Zur Bekämpfung von AIDS, Drogenhandel und Kinderarbeit ist regionale Zusammenarbeit erforderlich

BANGKOK – (AD) – Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von US-Außenministerin Madeleine K. Albright beim 10+10-Treffen in Bangkok im Anschluss an die ASEAN-Ministerkonferenz vom 28. Juli 2000.

Sehr geehrte Minister und Kollegen, es ist mir eine besondere Ehre, die Vereinigten Staaten von Amerika zum vierten Mal bei der Nachkonferenz im Anschluss an die Ministerkonferenz zu vertreten.

Continue reading

Der gemeinsame Einsatz von Gewalt und Diplomatie kann Sicherheit verbessern

WASHINGTON – (AD) – Nachfolgend veröffentlichen wir einen Artikel des Abteilungsleiters für politisch-militärische Angelegenheiten im US-Außenministerium, Eric D. Newsom. Der Artikel basiert auf einer kürzlich von Newsom gehaltenen Rede.

Die Fähigkeit der Vereinigten Staaten, internationale Ereignisse so zu gestalten, dass sie die amerikanischen Interessen fördern, wird in hohem Maße davon abhängen, ob das Außenministerium zusammen mit dem Verteidigungsministerium und anderen Behörden kreativ und kooperativ auf die Herausforderungen reagieren kann, denen wir uns in einem sich wandelnden internationalen Umfeld gegenübersehen.

Continue reading

Die nationale Raketenabwehr

WASHINGTON – (AD) – Nachfolgend veröffentlichen wir die unwesentlich gekürzte Rede von Verteidigungsminister William Cohen bei der Anhörung zur nationalen Raketenabwehr vor dem Streitkräfteausschuss des Senats vom 25. Juli 2000.

Einleitung

Herr Vorsitzender Warner, Senator Levin, verehrte Ausschussmitglieder. Ich freue mich über diese Gelegenheit, mit Ihnen das Programm der Vereinigten Staaten zur nationalen Raketenabwehr (National Missile Defense – NMD) erörtern zu können.

Continue reading

Kyoto: Rückblick und Ausblick

Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus der Rede von Frank E. Loy, Staatssekretär für Globale Angelegenheiten im U.S. State Department auf der Jahreskonferenz der amerikanischen Rechtsanwaltskammer (American Bar Association) in London vom 20. Juli 2000.

Einleitung

Ich gehe davon aus, dass Sie mit den wissenschaftlichen Gegebenheiten, das heißt, mit denen von Menschen hervorgerufenen Ursachen und den damit verbundenen katastrophalen Folgen für das Klima vertraut sind. Ich betrachte es deshalb heute als meine Aufgabe, Ihnen Antworten auf drei Fragen zu geben, die Sie möglicherweise beschäftigen:

1. Was haben die Regierungen in den vergangenen Jahren seit der Kyoto-Konferenz unternommen und was wird demnächst, besonders auf der für alle so wichtigen sechsten Konferenz der Vertragsparteien im November dieses Jahres, geschehen?
2. Welche Aussichten bestehen für eine rechtzeitige Ratifizierung des Protokolls von Kyoto durch die Vereinigten Staaten?
3. Welche wirtschaftlichen und juristischen Auswirkungen haben die Verhandlungen von Kyoto?
Continue reading

Amerika und Deutschland: Eine garantierte Partnerschaft?

BERLIN – (AD) – Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede, die US-Botschafter John C. Kornblum am 17. Juli 2000 in der Konrad-Adenauer-Stiftung in Berlin hielt.

Ministerpräsident Biedenkopf,
Dr. Stoltenberg,
Dr. Eisel,
verehrte Gäste, meine Damen und Herren.

Ich freue mich sehr, heute hier zu sein. Aus einer Reihe von Gründen können Deutschland und Amerika wirklich als Partner für die Zukunft bezeichnet werden. Die historischen Bande zwischen unseren Nationen sind eng; wir blicken auf eine lange Tradition wissenschaftlicher und technologischer Zusammenarbeit zurück; wir haben die gleichen philosophischen Wurzeln der Aufklärung; über ein Viertel aller Amerikaner hat deutsche Vorfahren. Deutsche und Amerikaner sind gleichermaßen für ihren Pragmatismus, ihr strenges Berufsethos und ihr persönliches Ehrgefühl bekannt. Wie ich bereits so häufig gesagt habe, machen uns diese Eigenschaften zu natürlichen Partnern.

Vor allem haben wir eng und erfolgreich zusammengearbeitet, um die Folgen der schrecklichen Konflikte des 20. Jahrhunderts zu überwinden. Ich bin heute direkt von der Unterzeichnungszeremonie für die Abkommen über die Entschädigung von Sklaven- und Zwangsarbeitern in der Zeit des Nationalsozialismus hierher gekommen. Das ist ein wichtiges Beispiel für die Zusammenarbeit zwischen Deutschen und Amerikanern, um ein gemeinsames – und äußerst schwieriges – Problem zu lösen. Natürlich ist die Liste lang – das Kosovo steht darauf an oberster Stelle. Aber wir müssen uns vor Augen halten, dass die Welt nicht still stehen wird, während wir unsere Leistungen feiern. Es stellen sich ständig neue Herausforderungen, die unseren Erfolg bedrohen könnten. Allein das Thema des heutige Symposiums – Innovationen und Fortschritte in der Technologie – ist eine zentrale Frage unserer Zeit. Sie birgt Chancen, führt aber auch zu einer Vielfalt neuer Herausforderungen für unsere Gesellschaften. Ich freue mich, heute die Gelegenheit zu haben, einige dieser wichtigen Fragen zu prüfen.

Eine neue Ökonomie, Gesellschaft & Kultur erfordern neue Strukturen

Die technologische Revolution trifft uns alle – in Deutschland, in Amerika und der übrigen so genannten “entwickelten” Welt. Und es ist nicht nur eine wirtschaftliche Revolution. Wir beobachten rasche Veränderungen in der Art, wie wir Kultur, Gesellschaft, Gemeinschaft und nationale Identität definieren. Ich bin sicher, dass diese Veränderungen erst beginnen. Praktisch jeder Aspekt unseres Lebens ist in der einen oder anderen Weise durch Fortschritte der Kommunikations- und anderer Technologien betroffen. Das heißt – zusätzlich zu den wirtschaftlichen Vorteilen – muss eine Reihe von Faktoren berücksichtigt werden, während wir diese Revolution durchleben.

Wie Sie wissen, waren die Vereinigten Staaten in der ersten Phase der Revolution im Informations- und Technologiesektor äußerst erfolgreich. Man muss sich jedoch vor Augen führen, dass die wirtschaftliche Revolution in den Vereinigten Staaten Hand in Hand mit einer strukturellen Revolution ging. Die achtziger Jahre waren eine Zeit massiver Veränderungen in den Vereinigten Staaten – teils positiv, teils nicht so positiv. Zumindest anfänglich wurden diese Veränderungen von Bestrebungen geleitet, mit dem wirtschaftlich mächtigsten Land in dieser Zeit – Japan – Schritt zu halten. Während dieser Zeit grundlegender Veränderungen glaubten viele Amerikaner – und Nichtamerikaner – unser System sei erledigt.

Es war manchmal schmerzlich, aber am Ende machte sich die Umstrukturierung bezahlt: Technologische Innovation; neue Management- und Forschungsmethoden; neue Methoden der Arbeitsteilung, Vermarktung und Kommunikation führten zu unglaublichen Produktivitätssteigerungen. Während der neunziger Jahre erlebten wir eine begrüßenswerte Kombination von sinkender Inflation, starkem Wachstum und technologischer Entwicklung. Der Prozess wurde vom Privatsektor angekurbelt, aber auch der Staat spielte eine sehr wichtige Rolle: Durch die Formulierung genereller Richtlinien; durch die Unterstützung der technologischen Entwicklung – das Internet war zum Beispiel eine staatliche Initiative, die später dem Privatsektor übertragen wurde; und in jüngster Zeit durch das, was erfolgreiche Bemühungen zur Abkühlung der Wirtschaft zu sein scheinen, ohne eine Rezession oder einen wirtschaftlichen Zusammenbruch zu verursachen.

In den vergangenen fünf Jahren begann auch in Deutschland die Entwicklung von einer Industrie- zu einer Informationsgesellschaft. In den neuen Technologien hat es bemerkenswertes Wachstum gegeben: Vermehrte Nutzung des Internets und drahtloser Kommunikation, Innovationen beim Filmemachen und in der Computeranimation, Fortschritte bei der Umweltschutztechnologie und so weiter. Die weit reichende Deregulierung wichtiger Industriesektoren wie Telekommunikation und Energie hat ebenso zu dieser Evolution beigetragen wie die weitere Handelsliberalisierung. Die Exporte haben den Höchststand erreicht, kurbeln weiteres Wachstum an und – was vielleicht noch wichtiger ist – stärken das Vertrauen der Hersteller und Verbraucher. Die jungen Menschen haben sich schnell die Instrumente dieses Zeitalters zunutze gemacht – in Schulen gibt es gute Programme (wie “Schulen ans Netz”) und der Unternehmergeist nimmt zu. Deutschlands wirtschaftliche Anpassung an die neuen Realitäten des Informationszeitalters hat begonnen. Oder nicht?

In den Vereinigten Staaten fanden viele der notwendigen Strukturreformen gleichzeitig oder Hand in Hand mit der Revolution in der Informationstechnologie statt. Deutschland und viele europäische Nationen entschieden sich für die Technologie, schirmten jedoch einen Großteil der Gesellschaft von schmerzlichen Veränderungen ab. Das heißt, dass viele der gesellschaftlichen Strukturen, die erforderlich sind, um die Chancen von heute zu nutzen, in vielen europäischen Nationen noch entwickelt werden müssen – flexiblere und mobilere Arbeitsmärkte sind ein Beispiel, das Alan Greenspan letzte Woche in einer Rede erwähnte. Wie wir gesehen haben, führt diese Situation zu großer Unsicherheit und sozialer Ungewissheit.

Historisch gesehen hat Deutschland natürlich eine Führungsrolle dabei übernommen, sozialen Wandel durchzusetzen, um die Vorteile neuer wirtschaftlicher Chancen zu nutzen. Erinnern Sie sich beispielsweise an den Deutschen Bund und Deutschland im 18. und 19. Jahrhundert, als die Fesseln der Leibeigenschaft und die Privilegien der Zünfte aufgelöst wurden, um freie Arbeitsmärkte und freies Unternehmertum zu schaffen. Wie der Wirtschaftshistoriker David Landes schrieb, war die Industrialisierung ein “universelles Lösungsmittel … seine Auswirkungen waren um so größer, je größer der Kontrast zwischen der alten und der neuen Ordnung war”. Er fährt fort: “Die Industrialisierung förderte bestimmte gesellschaftliche Konsequenzen … insoweit als verschiedene Länder diese damit zusammenhängenden gesellschaftlichen Anpassungen vornahmen, förderten sie den Industrialisierungsprozess; und umgekehrt – insoweit sie diese Anpassungen nicht vornahmen, verzögerte sich ihr Wirtschaftswachstum.” Deutschland nahm diese Anpassungen vor: Deutschland machte Fortschritte. Anderen Gesellschaften ging es nicht so gut.

Dass die derzeitige Revolution der Informationstechnologie eine ebenso drastische “auflösende” Auswirkung auf unser Leben und unsere Gesellschaften hat, ist eine Tatsache. Aber was sind die Konsequenzen? Arnold Bennet sagte einmal: “Jede Veränderung, selbst eine Veränderung zum Guten, geht immer einher mit Rückschlägen und Unannehmlichkeiten.”

Vieles, das in der Vergangenheit garantiert war, vieles, das als sehr attraktiv und angenehm angesehen wird, vieles, das man nicht geändert sehen möchte – wird sich verändern oder hat sich bereits verändert. Bei jeder Revolution gibt es Gewinner und Verlierer. Die Verlierer sind bereits zu sehen – in diesem Fall sind es diejenigen, die weder die Qualifikation, den Zugang, noch die Aussichten haben, sich konstruktiv in unseren sich wandelnden Gesellschaften zu engagieren.

Sicherstellen, dass wir die Gewinner sind – den richtigen politischen Mix definieren

Daher würde ich argumentieren, dass eine der Schlüsselfragen, auf deren Beantwortung wir in den Industrieländern hinarbeiten müssen, lautet: “Was können wir tun um sicherzustellen, dass unsere Gesellschaften Gewinner sind – dass unsere Bürger zum Fortschritt beitragen und an ihm teilhaben?” Was muss der Staat – und damit meine ich sowohl die einzelnen Regierungen in ihren jeweiligen Ländern als auch bilaterale und multilaterale Partnerschaften – tun, um diese Entwicklungen zu unterstützen und zu fördern – und nicht zu behindern? Bedauerlicherweise ist – wie wir alle wissen – die Möglichkeit einer Dämpfung der Entwicklung real – zum Beispiel durch unnötig restriktive Gesetze – wie die früheren amerikanischen Kryptografieexportgesetze – oder einfach durch den Mangel an Unterstützung für bestimmte Schlüsselelemente wie Bildung oder Grundlagenforschung.

Der ehemalige US-Arbeitsminister Robert Reich klagte einmal, Politiker befänden sich auf “unerforschtem Terrain … Alle alten Regeln scheinen obsolet, es gibt weder Karten noch Richtlinien.” Das erschwert nicht nur die Entwicklung kluger Wirtschaftspolitik, sondern auch der Sozialpolitik – die richtige Mischung aus der Umsetzung neuer Technologien, Freizügigkeit von Gütern und Kapital auf dem Markt sowie Politik, sozialer Solidarität und der wirtschaftlichen Grundregeln. Die Tatsache, dass die Herausforderungen und Entwicklungen, denen wir uns heute gegenübersehen, globaler Natur sind und eine global vernetzte Politik erfordern, macht das alles schwieriger.

Ein kurzer Blick auf die Liste der Themen, über die momentan diskutiert wird: Finanzmärkte und Kapitalflüsse, Internetinhalte, das Recht auf geistiges Eigentum, Datenschutz, Besteuerung des E-Commerce, Biotechnologie und anderes zeigen das Ausmaß der neuen von der Informationsrevolution heraufbeschworenen Herausforderungen für die internationale Zusammenarbeit. Einzelne Nationen oder Nationengruppen haben die freie Wahl, welche politische Mischung für sie am angemessensten scheint – wenn aber ihre Gesetze und Vorschriften nicht mit denen der übrigen Welt kompatibel sind, erleiden die Bürger dieser Nation oder Gruppe einen Nachteil, nicht der Rest der Welt.

Die Revolution ist eine Tatsache – und sie ist ein globales Phänomen

Man muss sich bewusst machen, dass diese Reise, diese technologische Revolution, kein amerikanisches, europäisches oder asiatisches Modell oder ein solcher Entwurf ist. Sie ist vielmehr eine Entwicklung, die aus einer ganzen Reihe neuer Prozesse auf der Welt entsteht. Sie ist eine “Netzwerk”-Entwicklung. Dies geschieht nicht nur durch das Internet, sondern auch durch an Zahl und Stärke zunehmende Interaktionen zwischen einer Reihe globaler Akteure, die alle am Erfolg durch Innovation arbeiten.

Die Technologien, die so viele der heutigen Veränderungen antreiben – ob es nun um WAP, Web, Musikkomprimierung im MP3-Format oder die Entschlüsselung des Genoms geht – hatten ihren Ursprung womöglich in den Vereinigten Staaten, Deutschland oder Japan. Aber jetzt führen sie ein Eigenleben – besonders der Technologie sind in einem Zeitalter offener und spontaner Kommunikation an sich keine Grenzen gesetzt. Dasselbe gilt für die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Veränderungen, die durch diese Technologien beschleunigt werden.

Aber gerade jetzt, da es für Gesellschaften und Nationen immer wichtiger wird, zusammenzuarbeiten oder interoperable Bestimmungen und Gesetze zu verabschieden, so dass das Engagement und die Innovationskraft unserer Bürger sich voll entfalten können, drängt sich mir in verschiedenen Diskussionen leider der Eindruck auf, dass viele angesichts neuer Herausforderungen und Entwicklungen den Tod des politischen Prozesses befürchten. Sie sehen den Markt als eine Kraft, die die Fähigkeit der Regierung, Politik zu machen, überwältigt. Sie sagen, die Demokratie verliere an Boden. Dr. Stoiber erklärte, einige sähen die Situation folgendermaßen – ich zitiere: “Die wir gewählt haben, haben keine Macht. Die die Macht haben, haben wir nicht gewählt.”

Ich möchte allerdings argumentieren, dass Politik und “Staat” nicht gleichzusetzen sind. Politik wird in Untenehmen gemacht. Politik wird an Universitäten gemacht. Politik wird über das Internet von Interessengruppen der Bürger gemacht. Politik – und das gilt meines Erachtens besonders für Deutschland – wird auch am Stammtisch formuliert. Der Prozess hinter dieser neuen Art des “Politikmachens” – der offene, einbeziehende Dialog – ist das “Metier” von Organisationen wie der Konrad-Adenauer-Stiftung.

Das bedeutet, die Definition des Politikmachens und des politischen Prozesses wird sich wahrscheinlich aufgrund der vielen strukturellen Veränderungen in unseren Gesellschaften ändern müssen. Und wir werden wahrscheinlich das, was wir tun müssen und wofür wir in der Politik verantwortlich sind, ändern müssen um sicherzustellen, dass unsere Gesellschaften – mit so wenig Nachteilen wie möglich – die Vorteile dieser neuen Entwicklungen genießen können.

Drei Revolutionen bergen zwei Gefahren

Für keinen Staat wird das leicht sein. Allerdings finden aus amerikanischer Sicht in Europa drei miteinander einhergehende Revolutionen statt.

  • Erstens der Prozess selbst – die Bewältigung der durch die technologische Revolution herbeigeführten Veränderungen.
  • Zweitens, durchläuft Europa, wie bereits erwähnt, eine weitere Revolution, die wir in den Vereinigten Staaten fast abgeschlossen haben – eine interne gesellschaftliche Revolution. Enorme demografische Veränderungen, steigende Gesundheits- und Rentenkosten sowie Veränderungen in der Familienstruktur – sie werden kleiner, es gibt mehr Alleinerziehende Mütter und Väter usw. Diese Veränderungen sind eine enorme Herausforderung für jede Gesellschaft.
  • Und schließlich die Reintegration Deutschlands und Europas. Die Region war geteilt, isoliert und fast 50 Jahre lang nicht funktionsfähig, vielleicht sogar 70 oder 80 Jahre lang, seit dem Ersten Weltkrieg. Das bedeutet, zusätzlich zu allen anderen Herausforderungen steht Europa vor der enormen Aufgabe, sich selbst nach einer langen, langen Teilung wieder zusammenzufügen. Wenn wir uns beispielsweise die institutionellen Debatten in der EU ansehen, so ist eine der Hauptkräfte hinter diesen Diskussionen die Notwendigkeit, die EU durch Reform erweiterungsfähig zu machen – ein Prozess, den die Vereinigten Staaten mit Nachdruck unterstützen.

Weil die Länder Europas so viele interne Prozesse bewältigen müssen – ich werde sie nicht Probleme nennen, sondern vielmehr Prozesse – könnten potenzielle Gefahren auftreten, die Europas Fähigkeit beeinträchtigen könnten, von den aktuellen Entwicklungen zu profitieren.

  • Erstens besteht die Gefahr des zunehmenden Einflusses von Stimmen, die besagen, Europa müsse erst das eigene Haus in Ordnung bringen, bevor es sich voll in dieser neuen Welt engagieren kann.
  • Zweitens besteht die Gefahr, dass die Europäer die Prozesse im Zusammenhang mit der technologischen Revolution als Bedrohung aus den Vereinigten Staaten wahrnehmen. Wir sehen bereits Auswüchse dieses Gefühls; einige sagen, “wir wollen dieses amerikanische Sozialsystem nicht”; andere meinen, “diese ausbeuterische Wirtschaft in den Vereinigten Staaten ist nicht das Richtige für uns” und so weiter und so weiter.

Europa sollte nicht verzweifelt versuchen, auf keinen Fall wie Amerika zu sein, sondern sich vielmehr das Ziel setzen, Erfolg zu haben. Ich kenne keinen Ökonomen – ob deutsch oder amerikanisch – der als Voraussetzung für eine europäische Version der New Economy nicht eine drastische Änderung der europäischen Strukturen als notwendig erachtet.

Vor kurzem nahm ich an einer Diskussion mit dem berühmten amerikanischen Ökonomen Paul Krugmann teil. Er erklärte, zunächst ein Skeptiker der New Economy gewesen, aber vor kurzem zu dem Entschluss gekommen zu sein, dass sie tatsächlich existiere – in den Vereinigten Staaten, nicht aber in Europa. Seine Begründung? Die Flexibilität und Offenheit der Vereinigten Staaten habe die rasche Entwicklung neuer Strukturen und Technologien ermöglicht.

Ein hochrangiger Vertreter des Finanzministeriums widersprach ihm. Er sagte es gäbe einen europäischen Weg für die New Economy, bei dem Europa seine Konsensstrukturen beibehalten könne und, ich zitiere, “nicht die gleichen Fehler wie die Vereinigten Staaten machen müsse”.

Niemand kann die Zukunft vorhersagen, aber ich bin davon überzeugt, dass derartige Argumente kontraproduktiv sind.

Europa wird von der New Economy nicht profitieren können, wenn es glaubt, das oberste Ziel sei ein rein europäischer Weg oder Europa müsse erst alle internen Prozesse abschließen und könne sich erst dann und nur dann in die New Economy einfügen – um dem Rest der Herde zu folgen, der bereits auf dem Weg ist.

Was soll Europa tun? Das muss Europa selbst entscheiden. Aber meiner Meinung nach, und ich zitiere hier Präsident Clinton, als er vorigen Monat in Aachen sagte: “Europa ist letztlich ebenso sehr eine einigende Idee wie ein besonderer Ort. … Europäer veränderten den Rest der Welt – durch Unternehmergeist, Fantasie und ihre Fähigkeit zu Wachstum – Eigenschaften, die die Identität Europas immer sehr viel genauer charakterisieren werden als es ein Kartograf je könnte.”

Da die Geografie jetzt zumindest in einigen Bereichen fast irrelevant wird, liegt die Herausforderung für Deutschland und Europa darin, sich die Stärke seiner Ideen zunutze zu machen und die Entwicklung von Strukturen zu ermöglichen, durch die diese Ideen verwirklicht werden können. Durch die Verbreitung seiner Ideen kann Europa seiner Vorreiterrolle im Prozess der Entwicklung und des Fortschritts einnehmen. Und unsere Partnerschaft, die in der Vergangenheit so erfolgreich war, wird in Zukunft keine Grenzen kennen.

Abkommen über Entschädigung von in der Zeit des Nationalsozialismus begangenem Unrecht ist „wirklich historisch”

BERLIN – (AD) – Nachfolgend veröffentlichen wir die am 17. Juli 2000 in Berlin gehaltene Rede des Stellvertretenden Finanzministers Stuart E. Eizenstat anlässlich der Unterzeichnung des Regierungsabkommens zwischen der Bundesrepublik Deutschland und den Vereinigten Staaten von Amerika zur Errichtung der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft” zur Entschädigung von Zwangsarbeitern.

„Historisch” ist ein stark strapaziertes Wort, das so häufig verwendet wurde, dass es gar nicht mehr seiner ursprünglichen Bedeutung entspricht. Aber das heute zu unterzeichnende Abkommen ist wirklich historisch und der Höhepunkt dessen, was wahrscheinlich die letzten umfassenden multilateralen Verhandlungen mit Deutschland über das während der Zeit der schrecklichen Herrschaft des Nationalsozialismus in Deutschland von 1933 bis 1945 begangene Unrecht sind. Continue reading

Biotechnologie im Kampf gegen Hunger und Armut

WASHINGTON – (AD) – Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des
Abteilungsleiters des Büros für Ozeane, Umwelt und Wissenschaft im US-
Außenministerium, David Sandalow, vor dem Unterausschuss für internationale
Wirtschaftspolitik, Export und Handelsförderung des Ausschusses für auswärtige
Beziehungen vom 12. Juli 2000.

Einleitung

Guten Tag, Herr Vorsitzender und Mitglieder des Unterausschusses. Vielen Dank für
die Gelegenheit, über die Rolle der Biotechnologie bei der Bekämpfung von Hunger
und Armut in den Entwicklungsländern zu sprechen.

Continue reading

Der Kampf gegen die AIDS-Epidemie

WASHINGTON – (AD) – Nachfolgend veröffentlichen wir den Artikel des US-Botschafters bei den Vereinten Nationen, Richard C. Holbrooke, der zuerst in der Juliausgabe des Global Issues Electronic Journal mit dem Titel “AIDS – Die Bedrohung der Weltsicherheit” erschien.

Zum ersten Mal wurde mir die Verbindung zwischen internationalen Sicherheitsfragen und HIV/AIDS 1992 bewusst, als ich privat nach Phnom Penh reiste und die Gelegenheit hatte, mit Vertretern der Vereinigten Staaten und der Vereinten Nationen zu sprechen, die damals an den von den Vereinten Nationen geförderten Wahlen in Kambodscha arbeiteten.  Continue reading

Es könnte nicht mehr auf dem Spiel stehen – wenn wir versagen, wird es mehr Blutvergießen und Tränen geben

CAMP DAVID – (AD) – Nachfolgend veröffentlichen wir einen Artikel von US-Präsident Bill Clinton zum Gipfel in Camp David, der erstmals im Newsweek Magazine vom 10. Juli 2000 erschien.

Diese Woche werden der israelische Ministerpräsident Ehud Barak und der Vorsitzende der Palästinenser, Yassir Arafat, auf meine Einladung nach Camp David kommen, um eine Einigung über die Kernprobleme zu erzielen, die ein halbes Jahrhundert lang den Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern geschürt haben. Continue reading

Die Finanzminister werden gemeinsam gegen Geldwäsche vorgehen

FUKUOKA – (AD) – Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung von US-Finanzminister Lawrence Summers nach dem G-7-Treffen der Finanzminister vom 8. Juli 2000.

Ich möchte zunächst meine Sicht des heutigen Treffens darlegen, danach beantworte ich gerne Ihre Fragen. Neben der traditionellen Besprechung  weltwirtschaftlicher Entwicklungen konzentrierten wir uns als Vorbereitung auf das Gipfeltreffen der Regierungsoberhäupter vom 21. bis 23. Juli auf vier umfassende Themenbereiche:  Maßnahmen gegen den Missbrauch des globalen Finanzsystems, die internationale Finanzarchitektur, Verringerung der Armut, Wirtschaftsentwicklung und Informationstechnologie. Continue reading