Eine Republik der Wissenschaft

WASHINGTON – (AD) – Nachfolgend veröffentlichen wir das Kapitel “Eine Republik der Wissenschaft” aus der Broschüre Portrait of the USA, die vom Büro für internationale Informationsprogramme des US-Außenministeriums herausgegeben wurde.

Die Vereinigten Staaten entstanden während des Zeitalters der Aufklärung (circa 1680 bis 1800), einer Zeit, in der sich Schriftsteller und Denker vom Aberglauben der Vergangenheit abwandten. Stattdessen betonten sie die Macht der Logik und der unparteiischen Fragestellung, insbesondere die Erforschung der Natur. Philosophen der Aufklärung hegten die Vision einer “Republik der Wissenschaft”, in der Ideen frei ausgetauscht und nützliches Wissen das Leben aller Bürger verbessern würde.

Seit ihrer Gründung als unabhängige Nation förderten die Vereinigten Staaten Wissenschaft und Erfindungen. Dies geschah durch die Förderung der freien Entfaltung der Ideen sowie der Zunahme “nützlichen Wissens” und indem man kreative Menschen aus der ganzen Welt willkommen hieß.

Selbst die Verfassung der Vereinigten Staaten spiegelt den Wunsch nach Förderung wissenschaftlicher Kreativität wider. Sie erteilt dem Kongress die Befugnis “Fortschritte in der Wissenschaft und der Anwendung der Wissenschaften zu fördern, indem Autoren und Erfindern für einen begrenzten Zeitraum Exklusivrechte an ihren Werken und Entdeckungen zugesprochen werden”. Diese Klausel bildete die Basis für die amerikanischen Patent- und Urheberrechte, die gewährleisten, dass Erfindungen und andere kreative Arbeiten nicht kopiert oder ohne Entschädigung des Urhebers verwendet werden können.

EIN GUTES KLIMA FÜR DIE WISSENSCHAFT

In den ersten Jahrzehnten ihrer Geschichte waren die Vereinigten Staaten relativ isoliert von Europa und auch relativ arm. Dessen ungeachtet waren sie ein guter Standort für die Wissenschaft. Die amerikanische Wissenschaft stand in engem Zusammenhang mit den Bedürfnissen der Menschen und war frei von den vorgefassten Meinungen Europas.

Zwei der Gründerväter der Vereinigten Staaten waren renommierte Wissenschaftler. Benjamin Franklin unternahm eine Reihe von Experimenten, die das Wissen der Menschen über Elektrizität erweiterte. Unter anderem bewies er etwas, das man zwar geahnt hatte, aber noch nicht hatte nachweisen können: dass ein Blitz eine Form von Elektrizität ist. Franklin erfand auch praktische Dinge wie bifokale Brillen und einen Ofen, der seinen Namen trägt. (Der Franklin-Ofen passt in einen Kamin und strahlt Wärme in den Raum aus.)

Thomas Jefferson war Student der Landwirtschaft und führte verschiedene Reissorten, Olivenbäume und Gräser in die Neue Welt ein. Er betonte die wissenschaftlichen Aspekte der Expedition von Lewis und Clark (1804-06) in den Nordwesten des Landes an die Pazifikküste. Eines der Vermächtnisse der Expedition waren detaillierte systematische Informationen über die Pflanzen und Tiere der Region.

Wie Franklin und Jefferson waren die meisten amerikanischen Wissenschaftler Ende des 18. Jahrhunderts daran beteiligt, die Unabhängigkeit Amerikas und die Bildung einer neuen Nation zu erreichen. Zu diesen Wissenschaftlern zählten der Astronom David Rittenhouse, der Mediziner Benjamin Rush und der Naturhistoriker Charles Willson Peale.

Während des amerikanischen Unabhängigkeitskriegs war Rittenhouse an der Gestaltung der Verteidigunsanlagen von Philadelphia beteiligt. Er baute Teleskope und Navigationsinstrumente für das US-Militär. Nach dem Krieg entwarf Rittenhouse Straßen- und Kanalsysteme für den Bundesstaat Philadelphia. Später wandte er sich wieder dem Studium der Sterne und Planeten zu und erwarb sich einen weltweiten Ruf auf diesem Gebiet.

Als Generalstabsarzt rettete Benjamin Rush im Unabhängigkeitskrieg unzählige Leben von Soldaten, indem er Hygiene- und Gesundheitspraktiken förderte. Durch die Einführung neuer medizinischer Behandlungsmethoden machte er das Pennsylvania Hospital in Philadelphia zu einem Beispiel für die medizinische Aufklärung. Nach seinem Militärdienst richtete Rush die erste freie Klinik in den Vereinigten Staaten ein.

Charles Willson Peale ist am besten als Künstler in Erinnerung, aber er war auch Naturhistoriker, Erfinder, Pädagoge und Politiker. Er gründete das erste große Museum der Vereinigten Staaten, das Peale Museum in Philadelphia, in der die einzige Sammlung nordamerikanischer naturgeschichtlicher Exponate untergebracht war. Peale grub die Knochen eines Mastodons bei West Point (New York) aus, verbrachte drei Monate damit, das Skelett zusammenzufügen und stellte es dann in seinem Museum aus. Mit dem Peale Museum begann die amerikanische Tradition, Naturwissenschaften interessant darzustellen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Die Begeisterung führender amerikanischer Politiker für Wissenserwerb trug auch dazu bei, dass Wissenschaftler aus anderen Ländern herzlich willkommen geheißen wurden. Ein bemerkenswerter früher Einwanderer war der britische Chemiker Joseph Priestley, der sein Heimatland aufgrund seiner abweichenden politischen Meinung verlassen musste. Priestley, der 1794 in die Vereinigten Staaten kam, war der erste von tausenden talentierten Wissenschaftlern, die auf der Suche nach einer freien, kreativen Umgebung emigrierten. Andere kamen erst in jüngerer Zeit; zu ihnen zählt der deutsche Physiktheoretiker Albert Einstein, der 1933 eintraf, Enrico Fermi, der 1938 aus Italien einwanderte und dem die weltweit erste kontrollierte nukleare Kettenreaktion gelang, sowie Wladimir K. Zworykin, der Russland 1919 verließ und später die Fernsehkamera erfand.

Andere Wissenschaftler kamen in die Vereinigten Staaten, um an dem raschen Wachstum des Landes teilzuhaben. Alexander Graham Bell, der 1872 über Kanada aus Schottland einreiste, entwickelte und patentierte das Telefon und damit in Zusammenhang stehende Erfindungen. Charles P. Steinmetz, der 1889 aus Deutschland kam, entwickelte bei der General Electric Company neue Wechselstromsysteme. Später wanderten weitere Wissenschaftler ein, angezogen von den hochmodernen amerikanischen Forschungseinrichtungen. In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts konnten in den Vereinigten Staaten arbeitende Wissenschaftler mit beachtlicher materieller wie auch intellektueller Entlohnung rechnen.

AMERIKANISCHES KNOW-HOW

Während des 19. Jahrhunderts waren Großbritannien, Frankreich und Deutschland führend, was neue wissenschaftliche und mathematische Ideen anbetraf. Die Vereinigten Staaten lagen zwar vielleicht bei der Formulierung neuer Theorien zurück, sie leisteten jedoch Außergewöhnliches bei der Anwendung von Theorien zur Problemlösung: angewandte Naturwissenschaft. Diese Tradition war aus Notwendigkeit entstanden. Weil die Amerikaner so weit entfernt von den Quellen der westlichen Wissenschaften und des produzierenden Gewerbes entfernt lebten, mussten sie oft eigene Weg finden, Dinge zu tun. Als die Amerikaner theoretisches Wissen mit dem “Einfallsreichtum der Yankees” kombinierten, war das Ergebnis eine Reihe von wichtigen Erfindungen. Zu den großen amerikanischen Erfindern zählen Robert Fulton (das Dampfschiff), Samuel F.B. Morse (der Telegraf), Eli Whitney (die Entkörnungsmaschine für Baumwolle), Cyrus McCormick (die Mähmaschine) und Thomas Alva Edison, mit mehr als tausend Erfindungen der erfindungsreichste von allen.

Edison war nicht immer der erste, der eine wissenschaftliche Anwendung ersann, aber er war oft derjenige, der eine Idee ihrer praktischen Vollendung zuführte. Der britische Ingenieur Joseph Swan baute fast 20 Jahre vor Edison eine elektrische Glühlampe. Aber die von Edison war besser. Die Glühbirnen von Edison hielten viel länger als die von Swan und konnten einzeln an- und ausgeschaltet werden, während die Birnen von Swan nur innerhalb eines Systems funktionierten, in dem mehrere Glühbirnen gleichzeitig an- oder ausgeschaltet wurden. Nach seiner Verbesserung der Glühbirne entwickelte Edison Systeme zur Stromerzeugung. Innerhalb von 30 Jahren erhielten durch seine Erfindungen Millionen von Haushalten elektrisches Licht.

Eine weitere bahnbrechende praktische Anwendung wissenschaftlicher Ideen gelang den Brüdern Wilbur und Orville Wright. In den Neunzigerjahren des 19. Jahrhunderts begann ihre Faszination für Berichte über deutsche Experimente mit Segelflugzeugen, und sie begannen, die Flugprinzipien selbst zu untersuchen. Die Brüder Wright kombinierten wissenschaftliche Erkenntnisse mit mechanischen Fertigkeiten, und sie bauten und flogen mehrere Segelflugzeuge. Dann, am 17. Dezember 1903, flogen sie erstmals erfolgreich ein mechanisch angetriebenes Flugzeug, das schwerer war als Luft.

Eine amerikanische Erfindung, die 1947 fast unbemerkt gemacht wurde, leitete ein neues Zeitalter des Informationsaustauschs ein. In diesem Jahr zogen John Bardeen, William Shockley und Walter Brattain von Bell Laboratories hochentwickelte Prinzipien der theoretischen Physik zur Erfindung des Transistors heran, einem kleineren Ersatz für die sperrige Vakuumröhre. Dies und eine zehn Jahre später gemachte Erfindung, der integrierte Schaltkreis, machten die Verpackung enormer Mengen von elektronischer Schalttechnik in kleine Gehäuse möglich. Folglich können heute Computer von der Größe eines Buches mehr leisten als die zimmergroßen Rechner der Sechzigerjahre, was eine Revolution der Lebensweise der Menschen nach sich zog – der Art und Weise, wie sie arbeiten, lernen, Geschäfte tätigen und Recherchen anstellen.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden amerikanische Wissenschaftler für mehr als ihre praktischen Erfindungen und Anwendungen bekannt. Auf einmal wurden sie aufgrund ihrer Beiträge zur “reinen” Wissenschaft anerkannt, der Formulierung von Konzepten und Theorien. Diese sich verändernde Konstellation wird deutlich, wenn man sich die Gewinner der Nobelpreise für Physik und Chemie ansieht. In der ersten Hälfte des Jahrhunderts – von 1901 bis 1950 – waren die amerikanischen Nobelpreisträger in den naturwissenschaftlichen Kategorien eindeutig in der Minderheit. Seit 1950 haben die Amerikaner etwa die Hälfte aller Nobelpreise in den Naturwissenschaften gewonnen.

DAS ATOMZEITALTER

Eine der spektakulärsten – und kontroversesten – Errungenschaften amerikanischer Technologie war die Nutzbarmachung von Atomenergie. Die Konzepte, die zur Spaltung des Atoms führten, wurden von Wissenschaftlern in vielen Ländern entwickelt, aber die Umsetzung der Ideen in die Realität der Kernspaltung war die Leistung von amerikanischen Wissenschaftlern Anfang der Vierzigerjahre.

Nachdem ein deutscher Physiker 1938 den Nukleus eines Uranatoms spaltete, schlossen Albert Einstein, Enrico Fermi und Leo Szilard, dass eine atomare Kettenreaktion durchführbar ist. In einem Brief an Präsident Franklin Roosevelt warnte Einstein, dass dieser Durchbruch die Herstellung “extrem zerstörerischer Bomben” ermögliche. Seine Warnung war die Anregung für das Manhattan Project, der Versuch der Vereinigten Staaten, als erste eine Atombombe zu bauen. Das Projekt trug Früchte, als die erste derartige Bombe am 16. Juli 1945 in Neu Mexiko gezündet wurde.

Die Entwicklung der Bombe und ihr Einsatz gegen Japan im August 1945 läutete das Atomzeitalter ein, eine Zeit der Angst vor Massenvernichtungswaffen, die bis in den Kalten Krieg und die Nichtverbreitungsbemühungen der heutigen Tage anhielt. Aber das Atomzeitalter war auch geprägt von der friedlichen Nutzung der Atomenergie, wie in Atomkraftwerken und der Nuklearmedizin.

Das erste kommerzielle amerikanische Atomkraftwerk nahm seinen Betrieb 1956 in Illinois auf. Damals sah die Zukunft der Atomenergie in den Vereinigten Staaten rosig aus. Aber deren Gegner kritisierten die Sicherheit der Kraftwerke und stellten infrage, ob die sichere Entsorgung von Atommüll gewährleistet werden kann. Viele Amerikaner wandten sich aufgrund eines Unfalls 1979 auf Three Mile Island in Pennsylvania gegen die Atomkraft. Die Kosten für den Bau von Atomkraftwerken gingen in die Höhe und andere, ökonomischere Energiequellen erschienen attraktiver. In den Siebziger- und Achtzigerjahren wurden die Pläne für einige Atomkraftwerke gestrichen, und die Zukunft der Kernkraft in den Vereinigten Staaten ist nach wie vor ungewiss.

Inzwischen haben amerikanische Wissenschaftler mit anderen erneuerbaren Energieträgern experimentiert, einschließlich Solarenergie. Die Energiegewinnung über Solarkraft ist in weiten Teilen der Vereinigten Staaten zwar noch immer nicht wirtschaftlich, aber zwei Entwicklungen der jüngeren Zeit machen sie womöglich erschwinglicher.

1994 hielt der stellvertretende Unternehmensleiter von United Solar System in Troy (Michigan) einen Vortrag über die Vorteile der Solarenergie und zeigte ein Bild von Solarzellen auf dem Dach eines Hauses. Ein Architekt im Publikum merkte an: “Aber das ist ja so hässlich. Wer will denn das auf seinem Haus?” Diese Anmerkung brachte Guha dazu, darüber nachzudenken, wie man die Photovoltaik so gestalten könnte, dass sie mehr aussah wie ein Dach, statt die Solarzellen auf Rahmen zu montieren, die in den Himmel ragen.

Zwei Jahre später kam Guhas Innovation vom Fließband – Solardachschindeln, die direkt auf das Dach genagelt werden können. Die Schindeln wurden aus Edelstahlblech gemacht, beschichtet mit neun Lagen Silizium, einer Halbleiterschicht und einer schützenden Kunststoffschicht. Dachdecker montieren die Schindeln wie normale Dachziegel, nur müssen sie von jeder Schindel aus ein Loch für die elektrischen Leitungen in das Dach bohren. Im Durchschnitt sollte mit Solarschindeln auf einem Drittel eines Häuserdachs bei Sonnenschein ausreichend Strom produziert werden, um den Bedarf an Elektrizität abzudecken. Guha ist davon überzeugt, dass seine Schindeln in einigen Teilen der Vereinigten Staaten wirtschaftlich und in Japan sogar noch vielversprechender sein werden, da dort die Energiepreise hoch sind und Solarenergie staatlich gefördert wird.

Eine weitere Erfindung im Bereich Solarenergie war 1996 ausgereift, als das Solar-Two-Kraftwerk in der Mojave Wüste seinen Betrieb aufnahm und seitdem genügend Strom für 10.000 Haushalte liefert. Auf 38 Hektar sind fast 2.000 riesige Spiegel auf einen 90 Meter hohen Solarturm ausgerichtet, in dem Salz erhitzt wird; das geschmolzene Salz fließt in einen Dampfgenerator, der eine Turbine antreibt. Die Salzschmelze speichert Wärmeenergie effektiver als Wasser, und Verfechter von Solar Two glauben, dass diese Innovation große, kommerzielle Kraftwerke in Gebieten mit viel Sonne und hohen Energiekosten wirtschaftlich machen kann.

DAS WELTRAUMZEITALTER

Fast zeitgleich mit dem Atomzeitalter nahm das Weltraumzeitalter seinen Anfang. Der Amerikaner Robert H. Goddard war einer der ersten Wissenschaftler, die mit Raketenantriebssystemen experimentierten. In seinem kleinen Labor in Worcester (Massachusetts) arbeitete Goddard mit flüssigem Sauerstoff und Benzin an einem Raketenflug in die Atmosphäre. 1926 zündete er erfolgreich die erste Flüssigtreibstoffrakete der Welt; sie erreichte eine Höhe von 12,5 Metern. In den nächsten zehn Jahren erreichten Goddards Raketen bescheidene Höhen von fast zwei Kilometern und das Interesse an der Raumfahrt nahm in den Vereinigten Staaten, Großbritannien, Deutschland und der Sowjetunion zu.

Einwegraketen boten die Möglichkeit, künstliche Satelliten sowie bemannte Raumfahrzeuge zu starten. 1957 schickte die Sowjetunion den ersten Satelliten, Sputnik I, ins Weltall, und die Vereinigten Staaten folgten 1958 mit Explorer I. Die ersten bemannten Weltraumflüge fanden im Frühjahr 1961 statt, zunächst durch den sowjetischen Kosmonauten Juri Gagarin und dann durch den amerikanischen Astronauten Alan B. Shepard jr.

Von diesen ersten zögerlichen Schritten zur Mondlandung 1969 und der heutigen wiederverwendbaren Raumfähre zeigt das amerikanische Weltraumprogramm auf atemberaubende Weise die Möglichkeiten der angewandten Wissenschaft. Nachrichtensatelliten übertragen Computerdaten, Telefonanrufe, sowie Radio- und Fernsehsendungen. Wettersatelliten liefern die erforderlichen Daten für Frühwarnungen vor schweren Stürmen. Die Weltraumtechnologie hat tausende von Produkten für den täglichen Bedarf hervorgebracht – von leichtgewichtigen Materialien, die für Turnschuhe verwandt werden, bis zu Monitoren zur Atmungsüberwachung in Krankenhäusern.

MEDIZIN UND GESUNDHEITSFÜRSORGE

Wie in der Physik und der Chemie dominieren die Amerikaner seit dem Zweiten Weltkrieg auch bei den Nobelpreisen für Physiologie oder Medizin. Die National Institutes of Health (NIH), der zentrale Anlaufpunkt für biomedizinische Recherche in den Vereinigten Staaten, spielten bei dieser Errungenschaft eine Schlüsselrolle. Die NIH bestehen aus 24 einzelnen Instituten mit 75 Gebäuden auf mehr als 120 Hektar in Bethesda (Maryland). Ihr Budget betrug 1997 fast 13 Milliarden Dollar.

Ziel der NIH-Forschung ist das Erlangen von Wissen, das zur Vermeidung, Entdeckung, Diagnose und Behandlung von Krankheiten und Behinderungen beiträgt – von der seltensten genetischen Funktionsstörung bis zur einfachen Erkältung. Mit Zuschüssen der NIH werden zu einem gegebenen Zeitpunkt etwa 35.000 Forscher unterstützt, die in den US-Bundesstaaten oder im Ausland arbeiten. Unter den Empfängern dieser Zuwendungen waren auch 91 Nobelpreisträger. Fünf Nobelpreisträger haben ihre mit Preisen ausgezeichneten Entdeckungen in Labors der NIH gemacht.

Forschung der NIH hat zahlreiche medizinische Errungenschaften ermöglicht. Beispielsweise verringerte sich die Sterblichkeit durch Herzkrankheiten, der größte Todesfaktor in den Vereinigten Staaten, in der Zeit von 1971 bis 1991 um 41 Prozent. Die Sterblichkeitsrate bei Herzinfarkten sank im gleichen Zeitraum um 59 Prozent. Zwischen 1991 und 1995 fiel die Sterblichkeitsrate bei Krebs um fast drei Prozent, die erste dauerhafte Verringerung seit hierüber seit den Dreißigerjahren landesweit Buch geführt wird. Mehr als 70 Prozent aller Kinder, die heute an Krebs erkranken, werden geheilt.

Mithilfe der NIH haben Genetik- und Genomik-Forschung die Biomedizinwissenschaft revolutioniert. In den Achtziger- und Neunzigerjahren haben Forscher den ersten Versuch mit Gentherapie bei Menschen unternommen und sind jetzt in der Lage, viele Gene des menschlichen Genoms zu lokalisieren, zu identifizieren und ihre Funktion zu beschreiben. Wissenschaftler sagen voraus, dass diese neuen Erkenntnisse Gentests für die Anfälligkeit für Krankheiten wie Darmkrebs, Brustkrebs und andere Krebsformen hervorbringen sowie letztlich zur Entwicklung von medikamentösen Behandlungsformen für Menschen führen werden, die ein erblich bedingtes Risiko haben.

Die vielleicht aufregendste aktuelle wissenschaftliche Entwicklung in den Vereinigten Staaten ist das Projekt der NIH zum menschlichen Genom. Es handelt sich um einen Versuch, eine genetische Karte des Menschen zu konstruieren, indem die chemische Zusammensetzung jedes der 50.000 bis 100.000 Gene analysiert wird, die den menschlichen Körper ausmachen. Das Projekt wird voraussichtlich über 15 Jahre laufen und mindestens drei Milliarden Dollar kosten.

Von Universitäten, Krankenhäusern und Unternehmen durchgeführte Forschung trägt auch zur verbesserten Diagnose und Behandlung von Krankheiten bei. Die NIHs haben beispielsweise die Grundlagenforschung zur erworbenen Immunschwäche AIDS finanziert, aber viele der Arzneimittel, die zur Behandlung der Krankheit eingesetzt werden, wurden in Labors der amerikanischen Pharmaindustrie entwickelt; diese Medikamente werden in Forschungszentren im ganzen Land getestet.

Ein Medikament, dass sich in der Behandlung von AIDS als vielversprechend erwiesen hat, ist der Proteaseinhibitor. Nach mehrjährigen Laborversuchen wurden den Patienten in den Vereinigten Staaten 1994 erstmals Proteaseinhibitoren verabreicht. Einer der ersten Tests (an einer Gruppe von 20 Freiwilligen) zeigte, dass das Medikament die Anzahl der Viren im Blut der Patienten nicht nur fast auf Null senkte, sondern auch, dass ihr Immunsystem sich weitaus schneller erholte, als man es für möglich gehalten hätte.

Ärzte wenden Proteaseinhibitoren mit anderen Arzneimitteln als “Kombinationstherapie” an. Die Ergebnisse sind zwar sehr vielversprechend, aber die Kombinationstherapie ist keine Heilung und funktioniert bisher nur im Blut, sie reicht nicht in andere Teile des Köpers – das Gehirn, die Lymphknoten, die Rückenmarksflüssigkeit und die Hoden – in denen sich das Virus versteckt. Wissenschaftler führen ihre Experimente mit der Kombinationstherapie und anderen Behandlungsmöglichkeiten fort, während sie nach der ultimativen Lösung suchen – einem Impfstoff gegen die Krankheit.

SCHWERPUNKT PRÄVENTION

Während die medizinischen Kreise in den Vereinigten Staaten große Fortschritte bei der Diagnose und Behandlung von Krankheiten machen, ist in der Öffentlichkeit ein größeres Bewusstsein für den Zusammenhang zwischen Krankheit und persönlichem Verhalten entstanden. Seit der US-Generalstabsarzt die Amerikaner 1964 zum ersten Mal vor den Gefahren des Rauchens warnte, hat die Zahl der Amerikaner, die rauchen, von fast 50 Prozent auf etwa 25 Prozent abgenommen. Rauchen ist in den meisten öffentlichen Gebäuden sowie in Zügen, Bussen und Flugzeugen, die in den Vereinigten Staaten verkehren, verboten, und die meisten amerikanischen Restaurants sind in Raucher- und Nichtraucherbereiche aufgeteilt. Studien haben eine maßgebliche Verringerung von Lungenkrebserkrankungen mit dem landesweiten Rückgang der Zahl der Raucher in Verbindung gebracht.

Die Bundesregierung hält die Amerikaner auch an, regelmäßig Sport zu treiben, sich gesund zu ernähren und große Mengen Obst und Gemüse zu essen. Mehr als 40 Prozent der Amerikaner treiben heute regelmäßig Sport. Der pro-Kopf-Verbrauch an Obst und Gemüse ist seit den Siebzigerjahren um etwa 20 Prozent gestiegen.

Donna E. Shalala, Gesundheitsministerin der Regierung Clinton, spricht sich oft für wissenschaftliche Forschung und Präventivmedizin aus. Bei einer Konferenz mit Experten aus dem Bereich Medizin und öffentliche Gesundheit 1996 sagte sie: “Wir müssen die Mysterien der grundlegenden Wissenschaft stufenweise offen legen, da das im Laufe der Zeit zu bahnbrechenden Entdeckungen führt. Aber wir müssen unser Netz noch weiter auswerfen. Wir müssen Verhaltensforschung, Beschäftigungsforschung, Gesundheitsdienste und Ergebnisforschung sowie Umweltforschung einbeziehen – alle diese Bereiche haben das Potenzial, Krankheiten zu verhindern und damit den Amerikanern zu einem gesünderen Leben zu verhelfen.”

Originaltext: Chapter Seven: A Republic of Science

Eine Republik der Wissenschaft

WASHINGTON – (AD) – Nachfolgend veröffentlichen wir das Kapitel “Eine Republik der Wissenschaft” aus der Broschüre Portrait of the USA, die vom Büro für internationale Informationsprogramme des US-Außenministeriums herausgegeben wurde.

Die Vereinigten Staaten entstanden während des Zeitalters der Aufklärung (circa 1680 bis 1800), einer Zeit, in der sich Schriftsteller und Denker vom Aberglauben der Vergangenheit abwandten. Stattdessen betonten sie die Macht der Logik und der unparteiischen Fragestellung, insbesondere die Erforschung der Natur. Philosophen der Aufklärung hegten die Vision einer “Republik der Wissenschaft”, in der Ideen frei ausgetauscht und nützliches Wissen das Leben aller Bürger verbessern würde.

Seit ihrer Gründung als unabhängige Nation förderten die Vereinigten Staaten Wissenschaft und Erfindungen. Dies geschah durch die Förderung der freien Entfaltung der Ideen sowie der Zunahme “nützlichen Wissens” und indem man kreative Menschen aus der ganzen Welt willkommen hieß.

Selbst die Verfassung der Vereinigten Staaten spiegelt den Wunsch nach Förderung wissenschaftlicher Kreativität wider. Sie erteilt dem Kongress die Befugnis “Fortschritte in der Wissenschaft und der Anwendung der Wissenschaften zu fördern, indem Autoren und Erfindern für einen begrenzten Zeitraum Exklusivrechte an ihren Werken und Entdeckungen zugesprochen werden”. Diese Klausel bildete die Basis für die amerikanischen Patent- und Urheberrechte, die gewährleisten, dass Erfindungen und andere kreative Arbeiten nicht kopiert oder ohne Entschädigung des Urhebers verwendet werden können.

EIN GUTES KLIMA FÜR DIE WISSENSCHAFT

In den ersten Jahrzehnten ihrer Geschichte waren die Vereinigten Staaten relativ isoliert von Europa und auch relativ arm. Dessen ungeachtet waren sie ein guter Standort für die Wissenschaft. Die amerikanische Wissenschaft stand in engem Zusammenhang mit den Bedürfnissen der Menschen und war frei von den vorgefassten Meinungen Europas.

Zwei der Gründerväter der Vereinigten Staaten waren renommierte Wissenschaftler. Benjamin Franklin unternahm eine Reihe von Experimenten, die das Wissen der Menschen über Elektrizität erweiterte. Unter anderem bewies er etwas, das man zwar geahnt hatte, aber noch nicht hatte nachweisen können: dass ein Blitz eine Form von Elektrizität ist. Franklin erfand auch praktische Dinge wie bifokale Brillen und einen Ofen, der seinen Namen trägt. (Der Franklin-Ofen passt in einen Kamin und strahlt Wärme in den Raum aus.)

Thomas Jefferson war Student der Landwirtschaft und führte verschiedene Reissorten, Olivenbäume und Gräser in die Neue Welt ein. Er betonte die wissenschaftlichen Aspekte der Expedition von Lewis und Clark (1804-06) in den Nordwesten des Landes an die Pazifikküste. Eines der Vermächtnisse der Expedition waren detaillierte systematische Informationen über die Pflanzen und Tiere der Region.

Wie Franklin und Jefferson waren die meisten amerikanischen Wissenschaftler Ende des 18. Jahrhunderts daran beteiligt, die Unabhängigkeit Amerikas und die Bildung einer neuen Nation zu erreichen. Zu diesen Wissenschaftlern zählten der Astronom David Rittenhouse, der Mediziner Benjamin Rush und der Naturhistoriker Charles Willson Peale.

Während des amerikanischen Unabhängigkeitskriegs war Rittenhouse an der Gestaltung der Verteidigunsanlagen von Philadelphia beteiligt. Er baute Teleskope und Navigationsinstrumente für das US-Militär. Nach dem Krieg entwarf Rittenhouse Straßen- und Kanalsysteme für den Bundesstaat Philadelphia. Später wandte er sich wieder dem Studium der Sterne und Planeten zu und erwarb sich einen weltweiten Ruf auf diesem Gebiet.

Als Generalstabsarzt rettete Benjamin Rush im Unabhängigkeitskrieg unzählige Leben von Soldaten, indem er Hygiene- und Gesundheitspraktiken förderte. Durch die Einführung neuer medizinischer Behandlungsmethoden machte er das Pennsylvania Hospital in Philadelphia zu einem Beispiel für die medizinische Aufklärung. Nach seinem Militärdienst richtete Rush die erste freie Klinik in den Vereinigten Staaten ein.

Charles Willson Peale ist am besten als Künstler in Erinnerung, aber er war auch Naturhistoriker, Erfinder, Pädagoge und Politiker. Er gründete das erste große Museum der Vereinigten Staaten, das Peale Museum in Philadelphia, in der die einzige Sammlung nordamerikanischer naturgeschichtlicher Exponate untergebracht war. Peale grub die Knochen eines Mastodons bei West Point (New York) aus, verbrachte drei Monate damit, das Skelett zusammenzufügen und stellte es dann in seinem Museum aus. Mit dem Peale Museum begann die amerikanische Tradition, Naturwissenschaften interessant darzustellen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Die Begeisterung führender amerikanischer Politiker für Wissenserwerb trug auch dazu bei, dass Wissenschaftler aus anderen Ländern herzlich willkommen geheißen wurden. Ein bemerkenswerter früher Einwanderer war der britische Chemiker Joseph Priestley, der sein Heimatland aufgrund seiner abweichenden politischen Meinung verlassen musste. Priestley, der 1794 in die Vereinigten Staaten kam, war der erste von tausenden talentierten Wissenschaftlern, die auf der Suche nach einer freien, kreativen Umgebung emigrierten. Andere kamen erst in jüngerer Zeit; zu ihnen zählt der deutsche Physiktheoretiker Albert Einstein, der 1933 eintraf, Enrico Fermi, der 1938 aus Italien einwanderte und dem die weltweit erste kontrollierte nukleare Kettenreaktion gelang, sowie Wladimir K. Zworykin, der Russland 1919 verließ und später die Fernsehkamera erfand.

Andere Wissenschaftler kamen in die Vereinigten Staaten, um an dem raschen Wachstum des Landes teilzuhaben. Alexander Graham Bell, der 1872 über Kanada aus Schottland einreiste, entwickelte und patentierte das Telefon und damit in Zusammenhang stehende Erfindungen. Charles P. Steinmetz, der 1889 aus Deutschland kam, entwickelte bei der General Electric Company neue Wechselstromsysteme. Später wanderten weitere Wissenschaftler ein, angezogen von den hochmodernen amerikanischen Forschungseinrichtungen. In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts konnten in den Vereinigten Staaten arbeitende Wissenschaftler mit beachtlicher materieller wie auch intellektueller Entlohnung rechnen.

AMERIKANISCHES KNOW-HOW

Während des 19. Jahrhunderts waren Großbritannien, Frankreich und Deutschland führend, was neue wissenschaftliche und mathematische Ideen anbetraf. Die Vereinigten Staaten lagen zwar vielleicht bei der Formulierung neuer Theorien zurück, sie leisteten jedoch Außergewöhnliches bei der Anwendung von Theorien zur Problemlösung: angewandte Naturwissenschaft. Diese Tradition war aus Notwendigkeit entstanden. Weil die Amerikaner so weit entfernt von den Quellen der westlichen Wissenschaften und des produzierenden Gewerbes entfernt lebten, mussten sie oft eigene Weg finden, Dinge zu tun. Als die Amerikaner theoretisches Wissen mit dem “Einfallsreichtum der Yankees” kombinierten, war das Ergebnis eine Reihe von wichtigen Erfindungen. Zu den großen amerikanischen Erfindern zählen Robert Fulton (das Dampfschiff), Samuel F.B. Morse (der Telegraf), Eli Whitney (die Entkörnungsmaschine für Baumwolle), Cyrus McCormick (die Mähmaschine) und Thomas Alva Edison, mit mehr als tausend Erfindungen der erfindungsreichste von allen.

Edison war nicht immer der erste, der eine wissenschaftliche Anwendung ersann, aber er war oft derjenige, der eine Idee ihrer praktischen Vollendung zuführte. Der britische Ingenieur Joseph Swan baute fast 20 Jahre vor Edison eine elektrische Glühlampe. Aber die von Edison war besser. Die Glühbirnen von Edison hielten viel länger als die von Swan und konnten einzeln an- und ausgeschaltet werden, während die Birnen von Swan nur innerhalb eines Systems funktionierten, in dem mehrere Glühbirnen gleichzeitig an- oder ausgeschaltet wurden. Nach seiner Verbesserung der Glühbirne entwickelte Edison Systeme zur Stromerzeugung. Innerhalb von 30 Jahren erhielten durch seine Erfindungen Millionen von Haushalten elektrisches Licht.

Eine weitere bahnbrechende praktische Anwendung wissenschaftlicher Ideen gelang den Brüdern Wilbur und Orville Wright. In den Neunzigerjahren des 19. Jahrhunderts begann ihre Faszination für Berichte über deutsche Experimente mit Segelflugzeugen, und sie begannen, die Flugprinzipien selbst zu untersuchen. Die Brüder Wright kombinierten wissenschaftliche Erkenntnisse mit mechanischen Fertigkeiten, und sie bauten und flogen mehrere Segelflugzeuge. Dann, am 17. Dezember 1903, flogen sie erstmals erfolgreich ein mechanisch angetriebenes Flugzeug, das schwerer war als Luft.

Eine amerikanische Erfindung, die 1947 fast unbemerkt gemacht wurde, leitete ein neues Zeitalter des Informationsaustauschs ein. In diesem Jahr zogen John Bardeen, William Shockley und Walter Brattain von Bell Laboratories hochentwickelte Prinzipien der theoretischen Physik zur Erfindung des Transistors heran, einem kleineren Ersatz für die sperrige Vakuumröhre. Dies und eine zehn Jahre später gemachte Erfindung, der integrierte Schaltkreis, machten die Verpackung enormer Mengen von elektronischer Schalttechnik in kleine Gehäuse möglich. Folglich können heute Computer von der Größe eines Buches mehr leisten als die zimmergroßen Rechner der Sechzigerjahre, was eine Revolution der Lebensweise der Menschen nach sich zog – der Art und Weise, wie sie arbeiten, lernen, Geschäfte tätigen und Recherchen anstellen.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden amerikanische Wissenschaftler für mehr als ihre praktischen Erfindungen und Anwendungen bekannt. Auf einmal wurden sie aufgrund ihrer Beiträge zur “reinen” Wissenschaft anerkannt, der Formulierung von Konzepten und Theorien. Diese sich verändernde Konstellation wird deutlich, wenn man sich die Gewinner der Nobelpreise für Physik und Chemie ansieht. In der ersten Hälfte des Jahrhunderts – von 1901 bis 1950 – waren die amerikanischen Nobelpreisträger in den naturwissenschaftlichen Kategorien eindeutig in der Minderheit. Seit 1950 haben die Amerikaner etwa die Hälfte aller Nobelpreise in den Naturwissenschaften gewonnen.

DAS ATOMZEITALTER

Eine der spektakulärsten – und kontroversesten – Errungenschaften amerikanischer Technologie war die Nutzbarmachung von Atomenergie. Die Konzepte, die zur Spaltung des Atoms führten, wurden von Wissenschaftlern in vielen Ländern entwickelt, aber die Umsetzung der Ideen in die Realität der Kernspaltung war die Leistung von amerikanischen Wissenschaftlern Anfang der Vierzigerjahre.

Nachdem ein deutscher Physiker 1938 den Nukleus eines Uranatoms spaltete, schlossen Albert Einstein, Enrico Fermi und Leo Szilard, dass eine atomare Kettenreaktion durchführbar ist. In einem Brief an Präsident Franklin Roosevelt warnte Einstein, dass dieser Durchbruch die Herstellung “extrem zerstörerischer Bomben” ermögliche. Seine Warnung war die Anregung für das Manhattan Project, der Versuch der Vereinigten Staaten, als erste eine Atombombe zu bauen. Das Projekt trug Früchte, als die erste derartige Bombe am 16. Juli 1945 in Neu Mexiko gezündet wurde.

Die Entwicklung der Bombe und ihr Einsatz gegen Japan im August 1945 läutete das Atomzeitalter ein, eine Zeit der Angst vor Massenvernichtungswaffen, die bis in den Kalten Krieg und die Nichtverbreitungsbemühungen der heutigen Tage anhielt. Aber das Atomzeitalter war auch geprägt von der friedlichen Nutzung der Atomenergie, wie in Atomkraftwerken und der Nuklearmedizin.

Das erste kommerzielle amerikanische Atomkraftwerk nahm seinen Betrieb 1956 in Illinois auf. Damals sah die Zukunft der Atomenergie in den Vereinigten Staaten rosig aus. Aber deren Gegner kritisierten die Sicherheit der Kraftwerke und stellten infrage, ob die sichere Entsorgung von Atommüll gewährleistet werden kann. Viele Amerikaner wandten sich aufgrund eines Unfalls 1979 auf Three Mile Island in Pennsylvania gegen die Atomkraft. Die Kosten für den Bau von Atomkraftwerken gingen in die Höhe und andere, ökonomischere Energiequellen erschienen attraktiver. In den Siebziger- und Achtzigerjahren wurden die Pläne für einige Atomkraftwerke gestrichen, und die Zukunft der Kernkraft in den Vereinigten Staaten ist nach wie vor ungewiss.

Inzwischen haben amerikanische Wissenschaftler mit anderen erneuerbaren Energieträgern experimentiert, einschließlich Solarenergie. Die Energiegewinnung über Solarkraft ist in weiten Teilen der Vereinigten Staaten zwar noch immer nicht wirtschaftlich, aber zwei Entwicklungen der jüngeren Zeit machen sie womöglich erschwinglicher.

1994 hielt der stellvertretende Unternehmensleiter von United Solar System in Troy (Michigan) einen Vortrag über die Vorteile der Solarenergie und zeigte ein Bild von Solarzellen auf dem Dach eines Hauses. Ein Architekt im Publikum merkte an: “Aber das ist ja so hässlich. Wer will denn das auf seinem Haus?” Diese Anmerkung brachte Guha dazu, darüber nachzudenken, wie man die Photovoltaik so gestalten könnte, dass sie mehr aussah wie ein Dach, statt die Solarzellen auf Rahmen zu montieren, die in den Himmel ragen.

Zwei Jahre später kam Guhas Innovation vom Fließband – Solardachschindeln, die direkt auf das Dach genagelt werden können. Die Schindeln wurden aus Edelstahlblech gemacht, beschichtet mit neun Lagen Silizium, einer Halbleiterschicht und einer schützenden Kunststoffschicht. Dachdecker montieren die Schindeln wie normale Dachziegel, nur müssen sie von jeder Schindel aus ein Loch für die elektrischen Leitungen in das Dach bohren. Im Durchschnitt sollte mit Solarschindeln auf einem Drittel eines Häuserdachs bei Sonnenschein ausreichend Strom produziert werden, um den Bedarf an Elektrizität abzudecken. Guha ist davon überzeugt, dass seine Schindeln in einigen Teilen der Vereinigten Staaten wirtschaftlich und in Japan sogar noch vielversprechender sein werden, da dort die Energiepreise hoch sind und Solarenergie staatlich gefördert wird.

Eine weitere Erfindung im Bereich Solarenergie war 1996 ausgereift, als das Solar-Two-Kraftwerk in der Mojave Wüste seinen Betrieb aufnahm und seitdem genügend Strom für 10.000 Haushalte liefert. Auf 38 Hektar sind fast 2.000 riesige Spiegel auf einen 90 Meter hohen Solarturm ausgerichtet, in dem Salz erhitzt wird; das geschmolzene Salz fließt in einen Dampfgenerator, der eine Turbine antreibt. Die Salzschmelze speichert Wärmeenergie effektiver als Wasser, und Verfechter von Solar Two glauben, dass diese Innovation große, kommerzielle Kraftwerke in Gebieten mit viel Sonne und hohen Energiekosten wirtschaftlich machen kann.

DAS WELTRAUMZEITALTER

Fast zeitgleich mit dem Atomzeitalter nahm das Weltraumzeitalter seinen Anfang. Der Amerikaner Robert H. Goddard war einer der ersten Wissenschaftler, die mit Raketenantriebssystemen experimentierten. In seinem kleinen Labor in Worcester (Massachusetts) arbeitete Goddard mit flüssigem Sauerstoff und Benzin an einem Raketenflug in die Atmosphäre. 1926 zündete er erfolgreich die erste Flüssigtreibstoffrakete der Welt; sie erreichte eine Höhe von 12,5 Metern. In den nächsten zehn Jahren erreichten Goddards Raketen bescheidene Höhen von fast zwei Kilometern und das Interesse an der Raumfahrt nahm in den Vereinigten Staaten, Großbritannien, Deutschland und der Sowjetunion zu.

Einwegraketen boten die Möglichkeit, künstliche Satelliten sowie bemannte Raumfahrzeuge zu starten. 1957 schickte die Sowjetunion den ersten Satelliten, Sputnik I, ins Weltall, und die Vereinigten Staaten folgten 1958 mit Explorer I. Die ersten bemannten Weltraumflüge fanden im Frühjahr 1961 statt, zunächst durch den sowjetischen Kosmonauten Juri Gagarin und dann durch den amerikanischen Astronauten Alan B. Shepard jr.

Von diesen ersten zögerlichen Schritten zur Mondlandung 1969 und der heutigen wiederverwendbaren Raumfähre zeigt das amerikanische Weltraumprogramm auf atemberaubende Weise die Möglichkeiten der angewandten Wissenschaft. Nachrichtensatelliten übertragen Computerdaten, Telefonanrufe, sowie Radio- und Fernsehsendungen. Wettersatelliten liefern die erforderlichen Daten für Frühwarnungen vor schweren Stürmen. Die Weltraumtechnologie hat tausende von Produkten für den täglichen Bedarf hervorgebracht – von leichtgewichtigen Materialien, die für Turnschuhe verwandt werden, bis zu Monitoren zur Atmungsüberwachung in Krankenhäusern.

MEDIZIN UND GESUNDHEITSFÜRSORGE

Wie in der Physik und der Chemie dominieren die Amerikaner seit dem Zweiten Weltkrieg auch bei den Nobelpreisen für Physiologie oder Medizin. Die National Institutes of Health (NIH), der zentrale Anlaufpunkt für biomedizinische Recherche in den Vereinigten Staaten, spielten bei dieser Errungenschaft eine Schlüsselrolle. Die NIH bestehen aus 24 einzelnen Instituten mit 75 Gebäuden auf mehr als 120 Hektar in Bethesda (Maryland). Ihr Budget betrug 1997 fast 13 Milliarden Dollar.

Ziel der NIH-Forschung ist das Erlangen von Wissen, das zur Vermeidung, Entdeckung, Diagnose und Behandlung von Krankheiten und Behinderungen beiträgt – von der seltensten genetischen Funktionsstörung bis zur einfachen Erkältung. Mit Zuschüssen der NIH werden zu einem gegebenen Zeitpunkt etwa 35.000 Forscher unterstützt, die in den US-Bundesstaaten oder im Ausland arbeiten. Unter den Empfängern dieser Zuwendungen waren auch 91 Nobelpreisträger. Fünf Nobelpreisträger haben ihre mit Preisen ausgezeichneten Entdeckungen in Labors der NIH gemacht.

Forschung der NIH hat zahlreiche medizinische Errungenschaften ermöglicht. Beispielsweise verringerte sich die Sterblichkeit durch Herzkrankheiten, der größte Todesfaktor in den Vereinigten Staaten, in der Zeit von 1971 bis 1991 um 41 Prozent. Die Sterblichkeitsrate bei Herzinfarkten sank im gleichen Zeitraum um 59 Prozent. Zwischen 1991 und 1995 fiel die Sterblichkeitsrate bei Krebs um fast drei Prozent, die erste dauerhafte Verringerung seit hierüber seit den Dreißigerjahren landesweit Buch geführt wird. Mehr als 70 Prozent aller Kinder, die heute an Krebs erkranken, werden geheilt.

Mithilfe der NIH haben Genetik- und Genomik-Forschung die Biomedizinwissenschaft revolutioniert. In den Achtziger- und Neunzigerjahren haben Forscher den ersten Versuch mit Gentherapie bei Menschen unternommen und sind jetzt in der Lage, viele Gene des menschlichen Genoms zu lokalisieren, zu identifizieren und ihre Funktion zu beschreiben. Wissenschaftler sagen voraus, dass diese neuen Erkenntnisse Gentests für die Anfälligkeit für Krankheiten wie Darmkrebs, Brustkrebs und andere Krebsformen hervorbringen sowie letztlich zur Entwicklung von medikamentösen Behandlungsformen für Menschen führen werden, die ein erblich bedingtes Risiko haben.

Die vielleicht aufregendste aktuelle wissenschaftliche Entwicklung in den Vereinigten Staaten ist das Projekt der NIH zum menschlichen Genom. Es handelt sich um einen Versuch, eine genetische Karte des Menschen zu konstruieren, indem die chemische Zusammensetzung jedes der 50.000 bis 100.000 Gene analysiert wird, die den menschlichen Körper ausmachen. Das Projekt wird voraussichtlich über 15 Jahre laufen und mindestens drei Milliarden Dollar kosten.

Von Universitäten, Krankenhäusern und Unternehmen durchgeführte Forschung trägt auch zur verbesserten Diagnose und Behandlung von Krankheiten bei. Die NIHs haben beispielsweise die Grundlagenforschung zur erworbenen Immunschwäche AIDS finanziert, aber viele der Arzneimittel, die zur Behandlung der Krankheit eingesetzt werden, wurden in Labors der amerikanischen Pharmaindustrie entwickelt; diese Medikamente werden in Forschungszentren im ganzen Land getestet.

Ein Medikament, dass sich in der Behandlung von AIDS als vielversprechend erwiesen hat, ist der Proteaseinhibitor. Nach mehrjährigen Laborversuchen wurden den Patienten in den Vereinigten Staaten 1994 erstmals Proteaseinhibitoren verabreicht. Einer der ersten Tests (an einer Gruppe von 20 Freiwilligen) zeigte, dass das Medikament die Anzahl der Viren im Blut der Patienten nicht nur fast auf Null senkte, sondern auch, dass ihr Immunsystem sich weitaus schneller erholte, als man es für möglich gehalten hätte.

Ärzte wenden Proteaseinhibitoren mit anderen Arzneimitteln als “Kombinationstherapie” an. Die Ergebnisse sind zwar sehr vielversprechend, aber die Kombinationstherapie ist keine Heilung und funktioniert bisher nur im Blut, sie reicht nicht in andere Teile des Köpers – das Gehirn, die Lymphknoten, die Rückenmarksflüssigkeit und die Hoden – in denen sich das Virus versteckt. Wissenschaftler führen ihre Experimente mit der Kombinationstherapie und anderen Behandlungsmöglichkeiten fort, während sie nach der ultimativen Lösung suchen – einem Impfstoff gegen die Krankheit.

SCHWERPUNKT PRÄVENTION

Während die medizinischen Kreise in den Vereinigten Staaten große Fortschritte bei der Diagnose und Behandlung von Krankheiten machen, ist in der Öffentlichkeit ein größeres Bewusstsein für den Zusammenhang zwischen Krankheit und persönlichem Verhalten entstanden. Seit der US-Generalstabsarzt die Amerikaner 1964 zum ersten Mal vor den Gefahren des Rauchens warnte, hat die Zahl der Amerikaner, die rauchen, von fast 50 Prozent auf etwa 25 Prozent abgenommen. Rauchen ist in den meisten öffentlichen Gebäuden sowie in Zügen, Bussen und Flugzeugen, die in den Vereinigten Staaten verkehren, verboten, und die meisten amerikanischen Restaurants sind in Raucher- und Nichtraucherbereiche aufgeteilt. Studien haben eine maßgebliche Verringerung von Lungenkrebserkrankungen mit dem landesweiten Rückgang der Zahl der Raucher in Verbindung gebracht.

Die Bundesregierung hält die Amerikaner auch an, regelmäßig Sport zu treiben, sich gesund zu ernähren und große Mengen Obst und Gemüse zu essen. Mehr als 40 Prozent der Amerikaner treiben heute regelmäßig Sport. Der pro-Kopf-Verbrauch an Obst und Gemüse ist seit den Siebzigerjahren um etwa 20 Prozent gestiegen.

Donna E. Shalala, Gesundheitsministerin der Regierung Clinton, spricht sich oft für wissenschaftliche Forschung und Präventivmedizin aus. Bei einer Konferenz mit Experten aus dem Bereich Medizin und öffentliche Gesundheit 1996 sagte sie: “Wir müssen die Mysterien der grundlegenden Wissenschaft stufenweise offen legen, da das im Laufe der Zeit zu bahnbrechenden Entdeckungen führt. Aber wir müssen unser Netz noch weiter auswerfen. Wir müssen Verhaltensforschung, Beschäftigungsforschung, Gesundheitsdienste und Ergebnisforschung sowie Umweltforschung einbeziehen – alle diese Bereiche haben das Potenzial, Krankheiten zu verhindern und damit den Amerikanern zu einem gesünderen Leben zu verhelfen.”

Originaltext: Chapter Seven: A Republic of Science

Energie im 21. Jahrhundert

HANNOVER – (AD) – Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Botschafter William R. Timken jr. anlässlich des World Energy Dialogue in Hannover vom 25. April 2006.

Guten Tag. Es ist ein Privileg und eine Ehre, bei dieser Debatte zum Thema Energiepolitik an dieser herausragenden Diskussionsrunde teilnehmen zu dürfen. Viele wichtige Themen sind bereits angesprochen worden. Es ist offensichtlich, dass wir enormen Herausforderungen gegenüberstehen. Die Energieversorgung ist für unsere wirtschaftlichen Unternehmungen und unsere Lebensqualität von übergeordneter Bedeutung.

Wirtschaftswachstum, Energieverbrauch und umweltpolitische Themen sind eng miteinander verwoben. Da zunehmende wirtschaftliche Entwicklung zu stetig steigender Nachfrage nach Energieressourcen zu vernünftigen Preisen führt, hat die Sicherung der Energieversorgung eines Landes nicht nur Auswirkungen auf die Volkswirtschaft dieses Landes, sondern auch auf seine nationale Sicherheit.

In den vergangenen Jahren haben wir die Konsequenzen der steigenden Nachfrage von Einzelpersonen, Industrien sowie aufstrebende Wirtschaftsmächte wie Indien und China auf die Öl-, Gas- und Kohlepreise beobachten können. Auf der Verbrauchsseite der Gleichung scheinen die Kräfte des Markts zu funktionieren. Steigende Preise führen dazu, dass Unternehmen und private Konsumenten auf einen effizienten Verbrauch achten und versuchen, Energie zu sparen. Steigende Preise haben auch erhöhte Produktion zur Folge.

Aber wir haben auch gesehen, wie verletzlich wir marktunabhängigen Versorgungsunterbrechungen wie politischer Instabilität oder Naturkatastrophen wie Hurrikan Katrina gegenüberstehen.

Ich möchte heute auf die Bestrebungen der Vereinigten Staaten eingehen, den energiepolitischen Anforderungen des 21. Jahrhunderts gerecht zu werden. Die Vereinigten Staaten haben eine robuste und flexible Strategie zur Bewältigung des Klimawandels geschaffen, die die Kraft der Märkte und technologischer Innovation nutzt, wirtschaftliches Wachstum unterstützt und globale Beteiligung fördert.

Zu den wichtigsten Elementen der amerikanischen Strategie zählen die Umsetzung kurzfristiger Schritte und Maßnahmen zur Verlangsamung der Zunahme von Treibhausgasemissionen, Investitionen in die Klimaforschung, die Beschleunigung der Entwicklung neuer Technologien sowie die Förderung internationaler Zusammenarbeit.

Die Vereinigten Staaten arbeiten mit anderen Regierungen, Nichtregierungsorganisationen, und, was am wichtigsten ist, dem Privatsektor partnerschaftlich zusammen, um die Art und Weise zu ändern, wie Energie gewonnen und verbraucht wird. Unsere Strategie stützt sich auf die modernste wissenschaftliche Forschung, fördert die Kreativität von Unternehmern und bietet Möglichkeiten zur Zusammenarbeit mit den Entwicklungsländern, um unseren gemeinsamen Wünschen für unsere Bürger, unsere Wirtschaft und unsere Umwelt gerecht zu werden.

Präsident Bush verpflichtete die Vereinigten Staaten im Februar 2002 zur Reduzierung ihrer Treibhausgasintensität – der Emissionsmenge pro Einheit wirtschaftlicher Aktivität – um 18 Prozent bis zum Jahr 2012. Die Treibhausgasintensität der Vereinigten Staaten fiel im Zeitraum zwischen 2000 und 2003 sogar um ein Prozent, während unsere gesamtwirtschaftliche Leistung um 1,23 Billionen Dollar stieg. Seit 2003 ist das Wirtschaftswachstum der Vereinigten Staaten das höchste unter den Industrienationen und unsere Volkswirtschaft schafft so viele Arbeitsplätze, dass die Arbeitslosenquote nur 4,7 Prozent beträgt.

Trotz dieses Wachstums sind wir dabei, das Ziel des Präsidenten der 18-prozentigen Reduzierung der Treibhausgasintensität zu erreichen.

Wie schaffen wir das? Einerseits hat die amerikanische Regierung seit 2001 mehr als zehn Milliarden Dollar in die Entwicklung umweltfreundlicherer, kostengünstigerer und zuverlässigerer Energiequellen investiert.

2006 kündigte der Präsident eine weitere 22-prozentige Erhöhung der finanziellen Mittel für die Erforschung sauberer Technologien unter Federführung des Energieministeriums an. Dazu zählen die Kohleforschungsinitiative (Coal Research Initiative), die Initiative solares Amerika (Solar America Initiative), die erweiterte Nutzung sauberer, aus Wind gewonnener Energie, die Bioraffinerie-Initiative (Bio-refinery Initiative) sowie die Initiative für Wasserstoff als Treibstoff (Hydrogen Fuel Inititative).

2005 verabschiedete Gesetze erhöhten die Effizienzstandards, erweiterten die Nutzung alternativer und erneuerbarer Energien und boten Steueranreize für sparsamere Fahrzeuge und Kraftstoffe.

Leider ist es aus zeitlichen Gründen nicht möglich, dass ich die lange Liste der Regierungsinitiativen weiter ausführe. Wir mussten jedoch erkennen, dass ein regulativer Ansatz von oben nach unten die falsche Lösung für die Vereinigten Staaten ist, obwohl die Regierung eine starke Rolle spielen muss.

Regierung, Unternehmen und private Konsumenten müssen sich zusammen dafür einsetzen, wesentliche kumulative Veränderungen zu bewirken.

»Die ganze Welt besteht aus Energiequellen, ob in Form von Gasen und Kohlewasserstoffen, den Temperaturunterschieden auf der Welt, den Gewässern und Meeren, dem Wind oder der Kraft der Sonne.

Technologische Entwicklungen werden die größten Chancen für Lösungen bieten. So wird beispielsweise das Unternehmen oder Land, das saubere Kohletechnologie zu bezahlbaren Preisen entwickelt, unerwartet große Gewinne machen.

Welche beiden Länder sind naturgegebene Partner für Innovation? Die Vereinigten Staaten und Deutschland. Wir nehmen bei der Entwicklung alternativer Energiequellen bereits Führungsrollen ein. Wir sind moderne, hochindustrialisierte Volkswirtschaften (die größte und drittgrößte der Welt), die Energie benötigen.

Unsere beiden Regierungen setzen sich für Energieeffizienz und die Entwicklung der nächsten Generation der Energietechnologien ein.

Bundeskanzlerin Merkel hat erklärt, dass die konventionelle Energiewirtschaft in Deutschland bis 2012 vorhat, 30 Milliarden Euro in neue Kraftwerke und Netze zu investieren.

Wie Präsident Bush in den Vereinigten Staaten kündigte auch sie an, dass Deutschland die Forschungsetats für Energietechnologie bis Ende 2009 um 30 Prozent erhöhen wird.

Ich denke, es wäre ein großer Schritt für die Energiepolitik im 21. Jahrhundert, wenn die Vereinigten Staaten und Deutschland die von Kanzler Schröder und Präsident Bush im Februar 2005 in Mainz eingegangenen Verpflichtungen erneut bekräftigen würden.

Die Erklärung von Mainz spiegelt das gemeinsame Engagement der Vereinigten Staaten und Deutschlands wider, im Rahmen einer Vielzahl von Projekten zusammenzuarbeiten, um die Energiesicherheit zu erhöhen, Umweltverschmutzung zu verringern und Treibhausgasemissionen zu reduzieren. Sie erwähnt mehr als 20 bestimmte Bereiche, in denen wir zur Sicherung der Energieversorgung, der Verbesserung der Effizienz sowie der Förderung der Marktfähigkeit und dem Zugang zu erneuerbaren Energien überall auf der Welt kooperieren.

Wenn Deutschland und die Vereinigten Staaten noch enger zusammenarbeiten, können sie die wichtigsten treibenden Kräfte für die Zukunft der Energie im 21. Jahrhundert sein. Damit werden wir unseren Bürgern und der ganzen Welt dienen.

Originaltext: Energy in the 21st Century

Präsident erörtert Energiepolitik

WASHINGTON (AD) – Nachfolgend veröffentlichen wir die unwesentlich gekürzte Rede von George W. Bush vor der Renewable Fuels Association zur Energiepolitik der Vereinigten Staaten vom 25. April 2006.

Bevor ich über das Thema Energie spreche, möchte ich gerne einige Gedanken zum Krieg gegen den Terror mit Ihnen teilen. Ich komme gerade von einer Videokonferenz mit unserem starken Verbündeten Tony Blair. Wir haben über eine große Entwicklung gesprochen, die sich im Kampf gegen den Terrorismus vollzogen hat. Nach Monaten der geduldigen Verhandlungen haben sich die irakischen Politiker auf die Bildung einer geeinten Regierung verständigt. Und das ist eine positive Entwicklung. Die neue Führung spiegelt die Vielfalt des Irak wider sowie den Willen des irakischen Volkes, das den Terroristen und Mördern trotzte und im vergangenen Dezember wählen ging. Diese neue Regierung ist ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zu einem freien Irak.

Die Regierungsbildung läutet darüber hinaus den Beginn eines neuen Kapitels in unseren Beziehungen zum irakischen Volk ein. Als ich vergangenes Wochenende in Kalifornien war, hatte ich die Gelegenheit, mit den drei führenden irakischen Politikern zu sprechen – dem Präsidenten, dem Regierungssprecher und dem designierten Ministerpräsidenten. Ich habe ihnen zu ihrem Mut gratuliert und sie ermutigt, sich für das irakische Volk stark zu machen. Ich erinnerte sie daran, dass die Bürger gewählt haben, dass das Volk seinen Wunsch nach Demokratie und Einheit zum Ausdruck gebracht hat, und dass die Politiker nun die Möglichkeit haben, Verantwortung zu übernehmen und das Land zu führen.

Ich sagte ihnen, dass sie gegenüber ihrem Volk eine große Verantwortung beim Wiederaufbau der Infrastruktur und der Verbesserung der Wirtschaft sowie der Sicherheit haben. Mit der Antwort, die ich erhielt, war ich zufrieden. Es ist wichtig, dass die amerikanischen Bürger wissen, dass diese Politiker für die von unseren Soldaten und unseren Steuerzahlern erbrachten Opfern dankbar sind, die ihnen bei der Verwirklichung eines Traums geholfen haben. Das ist der Traum, in einer geeinten, freien Gesellschaft zu leben. Ein freier Irak liegt im Interesse der Vereinigten Staaten von Amerika. Ein freier Irak wird ein Bestandteil der Sicherung des Friedens für kommende Generationen sein. Ein freier Irak wird des Weiteren eine große Niederlage für die Terroristen sein, die uns noch immer schaden wollen.

Wir haben überdies hier in unserem Land gute Neuigkeiten, was die Wirtschaft angeht. Unsere Volkswirtschaft wächst, und der Unternehmergeist in den Vereinigten Staaten ist stark. Wir haben die Steuern für alle Einkommenssteuerzahler gesenkt, und diese Steuerersenkungen zeigen Wirkung. Im vergangenen Jahr wuchs unsere Volkswirtschaft schneller als jede andere eines großen Industrielandes. Seit August 2003 wurden in unserer Volkswirtschaft 5,1 Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen. Die Arbeitslosenquote beträgt landesweit 4,7 Prozent. Das ist niedriger als die durchschnittliche Quote in den Sechziger-, Siebziger-, Achtziger- und Neunzigerjahren. Die Amerikaner arbeiten.

Die Einkommen in der Landwirtschaft sind gestiegen. Die landwirtschaftlichen Exporte steigen. Das reale Einkommen nach Steuern ist für die Amerikaner seit 2001 um über 8 Prozent gestiegen. Die Produktivität ist hoch. Es gibt mehr Eigenheimbesitzer als jemals zuvor in der Geschichte unseres Landes. Die Wirtschaft ist stark, und wir wollen, dass das so bleibt. Ein Weg, dies zu erreichen, ist durch die Festschreibung der Steuersenkungen.

Unter diesen hoffnungsvoll stimmenden Signalen gibt es aber auch einen Bereich, der Anlass zu Besorgnis gibt, und das sind die hohen Energiepreise. Die Preise, die von den Menschen an der Zapfsäule bezahlt werden, spiegeln unsere Abhängigkeit vom Öl wider. Abhängigkeit von Öl ist eine Angelegenheit der nationalen Sicherheit. Schließlich beziehen wir heute ungefähr 60 Prozent unseres Öls aus dem Ausland. Das ist ein Anstieg im Vergleich zur Situation vor 20 Jahren, als wir ungefähr 25 Prozent unseres Öls aus dem Ausland bezogen. Das Problem liegt teilweise darin, dass einige Nationen, von denen wir Öl beziehen, instabile Regierungen haben oder eine Politik verfolgen, die feindlich gegenüber den Vereinigten Staaten ist. Diese Länder wissen, dass wir auf ihr Öl angewiesen sind, und das verringert unseren Einfluss, unsere Fähigkeit, in einigen Gebieten den Frieden aufrechtzuerhalten. Daher ist die Energieversorgung eine Angelegenheit der nationalen Sicherheit. Darüber hinaus ist sie eine Frage der wirtschaftlichen Sicherheit.

Was die Menschen an der Zapfsäule erleben, spiegelt die Weltwirtschaft wider, in der wir uns befinden. Wenn in China oder Indien, zwei schnell wachsenden Volkswirtschaften, die Nachfrage nach Öl steigt, hat das Einfluss auf den weltweiten Ölpreis. Wenn der Rohölpreis steigt, der ein wichtiger Bestandteil des Benzinpreises ist, erlebt der Durchschnittsbürger einen Anstieg der Benzinpreise an der Zapfsäule.

Benzinpreiserhöhungen sind wie eine verborgene Steuer für die arbeitende Bevölkerung. Sie sind wie eine Steuer für unsere Landwirte. Sie sind wie eine Steuer für mittelständische Unternehmen. Laut Energieexperten werden die Benzinpreise während des Sommers auf einem hohen Niveau bleiben, was eine anhaltende Belastung für die amerikanischen Bürger bedeuten wird.

Die grundlegende Frage lautet also, was werden wir unternehmen? Was kann die Regierung tun? Eine der früheren Reaktionen von Regierungen, insbesondere der Partei, der ich nicht angehöre, war es, Preisfestsetzungen oder Steuererhöhungen vorzuschlagen. Diese Pläne haben in der Vergangenheit nicht funktioniert. Ich denke, dass wir das weiter verfolgen müssen, was wir insbesondere mit dem Energiegesetz bereits betont haben, nämlich die Förderung von Einsparungen, die Ausweitung der inländischen Produktion und die Entwicklung alternativer Energiequellen wie Ethanol.

Die Unterzeichnung des Energiegesetzes war eine Sache, und ich möchte den Mitgliedern des Kongresses dafür danken, dass sie mir ein umfassendes Energiegesetz vorgelegt haben. Es muss aber noch weitaus mehr getan werden. Zunächst müssen wir sicherstellen, dass die amerikanischen Verbraucher an der Zapfsäule fair behandelt werden. Die Amerikaner wissen im Großen und Ganzen, dass der Rohölpreis steigt, und dass die Preise steigen, was sie aber ablehnen und auch nicht akzeptieren werden sind Marktmanipulationen. Das gilt auch für mich.

Der Ausschuss zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs (Federal Trade Commission – FTC) untersucht, ob die Benzinpreise in irgendeiner Weise unfair manipuliert worden sind. Ich weise darüber hinaus das Justizministerium an, mit dem FTC und dem Energieministerium zusammenzuarbeiten, um Untersuchungen zu möglichen illegalen Manipulationen oder betrügerischen Handlungen in Zusammenhang mit den gegenwärtigen Benzinpreisen durchzuführen. Der FTC und der Justizminister setzen sich mit 50 Justizministern der Bundesstaaten in Verbindung, um technische Hilfe anzubieten, und um sie zu drängen, mögliche illegale Preismanipulationen innerhalb ihrer Zuständigkeitsbereiche zu untersuchen. Mit anderen Worten, diese Regierung wird Manipulationen nicht tolerieren. Wir erwarten, dass unsere Verbraucher fair behandelt werden.

Auch die Energieunternehmen müssen ihren Beitrag zur Senkung der Benzinpreise leisten. Diese Energieunternehmen verfügen bei Rekordpreisen über erhebliche Barmittelströme, die wieder in die Ausweitung der Raffineriekapazitäten, die Erforschung alternativer Energiequellen, die Entwicklung neuer Technologien oder die Ausweitung der umweltfreundlichen Produktion investiert werden müssen. Das erwarten die Amerikaner. Wir erwarten, dass maßgebliche Re-Investitionen getätigt werden, um uns im Bereich wirtschaftlicher und nationaler Sicherheit zu unterstützen.

Aufgrund der hohen Ölpreise und großen Barmittelströme muss der Kongress verstehen, dass diese Energieunternehmen unnötigen Steuererleichterungen wie beispielsweise die Abschreibungen bestimmter Kosten für geologische und geophysische Untersuchungen nicht benötigen, ebenso wenig wie die Verwendung von Steuergeldern zur Subvention der Forschung im Bereich Tiefseebohrungen. Ich erwarte, dass der Kongress über einen Zeitraum von zehn Jahren circa 2 Milliarden Dollar dieser Steuerkürzungen aus dem Haushalt herausnimmt. Die Barmittelströme sind gestiegen. Die Steuerzahler müssen nicht für die Zahlung bestimmter Ausgaben in diesem Bereich von Seiten der Energieunternehmen herangezogen werden.

Der zweite Bestandteil eines guten Plans zur Bekämpfung der hohen Benzinpreise ist die Förderung einer höheren Kraftstoffeffizienz. Der einfachste Weg, die Kraftstoffeffizienz zu fördern, ist die Unterstützung der Autofahrer beim Kauf hocheffizienter Hybrid- oder sauberer Dieselfahrzeuge, die übrigens mit alternativen Energiequellen angetrieben werden können. Hybridfahrzeuge werden mit einer Kombination aus einem traditionellen Motor und einer elektrischen Batterie betrieben. Diese beiden Antriebsquellen ermöglichen es, dass Hybridautos und –lastkraftwagen bei gleicher Tankfüllung zweimal so weit fahren können, wie Fahrzeuge, die ausschließlich mit Benzin fahren. Wenn Menschen Hybridfahrzeuge verwenden, sparen sie Energie.

Saubere Dieselfahrzeuge nutzen Fortschritte in der Dieseltechnologie und verbrauchen 30 Prozent weniger Kraftstoff als Benzinfahrzeuge. Im vergangenen Jahr wurden in den Vereinigten Staaten mehr als 200.000 Hybrid- und saubere Dieselfahrzeuge verkauft. Das sind die höchsten Verkaufszahlen, die es jemals gab. Der Kongress hat im Energiegesetz vernünftigerweise eine Steuervergünstigung für den Kauf von Hybrid- und sauberen Dieselfahrzeugen auf bis zu 3.400 Dollar pro Kauf erhöht. Das war sinnvoll.

Wenn wir anstreben, Energie einzusparen, wenn wir weniger abhängig vom Öl sein wollen, sollten wir Anreize für die Verbraucher schaffen, weniger Energie zu verbrauchen. Das Problem liegt darin, dass diese Steuervergünstigungen lediglich für eine begrenzte Anzahl von Hybrid- und sauberen Dieselfahrzeugen jedes Herstellers gelten. Wenn der Automobilhersteller mehr als eine begrenzte Anzahl verkauft, haben neue Käufer keinen Anspruch auf die volle Steuervergünstigung. Ich möchte nun einen Vorschlag machen, wie noch mehr dieser Fahrzeuge auf die Straßen gebracht werden können; der Kongress sollte für alle in diesem Jahr verkauften Hybrid- und sauberen Dieselfahrzeugen die bundesstaatliche Steuervergünstigung gewähren. Wir wollen, dass die Bürger hinsichtlich des Autos, das sie fahren, kluge Entscheidungen treffen.

Der dritte Teil des Plans zur Bekämpfung hoher Benzinpreise befasst sich mit der Erhöhung des Rohöl- und Benzinangebots. Das ist sinnvoll, denn in dieser Welt des Angebots und der Nachfrage ist bei hohen Preisen die Nachfrage größer als das Angebot. Eine Möglichkeit, die Preissituation zu entspannen, ist die Erhöhung des Angebots. Wir können den Menschen direkt signalisieren, dass wir es mit der Erhöhung des Angebots ernst meinen, indem wir kurzfristig aufhören, Käufe zu tätigen oder die strategische Ölreserve aufzustocken.

Ich habe das Energieministerium angewiesen, das Aufstocken der Reserven diesen Sommer zu verschieben. Unsere strategischen Reserven sind groß genug, um uns in den kommenden Monaten vor jeder großen Versorgungsunterbrechung zu schützen. Indem wir also die Aufstockung bis zum Herbst verschieben, verbleibt etwas mehr Öl auf dem Markt. Jedes bisschen hilft.

Wir müssen ebenfalls sicherstellen, dass es keine überflüssigen Einschränkungen unserer Fähigkeiten gibt, Benzin zu den Zapfsäulen zu bringen. Im Rahmen der Gesetze über Luftreinheit ist es in einigen Gebieten unseres Landes erforderlich, dass eine Kraftstoffmischung mit der Bezeichnung reformuliertes Benzin verwendet wird. Wie Sie wissen, erleben wir dieses Jahr eine schnelle Umstellung beim Hauptbestandteil des reformulierten Benzins – von MTBE auf Ethanol. Ich begrüße die Rolle, die die Ethanolproduzenten bei der Bewältigung dieser Herausforderung spielen. Sie spielen eine entscheidende Rolle.

Dennoch machen sich bundesstaatliche und kommunale Politiker in einigen Teilen unseres Landes Sorgen über kurzfristige Versorgungsunterbrechungen. Sie haben Bedenken wegen der plötzlichen Umstellung von MTBE auf Ethanol – und befürchten, dass die Ethanolhersteller nicht in der Lage sein werden, die Nachfrage zu decken. Das verursacht einen gewissen Benzinpreisanstieg in ihren Zuständigkeitsbereichen.

Einige haben Kontakt zu uns aufgenommen, um herauszufinden, ob sie die US-Umweltschutzbehörde (Environmental Protection Agency – EPA) ersuchen können, regionale Kraftstoffanforderungen zeitweilig auszusetzen. Ich denke, dass es sinnvoll wäre, wenn man es ihnen erlaubte. Ich bitte also Stephen Johnson, den Leiter der Umweltschutzbehörde, all seine Befugnisse zu nutzen, um Ausnahmegenehmigungen zuzulassen, die im Falle einer entscheidenden Kraftstoffknappheit eine Entlastung bringen. Ich tue dies zum Wohle unserer Verbraucher. Wenn Johnson der Ansicht ist, dass er weitere Befugnisse benötigt, um das Problem zu lösen, werden wir mit dem Kongress zusammenarbeiten, um die Befugnisse zu erhalten, die er braucht.

Des Weiteren müssen wir das größere Problem zu vieler regionaler Kraftstoffgemische angehen, die boutique fuels genannt werden. Die Anzahl der Kraftstoffgemische ist mit den Jahren stark angestiegen, und die Vereinigten Staaten haben nun ein nicht harmonisiertes und zu komplexes System der Kraftstoffvorschriften. Wenn man ein nicht abgestimmtes und zu komplexes System der Kraftstoffvorschriften hat, führt das ebenfalls zu einer Preiserhöhung.

Daher bitte ich Stephen Johnson, den Leiter der Behörde, die Gouverneure zusammenzubringen, um eine Projektgruppe zum Thema der verschiedenen Kraftstoffgemische zusammenzustellen. Die Aufgabe dieser Projektgruppe wird es sein, herauszufinden, wie die Anzahl der Kraftstoffgemische reduziert und die Zusammenarbeit zwischen den Bundesstaaten bei Entscheidungen über die Benzinversorgung verbessert werden kann. Ich möchte diesen Prozess zum Wohle unserer Verbraucher vereinfachen.

Und dann bitte ich sie, mir diese Empfehlungen vorzulegen, und ich freue mich darauf, mit dem US-Kongress an der Vereinfachung des Prozesses zu arbeiten.

Wir müssen unsere Raffineriekapazitäten ausbauen. Eines der Probleme, mit denen wir konfrontiert sind, liegt darin, dass wir eine knappe Versorgung haben, weil wir unsere Raffineriekapazitäten nicht ausgebaut haben. Seit 30 Jahren ist keine neue Raffinerie mehr gebaut worden. Wenn einem die Benzinpreise an der Zapfstelle Sorge bereiten, ist es sinnvoll, das Angebot auf dem Markt zu erhöhen. Davon werden die amerikanischen Verbraucher profitieren können.

Ein Grund dafür, warum wir noch nicht genug neue Raffinerien gebaut bzw. alte ausgebaut haben, liegt darin, dass der Zulassungsprozess in unserem Land extrem kompliziert ist. Unternehmen, die ihre technische Ausstattung modernisieren, bestehende Raffinerien ausbauen oder neue bauen möchten, müssen oftmals lange, bürokratische Verzögerungen und in manchen Fällen Gerichtsverfahren in Kauf nehmen.

Um die Benzinversorgung erschwinglicher und sicherer zu machen, muss der Kongress Unternehmen erlauben, an ihren Raffinerien Veränderungen vorzunehmen, ohne jahrelang darauf warten zu müssen, dass ihre Vorschläge genehmigt werden. Ich meine, wenn wir mehr Angebot wollen, müssen wir die Bürokratie und die Vorschriften reduzieren.

Der Kongress muss zudem den Zulassungsprozess für den Bau und den Ausbau von Raffinerien vereinfachen und beschleunigen. Dafür werde ich mich zusammen mit dem Kongress einsetzen. Es ist wichtig, dass der Kongress die bürokratischen Hindernisse abbaut und sicherstellt, dass Zulassungen für den Bau von Raffinerien innerhalb eines Jahres bearbeitet werden.

Wir müssen auch der Tatsache Rechnung tragen, dass wir zusätzliches Rohöl auf umweltfreundliche Art und Weise in unserem eigenen Land finden können. Die heutige Technologie ermöglicht uns, umweltverträgliche Untersuchungen durchzuführen. Wir verfügen nur über knappe Rohölressourcen, daher erscheint es sinnvoll, dass wir unsere neuen Technologien einsetzen, um mehr Rohöl zu finden, vor allem in unserem eigenen Land.

Eines der Themen, mit denen der Kongress zu tun hat, ist das Thema des arktischen Naturschutzgebiets (Arctic National Wildlife Refuge – ANWR). Ich bin mir der Tatsache bewusst, dass eine Verabschiedung des Gesetzes, Ölbohrungen im ANWR durchzuführen, nicht sofort zu einem größeren Ölangebot führen würde. Aber es ist wichtig, zu verstehen, dass die Vereinigten Staaten ungefähr eine Million zusätzliche Barrel Öl am Tag produzieren würden, wenn das Gesetz vor zehn Jahren verabschiedet worden wäre, und das würde zu einem 20 Prozent höheren Angebot im Inland führen. Wir müssen kluge Entscheidungen zur Energiepolitik hier in den Vereinigten Staaten treffen. Wir müssen sicherstellen, dass wir die Umwelt schützen, wir müssen aber auch sicherstellen, dass wir zusätzliche Rohölvorkommen erforschen, um den Druck auf den Rohölpreis zu reduzieren, was dazu führt, dass der Druck auf den Benzinpreis an der Tankstelle reduziert wird.

Alles, was ich heute hier beschrieben habe, sind kurz- und mittelfristige Strategien. Die Wahrheit ist, dass die langfristige Strategie darin besteht, unsere Automobile mit etwas anderem als Öl oder Benzin, das ja aus Öl hergestellt wird, zu betreiben.

Und wir machen Fortschritte. In meiner Rede zur Lage der Nation sprach ich über die erweiterte Energieinitiative. Sie ist ein aggressiver und kluger Plan, der darin besteht, das Geld der Steuerzahler dafür einzusetzen, unsere Abhängigkeit vom Öl zu überwinden. Wir haben die einzigartige Chance, diesen Plan weiter zu verfolgen.

Technologien bieten uns die Möglichkeit, Fortschritte in den Vereinigten Staaten zu erzielen. Jahrelange Investitionen in Kraftstoffe wie Ethanol haben dazu geführt, dass wir uns an der Schwelle zu großen Durchbrüchen befinden. Diese Durchbrüche werden derzeit für die amerikanischen Verbraucher zur Realität. Ich habe uns eine Frist gesetzt, innerhalb der wir Öl aus dem Ausland ersetzen sollten. Die beste und schnellste Möglichkeit, das zu tun, ist die verstärkte Nutzung von Ethanol.

Die erweiterte Energieinitiative konzentriert sich auf drei vielversprechende Ansätze, den Benzinverbrauch zu senken. Einer besteht in der verstärkten Verwendung von Ethanol, ein weiterer in der Verbesserung von Hybridfahrzeugen, und ein anderer in der Weiterentwicklung der Wasserstofftechnologie. Alle drei gehen miteinander einher und sind wichtige Teile einer Strategie, die uns helfen wird, Antriebsmöglichkeiten jenseits von Kohlenwasserstoffen zu entwickeln.

Ethanol bietet das größte Potenzial für sofortiges Wachstum. Die meisten Menschen wissen das möglicherweise nicht, aber heute wird der Großteil des in Amerika produzierten Ethanols aus Mais gewonnen. Die meisten Fahrzeuge vertragen zehn Prozent Ethanol.

Eine interessante Tatsache, die vielen Amerikanern nicht bewusst ist, ist, dass wir ein herkömmliches Auto mit niedrigem Kostenaufwand zu einem Auto mit so genannter dualer Treibstoffversorgung umrüsten können. Dieses Auto mit dualer Treibstoffversorgung kann einen Kraftstoff verwenden, der zu 85 Prozent aus Ethanol besteht. Ist das nicht ziemlich erstaunlich? Ohne große Kosten können Sie ihr Auto umrüsten, so dass es Kraftstoff mit einem Ethanolanteil von 85 Prozent verbrennen kann – ein Produkt, das aus hier in den Vereinigten Staaten angebautem Mais hergestellt wird.

Ethanol ist ein vielseitig einsetzbarer Kraftstoff, dessen Vorzüge auf der Hand liegen: Erstens, die Verwendung von Ethanol in Fahrzeugen ist gut für den Agrarsektor. Ich bin einer der Menschen, die der Meinung sind, dass die Vereinigten Staaten stark sind, wenn der Agrarsektor stark ist. Ich sage es gerne folgendermaßen: Es wäre doch gut, wenn der Präsident sagen könnte, wir haben sehr viel Mais und deshalb sind wir weniger abhängig von Öl aus dem Ausland.

Vor Jahren wurde noch gesagt, wir haben viel Mais, wir müssen uns Sorgen um den Preis machen. Ethanol ist gut für unsere ländlichen Gemeinden. Es bietet dem ländlichen Amerika gute wirtschaftliche Entwicklungschancen. Der Bau von neuen Bioraffinerien schafft Arbeitsplätze und Steuereinnahmen vor Ort. Wenn es den landwirtschaftlichen Familienbetrieben gut geht, ist das auch gut für die lokal Handelstreibenden.

Ethanol ist gut für die Umwelt. Ich betone immer wieder, dass wir verantwortungsbewusst mit unserer Umwelt umgehen und gleichzeitig unsere Wirtschaftsexpansion fortsetzen können. Ethanol wird uns helfen, diese Strategie zu verwirklichen. Wir müssen nicht zwischen einer gesunden Umwelt und guten wirtschaftlichen Entscheidungen wählen. Durch die Verwendung der neuen Technologien ist beides möglich. Ethanol ist ein Beispiel für das, was ich meine. Ethanol ist auch gut für die Fahrer. Ethanol wird in unserem Land hergestellt. Ethanol wird den Benzinverbrauch ersetzen. Ethanol ist gut für das ganze Land.

Die Ethanol-Industrie erlebt einen großen Aufschwung. Es muss spannend für Sie sein, so lange an der Förderung alternativer Energieformen gearbeitet zu haben, und dann plötzlich zu sehen, dass diese Bestrebungen Früchte tragen.

Die Vereinigten Staaten haben im vergangenen Jahr eine Rekordmenge von 15 Milliarden Liter Ethanol verbraucht. In unserem Land gibt es heute 97 Ethanolraffinerien, von denen neun expandieren. Weitere 35 werden gerade gebaut. Die Ethanolindustrie befindet sich im Aufbruch, und das ist gut für die Vereinigten Staaten.

Viele der Raffinerien sind im Mittelwesten – weil das Ausgangsmaterial für die Ethanolherstellung dort angebaut wird. Und das ist Mais. Aber wirklich interessant ist die Tatsache, dass an unerwarteten Orten wie im Central Valley in Kalifornien oder in Arizona und natürlich in den Zuckerrohrfeldern von Hawaii neue Anlagen entstehen. Denn Zucker kann auch für die Herstellung von Ethanol verwendet werden. Zucker ist in der Tat ein höchst effizienter Rohstoff für die Herstellung von Ethanol.

Ethanol benötigte in der Vergangenheit unsere Unterstützung. Um diese neue Industrie zu etablieren, war ein kleiner Anstoß durch die Bundesregierung erforderlich. Seit ich im Amt bin, haben wir die Steuervergünstigungen für Anbieter auf 51 Cent pro Gallone erhöht. Wir haben eine neue Steuervergünstigung von 10 Cent pro Gallone geschaffen, um insbesondere kleinen Ethanolherstellern und Landwirten zu helfen; außerdem wurden 85 Millionen Dollar an Zuschüssen und Krediten für geschäftliche Vorhaben im Bereich Ethanol gewährt.

Es handelt sich also um gemeinschaftliche Bestrebungen. Die Bundesregierung muss dabei die Rolle übernehmen, neue Industrien zu fördern, die unserer Nation helfen, sich auf andere Energiequellen als Öl umzustellen. Daher setzen wir uns stark für aus Mais hergestelltes Ethanol ein, das wir hier in Amerika produzieren können. Dennoch müssen wir erkennen, dass es Grenzen bezüglich der Menge Mais gibt, die für die Herstellung von Ethanol genutzt werden kann. Denn schließlich essen wir auch einen Teil des angebauten Maises. Und auch die Tiere brauchen Futter.

Deshalb setze ich mich für verstärkte Technologieforschung ein, um andere Rohstoffe für die Gewinnung von Ethanol sowie Herstellungsverfahren zu finden. Wir forschen intensiv im Bereich der Herstellung von Zellulose-Ethanol aus Holzschnitzeln, Pflanzenstielen oder Rutenhirse. Diese Stoffe sind manchmal Abfallprodukte, die einfach weggeworfen werden. Es ist meiner Meinung nach sinnvoll, das Geld des Steuerzahlers dafür zu verwenden, festzustellen, ob wir diese Rohstoffe verwerten können und damit aus Nichts etwas machen können, das heißt weiterhin auf die Entwicklung von Ethanol zu setzen, so dass sich der Markt für Ethanol in den Vereinigten Staaten vergrößert.

Ich habe vorgeschlagen, 150 Millionen Dollar aus dem Haushalt für das nächste Jahr für Forschung im Bereich moderne Ethanoltechnik zu verwenden, und arbeite mit den Mitgliedern des Ausschusses für erneuerbare Energien an dem Thema. Das ist eine bedeutende Erhöhung verglichen mit den in der Vergangenheit hierfür bereitgestellten Mitteln. Ich bin der Meinung, dass dies sinnvoll ist. Und die Preise an der Zapfsäule sollten dem Steuerzahler signalisieren, dass es sinnvoll ist, wenn die Regierung Geld für Forschung und Entwicklung zur Erschließung alternativer Energiequellen ausgibt.

Ich unterstütze auch Biodiesel, der herkömmlichen Diesel als Kraftstoff für Autos, Lkws, Busse und landwirtschaftliche Geräte ersetzen kann. Im vergangenen Jahr besuchte ich eine Biodiesel-Raffinerie in Virginia, die sauber verbrennenden Kraftstoff aus Sojabohnenöl gewinnt. Es war sehr interessant, den Herstellungsprozess zu sehen. Ich weiß nicht, ob Sie das wissen, aber es ist möglich, Abfallstoffe wie wieder verwertetes Kochfett für die Herstellung von Biodiesel zu verwenden. Das bedeutet, dass Forschung und Entwicklung neue alternative Energiequellen wie Biodiesel ermöglicht hat. Aus diesem Grund habe ich die erste nationale Steuervergünstigung für Hersteller von Biodiesel verabschiedet. Grundsätzlich bedeutet das, dass wir die Energiesicherheit unseres Landes durch verschiedene Maßnahmen gewährleisten wollen. Es ist sinnvoll, wenn die Vereinigten Staaten über eine umfassende Strategie verfügen, die ihnen dabei hilft, andere Energiequellen als Erdöl zu erschließen.

Deshalb müssen wir verstehen, dass wir nicht nur forschen müssen, um in Ethanol und Biodiesel zu investieren, sondern dass die umfassende Strategie auch beinhaltet, Forschung im Bereich neuer Batterietechnologien zu finanzieren. Eine der wirklich interessanten Möglichkeiten für amerikanische Verbraucher ist der Kauf eines Hybridfahrzeugs, das an einer Stromquelle aufgeladen wird und dann bis zu 40 Meilen mit Strom fahren kann. Das erscheint mir sehr sinnvoll. Wenn wir versuchen, weniger abhängig von Benzin zu werden, und Rohöl der Ausgangsstoff für Benzin ist, sollten wir Möglichkeiten erforschen, Fahrzeuge herzustellen, die weniger Benzin verbrauchen. Und eine Möglichkeit dafür bieten strombetriebene Fahrzeuge.

Wir befinden uns hierbei kurz vor dem Durchbruch. Wir denken, dass wir bald eine Technologie entwickelt haben werden, die es ermöglicht, bis zu 40 Meilen nur mit Strom zu fahren. Wenn man weiter fahren will, wird nach 40 Meilen einfach auf Benzinantrieb umgeschaltet.

Aber Sie können sich vorstellen, was das für viele Autofahrer in großen Städten bedeutet, die täglich nicht mehr als 40 Meilen fahren. Das bedeutet, dass viele Autofahrer, die in großen Städten mit dem Auto zur Arbeit pendeln, kein Benzin mehr brauchen. Das wird etwas verändern. Wir verfügen in unserem Haushalt über 31 Millionen Dollar, mit denen wir Forschung und Entwicklung im Bereich moderne Batterietechnologien beschleunigen können.

Eine weitere Möglichkeit, die langfristigere Perspektiven als Ethanol, Biodiesel, Hybridfahrzeuge oder die Förderung des Kaufs der Mischformen bietet, die derzeit auf dem Markt sind, ist Wasserstoff. Wir wenden ungefähr 1,2 Milliarden Dollar über fünf Jahre für Forschung im Bereich wasserstoffbetriebener Fahrzeuge. Die Vorteile liegen auf der Hand: Wasserstofffahrzeuge erzeugen keine Emissionen. Das einzige Nebenprodukt ist Wasser. Als ich in Kalifornien war, besuchte ich den Verband California Fuel Cell Partnership und sah Busse, Pkws und Geländefahrzeuge, die dort auf den Straßen fuhren und mit Wasserstoff angetrieben wurden. Die finanziellen Mittel, die wir in Forschung und Entwicklung gesteckt haben, haben die Kosten für Wasserstoffbrennstoffzellen verringert und sie leichter gemacht. Diese Industrie hat also Zukunft. Es ist eine Industrie, die es den Menschen ermöglichen wird, zur Arbeit zu fahren, wie sie es schon heute tun, sich dabei aber nicht auf Ölquellen im Ausland verlassen zu müssen.

Ich beschreibe Ihnen heute eine Strategie, die den Realitäten der Welt, in der wir leben, Rechnung trägt. Unsere Abhängigkeit von Öl hat zu wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Fragen geführt, die sich unser Land stellen muss. Deshalb müssen wir unser Fachwissen und unseren Unternehmergeist dafür einsetzen, Alternativen für Kohlenwasserstoffe zu finden. Sie alle sind sich dieser Tatsache schon länger bewusst, als die meisten Amerikaner. Sie wissen, dass wir diese Strategie benötigen, und deshalb führen Sie die großen Veränderungen an, die in diesem Land derzeit stattfinden.

Wissen Sie, ich bin der festen Überzeugung, dass die Menschen schon in der nahen Zukunft nicht mehr zu einer normalen Tankstelle fahren werden, sondern zu einer alternativen Tankstelle. Dort werden sie eine Wahlmöglichkeit haben. Wenn man ein wasserstoffbetriebenes Auto hat, wird man diese Wahlmöglichkeit haben. Wenn Sie ein Auto haben, dass 85 Prozent Ethanol tankt, eines Tages vielleicht sogar 100 Prozent, wird auch das eine Option sein.

Wir sind es den amerikanischen Bürgern schuldig, aggressiv gegen erpresserische Preispolitik vorzugehen. Wir sind es den amerikanischen Bürgern schuldig, alternative Antriebstechnologien für ihre Fahrzeuge zu fördern, damit wir weniger abhängig von Ölquellen im Ausland werden. Wir sind es den amerikanischen Bürgern schuldig, Technologien aggressiv dafür einzusetzen, dass wir uns von einer reinen Kohlenwasserstoff-Gesellschaft wegentwickeln. Genau das tun wir, und ich freue mich, Ihnen bei Ihrer Arbeit zur Seite stehen zu können.

Ich danke Ihnen für Ihre Arbeit für die Vereinigten Staaten von Amerika. Vielen Dank, dass ich hier sein und vor Ihnen sprechen durfte. Möge Gott Sie segnen.

Originaltext: President Discusses Energy Policy

Demokratie im Irak

CHICAGO – (AD) – Nachfolgend veröffentlichen wir die unwesentlich gekürzte Rede von US-Außenministerin Condoleezza Rice vor dem Chicago Council on Foreign Relations vom 19. April 2006.

Vielen Dank für die Gelegenheit, aus Washington herauszukommen, wenn auch nur für etwa einen Tag. Ich fühle mich sehr geehrt, hier sein zu dürfen und möchte Ihnen von einem wunderbaren Erlebnis erzählen, das ich gerade am Flughafen hatte. Ich habe einige junge Matrosen der Marinestützpunkt Great Lakes getroffen. Sie haben mich am Flughafen begrüßt. Diese jungen Frauen und Männer kamen im Norden von Illinois als Patrioten an. Bald schon werden sie sich von ihren Familien verabschieden und zusammen mit tausenden anderen Amerikanern überall auf der Welt unsere Nation verteidigen. Meine sehr verehrten Damen und Herren, diese Frauen und Männer sind mehr als nur Patrioten. Sie sind Helden. Die Vereinigten Staaten schulden ihnen und allen ihren jungen Frauen und Männern in Uniform großen Dank.

Ich bin nicht den ganzen Weg nach Chicago angereist, um lediglich eine Rede zu halten. Ich möchte mit Ihnen wirklich diskutieren. Ich weiß, dass der Chicago Council für seine Überlegungen bekannt ist, und ich dachte, dass wir genau das heute tun könnten. Wir können über jede der vielen außenpolitischen Herausforderungen sprechen, mit denen wir konfrontiert sind. Es gibt in der Tat viele Herausforderungen in dieser historischen Zeit, in der wir auf die Probe gestellt werden.

Ich wollte allerdings mit einigen Bemerkungen zum Thema Irak beginnen, weil ich weiß, dass es im Land große Sorgen über den zukünftigen Kurs des Irak und unserer Irakpolitik gibt. Ich weiß, dass das, was Sie jeden Abend im Fernsehen sehen können, beunruhigend ist, und Sie viele Fragen haben. Zunächst möchte ich Ihnen Folgendes sagen: Die Entscheidungen, die wir als Nation in den kommenden Jahren zum Thema Irak treffen werden, werden nicht nur im Wesentlichen die Zukunft des Irak bestimmen, sondern auch die Zukunft von Frieden und Fortschritt im gesamten Nahen Osten.

Ich möchte Sie bitten, sich an das grundlegende Problem zu erinnern, mit dem wir in der Region konfrontiert sind. Jahrzehnte der Hoffnungslosigkeit in dieser krisengeschüttelten Region haben Ideologien eines so starken Hasses geschürt, dass Menschen an einem schönen Septembertag Flugzeuge in Gebäude in unserem Land steuerten. Der Status quo im Nahen Osten war instabil und unhaltbar. Heute gibt es im Nahen Osten aber Zeichen der Hoffnung. In Ländern wie Jordanien und Marokko haben demokratische Reformen begonnen, in Ägypten gingen sie schrittweise voran und in Saudi-Arabien haben sie sehr zaghaft angefangen. Bürger im Libanon schützen ihre Freiheit vor syrischer Besatzung und Frauen in Kuwait haben das Wahlrecht erlangt.

Auch wenn wir nicht mit jeder Entscheidung der Menschen in dieser Region einverstanden sind, müssen wir doch ihre Entscheidungsfreiheit verteidigen, denn wir haben die Konsequenzen autoritärer Regierungen erlebt, die ihren Bürgern die Freiheit verwehren. Die Vision eines viel versprechenden Nahen Ostens wird jedoch verschwinden, wenn wir im Irak keinen Erfolg haben.

Wenn wir das irakische Volk im Stich lassen, werden wir Reformern überall in der Region zeigen, dass man nicht darauf vertrauen kann, dass die Vereinigten Staaten Wort halten. Wir würden die Feinde demokratischer Reformen ermutigen. Wir würden im Irak die Zutaten für einen gescheiterten Staat – wie in Afghanistan in den 1990er Jahren – hinterlassen, und dieser Staat könnte wieder zu einer Operationsbasis für Terroristen werden. Wir sollten keine Minute davon ausgehen, dass diese Terroristen uns nicht mit erneuter Entschlossenheit angreifen würden. Aus diesem Grund bezeichnet Präsident Bush den Irak als Hauptfront im Kampf gegen den Terrorismus.

Die Iraker beim Aufbau einer effektiven demokratischen Regierung zu unterstützen ist der einzige Weg, den Sieg zu sichern und zu gewährleisten, dass unsere mutigen Frauen und Männer in Uniform, die sich so heroisch verhalten und uns niemals im Stich lassen, mit der ihnen gebührenden Ehre heimkehren. Demokratie im Irak ist leicht zu beschreiben, aber schwer zu erreichen. Und es ist wichtig, dass die amerikanischen Bürger verstehen, warum das so ist. Demokratie im Irak ist schwierig, weil das Land von den Trennlinien von Religionen und Ethnien im Nahen Osten durchzogen ist.

In der Vergangenheit haben die unterschiedlichen Gruppen im Irak ihre Meinungsverschiedenheiten zu häufig mittels Gewalt und Zwang geregelt. Jetzt versuchen sie etwas ganz anderes zu tun. Sie versuchen es jetzt mittels Politik und Kompromissen. Zum ersten Mal in ihrer Geschichte ringen die Iraker mit der Idee der Demokratie, der Vorstellung, dass Vorteile für eine Person nicht auf Kosten anderer herbeigeführt werden müssen.

Demokratie im Irak ist darüber hinaus schwierig, weil Saddam Hussein über drei Jahrzehnte die Saat der zivilen Konflikte in diesem Land gesät hat. Um seine Macht zu sichern, spielte Saddam die Iraker, viele Stämme und Religionsgemeinschaften gegeneinander aus und zwang unterschiedliche Gruppen, sich ausschließlich auf sich selbst zu verlassen und niemandem sonst zu vertrauen. Um die Spaltung der Iraker aufrechtzuerhalten, unternahm das Regime Saddam Husseins alles erdenklich Böse: Folter, Völkermord, Vergewaltigung und ethnische Säuberungen, sogar die Verwendung chemischer Waffen.

Der Schatten Saddam Husseins liegt immer noch drohend über dem heutigen Irak; und dies, obwohl er selbst vor Gericht steht. Er lässt sich am stärksten in dem tiefen Argwohn und Misstrauen erkennen, das noch immer die irakische Gesellschaft durchdringt. Das erklärt ebenfalls, warum für alle Fälle fast jede irakische Gruppe ihre eigene Miliz behält. Das ist nicht die Kultur des irakischen Volkes. Es ist das Vermächtnis des irakischen Tyrannen.

Schließlich, und das ist am wichtigsten, ist der Aufbau der Demokratie im Irak schwierig, weil ihr entschlossene und rücksichtslose Feinde gegenüberstehen, die durch das Verstärken der Spaltungen im Irak zivile Konflikte provozieren wollen. Wir wissen dies, weil es der Anführer der Al Kaida im Irak selbst in einem Brief an Osama bin Ladens Stellvertreter schrieb.

Angesichts der schrecklichen Angriffe, wie dem jüngsten Bombenanschlag auf die Goldene Moschee in Samarra, wurden einige Iraker nun leider dazu verleitet, das Recht in ihre eigenen Hände zu nehmen. Die sektiererische Gewalt, die wir zurzeit erleben, ist in höchstem Maße besorgniserregend und es kann in einer Demokratie keinen Platz für bewaffnete Milizen geben, die außerhalb der Gesetze agieren. Dennoch, wann immer die Iraker an den Rand des Abgrunds gebracht wurden, behielten kühlere Köpfe stets die Oberhand. Die schwachen demokratischen Institutionen des Irak konnten den Volkszorn bisher eindämmen, und die politischen und religiösen Anführer waren sich einig, Rachevorhaben in ihren Gemeinden Einhalt zu gebieten.

Angesichts der überwältigenden Widrigkeiten sendet die Mehrheit der Iraker das klare Signal aus, dass sie in Frieden und Freiheit zusammenleben möchten. Millionen Iraker trotzten den Gewaltandrohungen und gingen wählen, nicht nur ein Mal, nicht zwei Mal, sondern drei Mal. Jedes Mal war die Wahlbeteiligung höher und zunehmend mehr Iraker wurden vertreten. Im vergangenen Januar boykottierten fast alle irakischen Sunniten die Wahlen, zogen es vor, auf Nummer sicher zu gehen, und unterstützten die Aufständischen. Am Ende des Jahres erkannten jedoch die meisten Sunniten ihre Zukunft im demokratischen Prozess und die große Mehrheit von ihnen ging im Dezember zur Wahl. Wir sollten niemals vergessen, dass das irakische Volk in nur einem Jahr die beeindruckendste Verfassung in der gesamten arabischen Welt entworfen und ratifiziert hat.

Heute arbeiten die Iraker an der Bildung einer Regierung und die Amerikaner wollen zu Recht wissen, warum dieser Prozess so viel Zeit in Anspruch nimmt. Ich selbst reiste vor einigen Wochen nach Bagdad und habe diese Frage gestellt. Präsident Bush und ich teilen ihre Besorgnis. Der Irak benötigt eine erfolgreiche Regierung, die entschlossen die bedeutenden Herausforderungen angeht, mit denen sich das Land nun konfrontiert sieht. Dies ist eine Botschaft, die die irakische Führung nicht nur von unserer Regierung und unseren Koalitionspartnern hört, sondern von den Irakern selbst. Die Bürger des Irak wollen eine Regierung, und sie haben nun die Freiheit, ihrer Enttäuschung darüber Ausdruck zu verleihen, dass die gewählten Politiker noch keine gebildet haben.

In der jüngsten Vergangenheit haben Iraker – Frauen und Männer – in Zeitungsartikeln, satirischen Karikaturen, ja sogar in Internet-Blogs Dinge über ihre Politiker gesagt, die sie im alten Irak das Leben gekostet hätten. Sie drängen ihre Politiker, das Wohl der Nation über die engstirnigen Interessen eines Einzelnen oder einer Partei zu stellen.

Um der gewählten irakischen Führung kein Unrecht zu tun, ist es wichtig, dass wir verstehen, dass der Prozess der Regierungsbildung schwierig und zeitaufwändig ist, weil die Iraker sehr hohe Erwartungen haben. Sie wollen eine Regierung der nationalen Einheit, eine, die von den vielen unterschiedlichen Gruppen im Irak akzeptiert wird. Das ist jedoch nicht alles. Die Iraker wollen des Weiteren, dass ihre geeinte Regierung stark ist. Sie wollen, dass sie effektiv ist. Die irakischen Politiker waren alles andere als untätig; sie haben drei wichtige Schritte unternommen, um die Regierung, die sie bilden werden, zu stärken.

Zunächst einmal haben sich die irakischen Politiker auf die Bildung eines nationalen Sicherheitsrats geeinigt. Dieses Gremium wird die gesamte irakische Gesellschaft repräsentieren und sicherstellen, dass Entscheidungen bezüglich der Landessicherheit die nationalen und nicht sektiererische Interessen widerspiegeln.

Die irakische Führung hat zudem ein ministerielles Sicherheitskomitee geschaffen, das dem politischen Entscheidungsprozess unter den hochrangigen irakischen Beamten Stabilität verleihen soll.

Schließlich hat die irakische Führung wichtige Statuten zur Regulierung der Zusammenarbeit und der effektiven Entscheidungsfindung der unterschiedlichen Kabinette entworfen.

Diese kleinen aber lebenswichtigen Schritte werden jetzt den Erfolg im Irak bestimmen. Wenn die neue irakische Regierung einmal gebildet wurde, muss sie die Grundlagen für einen demokratischen Staat legen und Institutionen aufbauen, die funktionieren und durch Transparenz, Verantwortlichkeit und Effektivität gekennzeichnet sind.

Der Irak begibt sich jetzt in die wichtigste Phase seiner demokratischen Entwicklung und ich möchte, dass die Amerikaner auf einige Dinge vorbereitet sind. Die Amerikaner müssen damit rechnen, dass sie Gewalt auch nach der Bildung der Regierung weiter andauert. Es wird im Irak kein Äquivalent des Sieges in Europa oder Japan nach dem Zweiten Weltkrieg geben. Vielmehr wird der Frieden gesichert werden, wenn immer mehr Iraker erkennen, dass ihnen der demokratische Prozess offen steht und dass Politik, nicht Gewalt, die besten Möglichkeiten eröffnet, ihre Interessen durchzusetzen und ihre Unzufriedenheit zu lindern. So wird die Demokratie den Terrorismus bezwingen, jedoch wird dieser Prozess schrittweise erfolgen.

Die Amerikaner müssen auch darauf vorbereitet sein, dass die nächsten Wahlen im Irak noch in weiter Zukunft liegen. Die bewegenden und medienwirksamen Bilder von tintengefärbten Fingern und freudigen Wählern werden den weniger farbenfrohen, jedoch nicht minder bedeutenden Geschichten über die langsame und schwierige Arbeit der Regierung weichen. Der Fortschritt im Irak wird von nun an zunehmend durch Verhandlungen und Kompromisse erzielt werden.

Alle Amerikaner müssen jedoch auch wissen, dass ihre Regierung, unsere Regierung, eine klare Strategie für den Erfolg im Irak verfolgt. Wir verfolgen eine integrierte politisch-militärische Strategie, die unsere irakischen Partner befähigen soll, ihr Land selbst zu kontrollieren und ihre Probleme selbst zu lösen. Diese Strategie besteht teilweise darin, zu befreien, zu sichern und aufzubauen; die amerikanischen Frauen und Männer in Uniform bilden zuerst irakische Sicherheitskräfte aus und kämpfen an ihrer Seite, um die irakischen Städte systematisch von Terroristen und Aufständischen zu befreien. Danach helfen wir den Irakern dabei, die gemeinsam befreiten Gebiete zu sichern, und erhöhen so sowohl die materiellen Vorzüge des Wiederaufbaus als auch die legitime Kontrolle durch die irakische Regierung. Dann arbeiten wir mit unseren irakischen Partnern daran, die Institutionen einer freien Wirtschaft und einer effektiven Demokratie aufzubauen.

Ich möchte Sie jetzt über die neuesten Entwicklungen bei der Umsetzung dieses Teils unserer Strategie informieren.

Eine Idee, mit deren Umsetzung wir Ende des letzten Jahres begannen, ist die der Wiederaufbauteams für bestimmte Provinzen. Wir haben diese Teams – wir nennen sie PRT (Provincial Reconstruction Teams) – in bestimmten Teilen des Irak eingesetzt und wollen das Modell zusammen mit unseren Koalitionspartnern auf das ganze Land ausweiten. Es handelt sich um kleine, bewegliche Teams bestehend aus Amerikanern und Koalitionsmitgliedern, die für die Festigung der jungen irakischen Demokratie von höchster Bedeutung sind. Es sind Spezialisten für militärische und zivile Angelegenheiten, Entwicklungshelfer, Rechtsstaatlichkeitsexperten sowie Experten für Politik und Wirtschaft. Sie sitzen nicht in der US-Botschaft in Bagdad, sondern gehen nach Mosul und Irbil und in andere Teile des Landes. Die Aufbauteams sind wichtig, weil sie sich auf die einzigartigen Herausforderungen in jeder Provinz einstellen und so unseren irakischen Partnern helfen können, die Demokratie selbst in die Hand zu nehmen und ihren Bürgern wahre Verbesserungen zu bieten.

Sie müssen wissen, dass unter dem alten Regime die Politiker in den Provinzen wenig Macht, Autorität oder Kapazitäten besaßen. Die Entscheidungen und Ressourcen konzentrierten sich auf Bagdad. Die neue irakische Verfassung gewährt den Provinzen und einzelnen Orten mehr Befugnisse. Das wird dazu führen, dass viele Entscheidungen und Leistungen mehr an den Bedürfnissen der Menschen ausgerichtet sind. Die lokalen und kommunalen Politiker werden aber auch die Fähigkeit entwickeln müssen, den Menschen diese Vorzüge zu liefern. Wir werden ihnen dabei helfen. Gleichzeitig arbeiten wir daran, Kapazitäten aufzubauen und die Effektivität der zentralen Ministerien der Regierung zu erhöhen. Unter Saddam Hussein wurden Kabinettsministerien von einer Faktion dominiert und streng geführt, unabhängig von ihren jeweiligen Leistungen.

Heute ist es jedoch unerlässlich, dass die irakischen Ministerien, insbesondere das Verteidigungs- und Innenministerium, effektiv und ohne sektiererische Trennlinien funktionieren. Aus diesem Grund starteten wir unser Programm zur Unterstützung der Ministerien und haben beim Kongress 125 Millionen Dollar für dieses Jahr beantragt, um unsere irakischen Partner durch Ausbildungs- und Unterstützungsmaßnahmen zu stärken. Wir konzentrieren uns auf alles, das für die Iraker von Bedeutung ist, von der Verwaltung eines Haushalts, über den Kampf gegen Korruption bis hin zur Erlangung greifbarer Ergebnisse.

Ich kann Ihnen versichern, dass diese beiden politischen Ansätze sowie unsere grundlegende Strategie für den Sieg im Irak nicht über Nacht entstanden sind. Sie waren die Folge einer Anpassung an neue Gegebenheiten. Als sich die Situation vor Ort änderte und wir die Lehren aus einigen Dingen zogen, die nicht so gut liefen, mussten wir uns anpassen. Wir mussten unsere Annahmen überdenken und unseren Kurs korrigieren, und das hat auch zu Verbesserungen geführt. Das Ergebnis ist keine perfekte, sondern eine realistische Strategie, die jetzt den Erfolg im Irak sicherstellt.

Ich weiß, wie schwer es sein kann, zu glauben, dass es greifbare Fortschritte im Irak gibt und dass der Irak eines Tages ein stabiler und demokratischer Staat sein wird. Ich sehe dieselben tragischen Bilder der Gewalt und des Leids wie Sie und trauere wie Sie um jeden unserer 2.372 gefallenen Helden, die engagierten Mitarbeiter des US-Außenministeriums sowie die anderen Zivilisten, die wir verloren haben. Ich weiß, was sich viele Amerikaner in diesem Moment fragen: Wird der Irak jemals friedlich und demokratisch sein? Schätzen die Iraker die Freiheit wirklich so sehr wie wir Amerikaner? Vielleicht, nur vielleicht, tun sie das nicht.

Aber ich möchte mit zwei Geschichten schließen: eine über die Iraker und eine über die Vereinigten Staaten. Ich habe während der vergangenen drei Tage Telefongespräche mit zwei sunnitischen Politikern im Irak geführt, die derzeit stark in die Bemühungen eingebunden sind, eine konfessionsübergreifende Regierung zu bilden. Ich habe sie angerufen, weil beide ihre Brüder bei Anschlägen im Irak verloren haben. Sie sollten sich der persönlichen Opfer bewusst sein, die die irakischen Politiker bringen. Beide sagten mir: “Ich trauere um meinen Bruder. Natürlich werde ich mich um seine Witwe und seine Kinder kümmern. Aber ich werde meine Arbeit für einen geeinten, demokratischen Irak fortsetzen, weil mein Bruder dafür starb.”

Die Iraker bringen in großen Zahlen Opfer für ihre eigene Zukunft. Sie stellen sich den Terroristen um ihrer eigenen Zukunft willen und wollen wie alle Menschen auf der Welt eine Zukunft in Frieden, Sicherheit und der Würde, die mit der Demokratie einhergeht.

Für sie und für uns sind diese Zeiten schwer und stellen uns vor große Herausforderungen. Manchmal ist es in schweren Zeiten gut, sich auf die Geschichte zu besinnen, um ein besseres Gefühl für die richtige Perspektive zu erhalten. Ich war in der glücklichen Position zwischen 1989 und 1991 am Ende des Kalten Krieges als Expertin für die Sowjetunion im Weißen Haus zu arbeiten. Ich kann mir fast nichts Interessanteres vorstellen. Ich konnte an der Befreiung Osteuropas, der Wiedervereinigung von Deutschland und dem friedlichen Fall der Sowjetunion teilhaben.

Das sind Ereignisse gewesen, die ich mir als Studentin der internationalen Politik niemals hätte vorstellen können, vor allem nicht, dass ich an ihnen würde teilhaben dürfen. Aber wenn ich an diese berauschenden Zeiten zurückdenke, erkenne ich, dass wir eigentlich nur die Früchte der guten Entscheidungen ernteten, die 1945, 1946, 1947 und 1948 getroffen wurden, als der Sieg der Freiheit in Europa und Asien noch nicht so gewiss erschien.

Wenn ich durch das Außenministerium laufe und die Porträts von Marshall oder Acheson betrachte oder an Truman, Churchill und andere denke, stelle ich mir vor, was sie jeden Tag zu bewältigen hatten. 1946 gewannen die Kommunisten die Zustimmung großer Minderheiten in Italien und Frankreich. 1947 gab es einen Bürgerkrieg in Griechenland und zivile Konflikte in der Türkei. 1947 hungerten noch immer Europäer, weil die Wiederaufbau- und Hilfsmaßnahmen noch nicht erfolgreich abgeschlossen waren. 1948 gab es einen Putsch in der Tschechoslowakei, der zur Entmachtung der letzten freien Regierung in der kommunistischen Welt führte. 1948 wurde im Zuge der Berlinkrise Deutschland dauerhaft geteilt. 1949 zündete die Sowjetunion fünf Jahre, bevor wir dies erwartet hätten, eine nukleare Waffe und in China siegten die Kommunisten.

Damals konnte man nicht davon ausgehen, dass es 1990 und 1991 zum Sieg eines geeinten, freien, demokratischen und friedlichen Europas kommen würde. Es handelte sich damals nicht nur um kleine Rückschläge. Es waren vielmehr gewaltige strategische Niederlagen für die Freiheit. Dennoch blieben die Menschen, die damals für die amerikanische Politik verantwortlich waren, ihren Werten treu und fanden Lösungen, schufen großartige Institutionen wie die NATO und vertrauten darauf, dass die Demokratie in Deutschland und Japan Fuß fassen könnte, wo das zuvor noch nie der Fall gewesen war. Sie glaubten auch, dass es einen Tag geben würde, an dem Krieg in Europa undenkbar sein würde, wenn die Vereinigten Staaten nur den damals entstehenden Demokratien zur Seite standen.

Ich kann Ihnen versichern, dass 1947 oder 1948 die Vorstellung, dass Frankreich und Deutschland nie wieder Krieg gegeneinander führen würden, nicht möglich und schon gar nicht wahrscheinlich erschien. Aber diese Menschen vertrauten dennoch darauf. Das lässt mich glauben, dass wenn man auf Zeiten großer Turbulenzen, großartiger geschichtlicher Errungenschaften und historischer Veränderungen zurückblickt, alles geordneter erscheint.

Es lässt mich auch glauben, dass Dinge, die damals unmöglich erschienen, rückblickend unvermeidlich erscheinen. Wenn wir also auf die schwierigen noch vor uns liegenden Zeiten im Irak und die Konflikte im Nahen Osten blicken, die mit dem Verhältnis zwischen dem Islam und Politik zu tun haben, wenn wir eine ganze Region betrachten, die versucht, aus Jahren unter einem autoritären Regierungssystem auszubrechen, sollten wir uns in Erinnerung rufen, dass wir alle historische Beispiele dafür kennen, dass etwas unmöglich erschien, heute aber als zwangsläufige Entwicklung angesehen wird.

Und ich bin der Meinung, dass wenn wir unsere Arbeit gut machen, wenn wir uns nicht entmutigen lassen, sondern unseren Werten treu bleiben, wir eines Tages zurückblicken und uns fragen werden, warum wir jemals den Sieg der Demokratie im Nahen Osten, im Irak, in Afghanistan und Palästina angezweifelt haben. Warum haben wir nur gezweifelt? Ich denke auch, dass dann jene, die zurückblicken, sagen werden, es sei schon immer eine unvermeidbare Entwicklung gewesen. Das war es natürlich nicht. Es war menschliches Wirken und menschliche Entschlossenheit, die sie ermöglicht haben.

Vielen Dank.

Originaltext: Opening Remarks and Q&A Session at Chicago Council on Foreign Relations

Präsident erörtert globalen Krieg gegen den Terror

WASHINGTON – (AD) – Nachfolgend veröffentlichen wir die unwesentlich gekürzte Rede von US-Präsident George W. Bush in Charlotte (North Carolina) vom 6. April 2006.

Die wichtigste Entscheidung, die ich bisher in meiner Amtszeit treffen musste, bestand darin, junge Menschen in Gefahr zu bringen. Das ist eine Entscheidung, die kein Präsident treffen will. Es ist eine Entscheidung, die ich lieber nicht getroffen hätte. Aber ich möchte Ihnen gerne erörtern, warum ich die Entscheidung so getroffen habe.

Erstens: Der Krieg kam am 11. September 2001 in unser Land. Es war ein Krieg, um den wir nicht baten, es ist ein Krieg, den wir nicht wollten, aber es ist ein Krieg, mit dem ich mich befassen werde, solange ich Ihr Präsident bin. Um mit diesem Krieg gegen den Terror umgehen zu können, muss man die Wesensart der Feinde verstehen. Ich möchte meine Gedanken über die Feinde, mit denen wir uns konfrontiert sehen, mit Ihnen teilen.

Es sind Feinde, die von einer gemeinsamen Ideologie zusammengehalten werden. Es handelt sich nicht um einzelne, weltweit verstreute Personen, die wütend sind und zuschlagen, wenn sich ihnen ein günstiger Augenblick bietet. Es handelt sich um Menschen, die an etwas glauben – und ihr Glaube ist totalitärer Natur. Sie sind der Meinung, dass Menschen ihre Religion nicht frei ausüben dürfen sollten. Sie sind der Meinung, dass junge Mädchen keine Schule besuchen dürfen sollten. Sie haben einen verdrehten Gerechtigkeitssinn. Sie setzen Gewalt ein, um ihre Ziele zu erreichen. Ihr erklärtes Ziel besteht darin, ihre totalitäre Sichtweise überall im Nahen Osten zu verbreiten. Das ist, was sie beabsichtigen.

Sie haben es sehr deutlich gemacht, dass sie der Meinung sind, Amerikaner seien schwach und hätten nicht die Willensstärke, es mit ihrer Philosophie aufzunehmen. Das glauben sie. Ich berichte Ihnen nur, was sie gesagt haben. Ich denke, in Kriegszeiten ist es sehr wichtig, dass der Präsident die Worte des Feinds sehr ernst nimmt. Und das tue ich.

Sie glauben, dass Gewalt dazu führen wird, dass wir unsere Entschlossenheit verlieren und uns zurückziehen. Sie haben erklärt, dass sie eine Zufluchtsstätte wollen, von der aus sie nicht nur moderate Regierungen im Nahen Osten, sondern auch Anschläge auf die Vereinigten Staaten durchführen können. Dies vor Augen würde ich gerne über einige Erfahrungen berichten, die wir gemacht haben. Eine Erfahrung betraf das Wesen des Feindes.

Eine weitere ist, dass wir den Feind im Ausland besiegen müssen, damit wir uns ihm nicht wieder hier in unserem Land stellen müssen. Das erfordert eine offensive Strategie: Wir müssen den Feind in die Enge treiben, ihn aufspüren, ihn zur Rechenschaft ziehen, uns niemals erweichen lassen, keine Nachsicht haben und uns der Tatsache bewusst sein, dass wir mit diesen Menschen nicht verhandeln können. Man kann mit diesen Menschen nicht rational sprechen, daher müssen wir sie weiterhin verfolgen und ihrer gerechten Strafe zuführen. Das ist genau das, was wir tun.

Natürlich ist eines unserer unmittelbaren Ziele die Zerschlagung der Al Kaida. Ihre Anhänger verstecken sich in den entlegendsten Winkeln der Welt. Sie schmieden ihre Pläne in den entlegendsten Winkeln der Welt. Sie sind gut im Kommunizieren. Sie sind gut im Täuschen. Sie sind gut bei der Verbreitung von Propaganda. Und sie wollen erneut zuschlagen. Wir haben gute Fortschritte dabei erzielt, die operative Struktur der Al Kaida zu zerstören – Khaled Scheich Mohammed, Ramsi Binalshibh – einige der Personen, die zu wichtigen operativen Führern der Al Kaida geworden sind. Offensichtlich sind Osama bin Laden und sein Kollege Zawahiri noch immer auf freiem Fuß. Das ist uns klar. Aber wir beobachten, hören zu und arbeiten mit Verbündeten wie Präsident Muscharraf in Pakistan und Präsident Karsai in Afghanistan zusammen, um die Führung der Al Kaida zur Rechenschaft zu ziehen.

Die zweite Lektion, die wir gelernt haben, besteht darin, dass diese Art des ideologisch miteinander verbundenen terroristischen Netzwerks eine Zufluchtsstätte braucht, anders als bei Kriegen in der Vergangenheit. Sie benötigen einen Ort, an dem sie sich verstecken können. Sie benötigen symbiotische Beziehungen mit Regierungen, die ihnen ermöglichen, Pläne zu schmieden und auszuarbeiten und dann anzugreifen.

Daher versprach ich am Anfang des Konflikts nicht nur, dass ich unsere feste Entschlossenheit zum Schutz dieses Landes nutzen würde, indem wir in der Offensive bleiben, sondern auch, dass wir diesen Terroristen keinen Zufluchtsort gewähren werden. Ich sagte, dass man sich ebenso schuldig macht wie die Terroristen, wenn man einem Terroristen Zuflucht gewährt. Meiner Meinung nach ist es sehr wichtig, dass unsere Bürger wissen, dass der Präsident auch meint, was er sagt. Um effektiv arbeiten und Glaubwürdigkeit aufrechterhalten zu können, müssen Worte auch etwas bedeuten. In meiner Position kann man nicht einfach etwas sagen und es nicht so meinen.

Ich habe gemeint, was ich sagte. Wir sagten also den Taliban, sie sollten sich auflösen. Sie entschieden, dies nicht zu tun. Ich traf meine erste Entscheidung, die jungen Menschen unseres Landes Gefahren auszusetzen und Afghanistan zu befreien. Die Entscheidung zur Befreiung Afghanistans basierte zuallererst auf der Notwendigkeit, die Doktrin umzusetzen, von der ich der Meinung war, sie sei für den Schutz der Amerikaner notwendig. Eine der positiven Auswirkungen der Tatsache, dass ich unsere jungen Leute Gefahren ausgesetzt habe, war die Befreiung von 25 Millionen Menschen aus den Klauen eines der barbarischsten Regimes, das es in der Menschheitsgeschichte jemals gab.

Laura und ich haben diese junge Demokratie besucht. Wir trafen Präsident Karsai. Es war eine bemerkenswerte Erfahrung. Sie lässt sich nur schwer beschreiben. Wissen Sie, ich bin nicht poetisch veranlagt. Lassen Sie es mich folgendermaßen ausdrücken: Es war ein erhebendes Gefühl, Menschen zu sehen, die sich für Demokratie engagieren, und zu erkennen, dass Demokratie im krassen Gegensatz zu dem Leben steht, dass die Menschen unter den Taliban führen mussten.

Die Aufgabe besteht nun darin, weiterhin die Taliban und Al Kaida abzuwehren, die sonst versuchen würden, die Fortschritte der neuen Demokratie aufzuhalten. Wir müssen diesem Land helfen, so dass es überleben, florieren und wachsen kann, und die Afghanen dabei unterstützen, die Träume aller Frauen und Männern zu erfüllen, in einer freien und friedlichen Welt zu leben. Führen Sie sich vor Augen, dass diese Menschen für einen Präsidenten und ein Parlament gestimmt haben. Ich bin stolz auf die Fortschritte, die wir in diesem Land machen. Es handelt sich um eine historische Leistung unseres Landes und unserer Soldaten. Und es war notwendig, die Doktrinen umzusetzen, von denen wir gesagt hatten, sie seien für den Schutz unserer Bürger erforderlich.

Das ist eine wichtige Erfahrung für unser Land. Es ist eine Erfahrung, die manchmal im politischen Tagesgeschäft in Washington untergeht, aber ich bin zuversichtlich, wenn ich Ihnen sage, dass es für dieses Land erforderlich ist, sie ernst zu nehmen. Das wird für mich und meinen Amtsnachfolger notwendig sein. Wenn wir eine Bedrohung sehen, müssen wir sie ernst nehmen, bevor sie uns hier in unserem Land schadet.

Wissen Sie, wir fühlten uns alle in unserer Kindheit sehr sicher, beispielsweise in Midland (Texas), weil wir dachten, die Ozeane könnten uns schützen. In meinem Fall waren die Ozeane zwar weit entfernt, aber trotzdem. Dennoch, wenn man zu den geburtenstarken Jahrgängen gehört wie ich, wusste man, als man aufwuchs, dass es eine nukleare Bedrohung gab. Die Vereinigten Staaten hatten damals eine interessant klingende Strategie mit dem Namen “gegenseitig zugesicherte Zerstörung”, die einen Rahmen für sicherheitspolitische Maßnahmen bot.

Aber wir dachten doch nie, dass uns wirklich jemand angreifen würde, oder? Wir dachten nie, dass es einen weiteren Angriff wie den auf Pearl Harbor in unserem Land geben würde. Der 11. September 2001 veränderte all das. Mehr Menschen starben am 11. September bei einem Angriff eines Feindes auf unser Land als in Pearl Harbor. Die größte Bedrohung, der wir uns gegenübersehen, besteht in einem Terrornetzwerk, das es schafft, Waffen zu erwerben, die noch stärker als Flugzeuge sind. Wenn ein Terrornetzwerk es je schaffen sollte, Massenvernichtungswaffen zu beschaffen, ein erklärtes Ziel der Terroristen, stünde unser Land und die gesamte freie Welt einer ernsten Bedrohung gegenüber.

Ich sah im Irak eine Bedrohung. Nicht nur ich sah im Irak eine Bedrohung, die vorherige Regierung tat das auch. Die vorherige Regierung verabschiedete übrigens eine Resolution im US-Kongress, die besagte, dass es im Irak einen Regimewechsel geben müsse. Nicht nur die vorherige Regierung sah eine Bedrohung im Irak; Mitglieder beider politischer Parteien in beiden Kammern sahen während meiner Amtszeit als Präsident eine Bedrohung im Irak. Und der Grund dafür war, dass die Nachrichtendienste sagten, Saddam Hussein besitze Massenvernichtungswaffen.

Es waren nicht nur die US-Nachrichtendienste, die das sagten. Das weltweite Netzwerk der Geheimdienste dachte, er hätte Massenvernichtungswaffen. Als ich den Fall dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen vortrug, beschloss der Sicherheitsrat einstimmig mit 15 Stimmen, der Irak müsse seine Ziele offen legen, abrüsten oder andernfalls mit ernst zu nehmenden Konsequenzen rechnen. Nicht nur die Vereinigten Staaten forderten dies. Frankreich, Großbritannien, China, Russland und andere Mitglieder des Sicherheitsrats sagten das, weil die Welt dachte, Saddam Hussein besäße Massenvernichtungswaffen, und nach dem 11. September war es überdeutlich, dass ein Staat, der den Terror unterstützt, was auch frühere Regierungen erkannt hatten, zusammen mit Massenvernichtungswaffen und der Tatsache, dass Hussein zumindest ein erklärter Feind der Vereinigten Staaten von Amerika war, eine ernste Bedrohung für unser Land darstellt.

Meine größte Aufgabe ist es, die Amerikaner zu schützen. Das wurde am 11. September 2001 klar. Es ist wichtig, gute Reformen im Bildungswesen zu verabschieden; es ist wichtig, das System der Community Colleges zu unterstützen; und es ist wichtig, auf ein Medicare-Programm hinzuarbeiten, das den Bedürfnissen gerecht wird. Meine größte Aufgabe besteht darin, Sie zu beschützen – jedenfalls sehe ich das so. Ein Großteil meiner Entscheidungsfindung basiert übrigens darauf, was am 11. September 2001 geschah. Die Ereignisse hatten ihre Wirkung auf mich, genauso, wie sie ihre Wirkung auf das Land hatten. Ich werde diesen Tag niemals vergessen. Ich werde die Lektionen, die wir gelernt haben, niemals vergessen. Wenn wir also eine Bedrohung sehen, müssen wir sie ernst nehmen. Ozeane können uns nicht mehr beschützen. Der Feind konnte zuschlagen und töten, und es war ein gefährlicher Feind.

Bevor ein Präsident Truppen entsendet, müssen alle diplomatischen Mittel erschöpft sein. Ich werde Ihnen erneut sagen, was ich bereits gesagt habe: Die Entscheidung, junge Menschen in Gefahr zu bringen, ist schwer. Meiner Ansicht nach sollte niemand jemals eine solche Entscheidung treffen wollen, denn ich kenne die Konsequenzen der Entscheidungen genau. Wie ich ihnen gesagt habe, versuchte ich es mit diplomatischen Mitteln. Ich hoffte, dass Saddam Hussein die Vernunft der freien Welt erkennen würde, als die Welt im Sicherheitsrat mit einer Stimme sprach. Aber das tat er nicht.

Ich war stets der Meinung, dass die Entscheidung bei ihm lag. Die Welt sagte, der Irak müsse seine Ziele offen legen und abrüsten. Ich möchte Sie daran erinnern, dass er die Inspektoren täuschte. Man kann sich eine logische Frage stellen: Warum will jemand Inspektoren täuschen? Wie ich vorhin gesagt habe: Wenn Amerika spricht, muss es auch meinen, was es sagt. Ich meinte, was ich sagte, als wir die Resolution befürworteten, die besagte, der Irak müsse seine Ziele offen legen, abrüsten oder ernst zu nehmende Konsequenzen tragen. Worte bedeuten etwas, wenn man versucht, die amerikanischen Bürger zu beschützen.

Ich bin mir der Tatsache, dass die nachrichtendienstlichen Erkenntnisse falsch waren, vollständig bewusst, und bin ebenso enttäuscht wie alle anderen. Aber dass Saddam Hussein ein anderes Land angegriffen hat, war nicht falsch. Er hatte Massenvernichtungswaffen eingesetzt. Er hatte die Fähigkeit, Massenvernichtungswaffen herzustellen. Er schoss auf unsere Piloten. Sein Staat unterstützte den Terror. Die Entmachtung von Saddam Hussein war richtig für den Weltfrieden und die Sicherheit unseres Landes.

Der Irak ist jetzt die Hauptfront im Krieg gegen den Terror. Der Krieg gegen den Terror findet nicht nur im Irak statt, aber der Irak ist derzeit das wichtigste Schlachtfeld. Der Feind hat ihn dazu gemacht.

Der Fortschritt der Demokratie verängstigt die totalitären Kräfte, die sich uns entgegenstellen. Herr Sarkawi im Irak ist Mitglied der Al Kaida. Er ist übrigens kein Iraker. Er vertritt das Netzwerk der Al Kaida und versucht, den Erfolg der Demokratie aufzuhalten. Eine interessante Frage ist, warum jemand die Demokratie aufhalten will – was ist falsch an Demokratie, Herr Sarkawi, warum haben Sie Angst vor ihr? Fühlen Sie sich durch die Tatsache bedroht, dass die Menschen ihrer Stimme Gehör verschaffen könnten und Sie ihnen keine Vorschriften machen können? Macht Ihnen die Tatsache Angst, dass die Menschen frei zum allmächtigen Gott beten können sollten? Was stimmt nicht mit der Demokratie – das ist eine gerechtfertigte Frage, die wir alle stellen sollten.

Dennoch – er ist zäh, er ist böse, und er ist bereit, unschuldige Menschen zu töten, um unsere Entschlossenheit zu erschüttern. Die Al Kaida hat unmissverständlich erklärt, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis die Vereinigten Staaten die Nerven verlieren. Sie wissen, dass sie uns nicht auf dem Schlachtfeld besiegen können, sie können die Vereinigten Staaten von Amerika nicht militärisch besiegen, aber sie können unser Gewissen erschüttern. Und ich weiß, wie das funktioniert. Niemand sieht gern Gewalt im Fernsehen. Niemand will sehen, wie ein Bombenanschlag auf kleine Kinder verübt wird, während ein US-Soldat ihnen Süßigkeiten geben will. Niemand sieht gern, wie unschuldige Frauen von Selbstmordattentätern getötet werden. Es bricht uns das Herz.

Die Vereinigten Staaten von Amerika sind ein unglaublich mitfühlendes Land. Wir würdigen menschliches Leben in unserem Land und im Ausland. Das ist eine der wahrlich edlen Eigenschaften unseres Landes, denke ich. Niemand sieht gern solche Bilder, und die Feinde wissen das. Sie wissen, dass sie gewonnen haben, wenn wir die Nerven verlieren und uns aus dem Irak zurückziehen.

Wir verfügen über eine Strategie für den Sieg im Irak. Es ist wichtig, dass Sie wissen, dass wir den Sieg errungen haben, wenn der Irak eine Demokratie ist, die sich selbst erhalten kann, ein Land, das sich gegen jene verteidigen kann, die versuchen, die Demokratie im Land zu besiegen, ein Land, das ein Verbündeter im Krieg gegen den Terror ist und der Al Kaida und den anderen Feinden der Vereinigten Staaten den Zufluchtsort verweigert, den sie wollen. Das sind die vier Kategorien für den Sieg. Sie stehen fest, und unsere Kommandostruktur und unsere Diplomaten im Irak kennen die Definition des Sieges.

Und wir bewegen uns in Richtung Sieg. Wir haben einen Plan zur Unterstützung des Aufbaus im Irak. Jeder Kriegsplan und jeder andere Plan ist gut, bis er am Feind erprobt wird. Man muss in der Lage sein sich anzupassen. Man muss vor Ort sagen können, das funktioniert, das funktioniert nicht. Der Feind denkt anders als wir, er trifft andere Entscheidungen, er verfolgt eine andere Taktik, um uns zu besiegen. Es ist sehr wichtig für uns und für mich, unseren Befehlshabern und Diplomaten vor Ort zu sagen, erarbeitet die Strategie vor Ort, passt sie an, so dass wir den Sieg, den wir wollen, erringen.

Als wir in den Irak kamen, fingen wir mit großen Wiederaufbauprojekten an. Wir hatten vor, die Iraker bei verschiedenen Vorhaben zu unterstützen, beispielsweise beim Bau großer Elektrizitätswerke. Der Feind sprengte sie. Wir haben jetzt eine rationalere Strategie, um die Menschen vor Ort finanziell zu unterstützen, auch mit unserem Militär; um Projekte zu unterstützen, die zwar kleiner sind, aber Verbindungen zu den Menschen vor Ort aufbauen. Wissen Sie, Arbeitsplätze helfen viel, wenn man versucht, den Menschen begreiflich zu machen, dass die Demokratie es wert ist.

Der zweite Teil unseres Plans bestand darin, Demokratie zu fördern. Vier Monate in den Zyklen der Nachrichten erscheinen einem wie ein Jahrzehnt, jedenfalls erscheint mir das manchmal so. Vor vier Monaten gingen 12 Millionen Iraker wählen. Es war ein unglaubliches Ereignis, wenn man es sich bewusst macht. Man kann sich zurückversetzen in die Iraker und ihre Verblüffung, ihr Erstaunen und ihre Freude, als sie die Möglichkeit hatten, zum dritten Mal in einem Jahr zu wählen, nach dem Leid unter der Tyrannei von Saddam Hussein. Sie sagten, wir wollen frei sein. Das ist es, was wir wollen. Das ist es, was sie sagten. Zwölf Millionen Menschen trotzten unglaublichen Bedrohungen, potenziellen Selbstmordattentätern und den hässlichen Worten derer, die Demokratie fürchten – und sagten, gebt mir eine Chance. Es war eine unglaubliche Erfahrung. Es war meiner Einschätzung nach ein historischer Moment.

Ein Teil unserer Aufgabe besteht nun darin, den irakischen Politikern zu sagen: Die Menschen haben sich geäußert, jetzt müssen Sie handeln. Sie müssen eine geeinte Regierung aufstellen. Und das beobachten wir eben jetzt. Es dauert eine Weile, bis die Menschen die Auswirkungen der Tyrannei überwinden, und im Irak geschieht politisch momentan sehr viel. Das war vorher ganz anders. Es ist auch anders als in anderen Ländern in diesem Teil der Welt, in denen eine Person eine Entscheidung trifft und die anderen mehr oder weniger zufrieden mit dieser Entscheidung sind, aber ihren Mund halten, wenn sie ihnen nicht gefällt.

Hier sehen Sie, wie man sich um Verantwortung bemüht und verantwortlich handelt, und wir sind daran intensiv beteiligt. Ich weiß, sie wissen, dass Condoleezza Rice vor kurzem in Bagdad war. Ihre Botschaft lautete: Packen wir’s an! Die Menschen wünschen sich eine geeinte Regierung. Die Menschen wünschen sich eine Demokratie, und das erfordert Führungsstärke – Menschen müssen aufstehen und die Führung übernehmen. Deshalb arbeiten wir mit ihnen zusammen, um eine einheitliche funktionierende Regierung aufzustellen.

Es gilt auch, die sicherheitspolitischen Aspekte zu bedenken. Es kann keine Demokratie geben, wenn die Menschen nicht darauf vertrauen, dass der Staat sie vor jenen schützt, die die Verbreitung der Demokratie aufhalten wollen. Der Feind hat eine Zeit lang versucht, unsere Entschlossenheit zu erschüttern. Meine Entschlossenheit können sie nicht erschüttern. Das schaffen sie einfach nicht. Solange ich der Ansicht bin, das Richtige zu tun, und solange wir gewinnen können, werde ich unsere jungen Leute dort lassen, weil es für die Sicherheit dieses Landes erforderlich ist. Wenn ich nicht dächte, wir könnten gewinnen, würde ich sie abziehen. Das müssen Sie wissen. Ich kann mich nicht mit den Müttern und Vätern der Soldaten, die sich in Gefahr befinden, zusammensetzen, ohne das Gefühl zu haben, dass der Sieg notwendig ist und errungen werden wird.

Ein Teil meiner Entscheidungsfindung basiert auf der Frage, ob das Ziel notwendig und erreichbar ist. Es ist notwendig, dieses Land zu schützen. Ich werde später noch darauf zurückkommen. Und es ist erreichbar. Es ist erreichbar, weil die irakischen Politiker gesagt haben: Darauf können Sie wetten. Geben Sie uns eine Chance. Sie haben eine Verfassung geschrieben; sie haben die Verfassung ratifiziert. 12 Millionen Menschen sind wählen gegangen. Das ist im Übrigen eine hohe Wahlbeteiligung. Was die Sicherheit anbelangt, so ist es unser Ziel, unsere Mission, die Iraker den Kampf übernehmen zu lassen. Ich habe immer gesagt – wenn die Iraker Verantwortungsbereiche übernehmen, werden wir uns im Gegenzug zurückziehen. Das bedeutet, wir bilden die Iraker so aus, dass sie den Kampf zu jenen bringen, die gegen ihr Land kämpfen.

Auf militärischer Seite machen wir gute Fortschritte. Wir mussten im Übrigen unsere Strategie ändern. Als wir eintrafen, hatten wir vor, eine Armee zum Schutz vor einer äußeren Bedrohung auszubilden. Es stellte sich heraus, dass die Bedrohung weniger von außen als von innen kam. Deshalb wurde die Ausbildungsaufgabe an die Strategie des Feindes vor Ort angepasst. Wir integrieren unsere Soldaten in die irakische Armee. Sie wird effizienter. Mittlerweile wurden über 200.000 Soldaten ausgebildet. Es findet eine ständige Qualitätsüberwachung statt. Mit zunehmender Qualität der Truppen übernehmen diese auch die Verantwortung über mehr Gebiete. Der Gedanke dahinter ist, irakische Gesichter zu zeigen, sodass das Vertrauen der Menschen in ihre Regierung wächst.

Wir lagen bei der Ausbildung der Polizei etwas zurück. General Casey, der zuständige General vor Ort, sagte mir deshalb, dass dies das Jahr der Polizeiausbildung sein werde, sodass auch die Polizisten zur Vertrauensbildung bei der Bevölkerung beitragen können.

Wie Sie wissen, haben die Feinde ihre Strategie geändert und versucht, einen Bürgerkrieg zu provozieren. Sie verübten einen Bombenanschlag auf eine der heiligsten Stätten in Samara in dem Versuch, Sunniten und Schiiten gegeneinander aufzuhetzen. Das ist seit einiger Zeit ihr Ziel. Zunächst bestand es darin, die Koalitionstruppen anzugreifen. Sie sind immer noch eine Gefahr für unsere Truppen, verstehen Sie mich nicht falsch. Aber sie haben wirklich versucht, einen Bürgerkrieg zu provozieren. Interessant war dabei, die Reaktion der Regierung zu beobachten. Die Regierung, einschließlich vieler Religionsführer, erhob sich und sagte: Nein, das wollen wir nicht, wir sind an einem Bürgerkrieg nicht interessiert.

Die irakischen Truppen haben gute Arbeit geleistet, sie stellten sich zwischen Moscheen und die Menschenmenge oder zwischen verfeindete Gruppen, und sie behaupteten sich. Wie ich bereits sagte, blickten die Iraker in den Abgrund, und ihnen gefiel nicht, was sie sahen. Die Schwierigkeiten bestehen natürlich weiter. Es gibt weiterhin sektiererische Gewalt. Es kann keinen freien Staat geben, wenn Milizen das Gesetz selbst in die Hand nehmen.

Sie müssen allerdings bedenken, dass es sich hier um eine Gesellschaft handelt, die sich nach der Herrschaft eines Tyrannen erst an die Freiheit gewöhnen muss. Die Strategie Saddam Husseins, die Kontrolle über das Land zu bewahren, bestand darin, eine Gruppe von Menschen gegen die andere auszuspielen und dann zu sagen, er sei die einzige stabilisierende Kraft im Land. Er war brutal zu den Schiiten, zerstörte das Leben vieler Kurden mit chemischen Waffen und war auch hart zu den Sunniten. Er schuf damit ein Gefühl der Rivalität.

Man kann deshalb verstehen, warum es nach Jahren derartiger, von Saddam Hussein hervorgerufener Spannungen zu Rachegelüsten kommt. Unsere Aufgabe und die Aufgabe der irakischen Führung besteht nun darin, diese sektiererischen Vergeltungsmaßnahmen zu unterbinden. Es ist harte Arbeit, aber Sie sollen wissen, dass wir das Problem verstehen. Wichtiger noch, General Casey versteht das Problem.

Wir passen unsere Strategie an, um diesen Irakern zu helfen, ihr Land so zu sichern, dass die Demokratie gedeihen kann. Sie wollen Demokratie. Das haben sie gesagt. Die Truppen haben immer wieder gezeigt, dass sie besser ausgebildet sind als zuvor. Wir haben hier noch einiges an Arbeit vor uns, das räume ich bereitwillig ein. Es gibt viele Diskussionen und viele Fragen zu dem, was geschieht, das verstehe ich.

Ich kann Ihnen nur wiederholt sagen, ich weiß, was Gewalt Menschen antut. Die Menschen fragen sich, ob diese Leute es jemals schaffen werden, sich zusammenzureißen und sich selbst zu regieren. Die Antwort ist, ich bin zuversichtlich, dass sie das können, wenn wir nicht die Nerven verlieren.

Eines der Prinzipien, aufgrund derer ich Entscheidungen getroffen habe, ist dieses: Ich bin überzeugt, dass Freiheit ein universeller Wert ist. Die Vereinigten Staaten wurden basierend auf den natürlichen Rechten von Frauen und Männern gegründet, was für die Allgemeingültigkeit der Freiheit spricht. Und wenn man an die Allgemeingültigkeit der Freiheit glaubt, vertraut man darauf, dass Menschen ihre Freiheit einfordern, wenn sie die Möglichkeit dazu haben. Ohne Frage benötigen die Iraker Hilfe, nachdem sie jahrelang von einem Tyrannen unterdrückt wurden.

Während ich also begeistert von dem Wahlergebnis bin, bin ich nicht überrascht. Menschen wollen frei sein. Ich weiß, Sie denken, wann wird er unsere Truppen abziehen? In Washington wird eine wichtige Debatte über unsere Truppenstärke geführt, und das sollte auch so sein. Hier ist meine Antwort für Sie: Ich werde keine Entscheidung aufgrund von Meinungsumfragen und den Ansichten Interessengruppen treffen. Ich werde meine Entscheidungen aufgrund der Empfehlungen unserer Generäle vor Ort treffen. Sie sind diejenigen die entscheiden, wie wir den Sieg erlangen, den ich eben beschrieben habe. Sie sind diejenigen, die mir Informationen geben.

Ich erinnere mich, dass das während des Vietnamkriegs ein Thema war, und damals gab es eine starke Politisierung der militärischen Entscheidungen. Das wird in meiner Regierung nicht der Fall sein. Sie sagen, nun, erzählt George Casey Ihnen auch die Wahrheit? Darauf können Sie Gift nehmen. Wenn ich mit ihm spreche, was ich sehr oft tue, dann habe ich alles Vertrauen der Welt in diesen herausragenden General. Er ist ein kluger Mann, er ist vor Ort, er bringt unglaubliche Opfer für unser Land, und wenn er sagt, er braucht mehr Soldaten, dann bekommt er sie, und wenn er sagt, er kann mit weniger Soldaten leben, weil die Iraker den Kampf übernehmen, dann wird es so sein.

Es gibt Stimmen in Washington und im ganzen Land – Stimmen von guten, ernsthaften, anständigen Menschen, die sagen, ziehen Sie die Truppen ab. Das wäre ein riesiger Fehler. Es wäre aus folgenden Gründen ein riesiger Fehler: Der Feind will, und das hat er gesagt, dass wir den Irak verlassen, um sich neu gruppieren und uns anzugreifen zu können. Wenn die amerikanische Regierung beschließt, den Irak frühzeitig zu verlassen, bevor der Sieg errungen ist, würde das den Feind ermutigen.

Ich bin mir durchaus bewusst, dass einige den Feind nicht so sehen wie ich. Es gibt eine andere Sicht des Feindes. Das ist das Gute an Amerika – man kann unterschiedlicher Ansicht sein. Und man sollte sie äußern dürfen, das ist großartig.

Ich sehe einen Feind, der totalitärer Art ist, der klar erklärt hat, dass er uns wieder angreifen will, und der einen Zufluchtsort will, von dem aus er das tun kann. Deshalb versucht er, der Demokratie im Irak Einhalt zu gebieten. Wenn wir unsere Truppen frühzeitig abziehen, wäre das ein schreckliches Signal an die Iraker. 12 Millionen Menschen haben gesagt, dass sie frei sein wollen. Und sie brauchen unsere Hilfe. Wir sind den Irakern behilflich, Freiheit zu erlangen. Sie sehen sich diese Abmachungen an. Sie verfolgen die Diskussion in den Vereinigten Staaten aufmerksam. Sie müssen diese Diskussion verfolgen, das ist gut. Das ist es, was freie Gesellschaften tun, sie debattieren. Aber sie hören auch sehr aufmerksam darauf, ob dieses Land den erforderlichen Willen hat, das Ziel zu erreichen.

Drittens, was würde es unseren Truppen und den Familien sagen, insbesondere jenen, die Angehörige verloren haben, wenn wir abzögen, bevor die Aufgabe beendet ist? Über unser Militär möchte ich sagen, dass eine Freiwilligenarmee ein notwendiger Teil unserer Gesellschaft ist. Wir müssen die Freiwilligenarmee erhalten. Wir haben eine herausragende Gruppe von Frauen und Männern, die unserem Land dienen. Wussten Sie, dass sich die meisten Menschen, die heute in der Armee dienen, nach dem 11. September 2006 meldeten? Sie sahen, was auf dem Spiel stand, und sagten, ich möchte dem Militär der Vereinigten Staaten beitreten. Die Verbleibsquote ist hoch, das bedeutet, wir haben in Uniform Dienende, die sich nicht nur freiwillig meldeten, als sie sahen, was auf dem Spiel steht, sondern auch an diesem Konflikt beteiligt waren und sagten, sie wollen gerne beim Militär bleiben.

Das Militär trägt entscheidend zur Sicherung dieses Landes im Krieg gegen den Terror bei. Wenn Sie der Meinung sind, wir befänden uns nicht im Krieg, dann erscheint Ihnen das wahrscheinlich nicht so wichtig. Ich denke nicht nur, dass wir uns im Krieg befinden, ich weiß es. Dieser Krieg wird Fleiß und Stärke erfordern sowie ein Militär, das gut bezahlt, gut untergebacht und gut ausgebildet ist, bei dem die Stimmung gut ist. Sich zurückzuziehen, bevor die Mission beendet ist, würde ein schreckliches Zeichen für das US-Militär setzen.

Ich begrüße die Debatte, aber ich möchte, dass die Menschen hier wissen, dass wir die Mission beenden werden. Wir werden den Sieg erringen. Ich möchte dem irakischen Volk Folgendes sagen: Wir möchten Ihnen bei der Verwirklichung Ihrer Träume helfen. Und die Vereinigten Staaten von Amerika werden sich nicht von Verbrechern und Mördern einschüchtern lassen.

Ich möchte noch eines sagen: Ich weiß, ich rede schon zu lange. Aber ich möchte den Menschen sagen, warum es wichtig für uns ist, im Irak und auch in Afghanistan erfolgreich zu sein. Ich habe Ihnen bereits gesagt, es gibt einen Grund aus kurzfristiger Sicht – den Terroristen einen Zufluchtsort zu verweigern und Verbündete im Krieg gegen den Terror zu gewinnen um zu verhindern, dass sich diese totalitäre Bewegung eine Festung an Orten verschafft, von denen aus sie uns angreifen kann.

Es gibt auch einen langfristigeren Grund, nämlich, dass man eine Ideologie der Dunkelheit mit einer Ideologie der Hoffnung und des Lichts bekämpft. Freiheit ist Teil einer Ideologie des Lichts. Unsere Außenpolitik sah in der Vergangenheit so aus, dass man sich sagte, wenn es in Teilen der Welt ruhig erscheint, ist das in Ordnung, auch wenn dort keine Freiheit herrscht. Das Problem bei dieser Außenpolitik war, dass es unter der Oberfläche Ressentiments, Wut und Verzweiflung gab, die für eine totalitäre Gruppe einen Nährboden bot, auf dem sie ihre giftige Philosophie verbreiten und Anhänger rekrutieren konnte.

Man kann dieses Verständnis von einer Gesellschaft mit einem Verständnis besiegen, das offen und demokratisch ist und auf Freiheit beruht. Das muss keine Demokratie amerikanischer Art sein. Das wird sie auch nicht sein. Demokratie muss die Tradition und Geschichte der Länder widerspiegeln, in denen sie Fuß fasst. Ich verstehe das. Niemand im Nahen Osten sollte denken, dass der US-Präsident, wenn er über Freiheit und Demokratie spricht, meint, ihr müsst den Vereinigten Staaten gleichen oder so handeln wie sie. Das sagt niemand.

Was ich jedoch sagen möchte, ist: Vertrauen Sie Ihrer Bevölkerung, geben Sie ihr eine Chance, an der Gesellschaft teilzuhaben. Meines Erachten ist eine geeinte Gesellschaft eine Gesellschaft, in der Frauen frei sind und gleiche Rechte haben. Meines Erachtens ist eine Gesellschaft geeint, wenn junge Mädchen die Chance haben, zur Schule zu gehen und eine Ausbildung zu erhalten. Meines Erachtens ist eine Gesellschaft geeint, wenn die Regierung wirklich auf die Menschen reagiert und ihnen Regeln nicht diktiert. Das glaube ich. Langfristig ist dies meiner Ansicht nach die beste Art und Weise, eine Ideologie zu besiegen, die das Gegenteil darstellt. Und das haben wir in unserer Geschichte bereits erlebt. Es geschah zu Lebzeiten einiger von uns.

Um zu beschreiben, was ich Ihnen zu erklären versuche, führe ich gerne meine Beziehung zu Premierminister Koizumi in Japan an. Ich sage das immer wieder – die Presse, die mit mir reist, wird Ihnen das bestätigen und sich fragen, wann ich endlich aufhöre, das zu sagen. Nun, es ist das beste Beispiel, das ich anführen kann um zu beschreiben, was in diesen historischen Zeiten heute geschieht. Mein Vater kämpfte als 18- oder 19-Jähriger gegen die Japaner. Er war an den Kampfhandlungen beteiligt. Viele Ihrer Verwandten kämpften gegen die Japaner. Es ist schwierig, sich die Bitterkeit vorzustellen, die wir damals gegenüber den Japanern empfanden. Sie griffen die Vereinigten Staaten an und töteten viele Menschen. Wir führten einen Krieg gegen sie, viele Menschen starben – es war ein blutiger Krieg.

Der Krieg endete mit einer alten Doktrin der Kriegsführung, die besagt, töte so viele unschuldige Menschen wie möglich, um die Schuldigen zur Kapitulation zu zwingen. Das hat sich übrigens geändert, da unser Militär präziser geworden ist, die Strukturen sich verändert haben und unsere Truppen anders denken – wir greifen nun die Schuldigen an und verschonen die Unschuldigen. Das ist ein anderes Thema, falls Sie dazu eine Frage haben. Heute ist mein Freund bei der Friedenserhaltung jedenfalls der Ministerpräsident von Japan.

Das ist erstaunlich, nicht wahr? Vielleicht empfinden Sie es als selbstverständlich. Ich nicht. Ich denke, es ist einer der wirklich interessanten Aspekte der Geschichte, dass ich Ihnen 60 Jahre nachdem wir gegen die Japaner gekämpft haben, sagen kann, dass ich in vielen Bereichen mit Ministerpräsident Koizumi zusammenarbeite. Das erscheint mir verblüffend.

Was ist also geschehen? Was hat die Veränderung bewirkt, was hat aus einem Feind einen Verbündeten gemacht? Ich denke, der Grund ist, dass die Japaner eine japanische Demokratie schufen. Ich bin dankbar für die Tatsache, dass einer meiner Vorgänger, Harry S. Truman, die Weitsicht hatte, die Fähigkeit der Freiheit zu erkennen, das universelle Recht der Menschen, die Welt zu verändern, sie so zu gestalten, dass ein amerikanischer Präsident schließlich sagen kann, wir arbeiten zusammen, um den Frieden zu wahren. Sie sind keine Feinde mehr, sie sind Freunde geworden. Demokratien führen keinen Krieg gegeneinander.

Es gibt einen Grund, warum Europa geeint, in Freiheit und Frieden lebt. Wir haben seit dem Ersten Weltkrieg tausende von Soldaten auf dem europäischen Kontinent verloren. Abertausende junge Frauen und Männer haben ihr Leben in diesem Krieg gelassen. Heute herrscht Frieden. Der Grund hierfür ist, dass Demokratien keinen Krieg gegeneinander führen.

Ich bin überzeugt, eines Tages wird ein amerikanischer Präsident über die Welt sprechen, in der er – oder sie – Entscheidungen trifft; er wird zurückblicken und sagen, Gott sei Dank hat eine Generation Amerikaner die Allgemeingültigkeit der Freiheit und die Tatsache begriffen, dass Freiheit krisengeschüttelte Teile der Welt in friedliche Teile der Welt verwandeln kann.

Ist es das wert im Irak? Darauf können Sie wetten. Es ist es wert, uns kurzfristig gesehen zu schützen, und es ist notwendig und es ist es wert, die Grundlage für Frieden für kommende Generationen zu legen. Das beschäftigt mich in diesen Tagen.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. Möge Gott Sie segnen.

Originaltext: President Bush Discusses Global War on Terrorism