Die Vereinigten Staaten feiern ihre Unabhängigkeit

WASHINGTON – (AD) – E pluribus unum – aus vielen eins. Dieses Motto brachte ein Patriot während des Unabhängigkeitskrieges auf dem amerikanischen Nationalwappen an. Bis heute feiert Amerika mit nahezu religiösem Eifer das am 4. Juli 1776 Errungene – Unabhängigkeit, Freiheit und Souveränität.

Die Art, in der Amerikaner den Geburtstag ihrer Nation feiern, ist jedoch so unterschiedlich und individualistisch wie sie selbst. Sie feiern ihn mit Freunden, der Familie, mit Fremden zu Hause und im Ausland, mit Mitbürgern und Ausländern. Es ist eine Tradition, die so alt und in der amerikanischen Psyche verankert ist wie das Land. “So möge der Vierte Juli, dieser glorreiche und denkwürdige Tag, in ganz Amerika von den Söhnen der Freiheit bis ans Ende der Zeit gefeiert werden”, schrieb ein amerikanischer Revolutionär.

Aber genau welches Ereignis feiern die Amerikaner eigentlich? Was macht diesen “amerikanischsten aller Feiertage” zum Fundament einer ganzen Gesellschaft? Wie verbindet er Amerikaner ungeachtet ihrer Herkunft und Überzeugungen miteinander? Amerikaner mögen Zustimmung oder Ablehnung zeigen – dies gehört zu ihren unveräußerlichen Rechten – aber sie stimmen alle zu, am 4. Juli die Unabhängigkeit zu feiern. Der Kongreßabgeordnete Lee Hamilton beschrieb die Vielfalt der Feierlichkeiten als “eine wunderbare Geburtstagsfeier für unser Land… Wir feiern auf viele verschiedene Arten, aber all diese Aktivitäten drehen sich um Familie und Freunde.”

Wenn Amerikaner den 4. Juli begehen, erinnern sie sich daran, daß “unsere Gründerväter in Perücke und spitzenverziertem Gehrock zusammenkamen und unter großen Anstrengungen debattierten. Vor der Erfindung der Klimaanlage und Insektenbekämpfungsmittel knüpften sie in der schlammigen und von Insekten erfüllten Hitze Philadelphias vorsichtig und kunstvoll unser nationales Gewebe”, schrieb John Updike.

Im Gegensatz zur weitverbreiteten Meinung wurden unsere “Gründerväter” nicht mit dem tief in ihr Bewußtsein eingegrabenen Ideal der Unabhängigkeit von Großbritannien geboren; es wurde ihnen durch die Umstände aufgezwungen. Die Weite des Ozeans, der die 13 amerikanischen Kolonien vom britischen Mutterland trennte, schuf unzählige Spannungen zwischen den unternehmungslustigen Siedlern und ihrem englischen König. Die Siedler wollten unter anderem im britischen Unterhaus vertreten sein, während König George III danach trachtete, daß “die Provinzen zumindest einen Teil der enormen Kosten trugen, die zur Verteidigung der englischen Kolonien in der Neuen Welt erforderlich” waren. Die Siedler hielten König George bald nicht mehr für einen “gütigen Herrscher”, sondern für ein “königliches Scheusal”.

Am 7. Juni 1776 sprach der Abgeordnete aus Virginia, Richard Henry Lee, die drängendste Frage an, die je dem Zweiten Kontinentalkongreß vorgelegt worden war. Er behauptete, “diese vereinigten Kolonien sind freie und unabhängige Staaten, und sollten das auch von Rechts wegen sein; sie sind von jeglicher Bindung an die Britische Krone befreit, und alle politischen Bindungen zwischen ihnen und dem Staat Großbritannien sind vollkommen durchtrennt und sollen es auch sein.”

Thomas Jefferson, John Adams, Benjamin Franklin, Roger Sherman und Robert Livingston wurden vom Kongreß dazu ausersehen, eine offizielle Unabhängigkeitserklärung zu entwerfen. Das Dokument bekräftigte, was seit mehr als zwei Jahrhunderten der Kern der politischen Ideologie der Vereinigten Staaten ist:

“Folgende Wahrheiten erachten wir als selbstverständlich: daß alle Menschen gleich geschaffen sind; daß sie von ihrem Schöpfer mit gewissen, unveräußerlichen Rechten ausgestattet sind; daß dazu Leben, Freiheit und das Streben nach Glück gehören; daß zur Sicherung dieser Rechte Regierungen unter den Menschen eingesetzt werden, die ihre rechtmäßige Macht aus der Zustimmung der Regierten herleiten; daß, wann immer irgendeine Regierungsform sich als diesen Zielen abträglich erweist, es Recht des Volkes ist, sie zu ändern oder abzuschaffen und eine neue Regierung einzusetzen.”

Am 4. Juli 1776 ratifizierten Vertreter aus zwölf Kolonien das Dokument, die 13. Kolonie unterzeichnete es am 9. Juli. Der Kongreß hatte theoretisch erklärt, jeder Amerikaner habe das Recht auf eine Beteiligung an der Regierung. Als die Erklärung auf dem “Independence Square” in Philadelphia laut vorgelesen wurde, feierten die Bürger dieses Ereignis mit Jubel, Paraden und Glockengeläut. Die Gründerväter hatten ein neues Land konzipiert, das aber noch in den Geburtswehen lag.

Eine leidenschaftliche Begeisterung für die Unabhängigkeit faßte in den Kolonien festen Fuß, und Amerika befand sich bald im Krieg mit der größten westlichen Macht des 18. Jahrhunderts – Großbritannien. “Der Baum der Freiheit muß von Zeit zu Zeit mit dem Blut von Patrioten und Tyrannen gegossen werden”, schrieb Thomas Jefferson. Es bedurfte großer Entschlossenheit, bis aus der revolutionären Bewegung die Vereinigten Staaten hervorgingen. Im Oktober 1781 ergaben sich die in den Kolonien kämpfenden britischen Truppen in Yorktown der Kontinentalarmee und beendeten damit den Kampf Großbritanniens um die Beibehaltung seiner Besitztümer in der “Neuen Welt”. Innerhalb eines Jahrzehnts wählten die Amerikaner ihren ersten Präsidenten, den Held aus dem Unabhängigkeitskrieg – George Washington.

Die Amerikaner benötigten nicht viel Zeit, um sich der Bedeutung ihres neuen Nationalfeiertags bewußt zu werden. Am 2. Juli 1777 wurde erstmals der Vierte Juli gefeiert. Die “Gründerväter” waren vielleicht etwas übereifrig mit der Festlegung des nationalen Geburtstags, aber das Datum wurde bald auf den Vierten des Monats festgesetzt – den Tag, an dem die Unabhängigkeitserklärung ratifiziert worden war.

Der Vierte Juli ist nicht nur der Jahrestag eines bestimmten Ereignisses, sondern eine Übung in amerikanischer Freiheit. Die Vielfalt dieses Feiertags erklärt vielleicht seine nahezu universelle Anziehungskraft auf die Amerikaner. “Freiheit”, schreibt der zeitgenössische Sozialwissenschaftler Robert Bellah, “ist vielleicht der am stärksten nachhallende und hochgehaltene Wert. Sie definiert in gewisser Weise das Gute im Privatleben und in der Politik. Dennoch läuft Freiheit darauf hinaus, daß man von anderen allein gelassen wird, sich nicht ihre Werte, Ideen oder ihren Lebensstil aufzwingen läßt, man bei der Arbeit, in der Familie und der Politik frei von willkürlicher Autorität ist. Es ist für Amerikaner viel schwieriger zu definieren, was mit dieser Freiheit gemacht werden könnte.”

John Adams erklärte über den Vierten Juli, er solle “von jetzt an auf ewig mit Pomp und Paraden, mit Darbietungen, Spielen, Sport, Salutschüssen, Glockengeläut, Freudenfeuern und Feuerwerk auf dem gesamten Kontinent gefeiert werden”. Jeden Sommer wird das Herannahen des Nationalfeiertags mit dem Hissen der Flagge, Picknicks am Nachmittag und dem Verkauf großer Mengen von Feuerwerkskörpern eingeleitet. Heute feiern die Amerikaner den Geburtstag ihrer Nation mit einer Wiederholung der Verlesung der Unabhängigkeitserklärung in Boston, einem Autorennen auf die Spitze des 4.300 Meter hohen Pikes Peak in Colorado, einem internationalen Freiheitsfestival in Detroit, Rodeos in Arizona und einem nationalen Zaunbemalungswettbewerb in Missouri. In Philadelphia dehnen sich die Feierlichkeiten auf eine ganze Woche, die “Freedom Week” aus.

In jedem Jahr werden sich am Abend des Vierten Juli bei Anbruch der Dämmerung die Menschen in den Kleinstädten ganz Amerikas versammeln. Einige verfrühte Feuerwerkskörper werden abgeschossen. Nachbarn picknicken neben ihren Nachbarn. Schließlich wird eine Rakete am Himmel aufsteigen und in einem farbigen Kaleidoskop explodieren. Das älteste Ritual des Landes erreicht seinen Höhepunkt, und die Amerikaner werden wissen, daß sie frei sind. Und aus vielen wird eins.

Die Vereinigten Staaten feiern ihre Unabhängigkeit

WASHINGTON – (AD) – E pluribus unum – aus vielen eins. Dieses Motto brachte ein Patriot während des Unabhängigkeitskrieges auf dem amerikanischen Nationalwappen an. Bis heute feiert Amerika mit nahezu religiösem Eifer das am 4. Juli 1776 Errungene – Unabhängigkeit, Freiheit und Souveränität.

Die Art, in der Amerikaner den Geburtstag ihrer Nation feiern, ist jedoch so unterschiedlich und individualistisch wie sie selbst. Sie feiern ihn mit Freunden, der Familie, mit Fremden zu Hause und im Ausland, mit Mitbürgern und Ausländern. Es ist eine Tradition, die so alt und in der amerikanischen Psyche verankert ist wie das Land. “So möge der Vierte Juli, dieser glorreiche und denkwürdige Tag, in ganz Amerika von den Söhnen der Freiheit bis ans Ende der Zeit gefeiert werden”, schrieb ein amerikanischer Revolutionär.

Aber genau welches Ereignis feiern die Amerikaner eigentlich? Was macht diesen “amerikanischsten aller Feiertage” zum Fundament einer ganzen Gesellschaft? Wie verbindet er Amerikaner ungeachtet ihrer Herkunft und Überzeugungen miteinander? Amerikaner mögen Zustimmung oder Ablehnung zeigen – dies gehört zu ihren unveräußerlichen Rechten – aber sie stimmen alle zu, am 4. Juli die Unabhängigkeit zu feiern. Der Kongreßabgeordnete Lee Hamilton beschrieb die Vielfalt der Feierlichkeiten als “eine wunderbare Geburtstagsfeier für unser Land… Wir feiern auf viele verschiedene Arten, aber all diese Aktivitäten drehen sich um Familie und Freunde.”

Wenn Amerikaner den 4. Juli begehen, erinnern sie sich daran, daß “unsere Gründerväter in Perücke und spitzenverziertem Gehrock zusammenkamen und unter großen Anstrengungen debattierten. Vor der Erfindung der Klimaanlage und Insektenbekämpfungsmittel knüpften sie in der schlammigen und von Insekten erfüllten Hitze Philadelphias vorsichtig und kunstvoll unser nationales Gewebe”, schrieb John Updike.

Im Gegensatz zur weitverbreiteten Meinung wurden unsere “Gründerväter” nicht mit dem tief in ihr Bewußtsein eingegrabenen Ideal der Unabhängigkeit von Großbritannien geboren; es wurde ihnen durch die Umstände aufgezwungen. Die Weite des Ozeans, der die 13 amerikanischen Kolonien vom britischen Mutterland trennte, schuf unzählige Spannungen zwischen den unternehmungslustigen Siedlern und ihrem englischen König. Die Siedler wollten unter anderem im britischen Unterhaus vertreten sein, während König George III danach trachtete, daß “die Provinzen zumindest einen Teil der enormen Kosten trugen, die zur Verteidigung der englischen Kolonien in der Neuen Welt erforderlich” waren. Die Siedler hielten König George bald nicht mehr für einen “gütigen Herrscher”, sondern für ein “königliches Scheusal”.

Am 7. Juni 1776 sprach der Abgeordnete aus Virginia, Richard Henry Lee, die drängendste Frage an, die je dem Zweiten Kontinentalkongreß vorgelegt worden war. Er behauptete, “diese vereinigten Kolonien sind freie und unabhängige Staaten, und sollten das auch von Rechts wegen sein; sie sind von jeglicher Bindung an die Britische Krone befreit, und alle politischen Bindungen zwischen ihnen und dem Staat Großbritannien sind vollkommen durchtrennt und sollen es auch sein.”

Thomas Jefferson, John Adams, Benjamin Franklin, Roger Sherman und Robert Livingston wurden vom Kongreß dazu ausersehen, eine offizielle Unabhängigkeitserklärung zu entwerfen. Das Dokument bekräftigte, was seit mehr als zwei Jahrhunderten der Kern der politischen Ideologie der Vereinigten Staaten ist:

“Folgende Wahrheiten erachten wir als selbstverständlich: daß alle Menschen gleich geschaffen sind; daß sie von ihrem Schöpfer mit gewissen, unveräußerlichen Rechten ausgestattet sind; daß dazu Leben, Freiheit und das Streben nach Glück gehören; daß zur Sicherung dieser Rechte Regierungen unter den Menschen eingesetzt werden, die ihre rechtmäßige Macht aus der Zustimmung der Regierten herleiten; daß, wann immer irgendeine Regierungsform sich als diesen Zielen abträglich erweist, es Recht des Volkes ist, sie zu ändern oder abzuschaffen und eine neue Regierung einzusetzen.”

Am 4. Juli 1776 ratifizierten Vertreter aus zwölf Kolonien das Dokument, die 13. Kolonie unterzeichnete es am 9. Juli. Der Kongreß hatte theoretisch erklärt, jeder Amerikaner habe das Recht auf eine Beteiligung an der Regierung. Als die Erklärung auf dem “Independence Square” in Philadelphia laut vorgelesen wurde, feierten die Bürger dieses Ereignis mit Jubel, Paraden und Glockengeläut. Die Gründerväter hatten ein neues Land konzipiert, das aber noch in den Geburtswehen lag.

Eine leidenschaftliche Begeisterung für die Unabhängigkeit faßte in den Kolonien festen Fuß, und Amerika befand sich bald im Krieg mit der größten westlichen Macht des 18. Jahrhunderts – Großbritannien. “Der Baum der Freiheit muß von Zeit zu Zeit mit dem Blut von Patrioten und Tyrannen gegossen werden”, schrieb Thomas Jefferson. Es bedurfte großer Entschlossenheit, bis aus der revolutionären Bewegung die Vereinigten Staaten hervorgingen. Im Oktober 1781 ergaben sich die in den Kolonien kämpfenden britischen Truppen in Yorktown der Kontinentalarmee und beendeten damit den Kampf Großbritanniens um die Beibehaltung seiner Besitztümer in der “Neuen Welt”. Innerhalb eines Jahrzehnts wählten die Amerikaner ihren ersten Präsidenten, den Held aus dem Unabhängigkeitskrieg – George Washington.

Die Amerikaner benötigten nicht viel Zeit, um sich der Bedeutung ihres neuen Nationalfeiertags bewußt zu werden. Am 2. Juli 1777 wurde erstmals der Vierte Juli gefeiert. Die “Gründerväter” waren vielleicht etwas übereifrig mit der Festlegung des nationalen Geburtstags, aber das Datum wurde bald auf den Vierten des Monats festgesetzt – den Tag, an dem die Unabhängigkeitserklärung ratifiziert worden war.

Der Vierte Juli ist nicht nur der Jahrestag eines bestimmten Ereignisses, sondern eine Übung in amerikanischer Freiheit. Die Vielfalt dieses Feiertags erklärt vielleicht seine nahezu universelle Anziehungskraft auf die Amerikaner. “Freiheit”, schreibt der zeitgenössische Sozialwissenschaftler Robert Bellah, “ist vielleicht der am stärksten nachhallende und hochgehaltene Wert. Sie definiert in gewisser Weise das Gute im Privatleben und in der Politik. Dennoch läuft Freiheit darauf hinaus, daß man von anderen allein gelassen wird, sich nicht ihre Werte, Ideen oder ihren Lebensstil aufzwingen läßt, man bei der Arbeit, in der Familie und der Politik frei von willkürlicher Autorität ist. Es ist für Amerikaner viel schwieriger zu definieren, was mit dieser Freiheit gemacht werden könnte.”

John Adams erklärte über den Vierten Juli, er solle “von jetzt an auf ewig mit Pomp und Paraden, mit Darbietungen, Spielen, Sport, Salutschüssen, Glockengeläut, Freudenfeuern und Feuerwerk auf dem gesamten Kontinent gefeiert werden”. Jeden Sommer wird das Herannahen des Nationalfeiertags mit dem Hissen der Flagge, Picknicks am Nachmittag und dem Verkauf großer Mengen von Feuerwerkskörpern eingeleitet. Heute feiern die Amerikaner den Geburtstag ihrer Nation mit einer Wiederholung der Verlesung der Unabhängigkeitserklärung in Boston, einem Autorennen auf die Spitze des 4.300 Meter hohen Pikes Peak in Colorado, einem internationalen Freiheitsfestival in Detroit, Rodeos in Arizona und einem nationalen Zaunbemalungswettbewerb in Missouri. In Philadelphia dehnen sich die Feierlichkeiten auf eine ganze Woche, die “Freedom Week” aus.

In jedem Jahr werden sich am Abend des Vierten Juli bei Anbruch der Dämmerung die Menschen in den Kleinstädten ganz Amerikas versammeln. Einige verfrühte Feuerwerkskörper werden abgeschossen. Nachbarn picknicken neben ihren Nachbarn. Schließlich wird eine Rakete am Himmel aufsteigen und in einem farbigen Kaleidoskop explodieren. Das älteste Ritual des Landes erreicht seinen Höhepunkt, und die Amerikaner werden wissen, daß sie frei sind. Und aus vielen wird eins.