Bericht zur Lage der Nation

WASHINGTON – (AD) – Nachfolgend veröffentlichen wir den Bericht zur Lage der Nation 2006 von US-Präsident George W. Bush vom 31. Januar 2006.

Vielen Dank Ihnen allen. Mr. Speaker, Vizepräsident Cheney, Mitglieder des Kongresses, Mitglieder des Supreme Court und des diplomatischen Corps, sehr verehrte Gäste, liebe Mitbürger: Heute hat unser Land eine geliebte, anmutige, tapfere Frau verloren, die Amerika an die Ideale seiner Gründer erinnerte und einen noblen Traum weiter verfolgte. Heute Abend werden wir getröstet von der Hoffnung auf ein frohes Wiedersehen mit ihrem Ehemann, der uns vor so langer Zeit genommen wurde, und wir sind dankbar für das gute Leben von Coretta Scott King.

Jedes Mal, wenn ich eingeladen werde, an diesem Rednerpult zu sprechen, empfinde ich Demut angesichts dieses Privilegs und gedenke der Geschichte, die wir gemeinsam erlebt haben. Wir haben uns im Momenten nationaler Trauer und nationaler Erfolge unter dieser Kuppel des Kapitols versammelt. Wir haben den Vereinigten Staaten in einer der folgenreichsten Zeiten unserer Geschichte gedient – und mir wurde die Ehre zuteil, mit Ihnen zu dienen.

In einem Zweiparteiensystem, mit zwei Kammern und zwei gewählten Gewalten, wird es immer Meinungsverschiedenheiten und Debatten geben. Aber auch harte Debatten können in einem höflichen Ton geführt werden, und wir dürfen nicht zulassen, dass sich unsere Differenzen zu Zorn erhärten. Um uns den großen Fragen zu stellen, mit denen wir uns konfrontiert sehen, müssen wir mit gutem Willen und Respekt füreinander zusammenarbeiten – und ich werde das Meine dazu tun. Heute Abend ist die Lage der Nation stark – und gemeinsam werden wir sie noch weiter stärken.

In diesem entscheidenden Jahr werden Sie und ich Entscheidungen treffen, die sowohl die Zukunft als auch das Wesen unseres Landes bestimmen. Wir entscheiden uns entweder, bei der Verfolgung der Feinde der Freiheit mit Zuversicht zu handeln – oder uns in der Hoffnung auf ein leichteres Leben vor unseren Pflichten zu drücken. Wir entscheiden uns entweder, unseren Wohlstand aufzubauen, indem wir die Weltwirtschaft anführen – oder uns von Handel und Chancen auszuschließen. In einer komplexen und schwierigen Zeit mag der Weg zu Isolation und Protektionismus breit und einladend erscheinen – er führt jedoch zu Gefahr und Verfall. Die einzige Möglichkeit zum Schutz unserer Bürger, die einzige Möglichkeit zur Sicherung des Friedens und die einzige Möglichkeit, unser Schicksal selbst zu bestimmen, besteht in unserer Führungsstärke – so dass die Vereinigten Staaten von Amerika weiterhin ihre Führungsrolle übernehmen.

Im Ausland engagiert sich unser Land für ein historisches, langfristiges Ziel – wir streben das Ende der Tyrannei auf unserer Welt an. Einige tun dieses Ziel als irregeleiteten Idealismus ab. In Wirklichkeit hängt die zukünftige Sicherheit der Vereinigten Staaten davon ab. Am 11. September 2001 erfuhren wir, dass Probleme in einem mehr als 11.000 Kilometer entfernten, gescheiterten und unterdrückerischen Staat Mord und Zerstörung über unser Land bringen können. Diktaturen gewähren Terroristen Unterschlupf, sie nähren Ressentiments und Radikalismus und streben den Besitz von Massenvernichtungswaffen an. Demokratien ersetzen Ressentiments durch Hoffnung, achten die Rechte ihrer Bürger und Nachbarn und bekämpfen gemeinsam den Terror. Jeder Schritt Richtung Freiheit auf der Welt macht unser Land sicherer – so dass wir mutig für die Sache der Freiheit eintreten.

Die Förderung der Freiheit ist kein hoffnungsloser Traum, sondern vielmehr die großartige Geschichte unserer Zeit. 1945 gab es etwa zwei Dutzend einsame Demokratien auf der Welt. Heute sind es 122. Und wir schreiben ein neues Kapitel in der Geschichte der Selbstverwaltung – Frauen stellen sich in Wahllokalen in Afghanistan an, Millionen von Irakern markieren ihre Freiheit mit lila Tinte, und Frauen und Männer vom Libanon bis Ägypten erörtern die Rechte Einzelner und die Notwendigkeit der Freiheit. Anfang 2006 leben mehr als die Hälfte der Menschen unserer Welt in demokratischen Nationen. Und wir vergessen die andere Hälfte nicht – in Ländern wie Syrien, Burma und Simbabwe, Nordkorea und Iran – denn die Forderungen der Gerechtigkeit und der Frieden dieser Welt erfordern auch ihre Freiheit.

Keiner kann den Erfolg der Freiheit leugnen, aber manche Menschen wüten und kämpfen gegen ihn an. Eine der Hauptquellen der Reaktionen und des Widerstands ist der extremistische Islamismus – die Perversion eines noblen Glaubens zu einer Ideologie des Terrors und des Todes. Terroristen wie bin Laden meinen es ernst mit ihren Drohungen des Massenmords – und wir alle müssen ihre erklärten Absichten ernst nehmen. Sie wollen dem gesamten Nahen Osten ein herzloses System der totalitären Kontrolle aufzwingen und sich mit Massenvernichtungswaffen ausstatten.

Ihr Ziel ist es, die Macht im Irak zu ergreifen und das Land als sichere Basis für Angriffe auf die Vereinigten Staaten und die Welt zu nutzen. Da ihnen die militärische Stärke fehlt, uns direkt anzugreifen, haben die Terroristen die Waffe der Angst gewählt. Wenn sie Kinder in einer Schule in Beslan ermorden, Pendler in London in die Luft sprengen oder einen gefesselten Gefangenen köpfen, hoffen die Terroristen, dass diese grauenvollen Taten unseren Willen brechen und es der Gewalt so ermöglicht wird, die Welt zu erobern. Aber da täuschen sie sich: Wir lieben unserer Freiheit, und wir werden kämpfen, um sie zu bewahren.

In einer Zeit, in der wir auf die Probe gestellt werden, können wir unsere Sicherheit nicht finden, indem wir unsere Verpflichtungen vergessen und uns hinter unsere Grenzen zurückziehen. Auch wenn wir diese bösartigen Angreifer in Ruhe ließen, würden sie uns nicht in Ruhe lassen. Sie würden das Schlachtfeld ganz einfach in unser Land verlegen. Der Rückzug bringt keinen Frieden. Und der Rückzug bringt keine Ehre. Wenn wir es dem extremistischen Islamismus erlauben, seinen Willen durchzusetzen – indem wir eine Welt, die angegriffen wird, sich selbst überlassen – signalisierten wir allen, dass wir nicht mehr an unsere eigenen Ideale und nicht einmal an unseren eigenen Mut glauben. Aber unsere Feinde und unsere Freunde können sich sicher sein: Die Vereinigten Staaten werden sich nicht von der Welt zurückziehen, und wir werden uns nie dem Bösen ergeben.

Die Vereinigten Staaten lehnen die falsche Bequemlichkeit der Isolation ab. Wir sind die Nation, die die Freiheit in Europa gerettet hat, die Konzentrationslager befreite, die den Aufbau von Demokratien unterstützte und einem bösen Reich die Stirn bot. Wieder einmal akzeptieren wir den Ruf der Geschichte, die Unterdrückten zu erlösen und diese Welt in Richtung Frieden zu leiten. Wir bleiben gegen Terrornetzwerke in der Offensive. Wir haben viele ihrer Anführer getötet oder gefangen genommen – was die anderen angeht, so wird ihr Tag kommen.

Wir bleiben in Afghanistan in der Offensive. Dort bekämpfen ein guter Präsident und eine Nationalversammlung den Terror, während sie die Institutionen einer neuen Demokratie aufbauen. Wir sind im Irak in der Offensive, mit einem klaren Plan für den Sieg. Zunächst sind wir den Irakern beim Aufbau einer integrativen Regierung behilflich, so dass alte Ressentiments abgebaut und die Aufständischen marginalisiert werden.

Zweitens setzen wir unsere Anstrengungen beim Wiederaufbau sowie zur Unterstützung der Iraker bei der Bekämpfung von Korruption und dem Aufbau einer modernen Volkswirtschaft fort, so dass alle Iraker die Vorteile der Freiheit genießen können. Drittens greifen wir gezielt Terroristen an, während wir die irakischen Streitkräfte ausbilden, die zunehmend in der Lage sind, den Feind zu besiegen. Die Iraker offenbaren ihren Mut jeden Tag, und wir sind stolz, ihre Verbündeten in der Sache der Freiheit zu sein.

Unsere Arbeit im Irak ist schwierig, da unser Feind brutal ist. Aber diese Brutalität hat die enormen Fortschritte einer neuen Demokratie nicht aufgehalten. In weniger als drei Jahren schaffte es diese Nation von der Diktatur zur Befreiung, zur Souveränität, zu einer Verfassung, zu nationalen Wahlen. Gleichzeitig war unsere Koalition unermüdlich damit befasst, der Infiltration durch Terroristen Einhalt zu gebieten, Hochburgen der Terroristen zu räumen und den irakischen Sicherheitskräften die Verantwortung für Gebiete zu übertragen. Ich bin zuversichtlich, was unseren Plan für den Sieg angeht; ich bin zuversichtlich, was den Willen des irakischen Volks angeht, und ich bin zuversichtlich, was die Qualifikation und die Moral unseres Militärs angeht. Liebe Mitbürger, wir befinden uns in diesem Kampf, um zu gewinnen, und wir werden gewinnen.

Der Weg zum Sieg ist der Weg, der unsere Truppen nach Hause führen wird. Wenn wir vor Ort Fortschritte machen und irakische Truppen zunehmend die Führung übernehmen, sollten wir in der Lage sein, unsere Truppenstärken weiter zu reduzieren – aber diese Entscheidungen werden von unseren militärischen Befehlshabern getroffen, nicht von Politikern in Washington.

Unsere Koalition hat aus ihrer Erfahrung im Irak gelernt. Wir haben unsere militärische Strategie angepasst und unser Vorgehen beim Wiederaufbau geändert. Dabei haben wir von konstruktiver Kritik und dem Rat von Kongressabgeordneten beider Parteien profitiert. In diesem Jahr werde ich mich wieder an Sie wenden und ihren guten Rat einholen. Es gibt jedoch einen Unterschied zwischen konstruktiver, auf Erfolg ausgerichteter Kritik und Defätismus, der sich weigert, etwas anderes als eine Niederlage anzuerkennen. Späte Einsicht allein ist keine Weisheit, und im Nachhinein zu kritisieren ist keine Strategie.

Da so viel auf dem Spiel steht, haben wir, die wir öffentliche Ämter bekleiden, die Pflicht, offen zu sprechen. Ein plötzlicher Rückzug unserer Streitkräfte aus dem Irak überließe unsere irakischen Verbündeten dem Tod und der Gefangenschaft, überließe Männer wie bin Laden und Sarkawi die Macht in einem strategischen Land und zeigte, dass ein Versprechen von Amerika wenig bedeutet. Sehr geehrte Mitglieder des Kongresses: Was wir auch von den Entscheidungen und Debatten der Vergangenheit halten mögen, unser Land hat nur eine Wahl: Wir müssen unser Wort halten, unsere Feinde besiegen und bei dieser entscheidenden Mission hinter dem amerikanischen Militär stehen.

Unsere Frauen und Männer in Uniform bringen Opfer – und zeigen Pflichtbewusstsein, dass stärker ist als die Angst. Sie kennen den Häuser- und Straßenkampf, sie wissen, wie es ist, in der Hitze der Wüste schwere Ausrüstung zu tragen oder zu sehen, wie ein Kamerad von einer Bombe am Straßenrad getötet wird. Und jene, die den Preis kennen, wissen auch, was auf dem Spiel steht. Dan Clay, Oberfeldwebel der Marineinfanteristen, starb letzten Monat bei einem Kampf in Falludscha. Er hinterließ einen Brief an seine Familie, aber seine Worte könnten ebenso gut an alle Amerikaner gerichtet sein. Dan schrieb: “Ich weiß, was Ehre ist. … Es war mir eine Ehre, euch alle zu beschützen und euch zu dienen. Ich stand dem Tod mit dem sicheren Wissen gegenüber, dass ihr es nicht müsstet…. Zaudert nie! Zögert nicht, jene von uns zu ehren und zu unterstützen, die die Ehre haben, das zu schützen, was schützenswert ist.”

Lisa, die Ehefrau von Oberfeldwebel Dan Clay, sowie seine Mutter und sein Vater, Sara Jo und Bud, sind heute Abend hier bei uns. Willkommen.

Unsere Nation ist den Gefallenen dankbar – sie leben in der Erinnerung unseres Landes weiter. Wir sind all jenen dankbar, die sich freiwillig melden, die Uniform unseres Landes zu tragen, und wenn wir unsere mutigen Soldaten würdigen, dürfen wir nie die Opfer der Angehörigen des US-Militärs vergessen.

Unsere Offensive gegen den Terror beinhaltet mehr als militärische Maßnahmen. Letztendlich ist die einzige Möglichkeit, die Terroristen zu besiegen, der Sieg über ihre dunkle Vision des Hasses und der Angst durch das Angebot einer hoffnungsvolleren Alternative der politischen Freiheit und des friedlichen Wandels. Die Vereinigten Staaten von Amerika unterstützen daher demokratische Reformen im gesamten Nahen und Mittleren Osten. Wahlen sind von entscheidender Bedeutung, aber sie sind lediglich der Anfang. Der Aufbau einer Demokratie erfordert Rechtsstaatlichkeit, den Schutz von Minderheiten und starke, rechenschaftspflichtige Institutionen, die mehr als eine Wahl überdauern.

Die Ägypter haben bei einer Mehrparteien-Präsidentschaftswahl abgestimmt – und ihre Regierung sollte Wege der friedlichen Opposition öffnen, die die Attraktivität des Extremismus mindern. Das palästinensische Volk hat bei Wahlen abgestimmt. Und nun muss die Führung der Hamas Israel anerkennen, die Waffen niederlegen, den Terrorismus zurückweisen und an einem dauerhaften Frieden arbeiten. Saudi-Arabien hat die ersten Schritte zu Reformen unternommen – nun kann es seinem Volk eine bessere Zukunft bieten, indem es diese Bestrebungen voranbringt. Demokratien im Nahen Osten werden nicht wie unsere aussehen, da sie die Traditionen ihrer Bürger widerspiegeln werden. Dennoch ist Freiheit die Zukunft jeder Nation im Nahen Osten, denn Freiheit ist das Recht und die Hoffnung der gesamten Menschheit.

Das Gleiche gilt für Iran, eine Nation, die jetzt von einer kleinen geistlichen Elite als Geisel gehalten wird, die ihre Bürger isoliert und unterdrückt. Das Regime in diesem Land unterstützt Terroristen in den Palästinensergebieten und im Libanon, und das muss beendet werden. Die iranische Regierung brüskiert die Welt mit ihren nuklearen Ambitionen, und die Nationen der Welt dürfen dem iranischen Regime den Besitz von Atomwaffen nicht gestatten. Die Vereinigten Staaten werden die Welt weiterhin zur Bekämpfung dieser Bedrohungen drängen.

Heute Abend möchte ich mich direkt an die Bürger Irans wenden: Die Vereinigten Staaten respektieren Sie, und sie respektieren Ihr Land. Wir respektieren Ihr Recht, Ihre Zukunft selbst zu bestimmen und Ihre Freiheit selbst zu erlangen. Unsere Nation hofft, eines Tages der beste Freund eines freien und demokratischen Irans zu sein.

Um den Gefahren unserer Welt zu begegnen, müssen wir auch die Offensive ergreifen, indem wir wirtschaftliche Fortschritte ermutigen, Krankheiten bekämpfen und Hoffnung in hoffnungslosen Ländern verbreiten. Isolationismus würde uns nicht nur die Hände im Kampf gegen unsere Feinde fesseln, er würde uns auch davon abhalten, unseren Freunden zu helfen, die verzweifelt Hilfe benötigen. Wir zeigen im Ausland Mitgefühl, weil Amerikaner an die gottgegebene Würde und den Wert eines Dorfbewohners mit HIV/AIDS glauben, an die eines Säuglings mit Malaria, eines Flüchtlings, der vor Genozid flieht, oder eines jungen Mädchens, das in die Sklaverei verkauft wird. Wir zeigen im Ausland außerdem Mitgefühl, weil von Armut, Korruption und Verzweiflung überwältigte Regionen Quellen des Terrorismus, des organisierten Verbrechens sowie des Menschen- und Drogenhandels sind.

In den letzten Jahren haben Sie und ich beispiellose Maßnahmen bei der Bekämpfung von AIDS und Malaria, für mehr Bildung für Mädchen und zur Belohnung von Entwicklungsländern ergriffen, die wirtschaftliche und politische Reformen unternehmen. Für Menschen überall auf der Welt sind die Vereinigten Staaten ein Partner für ein besseres Leben. Diese Anstrengungen zu unterschlagen, würde mehr Leid und Chaos auf der Welt, die langfristige Unterminierung der Sicherheit und die moralische Abstumpfung unseres Landes bedeuten. Ich rufe die Mitglieder des Kongresses auf, den Interessen der Vereinigten Staaten zu dienen, indem sie das Mitgefühl der Vereinigten Staaten zeigen.

Unser Land muss auch gegen den Terrorismus im Inland in der Offensive bleiben. Der Feind hat weder den Wunsch noch die Fähigkeit verloren, uns anzugreifen. Glücklicherweise beschäftigt diese Nation herausragende Fachleute in der Strafverfolgung, den Nachrichtendiensten, im Militär und in der inneren Sicherheit. Diese Frauen und Männer widmen ihr Leben unserem Schutz, und sie verdienen unseren Unterstützung und unseren Dank. Sie verdienen auch die gleichen Werkzeuge, die sie im Kampf gegen Drogenhandel und organisiertes Verbrechen bereits einsetzen – deshalb bitte ich sie um die erneute Genehmigung des Patriot Act.

Man sagt, dass unsere Regierung vor den Anschlägen des 11. Septembers die einzelnen Punkte der Verschwörung nicht richtig miteinander verbunden hat. Wir wissen jetzt, dass zwei der Flugzeugentführer in den Vereinigten Staaten Telefonanrufe an Al-Kaida-Mitglieder im Ausland tätigten. Aber wir erfuhren zu spät von ihren Plänen. Zur Verhinderung eines weiteren Angriffs habe ich, auf der Grundlage meiner verfassungsmäßigen und gesetzlichen Befugnisse – ein Überwachungsprogramm für Terroristen genehmigt, um die internationale Kommunikation von verdächtigen Al-Kaida-Mitgliedern und -Gefolgsleuten von und in die Vereinigten Staaten zu überwachen. Präsidenten vor mir haben sich der gleichen verfassungsmäßigen Befugnisse bedient, und Bundesgerichte haben dies gebilligt. Die zuständigen Mitglieder des Kongresses wurden informiert. Das Überwachungsprogramm für Terroristen hat zur Verhinderung von Terroranschlägen beigetragen. Es bleibt für die Sicherheit der Vereinigten Staaten unerlässlich. Wenn es Menschen in unserem Land gibt, die mit der Al Kaida sprechen, wollen wir das wissen, da wir uns nicht zurücklehnen und warten werden, bis sie uns wieder angreifen.

In allen diesen Bereichen – von der Zerschlagung von Terrornetzwerken über den Sieg im Irak zur Verbreitung von Freiheit und Hoffnung in krisengeschüttelten Regionen – benötigen wir die Unterstützung unserer Freunde und Verbündeten. Um diese Unterstützung zu erlangen, müssen wir in unseren Prinzipien immer klar und bereit zum Handeln sein. Die einzige Alternative zur amerikanischen Führungsrolle ist eine wesentlich gefährlichere und ängstlichere Welt. Dennoch entscheiden wir uns auch für die Führungsrolle, weil es ein Privileg ist, den Werten zu dienen, aus denen die Vereinigten Staaten hervorgingen. Führende amerikanische Politiker – von Roosevelt über Truman und Kennedy bis zu Reagan – lehnten Isolation und Rückzug ab, weil sie wussten, dass die Vereinigten Staaten immer sicherer sind, wenn die Freiheit auf dem Vormarsch ist.

Unsere eigene Generation befindet sich in einem langen Krieg gegen einen entschlossenen Feind – einem Krieg, der von Präsidenten beider Parteien geführt werden wird, die die ständige, parteiübergreifende Unterstützung des Kongresses benötigen. Und heute Abend bitte ich Sie um die Ihre: Lassen Sie uns gemeinsam unser Land schützen, die Frauen und Männer, die uns verteidigen, unterstützen und diese Welt zur Freiheit führen.

Auch hier zu Hause haben die Vereinigten Staaten eine große Chance: Wir werden den Wohlstand unseres Landes aufbauen, indem wir unsere wirtschaftliche Führungsrolle auf der Welt stärken.

Unsere Wirtschaft ist gesund und stark; sie wächst schneller als jede andere Volkswirtschaft der großen Industrieländer. In den letzten zweieinhalb Jahren haben die Vereinigten Staaten 4,6 Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen – mehr als Japan und die Europäische Union zusammen. Sogar angesichts von höheren Energiekosten und Naturkatastrophen hat das amerikanische Volk eine Wirtschaftsleistung erbracht, die den Neid der Welt hervorruft.

Die amerikanische Wirtschaft floriert, aber wir können es uns nicht leisten, selbstgefällig zu sein. In einer dynamischen Weltwirtschaft sehen wir uns mit neuen Konkurrenten wie China und Indien konfrontiert. Das schafft eine Situation der Unsicherheit, in der die Ängste der Menschen leichter geschürt werden können. Wir sehen, wie einige alte Verlockungen wiederkehren. Protektionisten wollen dem Wettbewerb entrinnen und geben vor, dass wir unseren hohen Lebensstandard bewahren können, indem wir unsere Volkswirtschaft nach außen hin abschirmen. Andere sagen, dass die Regierung eine größere Rolle bei der Lenkung der Wirtschaft übernehmen, mehr Macht in Washington konzentrieren und Steuern erhöhen muss. Wir hören Stimmen, die behaupten, dass Einwanderer der Wirtschaft schaden – obwohl unsere Volkswirtschaft nicht ohne sie funktionieren könnte. All dies sind Formen des wirtschaftlichen Rückzugs, und sie führen alle in dieselbe Richtung – hin zu einer stagnierenden, zweitklassigen Wirtschaft.

Heute Abend werde ich einen besseren Weg in die Zukunft skizzieren: eine Agenda für eine Nation, die sich selbstbewusst dem Wettbewerb stellt; eine Agenda, die den Lebensstandard anhebt und neue Arbeitsplätze schafft. Die Amerikaner sollten keine Angst vor unserer wirtschaftlichen Zukunft haben, weil wir vorhaben, sie zu gestalten.

Wenn wir die Wettbewerbsfähigkeit der Vereinigten Staaten bewahren wollen, müssen wir zunächst dafür sorgen, dass unsere Wirtschaft weiter wächst. Unsere Wirtschaft wächst, wenn die Amerikaner mehr Geld zur Verfügung haben, das sie ausgeben, sparen und investieren können. Die von Ihnen verabschiedeten Steuersenkungen haben während der vergangenen fünf Jahre dazu geführt, dass die amerikanischen Arbeitnehmer, Investoren, kleinen Unternehmen und Familien über zusätzliche 880 Milliarden Dollar verfügten. Sie haben sie dazu eingesetzt, mehr als vier Jahre andauerndes Wirtschaftswachstum zu ermöglichen. Die Bestimmungen über Steuersenkungen werden jedoch in den nächsten Jahren auslaufen. Wenn wir nichts tun, stehen den amerikansichen Familien massive Steuererhöhungen bevor, mit denen sie nicht rechnen und die sie nicht begrüßen werden. Weil die Vereinigten Staaten mehr als eine vorübergehende wirtschaftliche Expansion benötigen, benötigen sie auch mehr als vorübergehende Steuersenkungen. Ich bitte den Kongress, umsichtig zu handeln und die Steuersenkungen dauerhaft umzusetzen.

Wenn wir wollen, dass die Vereinigten Staaten wettbewerbsfähig bleiben, müssen wir verantwortungsbewusst mit den Steuergeldern umgehen. In jedem Jahr meiner Präsidentschaft haben wir den Zuwachs der nicht sicherheitsbezogenen, nicht zweckgebundenen Ausgaben verringert, und im vergangenen Jahr haben Sie Gesetze verabschiedet, die diese Ausgaben reduzieren. In diesem Jahr sieht meine Haushaltsvorlage vor, diese Ausgaben erneut zu senken und mehr als 140 Programme einzuschränken oder abzuschaffen, die schlechte Leistungen erbringen oder wichtige Prioritäten nicht erfüllen. Indem wir diese Reformen verabschieden, werden wir dem amerikanischen Steuerzahler nächstes Jahr Einsparungen von 14 Milliarden Dollar ermöglichen und unser Ziel im Auge behalten, das Haushaltsdefizit bis 2009 zu halbieren.

Ich begrüße es, dass die Mitglieder des Kongresses an der Reform der Haushaltstitel arbeiten, weil die Bundesregierung bereits zu viele spezifische Projekte unterhält, die Sonderinteressen dienen. Wir können dieses Problem zusammen angehen, wenn Sie das selektive Veto verabschieden.

Wir müssen auch die größere Herausforderung verbindlicher Ausgaben oder Leistungen angehen. In diesem Jahr werden die ersten der ungefähr 78 Millionen Angehörigen der geburtenstarken Jahrgänge 60, unter ihnen zwei Lieblingspersonen meines Vaters –Präsident Clinton und ich.Dieser Meilenstein stellt mehr als eine persönliche Krise dar – er ist eine nationale Herausforderung. Der Renteineintritt der geburtenstarken Jahrgänge geht mit einer noch nie dagewesenen Belastung für die Bundesregierung einher. Bis 2030 werden die Ausgaben für die Sozialversicherung und die Programme Medicare und Medicaid allein nahezu 60 Prozent des gesamten Bundeshaushalts ausmachen. Das wird den Kongress in Zukunft vor unmöglich zu bewältigende Entscheidungen stellen – Schwindel erregende Steuererhöhungen, gewaltige Defizite oder tiefe Einschnitte in jeder Ausgabenkategorie. Der Kongress entsprach im vergangenen Jahr nicht meinem Vorschlag zum Erhalt der Sozialversicherung – jedoch stellen die steigenden Kosten der Leistungen ein Problem dar, das sich nicht von selbst lösen wird. In jedem Jahr, in dem wir nicht handeln, verschlimmert sich die Situation.

Daher bitte ich Sie heute Abend, mit mir zusammen eine Kommission einzurichten, die die vollständigen Auswirkungen des Renteneintritts der geburtenstarken Jahrgänge auf die Sozialversicherung und die Programme Medicare und Medicaid untersucht. Diese Kommission sollte aus Mitgliedern des Kongresses aus beiden Parteien bestehen und überparteiliche Lösungen erarbeiten. Wir müssen von der Parteipolitik Abstand nehmen und zusammen an der Lösung dieses Problemes arbeiten.

Wenn wir die Wettbewerbsfähigkeit der Vereinigten Staaten weiterhin gewährleisten wollen, müssen wir mehr Märkte für alles erschließen, was Amerikaner produzieren und anbauen. Einer von fünf Fabrikarbeitsplätzen in den Vereinigten Staaten hat mit globalem Handel zu tun, und wir wollen, dass die Menschen überall auf der Welt amerikanische Produkte kaufen. Bei offenen Märkten und gleichen internationalen Voraussetzungen kann niemand die amerikanischen Arbeitskräfte in der Produktion oder im Wettbewerb übertreffen.

Die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit der Vereinigten Staaten erfordert ein Zuwanderungssystem, das unsere Gesetze durchsetzt, unsere Werte widerspiegelt und den Interessen unserer Wirtschaft dient. Unsere Nation braucht friedliche und sichere Grenzen. Um dieses Ziel zu erreichen, brauchen wir eine stärkere Durchsetzung der Zuwanderungsgesetze und einen gestärkten Grenzschutz. Außerdem brauchen wir ein vernünftiges, humanes Gastarbeiterprogramm, das Straferlass ablehnt, befristete Arbeitsplätze für Menschen ermöglicht, die diese auf legalem Wege suchen und Schmuggel sowie Kriminalität an der Grenze verringert.

Die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit der Vereinigten Staaten erfordert zudem ein bezahlbares Gesundheitswesen. Die amerikanische Regierung ist dafür verantwortlich, armen und alten Menschen eine Gesundheitsfürsorge zu ermöglichen, und dieser Verantwortung werden wir gerecht. Wir müssen uns der steigenden Betreuungskosten annehmen, das Verhältnis zwischen Arzt und Patienten stärken und den Menschen helfen, sich den Versicherungsschutz zu leisten, den sie benötigen.

Wir werden die Verwendung elektronischer Datensätze und anderer Informationstechnologien im Gesundheitswesen ausweiten, um Kosten zu senken und gefährliche medizinische Fehler zu vermeiden. Wir werden das Modell der Sparkonten für die Krankenversicherung stärken – um sicherzustellen, dass sich Einzelpersonen und Angestellte kleiner Unternehmen eine Versicherung mit denselben Vorteilen leisten können, wie es den Angestellten großer Unternehmen heute möglich ist. Dieser Versicherungsschutz muss übertragbar sein, so dass Arbeitnehmer ihren Arbeitsplatz wechseln können, ohne Angst zu haben, ihre Krankenversicherung zu verlieren. Da Klagen viele gute Ärzte dazu bringen, nicht mehr zu praktizieren – und Frauen in nahezu 1.500 amerikanischen Landkreisen keinen Gynäkologen mehr vor Ort haben – bitte ich den Kongress, in diesem Jahr die Reform der Arzthaftpflicht zu verabschieden.

Die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit der Vereinigten Staaten erfordert bezahlbare Energie. Und in diesem Bereich stehen wir einem ernstzunehmenden Problem gegenüber: Die Vereinigten Staaten sind von Erdöl abhängig, das oft aus instabilen Teilen der Welt importiert wird. Die beste Möglichkeit, diese Abhängigkeit zu durchbrechen, ist durch Technologie. Seit 2001 haben wir fast 10 Milliarden Dollar in die Entwicklung saubererer, kostengünstigerer und verlässlicherer alternativer Energiequellen investiert – und befinden uns an der Schwelle zu unglaublichen Fortschritten.

Deshalb gebe ich heute den Beginn der modernen Energieinitiative (Advanced Energy Initiative) bekannt – einer 22-prozentigen Erhöhung der Forschungsmittel im Bereich saubere Energien des Energieministeriums, um in zwei hochwichtigen Bereichen einen Durchbruch zu erzielen. Um die Energieversorgung unserer Eigenheime und Büros zu verändern, werden wir mehr in emissionsfreie kohlegefeuerte Anlagen, revolutionäre Solar- und Windtechnologien und saubere, sichere Atomenergie investieren.

Wir müssen auch neue Antriebstechnologien für unsere Autos entwickeln. Wir werden unsere Forschungsausgaben für die Entwicklung verbesserter Batterien für Hybrid- und Elektroautos und schadstofffreier wasserstoffbetriebener Autos erhöhen. Wir werden zusätzlich Forschung im Bereich der hochmodernen Herstellung von Ethanol betreiben, nicht nur aus Mais, sondern auch aus Holzschnitzeln und Pflanzenstielen oder Rutenhirse. Unser Ziel ist, diese neue Art der Ethanolherstellung innerhalb von sechs Jahren praktisch anwendbar und wettbewerbsfähig zu machen.

Durchbrüche bei dieser und anderen neuen Technologien werden uns helfen, ein weiteres großes Ziel zu erreichen: bis 2025 mehr als 75 Prozent unserer Erdölimporte aus dem Nahen Osten zu ersetzen. Indem wir amerikanisches Wissen und amerikanische Technologien anwenden, kann unser Land den Umweltschutz stark verbessern, sich von einer auf Erdöl basierenden Wirtschaft weg entwickeln und unsere Abhängigkeit von Öl aus dem Nahen Osten beenden.

Um die Wettbewerbsfähigkeit der Vereinigten Staaten zukünftig zu gewährleisten, ist eine Zielsetzung von übergeordneter Bedeutung: Wir müssen auf der Welt weiterhin mit der Qualifikation und der Kreativität der Menschen in unserem Land eine Führungsrolle einnehmen. Unser größter Vorteil auf internationaler Ebene lag stets in unserer gebildeten, hart arbeitenden, ehrgeizigen Bevölkerung – und diesen Wettbewerbsvorteil werden wir behalten. Heute kündige ich die Initiative für amerikanische Wettbewerbsfähigkeit (American Competitiveness Initiative) an, im Rahmen derer Innovationen in allen Bereichen unserer Wirtschaft gefördert und unseren Kindern ein fundiertes Grundwissen in Mathematik und den Naturwissenschaften vermittelt werden soll.

Erstens schlage ich vor, in den kommenden zehn Jahren das Engagement der Bundesregierung in den grundlegendsten und wichtigsten Forschungsprogrammen in den Naturwissenschaften zu verdoppeln. Diese Finanzmittel werden die Arbeit der kreativsten amerikanischen Köpfe unterstützen, wenn sie Erfolg versprechende Bereiche wie die Nanotechnologie, Höchstleistungsrechner sowie alternative Energiequellen erforschen.

Zweitens schlage ich vor, die Steuervergünstigungen für Forschung und Entwicklung dauerhaft umzusetzen – und weiter reichende Initiativen des Privatsektors im Technologiebereich zu fördern. Mit verstärkten Forschungsinitiativen des öffentlichen sowie des Privatsektors werden wir unsere Lebensqualität verbessern – und sicherstellen, dass die Vereinigten Staaten noch in Jahrzehnten das Land auf der Welt mit den größten Chancen und der größten Innovationskraft sind.

Drittens müssen wir Kinder dazu ermutigen, mehr Kurse in Mathematik und den Naturwissenschaften zu belegen, und sicherstellen, dass die Anforderungen dieser Kurse streng genug sind, um es mit denen anderer Nationen aufzunehmen. In den ersten Schuljahren haben wir mit dem Gesetz “Kein Kind wird zurückgelassen” (No Child Left Behind Act) gute anfängliche Fortschritte verzeichnet und bundesweit die Standards und Testergebnisse verbessert. Ich schlage heute vor, 70.000 High-School-Lehrer dafür auszubilden, fortgeschrittene Kurse in Mathematik und den Naturwissenschaften zu unterrichten, 30.000 Mathematik- und Naturwissenschaftsexperten zum Unterrichten an Schulen zu holen und Schülern, die Schwierigkeiten in Mathematik haben, früh zu helfen, so dass sie eine bessere Chance haben, anspruchsvolle und gut bezahlte Arbeitsplätze zu bekommen. Wenn wir dafür sorgen, dass die amerikanischen Kinder in ihrem Leben erfolgreich sind, werden sie wiederum dafür sorgen, dass Amerika auf der Welt erfolgreich ist.

Die Vorbereitung unserer Nation auf den weltweiten Wettbewerb ist ein Ziel, das wir alle unterstützen können. Ich bitte Sie, die American Competitiveness Initiative zu unterstützen. Zusammen werden wir der Welt zeigen, was die Amerikaner leisten können.

Die Vereinigten Staaten sind eine große Kraft für Freiheit und Wohlstand. Unsere Größe lässt sich jedoch nicht anhand von Macht oder Luxus messen, sondern daran, wer wir sind und wie wir einander behandeln. Wir bemühen uns, eine mitfühlende, anständige, zuversichtliche Gesellschaft zu sein.

In den vergangenen Jahren sind die Vereinigten Staaten in der Tat ein hoffnungsvolleres Land geworden. Die Zahl der Gewaltverbrechen hat ihren niedrigsten Stand seit den Siebzigerjahren erreicht. Die Zahl der Sozialhilfeempfänger hat sich in den letzten zehn Jahren um mehr als die Hälfte verringert. Der Drogenkonsum bei jungen Menschen ist seit 2001 um 19 Prozent gefallen. Bundesweit werden weniger Abtreibungen als zu jedem beliebigen Zeitpunkt in den vergangenen dreißig Jahren durchgeführt und die Zahl der Geburten bei Müttern im Teenageralter sinkt seit zwölf Jahren.

Diese positiven Entwicklungen weisen auf einen stillen Wandel hin – einen revolutionären Bewusstseinswandel, im Zuge dessen eine heranwachsende Generation zu dem Schluss kommt, dass ein Leben der persönlichen Verantwortung ein erfülltes Leben ist. Die Regierung hat dabei eine Rolle gespielt. Weitsichtige Programme wie die Reform des Sozialsystems, Drogenbekämpfungsprogramme, die Unterstützung von Enthaltsamkeit und Adoption haben das Wesen unseres Landes verändert. Alle, die heute hier anwesend sind, Demokraten wie Republikaner, können mit Recht stolz auf diese Erfolgsbilanz sein.

Jedoch hegen zahlreiche Amerikaner, vor allem Eltern, noch immer tiefe Bedenken bezüglich der zukünftigen Ausrichtung unserer Kultur sowie des Zustands unserer grundlegendsten Institutionen. Sie sind beunruhigt vom unmoralischen Verhalten von Staatsbeamten und entmutigt von übereifrigen Gerichten, die die Ehe neu definieren wollen. Sie machen sich Sorgen um Kinder in unserer Gesellschaft, die Vorbilder und Liebe brauchen, Mitbürger, die aufgrund von Naturkatastrophen noch immer nicht in ihre Heimat zurückkehren konnten und das Leid, das von heilbaren Krankheiten verursacht wird.

Wenn wir uns diesen Herausforderungen stellen, dürfen wir niemals anfangen zu glauben, dass die Vereinigten Staaten im Niedergang begriffen sind oder das unsere Kultur dazu verdammt ist, zu zerfallen. Die Amerikaner wissen es besser. Wir haben die Pessimisten schon in der Vergangenheit Lügen gestraft – und wir werden es wieder tun.

Eine zuversichtliche Gesellschaft braucht Gerichte, die Gleichheit vor dem Gesetz gewährleisten. Das oberste Bundesgericht verfügt jetzt über zwei neue großartige Mitarbeiter auf dem Richterstuhl: den Präsidenten des obersten Bundesgerichts, John Roberts, und Richter Sam Alito. Ich danke dem Senat für die Bestätigung beider Nominierungen. Ich werde auch in Zukunft Frauen und Männer nominieren, die der Auffassung sind, dass Richter Diener des Gesetzes sein müssen und nicht vom Richterstuhl aus Gesetze erlassen.

Heute geht eine sehr besondere Amerikanerin offiziell in den Ruhestand. Die Vereinigten Staaten sind Richterin Sandra Day O’Connor für 24 Jahre treuen Dienst an unserer Nation dankbar.

Eine hoffnungsvolle Gesellschaft verfügt über Institutionen für Wissenschaft und Medizin, die keine ethischen Kompromisse eingehen und den einzigartigen Wert jedes Lebens erkennen. Ich bitte Sie heute Abend, Gesetze zu verabschieden, die die ungeheuerlichsten Fälle von Missbrauch in der medizinischen Forschung verbieten: das Klonen von Menschen in allen seinen Formen, das Züchten oder Einpflanzen von Embryos für Experimente, die Kreuzung von Mensch und Tier sowie der Kauf, Verkauf oder die Patentierung menschlicher Embryos. Das menschliche Leben ist ein Geschenk unseres Schöpfers – ein Geschenk, das niemals aufgegeben, abgewertet oder zum Verkauf angeboten werden sollte.

Eine zuversichtliche Gesellschaft erwartet, dass gewählte Regierungsbeamte dem öffentlichen Vertrauen gerecht werden. Ehrbare Menschen in beiden Parteien arbeiten an Reformen, die moralischen Standards in Washington zu stärken – und ich unterstütze ihre Bestrebungen. Jeder von uns hat einen Eid geleistet, sich der öffentlichen Verantwortung würdig zu erweisen – und diesen Eid dürfen wir niemals vergessen, von uns weisen oder brechen.

Während wir das Versprechen unserer Institutionen erneuern, müssen wir dem Wesen der Vereinigten Staaten auch in unserem Mitgefühl und unserer Sorge füreinander Ausdruck verleihen.

Eine zuversichtliche Gesellschaft widmet Kindern, denen es an Anleitung und Liebe mangelt, besondere Aufmerksamkeit. Durch die Initiative Hilfe für die amerikanische Jugend (Helping America’s Youth Initiative) ermutigen wir mitfühlende Erwachsene, am Leben eines Kindes teilzuhaben. Diese wichtige Aufgabe wird von unserer First Lady, Laura Bush, angeführt. Wir werden dieses Jahr zusätzliche finanzielle Ressourcen aufwenden, um junge Menschen zu ermutigen, weiter zur Schule zu gehen, so dass mehr junge Menschen in Amerika ihren Horizont erweitern und ihre Träume verwirklichen können.

Eine zuversichtliche Gesellschaft eilt ihren Mitbürgern in Zeiten des Leids und der Not zur Hilfe – und bleibt an ihrer Seite, bis sie ihnen wieder auf die Füße geholfen haben. Die Bundesregierung hat den Menschen an der Golfküste und in New Orleans bis heute 85 Milliarden Dollar zukommen lassen. Wir entfernen Schutt, reparieren Bundesstraßen und errichten stärkere Dämme. Wir vergeben Kredite für Unternehmen und stellen Wohngeldzuschüsse bereit. Während wir uns dieser unmittelbaren Bedürfnisse annehmen, müssen wir auch auf grundsätzlichere Herausforderungen eingehen, die schon existierten, bevor der Sturm auf die Küste traf.

In New Orleans und an anderen Orten fühlten sich viele unserer Mitbürger von den Verheißungen unseres Landes ausgeschlossen. Die Reaktion darauf kann nicht nur aus zeitlich befristeten Hiflsmaßnahmen bestehen. Wir brauchen Schulen, die alle Kinder besuchen können, berufliche Kenntnisse, die Aufstiegsmobilität ermöglichen und mehr Chancen darauf, ein Eigenheim zu erwerben oder ein Unternehmen zu gründen. Lassen Sie uns, während wir uns von der Naturkatastrophe erholen, auch auf den Tag hinarbeiten, an dem alle Amerikaner von unserem Justizsystem geschützt werden, die gleiche Hoffnung besitzen und reich an Chancen sind.

Eine zuversichtliche Gesellschaft handelt unerschrocken bei der Bekämpfung von Krankheiten wie HIV/AIDS, die vermieden, behandelt und besiegt werden können. Mehr als eine Million Amerikaner leben mit dem HI-Virus und die Hälfte aller AIDS-Fälle treten bei Afroamerikanern auf. Ich fordere den Kongress auf, das Ryan-White-Gesetz zu reformieren und erneut zu genehmigen, und den Bundesstaaten neue Mittel zur Verfügung zu stellen, damit wir die Wartelisten für AIDS-Medikamente in den Vereinigten Staaten abschaffen können. Wir werden in enger Zusammenarbeit mit afroamerikanischen Kirchen und glaubensorientierten Gruppen landesweite Bestrebungen einleiten, um Millionen Menschen HIV-Schnelltests zu ermöglichen, der Krankheit AIDS ihr Stigma zu nehmen und dem Tag näher zu kommen, an dem es keine neuen Infektionen in den Vereinigten Staaten mehr gibt.

Liebe Mitbürger, wir sind in einer folgenschweren Zeit zu einer Führungsrolle aufgerufen worden. Wir befinden uns in einem großen ideologischen Konflikt, zu dessen Entstehung wir nicht beigetragen haben. Wir erleben großartige Veränderungen in Wissenschaft und Wirtschaft, die unser aller Leben beeinflussen werden. Manchmal scheint es, als schlage die Geschichte einen großen Bogen ins Unbekannte. Die Richtung der Geschichte wird jedoch durch menschliches Handeln bestimmt, und jede große geschichtliche Wendung gelangt schließlich an einem Punkt an, an dem eine Entscheidung gefällt werden muss.

Lincoln hätte den Frieden auf Kosten der Spaltung und des Fortdauerns der Sklaverei akzeptieren können. Martin Luther King hätte in Birmingham oder Selma aufhören können und hätte damit nur einen halben Sieg über die Rassentrennung erreicht. Die Vereinigten Staaten hätten die dauerhafte Teilung Europas akzeptieren können und wären damit Mittäter bei der Unterdrückung anderer geworden. Heute, nachdem wir in unserer eigenen geschichtlichen Reise so weit gekommen sind, müssen wir uns entscheiden: Werden wir umkehren, oder werden wir die Sache zu einem guten Abschluss bringen?

Bevor die Geschichte in Büchern niedergeschrieben wird, wird sie in Mut geschrieben. Wie die Amerikaner vor uns werden wir diesen Mut beweisen und die Sache zu einem guten Abschluss bringen. Wir werden den Vormarsch der Freiheit anführen. Wir werden in der Weltwirtschaft konkurrieren und großartige Leistungen bringen. Wir werden die moralischen Verpflichtungen, die dieses Land ausmachen, erneuern. Und so schreiten wir voran – optimistisch in Bezug auf unser Land, der Sache treu und zuversichtlich in Bezug auf zukünftige Siege.

Möge Gott Amerika segnen.

Originaltext: President Bush Delivers State of the Union Address

Die Stadt auf dem Hügel

WASHINGTON – (AD) – Nachfolgend veröffentlichen wir das Kapitel “Die Stadt auf dem Hügel” aus der Broschüre “Portrait of the USA”, die vom Büro für internationale Informationsprogramme des US-Außenministeriums herausgegeben wurde.

Die ersten Europäer, die Nordamerika um das Jahr 1000 erreichten, waren isländische Wikinger, die von Leif Eriksson angeführt wurden. In der kanadischen Provinz Neufundland wurden Spuren ihres Aufenthaltes gefunden, die Wikinger waren aber nicht in der Lage, dauerhafte Siedlungen zu gründen, und verloren bald den Kontakt zum neuen Kontinent.

Fünf Jahrhunderte später ließ die Nachfrage nach asiatischen Gewürzen, Textilien und Farbstoffen europäische Seefahrer von einer kürzeren Route zwischen Ost und West träumen. Im Auftrag der spanischen Krone segelte der italienische Seefahrer Christoph Kolumbus 1492 von Europa aus nach Westen und landete schließlich in der Karibik auf einer der Inseln der Bahamas. Innerhalb von 40 Jahren schufen spanische Abenteurer in Mittel- und Südamerika ein großes Reich.

DIE KOLONIALZEIT

Die erste erfolgreiche englische Kolonie wurde 1607 in Jamestown (Virginia) gegründet. Einige Jahre danach kamen englische Puritaner nach Nordamerika, um der religiösen Verfolgung aufgrund ihrer Gegnerschaft zur anglikanischen Kirche zu entgehen. 1620 gründeten Puritaner die Plymouth Colony, die später Massachusetts wurde. Plymouth war die zweite dauerhafte britische Siedlung in Nordamerika und die erste in Neuengland.

In Neuengland hofften die Puritaner, eine “Stadt auf dem Hügel” (“city upon a hill”) aufzubauen – eine ideale Gemeinschaft. Seit damals sehen Amerikaner ihr Land als ein großes Experiment an, ein Modell, das der Nachahmung durch andere Nationen würdig ist. Die Puritaner waren der Ansicht, dass der Staat die Moral Gottes durchsetzen müsse; Ketzer, Ehebrecher, Trinker und Sabbat-Brecher wurden bei ihnen streng bestraft. Trotz ihrer eigenen Suche nach religiöser Freiheit praktizierten die Puritaner eine Art intoleranten Moralismus. 1636 verließ der englische Geistliche Roger Williams Massachusetts und gründete die Kolonie Rhode Island, die auf den Prinzipien der religiösen Freiheit und Trennung von Kirche und Staat beruhte, zwei Idealen, die später von den Vätern der US-Verfassung übernommen wurden.

Es kamen auch Siedler aus anderen europäischen Ländern, aber die Engländer waren in Nordamerika viel besser organisiert. Bis 1733 hatten englische Siedler 13 Kolonien entlang der Atlantikküste gegründet, von New Hampshire im Norden bis Georgia im Süden. Die Franzosen kontrollierten andere Teilen Nordamerikas, unter anderem Kanada und Louisiana, einschließlich des weitläufigen Einzugsgebietes des Mississippi River. Frankreich und England führten im 18. Jahrhundert mehrere Kriege, in die jeweils auch Nordamerika hineingezogen wurde. Am Ende des Siebenjährigen Krieges hatte England 1763 die Kontrolle über Kanada und ganz Nordamerika östlich des Mississippi.

Kurz darauf kam es zwischen England und seinen Kolonien zum Konflikt. Das Mutterland erhob teilweise neue Steuern, um die Kosten des Siebenjährigen Krieges zu bezahlen und erwartete von den Amerikanern, dass sie britische Soldaten bei sich unterbringen. Die Siedler waren über die Steuern verärgert und widersetzten sich der Unterbringung von Soldaten. Sie beharrten darauf, dass sie nur durch ihre eigene koloniale Verwaltung besteuert werden könnten und versammelten sich hinter dem Schlachtruf “keine Besteuerung ohne Vertretung” (“no taxation without representation”).

Alle Steuern, außer der Teesteuer, wurden zurückgenommen. 1773 reagierte eine Gruppe Patrioten darauf und veranstaltete die Boston Tea Party. Als Indianer verkleidet gingen sie an Bord britischer Handelsschiffe und warfen 342 Kisten Tee in den Bostoner Hafen. Dies führte zu einem scharfen Durchgreifen des britischen Parlaments, das die Schließung des Bostoner Hafens beinhaltete. 1774 beriefen die Anführer der Kolonisten den ersten Kontinentalkongress (First Continental Congress) ein, um den Widerstand der Kolonien gegen die britische Herrschaft zu erörtern. Als sich britische Soldaten in Lexington (Massachusetts) Rebellen aus den Kolonien entgegenstellten, brach am 19. April 1775 Krieg aus. Am 4. Juli 1776 ratifizierte der Kontinentalkongress die Unabhängigkeitserklärung.

Zunächst lief der Unabhängigkeitskrieg schlecht für die Amerikaner. Obwohl sie nur wenige Vorräte und eine geringe Ausbildung hatten, kämpften die amerikanischen Truppen im Allgemeinen gut, die Briten waren ihnen aber zahlenmäßig und hinsichtlich der Ausrüstung überlegen. Der Wendepunkt des Krieges kam 1777, als amerikanische Soldaten die britische Armee bei Saratoga (New York) besiegten. Frankreich hatte den Amerikanern heimlich geholfen, wollte sich jedoch nicht offen mit ihnen verbünden, bis sie sich im Kampf bewiesen hatten. Nach dem amerikanischen Sieg bei Saratoga unterzeichneten Frankreich und Amerika Bündnisverträge, und Frankreich stellte den Amerikanern Truppen und Kriegsschiffe zur Verfügung.

Die letzte große Schlacht im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg fand 1781 in Yorktown (Virginia) statt. Amerikanische und französische Truppen umzingelten gemeinsam die britischen Streitkräfte und zwangen sie zur Aufgabe. Die Kämpfe dauerten in einigen Gebieten noch zwei weitere Jahre an. Offiziell endete der Krieg mit dem Frieden von Paris im Jahre 1783, mit dem England die Unabhängigkeit Nordamerikas anerkannte.

EINE NEUE NATION

Die Ausarbeitung der US-Verfassung und die Gründung der Vereinigten Staaten wird in Kapitel 4 detaillierter beschrieben. Im Kern nahm die Verfassung den Amerikanern die Angst vor einer übermäßigen Zentralgewalt, indem das Regierungssystem auf drei Gewalten aufgeteilt wurde – Legislative (Kongress), Exekutive (der Präsident und die Bundesbehörden) und die Judikative (die Bundesgerichte) – und indem durch die 10 (als Bill of Rights bekannten) Zusatzartikel zur Verfassung die Freiheit des Einzelnen gewährleistet wurde.

In den unterschiedlichen politischen Philosophien zweier herausragender Personen des Unabhängigkeitskrieges manifestierte sich das fortdauernde Unbehagen über die zu große Machtanhäufung. George Washington, der militärische Held des Krieges und der erste US-Präsident, führte eine Partei an, die einen starken Präsidenten und eine starke Zentralregierung befürwortete. Thomas Jefferson, der wichtigste Verfasser der Unabhängigkeitserklärung, führte eine Partei an, die den Einzelstaaten mehr Befugnisse zusprechen wollte, basierend auf der Theorie, dass diese den Bürgern verstärkt rechenschaftspflichtig wären.

Jefferson wurde 1801 der dritte Präsident. Obwohl er die Befugnisse des Präsidenten beschränken wollte, zwangen ihn die politischen Realitäten umzudenken. Neben anderen eindrucksvollen Maßnahmen kaufte er 1803 Frankreich das ausgedehnte Gebiet Louisianas ab und verdoppelte somit fast die Größe der Vereinigten Staaten. Der Kauf Louisianas erweiterte das Territorium um mehr als zwei Millionen Quadratkilometer und dehnte die Grenzen des Landes weit in den Westen bis hin zu den Rocky Mountains in Colorado aus.

SKLAVEREI UND DER BÜRGERKRIEG

Im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts bewegte sich die Besiedlungsgrenze weiter westwärts bis zum Mississippi River und darüber hinaus. 1828 wurde mit Andrew Jackson der erste “Außenseiter” Präsident: Ein Mann, der aus dem Grenzstaat Tennessee stammte, aus armen Verhältnissen kam und außerhalb der kulturellen Traditionen der Atlantikküste aufgewachsen war.

Obwohl die Ära Jackson oberflächlich betrachtet voller Optimismus und Energie war, hatte sich die junge Nation in Widersprüche verwickelt. Die bekannten Worte der Unabhängigkeitserklärung “alle Menschen sind gleich geschaffen” (“all men are created equal”) waren für 1,5 Millionen Sklaven bedeutungslos. (Weitere Informationen zum Thema Sklaverei und der Zeit danach finden Sie in den Kapiteln 1 und 4.)

1820 diskutierten Politiker aus dem Süden und dem Norden die Frage, ob die Sklaverei in den westlichen Gebieten zulässig sein sollte oder nicht. Der Kongress erzielte einen Kompromiss: Die Sklaverei wurde in den neuen Bundesstaaten Missouri und im Arkansas Territory erlaubt, in den Gebieten westlich und nördlich von Missouri aber verboten. Als Folge des mexikanisch-amerikanischen Krieges von 1846 – 48 wurde das Territorium erweitert – damit einhergehend wurde die Frage nach einer Ausweitung der Sklaverei gestellt. 1850 ermöglichte ein weiterer Kompromiss den Beitritt Kaliforniens als freier Staat, und den Bürgern Utahs sowie Neu-Mexikos wurde die Entscheidung freigestellt, ob sie die Sklaverei innerhalb ihrer Grenzen zulassen wollten oder nicht (sie entschieden sich dagegen).

Das Problem bestand aber weiterhin. Nachdem Abraham Lincoln, ein Gegner der Sklaverei, 1860 zum Präsidenten gewählt wurde, verließen 11 Staaten die Union und erklärten sich zur unabhängigen Nation, den Konföderierten Staaten von Amerika: South Carolina, Mississippi, Florida, Alabama, Georgia, Louisiana, Texas, Virginia, Arkansas, Tennessee und North Carolina. Der amerikanische Bürgerkrieg hatte begonnen.

Die Armee der Konföderation hatte in der Anfangszeit des Krieges Erfolg und einige der Befehlshaber, besonders General Robert E. Lee, waren herausragende Taktiker. Die Union konnte aber auf eine größere Armee und mehr Ressourcen zurückgreifen. Im Sommer des Jahres 1863 ging Lee ein Risiko ein, indem er seine Truppen gen Norden nach Pennsylvania einmarschieren ließ. Er traf bei Gettysburg auf die Truppen der Union und die größte jemals auf amerikanischem Boden ausgetragene Schlacht begann. Nach drei Tagen verzweifelter Kämpfe waren die Konföderierten besiegt. Zur gleichen Zeit nahm der General der Union, Ulysses S. Grant, die Stadt Vicksburg am Mississippi River ein, wodurch der Norden die Kontrolle über das gesamte Mississippi-Tal erhielt und die Konföderation in zwei Hälften geteilt wurde.

Zwei Jahre später und nach langen Kämpfen, an denen auch die Truppen unter dem Kommando von Lee und Grant teilnahmen, gaben die Konföderierten auf. Der Bürgerkrieg war die traumatischste Episode der amerikanischen Geschichte. Er löste aber zwei Probleme, die die Amerikaner seit 1776 aufbrachten. Die Sklaverei wurde beendet und es wurde entschieden, dass das Land nicht aus einer Ansammlung von halb unabhängigen Staaten besteht, sondern ein unteilbares Ganzes ist.

DAS ENDE DES 19. JAHRHUNDERTS

1865 wurde Abraham Lincoln bei einem Attentat getötet, wodurch die Vereinigten Staaten einen Politiker verloren, der durch seine Herkunft und sein Temperament auf einzigartige Weise geeignet war, die durch den Bürgerkrieg entstandenen Wunden zu heilen. Sein Nachfolger, Andrew Johnson, war ein Südstaatler, der während des Krieges aber loyal gegenüber der Union geblieben war. Mitglieder aus Johnsons eigener Partei (Republikaner) aus dem Norden setzten einen Prozess in Gang, um ihn seines Amtes zu entheben, da er sich angeblich zu nachsichtig gegenüber ehemaligen Konföderierten verhalten hatte. Johnsons Freispruch stellte einen wichtigen Sieg für das Prinzip der Gewaltenteilung dar: Ein Präsident sollte nicht aus dem Amt gejagt werden, weil der Kongress nicht mit seiner Politik übereinstimmt, sondern ausschließlich, weil er, mit den Worten der Verfassung, “Verrat, Bestechung oder andere schwere Verbrechen und Vergehen” begangen hat.

Innerhalb weniger Jahre nach dem Ende des Bürgerkrieges wurden die Vereinigten Staaten zu einer führenden Industriemacht, und kluge Geschäftsleute erzielten große Gewinne. Die erste transkontinentale Eisenbahn wurde 1869 fertiggestellt; bis 1900 gab es in den Vereinigten Staaten mehr Streckenkilometer als in ganz Europa. Die Erdölindustrie florierte, und John D. Rockefeller von der Standard Oil Company wurde der reichste Mann der Vereinigten Staaten. Andrew Carnegie, der als armer schottischer Einwanderer angefangen hatte, baute ein großes Stahlwerkimperium auf. Textilwerke breiteten sich im Süden und Fleischfabriken in Chicago (Illinois) aus. Aufgrund einer Reihe von Erfindungen, die in den Vereinigten Staaten gemacht wurden, florierte die Elektroindustrie: das Telefon, die Glühbirne, der Plattenspieler, der Wechselstrommotor und –transformator sowie der Film. In Chicago verwendete der Architekt Louis Sullivan eine Stahlrahmenkonstruktion, um den charakteristischen Beitrag der Vereinigten Staaten zur modernen Stadt zu leisten: den Wolkenkratzer.

Das ungezügelte Wirtschaftswachstum barg jedoch Gefahren in sich. Um den Wettbewerb zu beschränken, schlossen sich Eisenbahnunternehmen zusammen und setzten einheitliche Transportpreise fest. Kartelle – große Unternehmenszusammenschlüsse – versuchten in einigen Industriezweigen Monopole zu bilden, ganz besonders beim Öl. Diese riesigen Unternehmen konnten Produkte effizient herstellen und sie preiswert verkaufen, aber sie konnten ebenso Preise festsetzen und andere Wettbewerber zerstören. Um gegenzusteuern, ergriff die Bundesregierung Maßnahmen. Zur Regulierung der Transportkosten wurde die bundesstaatenübergreifende Handelskommission (Interstate Commerce Commission) geschaffen. Das Sherman Antitrust-Gesetz von 1890 verbot Kartelle und Fusionen sowie Geschäftsabkommen, “die den Handel hemmen”.

Die Industrialisierung führte zum Anstieg der organisierten Arbeiterschaft. Die 1886 gegründete American Federation of Labor war ein Zusammenschluss von Gewerkschaften für Facharbeiter. Das Ende des 19. Jahrhunderts war eine Zeit starker Zuwanderung, und der Geburtsort vieler Arbeitnehmer in den neuen Industriezweigen lag außerhalb der Vereinigten Staaten. Für die amerikanischen Landwirte waren die Zeiten jedoch schwierig. Die Lebensmittelpreise fielen, und die Landwirte mussten die Last hoher Transportkosten, teurer Hypotheken sowie hoher Steuern und Zölle auf Konsumgüter tragen.

Mit Ausnahme des Erwerbs Alaskas von Russland im Jahr 1867 war das amerikanische Territorium seit 1848 konstant. In den Neunzigerjahren des 19. Jahrhunderts griff ein neuer Expansionsgeist um sich. Die Vereinigten Staaten folgten dem Vorbild der nordeuropäischen Nationen in dem Anspruch, die Völker in Asien, Afrika und Lateinamerika zu “zivilisieren”. Nachdem amerikanische Zeitungen grausige Berichte über Gräueltaten in der spanischen Kolonie Kuba veröffentlichten, traten die Vereinigten Staaten und Spanien 1898 in den Krieg. Als der Krieg beendet war, hatten die Vereinigten Staaten eine Reihe spanischer Besitztümer erlangt: Kuba, die Philippinen, Puerto Rico und Guam. In einer davon unabhängigen Aktion erwarben die Vereinigten Staaten darüber hinaus Hawaii.

Aber den Amerikanern, die selbst die Fesseln eines Weltreiches abgeschüttelt hatten, war nicht wohl dabei, selbst ein solches zu verwalten. 1902 verließen amerikanische Truppen Kuba, obwohl die neue Republik verpflichtet war, den Vereinigten Staaten Flottenstützpunkte zur Verfügung zu stellen. Die Philippinen erhielten 1907 das Recht auf eingeschränkte Selbstverwaltung sowie 1946 die vollständige Unabhängigkeit. Puerto Rico wurde ein Commonwealth in Selbstverwaltung innerhalb der Vereinigten Staaten, und Hawaii wurde 1959 zum Bundesstaat (ebenso wie Alaska).

DIE PROGRESSIVE BEWEGUNG

Während Amerikaner im Ausland aktiv waren, kam es ebenfalls zu einer neuen Betrachtung der sozialen Probleme im eigenen Land. Trotz der Zeichen des Wohlstands lebten bis zu 50 Prozent der Industriearbeiter noch immer in Armut. New York, Boston, Chicago und San Francisco konnten auf ihre Museen, Universitäten und öffentliche Bibliotheken stolz sein – sich aber auch wegen ihrer Slums schämen. Das vorherrschende wirtschaftliche Dogma war das Laisser-faire: Die Regierung sollte so wenig wie möglich in den Handel eingreifen. Um 1900 herum entstand die Progressive Bewegung (Progressive Movement), um die Gesellschaft und die Menschen durch Regierungsmaßnahmen zu bessern. Die Anhänger dieser Bewegung waren überwiegend Volkswirte, Soziologen, Techniker und Angestellte im öffentlichen Dienst, die nach wissenschaftlichen, kostengünstigen Lösungen für politische Probleme suchten.

Sozialarbeiter gingen in die Slums, um Einrichtungen in den Siedlungen zu schaffen, die den Armen Gesundheitsdienste und Erholungsmöglichkeiten bieten sollten. Prohibitionisten forderten, teilweise aufgrund des Leids, das alkoholabhängige Ehemänner ihren Frauen und Kindern zufügten, die Beendigung des Spirituosenverkaufs. In den Städten kämpften Reformpolitiker gegen Korruption, regulierten den öffentlichen Verkehr und schufen kommunale Versorgungseinrichtungen. Bundesstaaten verabschiedeten Gesetze zur Beschränkung von Kinderarbeit, der Begrenzung der Arbeitstage und schrieben Entschädigungen für verletzte Arbeitnehmer vor.

Einige Amerikaner befürworteten radikalere Ideologien. Die Sozialistische Partei (Socialist Party), die von Eugene V. Debs angeführt wurde, sprach sich für einen friedlichen, demokratischen Übergang zu einer staatlich gelenkten Volkswirtschaft aus. Der Sozialismus konnte sich in den Vereinigten Staaten aber nie fest verankern – das beste Ergebnis, das die Partei in einem Präsidentschaftswahlkampf erzielte, lag bei sechs Prozent bei der Wahl 1912.

KRIEG UND FRIEDEN

Als 1914 in Europa der Erste Weltkrieg ausbrach, drängte Präsident Woodrow Wilson auf eine Politik der strikten amerikanischen Neutralität. Die Erklärung Deutschlands, einen uneingeschränkten U-Boot-Krieg gegen alle Schiffe zu führen, die alliierte Häfen ansteuerten, untergrub diese Haltung. Als der Kongress Deutschland 1917 den Krieg erklärte, bestand die amerikanische Armee aus lediglich 200.000 Soldaten. Millionen Männer mussten einberufen, ausgebildet und über den vor U-Booten nur so wimmelnden Atlantik verschifft werden. Ein ganzes Jahr verging, bevor die US-Armee bereit war, einen entscheidenden Beitrag zu den Kriegsbemühungen zu leisten.

Im Herbst 1918 war die Lage Deutschlands bereits hoffnungslos geworden. Seine Streitkräfte zogen sich angesichts der unermüdlichen Aufrüstung auf amerikanischer Seite zurück. Im Oktober ersuchte Deutschland um Frieden, und am 11. November wurde der Waffenstillstand verkündet. 1919 ging Wilson selbst nach Versailles, um an der Ausarbeitung des Friedensvertrages teilzunehmen. Obwohl er von den Massen in den alliierten Hauptstädten bejubelt wurde, war seine internationalen Zielsetzungen im eigenen Land weniger populär. Seine Vorstellung vom Völkerbund wurde in den Friedensvertrag von Versailles integriert, aber der US-Senat ratifizierte den Vertrag nicht, und die Vereinigten Staaten beteiligten sich nicht am Völkerbund.

Die Mehrheit der Amerikaner trauerte dem abgelehnten Vertrag nicht nach. Sie wandten sich nach innen, und die Vereinigten Staaten zogen sich aus den europäischen Angelegenheiten zurück. Zur gleichen Zeit entwickelten die Amerikaner eine Feindseligkeit gegenüber Fremden in ihrer Mitte. 1919 führte eine Reihe terroristischer Bombenanschläge zur “Red Scare”. Im Auftrag von Justizminister A. Mitchell Palmer wurden politische Versammlungen gestürmt und mehrere Hundert im Ausland geborene politische Radikale deportiert, obwohl die meisten von ihnen keines Verbrechens schuldig waren. 1921 wurden zwei in Italien geborene Anarchisten, Nicola Sacco und Bartolomeo Vanzetti, aufgrund sehr zweifelhafter Beweise wegen Mordes verurteilt. Intellektuelle protestierten, aber 1927 wurden die beiden auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet. Der Kongress verabschiedete 1921 Einwanderungsbeschränkungen, die 1924 und 1929 weiter verschärft wurden. Diese Beschränkungen bevorzugten Einwanderer aus dem angelsächsischen Raum und nordischen Ländern.

Die Zwanzigerjahre waren eine außergewöhnliche und verwirrende Zeit, in der der Hedonismus parallel zum puritanischen Konservativismus existierte. Es war die Zeit der Prohibition: 1920 verbot ein Verfassungszusatz den Verkauf alkoholischer Getränke. Dennoch umgingen Konsumenten alkoholischer Getränke das Verbot in Tausenden von “Speakeasies” (illegalen Bars), während Kriminelle mit den Spirituosen illegale Vermögen machten. Die Wilden Zwanziger waren aber auch die Zeit des Jazz und spektakulärer Stummfilme sowie modischer Marotten wie Fahnenstangen-Sitzen und Goldfisch-Schlucken. Der Ku Klux Klan, eine rassistische Organisation, die nach dem Bürgerkrieg im Süden entstand, zog neue Anhänger an und terrorisierte Schwarze, Katholiken, Juden und Einwanderer. Zur gleichen Zeit wurde ein Katholik, der New Yorker Gouverneur Alfred E. Smith, demokratischer Präsidentschaftskandidat.

Für das Big Business waren die Zwanzigerjahre goldene Jahre. Die Vereinigten Staaten waren nun eine Konsumgesellschaft mit boomenden Märkten für Radios, Haushaltsgeräte, synthetische Textilien und Kunststoffe. Einer der Männer, die in diesem Jahrzehnt am meisten bewundert wurden, war Henry Ford, der das Fließband in Automobilfabriken eingeführt hatte. Ford konnte hohe Löhne zahlen und dennoch enorme Gewinne durch Massenproduktion des Model T erzielen, einem Auto, das sich Millionen Käufer leisten konnten. Für einen Augenblick schien es, als würden Amerikaner aus allem Geld machen können.

Aber der oberflächliche Wohlstand verdeckte tiefer liegende Probleme. Aufgrund der empor schnellenden Gewinne und niedrigen Zinsraten stand viel Geld für Investitionen zur Verfügung. Dennoch wurde ein Großteil für leichtsinnige Spekulationen auf dem Aktienmarkt eingesetzt. Hektische Gebote trieben die Preise weit über den realen Aktienwert hinaus. Investoren kauften Aktien “gegen Kredit”, indem sie sich bis zu 90 Prozent des Kaufpreises liehen. Die Blase platzte 1929. Der Aktienmarkt brach zusammen und löste eine Weltwirtschaftskrise aus.

DIE WELTWIRTSCHAFTSKRISE

Bis zum Jahre 1932 waren tausende amerikanische Banken und über 100.000 Unternehmen in Konkurs gegangen. Die Industrieproduktion verringerte sich um 50 Prozent, die Löhne sanken um 60 Prozent und einer von vier Arbeiternehmern war arbeitslos. In diesem Jahr wurde Franklin D. Roosevelt mit seinem Parteiprogramm “a New Deal for the American people” zum Präsidenten gewählt.

Das muntere Selbstbewusstsein Roosevelts elektrisierte die Nation. In seiner Antrittsrede sagte er: “Das einzige, wovor wir uns fürchten müssen, ist die Furcht selbst.” Er ließ diesen Worten entschlossene Taten folgen. Innerhalb von drei Monaten – den historischen “Einhundert Tagen” – peitschte Roosevelt eine große Anzahl von Gesetzen durch den Kongress, um der Volkswirtschaft wieder auf die Beine zu helfen. Neue Behörden wie das Civilian Conservation Corps und die Works Progress Administration schufen durch Straßenbauarbeiten, den Bau von Brücken, Flughäfen und Parks sowie öffentlichen Gebäuden Millionen von Arbeitsplätzen. Später wurden mit dem Sozialversicherungsgesetz (Social Security Act) Beitragszahlungen für die Alters- und Hinterbliebenenrenten eingeführt.

Roosevelts Programm New Deal beendete die Weltwirtschaftskrise nicht. Obwohl sich die wirtschaftliche Lage verbesserte, kam es erst zu einer vollständigen Erholung, als die Vereinigten Staaten vor dem Eintritt in den Zweiten Weltkrieg im Bereich Verteidigung drastisch aufrüsteten.

DER ZWEITE WELTKRIEG

1939 reagierten die Vereinigten Staaten wiederum zunächst mit Neutralität auf den Kriegsausbruch in Europa. 1941 führte aber die Bombardierung von Pearl Harbor durch die Japaner, einem Flottenstützpunkt auf Hawaii, zum Kriegseintritt der Vereinigten Staaten – zunächst gegen Japan und schließlich auch gegen seine Verbündeten Deutschland und Italien.

Amerikanische, britische und sowjetische Kriegsstrategen einigten sich darauf, zunächst Deutschland zu besiegen. Im November 1942 landeten britische und amerikanische Streitkräfte in Nordafrika, die 1943 über Sizilien auf das italienische Festland gelangten und am 4. Juni 1944 Rom befreiten. Zwei Tage danach – D-Day – landeten alliierte Streitkräfte in der Normandie. Am 24. August wurde Paris befreit und bis September hatten amerikanische Einheiten die deutschen Grenzen überquert. Am 5. Mai 1945 kapitulierte Deutschland schließlich.

Der Krieg gegen Japan fand im August 1945 ein plötzliches Ende, als Präsident Harry Truman befahl, Atombomben gegen die Städte Hiroshima und Nagasaki einzusetzen. Es wurden fast 200.000 Zivilisten getötet. Die Angelegenheit ruft noch immer hitzige Diskussionen hervor, die Begründung für den Einsatz der Bomben war allerdings, dass die Opferzahlen auf beiden Seiten sogar noch größer gewesen wären, wenn die Alliierten gezwungen gewesen wären, in Japan einzumarschieren.

DER KALTE KRIEG

Nach dem Krieg wurde ein neuer internationaler Kongress, die Vereinten Nationen, ins Leben gerufen, und diesmal traten die Vereinigten Staaten bei. Schon bald kam es zu Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und seinem Kriegsverbündeten, der Sowjetunion. Obwohl der sowjetische Führer, Josef Stalin, versprochen hatte, freie Wahlen in allen befreiten Nationen Europas zu unterstützen, setzten sowjetische Streitkräfte in Osteuropa kommunistische Diktaturen durch. Deutschland wurde in eine westliche Zone unter gemeinsamer britischer, französischer und amerikanischer Besatzung sowie eine östliche Zone unter sowjetischer Besatzung aufgeteilt. Im Frühjahr 1948 riegelten die Sowjets Westberlin in dem Versuch ab, die isolierte Stadt durch Aushungern zur Unterwerfung zu zwingen. Die Westmächte reagierten mit einer massiven Luftbrücke mit Lebensmitteln und Treibstoff, bis die Sowjets die Blockade im Mai 1949 aufhoben. Einen Monat zuvor hatten sich die Vereinigten Staaten mit Belgien, Kanada, Dänemark, Frankreich, Island, Italien, Luxemburg, den Niederlanden, Norwegen, Portugal und Großbritannien verbündet, um die North Atlantic Treaty Organization (NATO) zu gründen.

Am 25. Juni 1950 marschierten die nordkoreanischen Streitkräfte mit sowjetischen Waffen mit Stalins Billigung in Südkorea ein. Truman ließ sich umgehend von den Vereinten Nationen zusichern, dass Südkorea verteidigt werden würde. Der Krieg dauerte drei Jahre an, wobei die abschließende Regelung die Teilung Koreas vorsah.

Die sowjetische Kontrolle Osteuropas, der Koreakrieg sowie die Entwicklung von Atom- und Wasserstoffbomben in der Sowjetunion riefen bei Amerikanern Ängste hervor. Einige glaubten, dass die neue Verwundbarkeit der Nation von Verrätern im eigenen Land verursacht worden wäre. Der republikanische Senator Joseph McCarthy behauptete Anfang der Fünfzigerjahre, dass das Außenministerium und die US-Streitkräfte von Kommunisten unterwandert seien. McCarthy wurde schließlich diskreditiert. In der Zwischenzeit waren jedoch Karrieren zerstört worden, und die Amerikaner hatten fast einen grundlegenden amerikanischen Wert vergessen: Toleranz gegenüber anderen politischen Meinungen.

Von 1945 bis 1970 erlebten die Vereinigten Staaten eine lange Periode wirtschaftlichen Wachstums, das lediglich durch schwache und kurze Phasen der Rezession unterbrochen wurde. Zum ersten Mal in der Geschichte erfreute sich eine Mehrheit der Amerikaner eines angenehmen Lebensstandards. 1960 verfügten 55 Prozent aller Haushalte über eine Waschmaschine, 77 Prozent besaßen ein Auto, 90 Prozent hatten einen Fernseher und fast 100 Prozent einen Kühlschrank. Zur gleichen Zeit bewegte sich die Nation langsam in Richtung ethnischer Gleichberechtigung.

1960 wurde John F. Kennedy zum Präsidenten gewählt. Jung, energetisch und gut aussehend versprach er, dass nach der achtjährigen Präsidentschaft von Dwight D. Eisenhower, dem alternden General des Zweiten Weltkriegs “das Land wieder in Gang kommen würde”. Im Oktober 1962 sah sich Kennedy, wie sich später herausstellte, mit der schwersten Krise des Kalten Krieges konfrontiert. Die Sowjetunion wurde bei der Stationierung atomarer Raketen auf Kuba ertappt, die dicht genug waren, um innerhalb von Minuten amerikanische Städte zu erreichen. Kennedy setzte gegen die Insel eine Seeblockade ein. Der sowjetische Regierungschef Nikita Chruschtschow willigte im Gegenzug für das amerikanische Versprechen, nicht auf Kuba einzumarschieren schließlich ein, die Raketen zu entfernen.

Im April 1961 erzielten die Sowjets eine Reihe von Erfolgen im All, indem sie den ersten Mann in die Erdumlaufbahn brachten. Präsident Kennedy reagierte mit dem Versprechen, dass die Amerikaner vor dem Ende des Jahrzehnts auf dem Mond spazieren gehen würden. Das Versprechen wurde im Juli 1969 eingelöst, als der Astronaut Neil Armstrong aus der Mondlandefähre Apollo 11 herauskam und auf die Oberfläche des Mondes trat.

Kennedy erlebte diesen Höhepunkt nicht mehr. Er war 1963 ermordet worden. Er war kein Präsident, der bei allen beliebt war, aber sein Tod war ein schrecklicher Schock für das amerikanische Volk. Sein Nachfolger, Lyndon B. Johnson, brachte eine Reihe neuer Gesetze durch den Kongress, die ein neues Sozialprogramm begründeten. Johnsons “Kampf gegen Armut” (“War on Poverty”) schloss die Vorschulausbildung für arme Kinder, die Berufsausbildung für Schulabbrecher und Gemeindedienste für Jugendliche aus Slums ein.

Der Vietnamkrieg nahm Johnson während seiner sechsjährigen Amtszeit zunehmend in Anspruch. Bis 1968 kämpften 500.000 amerikanische Soldaten in diesem kleinen Land, das den meisten von ihnen zuvor kaum bekannt war. Obwohl die Politiker den Krieg als Teil einer notwendigen Anstrengung sahen, dem Kommunismus an allen Fronten Einhalt zu gebieten, sah eine wachsende Zahl Amerikaner keine wichtigen amerikanischen Interessen durch das berührt, was mit diesem Land geschah. Demonstrationen, auf denen gegen das amerikanische Engagement protestiert wurde, gingen von Universitäten aus, und es kam zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Studenten und der Polizei. Die Ablehnung des Krieges weitete sich aus und führte zu einer ganzen Reihe von Protesten gegen Ungerechtigkeit und Diskriminierung.

Durch seine wachsende Unpopularität gekränkt, entschied sich Johnson gegen die Kandidatur für eine zweite Amtszeit. 1968 wurde Richard Nixon zum Präsidenten gewählt.

Er verfolgte eine Politik der “Vietnamisierung” und ersetzte Schritt für Schritt amerikanische Soldaten durch Vietnamesen. 1973 unterzeichnete er einen Friedensvertrag mit Nordvietnam und brachte amerikanische Soldaten nach Hause. Nixon erzielte zwei weitere diplomatische Erfolge: Wiederherstellung der Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Volksrepublik China sowie die Verhandlung des ersten Vertrags zur nuklearen Rüstungsbegrenzung (Strategic Arms Limitation Treaty – SALT) mit der Sowjetunion. 1972 gewann er problemlos die Wiederwahl.

Während des Präsidentschaftswahlkampfes wurden jedoch fünf Männer wegen des Einbruchs in die Parteizentrale der Demokraten im Watergate-Gebäude in Washington festgenommen. Journalisten, die den Vorfall untersuchten, fanden heraus, dass die Einbrecher Mitarbeiter in Nixons Wiederwahlkomitee waren. Das Weiße Haus verschlimmerte die Situation noch, indem versucht wurde, die Verbindung zum Einbruch zu verschleiern.

Schließlich zeigten jedoch Tonbandaufzeichnungen, die vom Präsidenten selbst gemacht worden waren, dass er in die Vertuschung verwickelt war. Im Sommer des Jahres 1974 war klar, dass der Kongress kurz davor stand, ihn des Amtes zu entheben und zu verurteilen. Am 9. August trat Richard Nixon als der bisher einzige US-Präsident von seinem Amt zurück.

JAHRZEHNTE DES WANDELS

Nach dem Zweiten Weltkrieg wechselte die Präsidentschaft zwischen Demokraten und Republikaner, wobei die Demokraten meist über die Mehrheiten im Kongress verfügten – sowohl im Repräsentantenhaus als auch im Senat. 26 Jahre aufeinander folgender demokratischer Regierung endeten 1980 als die Republikaner die Mehrheit im Senat gewannen und gleichzeitig der Republikaner Ronald Reagan zum Präsidenten gewählt wurde. Dieser Wechsel markierte den Anfang einer Unbeständigkeit, die seither das amerikanische Wählerverhalten charakterisiert hat.

Wie auch immer die Haltung gegenüber der Politik Reagans war, die Mehrheit der Amerikaner rechneten ihm hoch an, dass er sein Land mit Stolz sowie Optimismus erfüllte. Wenn es einen zentralen Leitfaden in seiner Innenpolitik gab, war es der, dass der Regierungsapparat auf nationaler Ebene zu groß und die Bundessteuern zu hoch geworden waren.

Trotz des wachsenden Defizits im Bundeshaushalt begann 1983 eine der längsten Wachstumsphasen in der US-Wirtschaft seit dem Zweiten Weltkrieg. 1986 erlitt die Reagan-Regierung jedoch eine Niederlage als die Demokraten wieder die Mehrheit im Senat stellten. Die schwerwiegendsten Enthüllungen dieser Zeit waren die geheimen Waffenverkäufe der Vereinigten Staaten an Iran, mit denen die Freiheit amerikanischer Geiseln, die im Libanon festgehalten wurden, bewirkt werden sollte sowie die Finanzierung regierungsfeindlicher Kräfte in Nicaragua – in einer Zeit, in der der Kongress derartige Hilfe untersagt hatte. Trotz dieser Enthüllungen genoss Reagan während seiner zweiten Amtszeit weiterhin großes Ansehen.

Sein Nachfolger wurde 1988 der Republikaner George Bush, der von der Popularität Reagans profitierte und viele seiner politischen Vorhaben fortsetzte. Als der Irak 1990 in das an Öl reiche Kuwait einmarschierte, stellte Bush eine multinationale Koalition zusammen, die Anfang 1991 Kuwait befreite.

1992 waren die amerikanischen Wähler jedoch wiederum unruhig geworden. Die Wähler machten Bill Clinton, einen Demokraten, zum Präsidenten, nur um zwei Jahre später wieder umzuschwenken und den Republikanern sowohl im Repräsentantenhaus als auch im Senat ihre erste Mehrheit seit 40 Jahren zu verschaffen. Währenddessen brachen diverse andauernde Debatten aus: zwischen Befürwortern einer starken Bundesregierung und Anhängern der Dezentralisierung der Macht, zwischen Befürwortern von Gebeten an staatlichen Schulen und Verteidigern der Trennung von Kirche und Staat, zwischen jenen, die sich für eine schnelle und sichere Bestrafung von Straftätern aussprachen und jenen, die gegen die Ursachen der Kriminalität vorgehen wollten. Beschwerden über den Einfluss von Geld auf politische Wahlkämpfe regten eine Bewegung an, die die Anzahl der möglichen Amtszeiten von gewählten Regierungsvertretern begrenzen wollte. Dies und weitere Kritik am System führte zur Bildung der stärksten Bewegung einer Dritten Partei seit Generationen – sie wurde vom texanischen Geschäftsmann H. Ross Perot angeführt.

Obwohl die Volkswirtschaft Mitte der Neunzigerjahre stark war, beunruhigten zwei Phänomene viele Amerikaner. Unternehmen griffen immer häufiger auf einen Prozess zurück, der als downsizing bezeichnet wurde: Die Reduktion der Anzahl der Arbeitnehmer zur Kostensenkung; trotz der Probleme die das für die Arbeitnehmer mit sich brachte. In vielen Branchen war die Kluft zwischen der jährlichen Vergütung eines leitenden Angestellten einer Aktiengesellschaft und dem Einkommen eines durchschnittlichen Arbeitnehmers gewaltig geworden. So machte sich sogar die Mehrheit der Amerikaner, die über materiellen Wohlstand verfügten, Sorgen um den Rückgang der Lebensqualität, den Zusammenhalt von Familien, die nachbarschaftlichen Beziehungen sowie die Umgangsformen. Amerikaner bleiben vielleicht weiterhin die optimistischsten Menschen auf der Welt, aber mit dem nahenden Ende des Jahrhunderts spiegeln Meinungsumfragen weniger Optimismus wider als gewöhnlich.

Originaltext: Toward the City on a Hill – A brief history of the United States

Die Vereinigten Staaten und Europa: Die Freiheitsagenda gemeinsam voranbringen

BALTIMORE – (AD) – Nachfolgend veröffentlichen wir die unwesentlich gekürzte Rede des Abteilungsleiters für europäische und eurasische Angelegenheiten im US-Außenministerium, Daniel Fried, vor dem Rat für auswärtige Angelegenheiten vom 18. Januar 2006.

Es ist mir eine Ehre, hier bei Ihnen zu sein. Es ist gut, eine Gelegenheit zum Gespräch über die Strategie der Vereinigten Staaten auf der Welt und unser Bündnis mit Europa bei der Umsetzung zu haben. Wir müssen über die Tagesmeldungen in den Medien und das politische Tagesgeschäft hinaus blicken. Das Schwierigste an unserem strategischen außenpolitischen Denken ist es, den Unterschied zwischen den Schlagzeilen und dem, was zählt zu verstehen, zwischen der dringlichen Aufgabe des Tages und dem, was man wirklich zu tun versucht. Wie meine Chefin, Condoleezza Rice gesagt hat, besteht Strategie darin zu verstehen, welchen Weg die Geschichte einschlägt und sich dann dahinter zu stellen und sie anzustoßen.

Meines Erachtens, und das wird auch das Thema meiner Rede heute Abend sein, bewegt sich die Geschichte in die Richtung der Freiheit, und die Rolle der Vereinigten Staaten besteht darin, sich hinter die Freiheit zu stellen, und sie in der Tat anzustoßen. Die amerikanische Unterstützung für die Freiheit ist die Grundlage für die Außenpolitik der Regierung Bush. Von den aufkeimenden Demokratien entlang der europäischen Grenzen zur Freiheit und den Reformern in China bis zu den befreiten Menschen in Afghanistan und im Irak zu den Menschen im Iran, die Freiheit verdienen, ist die Unterstützung der Freiheit eine Aufgabe für die Vereinigten Staaten und die internationale Gemeinschaft. Ich habe gesagt, dass die Unterstützung der Freiheit zentraler Bestandteil der Außenpolitik der Regierung Bush ist, und so ist es auch, aber ich bin auch der Meinung, dass die Unterstützung der Freiheit bereits seit den machtpolitischen Anfängen der Vereinigten Staaten zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein dauerhaftes Thema der amerikanischen Außenpolitik gewesen ist. Die Unterstützung der Freiheit ist nicht lediglich eine Taktik oder ein Werkzeug der amerikanischen nationalen Sicherheitspolitik, sie ist DAS Kernkonzept unserer nationalen Gesamtstrategie und ist dies meines Erachtens bereits seit über einem Jahrhundert.

Das ist ein Punkt. Mein zweiter Punkt heute Abend ist, dass die Vereinigten Staaten die Freiheit nicht alleine voranbringen können. Und wir sind auch nicht alleine. Europa und die Vereinigten Staaten sind bei dieser großen Aufgabe im Wesentlichen geeint. Gemeinsam setzen wir die politischen, wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Ressourcen der transatlantischen Gemeinschaft außerhalb von Europa zur Unterstützung der Freiheitssuchenden auf der ganzen Welt ein.

Die konzertierten Anstrengungen freier Nationen

Vielleicht fragen sich viele unter Ihnen inzwischen, warum ich das transatlantische Einvernehmen in diesem Maße betone, angesichts der vielen Dinge, die über die so genannte Krise des transatlantischen Bündnisses geschrieben wurden.

Außenministerin Rice und unser Chef, Präsident Bush, glauben an dieses Bündnis. In seiner zweiten Amtseinführungsrede sagte der Präsident sehr deutlich: “Alle Bündnispartner der Vereinigten Staaten können wissen, dass wir Ihre Freundschaft honorieren, Ihren Rat brauchen und auf Ihre Hilfe angewiesen sind. Die gemeinsamen Anstrengungen der freien Nationen zur Förderung der Demokratie sind der Beginn der Niederlage unserer Feinde.” Das möchte ich wiederholen: Die gemeinsamen Anstrengungen der freien Nationen zur Förderung der Demokratie sind der Beginn der Niederlage unserer Feinde.”

Seit der zweiten Amtseinführungsrede des Präsidenten, in der die Freiheitsagenda dargelegt wurde, haben wir entscheidende Fortschritte bei der Umsetzung dieser “gemeinsamen Anstrengungen freier Nationen” im Sinne der Agenda weltweiter Maßnahmen gemacht.

Erst vorige Woche haben Sie Bundeskanzlerin Merkel im Weißen Haus neben Präsident Bush gesehen, wie sie ihre Verpflichtung zur transatlantischen Einheit bei der Bewältigung der Herausforderung durch den Iran und der solidarischen Förderung der Freiheit auf der ganzen Welt erklärte.

Am Tag vor dem Besuch der Bundeskanzlerin in Washington war ich in Österreich und traf mich mit meinen Kollegen aus den 25 Mitgliedstaaten der Europäischen Union. Wir erörterten, wie wir die Freiheit in Weißrussland fördern, sie in der Ukraine konsolidieren und die Kräfte der Freiheit in anderen Ländern unterstützen könnten.

Vorigen November trafen sich die europäischen Außenminister mit Außenministerin Rice und Kollegen aus dem Nahen und Mittleren Osten beim “Forum für Zukunft” in Bahrain, um ihre Unterstützung für demokratische Reformen und Reformer in dieser Region zuzusagen. Im Dezember trafen sich die NATO-Außenminister in Brüssel, um die erweiterte Mission der NATO für mehr Sicherheit in Afghanistan zu billigen.

Das ist die Realität der transatlantischen Kooperation heute; Bundeskanzlerin Merkels Erklärung über gemeinsame Zielsetzungen ist der Tenor der europäischen Regierungen uns gegenüber, so dass ein starkes Europa in Partnerschaft mit den Vereinigten Staaten handeln kann. Was wir nicht mehr hören sind die Stimmen, die ein starkes Europa als Gegengewicht zu den Vereinigten Staaten fordern – als Ausgleich für die wirtschaftliche, politische und militärische Macht der Vereinigten Staaten. Trotz der Debatten der Jahre 2003 und 2004 über den Irak entwickelt sich meines Erachtens ein transatlantischer Konsens, dass unsere gemeinsamen Interessen nicht von unseren gemeinsamen Werten getrennt werden können, dass demokratische Regierungsführung eine größere Legitimität hat als andere Regierungsformen, und dass dies überall auf der Welt gilt. Mehr noch, es existiert ein zunehmender Konsens, dass Zweck der Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten und Europa nicht lediglich die Lösung von Problemen oder die Regulierung wertfreien Wettbewerbs ist, sondern die Unterstützung gemeinsamen Handelns im Streben nach Freiheit.

Mir ist die Skepsis der europäischen Öffentlichkeit gegenüber den Vereinigten Staaten und, offen gesagt, gegenüber der derzeitigen Regierung, schmerzlich bewusst. Skeptiker schaffen es von Natur aus in die Schlagzeilen. Die Medien haben gelegentlichen reißerischen Ergebnissen von Meinungsumfragen, die Spaltungen, Trennungen, Gräben und gegenseitige Skepsis zwischen Amerikanern und Europäern widerspiegeln, lange mehr als genug Aufmerksamkeit gewidmet. Aber die meisten haben andere, hoffnungsvollere Zeichen übersehen. Laut einer im September veröffentlichten Meinungsumfrage des German Marshall Fund unterstützt eine deutliche Mehrheit der europäischen Öffentlichkeit – 74 Prozent – gemeinsame europäisch-amerikanische Maßnahmen zur Förderung der Demokratie auf der Welt. Die gleiche Meinungsumfrage zeigte zwar den europäischen Wunsch nach dem “Status einer Supermacht”, allerdings wollen die Europäer, dass ihre “Supermacht” gemeinsam mit den Vereinigten Staaten deren oberstes außenpolitisches Ziel verfolgt – die Förderung der Freiheit.

Maßnahmen zur Förderung der Freiheit

Nun, reden lässt es sich natürlich einfach. Und auch Theorien sind leicht aufzustellen. Theorien sind in dem Maße nützlich, in dem sie zu nützlichen Handlungen führen, und es ist an der Zeit, die Theorie im Dienste der Freiheit umzusetzen. Das ist unser Ziel für 2006.

Ich möchte Ihnen über die Maßnahmen der Vereinigten Staaten und Europas zur Förderung der Freiheit berichten und kurz darlegen, was wir dieses Jahr gemeinsam zu erreichen hoffen.

Auf dem Balkan hat die so genannte Kontaktgruppe, die sich aus den Vereinigten Staaten, Russland und zentralen Ländern Europas zusammensetzt, nicht darauf gewartet, von der nächsten Katastrophe überrollt zu werden, sondern Bestrebungen zur Beantwortung der letzten großen offenen Frage in dieser Region initiiert, nämlich der nach dem endgültigen Status des Kosovo. Teil dieser Bestrebungen ist auch die Förderung der Aussichten Bosniens, Kroatiens, Mazedoniens, Albaniens sowie Serbien und Montenegros auf eine Zukunft in der Europäischen Union, wenn sie die Bedingungen erfüllen. Über die letzten Monate wurde der Weg dafür bereitet, und 2006 werden wir – die Vereinigten Staaten und Europa – gemeinsam Stärke zeigen müssen, um den Balkan von der Nachkriegszeit in die Vorbeitrittszeit zu leiten.

In Osteuropa und Eurasien haben die Vereinigten Staaten und Europa gemeinsam an der Unterstützung und nun der Konsolidierung der Demokratie in der Ukraine, in Georgien und Kirgisistan gearbeitet, den Menschen in Weißrussland geholfen, Demokratie zu erreichen und Länder wie Aserbaidschan und Kasachstan ermutigt, sich bestimmt und beständig in Richtung Demokratie zu bewegen.

Im Jahr 2006 müssen wir bereit sein, unseren Freunden – wie Präsident Saakaschwili aus Georgien und Präsident Juschtschenko aus der Ukraine – zur Seite zu stehen, wenn sie unter Druck geraten, wie es manchmal geschieht, und unsere Freunde zu drängen, auch in schwierigen Zeiten ihre Reformen durchzuführen.

Gerade in den letzten Wochen haben wir gesehen, wie real dieser Druck ist. Am Neujahrstag unterbrachen die Russen die Erdgaslieferung an die Ukraine – allem Anschein nach, um politischen Druck auszuüben. Dies warf neue Fragen bezüglich der Absichten Russlands gegenüber seinen Nachbarn auf sowie der Bereitschaft, seiner Verantwortung als wichtiger, verlässlicher Energielieferant nachzukommen. Die klare und rasche Reaktion Europas und der Vereinigten Staaten beschwichtigte diese Krise für den Augenblick und zeigte sowohl Russland als auch der Ukraine, welche Schritte sie zu unternehmen haben. Die Vereinigten Staaten und Europa werden 2006 mit willigen Partnern in der Region, hoffentlich mit Russland und den Gasproduzenten Zentralasiens, zusammenarbeiten müssen, um Transparenz, wirkliche marktwirtschaftliche Grundsätze und Offenheit in den europäischen und eurasischen Energiemarkt zu bringen.

In Eurasien werden wir Klarheit bezüglich unserer Ziele demonstrieren müssen – Demokratie und durch Demokratie Stabilität und gestärkte Souveränität. Gleichzeitig müssen wir realistisch bleiben in unseren Annahmen, was wir in einem gegebenen Jahr und bei einer gegebenen Wahl erreichen können.

2006 müssen wir bereit sein, Freiheit gegenüber Diktatoren zu vertreten.

In Usbekistan standen die Vereinigten Staaten vorigen Sommer vor der Wahl. Wir hätten unseren militärischen Stützpunkt in Karschi-Khanabad behalten können, wenn wir den Versuch von Präsident Karimow, 450 Flüchtlinge nach den Vorfällen in Andijon festzuhalten, ignoriert hätten. Wir hätten eine wichtige Einrichtung zur Unterstützung unserer Einsätze in Afghanistan retten können, wenn wir unsere Reaktion auf Menschenrechtsverletzungen abgemildert hätten. Wir hätten das tun können, haben wir aber nicht. Wir haben uns für die Rettung von Leben entschieden und gegen die Diktatur. Der Druck auf Taschkent kam nicht nur aus Washington, sondern auch von Großstädten aus ganz Europa. Als es darum ging, die usbekischen Flüchtlinge aus der Gefahrenzone zu bringen, öffnete die Regierung Rumäniens ihre Türen. Amerikaner und Europäer zeigten also wieder ihr Engagement für die gleichen Ziele.

In Bezug auf Weißrussland stehen wir mit unserem Ruf nach Wahlen im März an der Seite der Europäischen Union. Während die Länder entlang der Grenzen zur Freiheit ihre Gesellschaft öffnen und wieder Anschluss an diese Welt finden, weiß die Regierung Weißrusslands, dass sie zur Isolation verdammt ist, wenn sie weiterhin versucht, die Stimmen der Freiheit zu ersticken. In Bezug auf Weißrussland besteht Geschlossenheit zwischen Europäern und Amerikanern.

Die transatlantische Zusammenarbeit konzentriert sich auch auf den Nahen Osten. Wir haben die Friedensbestrebungen zwischen Israelis und Palästinensern weiter vorangebracht, als man in Europa je für möglich gehalten hätte. Der Rückzug Israels aus dem Gazastreifen und die Öffnung des Grenzübergangs Rafah – wobei die Europäische Union im Übrigen zentrale sicherheitspolitische Verantwortung übernimmt – gibt dem palästinensischen Volk die Möglichkeit, ihren zukünftigen Staat nicht lediglich theoretisch, sondern praktisch aufzubauen. Jetzt stehen wir bereit, den Palästinensern bei der Entwicklung der effektiven Instrumente der Regierungsführung behilflich zu sein, die sie für den souveränen Staat benötigen, den sie anstreben und verdienen.

Die NATO als Kern der globalen demokratischen Sicherheitsgemeinschaft

Die NATO steht im Mittelpunkt der globalen demokratischen Sicherheitsgemeinschaft. Die NATO ist außerdem ein Ort, an dem transatlantische Macht – und ich meine Macht im weitesten Sinne, einschließlich politischer, wirtschaftlicher und moralischer Macht – in Taten umgesetzt wird. Wir haben den Weg zur Stärkung der NATO und zu ihrer Ausstattung mit den erforderlichen Werkzeugen zur Sicherung und Förderung der Freiheit dargelegt. Die Aufgaben, die die NATO während des Kalten Kriegs hatte, verändern sich weiterhin radikal. Als die Mauer fiel, war die NATO wunderbar darauf vorbereitet, einen großen Krieg in Europa auszutragen, hatte aber noch nie einen Schuss in einer Auseinandersetzung abgefeuert. Ständig wurde kommentiert, die NATO sei aus dem Geschäft. Und es gab energische Debatten darüber, ob die NATO jemals “out of area” handeln solle, also außerhalb Europas.

Die NATO ist heute ein Bündnis in Aktion, das überall auf der Welt Operationen durchführt – in Afghanistan, im Irak, dem Mittelmeerraum und auf dem Balkan – und somit die transatlantische Sicherheit unterstützt. Die Mission der Internationalen Schutztruppe (ISAF) in Afghanistan veranschaulicht die Fähigkeiten, die das Bündnis entwickelt hat – und unterstützt dabei die Anstrengungen der Regierung von Präsident Karsai, Freiheit und Sicherheit in der Nation aufzubauen, noch während die Vereinigten Staaten und andere Koalitionspartner die Überbleibsel der Taliban und ihre terroristischen Verbündeten bekämpfen.

Auf dem NATO-Gipfeltreffen in Riga im November müssen wir der NATO die Instrumente an die Hand geben, die sie für ihre Aufgabe benötigt.

“Gemeinsames Vorgehen” im Irak

Lassen Sie mich jetzt auf drei weitere Themen eingehen, die im kommenden Jahr in den transatlantischen Beziehungen große Aufmerksamkeit erfordern werden.

Im Irak finden nach den Wahlen im Dezember verstärkt politische Debatten und Machtrangeleien statt. Wir neigen oft dazu, nur die aktuellen Nachrichten zu sehen, aber wenn man einen Schritt zurück tritt und sich das vergangene Jahr ansieht, wird deutlich, dass der Irak eine bemerkenswerte politische Wandlung durchgemacht hat.

In den Vereinigten Staaten ist die Debatte über den Irak auf eine Weise eskaliert, die ich verständlich finde – ich bin froh, in einem Land zu leben, in dem über das Thema Krieg oder Frieden debattiert wird – aber sie erscheint oft von den Fortschritten vor Ort abgekoppelt. In der Zwischenzeit hat sich die Debatte in Europa auf interessante Weise und, offen gestanden, in eine willkommene Richtung weiterentwickelt. Ich höre immer mehr Ansichten wie die von Bundeskanzlerin Merkel, die sowohl Amerikanern, als auch Europäern in Erinnerung rief, dass ein demokratischer Irak in jedermanns Interesse ist. Sogar französische Regierungsbeamte wie der französische Premierminister Dominique de Villepin sagen jetzt, dass die internationale Gemeinschaft “gemeinsam vorgehen” muss, um Erfolg zu gewährleisten.

Wenn man sich den Verlauf der Debatte zwischen Amerikanern und Europäern zum Thema Irak ansieht und Deutsche und Franzosen jetzt solche Ansichten äußern, haben wir offensichtlich eine neues Kapitel aufgeschlagen.

Wie unsere Meinungsverschiedenheiten mit Europa in der Vergangenheit bezüglich der Entscheidung, Saddam Hussein zu entmachten, auch geartet waren – die Europäer haben jetzt erkannt, dass ein Misserfolg der Demokratie im Irak ein ernster Rückschlag für unsere gemeinsame Sicherheit und die Aussicht auf Reformen und Stabilität im Nahen Osten wäre. Erfolg im Irak würde dagegen den Grundstein für eine Förderung der Freiheitsagenda überall in der Region legen.

Aber Worte sind nicht genug. Es ist wichtig, dass die Europäer als Folge dieser Erkenntnis auch handeln. Die neue irakische Regierung nimmt Form an und wird die demokratischste Regierung der Region sein, von den Menschen für die Menschen dieser Nation gewählt, die so lange gelitten hat. Diese neue Regierung verdient unsere Unterstützung sowie die Unterstützung demokratischer Verbündeter überall auf der Welt. Die Europäer haben die Chance, die Iraker und ihre gewählte Regierung vollständig zu unterstützen. Diese Unterstützung kann zahlreiche Formen annehmen – militärische Hilfe, Kapazitätenaufbau, politische Hilfe – aber sie muss großzügig sein.

Agenda der Hoffnung in Iran

In den vergangenen Wochen hat die Geduld der Amerikaner, Europäer sowie der gesamten internationalen Gemeinschaft mit Iran ihr Ende erreicht. Während des vergangenen Jahres haben wir eng mit den EU3 zusammengearbeitet – Frankreich, Deutschland, Großbritannien – um das iranische Atomwaffenprogramm einzuschränken und einen Weg in die Zukunft zu finden. Wir teilen die Einschätzung der Europäer, aber das iranische Regime agiert in seiner eigenen Welt.

Das Streben von Iran nach Atomwaffen ist alarmierend. Aber das Problem ist größer. Das Regime in Teheran ist nicht nur entschlossen, Atomwaffen zu entwickeln; es unterstützt auch den Terrorismus. Es unterstützt nicht nur den Terrorismus, sondern steht der Demokratie im Allgemeinen feindlich gegenüber. Ahmadinedschads bizarre Äußerungen darüber, Israel zu zerstören, erinnern an eine andere Ära. Einerseits handelt es sich bei der iranischen Regierung um eine weitere Diktatur, die ihre Herrschaft legitimieren will, indem sie eine eingebildete Bedrohung öffentlich propagiert. Andererseits handelt es sich auch um eine Diktatur, die den Islam – eine Religion, der die Vereinigten Staaten mit größtem Respekt gegenüberstehen – als Entschuldigung missbrauchen will, Drohungen und Gewalt zu rechtfertigen. In seiner derzeitigen antisemitischen, den Holocaust leugnenden Form erscheint dieser Fanatismus jedoch genauso vertraut wie hässlich.

Diese Hässlichkeit widerspricht der Ehre und dem Respekt, die wir den Iranern entgegenbringen. Außenministerin Rice sagte vergangene Woche: “Hier geht es um das iranische Regime, und es ist das iranische Regime, das Iran isoliert.” Außerdem sagte sie: “Die Iraner verdienen ehrlich gesagt etwas Besseres.”

Wir müssen also in der Tat eine Unterscheidung treffen. Haben sich die Iraner für die zunehmende internationale Isolation entschieden? Unterstützen sie das Regime und seine hasserfüllte Sprache? Wir sollten das nicht annehmen. Iran ist das Land einer großartigen Zivilisation, von Menschen mit einer ruhmreichen Vergangenheit und, so hoffen wir, einer ebenso ruhmreichen Zukunft.

Um eine Parallele zu ziehen: wir haben den Kalten Krieg nicht gegen die Völker der unterdrückten Nationen geführt. Wir wussten, dass die kommunistischen Regime nicht mit ihren Einwohnern gleichzusetzen waren. Ebenso wenig sollten wir heute akzeptieren, dass Theokratie und Isolation das Schicksal oder der Wunsch der Iraner sind. Der internationale Druck auf das Regime wird sich 2006 möglicherweise erhöhen. Das sollte auch so sein, aber die Demokratien der Welt sollten gleichzeitig den Iranern die Hand reichen. Zusätzlich zu unseren Bestrebungen, uns des Atomproblems anzunehmen, sollten die Vereinigten Staaten und Europa Iran 2006 eine Agenda der Hoffnung anbieten.

Nicht weit weg von Teheran, jenseits der westlichen Grenze, verwirklichen Schiiten und andere Volksgruppen im Irak ihre Ziele durch Demokratie. Die Veränderungen, die sich dort abspielen, die Hoffnung auf ein besseres Morgen, werden auch von den Iranern bemerkt.

Reformen im Nahen und Mittleren Osten

Das bringt mich zum dritten und letzten Thema der amerikanisch-europäischen Agenda: unsere gemeinsamen Anstrengungen zur Förderung von Reformen im Nahen und Mittleren Osten. Sie erinnern sich vielleicht – ich erinnere mich deutlich – an die Skepsis und sogar den Hohn, mit dem diese Initiative der Regierung vor zwei Jahren begrüßt wurde. Aber ebenso wie die europäischen Haltungen zum Thema Irak hat sich diese Skepsis verändert.

Kurz vor Thanksgiving reiste ich mit Außenministerin Rice nach Bahrain. Wir trafen dort mit hochrangigen Beamten und führenden Vertretern der Zivilgesellschaft aus Europa und der Region zusammen.

Was die führenden Vertreter der Zivilgesellschaft wie Saad Ibrahim aus Ägypten erzählten, war erstaunlich. Während zahlreiche Europäer bei der Diskussion über die Reformen im Nahen und Mittleren Osten eher zurückhaltend reagieren und zu große Erwartungen befürchten, hörten wir von den Bürgern der Region die zuversichtlichsten Worte und ehrgeizigsten Hoffnungen.

Die Frage ist: Stehen die Regierungen der Region diesen demokratischen Träumen mit demselben Enthusiasmus gegenüber? Vielleicht noch nicht. Aber es gibt Reformer, innerhalb und außerhalb der Regierung. Die Vereinigten Staaten und Europa, die beiden großen Zentren demokratischer Legitimität auf der Welt, stehen ihnen zur Seite. Unser Glaube an die Demokratie – unser Glaube an das naturgegebene Recht und die Sehnsucht jeder Frau, jedes Kindes und jedes Mannes, ihre beziehungsweise seine Zukunft zu bestimmen – sollte nicht hinter dem der Reformer in der Region zurückbleiben.

Lassen Sie uns 2006 den Reformern im Nahen und Mittleren Osten zur Seite stehen und ihnen bei ihren Reformen helfen. Wie Außenministerin Rice sagte, sollten wir mit ihnen zusammenarbeiten, um instabile Status quo, die keine Zukunft und wahrscheinlich oder vielmehr sicherlich keinen Zweck haben, zu verändern. Wir dürfen dabei nicht ungeduldig sein. Wir haben einen Prozess begonnen und müssen unseren Werten und jenen Menschen in der Region vertrauen, die diese Werte teilen.

Regierungen überschätzen oft, was kurzfristig erreicht werden kann. Aber wir unterschätzen auch, was wir langfristig erreichen können. Jene, die die dramatischen Veränderungen miterlebt haben, die innerhalb einer kurzen Zeitspanne in der Geschichte zu großen Veränderungen in Osteuropa geführt haben, wissen, dass der Status quo nicht für immer anhält. Im Nahen und Mittleren Osten haben wir etwas begonnen und müssen es auch fortführen.

Welchen Beitrag leistet Europa?

Bevor ich auf Ihre Anregungen eingehe, möchte ich noch ein Thema ansprechen.

Warum Europa? Welchen Beitrag leistet Europa? Was können wir mit Europa erreichen, das wir allein nicht schaffen?

Ich muss an dieser Stelle einräumen, wobei ich das Risiko eingehe, eine Debatte aus der jüngeren Vergangenheit erneut zu entzünden, dass unilaterale amerikanische Aktionen immer eine Option sind. Aber Sie und ich wissen, dass das nicht die beste Option ist. Wir und unsere Freunde überall auf der Welt, zuvorderst Europa, können und müssen mehr leisten.

Zusammen sind die Vereinigten Staaten und Europa eine gemeinsame demokratische Zivilisation mit gemeinsamen Werten. Zusammen bilden die Vereinigten Staaten und Europa ein Quorum demokratischer Legitimität. Das ist eher eine politische Beobachtung als eine rechtliche, aber ich bin der Meinung, sie ist zutreffend. Wenn wir entzweit sind, entsteht ein moralischer Nebel über den Ereignissen und ihrer Bedeutung. Wenn wir zusammenstehen, herrscht Klarheit. Die Freunde der Freiheit wollen, dass die Vereinigten Staaten und Europa zusammenstehen. Die Feinde der Freiheit hätten es lieber, wir würden im Nebel bleiben.

Haben wir bezüglich der anzuwendenden Taktik andere Ansichten als die Europäer? Gelegentlich. Und sie bezüglich unserer Taktik auch. Während des Kalten Krieges hatten wir nahezu jeden Tag unterschiedliche Ansichten. Aber unsere gemeinsame Strategie, die in gemeinsamen Werten verwurzelt ist, führte uns zum Sieg. In der derzeitigen Schlacht für die Freiheit, angesichts dieser neuesten Ausprägung totalitärer Ideologie, wird unsere aktuelle Strategie, die ebenso in diesen Werten verwurzelt ist, auch zum Sieg führen, wenn die Vereinigten Staaten und Amerika zusammenhalten.

Vielen Dank. Ich freue mich auf Ihre Anregungen.

Originaltext: State’s Fried Says United States, Europe United on Freedom Agenda

Umgestaltende Diplomatie

WASHINGTON (AD) – Nachfolgend veröffentlichen wir die unwesentlich gekürzte Rede von US-Außenministerin Condoleezza Rice an der Georgetown University vom 18. Januar 2006.

Vor nahezu einem Jahr skizzierte Präsident Bush in seiner zweiten Amtsantrittsrede eine Vision, die die Vereinigten Staaten heute auf der Welt leitet. Der Präsident sagte: “Es ist die politische Strategie der Vereinigten Staaten, demokratische Bewegungen und Institutionen in jedem Land und jeder Kultur zu suchen und ihre Entwicklung zu unterstützen, um letztendlich die Tyrannei auf der Welt zu beenden.” Um diese ehrgeizige Mission zu erfüllen, benötigen die Vereinigten Staaten eine ebenso ehrgeizige Diplomatie, eine Diplomatie die nicht nur darüber berichtet, wie die Welt ist, sondern danach strebt, die Welt zu verändern. Ich und andere haben diese Mission “umgestaltende Diplomatie” (transformational diplomacy) genannt. Heute möchte ich erklären, was dieses Prinzip beinhaltet und wie wir es in der Praxis umsetzen.

Wir leben in einer außerordentlichen Zeit, in der Jahrhunderte internationaler Präzedenzfälle umgestoßen werden. Gewaltsame Konflikte zwischen Großmächten sind heute unwahrscheinlicher denn je. Große Staaten stehen zunehmend in friedlichem Wettbewerb und bereiten sich nicht auf Krieg vor. Die Menschen in China, Indien, Südafrika, Indonesien und Brasilien rücken ihre Länder global in den Vordergrund. Reformen – demokratische Reformen – haben im Nahen Osten begonnen und verbreiten sich in der Region. Und die Vereinigten Staaten arbeiten mit ihren zahlreichen Partnern, insbesondere den Partnern in Europa, Asien, und anderen Teilen der Welt, die unsere Werte teilen, am Aufbau einer dauerhaften Form globaler Stabilität, einem Mächtegleichgewicht, das Freiheit begünstigt.

Zeitgleich haben andere Herausforderungen eine neue Dringlichkeit bekommen. Seit seinen Anfängen vor mehr als 350 Jahren beruhte das moderne Staatensystem stets auf dem Konzept der Souveränität. Es wurde immer davon ausgegangen, dass jeder Staat die von seinem Inneren ausgehenden Bedrohungen selbst kontrollieren und lenken kann. Es wurde auch angenommen, dass schwache und schlecht regierte Staaten lediglich eine Last für ihre eigenen Bürger darstellten, ein internationales humanitäres Problem, aber nie eine wirkliche Bedrohung der Sicherheit.

Heute jedoch sind diese alten Annahmen nicht mehr gültig. Neue Technologien lassen die Entfernung schwinden, die einst das Hier vom Dort drüben klar trennten. Zudem entstehen heute die größten Bedrohungen eher innerhalb von Staaten als zwischen Staaten. Heute spielt der grundlegende Charakter von Regimen eine wichtigere Rolle als die internationale Machtverteilung. In dieser Welt ist es nicht mehr möglich, zwischen unseren Sicherheitsinteressen, unseren Entwicklungsbestrebungen und unseren demokratischen Idealen klare und eindeutige Trennlinien zu ziehen. Die amerikanische Diplomatie muss alle diese Ziele als Ganzes betrachten und zusammen fördern.

Ich würde also das Ziel der umgestaltenden Diplomatie wie folgt definieren: Zusammenarbeit mit unseren zahlreichen internationalen Partnern, um demokratische Staaten mit einer guter Regierungsführung aufzubauen und zu erhalten, die auf die Bedürfnisse ihrer Bürger reagieren und sich innerhalb des internationalen Systems verantwortlich verhalten. Lassen Sie es mich ganz deutlich sagen: Die umgestaltende Diplomatie basiert auf Partnerschaft, nicht Bevormundung. Indem wir Dinge mit den Menschen tun, nicht für sie, wollen wir die diplomatische Macht der Vereinigten Staaten dafür einsetzen, ausländischen Bürgern bei der Verbesserung ihres Lebens, dem Aufbau ihrer Nationen und der Gestaltung ihrer Zukunft zu helfen.

In außergewöhnlichen Zeiten wie den heutigen, in denen sich der Boden der Geschichte selbst unter unseren Füßen verschiebt, müssen wir unsere diplomatischen Institutionen umstrukturieren und an neue diplomatische Zwecke anpassen. Diese Art der Herausforderung ist umfassend und schwierig, aber nicht beispiellos – die Vereinigten Staaten haben die gleiche Arbeit bereits in der Vergangenheit geleistet. Nach dem Zweiten Weltkrieg, als der Kalte Krieg sich verhärtete, konzentrierten wir unsere diplomatische Arbeit auf Europa und Teile Asiens. Wir stellten neue Leute ein. Wir lehrten sie neue Sprachen und bildeten sie neu aus. Wir wurden in Deutschland und Japan die Partner ehemaliger Gegner und halfen beim Wiederaufbau der Länder. Unsere Diplomatie trug maßgeblich zur Umwandlung zerstörter Länder in erfolgreiche demokratische Verbündete bei; Verbündete, die uns bei unseren Bestrebungen zur Verteidigung der Freiheit vor dem Kommunismus jahrzehntelang zur Seite standen.

Mit dem Ende des Kalten Krieges stellten sich die Vereinigten Staaten erneut neuen Herausforderungen. Wir eröffneten 14 neue Botschaften in den Ländern Mittel- und Osteuropas und versetzten 100 unserer Diplomaten, um sie zu besetzen. Unsere Bestrebungen halfen soeben befreiten Völkern, die Wesensart ihrer Länder zu verändern, und heute sind viele von ihnen auch Partner der Freiheit geworden, Mitglieder der NATO oder der Europäischen Union, was vor wenigen Jahren noch undenkbar gewesen wäre. Während des letzten Jahrzehnts setzten wir schließlich einen historischen Traum des 20. Jahrhunderts um: die Vision eines geeinten, freien und in Frieden lebenden Europas.

Während der vergangenen fünf Jahre führte mein Freund und Vorgänger Colin Powell die Frauen und Männer der amerikanischen Diplomatie ins 21. Jahrhundert. Er modernisierte die Technologie des US-Außenministeriums und strukturierte Dutzende unserer Einrichtungen im Ausland neu. Aber, was am wichtigsten war: Außenminister Powell investierte in die Menschen. Er schuf mehr als 2.000 neue Positionen, stellte tausende neue Mitarbeiter ein und bereitete sie darauf vor, die führenden Diplomaten der Zukunft zu werden.

Um heute auf internationaler Ebene die umgestaltende Diplomatie fördern zu können, müssen wir im Außenministerium erneut einer neuen Aufgabe unserer Zeit gerecht werden. Wir müssen damit beginnen, die diplomatischen Grundlagen zu legen, um für alle Menschen eine Zukunft in Freiheit zu gewährleisten. Wie die großen Herausforderungen der Vergangenheit werden auch die neuen Aufgaben, die wir übernehmen, nicht schnell gelöst werden. Die Neustrukturierung unserer Diplomatie und des Außenministeriums ist die Arbeit einer ganzen Generation. Aber es ist eine dringende Arbeit, die wir angehen müssen.

Um umgestaltende Diplomatie zu fördern, müssen wir unsere diplomatische Aufstellung verändern und tun dies bereits. Im 21. Jahrhundert prägen aufstrebende Länder wie Indien, China, Brasilien, Ägypten, Indonesien und Südafrika zunehmend den Lauf der Geschichte. Gleichzeitig zeichnen sich die neuen Fronten unserer Diplomatie deutlicher in den Schwellenländern in Afrika, Lateinamerika und im Nahen Osten ab. Unsere derzeitige globale Positionierung spiegelt diese Tatsache nicht wirklich wider. Beispielsweise ist das US-Außenministerium mit nahezu der gleichen Anzahl von Angestellten in Deutschland, einem Land mit 82 Millionen Einwohnern, vertreten, wie in Indien, einem Land mit einer Milliarde Einwohner. Wir sind uns heute darüber im Klaren, dass die Vereinigten Staaten damit beginnen müssen, ihre diplomatischen Ressourcen auf der Welt neu zu positionieren. In den nächsten Jahren werden wir daher damit beginnen, einige Hundert unserer diplomatischen Posten an neue Vertretungen zu verlegen, die für das 21. Jahrhundert von großer Bedeutung sind. Wir werden in diesem Jahr mit einer Sofortmaßnahme beginnen, im Rahmen derer wir 100 Posten in Europa und auch hier in Washington in Länder wie China, Indien, Nigeria und den Libanon verlagern, wo zusätzliche Arbeitskräfte zu wirklicher Veränderung führen werden.

Wir nehmen diese Veränderungen vor, indem wir existierende Ressourcen an unsere neuen Prioritäten anpassen, wir wollen aber auch enger mit dem Kongress zusammenarbeiten, um unsere globale Strategie mit neuen Ressourcen und Positionen zu ergänzen.

Wir werden zudem unseren regionalen und transnationalen Strategien mehr Bedeutung verleihen. Im 21. Jahrhundert sind geografische Regionen wirtschaftlich, politisch und kulturell immer enger miteinander verflochten. Dies schafft neue Chancen aber auch neue Herausforderungen, vor allem durch transnationale Bedrohungen wie den Terrorismus, die Verbreitung von Waffen, den Drogenschmuggel, die Verbreitung von Krankheiten sowie den Menschenhandel.
Der Aufbau regionaler Partnerschaften ist heute eine der Grundlagen unserer Strategie zur Bekämpfung des Terrorismus. Wir helfen Ländern, die den Terror bekämpfen wollen, aber bei der Umsetzung Unterstützung brauchen. Zudem arbeiten wir mit wichtigen regionalen Partnern wie Indonesien, Nigeria, Marokko und Pakistan zusammen, nicht nur, um den Kampf zum Feind zu bringen, sondern auch, um die Ideologie des Hasses zu bekämpfen, die Terror als Waffe einsetzt.

Wir werden beim Vorgehen gegen Krankheiten auch einen regionalen Ansatz verfolgen. Anstatt an jeder Botschaft zahlreiche Experten zu beschäftigen, werden wir jetzt kleine, flexible transnationale Netzwerke unserer Diplomaten einsetzen. Diese so genannten rapid response teams werden die Verbreitung von Pandemien auf ganzen Kontinenten überwachen. In unserer erweiterten Öffentlichkeitsarbeit verfolgen wir auch eine regionalere Strategie.

Im Nahen Osten erhält die große Mehrheit der Menschen, wie Sie wissen, ihre Nachrichten von regionalen Mediennetzwerken wie Al Jazeera, nicht aus einer lokalen Zeitung. Unsere Diplomaten müssen daher die amerikanische Politik nicht nur in übersetzten Namensartikeln, sondern auch in Liveauftritten im arabischen Fernsehen vor einem regionalen Publikum erklären. Um eben dies zu ermöglichen, schaffen wir ein regionales Zentrum für Öffentlichkeitsarbeit. Wir stationieren dort unsere Diplomaten mit den besten Arabischkenntnissen und koordinieren unsere breitangelegte Strategie für die Öffentlichkeitsarbeit sowohl für die Region als auch von der Region aus.

Unser drittes Ziel besteht darin, unsere diplomatische Aufstellung lokaler zu gestalten. Umgestaltende Diplomatie erfordert, dass wir unsere diplomatische Präsenz aus den Hauptstädten im Ausland auf eine breiter gefächerte Präsenz innerhalb von Ländern verlagern. Wir müssen an den Frontlinien der innenpolitischen Reformen und in den Hinterzimmern von ausländischen Außenministerien arbeiten. Weltweit gibt es nahezu 200 Städte mit mehr als einer Million Einwohner, in denen die Vereinigten Staaten keine diplomatische Vertretung haben. Dort spielt heute die Musik und dort müssen wir vertreten sein. Um Bürger in dynamischen neuen Ballungsräumen zu erreichen, können wir nicht immer neue Konsulate außerhalb der Hauptstadt eines Landes erbauen.

Eine neuere, wirtschaftlichere Idee ist etwas, das wir Präsenzposten (American Presence Post) nennen. Die Idee ist einfach. Einer unserer besten Diplomaten verlässt die Botschaft, um die Vereinigten Staaten in einer neu entstehenden, sich verändernden Gemeinde zu vertreten und auch dort zu leben. In Ländern wie Ägypten und Indonesien arbeiten wir bereits mit diesem Modell, und wollen sowohl die Größe als auch den Einsatzbereich dieses neuen Ansatzes erweitern.

Die wohl neueste und kostengünstigste Art, eine lokalere Positionierung umzusetzen, ist ein virtueller Präsenzposten (Virtual Presence Post). Hierbei erstellt und verwaltet einer unserer jüngeren Diplomaten eine Internetseite, die sich in ihrem Angebot auf wichtige Bevölkerungszentren konzentriert. Dieser digitale Treffpunkt ermöglicht es den Bürgern im Ausland, vor allem jungen Menschen, online mit amerikanischen Diplomaten zu interagieren, die hunderte von Meilen entfernt sein können. Es handelt sich um eine großartige Möglichkeit, mit Millionen von Menschen in Europa, Asien und Lateinamerika in Kontakt zu treten.

In der heutigen Welt werden unsere Diplomaten nicht nur an unterschiedlichen Orten, sondern in verschiedenen Gemeinden und unter verschiedenen Bedingungen arbeiten, wie etwa in Wiederaufbau- und Stabilisierungsmissionen, bei denen sie enger mit dem Militär zusammenarbeiten müssen.

Um die umgestaltende Diplomatie voranzubringen, geben wir unseren Diplomaten also die Möglichkeit, enger mit unseren Frauen und Männern in Uniform zusammenzuarbeiten.

Während der letzten 15 Jahre ist das gewaltsame Scheitern eines Staates zu einer größeren globalen Bedrohung geworden, und unser Militär musste einen unverhältnismäßig großen Teil der nach Konflikten zu leistenden Aufgaben übernehmen, weil wir über keine verfügbaren zivilen Kapazitäten verfügten, die vollständig zum Einsatz kommen konnten. Dies war in Somalia, Haiti, Bosnien und im Kosovo der Fall, und trifft teilweise auch noch im Irak und in Afghanistan zu.

Diese Erfahrungen haben uns die Notwendigkeit vor Augen geführt, unsere Fähigkeit zu verbessern, effektiver an den kritischen Schnittstellen der Diplomatie, an Demokratieförderung, dem wirtschaftlichen Wiederaufbau sowie der militärischen Sicherheit zu arbeiten. Deshalb hat Präsident Bush innerhalb des Außenministeriums das Büro für Wiederaufbau und Stabilisierung geschaffen. Erst vor kurzem hat Präsident Bush die Befugnisse und das Mandat dieses Büros erweitert. Der Kongress autorisierte das Pentagon, im Falle von Operationen nach Konflikten bis zu 100 Millionen Dollar für das Außenministerium bereitzustellen. Mit diesen finanziellen Mitteln können unsere Wiederaufbau- und Stabilisierungsmaßnahmen verstärkt werden. Für das neue Büro haben wir eine große Vision, und wir werden uns zweifelsfrei dafür einsetzen, sie umzusetzen. Wenn in Zukunft ein Staat scheitert, wollen wir, dass die Mitarbeiter des Büros schnell in Aktion treten können. Sie werden sofort mit unserem Militär, anderen Bundesbehörden und unseren internationalen Verbündeten zusammenarbeiten, und langfristig sollen innerhalb des Büros jene Zivilisten arbeiten und von dort entsandt werden, die in Operationen nach Konflikten besonders wichtig sind: Polizisten, Richter, Elektriker, Ingenieure, Bankiers, Ökonomen, Rechtsexperten und Wahlüberwacher.
Das Büro für Wiederaufbau und Stabilisierung muss in der Lage sein, einem gescheiterten Staat dabei zu helfen, verantwortungsvolle Souveränität auszuüben und zu verhindern, dass sein Staatsgebiet zu einer Quelle der globalen Instabilität wird, wie es in Afghanistan 2001 der Fall war.

Die Diplomatie des 21. Jahrhunderts erfordert ebenfalls eine größere “Geschlossenheit” zwischen unseren Soldaten und zivilen Kräften, und wir unternehmen weitere Schritte, um genau das zu erreichen. Wir haben in unserem diplomatischen Dienst seit Jahrzehnten Positionen gehabt, die die Bezeichnung politischer Berater der Militärstreitkräfte (Political Advisor to Military Forces), liebevoll POLADS genannt, trugen. Wir stationieren diese Diplomaten in Bereichen, in denen sich die Welt der Diplomatie mit der Welt der Militärstreitkräfte überschneidet. Heute findet diese Überschneidung zunehmend in den staubigen Straßen von Falludscha oder der vom Tsunami zerstörten Küste Indonesiens statt. Ich möchte, dass amerikanische Diplomaten in den Positionen zum Einsatz kommen wollen, in denen sie Seite an Seite mit unseren Frauen und Männern in Uniform arbeiten, ob das nun bei der Katastrophenhilfe in Pakistan, Stabilisierungsmissionen in Liberia oder im Kampf gegen den illegalen Drogenhandel in Lateinamerika ist.

Schließlich bereiten wir unsere Mitarbeiter mit neuem Fachwissen vor und stellen neue Erwartungen an sie, um die umgestaltende Diplomatie voranzubringen. Ich bin jetzt seit fast exakt einem Jahr Außenministerin. In dieser Zeit ist meine Überzeugung gewachsen, dass wir den besten diplomatischen Dienst der Welt haben. Ich habe den hehren Geist dieses Dienstes gesehen, der die Frauen und Männer unseres auswärtigen und öffentlichen Dienstes sowie die örtlich Angestellten im Ausland ausmacht, von denen viele an gefährlichen Orten weit weg von ihren Familien dienen.

Ich sehe in ihnen den Wunsch und die Fähigkeit an, sich an eine sich verändernde Welt und die sich verändernden diplomatischen Aufgaben anzupassen. Wir werden in diesem neuen Jahrhundert die Mitarbeiter des Außenministeriums immer öfter bitten, außerhalb der Botschaften aktiv zu werden. Sie werden Kontakte mit Privatpersonen in neu entstehenden regionalen Zentren aufbauen müssen und nicht nur mit Regierungsvertretern in den Hauptstädten. Wir müssen eine Rekordzahl von Menschen in schwierigen Sprachen wie Arabisch, Chinesisch, Farsi und Urdu ausbilden.

Außerdem müssen unsere Mitarbeiter im auswärtigen Dienst jetzt an schwierigen Dienstposten (hardship posts) dienen, um in ihrer Karriere voranzukommen. Dabei handelt es sich um schwierige Tätigkeiten in kritischen Ländern wie dem Irak, Afghanistan, dem Sudan und Angola, wo wir mit ausländischen Bürgern unter schwierigen Bedingungen daran arbeiten, Sicherheit zu gewährleisten, Armut zu bekämpfen und demokratische Reformen durchzuführen. Um auf derartigen Posten erfolgreich zu sein, müssen wir unsere Diplomaten nicht nur zu Politikexperten ausbilden, sondern auch zu erstklassigen Programm-Managern, die Bürgern im Ausland bei der Stärkung der Rechtsstaatlichkeit, bei Geschäftsgründungen, der Verbesserung des Gesundheitswesens sowie bei Reformen im Bildungswesen zur Seite stehen können.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, Präsident Bush hat die historische Aufgabe unserer Zeit dargelegt. Wir auf der richtigen Seite der Kluft zwischen Freiheit und Unterdrückung haben eine Verantwortung, jenen zu helfen, die auf der falschen Seite dieser Kluft stehen. Die Frauen und Männer der amerikanischen Diplomatie sind aufgerufen, an einer spannenden neuen Mission teilzunehmen. Aber es gibt einen weiteren großen Vorteil, den die Vereinigten Staaten bei dieser Herausforderung haben. Heute, in einer Zeit, in der Unterschiede noch immer einen Grund zum Töten darstellen, sind die Vereinigten Staaten ein hervorragendes Beispiel dafür, was passieren kann, wenn sich Menschen unterschiedlicher Herkunft, ethnischer Zugehörigkeit und Religionen Amerikaner nennen. Denn es geht nicht darum, ob man Amerikaner italienischer, afrikanischer oder koreanischer Abstammung ist. Es geht nicht darum, ob man Moslem, Presbyterianer, Jude oder Katholik ist. Worum es geht, ist, dass man Amerikaner ist und für Ideale und Werte einsteht, die uns einen.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, damit die Vereinigten Staaten ihre Rolle in der Welt vollständig erfüllen können, müssen sie ein diplomatisches Corps in die Welt entsenden, das diese großartige Vielfalt widerspiegelt. Es darf nicht sein, dass die letzten drei US-Außenminister – eine Tochter europäischer Zuwanderer, ein Sohn jamaikanischer Zuwanderer und eine Tochter des amerikanischen Südens der ehemaligen Rassentrennung – vielfältiger als der auswärtige Dienst sind, mit dem sie arbeiten. Deshalb habe ich eine dringende Bitte an jeden Einzelnen von Ihnen. Es ist heutzutage nicht nur interessant, Diplomat zu sein, weil man über Länder berichtet. Es geht nicht lediglich darum, Regierungen zu beeinflussen. Es geht darum, daran teilzuhaben, das Leben von Menschen zu verändern, wie etwa in unseren AIDS-Programmen im Ausland, in unseren Bestrebungen, Mädchen in Afghanistan auszubilden oder mit guten Partnern wie Pakistan und Jordanien gegen den Extremismus im Nahen Osten vorzugehen. Stellen Sie sich die Begeisterung der Menschen vor, die in Liberia jetzt mit der ersten weiblichen Präsidentin auf dem afrikanischen Kontinent zusammenarbeiten und versuchen werden, ein Liberia aufzubauen, in dem die Menschen ihre Träume erfüllen und ihre Zukunft gestalten können.

All das können wir nicht ohne die besten und schlauesten Amerikaner aller Hautfarben, Religionen und jeder Herkunft tun. Unser auswärtiger Dienst muss genauso sein.

Mein Büro, in dem ich Außenminister von überall auf der Welt treffe, sieht aus, als sei es im 19. Jahrhundert eingerichtet worden, obwohl es tatsächlich aus dem Jahr 1947 stammt. Das ist auch etwas sehr amerikanisches. Dort hängt ein Porträt von Thomas Jefferson, das mich direkt ansieht, wenn ich mit den Außenministern spreche, und manchmal frage ich mich: “Was hätte Herr Jefferson wohl gedacht?” Was hätte er über die Reichweite und den Einfluss der Vereinigten Staaten in der Welt gedacht? Was hätte er gedacht über das amerikanischen Engagement für die Demokratie im Namen der Menschen der Welt? Was hätte er darüber gedacht, dass meine Vorfahren, die unter seiner Verfassung nur zu drei Fünfteln ein Mensch waren, eine Außenministerin hervorbringen würden, die diese Mission anführt?

Meine sehr verehrten Damen und Herren, die Vereinigten Staaten blicken auf eine lange Geschichte zurück und sind ein Symbol aber auch eine Realität für alle Menschen, die noch einen langen Weg vor sich haben, dafür, dass Demokratie schwierig ist und Zeit erfordert, aber es immer wert ist.

Vielen Dank.

Originaltext: Transformational Diplomacy: Remarks at Georgetown School of Foreign Service

Export von Popkultur

WASHINGTON – (AD) – Nachfolgend veröffentlichen wir das Kapitel “Export von Popkultur” aus der Broschüre “Portrait of the USA”, die vom Büro für internationale Informationsprogramme des US-Außenministeriums herausgegeben wurde.

Micky Maus, der Baseballspieler Babe Ruth, Slapstick-Komödien, G.I. Joe, der Blues, die Simpsons, Michael Jackson, die Dallas Cowboys, Vom Winde verweht, das Basketball-Dream-Team, Indiana Jones, der Roman Catch-22 – diese Namen, Genres und Ausdrücke aus der amerikanischen Welt des Sports und der Unterhaltung haben mit greifbareren amerikanischen Produkten einen Triumphzug um die Welt gestartet. Viele Nationen haben heute zwei Kulturen, ob das nun gut oder schlecht ist: ihre einheimische und die aus dem Sport, den Filmen, Fernsehsendungen und der Musik bestehende Kultur, deren Energie und breitgefächerte Beliebtheit erkennbar amerikanisch sind.

Dieses Kapitel konzentriert sich auf einige der ursprünglich amerikanischen Beiträge zur Unterhaltung auf der Welt: die Sportarten Baseball und Basketball, Kinofilme sowie drei Arten von Populärmusik – Jazz, Rock and Roll und Country.

BASEBALL

Die Sportart, die unter Amerikanern mehr Nostalgie als jede andere hervorruft, ist Baseball. So viele Amerikaner spielen als Kinder Baseball (oder zumindest die damit eng verwandte Sportart Softball), dass die Sportart “der nationale Zeitvertreib” genannt wird. Im Übrigen ist es auch ein demokratisches Spiel. Anders als Football und Basketball kann Baseball gut von Menschen mit durchschnittlicher Größe und Gewicht gespielt werden.

Baseball entstand vor dem amerikanischen Bürgerkrieg (1861-1865) als Schlagball, ein einfaches Spiel, das auf Sandplätzen gespielt wurde. Die ersten Anhänger der Sportart verfeinerten das Spiel, bis es die Fertigkeiten und mentale Urteilsfähigkeit erforderte, die Cricket in England zu einer respektierten Sportart gemacht hatten. Vor allem die Punktevergabe und Leistungsbilanzen verliehen der Sportart Baseball Gewicht. “Heute”, schreibt John Thorn in “The Baseball Encyclopedia”, “ist Baseball ohne Leistungsbilanzen undenkbar.” Zweifellos wissen mehr Amerikaner, dass die 61 Homeruns von Roger Maris den Rekord von Babe Ruth mit 60 Homeruns im Jahr 1972 brachen, als dass Präsident Ronald Reagans 525 Wahlmännerstimmen 1984 den Rekord von 523 Wahlmännerstimmen für Präsident Franklin Roosevelt im Jahre 1936 brachen.

1871 war die Geburtsstunde der ersten professionellen Baseball-Liga. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts hatten die meisten großen Städte im Osten der Vereinigten Staaten Profi-Baseballteams. Die Teams wurden in zwei Ligen geteilt, die National und die American League. Während der regulären Saison spielte ein Team einer Liga nur gegen andere Teams innerhalb dieser Liga. Das siegreichste Team in jeder Liga gewann dann den so genannten Siegeswimpel, also die Meisterschaft, und die Gewinner der beiden Ligen trafen nach Ende der regulären Saison in der World Series aufeinander. Die Mannschaft, die mindestens vier Spiele (von sieben möglichen) gewonnen hatte, gewann die Meisterschaft des jeweiligen Jahres. Dieses Arrangement gilt noch heute, obwohl die Ligen heute noch in Divisionen unterteilt sind und die Meisterschaften in den Playoffs (Entscheidungsspiele am Ende der Saison) zwischen den Gewinnern jeder Division entschieden werden.

Baseball wurde in den Zwanzigerjahren richtig berühmt, als Babe Ruth (1895-1948) die New York Yankees zu mehreren Titeln in der World Series führte und aufgrund der Stärke seiner Homeruns (Bälle, die nicht gespielt werden können, weil sie aus dem Feld geschlagen wurden) zu einem nationalen Helden wurde. Im Laufe der Jahrzehnte hatte jedes Team seine herausragenden Spieler. Einer der bemerkenswertesten war Jackie Robinson (1919-1972) von den Brooklyn Dodgers, ein talentierter und mutiger Athlet, der 1947 zum ersten afroamerikanischen Spieler in der obersten Spielklasse wurde. (Vor Robinson war es schwarzen Spielern nur erlaubt, in der Negro League spielen.)

Ab den Fünfzigerjahren erweiterte Baseball seine geografische Reichweite. Städte im Westen legten sich eigene Teams zu, entweder, indem sie die Spieler aus den Städten im Osten fortlockten oder indem sie so genannte Erweiterungsteams mit Spielern bildeten, die von bestehenden Teams bereitgestellt wurden. Bis in die Siebzigerjahre waren die Spieler aufgrund strenger Verträge nahezu der Besitz der Inhaber des Teams; inzwischen wurden jedoch die Regeln verändert, so dass Spieler mit bestimmten Einschränkungen frei entscheiden können, welchem Team sie ihre Dienste verkaufen wollen. Das Ergebnis sind Preisschlachten und Stars, die jedes Jahr Millionen von Dollar verdienen. Streitigkeiten zwischen der Spielergewerkschaft und den Eigentümern haben Baseball zeitweise für Monate zum Stillstand gebracht. Obwohl Baseball sowohl Sport als auch Geschäft ist, sahen Ende des 20. Jahrhunderts zahlreiche verärgerte Fans die geschäftliche Seite als dominierend an.

In Japan wurde Baseball ein beliebter Sport, nachdem amerikanische Soldaten ihn während der Besatzungszeit nach dem Zweiten Weltkrieg dort einführten. In den Neunzigerjahren wurde der japanische Spieler Hideo Nomo ein erfolgreicher Werfer (Pitcher) bei den Los Angeles Dodgers. Baseball wird auch in Kuba und anderen karibischen Nationen viel gespielt. Es war ein Beweis für die Beliebtheit von Baseball außerhalb der Vereinigten Staaten, dass bei den Olympischen Spielen 1996 Japan und Kuba das Endspiel austrugen (Japan gewann).

BASKETBALL

Ein weiterer amerikanischer Sport, der sich von den Vereinigten Staaten aus verbreitet hat, ist Basketball. Er wird heute von mehr als 250 Millionen Menschen auf der Welt organisiert gespielt, außerdem von zahllosen anderen in an den Sport angelehnten Sportarten. Basketball entstand 1891, als ein zukünftiger presbyterianischer Pfarrer mit dem Namen James Naismith (1861-1939) den Auftrag bekam, an einer Schule der Young Men’s Christian Association (YMCA) in Springfield (Massachusetts) Sport zu unterrichten. Die ihm zugewiesene Klasse war aufgrund ihrer Undiszipliniertheit aufgefallen und Naismith sollte ein neues Spiel erfinden, mit dem er die jungen Männer beschäftigen konnte. Da es Winter und draußen sehr kalt war, war ein Spiel wünschenswert, das in einer Halle gespielt werden konnte.

Naismith erinnerte sich an seine Kindheit in Kanada, als er zusammen mit seinen Freunden ein Spiel gespielt hatte, bei dem man einen großen Stein mit kleinen Steinen von einem Felsen stoßen musste. Er erinnerte sich auch daran, Rugby-Spieler gesehen zu haben, die in einer Turnhalle einen Ball in einen Kasten geworfen hatten. Er hatte die Idee, Kästen erhöht aufzuhängen, in die die Spieler den Ball werfen müssen. Als er keine Kästen auftreiben konnte, verwendete er Pfirsichkörbe. Alexander Wolff schrieb in seinem Buch “100 Years of Hoops”, Naismith habe sich die Regeln des Spiels in “etwa einer Stunde” ausgedacht. Die meisten von ihnen sind noch heute in irgendeiner Form gültig.

Basketball war ein Erfolg, weil die Absolventen der YMCA-Schule viel reisten, Naismith die Regeln freigiebig verteilte und ein Sport gebraucht wurde, der im Winter in Hallen gespielt werden konnte. Zu Naismiths Vermächtnis zählt unter anderem der erste Basketball-Coach, Forrest “Phog” Allen (1885-1974), der zunächst an der University of Kansas für Naismith spielte und dann als Coach an der Universität selbst 771 Spiele gewann. Zu Allens Starspielern zählte Wilt Chamberlain, der einer der ersten Superstars des Profi-Basketballs wurde – an einem Abend im Jahr 1962 stellte er den Rekord von 100 von ihm erzielten Punkten in einem Spiel auf.

Die erste Profi-Basketballliga wurde 1898 gegründet. Die Spieler verdienten damals 2,50 Dollar für Heimspiele und 1,25 Dollar für Auswärtsspiele. Nicht ganz 100 Jahre später erhielt Juwan Howard, ein Starspieler der Washington Bullets (die heute Washington Wizards heißen) verschiedene Angebote über mehr als 100 Millionen Dollar über sieben Saisons von den Bullets und Miami Heat.

Zahlreiche Teams in der National Basketball Association haben heute ausländische Spieler, die während der Olympischen Spiele für ihre Heimatländer spielen. Das sogenannte Dream Team bestehend aus den besten Profi-Basketballspielern der Vereinigten Staaten hat das Land in den letzten Olympischen Spielen vertreten. 1996 blieb das Dream Team während der Spiele lange hinter einigen gegnerischen Mannschaften zurück – ein Zeichen für den wachsenden internationalen Stellenwert von Basketball.

DIE FILMINDUSTRIE

Die amerikanische Filmkritikerin Pauline Kael gab einer Sammlung ihrer Filmkritiken aus dem Jahre 1968 den Namen “Kiss Kiss Bang Bang”. Als Erklärung führte sie an, dass die Worte, die von einem italienischen Filmplakat stammten, “möglicherweise die kürzeste denkbare Zusammenfassung der grundlegenden Faszination von Kinofilmen” seien. Sie fassen zweifelsohne die rohe Energie vieler amerikanischen Filme zusammen.

Auch wenn das Kino keine amerikanische Erfindung war, war es nichtsdestotrotz der überragende amerikanische Beitrag zur Unterhaltung auf der Welt. Anfang des 20. Jahrhunderts, als das Medium neu war, fanden zahlreiche Zuwanderer, insbesondere Juden, eine Anstellung in der US-Filmindustrie. Sie waren aufgrund von Rassenvorurteilen von anderen Beschäftigungsmöglichkeiten ausgeschlossen, konnten sich jedoch in einem brandneuen Geschäftsfeld einen Namen machen: der Vorführung von Kurzfilmen in Schaufensterkinos, die aufgrund der Tatsache, dass sie einen Nickel (fünf Cent) Eintritt kosteten, Nickelodeons genannt wurden. Nach nur wenigen Jahren hatten ehrgeizige Männer wie Samuel Goldwyn, Carl Laemmle, Adolph Zukor, Louis B. Mayer und die Brüder Warner – Harry, Albert, Samuel und Jack – auf die Produktionsseite des Geschäftsfelds gewechselt. Schon kurz darauf führten sie eine neue Art von Unternehmen: das Filmstudio.

Die großen Studios waren im Stadtteil Hollywood von Los Angeles (Kalifornien) angesiedelt. Vor dem Ersten Weltkrieg wurden in mehreren US-Städten Filme produziert; die Filmemacher zogen jedoch zunehmend nach Kalifornien, als sich die Industrie entwickelte. Sie wurden vom milden Klima angezogen, das es ermöglichte, das ganze Jahr lang im Freien Filme zu drehen, zudem noch in der vielfältigen Landschaft der Region.

Weitere Filmemacher trafen nach dem Ersten Weltkrieg aus Europa ein: Regisseure wie Ernst Lubitsch, Alfred Hitchcock, Fritz Lang und Jean Renoir sowie Schauspieler wie Rudolph Valentino, Marlene Dietrich, Greta Garbo, Ronald Colman und Charles Boyer. Sie gesellten sich zu den einheimischen Schauspielern, die nach der Einführung von Tonfilmen von den Bühnen New Yorks nach Westen gelockt worden waren, und schufen eine der bemerkenswertesten Wachstumsindustrien des 20. Jahrhunderts. Auf dem Höhepunkt der Beliebtheit der Kinofilme Mitte der Vierzigerjahre warfen die Studios pro Jahr insgesamt in etwa 400 Filme auf den Markt, die jede Woche von 90 Millionen Amerikanern gesehen wurden.

Während des so genannten Goldenen Zeitalters von Hollywood während der Dreißiger- und Vierzigerjahre kamen Filme aus den Hollywoodstudios wie Autos von den Fließbändern von Henry Ford. Keine zwei Filme waren genau gleich, die meisten folgten jedoch einer Formel: Western, Slapstick, Komödie, Film Noir, Musical, animierter Zeichentrick, Porträts etc. Jedoch war jeder Film ein bisschen anders, und anders als Autobauer waren viele der Menschen, die Filme machten, Künstler. Der Film “Haben und Nichthaben” (1944) ist nicht nur aufgrund des ersten gemeinsamen Auftritts der Schauspieler Humphrey Bogart (1899-1957) und Lauren Bacall (geboren 1924) berühmt, sondern auch aufgrund der Tatsache, dass er von zwei späteren Literaturnobelpreisträgern geschrieben wurde: Ernest Hemingway (1899-1961), Autor des Romans, auf dem das Drehbuch basierte, und William Faulkner (1897-1962), der die Leinwandfassung bearbeitete.

Filmemachen war aber auch eine Geschäftstätigkeit, und Filmunternehmen verdienten Geld, indem sie im Rahmen des so genannten Studiosystems arbeiteten. Die großen Studios hatten tausende von Menschen auf ihren Gehaltslisten – Schauspieler, Produzenten, Regisseure, Autoren, Stuntmänner, Handwerker und Techniker. Zudem besaßen sie hunderte Kinos in Städten überall im Land – Kinos, die ihre Filme zeigten und immer neuen Nachschub benötigten.

Beeindruckend ist, wie viel hochwertige Unterhaltung in einem so reglementiertem Prozess entstand. Ein Grund hierfür war, dass nicht jeder Film ein großer Erfolg sein musste, weil ja so viele Filme gedreht wurden. Studios konnten auf Filme mit mittlerem Budget, einem guten Drehbuch und relativ unbekannten Schauspielern setzen: “Citizen Kane” (1941) von Orson Welles (1915-1985) wird oft als der beste aller amerikanischen Filme angesehen und wird dieser Beschreibung gerecht. In anderen Fällen stritten sich willensstarke Regisseure wie Howard Hawks (1896-1977) und Frank Capra (1897-1991) mit den Studios, um ihre künstlerischen Visionen durchzusetzen. Höhepunkt für die Studios war wohl das Jahr 1939, in dem -Filmklassiker wie “Der Zauberer von Oz”, “Vom Winde verweht”, “Stagecoach – Höllenfahrt nach Santa Fé”, “Mr. Smith geht nach Washington (Regisseur: Capra), “Nur Engel haben Flügel” (Hawks), “Ninotschka” (Lubitsch) und “Enthüllung um Mitternacht” in die Kinos kamen.

Das Studiosystem unterlag Ende der Vierzigerjahre zwei Kräften: (1) einer staatliche Kartellklage, die zur Abkoppelung der Produktion von Filmen von ihrer Vorführung führte, und (2) der Geburtsstunde des Fernsehens. Die Zahl der gedrehten Kinofilme ging drastisch zurück, auch wenn das durchschnittliche Filmbudget in die Höhe schnellte, da Hollywood dem Publikum eine Art von Spektakel zeigen wollte, das im Fernsehen nicht zu sehen war.

Dieses Blockbuster-Syndrom beeinflusst Hollywood weiterhin. Zusätzlich zu den drastisch angestiegenen Honoraren, die Schauspielern, Studioleitern und Agenten, die Deals an Land ziehen, gezahlt werden, führt es dazu, dass Kinofilme heute entweder Riesenerfolge oder Riesenflops sind, je nachdem, ob ihre enormen Kosten dem öffentlichen Interesse entsprechen.

Die Studios gibt es noch immer; sie arbeiten oft in Partnerschaft mit anderen Medienunternehmen, aber viele der interessantesten amerikanischen Kinofilme sind heute unabhängige Produktionen. Die Filme von Woody Allen (geboren 1935), fallen beispielsweise in diese Kategorie. Kritiker loben sie und die meisten machen Gewinn, aber da gute Schauspieler bereit sind, für relativ wenig Geld mit Allen zusammenzuarbeiten, sind die Produktionskosten der Filme niedrig. Wenn sie also doch einmal an den Kinokassen floppen, ist der Verlust nicht niederschmetternd. Im Gegensatz dazu belaufen sich bei Kinofilmen mit Tom Cruise oder Arnold Schwarzenegger typischerweise die Kosten für die Gage des Schauspielers auf 10 Millionen Euro oder mehr. Mit mehreren Gagen in dieser Größenordnung neigen Leiter von Hollywood-Studios dazu, auf Nummer sicher zu gehen.

POPULÄRMUSIK

Der erste große Komponist von Populärmusik mit einem charakteristisch amerikanischen Stil war Stephen Foster (1826-1864). Er schuf ein Muster, das die amerikanische Musik seither geprägt hat – indem er Elemente aus der europäischen Musiktradition mit afroamerikanischen Rhythmen und Melodien kombinierte. Foster war irischer Abstammung und wuchs im Süden der Vereinigten Staaten auf, wo er die Musik der Sklaven hörte und so genannten Minstrel Shows beiwohnte, in denen weiße Künstler schwarz geschminkt afroamerikanische Lieder und Tänze aufführten. Vorlagen dieser Art inspirierten Foster zu einigen seiner besten Lieder, die viele Amerikaner noch heute auswendig kennen: “Oh! Susanna,” “Camptown Races,” “Ring the Banjo,” oder “Old Folks at Home” (noch bekannter ist die erste Zeile: “Way down upon the Swanee River”).

Bevor es das Kino oder Fernsehen gab, mussten sich die meisten Amerikaner selbst unterhalten oder auf Lesungen, Zirkusse oder reisende Kabarettshows, bekannt als “Vaudevilles” (Varietés), warten, die von Stadt zu Stadt zogen. Dutzende berühmte amerikanische Entertainer fingen im Varieté an – W.C. Fields, Jack Benny, George Burns, Gracie Allen, Buster Keaton, Sophie Tucker, Fanny Brice, Al Jolson und die Three Stooges, um nur einige zu nennen – und das Medium brauchte ständig Nachschub an neuen Liedern. Ende des 19. Jahrhunderts wurde in den Vereinigten Staaten der Vertrieb von Musik zu einem großen Geschäft. Zahlreiche Unternehmen siedelten sich in New York auf einer Straße an, die als Tin Pan Alley bekannt wurde.

Die Vermischung von Varieté mit dem europäischen Genre der Operette brachte das Broadway Musical hervor, in dem Lieder und Tanz Teil einer zusammenhängenden Geschichte mit gesprochenen Dialogen sind. Das erste erfolgreiche Beispiel des neuen Genres – und noch immer eines seiner besten Vertreter – war “Showboat” von Jerome Kern, das 1972 Premiere feierte. Interessanterweise würdigt “Showboat” den Einfluss schwarzer Elemente auf die amerikanische Mainstream-Musik in einer Geschichte, deren zentrales Thema Rassenmischung und deren ergreifendstes Lied das Sklaven-Klagelied “Ol’ Man River” ist.

Der Songwriter Irving Berlin (1888-1989) schuf einen reibungslosen Übergang von der Tin Pan Alley zum Broadway. Der Zuwanderer russisch-jüdischer Abstammung schrieb einige der beliebtesten amerikanischen Lieder: “God Bless America,” “Easter Parade,” “White Christmas,” “There’s No Business Like Show Business” und “Cheek to Cheek.” Cole Porter (1891-1964) verfeinerte die Broadway Show mit seinen geistreichen Texten und mitreißenden Melodien in Liedern wie “Anything Goes”, “My Heart Belongs to Daddy”, “You’re the Top”, “I Get a Kick Out of You” und “It’s De-Lovely.”

Schwarze Komponisten wie Scott Joplin (1868-1917) und Eubie Blake (1883-1983) besannen sich beim Komponieren von Liedern, Ragtime-Stücken für Klavier und in Joplins Fall einer Oper auf ihr eigenes Erbe. Joplin wurde nach seinem Tod nahezu vergessen, aber seine Musik erlebte ab den Siebzigerjahren ein Comeback. Blake schrieb die Musik für “Shuffle Along”, das erste Broadway-Musical von und über Schwarze, und trat noch im Alter von über 90 Jahren auf. Blues-Lieder, die sich aus den Liedern von Sklaven bei der Arbeit entwickelt hatten, wurden in New York und andernorts während der Zwanziger- und Dreißigerjahre zur großen Mode. Zwei der besten Blues-Künstlerinnen waren Ma Rainey (1886-1939) und Bessie Smith (ca. 1898-1937).

JAZZ

W.C. Handys “St. Louis Blues” ist eines der am meisten aufgenommenen Lieder des 20. Jahrhunderts. Von allen diesen Aufnahmen sticht eine heraus: Bessie Smiths Version aus dem Jahr 1925, in der Louis Armstrong (1900-1971) sie auf dem Kornett begleitet. Die Zusammenarbeit von drei großen Künstlern (Komponist, Sänger, Instrumentalist) schuf eine neue Art von Musik – den Jazz. Obwohl die Bedeutung von “Jazz” unklar ist, hat das Wort ursprünglich aller Wahrscheinlichkeit nach mit Sex zu tun. Die Musik, die Anfang des 20. Jahrhunderts in New Orleans entstand, vereinte Elemente des Ragtime, von Sklavenliedern und Blaskapellen. Eines der charakteristischen Merkmale von Jazz war seine Fluidität: In Live-Auftritten spielten die Musiker fast nie ein Lied zweimal auf die gleiche Weise, sondern improvisierten Variationen der Noten und des Texts.

Jazz war mit genialen Komponisten und Künstlern wie Jelly Roll Morton (1885-1941), Duke Ellington (1899-1974), Louis Armstrong, Benny Goodman (1909-1986), Bix Beiderbecke (1903-1931), Billie Holiday (1915-1959) und Ella Fitzgerald (1918-1996) gesegnet und somit von den Zwanziger- bis Ende der Vierzigerjahre die vorherrschende Populärmusik in den Vereinigten Staaten. Während der Dreißiger- und Vierzigerjahre war die beliebteste Art von Jazz der sogenannte “Big-Band-Swing”, der nach den großen Ensembles benannt war, die von Künstlern wie Glenn Miller (1909-1944) oder William “Count” Basie (1904-1984) dirigiert wurden. Ende der Vierzigerjahre begann eine neue, vergeistigtere Art von instrumentalem Jazz unter dem Namen Be-Bop, Anhänger zu gewinnen. Zu ihren Vertretern zählten der Trompeter Dizzy Gillespie (1917-1993) und der Saxophonist Charlie Parker (1920-1955). Der Trompeter Miles Davis (1926-1991) experimentierte mit einer großen Vielfalt musikalischer Einflüsse, auch klassischer Musik, die er in Kompositionen wie “Sketches from Spain” einfließen ließ.

ROCK AND ROLL UND COUNTRY

Anfang der Fünfzigerjahre hatte Jazz jedoch einen Teil seiner massenwirksamen Faszination verloren. Eine neue Art der Popmusik, Rock and Roll, entwickelte sich aus dem schwarzen Musikstil Rhythm and Blues: Lieder mit starken Beats und oftmals gewagten Texten. Obwohl Rhythm and Blues von Schwarzen für Schwarze geschrieben wurde, gefiel die Musikrichtung auch weißen Teenagern, die sie spätabends heimlich auf Radiosendern hörten, die sich an einem schwarzen Publikum orientierten. Um die neue Musik massentauglicher zu machen, fingen weiße Künstler und Arrangeure an, Rhythm-and-Blues-Lieder zu “covern” – sie interpretierten sie mit abgeschwächtem Beat und bereinigten Texten. Ein typisches Beispiel ist “Ain’t That a Shame”, ein Rock-Hit des schwarzen Komponisten Antoine “Fats” Domino aus dem Jahr 1955, der als balladenähnliche Coverversion des weißen Sängers Pat Boone noch erfolgreicher war.

Geschäftstüchtige Produzenten erkannten damals, dass ein charismatischer Weißer, der mit der Energie eines Schwarzen singen konnte, enorm erfolgreich sein würde. Eine ebensolche Figur erschien in Person von Elvis Presley (1935-1977), der im Süden der Vereinigten Staaten in armen Verhältnissen aufgewachsen war. Neben einer emotionalen Singstimme hatte Presley ein heißblütiges gutes Aussehen und konnte seine Hüften auf eine Weise bewegen, die Erwachsenen obszön erschien, die aber Teenager als natürliche Bewegung des Rock and Roll empfanden. Presley coverte zunächst auch schwarze Sänger: Einer seiner großen Hits war “Hound Dog”, der vor ihm von der Bluessängerin Big Mama Thornton gesungen worden war. Bald jedoch sang Presley eigenes Material, komponiert von einer neuen Generation von Rock-and-Roll-Songwritern.

Nur wenige Jahre nach seiner Einführung war Rock and Roll auf gutem Weg, die amerikanische Form der Popmusik zu werden, vor allem unter jungen Leuten. Er breitete sich schnell nach Großbritannien aus, wo die Beatles und Rolling Stones Anfang der Sechzigerjahre ihre Karrieren begannen. In der Zwischenzeit war jedoch eine alternative Musikrichtung zur Rockmusik in Form der Folk Music entstanden, die hauptsächlich auf Balladen basierte, die aus Schottland, England und Irland in die Vereinigten Staaten mitgebracht worden waren und sich in Enklaven wie den Bergen von North Carolina und West Virginia hielten. Künstler wie die Weavers, Joan Baez, Judy Collins sowie Peter, Paul and Mary boten eine weniger techniklastige Alternative zu Rock and Roll an.

Bob Dylan (geboren 1941) erweiterte die Reichweite der Folk Music, indem er verblüffende neue Lieder schrieb, die gesellschaftliche Probleme der damaligen Zeit ansprachen, insbesondere, dass schwarzen Amerikanern Bürgerrechte verwehrt wurden. Die Trennung zwischen den zwei Lagern der Rock-Enthusiasten und Folk-Puristen erreichte ihren Höhepunkt, als Dylan 1965 auf dem Newport Folk Festival ausgebuht wurde, weil seine Musik “elektrisch wurde” (er seinen Gesang mit einer E-Gitarre begleitete). Dylan ließ sich nicht entmutigen und führte praktisch die gesamte Folk-Bewegung zu einer Vermischung mit der Rockmusik.

Diese Verschmelzung war ein Wendepunkt, der ein sich bis heute fortsetzendes Muster bestimmte. Rockmusik ist weiterhin die vorherrschende Art von Populärmusik in den Vereinigten Staaten – und in großen Teilen der restlichen Welt – größtenteils aufgrund der Tatsache, dass sie nahezu jede Art von Musik, auch neue Sorten mit exotischer Publikumswirksamkeit, in ihren starken rhythmischen Rahmen aufnehmen kann. Jedes Mal, wenn es Anzeichen einer kreativen Ermüdung bei der Rockmusik gibt, fungieren andere Musikrichtungen – oft die Musik von Afroamerikanern – als kreative “Transfusionen”. Anfang der Achtzigerjahre geschah eben dies durch das Aufkommen von Rapmusik: sich reimende, oft anstößige Texte mit minimalistischer Instrumentenbegleitung.

Wie Folk Music geht Country-Musik auf Lieder zurück, die aus England, Schottland und Irland in die Vereinigten Staaten gebracht wurden. Die ursprüngliche Form von Country-Musik heißt “Old-Time” und wird von Streicherkombos gespielt (typischerweise bestehend aus Geige, Banjo, Gitarre und Bassgeige). Man kann sie noch immer jedes Jahr auf Festivals in Virginia, North Carolina und anderen Staaten im Süden hören.

Die moderne Form der Country-Musik – ursprüngliche Lieder über zeitgenössische Themen – entstand in den Zwanzigerjahren und traf in etwa mit einer Massenmigration von Arbeit suchenden Menschen aus dem ländlichen Raum in die Städte zusammen. Country-Musik hat oft einen melancholischen Klang und viele der Klassiker handeln von Verlust oder Trennung – von der verlorenen Heimat, den zurückgelassenen Eltern und geliebten Menschen. Wie zahlreiche andere Arten amerikanischer Popmusik eignet sich Country-Musik gut für einen Rock-and-Roll-Beat, und Country-Rock war eine weitere in Amerika erfolgreiche Vermischung von Musikstilen. Insgesamt ist Country-Musik die zweitbeliebteste Musikrichtung nach Rockmusik, und der Country-Sänger Garth Brooks (geboren 1962) hat mehr Alben verkauft als jeder andere Solokünstler in der amerikanischen Musikgeschichte, einschließlich Elvis Presley und Michael Jackson.

KRITIK

Einige Länder lehnen die dominante kulturelle Rolle der Vereinigten Staaten ab. In Frankreich werden regelmäßig Kampagnen zur Befreiung der französischen Sprache von hinzukommenden englischen Ausdrücken durchgeführt. In Kanada gibt es eine Obergrenze für amerikanische Veröffentlichungen. Es gibt auch viele Amerikaner, die die Tendenz der Medien beklagen, Programme am kleinsten gemeinsamen Nenner auszurichten.

Der gemeinsame Nenner muss jedoch nicht immer ein kleiner sein, und die amerikanische Kunst, Unterhaltung zu schaffen, die praktisch allen Menschen auf der Welt gefällt, ist kein geringes Talent. In seinem Buch “The Hollywood Eye” verteidigt Schriftsteller und Produzent Jon Boorstin die Ausrichtung von Kinofilmen an massentauglichen Geschmäckern in einer Form, die auch auf andere Zweige der amerikanischen Popkultur angewandt werden kann: “In ihrer einfältigen, gierigen, demokratischen Art wissen die Filmemacher in Hollywood tief in ihrem Innern, dass sie beides haben können – einen Film machen, auf den sie schrecklich stolz sind und den gleichzeitig auch Massen von Menschen sehen wollen. Das würde bedeuten, ihre selteneren Sensibilitäten auszublenden und denjenigen Teil von sich selbst einzusetzen, den sie mit ihren Eltern und Geschwister, Rechtsanwälten der Wall Street, Kleinstadt-Rotariern, Kellnern, Maschinenbaustudenten, Polizisten, Pazifisten, den Typen an der Autowaschanlage und vielleicht sogar Zweitklässlern und Junkies und Fanatikern teilen… die gemeinsame menschliche Währung von Freude und Leid und Wut und Spannung und Verlust und Schmerz und Liebe.”

Originaltext: Exporting Popular Culture – Baseball, basketball, movies, jazz, rock and roll and country music; Portrait of the USA

Ein vielfältiges Bildungssystem

WASHINGTON – (AD) – Nachfolgend veröffentlichen wir das Kapitel “Ein vielfältiges Bildungssystem” aus der Broschüre Portrait of the USA, die vom Büro für internationale Informationsprogramme des US-Außenministeriums herausgegeben wurde.

Das amerikanische Bildungswesen ist ein komplexes Thema, da sich eine einzige Schule auf Ressourcen von verschiedenen öffentlichen und privaten Institutionen stützen kann. Ein Schüler kann beispielsweise eine private High School besuchen, deren Lehrplan den staatlichen Maßstäben entspricht, an der einige naturwissenschaftliche Kurse durch Bundesmittel finanziert werden und deren Sportmannschaften die öffentlichen Spielfelder vor Ort nutzen.

Ungeachtet dieser Vielfalt ist es allerdings möglich, einen allgemeinen Überblick über das amerikanische Bildungswesen zu geben.

VIELE WAHLMÖGLICHKEITEN

Fast 90 Prozent der amerikanischen Schüler besuchen öffentliche Grund- und Sekundarschulen, die aus kommunalen und bundesstaatlichen Steuern finanziert werden und kein Schulgeld erheben. Die Grundschule umfasst üblicherweise die Klassenstufen eins bis acht, einschließlich eines Kindergartens. Es gibt allerdings auch Grundschulen, die nach der sechsten Klasse enden. Die Schüler besuchen dann von Klasse sieben bis neun die Middle School oder die Junior High School. Die Sekundarschule oder High School deckt üblicherweise die Klassenstufen neun bis zwölf ab, manche beginnen aber auch erst mit der zehnten Klasse.

Die meisten Schüler, die keine öffentliche Grund- oder Sekundarschule besuchen, sind an Privatschulen, für die ihre Eltern Schulgeld bezahlen. Vier von fünf Privatschulen werden von Religionsgemeinschaften betrieben. In diesen Schulen ist Religionsunterricht Teil des Lehrplans, der auch den traditionellen akademischen Unterricht einschließt. (An öffentlichen Schulen gibt es keinen Religionsunterricht. Das Thema des Schulgebets wird in Kapitel 4 erörtert.) Es gibt außerdem eine kleine, aber zunehmende Anzahl von Eltern, die ihre Kinder selbst unterrichten, eine Praxis, die als Hausunterricht bekannt ist.

Die Vereinigten Staaten haben kein nationales Schulsystem. Die Schulen werden mit Ausnahme von Militärakademien (beispielsweise die US-Marineakademie in Annapolis, Maryland) auch nicht von der Bundesregierung betrieben. Die Regierung stellt für die Bundesbildungsprogramme, an denen sowohl öffentliche als auch private Schulen teilnehmen, allerdings Leitlinien auf und Mittel bereit. Federführend ist das US-Bildungsministerium.

Im amerikanischen Sprachgebrauch wird ein College als eine weiterführende akademische Institution bezeichnet, die Kurse zu bestimmten Themenbereichen anbietet. Ein geisteswissenschaftliches College bietet beispielsweise Kurse in Literatur, Sprachen, Geschichte, Philosophie und Naturwissenschaften an, während ein Wirtschaftscollege Kurse in Buchführung, Investment und Marketing anbietet. Viele Colleges sind unabhängig. Sie verleihen üblicherweise nach einem Studiengang von vier Jahren einen Bachelor. Colleges können aber auch Teil von Universitäten sein. Eine große Universität besteht normalerweise aus mehreren Colleges, verschiedenen Graduiertenprogrammen, einem oder mehreren Fachbereichen zur akademischen Berufsausbildung (beispielsweise eine juristische oder medizinische Fakultät) sowie einer oder mehreren Forschungseinrichtungen. (Amerikaner verwenden das Wort College oft als Bezeichnung für ein College oder eine Universität.)

Jeder Bundesstaat hat seine eigene Universität, und einige Staaten betreiben große College- und Universtitätsnetzwerke. Die State University of New York hat beispielsweise mehr als 60 Hochschulgelände im Bundesstaat New York. Auch einige Städte haben ihre eigenen öffentlichen Universitäten. In vielen Gegenden bilden Junior oder Community Colleges für einige Schüler eine Brücke zwischen der High School und einem vierjährigen Collegebesuch. An Junior Colleges können die Studenten das Kursprogramm ihrer ersten beiden Collegejahre im Allgemeinen günstiger und näher an zu Hause absolvieren.

Anders als öffentliche Grund- und Sekundarschulen erheben öffentliche Colleges und Universitäten meist eine Studiengebühr. Allerdings ist der Betrag oft viel niedriger als der von vergleichbaren privaten Institutionen erhobene, die keine vergleichbare staatliche Unterstützung erhalten. Viele Studenten besuchen das College – ob öffentlich oder privat – mithilfe von Bundesdarlehen, die nach dem Abschluss zurückgezahlt werden müssen.

Etwa 25 Prozent der Colleges und Universitäten werden privat von Religionsgemeinschaften betrieben. Die meisten stehen Studenten aller Konfessionen offen. Es gibt auch viele private Institutionen ohne religiöse Ausrichtung. Colleges, ob öffentlich oder privat, sind von drei Einkommensquellen abhängig: den Studiengebühren, Schenkungen (Spenden von Wohltätern) und staatlichen Mitteln.

Es gibt keine klare Unterscheidung zwischen der Qualität der Ausbildung an öffentlichen oder privaten Colleges und Institutionen. Die öffentlichen Universitäten in Kalifornien und Virginia werden beispielsweise im Allgemeinen gleich gut beurteilt wie die Ivy League, acht private Eliteuniversitäten im Nordosten der Vereinigten Staaten. Das bedeutet allerdings nicht, dass alle Institutionen gleich sind. Ein Student, mit dem Abschluss eines hochrenommierten Colleges hat möglicherweise erhebliche Vorteile bei der Arbeitssuche. Deshalb kann der Wettbewerb unter den renommierten Institutionen sehr stark sein.

Ein Collegestudent belegt Kurse in seinem Hauptfach (dem Fachgebiet, auf das er sich spezialisieren möchte) und in Wahlfächern (Kurse, die nicht Pflicht sind, sondern vom Studenten gewählt werden). Schätzungsweise bieten amerikanische Colleges und Universitäten mehr als 1.000 Hauptfächer an.

BILDUNG, EINE LOKALE ANGELEGENHEIT

Von Hawaii bis Delaware, von Alaska bis Louisiana hat jeder der 50 Staaten seine eigenen Gesetze zum Bildungswesen. In den einzelnen Staaten gibt es teils ähnliche, teils unterschiedliche Gesetze. Zum Beispiel:

In allen Bundesstaaten besteht Schulpflicht. Allerdings gibt es verschiedene Altersgrenzen. In den meisten Bundesstaaten gilt die Schulpflicht bis zum 16. Lebensjahr, in einigen bis zum 18. Deshalb erhält jedes Kind in den Vereinigten Staaten eine Schulausbildung von mindestens 11 Jahren. Dies gilt unabhängig vom Geschlecht des Kindes, seiner ethnischen Zugehörigkeit, Religion, etwaiger Lernbehinderungen, körperlicher Behinderungen, der Fähigkeit, Englisch zu sprechen, der Staatsangehörigkeit oder des Status als Einwanderer. (Obwohl einige Kongressabgeordnete sich dafür aussprachen, dass die Bundesstaaten Kindern von illegalen Einwanderern die öffentliche Schulbildung verweigern dürfen, wurde ein solcher Vorschlag nicht zum Gesetz.)

Einige Staaten nehmen großen Einfluss auf die Auswahl des Lernmaterials für ihre Schüler. Ausschüsse der Bundesstaaten können beispielsweise entscheiden, welche Schulbücher mit staatlichen Mitteln gekauft werden. In anderen Bundesstaaten werden derartige Entscheidungen den Vertretern der Schulen vor Ort überlassen.

Obwohl es in den Vereinigten Staaten keinen bundesweit gültigen Lehrplan gibt, werden bestimmte Fächer in fast allen Grund- und Sekundarschulen im ganzen Land unterrichtet. An fast jeder Grundschule wird beispielsweise Mathematik, Sprache (einschließlich Lesen, Grammatik, Schreiben und Literatur), Stilkunde, Naturwissenschaften, Gesellschaftskunde (einschließlich Geschichte, Erdkunde, Staatsbürgerkunde und Wirtschaft) sowie Sport unterrichtet. In vielen Schulen wird den Kindern die Bedienung von Computern beigebracht, die auch zum integralen Bestandteil vieler anderer Unterrichtsfächer geworden sind.

Zusätzlich zu den Pflichtfächern – beispielsweise ein Jahr amerikanische Geschichte, zwei Jahre Literatur etc. – bieten Sekundarschulen üblicherweise Wahlfächer an. Zu den beliebten Wahlfächern gehören darstellende Künste, Fahrschule, Kochen, und Werkunterricht (die Verwendung von Werkzeugen, Tischlerei und Reparatur von Maschinen).

SICH VERÄNDERNDE STANDARDS

Bis in die Fünfzigerjahre gab es viele Pflicht- und wenige Wahlfächer. In den Sechziger- und Siebzigerjahren ging die Tendenz zu mehr Wahlfreiheit für die Schüler. In den Achtzigerjahren überdachten Eltern und Pädagogen allerdings diese Praxis noch einmal. Der Hauptgrund für ihre Besorgnis war die mögliche Verbindung zwischen der zunehmenden Zahl von Wahlfächern und der langsamen, aber stetigen Verschlechterung der Ergebnisse amerikanischer Schüler bei den standardisierten Mathematik-, Lese- und Naturwissenschafttests.

Gleichzeitig begannen Collegeadministratoren und führende Unternehmensangestellte sich zu beschweren, dass einige High-School-Absolventen Förderunterricht in den Schlüsselfächern Lesen, Schreiben und Mathematik benötigten. Etwa 99 Prozent aller amerikanischen Erwachsenen gaben in der Volkszählung 1980 an, lesen und schreiben zu können. Kritiker behaupten allerdings, dass etwa 13 Prozent der 17-Jährigen in den Vereinigten Staaten “funktionale Analphabeten” seien. Das bedeutet, sie waren nicht in der Lage, alltägliche Aufgaben wie das Verstehen von schriftlichen Anweisungen oder das Ausfüllen von Bewerbungsunterlagen zu bewältigen.

In den Achtzigerjahren gingen Experten jedem denkbaren Grund für die Verschlechterung der Durchschnittsergebnisse nach. Einer davon war das Fernsehen, dem die Herstellung mittelmäßiger Programme vorgeworfen wurde. Laut Expertenmeinung sahen amerikanische Kinder zu viel fern – im Durchschnitt 25 Stunden pro Woche. Schulvorstände wurden kritisiert, weil sie die Lehrer zu schlecht bezahlten, mit dem Ergebnis, dass gute Lehrer meist den Beruf wechselten, und dafür, dass sie den Schülern einfacheres Lernmaterial gaben, so dass alle einen Abschluss erzielen konnten – ein Phänomen, das als die “Verdummung” des Lehrplans bekannt ist.

Es wurde jedoch kein Grund gefunden, der allein für das Problem in der Sekundarbildung in den Vereinigten Staaten verantwortlich war. Und ebenso gab es nicht die eine Lösung. Das Bildungsministerium setzte eine nationale Kommission zur Untersuchung dieser Frage ein. 1983 gab die Kommission mehrere Empfehlungen ab: Verlängerung des Schultags, Formulierung neuer Kernbestandteile des Lehrplans für alle Schüler (vier Jahre Englisch, drei Jahre Mathematik, Naturwissenschaften und Gesellschaftskunde, ein halbes Jahr Informatik) sowie die Erhöhung der Leistungsstandards für jedes Lehrfach. Als Folge hiervon haben viele Schulen ihre Anforderungen erhöht, und die Testergebnisse der amerikanischen Kinder verbessern sich.

1989 erhielt die Bewegung zur Reform des amerikanischen Bildungssystems durch Präsident George Bush und die Gouverneure aller 50 Bundesstaaten neuen Schwung, als diese sechs Ziele aufstellten, die bis zum Jahr 2000 erreicht sein sollten:

Alle Kinder sollen die Schule mit den nötigen Voraussetzungen zum Lernen beginnen.
90 Prozent aller High-School-Schüler sollen den Abschluss machen.
Alle Schüler sollen an bestimmten Schlüsselpunkten ihres schulischen Fortschritts Kompetenz in Kernfächern erlangen.
Amerikanische Schüler sollen in ihren mathematischen und naturwissenschaftlichen Leistungen weltweit an erster Stelle stehen.
Jeder amerikanische Erwachsene soll Lesen und Schreiben können und die für einen Staatsbürger und Erwerbstätigen erforderlichen Fähigkeiten besitzen.
Alle Schulen sollen frei von Drogen und Gewalt sein und ein diszipliniertes, dem Lernen förderliches Umfeld bieten.

Der Kongress stellte das Programm Goals 2000 auf, im Rahmen dessen Bundesmittel bereitgestellt werden, um die Bundesstaaten bei der Erlangung dieser Ziele zu unterstützen. 1996 waren bereits Fortschritte erzielt worden – 86 Prozent aller amerikanischen Schüler schlossen die High School ab, die Ergebnisse der mathematischen und naturwissenschaftlichen Tests hatten sich um eine volle Notenstufe verbessert, und die Hälfte aller Vierjährigen nahm an Programmen zur Vorbereitung auf die Schule teil.

Inzwischen gibt es Bestrebungen zur Aufstellung nationaler Standards für Mathematik, Naturwissenschaften, Englisch und Geschichte – ein Unterfangen, das Präsident Clinton nachdrücklich unterstützte. Vor dem Bildungsgipfel der National Governors Association sagte er 1996: “Ich glaube, das Beste, das man tun kann, ist, hohe Erwartungen an die Schüler zu stellen – sie in dem Glauben zu bestärken, dass sie lernen können, … zu beurteilen, ob sie lernen oder nicht und sie sowohl zur Rechenschaft zu ziehen als auch zu belohnen.”

SOZIALE FRAGEN AN AMERIKANISCHEN SCHULEN

Zusätzlich zu der Herausforderung, Leistung zu erbringen, stehen amerikanische Schulen vor neuen Problemen. Sie müssen den Zustrom an Einwandererkindern bewältigen, von denen viele wenig oder gar kein Englisch sprechen. Sei müssen auf die Anforderung an den Lehrplan reagieren, die verschiedenen Kulturen aller Kinder widerzuspiegeln. Die Schulen müssen sicherstellen, dass die Schüler grundlegende Fertigkeiten für den Arbeitsmarkt erlernen, und sie müssen den Bedürfnissen von nichttraditionellen Schülern gerecht werden, wie beispielsweise Mütter im Teenageralter.

Die Schulen gehen diese Probleme auf eine Art und Weise an, die die Vielfalt des amerikanischen Bildungssystems widerspiegelt. Sie stellen eine große Zahl von Lehrern für Englisch als Fremdsprache ein oder bilden diese aus. In einigen Gemeinden richten sie bilinguale Schulen ein. Sie öffnen den traditionellen, auf Europa ausgerichteten Lehrplan und nehmen Material aus Afrika, Asien und anderen Kulturen auf.

Die Schulen unterweisen die fast 40 Prozent der amerikanischen Schüler, die keine höhere Bildung anstreben, auch in kognitiven Fertigkeiten. In den Worten eines Berichts der Kommission zum Erwerb der erforderlichen Qualifikationen: “Ein starkes Rückgrat, die Bereitschaft zu arbeiten und ein High-School-Abschluss waren einst alles, was für einen Start ins Berufsleben Amerika erforderlich war. Das reicht nun nicht mehr aus. Ein gut entwickelter Verstand, die dauerhafte Bereitschaft zu lernen und die Fähigkeit, das Erlernte umzusetzen, sind die Schlüssel für die Zukunft unserer Jugend, den Erfolg unserer Unternehmen und das wirtschaftliche Wohlergehen unserer Nation.”

EIN ÜBERBLICK ÜBER DIE WEITERFÜHRENDE BILDUNG IN DEN VEREINIGTEN STAATEN

Die Vereinigten Staaten sind unter den Industrienationen führend, was den Prozentsatz der jungen Menschen an weiterführenden Bildungseinrichtungen angeht. Für einige Berufszweige – Jura, Medizin, Bildung, Ingenieurwesen – ist ein Collegebesuch der erforderliche erste Schritt. Mehr als 60 Prozent aller Amerikaner sind heute an Arbeitsplätzen tätig, die die Verwaltung von Informationen beinhalten, und ein High-School-Abschluss ist für eine derartige Arbeit selten ausreichend. Andere Berufe setzen einen Collegeabschluss nicht zwingend voraus, aber er verbessert oft die Chancen bei der Arbeitsplatzsuche und kann zu einem besseren Gehalt führen.

Die breite Verfügbarkeit einer Collegeausbildung in den Vereinigten Staaten datiert auf das Jahr 1944 zurück, als der Kongress ein Gesetz verabschiedete, das unter dem Namen GI Bill bekannt ist. (GI, also government issue – Staatseigentum – war der Spitzname der amerikanischen Soldaten, und das Gesetz verfügte nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs finanzielle Unterstützung für die Mitglieder der Streitkräfte.) Bis 1955 hatten zwei Millionen Veteranen des Zweiten Weltkriegs und des Koreakriegs das GI-Gesetz zum Collegestudium genutzt. Viele stammten aus armen Familien und hätten ohne das Gesetz keine Möglichkeit gehabt, das College zu besuchen. Der Erfolg des Programms veränderte die Vorstellung der Amerikaner darüber, wer am College studieren sollte.

Etwa gleichzeitig begann die stetige Zunahme der Zahl von Frauen an amerikanischen Colleges; 1993 erhielten Frauen 54 Prozent aller Diplome, verglichen mit 24 Prozent im Jahr 1950. Mit dem Ende der Rassentrennung in den Fünfziger- und Sechzigerjahren schrieben sich auch eine Rekordzahl von Afroamerikanern am College ein. Die Prozentzahl der Afroamerikaner, die das College besuchen, ist allerdings immer noch niedriger als die der restlichen Bevölkerung. 1992 waren 47,9 Prozent aller Afroamerikaner mit High-School-Abschluss am College eingeschrieben, verglichen mit 61,7 Prozent aller Schüler mit High-School-Abschluss.

LIBERALE ODER BERUFSBEZOGENE AUSBILDUNG?

Wie die High Schools werden auch die amerikanischen Colleges manchmal dafür kritisiert, zu wenig Pflicht- und zu viele Wahlfächer anzubieten. Mitte der Achtzigerjahre veröffentlichte der Verband amerikanischer Colleges einen Bericht, der die Vermittlung eines allgemeinen Wissenskanons an Collegestudenten forderte. Ein ähnlicher Bericht Involvement in Learning des Nationalen Bildungsinstituts kam zu dem Schluss, dass der Collegestudienplan “zu berufsbezogen” geworden war. Der Bericht warnte auch, dass die Collegeausbildung den Studenten womöglich nicht mehr die “gemeinsamen Werte und das Wissen” vermittelte, die die Amerikaner traditionell zusammenhielten.

Diese Berichte gingen einher mit einem Trend weg von den Geisteswissenschaften. Die Studenten wählten stattdessen Hauptfächer, die sie auf bestimmte Berufe vorbereiten sollten. 1992 wurden 51 Prozent aller Bachelor-Abschlüsse im Bereich Wirtschaft und Management, Kommunikation, Informatik, Bildung, Ingenieur- und Gesundheitswesen erteilt.

Dieser Trend wirft Fragen in Bezug auf die Bildungsphilosophie aller Industrieländer auf. Gibt es in einem Zeitalter technologischer Durchbrüche und hochspezialisierter Berufe immer noch einen Bedarf an Generalisten mit einem breiten Allgemeinwissen und gut entwickelten Fähigkeiten der Argumentation und Kommunikation? Wenn die Antwort auf die Frage ja lautet, sollte die Gesellschaft dann Schritte unternehmen, um ihre Colleges und Universitäten zu ermutigen, mehr solcher Generalisten hervorzubringen? Amerikanische Pädagogen werden, ebenso wie ihre Kollegen in anderen Ländern, diese Fragen weiter erörtern.

Originaltext: A Diverse Educational System

Neue Fremdspracheninitiative

WASHINGTON (AD) – Nachfolgend veröffentlichen wir die unwesentlich gekürzte Rede von George W. Bush beim Gipfeltreffen der US-Universitätspräsidenten zur internationalen Bildung vom 5. Januar 2006.

Zunächst möchte ich Ariel Scharon das tiefe Mitgefühl unseres Landes übermitteln. Er liegt bewegungsunfähig in einem israelischen Krankenhaus. Wir beten für seine Genesung. Er ist ein guter Mann, ein starker Mann, ein Mann, der sich engagiert für die Sicherheit des israelischen Volks einsetzte, ein Mann mit einer Vision für den Frieden. Möge Gott ihn schützen.

Es ist interessant, dass das Außenministerium und das Verteidigungsministerium gemeinsam eine Sprachinitiative fördern. Das sagt etwas über die Welt, in der wir leben, aus.

Dies ist eine breit angelegte Initiative, die sich mit der Verteidigung unseres Landes, der Diplomatie unseres Landes, den nachrichtendienstlichen Erkenntnissen zur Verteidigung unseres Landes und der Bildung unserer Menschen beschäftigt. Außerdem ist es eine bedeutende Initiative, wie ich Ihnen gleich erläutern werde.

Wir leben in außergewöhnlichen Zeiten. Ich wünschte, ich könnte Ihnen berichten, der Krieg gegen den Terror sei vorbei. Das ist er nicht. Es lauert immer noch ein Feind im Verborgenen, der uns schaden will. Es hasse es, dem amerikanischen Volk derartige Nachrichten zu überbringen, aber es ist meine Pflicht, so offen wie möglich Bericht zu erstatten. Und das ist die Wahrheit.

Die grundlegende Frage lautet also, wie können wir gewinnen? Was sollen wir tun? Kurzfristig ist unsere Strategie, den Feind zu finden und ihn zur Rechenschaft zu ziehen, bevor er uns Schaden zufügt. Anders ausgedrückt, wir müssen in der Offensive bleiben. Wir müssen unbeugsam sein und dürfen ihn nicht zum Atemholen kommen lassen, er darf gar nicht erst Hoffnung schöpfen, dass er Erfolg haben könnte. Es ist die einzige Möglichkeit. Wir müssen ihn auf Schlachtfeldern im Ausland besiegen, so dass er uns nicht in unserem Land angreift.

Das ist einer der Gründe, warum der Verteidigungsminister hier ist. Er möchte, dass seine jungen Soldaten, die diese Mörder an der Front aufspüren, deren Sprache sprechen und diesen Menschen in den Gemeinschaften, in denen sie leben, zuhören können. Es ist sinnvoll, ein sprachbewandertes Militär zu haben – Menschen zu haben, die in entlegene Gebiete der Welt reisen und in den Dörfern, Städten, ländlichen und städtischen Zentren kommunizieren können, um die Amerikaner zu schützen.

Wir brauchen Mitarbeiter der Nachrichtendienste, die wissen, worum es geht, wenn jemand arabisch, Farsi oder Urdu spricht. Das ist es, was wir brauchen. Wir brauchen Diplomaten, die wir entsenden können, um uns zu helfen, andere Regierungen zu überzeugen, dass wir diese Terroristen gemeinsam bekämpfen müssen, die Leben zerstören wollen und eine Ideologie verbreiten, die so rückwärts gerichtet ist, dass es kaum zu glauben ist. Diese Diplomaten müssen diese Sprache sprechen.

Unsere kurzfristige Strategie besteht darin, in der Offensive zu bleiben, und wir müssen unseren Truppen, unseren Mitarbeitern der Nachrichtendienste und unseren Diplomaten alle erforderlichen Werkzeuge für den Erfolg an die Hand geben. Das erwarten die Menschen in diesem Land von unserer Regierung. Sie erwarten, dass wir klug mit unseren Ressourcen umgehen, und eine sinnvolle Verwendung von Ressourcen ist die Förderung dieser Sprachinitiative vom Kindergarten bis zur 12. Klasse und in unseren Universitäten. Eine sinnvolle Verwendung von Ressourcen ist es ebenso, Ausländer aus wichtigen Regionen der Welt zu ermutigen, zu uns zu kommen und uns ihre Sprache beizubringen.

Sie werden über die Einzelheiten des Programms noch viel hören. Ich versuche Ihnen zu vermitteln, dass das Programm Teil des strategischen Ziels ist, dieses Land kurzfristig zu schützen und es langfristig durch die Verbreitung von Freiheit zu schützen. Uns steht ein ideologischer Kampf bevor, den wir gewinnen werden. Unsere Ideologie birgt wesentlich mehr Hoffnung als die ihre.

Eine Ideologie kann nicht funktionieren, wenn man der Hälfte der Bevölkerung in einem Teil der Welt sagt, sie habe keine Rechte. Man kann einer Gruppe von Menschen nicht sagen, meine Ideologie ist besser als Freiheit, und wenn ihr den Mund aufmacht werdet ihr gefoltert.

Sehen Sie, Freiheit ist die Ideologie, die gewinnt. Mit diesem Vertrauen machen wir uns auf den Weg. Aber langfristig gesehen, kann man im Namen der Demokratie nur gewinnen, wenn man die Kapazitäten zur Verbreitung der Demokratie hat. Wir müssen die Menschen von den Vorteilen einer freien Gesellschaft überzeugen. Ich glaube, jeder wünscht sich Freiheit. Aber ich weiß auch, dass Menschen überzeugt werden müssen. Und man kann Menschen nur überzeugen, wenn man mit ihnen sprechen kann. Und ich spreche jetzt nicht direkt zu ihnen; ich spreche über einen Dolmetscher in einigen der arabischen Fernsehsender.

Aber wir brauchen in Amerika Menschen, die anderen Menschen sagen können, dass ein Leben in Freiheit nicht die amerikanische, sondern eine universelle Lebensweise ist. Wir sagen nicht, dass Ihre Freiheit wie unsere sein muss. Wir sagen nur, geben Sie Ihren Bürgern die Chance auf ein Leben in einer freien Gesellschaft; geben Sie jungen Mädchen eine Chance auf Bildung und Entfaltung ihres vollen Potenzials.

Und die beste Art, eben dies zu tun, ist, jenen, die die Freiheit verstehen, die Möglichkeit zu geben, in der Sprache der Menschen zu kommunizieren, denen sie helfen wollen. Um die Menschen davon zu überzeugen, dass wir uns für sie einsetzen, müssen wir ihre Kultur verstehen und ihnen zeigen, dass wir ihre Kultur respektieren. Wenn jemand zu mir kommt und texanisches Englisch spricht, weiß ich, dass diese Person die texanische Kultur schätzt. Ich meine, wenn sich jemand die Mühe macht, arabisch zu lernen, bedeutet das, dass er sich für die arabische Kultur interessiert. Eine Sprache zu lernen – die Sprache einer anderen Kultur – ist eine positive Geste. Es ist eine Geste des Interesses. Es ist eine grundlegende Art, jemandem die Hand zu reichen und ihm zu sagen, du liegst mir am Herzen. Ich möchte, dass du weißt, dass ich mich nicht nur dafür interessiere, was du sagst, sondern auch, wie du lebst.

Damit unser Land andere Menschen überzeugen kann, müssen diese unseren wahren Wert in unserem Herzen sehen. Wenn Amerikaner lernen, eine Fremdsprache wie Arabisch zu sprechen, werden die Menschen in der arabischen Region erkennen, dass sich die Amerikaner für sie interessieren. Sie interessieren sich so sehr für uns, dass sie unsere Sprache lernen.

Einige der großartigsten Programme, über die wir verfügen, um anderen Menschen zu zeigen, wie wir denken und handeln, sind die Stipendien an unseren Universitäten. Ich weiß, die Außenministerin hat mich nicht hierher gebeten, um über dieses Thema zu sprechen, aber ich werde es dennoch tun. Wir wollen, dass junge Menschen von überall auf der Welt unsere Universitäten besuchen. Es ist in unserem nationalen Interesse, dass wir Probleme bei der Visaerteilung lösen, um das sicherzustellen. Wir haben nach dem 11. September die richtige Balance angestrebt. Ich verstehe einige ihrer Bedenken gut, vor allem, wenn Sie sagen, die angestrebte Balance sei nicht geglückt. Aber wir werden es hinkriegen, denn je mehr junge Menschen für ihre Universitätsbildung in die Vereinigten Staaten kommen, desto eher werden die Menschen auf der Welt das wahre Wesen Amerikas erkennen.

Man kann die Vereinigten Staaten einfach nicht verstehen, wenn man sich manche Fernsehsender ansieht – vor allem bei der Botschaft, die sie übermitteln. Das arabische Fernsehen wird unserem Land nicht gerecht. Die Art der Propaganda, die ausgestrahlt wird, ist nicht richtig, nicht fair, und zeigt den Menschen nicht, um was es uns geht. Wenn jemand hier das College besucht, ist es egal, was im Fernsehen gesagt wird – die Person erfährt aus erster Hand, wie mitfühlend die Vereinigten Staaten von Amerika sind. Sie sieht, dass wir nicht aufgrund von Religion diskriminieren. Sie erlebt die multikulturelle Gesellschaft, in der wir leben, geeint in der Sache der Freiheit.

Daher arbeite ich mit Condoleezza Rice zusammen, und sie arbeitet mit anderen zusammen und mit Ihnen, um sicherzustellen, dass diese jungen Menschen unsere Universitäten besuchen können. Es ist toll, Politiker überall aus der Welt zu treffen, sie im Oval Office willkommen zu heißen oder sie in ihrem Büro zu besuchen, und zu hören, wissen Sie, Herr Präsident, ich war an der Texas A&M University, oder ich war in Stanford – wie Präsident Toledo aus Peru. Es ist so viel einfacher, Außenpolitik und Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben, wenn man die Gemeinsamkeit eines Universitätsbesuchs in den Vereinigten Staaten hat, über die man sprechen kann. Es ist sehr viel einfacher, die Interessen dieses Landes zu vertreten, wenn man mit einem Politiker zu tun hat, der nicht eine von Vorurteilen geprägte Meinung zu den Vereinigten Staaten hat, weil er selbst während seines Studiums Zeit hier verbracht hat.

Wir werden unsere Kinder lehren, wichtige Fremdsprachen zu sprechen. Wir werden Lehrer in unserem Land willkommen heißen, um unseren Kindern beim Erlernen von Sprachen zu helfen. Wir werden aber auch die amerikanischen Interessen auf der Welt fördern und die Auffassung widerlegen, unser Konzept der Freiheit sei tyrannisch, indem wir den Menschen zeigen, um was es uns geht. Wir müssen ihnen die Anständigkeit unseres Landes persönlich vor Augen führen.

Daher werden wir, Frau Außenministerin Rice und ich, vor den anwesenden Universitätspräsidenten geloben, dass wir die richtige Balance zwischen Sicherheit und der Möglichkeit finden, Menschen zum Wohl unseres Landes an unsere Universitäten kommen zu lassen.

Für mich besteht kein Zweifel, dass wir den Krieg gegen den Terror gewinnen werden. Für mich besteht kein Zweifel, dass Afghanistan eine Demokratie bleiben und als unglaubliches Beispiel dienen wird. Diejenigen unter Ihnen, die im Bildungswesen tätig sind, wissen, dass in Afghanistan früher jungen Mädchen eine Ausbildung verweigert wurde. Heute besuchen Mädchen in den meisten Teilen Afghanistans die Schule.

Im Irak werden wir ebenfalls siegen. Es ist schwierig. Es ist deshalb schwierig, weil eine Hand voll Mörder aus einem bestimmten Grund die Verbreitung von Freiheit stoppen will. Demokratie im Herzen des Nahen Ostens kommt einer großen Niederlage ihrer Ideologie und ihrer Ziele gleich.

Es ist harte Arbeit. Was Sie im Fernsehen sehen, ist harte Arbeit. Aber wie Condoleezza bereits sagte, haben wir auch in der Vergangenheit harte Arbeit geleistet. Wir haben den Faschismus besiegt. Wir haben den Kommunismus besiegt. Und wir werden diese Ideologie des Hasses besiegen. Aber wir werden alle Instrumente benötigen, über die wir verfügen.

Die folgende Geschichte erzähle ich gerne: Einer meiner besten Freunde in der internationalen Politik ist der japanische Ministerpräsident Koizumi. Er ist eine interessante Person. Elvis war z.B. sein Lieblingssänger.

Jedes Mal, wenn ich ihn treffe, erscheint es mir als eine verblüffende geschichtliche Begebenheit, dass der 41. Präsident der Vereinigten Staaten mit 18 gegen die Japaner kämpfte und der 43. Präsident der Vereinigten Staaten, sein Sohn, zusammen mit dem Ministerpräsidenten für den Frieden arbeitet. Das erscheint mir verblüffend. Es geschah etwas in der Zeit zwischen dem Kriegseinsatz des 41. Präsidenten und den Gesprächen des 43. Präsidenten mit dem Ministerpräsidenten über Themen wie das Entsenden von Truppen in den Irak, um dieser jungen Demokratie im Herzen des Nahen Ostens zu helfen, oder den Umgang mit der politischen Führung Nordkoreas, die ihre Bürger verhungern lässt und was man dagegen tun kann. Was können wir dagegen tun?

Es geschah Folgendes: Die Japaner schufen eine japanische Demokratie. Es war keine amerikanische Demokratie, es war eine japanische. Diese Gesellschaft, diese Regierungsform trug dazu bei, einen Feind zu einem Verbündeten zu machen. Das ist geschehen. Ich lebe es, wenn ich mit dem Ministerpräsidenten spreche. Ich erlebe es persönlich. Es ist ein realer Teil des Lebens meiner Familie.

Eines Tages wird sich ein amerikanischer Präsident hinsetzen und dieser Generation für ihre Willensstärke und Entschlossenheit danken, der Demokratie die Chance zu geben, in einem Teil der Welt Fuß zu fassen, der Demokratie dringend benötigt. Eines Tages wird jemand sagen, dass wir eine bessere Chance auf ein weiteres Leben in Freiheit haben, weil diese Generation von Amerikanern Vertrauen in unsere Fähigkeit hatte, mit anderen an der Verbreitung der Freiheit zu arbeiten.

Dieser Herausforderung sehen wir uns heute gegenüber, und es steht viel auf dem Spiel. Es ist eine interessante Zeit, um hier in Washington zu sein. Es ist eine fantastische Chance für uns, unserem Land zu dienen. Ich möchte jenen unter Ihnen danken, die unserem Land in der Regierung dienen. Zudem möchte ich jenen unter Ihnen danken, die unserem Land in der weiterführenden Bildung dienen. Für ein Kind gibt es kein wertvolleres Geschenk als die Möglichkeit, Erfolg zu haben und seine Träume zu verwirklichen. Genau diese Möglichkeit eröffnen Sie.

Vielen Dank für die Möglichkeit, Sie zu besuchen und Ihnen meine Gedanken vorzutragen. Möge Gott unser Land segnen.

Originaltext: President Introduces Foreign Language Initiative

Neue Fremdspracheninitiative

WASHINGTON (AD) – Nachfolgend veröffentlichen wir die unwesentlich gekürzte Rede von US-Außenministerin Condoleezza Rice anlässlich des Dinners während des Gipfeltreffens der US-Universitätspräsidenten zur internationalen Bildung vom 5. Januar 2006.

Die weiterführende Bildung war in meiner Familie seit jeher von Bedeutung. Tatsächlich haben wir ja alle unsere Helden. Mein besonderer Held, oder einer meiner Helden, ist mein Großvater väterlicherseits. Er ist mein Held, weil er derjenige war, der als Sohn eines Farmpächters in Ewtah – buchstabiert E-W-T-A-H – in Alabama beschloss, dass er sich Wissen aus Büchern aneignen würde. Und deshalb fing er um 1916 oder 1917 damit an, Besucher auf der Durchreise zu fragen, wo ein Farbiger ein College besuchen könne. Sie erzählten ihm vom kleinen Stillman College, das in etwa 60 Meilen von seinem Wohnort entfernt war. Sie sagten: “Weißt du, wenn du nach Stillman gehst, kannst du eine Ausbildung bekommen.” Also sparte er seine Baumwolle, besuchte das Stillman College und absolvierte dort sein erstes Studienjahr. Im zweiten Jahr fragte man ihn dann: “Okay, wie wirst du jetzt für das College bezahlen?”Und er sagte: “Aber ich habe keine Baumwolle mehr.” Man sagte ihm: “Dann hast du auch kein Glück mehr.” Er sagte: “Wie können eigentlich diese anderen Jungen das College bezahlen?” Man sagte ihm: “Nun, sie haben etwas, das man ein Stipendium nennt, und wenn du ein presbyterianischer Pfarrer werden möchtest, könntest auch du eines bekommen.” Und mein Großvater sagte: “Wissen Sie, genau das hatte ich vor.” Seit damals ist meine Familie presbyterianisch und besucht das College.

Irgendwie wusste mein Großvater, dass eine Hochschulbildung sein Leben verändern würde. Er konnte damals nicht wissen, dass das Hochschulsystem in den Vereinigten Staaten nicht nur das Leben eines Jungen aus Ewtah (Alabama) verändern konnte, sondern das Leben von Menschen überall auf der Welt. Das Vermögen der amerikanischen Universitätsbildung, die Dinge zu verändern, wurde mir in meiner Tätigkeit als Professorin deutlich vor Augen geführt. Ich wurde bei meinen amerikanischen Studenten, die im Ausland studierten, Zeugin des Veränderungen auslösenden Potenzials internationaler Austauschprogramme, aber auch bei den Studenten aus aller Herren Länder, die in Stanford studierten und meine Klassenzimmer auf eine Art und Weise bereicherten, wie nur sie es konnten.

Für manche war es nicht das erste Mal, dass sie in den Vereinigten Staaten waren, aber für einige war es nicht nur das erste Mal in den Vereinigten Staaten, sondern auch das erste Mal weg von zu Hause. Einige dieser Studenten haben sich tief in meine Erinnerungen eingegraben. Ich erinnere mich daran, eine junge Frau aus Timisoara in Rumänien unterrichtet zu haben, die mit 13 während der Dezemberrevolution in Rumänien einige der schlimmsten Gewalttaten erlebt hatte, die dort verübt wurden. Eines Tages während eines Gesprächs wollte sie wissen, ob ich 1963 im Birmingham unter der Rassentrennung Erlebnisse wie sie gemacht und gesehen hätte, wie kleine Kinder ermordet wurden. Ich erzählte ihr von meiner Erfahrung, eine junge Klassenkameradin namens Denise MacNair verloren zu haben – in der Kirche in der 16. Straße, auf die im September 1963 ein Bombenattentat verübt wurde. Und ich erkannte plötzlich, dass wir trotz der großen räumlichen Entfernung zwischen Rumänien und Birmingham in Alabama eine Erfahrung teilten, die uns näher zueinander brachte. Die junge Frau arbeitet jetzt in Paris. Sie besucht hin und wieder die Vereinigten Staaten. Vor einem Monat besuchte sie mich. Sie ist eine Studentin, an die ich mich immer erinnern werde.

Ich erinnere mich auch an einen afghanischen Studenten, dessen Vater afghanischer Geistlicher war. Er wurde von den Taliban getötet, da er gegen deren tyrannische Herrschaft kämpfte. Der Student und seine Mutter hatten es nach Amerika geschafft, und jetzt studierte er hier.

Für diese beiden Studenten und viele weitere war die Universität und Amerika selbst ein Ort des offenen Meinungsaustauschs und der Selbstverbesserung, wo sie zum ersten Mal in ihrem Leben in Sicherheit waren und in einer freien Atmosphäre nach Wissen streben konnten.

Als Außenministerin habe ich neu erkannt, wie Bildung nationale Grenzen überwinden kann. Ich kann Ihnen nicht sagen, wie oft ich ausländische Politiker und Staatsoberhäupter getroffen habe, die in den Vereinigten Staaten studiert haben. Ich denke, wir konnten heute erkennen, dass diese Tatsache den Präsidenten auch begeistert, weil er diese Politiker trifft und sie ihm erzählen, dass sie Schulen in den Vereinigten Staaten besucht haben. Sie besuchten Community Colleges, kleine Colleges, öffentliche Colleges der Bundesstaaten und Forschungsuniversitäten. Sie haben alle die Erfahrung gemeinsam, in den Vereinigten Staaten studiert zu haben. Diese Erfahrung schafft im Laufe der Zeit eine Verbindung zu uns, die nicht gebrochen werden kann.

Für die internationalen Kollegen, die in den Vereinigten Staaten lebten und studierten, bleibt diese Erfahrung frisch und lebhaft in ihrer Erinnerung, und die meisten von ihnen strahlen, wenn sie über ihre Zeit hier sprechen. Als ich vor kurzem Saudi-Arabien besuchte, traf ich dort die Prinzen der königlichen Familie und einige Mitarbeiter des Außenministeriums und wir unterhielten uns. Einer sagte stolz “Ich bin ein Trojan.” [Absolvent der University of Southern California.]Ein anderer meldete sich zu Wort und sagte, dass er wie ich ein Pioneer sei und die University of Denver besucht habe. Diese Art Gespräch habe ich immer wieder geführt. Wissen Sie, in meiner Generation studierten Menschen aus Saudi-Arabien noch in Amerika, aber die nächste Generation tut es nicht. Das ist eine Entwicklung, die wir korrigieren und ändern müssen.

Als Außenministerin ist eine meiner obersten Prioritäten die erneute Stärkung unserer Maßnahmen, die Menschen der Welt über die Bildung miteinander zu verbinden. Im heutigen internationalen Gefüge wird die Entfernung zwischen zwei Orten zunehmend kleiner. Die Zeit, in der Menschen und Ideen den Globus überqueren, nimmt rapide ab. Zudem haben die Gedanken und Taten von Einzelpersonen größere Auswirkungen als jemals zuvor. Aufgrund dessen ist der Meinungsaustausch zwischen Völkern so bedeutsam wie der Meinungsaustausch zwischen Diplomaten.

Heute ist jeder im Ausland studierende Amerikaner ein Botschafter unserer Nation, eine Person, die das wahre Wesen unserer Bürger und die Prinzipien der Freiheit und Demokratie widerspiegelt, für die wir stehen. Gleichermaßen bietet uns jeder ausländische Student, der eine unserer Universitäten besucht, die Chance, die Demokratie in Amerika zu ergänzen und die Sache der Freiheit im Ausland zu stärken. Unsere Bürger lernen von den anderen Perspektiven, die Studenten aus dem Ausland in unsere Klassenzimmer bringen. Sie lernen, dass es schlimm war, in Timisoara aufzuwachsen, und dass die meisten Amerikaner niemals etwas Ähnliches erleben werden. Wenn diese Studenten dann in ihre Heimat im Ausland zurückkehren, haben sie neue Freunde gefunden und tragen Erinnerungen an Amerika in sich, die sie nie vergessen werden.

Die Aufgabe der Vereinigten Staaten in diesem neuen Jahrhundert muss darin bestehen, mehr Studenten aus dem Ausland in unserem Land willkommen zu heißen und mehr unserer Bürger zum Studium ins Ausland zu schicken. Um dabei erfolgreich zu sein, muss unsere Regierung zusammen mit unseren Universitäten eine neue Partnerschaft für bildungspolitischen Austausch ins Leben rufen, eine Partnerschaft, die auf neuem Denken und neuem Handeln beruht.

Bei dem Gipfel, den wir heute Abend beginnen, werden wir eine Diskussion über die Art und Weise anregen, wie wir unsere gemeinsamen Ziele erreichen können. Und heute Abend möchte ich vier Säulen vorschlagen, die unsere Partnerschaft bei der Arbeit an diesen gemeinsamen Zielen stützen können.

Erstens müssen wir zusammenarbeiten, um bestehende Programme, die sich als erfolgreich erwiesen haben, auszuweiten. Eines davon ist das Fulbright-Stipendienprogramm, mit dem in den letzten 60 Jahren eine Viertel Million Studenten aus 185 Ländern zum Studium in die Vereinigten Staaten kamen. Ein weiteres, neueres Programm ist das Gilman-Stipendium, mithilfe dessen in den vergangenen fünf Jahren 2.200 amerikanische Studenten im Ausland studieren konnten. Einer dieser Studenten, Tomas Henderson, machte seinen Abschluss in den Hauptfächern Psychologie und Russisch an der Howard University. Er studierte vor kurzem in St. Petersburg. Seine Erfahrungen dort empfand er als so inspirierend, dass er bei seiner Rückkehr eine Organisation gründete, die anderen Studenten der Howard University ein Auslandsstudium erleichtern soll.

Zweitens müssen wir neue Beziehungen für bildungspolitischen Austausch mit Ländern pflegen, die eine zunehmend bedeutende internationale Rolle spielen. Mit der Verlagerung des globalen Schwerpunkts von Westen nach Osten und demokratischen Reformen im Nahen und Mittleren Osten, müssen amerikanische Studenten Vorreiter unseres Engagements in Ländern wie China und Indien, Irak und Afghanistan sein. Um junge Amerikaner darauf vorzubereiten, die Menschen, die das 21. Jahrhundert mitgestalten werden, zu verstehen, ist nichts wichtiger als die Fähigkeit, ihre Sprache zu sprechen. Und deshalb ist die Fremdspracheninitiative für die nationale Sicherheit (National Security Language Initiative – NSLI), die heute von Präsident Bush ins Leben gerufen wurde, ein entscheidendes Ziel und eine entscheidende Initiative dieser Regierung.

Gleichzeitig müssen wir aktiv Studenten aus diesen neuen strategischen Ländern anwerben, in den Vereinigten Staaten zu leben und zu studieren. Hier sehen wir uns einem riesigen ungenutzten Potenzial gegenüber. Es gibt eine Vielzahl eifriger junger Menschen dort draußen, die nur darauf warten, von uns zu hören. Auf den Philippinen beispielsweise, stehen jedem Studenten, der zum Studium in den Vereinigten Staaten zugelassen wird, 22 ernsthafte Studienanfragen an das Außenministerium gegenüber. In Marokko ist das Verhältnis 33:1, in Kolumbien 40:1. In Ländern wie Nepal und Simbabwe, Malaysia und der Mongolei sieht es ähnlich aus. Wir müssen einen Weg finden, diesen Studenten bei der Verwirklichung ihrer Träume behilflich zu sein – einem Studium in den Vereinigten Staaten – denn wenn wir das nicht tun, werden es andere tun.

Drittens müssen wir unsere Universitäten aktiv ansprechen und für begabte, aber unterprivilegierte Studenten und Studenten unterschiedlicher Herkunft öffnen, da Vielfalt schließlich mehr ist als das äußerliche Erscheinungsbild von ethnischer Zugehörigkeit oder Geschlecht. Qualifizierte Studenten aus allen Bereichen des Lebens sind eine Bereicherung für die amerikanischen Universitäten, nicht nur jene, die elitärer Herkunft sind oder elitäre Privilegien genießen.

Wir im Außenministerium wenden uns momentan an Lehrerinnen in Afrika, Journalisten im Nahen Osten und die einheimische Bevölkerung Südamerikas. Wir führen neue Entwicklungsprogramme ein, um Englisch zu unterrichten und die natürliche Begabung tausender unterprivilegierten Jugendlicher im Nahen Osten und andernorts freizusetzen. Und wir ermutigen alle diese jungen Menschen, eine Zukunft in der akademischen Bildung der Vereinigten Staaten in Betracht zu ziehen.

Und schließlich, wie der Präsident heute bereits sagte – und sie alle jubelten – müssen wir als Nation unsere Visapolitik weiter verbessern. Natürlich muss ein Großteil der Arbeit von uns in der Regierung geleistet werden. Um sicherzustellen, dass wir sowohl den Bedürfnissen unserer Universitäten als auch unserer potenziellen ausländischen Studenten gerecht werden, werden wir beständige Hilfe von Ihnen, dem Privatsektor, benötigen. Es gibt berechtigte Sicherheitsbedenken, denen Rechnung getragen werden muss, und wir benötigen Ihre Hilfe, um das zu gewährleisten. Ich werde Ihnen ein Versprechen geben: Wenn Sie bereit sind uns zu helfen sicherzustellen, dass wir eine Gleichgewicht zwischen Offenheit und Sicherheit erreichen, sind wir bereit, mit Ihnen daran zu arbeiten.

Die Vereinigten Staaten waren nie mehr daran interessiert, ausländische Studenten in ihrem Land willkommen zu heißen. In den vergangenen vier Jahren haben wir sämtliche Aspekte unseres Visavergabeverfahrens überprüft und verbessert. Wir sind jetzt besser in der Lage, die für die zügige Vergabe eines Studienvisums erforderlichen Informationen zu sammeln. Wir stellen mehr Konsularbeamte ein, bilden sie besser aus und entsenden sie dann ins Ausland um zu erklären, wie sich die dortigen Studenten am besten um ein Visum bewerben. Unsere Botschaften und Konsulate haben besondere, beschleunigte Visagespräche für potenzielle ausländische Studenten eingeführt.

Und es gibt bereits Ergebnisse. 97 Prozent der Visa werden jetzt in nur ein bis zwei Tagen bewilligt, und wir verkürzen die Zeit für die Bearbeitung der restlichen Visa radikal. Voriges Jahr haben wir zum ersten Mal seit dem 11. September wieder mehr Visa vergeben. Ebenso wichtig ist, dass wir einen Großteil dieses Wachstums erreichen, indem wir die Zahl der Studenten aus Ländern wie Korea, China, Indien und Saudi-Arabien dramatisch erhöhen.

Nichtsdestoweniger haben wir offensichtlich noch sehr viel zu tun. Wir haben noch mehr greifbare Arbeit vor uns, und wir müssen auch noch an der Wahrnehmung der Offenheit der Vereinigten Staaten arbeiten. Der Minister für innere Sicherheit, Michael Chertoff, und ich sind besonders dankbar für den Dialog mit der amerikanischen akademischen Gemeinschaft. In den kommenden Wochen freuen wir uns auf einen Gedankenaustausch, um die Vereinigten Staaten offener zu gestalten und gleichzeitig unsere Sicherheit zu gewährleisten.

In dieser Zeit von nie da gewesenem internationalem Wandel übernehmen die amerikanischen Universitäten eine einzigartige Rolle, nicht lediglich als Empfänger und Ausbilder ausländischer Studenten, sondern auch als Institutionen, die die nächste Generation amerikanischer internationaler Führungskräfte vorbereiten. Deshalb haben wir diesen Gipfel einberufen und Sie gebeten, mit uns zusammenzuarbeiten. Der heute beginnende Austausch wird uns dabei behilflich sein, ein gemeinsames Verständnis für unsere Prioritäten zu erreichen und unsere nationalen Interessen durch internationale Bildung zu vertreten.

Ich freue mich auf die Gespräche, die wir heute und morgen führen werden, denn die Stellung der Vereinigten Staaten in der heutigen Welt ist beispiellos. Wir haben die einzigartige Chance, unsere große Macht mit unseren demokratischen Prinzipien zu verbinden und dazu beizutragen, das Leben von Millionen von Menschen zu verbessern. Da ich selbst Akademikerin bin, glaube ich, dass gebildeten Menschen eine besondere Verantwortung obliegt, der Nation, die ihnen so viel gegeben hat, etwas zurückzugeben. Wenige Amerikaner sind in der Lage, ihre großen Begabungen für solch noble Ziele einzusetzen. Deshalb möchte ich Sie alle aufrufen, Ihre Studenten zu ermutigen, nach dem Abschluss ein Leben in der Diplomatie unserer Nation in Betracht zu ziehen, im Rahmen des auswärtigen Dienstes, der Streitkräfte, der Nachrichtendienste oder an einer anderen Stelle im öffentlichen Dienst. Der Dienst an der Öffentlichkeit ist eine wunderbare Art und Weise, etwas zurückzugeben. Aber das gilt auch für die Mobilisierung all dessen, was Amerika mobilisieren kann, nicht nur vom Staat ausgehend, sondern auch vom Privatsektor und unseren Universitäten um sicherzustellen, dass wir andere erreichen und sie auch uns erreichen.

In dieser wichtigen und entscheidenden Arbeit für unsere Sicherheit und für unsere Werte begrüße und freue ich mich auf Ihre Partnerschaft.

Vielen Dank.

Originaltext: Remarks at the U.S. University Presidents Summit on International Education Dinner

Truppenstärken im Irak und in Afghanistan werden reduziert

WASHINGTON – (AD) – Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von US-Präsident George W. Bush im Weißen Haus vom 4. Januar 2006.

Unsere Nation trauert heute um die Menschen, die beim Grubenunglück in West Virginia umkamen. Wir übermitteln ihren Angehörigen, deren Herzen gebrochen sind, unsere Gebete und tiefempfundene Anteilnahme. Wir bitten den Herrn, ihnen in ihrer Stunde der Not Trost zu spenden.

Ich möchte dem Gouverneur von West Virginia dafür danken, dass er seinem Mitgefühl Ausdruck verliehen hat. Ebenso danke ich jenen Menschen, die ihr Leben für die Rettung der Bergleute riskierten, für ihren Mut. Möge Gott die guten Bürger von West Virginia segnen.

Ich komme gerade von einem wichtigen Treffen, einem Briefing mit Mitgliedern meines nationalen Sicherheitsteams, das von [Verteidigungs]minister Don Rumsfeld und [dem Vorsitzenden der Vereinigten Stabschefs] General Pete Pace geleitet wurde. Wir sprachen über den globalen Krieg gegen den Terror. Um sicherzustellen, dass das Team die erzielten Fortschritte und die vor uns liegenden Herausforderungen versteht, bat der Minister drei unserer Befehlshaber, an dem Briefing teilzunehmen: Die Generäle [John] Abizaid [Befehlshaber des U.S. Central Command], [George W.] Casey [jr., Befehlshaber der multinationalen Streitkräfte im Irak] und [Leutnant] General [Martin] Dempsey [Befehlshaber des Multinational Security Transition Command im Irak].

Ich möchte den Amerikanern mitteilen, dass ich vom Format dieser Generäle zutiefst beeindruckt bin. Sie sind klug, fähig, haben Weitblick und arbeiten hart daran, diesen globalen Krieg zu gewinnen. Wir konnten auch mit einem unserer herausragenden Botschafter sprechen, US-Botschafter Khalilzad aus Bagdad.

Während des Briefings sprachen wir über verschiedene wichtige Themen im globalen Krieg gegen den Terror, in dem wir erkennen müssen, dass sich der Feind mit seiner Ideologie des Hasses und seinem Wunsch, zu töten, in verschiedenen Teilen der Welt verborgen hält. Ich versicherte den Generälen, dass diese Regierung alles in ihrer Macht stehende tun wird, um den Feind zur Rechenschaft zu ziehen.

Wir sprachen auch über die zwei Hauptfronten im Krieg gegen den Terror – den Irak und Afghanistan. Im Irak war das Jahr 2005 ein Jahr der Fortschritte auf dem Weg zu unserem Ziel, den Sieg zu erringen. Wir müssen uns in Erinnerung rufen, dass drei wichtige Wahlen abgehalten wurden, und das in einer Atmosphäre, von der einige der Meinung waren, sie würde keine Demokratie ermöglichen. Im Januar fanden Wahlen statt, dann das Verfassungsreferendum und im vergangenen Dezember die Wahlen, bei denen 11 Millionen Menschen den Terroristen trotzten und wählen gingen. Die landesweite Wahlbeteiligung lag bei 70 Prozent. Ein Teil der Strategie, mit der wir den Feind im Irak besiegen wollen, beinhaltet, dass es einen stabilen politischen Prozess geben muss. Wenn 70 Prozent der Menschen wählen gehen, ist das ein gutes Zeichen. Die Menschen sagen, dass sie am demokratischen Prozess teilnehmen wollen. Die Iraker bewiesen großen Mut.

Jetzt sehen wir natürlich der Fortführung des Prozesses erwartungsvoll entgegen. Die Bildung einer einheitlichen Regierung wird für die zukünftige Stabilität im Irak wichtig sein. Zuvor müssen natürlich erst die Stimmzettel fertig ausgezählt werden. Das wird während der nächsten Wochen geschehen. Dann werden die Iraker damit beginnen, die Regierung gemäß ihrer neuen Verfassung zu bilden. Es erfordert die Zustimmung von zwei Dritteln des Parlaments, wenn bestimmte hochrangige Beamte ein Amt übernehmen. Um eine integrative Regierung zu bilden, müssen die irakischen Politiker Kompromisse eingehen, verhandeln und einen Konsens erarbeiten, und das wird einige Zeit dauern.

Die Amerikaner werden in den kommenden Wochen erleben, wie sich ein politischer Prozess entwickelt, und dass die Menschen im Irak ihre Entscheidungen nicht mehr davon abhängig machen werden, wer das größte Gewehr hat, sondern wer mit seinen Standpunkten die Menschen hinter sich scharen kann. Und das ist eine positive Entwicklung. Demokratien spielen für den Sieg im Kampf gegen den Terror eine wichtige Rolle. Demokratien bringen eine Ideologie hervor, die darauf basiert, dass Menschen frei entscheiden können. Die Ideologie des Feindes besteht darin, dass einige wenige entscheiden, und wenn anderen nicht passt, an was sie glauben müssen, werden sie getötet oder schlecht behandelt.

Ich möchte, dass sich die amerikanischen Bürger daran erinnern, wie das Leben der armen Menschen in Afghanistan unter den Taliban war. Die Taliban hatten keine hoffnungsvolle Vision. Ihre Vision bestand darin, zu sagen, wenn ihr nicht derselben Meinung seid wie wir, werdet ihr öffentlich ausgepeitscht. Ihre Vision bestand darin, Frauen jegliche Rechte zu verweigern. Ihre Vision war dunkel und düster – ganz anders als die Vision der Freiheit und Demokratie.

Der zweite Teil unserer Strategie für den Sieg im Irak ist die Ausbildung der Iraker, so dass sie den Kampf gegen die Minderheit, die den Fortschritt der Mehrheit der Menschen verhindern wollen, übernehmen können. Wir wurden während des Briefings auch über die Arbeit der Sicherheitskräfte während der Wahlen informiert. Die Befehlshaber berichteten über mehr als 215.000 irakische Soldaten und Polizeikräfte, die das Land sicherten. Dabei handelt es sich um eine Erhöhung um 85.000 Mann seit Januar 2005. General Casey bezeichnete die Leistungen der Truppen als erstklassig.

Vor den Wahlen wurden einige gemeinsame Operationen durchgeführt, um die Grundlage für friedliche Wahlen zu schaffen. Am Wahltag übernahmen die Iraker die Führung. Sie waren also selbst für die Sicherheit während der Wahlen zuständig. Wir standen bereit, um ihnen zu helfen, aber sie waren für die Sicherung der Wahllokale zuständig. Sie leisteten gute Arbeit. Während der Wahlen sank die Zahl der Anschläge drastisch. Die Sicherheitskräfte bewiesen ihre Leistungsfähigkeit. Genau das kommt zum Tragen, wenn wir beurteilen, ob die irakischen Kräfte an Fähigkeiten gewinnen. Zahlen sind das Eine, aber die Leistungsfähigkeit ist auch von Bedeutung. Während der Wahlen zeigten die irakischen Sicherheitskräfte unseren Befehlshabern vor Ort und den amerikanischen Bürgern, dass sie mehr und mehr Fähigkeiten und Pflichten bei der Gewährleistung der Sicherheit der Iraker übernehmen können.

Wir müssen aber auch verstehen, dass die erfolgreiche Durchführung der Wahlen nicht bedeutet, dass Saddamisten wie Sarkawi ihre Waffen niederlegen werden. Das werden sie nicht tun. Es wird weiterhin Gewalt geben. Es wird weiterhin einige Menschen geben, die glauben, dass sie die politische Zukunft des Irak mit Gewalt beeinflussen können. Das ist uns klar. Wir werden weiterhin in der Offensive bleiben. Mit “wir” meine ich die Streitkräfte der Koalition und des Irak. Die vor kurzem abgehaltenen Wahlen kamen aber einer wahren Niederlage der Verweigerer, Saddamisten und Anhänger der Al Kaida gleich. Sunnitische Araber, die zuvor den politischen Prozess boykottiert hatten, nahmen jetzt an ihm teil. Dadurch wurden jene im Irak zunehmend marginalisiert, die den Fortschritt der Freiheit stoppen wollen.

Deshalb besteht unsere Aufgabe im Jahr 2006 darin, immer mehr Gebiete und Verantwortungsbereiche an die irakischen Sicherheitskräfte zu übergeben. Vor einem Jahr gab es nur eine Hand voll kampfbereiter irakischer Armee- und Polizeibataillone, die die Führung übernehmen konnten; heute kämpfen mehr als 125 irakische Kampfbataillone gegen den Feind, und 50 von ihnen übernehmen im Kampf die Führung. Das sind Fortschritte. Es sind bedeutende Fortschritte, und sie sind ein wichtiger Teil unserer Strategie, im Irak zu siegen. Wenn diese Sicherheitskräfte kampferprobter werden und zunehmend die Führung übernehmen, wird das zu gesteigertem Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten der Iraker führen, sich zu verteidigen. Das ist wichtig. Und wenn mehr irakische Sicherheitskräfte die Führung übernehmen, werden wir unsere erklärte Strategie fortsetzen können: Während die Iraker mehr und mehr Verantwortungsbereiche übernehmen, werden wir uns im Gegenzug nach und nach aus diesen Bereichen zurückziehen.

Die Befehlshaber haben kürzlich entschieden, dass wir unsere Kampftruppen im Irak von 17 auf 15 Brigaden reduzieren können. Dies ist möglich, weil die Iraker immer leistungsfähiger werden. Die Anpassungen gehen vonstatten. Diese Anpassung wird zu einer realen Verringerung der US-Soldaten im Irak in Höhe von mehreren Tausend unter das Niveau von 138.000 vor den Wahlen führen. Die Verringerung geht einher mit einer Reduzierung um ungefähr 20.000 Soldaten, die im Irak waren, um während der Wahlen im Dezember bei der Gewährleistung der Sicherheit zu helfen.

Wenn die Iraker weiterhin Fortschritte im Bereich Sicherheit und Politik machen, wovon wir ausgehen, werden wir noch in diesem Jahr mit der neuen irakischen Regierung über weitere Anpassungen sprechen können. Meine Entscheidungen werden aber auf der Situation vor Ort beruhen sowie den Empfehlungen unserer Befehlshaber, nicht auf falschen politischen Zeitplänen aus Washington. Ich werde nicht zulassen, dass politische Erwägungen den richtigen Maßnahmen im Irak im Weg stehen, und die Amerikaner müssen das verstehen.

Wir haben darüber hinaus die Gelegenheit, die Zusammensetzung unserer Truppen im Irak zu verändern. Wir gehen davon aus, dass die Iraker 2006 zunehmend die Kontrolle über die umkämpften Gebiete übernehmen werden, und daher weniger US-Soldaten Kampfeinsätze in diesen Regionen durchführen müssen. Unserer Streitkräfte werden sich zunehmend auf die Ausbildung und Unterstützung irakischer Einheiten konzentrieren. Im kommenden Jahr werden wir uns weiterhin auf die Unterstützung der Iraker konzentrieren, damit sie ihre Logistik und nachrichtendienstlichen Fähigkeiten verbessern können und so mehr irakische Einheiten den Kampf übernehmen und im Kampf standhalten können.

Wir werden ebenfalls viel Zeit mit der Ausbildung von Polizeikräften verbringen. Ein wichtiger Teil unserer Strategie ist nicht nur die Ausbildung einer kompetenten irakischen Armee, sondern auch von Polizeikräften, die in der Lage sind, das Vertrauen der irakischen Bevölkerung zu gewinnen. Zur Wiederherstellung der Sicherheit benötigt der Irak leistungsfähige Polizeikräfte. Die jüngsten Berichte über Misshandlungen durch einige irakische Polizeieinheiten sind besorgniserregend; dieses Verhalten ist inakzeptabel. Unsere Befehlshaber wissen das, der Verteidigungsminister weiß das, und ich weiß das.

Um derartige Misshandlungen zu verhindern und die Professionalität der irakischen Polizeikräfte zu erhöhen, arbeiten General Dempsey, der für die Ausbildung verantwortlich ist, und andere mit den Irakern zusammen, um bei der Ausbildung der Polizeikräfte weitere Anpassungen vorzunehmen. Zunächst einmal werden wir mit der irakischen Regierung zusammenarbeiten, um die Schulung der Polizeirekruten im Bereich Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit zu verstärken, damit sie die Rolle der Polizei in einer demokratischen Gesellschaft verstehen.

Zweitens bilden wir irakische Polizeikräfte mithilfe eines Programms aus, das bereits bei der irakischen Armee erfolgreich war. Mit anderen Worten, wenn wir sehen, dass etwas gut funktioniert, setzen wir es ein. Wenn wir wiederum feststellen, dass etwas nicht funktioniert, dann ändern wir das. So binden wir jetzt beispielsweise die Koalitionsteams für die Übergangsphase in irakische Spezialpolizeieinheiten ein. Die Einbindung unserer Leute in irakische Armeeeinheiten hat funktioniert. Ein Grund dafür, warum die irakischen Einheiten besser in der Lage sind, die Führung zu übernehmen ist, dass sie Seite an Seite mit amerikanischen Spezialisten und Experten, einigen unserer besten Soldaten, gearbeitet haben. Deshalb werden wir diese Soldaten auch in die Polizeieinheiten einbinden.

Diese Übergangsteams werden aus unseren Offizieren sowie Unteroffizieren bestehen. Die Koalitionsteams werden mit der Polizei vor Ort sein – sie werden auf Streife und während Einsätzen in Echtzeit Ratschläge und wichtige Unterstützung geben können. Zwischen den Einsätzen werden sie die irakischen Polizeibeamten ausbilden; sie werden sie bei der Wahrnehmung von zunehmend mehr Aufgaben sowie der Erhöhung ihrer Professionalität unterstützen, damit sie der Bevölkerung ohne Diskriminierung dienen und sie schützen können.

Während wir nicht nur Soldaten, sondern auch Polizeikräfte ausbilden, verfolgen unsere Spezialeinheiten weiterhin Al Kaida und ihre Verbündeten. Al Kaida denkt, dass sie den Irak als Zufluchtsstätte nutzen kann, von der aus sie ihre Angriffe starten kann. Das ist ihr erklärtes Ziel. Ich denke mir das nicht aus. Das ist es, was Zawahiri und Sarkawi besprochen haben. Sie haben sich gesagt, verdrängen wir die Vereinigten Staaten doch aus dem Irak, damit wir den Irak als Zufluchtsstätte nutzen können. Wir werden Iraker ausbilden, wir werden ihre Armee ausbilden, und wir werden ihre Polizeikräfte ausbilden und gleichzeitig verfügen wir über die besten Soldaten auf der Jagd nach Sarkawi und seinen Verbündeten, um sie zur Rechenschaft zu ziehen.

Die zweite Front ist Afghanistan. Die zweite große Front in diesem globalen Krieg gegen die Terroristen ist Afghanistan, wo wir stetige Fortschritte auf dem Weg zur Demokratie zu verzeichnen haben. Karsai wurde gewählt und das Parlament tagt. Es ist bemerkenswert, wie weit Afghanistan seit der Herrschaft der Taliban gekommen ist. General Abizaid erklärte uns in unserem Briefing, dass die neue Demokratie zunehmend von fähigen afghanischen Armee- und Polizeikräften verteidigt wird. Die afghanischen Streitkräfte verfügen zurzeit über fast 27.000 ausgebildete und ausgerüstete Soldaten. General Abizaid teilte uns mit, dass diese Soldaten starke Kämpfer sind. Sie wollen ihr Heimatland verteidigen. Es befinden sich ungefähr 55.000 afghanische Polizisten im Einsatz. Sie bringen den Kampf zum Feind. Sie arbeiten zum Schutz der neuen Demokratie Seite an Seite mit den Koalitionskräften.

Sie erhalten durch das NATO-Bündnis viel internationale Hilfe. Die von der NATO geführte Internationalen Schutztruppe verfügt im Land zurzeit über ungefähr 9.000 Soldaten aus allen 26 NATO-Mitgliedsstaaten und zehn Ländern, die der NATO nicht angehören. Anders ausgedrückt, die internationale Gemeinschaft verstärkt ihr Engagement. Wie im Irak bringt sie sich auch in Afghanistan mehr ein. 2006 wird die Truppenstärke um weitere 6.000 Soldaten erhöht werden und sich insgesamt auf ungefähr 15.000 belaufen. 2006 wird es also eine Aufstockung der internationalen Truppen innerhalb Afghanistans geben.

Mit Übernahme einer größeren Rolle durch die NATO in Afghanistan und mit wachsender Leistungsfähigkeit der afghanischen Truppen werden die Vereinigten Staaten in diesem Jahr ihre dort stationierten Soldaten von 19.000 auf 16.500 verringern. Es war unsere Strategie, großes Engagement zu zeigen, um Stabilität herzustellen, damit Demokratie gedeihen kann. Wenn sich dann andere, einschließlich die afghanischen Truppen und NATO-Streitkräfte, stärker engagieren, ziehen wir uns zurück. Wir werden weiterhin auch in Afghanistan Operationen gegen den Terror durchführen. Dies ist Teil eines weltweiten Kampfes gegen Terrornetzwerke.

Nach dem 11. September habe ich erklärt, dass wir alles in unserer Macht stehende unternehmen würden, um den Feind, der die amerikanische Bevölkerung angegriffen hat, zur Rechenschaft zu ziehen, und das meinte ich auch so. Teil der Jagd nach den Taliban und Al Kaida ist es, sie dort aufzuspüren, wo sie sich verstecken. Wie im Irak werden wir weiterhin unsere Sondereinsatzkräfte bei der Verfolgung einsetzen. Gleichzeitig werden wir die Ausbildung fortsetzen.

In diesem Krieg gegen den Terrorismus muss noch viel getan werden, aber die amerikanische Bevölkerung kann sich dessen sicher sein, dass diese Regierung ihre Aufgabe verstanden, die Herausforderungen erkannt hat und ihre Verpflichtung sieht, Sie, das amerikanische Volk, zu beschützen.

Im vergangenen Jahr haben wir gute Menschen verloren, die die Uniform der Vereinigten Staaten von Amerika trugen. Wir beten für die Angehörigen. Wir beten für den Trost derer, die traurige Feiertage verbracht haben, weil ein Platz am Tisch leer geblieben ist. Wir schwören ihnen, dass wir unseren Auftrag zu Ende bringen werden: Wir werden die Grundlage für Frieden für zukünftige Generationen legen, wir werden unsere Pflicht erfüllen, unser Land zu schützen, indem wir nicht nur einen Feind zur Rechenschaft ziehen, der uns schaden will, sondern auch Freiheit und Demokratie verbreiten.

Vielen Dank.

Originaltext: Bush Says U.S. Forces Will Be Reduced in Iraq, Afghanistan