleischesser verbraucht beispielsweise mehr als 3,7 Tonnen oder 3.800 Liter pro Tag durch das Wasser, das für die Herstellung von Lebensmitteln benötigt wird, die er isst. Eine einzige Portion Hamburger von mit Getreide gefütterten Rindern macht allein 60 Prozent der Gesamtmenge aus.

Zur Herstellung eines einzigen Baumwoll-T-Shirts werden im Anbau 2.850 Liter oder 2,7 Tonnen Wasser benötigt. Vom Hut zu den Lederschuhen trägt ein durchschnittlicher US-Bürger der Mittelschicht Kleidung, die in ihrer Produktion circa 23 Tonnen Wasser verbraucht. Die Herstellung von Chemikalien, Stahl, verarbeiteten Lebensmitteln und der Abbau von Bodenschätzen sind ebenfalls sehr wasserintensive Bereiche. Die Herstellung eines einzigen Halbleiterchips für einen Rechner erfordert nicht weniger als 7.600 Liter Reinstwasser – oder 7,7 Tonnen –, während bei der Herstellung eines Autos fast 151.000 Liter oder 155 Tonnen Wasser verbraucht werden. In Industrieländern wird das meiste Wasser nicht in der Landwirtschaft verbraucht, sondern für die Energieerzeugung benötigt – mehr als 40 Prozent des gesamten Wasserverbrauchs in den Vereinigten Staaten geht in die Energiegewinnung, und zwar überwiegend in die Kühlung thermoelektrischer Kraftwerke.

Die Förderung, der Transport und die Behandlung solch enormer Wassermengen – das mit etwa 1 kg pro Liter 20 Prozent mehr wiegt als Öl – ist eine der größten energiepolitischen und ingenieurtechnischen Herausforderungen, der moderne Gesellschaften gegenüberstehen. Im Gegensatz dazu wird die Bereitstellung von Wasser in den ärmsten Regionen der Welt, in denen es nur wenige Rohrleitungen und Pumpen gibt, tagtäglich überwiegend durch menschliche Schwerstarbeit gewährleistet. In den ländlichen Regionen Kenias, wo ich 2004 an der Verlegung von mehr als 3 km Wasserleitungen für ein Dorf ohne anderen Zugang zu Wasser mitgearbeitet habe, verbringen Frauen und Kinder normalerweise jeden Tag drei Stunden damit, zu Fuß Wasser zu besorgen, um ihren geringen Bedarf an sauberem Wasser im Haushalt zu decken – das sind circa drei Toilettenspülungen pro Person, das ergibt insgesamt aber dennoch 91 kg für eine fünfköpfige Familie. Der Verlust an Zeit für produktive Arbeit und den Besuch einer Schule zeigt auf herzzerreißende Weise – wenn dies überhaupt noch erforderlich ist –, wie unerlässlich Wasser sogar für die grundlegendste wirtschaftliche Entwicklung ist.

Das weltweite Wasserproblem

Die Bewältigung der heute weltweit wachsenden Wasserknappheit erfordert sowohl ökologische als auch politische Lösungen. Indem der Umwelt mehr Wasser entzogen als ihr durch den natürlichen Wasserkreislauf zurückgegeben wird und durch die Verschmutzung der bestehenden Ressourcen, zerstört die Menschheit die weltweiten Trinkwasser-Ökosysteme in ungeahntem Ausmaß. Das Ergebnis ist, dass wir nun zum ersten Mal seit Entstehung der Zivilisation bewusst ausreichend Wasser für den Erhalt gesunder Ökosysteme vorsehen müssen, die die Quelle aller gesellschaftlich wichtigen ökonomischen und menschlichen Nutzung sind. Diese Warnung war das Ergebnis der ersten umfassenden ökologischen Überprüfung der Umwelthygiene dieses Planeten, des Millennium Ecosystem Assessment 2005.

Den mehr als 70 größten Flüssen, darunter Nil, Indus, Gelber Fluss, Euphrat und Colorado River, wird so viel Wasser entzogen, dass ihr Wasser nicht mehr die einst fruchtbaren Deltas und Meere erreicht. Die Hälfte der Feuchtgebiete auf der Welt ist verschwunden. Agrochemische und industrielle Verschmutzung zerstört das Leben im Wasser, kontaminiert Trinkwasservorräte und gelangt in die Nahrungsmittelkette. Vom Himalaja bis zu den Anden schmelzen Berggletscher in noch nie da gewesener Geschwindigkeit, trocknen die Quellen großer Flüsse aus und bedrohen die Stabilität von Ländern, die von diesen Gewässern abhängig sind. Mit Verschärfung der Umweltkrise werden auch die politischen Gefahren immer größer.

Der Indus, die lebenswichtige Wasserquelle für Bewässerung in Pakistan, wird voraussichtlich 30 Prozent seiner Wasserkapazität in der Trockenzeit einbüßen, da die Gletscherquelle im Himalaja verschwindet, während die Bevölkerung Pakistans im Verlaufe der nächsten Generation unerbittlich um ein Drittel anwachsen wird. Auf seiner eigenen Suche nach mehr elektrischer Energie hat Indien flussaufwärts aggressiv damit begonnen, im heiß umkämpften Kaschmir, Nebenflüsse aufzustauen, und hat so die bilateralen Spannungen im Zusammenhang mit dem schwierigen Abkommen über die Aufteilung des Flusses verschärft. Um den Mangel an Trinkwasser auszugleichen, graben Landwirte in Ländern wie Indien, Pakistan, Nordchina, im Central Valley in Kalifornien, die mit Bewässerungslandwirtschaft arbeiten, tief und zapfen, um ihre Ernte zu sichern, Grundwasser in einem Ausmaß ab, das die Erneuerungsrate übersteigt. Ernten, die von schwindendem Grundwasser abhängig sind, stellen eine auf Dauer nicht aufrecht zu erhaltende „Lebensmittelblase“ dar, die bald platzen wird, wenn mehr und mehr Pumpen die Grundwasser führenden Schichten erreichen.

Trinkwasserknappheit ist ein Hauptgrund dafür, dass voraussichtlich 3,5 Milliarden Menschen in Ländern leben werden, die bis 2025 nicht dazu in der Lage sein werden, sich selbst zu versorgen, so die Schlussfolgerung des Millennium Ecosystem Assessment. Sie werden zunehmend von importiertem Getreide und stabilen internationalen Märkten abhängig sein. Wie Indien, Pakistan und China die drohenden Probleme im Bereich der nationalen Lebensmittelsicherheit angehen, wird erheblichen Einfluss auf die Gesamtmenge verfügbarer Lebensmittel und die Preisschwankungen von Afrika bis Südostasien und auch im bereits stark von Importen abhängigen und politisch leicht entflammbaren Nahen Osten haben. Es ist sehr wahrscheinlich, dass es aufgrund der 2,6 Milliarden Menschen ohne ausreichende sanitäre Einrichtungen und 1 Milliarde Menschen ohne Zugang zu Trinkwasser zu einer humanitäre Krise und einer Krise im Gesundheitswesen kommen wird.

Die Wasserkrise ist untrennbar mit dem Klimawandel verbunden, der durch größere Schwankungen und extreme Ereignisse in Zusammenhang mit Wasser Schäden verursacht, wie beispielsweise Dürren, Überschwemmungen, Schlammlawinen, steigende Meeresspiegel und schmelzende Gletscher, die eine Wasserinfrastruktur überlasten, die darauf nicht eingestellt ist. Es gibt einige Voraussagen, laut denen es infolgedessen innerhalb eines Jahrzehnts 150 Millionen Umweltflüchtlinge geben könnte, die sich innerhalb von Staatsgrenzen oder auch über sie hinweg auf die Suche nach einer neuen Lebensgrundlage und einem neuen Zuhause machen könnten.

Da die Energieerzeugung so wasserintensiv ist, haben Länder mit geringen Wasserressourcen Schwierigkeiten, den zukünftigen Energiebedarf ihrer Länder zu decken. Die Fähigkeit Chinas, sein schnelles Wirtschaftswachstum aufrecht zu erhalten, hängt teilweise davon ab, ob es die Probleme mit der Wasserknappheit überwinden kann. Durch die Verfügbarkeit von nur einem Fünftel der Wassermenge, die Menschen in den Vereinigten Staaten zur Verfügung steht, mussten Fabriken außer Betrieb genommen und große Energieprojekte aufgeben werden. Die Wasserverschmutzung ist so gravierend, dass das Wasser häufig nicht für die Landwirtschaft geeignet ist.

Wasserreichtum verteilen

Eine der großen diplomatischen Herausforderungen am Beginn einer Zeit der Trinkwasserknappheit wird sein, ob Staaten in der Lage sein werden, die 263 Flussgebiete, unter der Erde versteckten Grundwassersysteme und unzähligen Berggletscher gerecht zu teilen, die sich nicht an internationale Grenzen halten. So werden beispielsweise die Bestrebungen Iraks zum Aufbau eines Staatswesens ernsthaft dadurch behindert, dass zu wenig Strom und Wasser für die Bewässerung vorhanden ist. Ursache hierfür ist, dass der Euphrat weniger Wasser führt, das stromaufwärts von der Türkei und Syrien abgeleitet wird. Es gibt Vorhersagen, nach denen die Wasserprojekte dieser drei Länder das 1,5-fache der Gesamtwassermenge des Euphrat verschlingen würden – was physikalisch unmöglich ist. Der Uferanlieger, der an erster Stelle kommt, die Türkei, ist geopolitisch gesehen in der Position, entscheiden zu können, wie viel den Nachbarstaaten übrig gelassen wird. Eine ähnliche Dynamik entwickelt sich in Südostasien, wo der chinesische Einfluss auf das tibetische Plateau dem Land die Kontrolle über die Quellen der großen Flüsse der Region gibt, von denen 2 Milliarden Menschen abhängig sind.

Im Verlaufe der Geschichte ist die Energiegewinnung mit zunehmenden technischen Fähigkeiten der Staaten in der Bewirtschaftung der Wasserläufe flussaufwärts gewandert. Eine derartige Entwicklung zeichnet sich auch am Nil ab. Über Jahrtausende hat Ägypten den Löwenanteil des Flusses beansprucht, auch wenn 85 Prozent seines Wassers seinen Ursprung im verarmten Äthiopien haben, das bis vor kurzem kaum etwas davon für seine eigene Entwicklung genutzt hat. In den vergangenen zehn Jahren haben die Nilstaaten an der Aushandlung einer Vereinbarung zur gemeinschaftlichen Flussentwicklung und zur Aufteilung des Wassers in einer Region gearbeitet, die sehr arm und jung ist, und laut Vorhersagen bis 2025 einen Bevölkerungszuwachs um 50 Prozent auf dann eine halbe Milliarde Menschen erleben wird.

Der ehemalige UN-Generalsekretär Boutros Boutros-Ghali sagte bekanntermaßen bereits vor 25 Jahren voraus, dass die „Kriege des 21. Jahrhunderts um Wasser geführt werden“. Während die Länder bisher mehr Gründe für eine Zusammenarbeit gefunden haben als für Krieg, steigt der Druck durch das Anwachsen der Bevölkerung, die Knappheit und die beschleunigten Anpassungen aufgrund des Klimawandels rapide an. Staaten, die nur über knappe Wasserressourcen verfügen und daher nicht ausreichend Lebensmittel, Energie und Güter produzieren können, werden früher als andere scheitern. Scheiternde Staaten werden zu Brutstätten für regionale Instabilität, Kriege, Völkermorde, internationalen Terrorismus, Piraterie, Epidemien, Hungersnöte, massenhafte Abwanderung und andere Tragödien, deren Folgen über Grenzen hinweg spürbar sein werden.

Globale Entscheidungen

Die Geschichte lehrt uns, dass wir einen schwierigen Anpassungsprozess vor uns haben, wie jedes Mal, wenn Bevölkerungszahlen und grundlegende Ressourcen auf unhaltbare Art und Weise aus dem Gleichgewicht geraten. Die zentralen Fragen betreffen den Schweregrad und die Aufteilung der Lasten dieser Anpassung. Und: Welche Gesellschaft wird sich am schnellsten anpassen und als führende Nation hervorgehen, und welche wird sich nicht anpassen und untergehen?

Wir haben die Wahl zwischen zwei Möglichkeiten:

  • Steigerung von Produktivität und Nachhaltigkeit der zur Verfügung stehenden Wasserressourcen durch schwierige politische Änderungen, die Organisation, Technologie und Effizienz bei der Allokation steigern.

 

  • Zeitgewinn durch den Abbau von Grundwasser oder den Bau langer Pipelines, die Wasser aus Regionen mit vorübergehendem Überschuss in unter Wassermangel leidende Gegenden transportieren in der Hoffnung darauf, dass eine den großen Dämmen des 20. Jahrhunderts ähnliche Wundertechnologie erfunden wird, die uns rettet.

 

Obwohl es bereits einige vielversprechende Entwicklungen in Richtung optimierter, nachhaltiger Effizienz gegeben hat, folgt die Menschheit derzeit immer noch dem Pfad des geringsten politischen Widerstands und versucht, auf Zeit zu spielen. Aber die Technologien, die uns retten könnten – Entsalzung und genetisch veränderte und weniger Wasser benötigende Pflanzenarten werden hier am häufigsten genannt – werden uns wahrscheinlich nicht früh genug und in ausreichendem Umfang erreichen, um die wachsenden globalen Defizite auszugleichen.

Die Effektivität, mit der die wasserreichen Nationen ihre immer kostbareren Wasservorräte verwalten, wird auch global gesehen eine wichtige Rolle spielen. Durch ihren großen Wettbewerbsvorteil als eine der wasserreichsten und wirtschaftlich stärksten Regionen der Welt eröffnet sich insbesondere den Vereinigten Staaten eine einzigartige Möglichkeit. Sie können Wirtschaftswachstum erzielen, gleichzeitig ihren internationalen Einfluss vergrößern und dabei helfen, die schlimmsten Folgen für die wasserarmen Regionen abzuwenden, indem sie sich für die Produktion weniger wasserintensiver Güter und Nahrungsmittel einsetzen, nachhaltige Modelle für die Wasserwirtschaft entwickeln und die vielseitige internationale Unterstützung bieten, die eine immer durstiger werdende Welt braucht. Aber um dies effektiv tun zu können, bedarf es eines Wandels in der nationalen Wasserwirtschaft. Derzeit wird Wasser als Ressource unterschätzt, nicht zeitgemäß verwaltet und oft ineffizient verteilt. Es sollte aber als wirtschaftliches Gut geschätzt werden, das auf für Ökosysteme nachhaltige und produktive Art und Weise genutzt wird.

Auf internationaler Ebene hat die Regierung Obama im März 2010 einen ersten Schritt unternommen, indem sie ein fünfteiliges Konzept ankündigte, das die globale Trinkwasserkrise zu einer Priorität in Fragen der nationalen Sicherheit und der diplomatischen Herausforderungen des Landes macht. Außenministerin Hillary Clinton betonte die Chancen und Risiken, die in der Bedeutung des Wassers für die Gesellschaft begründet liegen: „Wasser ist eine der großen Chancen unserer Zeit für Diplomatie und Entwicklung. Selten gibt es ein Thema, bei dem effektive Diplomatie und Entwicklung es erlauben, Millionen Menschenleben zu retten, den Hunger der Menschen zu lindern, die Frauen zu stärken, unsere nationalen Sicherheitsinteressen zu verfolgen, die Umwelt zu schützen und Milliarden Menschen zu zeigen, dass die Vereinigten Staaten sich für das Wohl eines jeden einsetzen. Wasser ist genau so ein Thema.“

Aber Wasser hat auch noch eine andere besondere Eigenschaft, die berücksichtigt werden muss, wenn man das Thema Wasserknappheit begreifen will: die untrennbare Verbindung zwischen Wasser und Mensch, die Bedeutung von Wasser nicht nur für das Leben der Menschen an sich, sondern für ein würdiges menschliches Leben. Von den von Menschenhand gebauten Staudämmen aus Schlamm und den mit Muskelkraft betriebenen Wasserpumpen in ländlichen Gebieten Afrikas zu massiven Dämmen und mächtigen Wasserpumpwerken in den industriellen Demokratien: Die Geschichte des Wassers ist überall eine vielschichtige, unausgeglichene Geschichte antiker, mittelalterlicher und moderner Methoden, die nebeneinander bestanden. Für die sorgenfreien wasserreichen Gebiete brachten sie große und oft unterschätzte Vorteile, für die wasserarmen Regionen lähmende Nachteile, wie zum Beispiel eine das Leben und die Arbeitskraft einschränkende Unterernährung, einen schlechten Gesundheitszustand oder die Vernachlässigung von Bildung zugunsten der täglichen Suche nach Wasser. Das Bedürfnis nach Wasser steht über jedem menschlichen Prinzip, jeder sozialen Bindung, jeder Ideologie. Wasser ist buchstäblich unverzichtbar. Angesichts der Tatsache, dass extremer Wassermangel oft eine grundlegende Ursache für Armut, Krankheit, humanitäre Katastrophen, gescheiterte Staaten und Konflikte ist, sollte man – wenn man ein grundsätzliches Menschenrecht auf ein materielles Gut festlegen könnte – beim Zugang zu zumindest sauberem, frischem Wasser beginnen.

Die Reaktion eines jeden Mitglieds der Weltgemeinschaft auf die globale Trinkwasserkrise ist letztendlich ein Urteil über die Menschheit – und über das endgültige Schicksal der menschlichen Zivilisation. Denn wie Wissenschaft, Bräuche und unsere eigene innere Stimme uns lehren: Wir sind Wasser.

(Dieser Text ist ein Produkt des Büros für internationale Informationsprogramme im US-Außenministerium. Website: http://iipdigital.usembassy.gov/iipdigital-en/index.html)

Originaltext: When the Well is Dry … – Water scarcity requires drastic solutions

Die jamaikanische Perspektive – aus der Sicht eines Inselstaates

WASHINGTON – (AD) – Nachfolgend veröffentlichen wir einen Artikel von Anthony Chen, Autor des Büros für internationale Informationsprogramme des US-Außenministeriums vom 18. Juli 2011. Anthony Chen ist emeritierter Professor für Physik der Atmosphäre an der University of the West Indies in Mona, Jamaika. Dort war er Leiter der Climate Studies Group. Er ist Mitglied des Weltklimarates (IPCC), der 2007 zusammen mit dem damaligen US-Vizepräsidenten Al Gore den Friedensnobelpreis erhielt.

  

 „Das Rauschen des Wassers sagt, was ich denke.”

Chuang Tzu, chinesischer Philosoph (um 360 v. Chr. – 275 v. Chr.)

Stellen Sie sich vor, Sie wären vor etwa 10.000 Jahren, als die Erde sich nach der letzten Eiszeit wieder erwärmte, auf einer Insel in höheren tropischen Breiten. Wie zum Beispiel Jamaika. Ohne moderne Thermometer und Mareographen hätten Sie den langsamen Anstieg des Meeresspiegels oder der Temperatur wahrscheinlich gar nicht bemerkt. Sie hätten keine Notwendigkeit gesehen, dass wir uns anpassen müssen, um die tief greifenden Veränderungen zu vermeiden, die die Welt nun durchlebt.

Vergleichen Sie dies einmal mit dem Leben als moderner Insulaner. Die Erwärmung des Klimas wird Sie ihr ganzes Leben lang begleiten. Sie werden sich dazu veranlasst sehen, eine Klimaanlage in Ihrem Haus zu installieren oder Ventilatoren anzubringen. Sie werden merken, dass Dürreperioden und Überschwemmungen immer häufiger und Sturmfluten immer zerstörerischer werden. Wahrscheinlich werden Sie dazu gezwungen sein, vorübergehend Maßnahmen zu ergreifen, um einigen dieser Veränderungen begegnen zu können. Dazu gehört beispielsweise, dass Sie sich während einer Dürreperiode mit Wasser bevorraten oder Ihr Haus während eines Hurrikans sichern. Aber nichts können Sie vorher planen.

Wo liegt der Unterschied zwischen heute und damals? Die Erwärmung damals fand in einer Zeitspanne von tausenden von Jahren statt und wurde durch natürliche Schwankungen hervorgerufen, wie zum Beispiel bei der Sonneneinstrahlung, Vulkanausbrüchen oder in der Vegetation. Die derzeitige Erwärmung fand innerhalb von nur 150 Jahren statt und wurde nicht nur durch Entwicklungen in der Natur verursacht, sondern auch durch die steigenden Emissionen von Treibhausgasen wie Kohlendioxid, Methan oder Stickstoffoxid seit der Industriellen Revolution. Laut Weltklimarat (IPCC) haben Schätzungen sowie tatsächliche Messungen und Daten einen exponentiellen Anstieg dieser Gase während dieses Zeitraums gezeigt. Mit Hilfe von Messinstrumenten konnten Wissenschaftler eine Erwärmung des Karibikraumes, zur Trocknung führende Faktoren sowie den Anstieg des Meeresspiegels ausmachen.

Lassen Sie uns nun ins Jahr 2100 springen. Wir können uns viele Zukunftsszenarien ausmalen, Klimaforscher konzentrieren sich jedoch auf zwei mögliche Entwicklungen: Entweder wird die globale Erwärmung unter zwei Grad Celsius bleiben oder sie überschreitet zwei Grad Celsius. Wenn letzteres eintritt, werden die Folgen des Klimawandels noch gravierender und wahrscheinlich irreversibel sein. Am besorgniserregendsten wären die Auswirkungen für die Sektoren Wasser und Gesundheit.

Mögliche Folgen

Die Inselstaaten in hochtropischen Regionen müssen sich auf trockenere Zeiten einstellen. Das liegt daran, dass ein Großteil der Feuchtigkeit dieser Region in Richtung Äquator transportiert wird, wo es dem Weltklimarat zufolge viel feuchter werden wird. Eine aktuelle Studie kommt zu dem Schluss, dass einige Wassereinzugsgebiete nicht mehr ausreichend Wasser liefern können. Das Wassereinzugsgebiet des Großraums Kingston auf Jamaika wird mehr Wasser als nötig liefern, aber sehr stark ausgelastet sein. Ortschaften, die von nur einem Brunnen oder einem Fluss mit Wasser versorgt werden, werden besonders gefährdet sein. Regionale Nutzpflanzen, die nicht bewässert werden und wichtig für den jamaikanischen Markt sind, werden ebenfalls bedroht sein.

Regenfälle, die mit Stürmen einhergehen, werden zwar weniger häufig auftreten, aber vermutlich viel schwerer und heftiger ablaufen. Überschwemmungen, Erdrutsche und Bodenerosion, besonders in Bergregionen, sowie Sedimenttransport und ein hoher Trübungsgrad des Wassers werden verheerende Folgen haben. Da viele der Quellen, die für die Landwirtschaft, die öffentliche Wasserversorgung und die jamaikanische Industrie wichtig sind, an der Küste liegen, besteht bei einem wesentlichen Anstieg des Meeresspiegels die Gefahr, dass Salzwasser eindringt und sich so die Wasserqualität verschlechtert.

Weitere Folgen

  • Hurrikane können weit verheerender verlaufen als bisher. Hurrikane treten naturbedingt zyklisch auf, aber Forschungsergebnisse zeigen, dass eine höhere Frequenz und Stärke dieser Stürme durch einen Anstieg der Meeresoberflächentemperatur im Atlantik verursacht werden kann.
  • Der steigende Meeresspiegel und Sturmfluten gefährden Siedlungen und Dörfer.
  • Korallenriffe könnten ausbleichen oder sterben.
  • Es droht eine Erschöpfung der Küstenressourcen. Das schließt Fischsterben und die Migration von Fischbeständen in kühlere Gewässer mit ein.
  • Einige Pflanzenarten könnten aussterben.

In Verbindung mit anderen Bedingungen, die zu einem Rückgang im Tourismus führen könnten, würden alle oben genannten Punkte mit Ausnahme des letzten zu menschlichem Leid führen und stellen eine große Herausforderung für den sozialen Frieden und den wirtschaftlichen Fortschritt dar.

Zudem werden viele gesundheitliche Probleme entstehen, unter anderem Denguefieber. Forschungen an der University of the West Indies haben gezeigt, dass ein Temperaturanstieg von mehr als zwei Grad Celsius zu einer Verdreifachung der Ansteckungsgefahr führen kann. Es wurde über einen direkten Zusammenhang zwischen der Temperatur und dem Denguefieber in der Karibik berichtet. Bei steigenden Temperaturen kann mit einer Zunahme der Übertragung von Denguefieber gerechnet werden. Das Gleiche gilt für die gefährlichere Form, das hämorrhagische Denguefieber.

Sofortiges Handeln erforderlich

Bei derart gravierenden Herausforderungen ist eine reaktive Vorgehensweise nicht mehr möglich. Stattdessen muss es geplante und anpassungsfähige Strategien und Maßnahmen auf nationaler oder internationaler Ebene geben. Auf nationaler Ebene wurden dem jamaikanischen Wasserministerium, basierend auf einer Studie von ESL Management Solutions Ltd., Empfehlungen für den Wassersektor vorgelegt. Dem Gesundheitsministerium des Landes wurde eine Reihe von Strategien bei einer möglichen Zunahme der Übertragungsrate von Denguefieber vorgelegt, darunter auch ein Frühwarnsystem.

Weitere Unterstützung bietet das von den Vereinten Nationen finanzierte gemeindebasierte Anpassungsprogramm, das ausgewählten Gemeinden eine Anpassung an den Klimawandel ermöglicht. Die Umweltstiftung von Jamaika, eine kommunale Behörde, ist Nichtregierungsorganisationen und anderen Institutionen ebenfalls dabei behilflich, Anpassungs- und Folgenminderungsprojekte zu finanzieren.

Auch auf regionaler Ebene gibt es eine Reihe von Initiativen. Das Klimawandelzentrum der karibischen Gemeinschaft mit Sitz in Belize koordiniert einen Großteil der Maßnahmen der karibischen Region gegen den Klimawandel. Das Zentrum ist ein Knotenpunkt für Informationen über den Klimawandel und die Maßnahmen der Region zur Bekämpfung des Klimawandels. Der Klimawandel zählt inzwischen zum Aufgabenbereich der karibischen Behörde für Katastrophenhilfe, einem interregionalen Netzwerk der karibischen Gemeinschaft mit Sitz in Barbados.

Auf nationaler Ebene spiegelt sich dieses Engagement, auf die Bedrohung des Klimawandels zu reagieren, im Allgemeinen nicht in der Politik der Region wider, wobei. Guyana eine erwähnenswerte Ausnahme ist. Angesichts des Ausmaßes der Bedrohungen sowie des globalen und allumfassenden Wesens des Klimawandels schlagen einige vor, die jamaikanische Regierung solle eine integrierte, in alle Ebenen der innen- und außenpolitischen Maßnahmen und Programme eingebundene Vorgehensweise entwickeln. Die Rolle der nationalen meteorologischen Behörden muss gestärkt werden, und ihre Fachkenntnisse müssen in die Politik einfließen.

Auf internationaler Ebene ist das dringlichste Thema die Eindämmung des Klimawandels. Sowohl Industrie- als auch Entwicklungsländer müssen ihre Treibhausgasemissionen reduzieren, um die Folgen eines Temperaturanstiegs um mehr als zwei Grad Celsius abzuwenden. Das Bündnis der kleinen Inselstaaten, eine zwischenstaatliche Organisation, in der die Stimmen von 43 kleinen Insel-Entwicklungsstaaten zusammengefasst sind, von denen 37 Mitglied der Vereinten Nationen sind, erarbeitet derzeit Möglichkeiten zur Emissionsreduzierung. In diesem Bündnis sind 28 Prozent der Entwicklungsländer, 20 Prozent aller UN-Mitglieder und fünf Prozent der Weltbevölkerung vertreten. Zusätzlich zur Emissionsreduzierung versucht das Bündnis, die Industrieländer für die Finanzierung von Anpassungsprogrammen auf den kleinen Inseln zu gewinnen.

Unsere Fallstudien zur Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Inselbewohner haben sich gewandelt, von einem Bild, das wenig Maßnahmen gegen den Klimawandel erforderte zu einem, das gravierende Auswirkungen des Klimawandels zu verzeichnen haben wird. Die Bewohner kleiner Inseln haben am wenigsten zum Klimawandel beigetragen, aber sie werden unter denjenigen sein, die von den Auswirkungen am stärksten betroffen sind. Aus Sicht der Inselbewohner ist es absolut unerlässlich, dass alle Länder Maßnahmen zur Eindämmung des Klimawandels und zur Anpassung ergreifen.

Originaltext: The View from Jamaica – An island perspective

Präsident Obama zum US-Haushaltsdefizit

WASHINGTON – (AD) – Nachfolgend veröffentlichen wir in Auszügen die Erklärung von US-Präsident Barack Obama zum Haushaltsdefizit der Vereinigten Staaten vom 5. Juli 2011.

 

Präsident Obama erörterte heute in einer Ansprache den Stand der Bemühungen, einen ausgewogenen Ansatz zur Reduzierung des Haushaltsdefizits zu finden. Der Präsident erklärte, dass Fortschritte erzielt wurden, und dass trotz der Notwendigkeit, einige echte Meinungsverschiedenheiten beizulegen, noch größere Fortschritte in Reichweite seien. 

Er betonte allerdings auch, dass man es sich nicht leisten könne, nur das absolute Minimum zu tun, um kurzfristig die Zahlungsunfähigkeit zu vermeiden, und dass man die Gelegenheit ergreifen müsse, maßgebliche Fortschritte zur Reduzierung des Defizits zu erzielen:

„Ich habe gehört, dass einige im Kongress womöglich nur eben gerade genug tun wollen um zu gewährleisten, dass die Vereinigten Staaten kurzfristig nicht zahlungsunfähig werden und die Lösung des größeren Problems im Zusammenhang mit dem Haushaltsdefizit lieber auf die lange Bank schieben würden. Ich teile diese Ansicht nicht. Ich glaube nicht, dass die Amerikaner uns hierher geschickt haben, damit wir schwierige Probleme umgehen. Genau das regt sie an Washington so sehr auf: wenn zwei Parteien einfach den Weg des geringsten Widerstands wählen. Das möchte ich hier nicht tun.

Meines Erachtens haben wir gerade jetzt die unwiederbringliche Chance, etwas wirklich Großes zu leisten – unser Defizitproblem so anzugehen, dass unsere Regierung gezwungen ist, im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu handeln, dass unsere Wirtschaft zukünftig auf einer solideren Grundlage steht und wir dennoch in diese Zukunft investieren können.

Die meisten von uns stimmen bereits überein, dass zur wirklichen Lösung unseres Defizitproblems im nächsten Jahrzehnt Billionen Dollar an Einsparungen vorgenommen werden müssen und in den folgenden Jahrzehnten noch erheblich mehr. Das hat bereits der parteiübergreifende Haushaltsausschuss gesagt, das ist auch der Betrag, den ich vor einigen Monaten vorgeschlagen habe, und das ist in etwa der Betrag, den die Republikaner in ihren Plänen vorgesehen haben. Und das ist die Art maßgeblicher Fortschritte, auf die wir hinarbeiten sollten.“

Präsident Obama wiederholte seine Überzeugung, dass ein ausgewogener Ansatz zur Reduzierung des Haushaltsdefizits notwendig sei:

„Um das zu erreichen, müssen wir meines Erachtens ausgewogen vorgehen. Wir müssen die Ausgaben bei den nationalen Programmen, den Verteidigungs-, den Sozialleistungsprogrammen und manche steuerbezogene Ausgaben reduzieren – die Ausgaben durch gewisse Steuererleichterungen und –abzüge für die vermögendsten Amerikaner. Dazu werden beide Parteien ihre Wohlfühlzonen verlassen und einen wirklichen Kompromiss finden müssen.

Ich bin dazu bereit. Ich glaube, es gibt in beiden Parteien genug Abgeordnete, die dazu bereit sind. Ich weiß, dass wir uns in den nächsten beiden Wochen zusammensetzen und einen Kompromiss finden müssen, mit dem das Defizit reduziert und die Glaub- und Kreditwürdigkeit der US-Regierung und der Amerikaner aufrechterhalten werden kann.“

Abschließend bat der Präsident die Vorsitzenden beider Parteien und beider Kammern des Kongresses, am Donnerstag ins Weiße Haus zu kommen, um auf der bereits geleisteten Arbeit aufzubauen und auf eine endgültige Einigung hinzuarbeiten.

„Ich hoffe – während die Diskussion heute und morgen fortgesetzt werden -, dass alle ihre Ultimaten und ihre politische Rhetorik an der Tür abgeben und wir das tun werden, was für unsere Wirtschaft und unsere Bürger am besten ist.

Ich möchte noch einmal betonen, was ich schon bei meiner Pressekonferenz gesagt habe: Dies sollte nicht erst in letzter Minute geschehen. Ich finde es wichtig, dass wir den Amerikanern und ihrer politischen Führung zeigen, dass wir eine gemeinsame Basis finden und unsere Probleme verantwortungsvoll lösen können. Wir wissen, das wird schwierige Entscheidungen erfordern. Ich meine, wir sollten diese schwierigen Entscheidungen lieber heute als morgen treffen.

Das erwarten die Amerikaner von uns. Das ist für eine gesunde Wirtschaft erforderlich. Das ist die Art von Fortschritt, die ich machen möchte.“

Originaltext: President Obama Addresses the Status of the Deficit Negotiations