Clinton verhängt Handelsembargo gegen Iran

NEW YORK – (AD) – Der Iran strebt nach russischer Nukleartechnologie, um seine Fähigkeiten zum Bau von Atomwaffen weiterzuentwickeln, erklärte Präsident Clinton am 30. April 1995 in einer Rede vor dem Jüdischen Weltkongreß in New York.

Der Präsident ließ verlauten, er werde bei seinen kommende Woche in Moskau anberaumten Gesprächen mit dem russischen Präsidenten Jelzin das Land nochmals drängen, seinen Verkauf von Nukleartechnolgie an den Iran einzustellen, weil dadurch das gemeinsame Ziel beider Länder – die Verhinderung der Weiterverbreitung von Atomwaffen – unterminiert werde.

Um für den Iran die Kosten der Unterstützung des Terrorismus zu erhöhen und die Fähigkeit des Teheraner Regimes zur Finanzierung von Massenvernichtungswaffen zu mindern, gab Clinton ein Verbot des Großteils kommerzieller Transaktionen amerikanischer Unternehmen mit dem Iran bekannt, das Ende dieser Woche erlassen werden soll.

Nachfolgend veröffentlichen wir den vom Weißen Haus freigegebenen Text der Rede Präsident Clintons.

Haben Sie vielen Dank. Ich danke Ihnen, Edgar, Ministerpräsident Peres, für Ihre heutige Anwesenheit, Ihre visionäre Führungskraft, Ihre klugen Worte. Allen Freunden von Edgar Bronfman, die aus Kanada und der ganzen Welt hierhergekommen sind, möchte ich sagen, daß es mir eine große Ehre ist, heute abend anläßlich der Verleihung des Nahum Goldmann-Preises hier sein zu dürfen.

Goldmann war Präsident des Jüdischen Weltkongresses, der zionistischen Weltorganisation, des Jüdischen Amtes für Palästina beim Völkerbund, der Konferenz der Präsidenten großer jüdischer Vereinigungen.

Wir sind heute hier versammelt, um der Errungenschaften einer außergewöhnlichen Persönlichkeit zu gedenken. Durch Ihre Anwesenheit bei dieser Veranstaltung legen sie Zeugnis ab von Ihren gemeinsamen Werten, gemeinsamen Zielen und davon, daß Edgar Bronfman das Leben zahlloser Menschen beeinflußt hat. Während dieser Jahre großer Veränderungen und Chancen sowie großer Furcht und Angst, die von allzuviel Zynismus gekennzeichnet waren, fand die jüdische Gemeinschaft in Edgar Bronfman eine äußerst seltene Kombination: Eine Führungspersönlichkeit mit leidenschaftlichem Einsatz für die Sache ihres Volkes und der Stärke, entsprechend zu handeln.

Als Präsident des Jüdischen Weltkongresses und als Weltbürger war Edgar Bronfman ein lebendes Beispiel für die von Emerson gemachte Beobachtung, eine Institution sei so bedeutend und könne langfristig so viel bewirken wie der Mann an ihrer Spitze.

Während der langen Jahre, als die Sowjetunion innerhalb ihrer Grenzen Juden gefangenhielt, erhoben viele wütend ihre Stimme, aber Edgar reiste nach Moskau, um ihre Befreiung zu bewirken. Als Millionen in Rußland und ganz Osteuropa ihre Freiheit von der Tyrannei gewonnen hatten, jubelten viele, aber Edgar war führend bei der Unterstützung der jüdischen Gemeinden, ihr stolzes geistiges und materielles Erbe zurückzufordern, von dem viele befürchtet hatten, es sei für immer verloren.

Viele feiern den Beginn eines neuen Zeitalters im Nahen Osten. Edgar setzt sich jedoch täglich für die Versöhnung von Israelis und Palästinensern ein sowie dafür, dieses altehrwürdige Land mit neuem Leben zu erfüllen. Überall, wo Juden von einem besseren Leben träumen und diese Träume in Gefahr sind, kann man sicher sein, Edgar Bronfman zu finden.

Vor einer Woche fuhren Hillary und ich nach Oklahoma City, um zu trauern und den Opfern des schrecklichen Bombenanschlags sowie ihren Angehörigen unseren Respekt zu bezeugen. Letzten Sommer unternahm Edgar auf eigene Faust eine ähnliche Reise. Er flog nur wenige Stunden, nachdem er von dem Bombenanschlag auf das jüdische Gemeindezentrum in Buenos Aires gehört hatte, nach Argentinien. Dort stattete er inmitten von Schutt und Trümmern führenden Politikern einen Besuch ab, besuchte die Verletzten, sprach mit den Kindern und sagte ihnen, sie sollten denjenigen entschieden entgegentreten, die mit der Angst Geschäfte machen, sie sollten hoffen, nicht hassen, sich jedoch jeden Tag dafür einsetzen, diese Hoffnungen Realität werden zu lassen.

In diesen Zeiten ist das eine Lektion, die jeder Bürger auf jedem Kontinent lernen und verinnerlichen sollte. Sie findet besondere Zustimmung bei denjenigen, die so viel Angst und Schrecken kennengelernt haben.

Wie mein Freund Benjamin Mead eben erklärte, gedenken wir der Zeit vor einem halben Jahrhundert, als das schrecklichste Kapitel in der Geschichte des jüdischen Volkes zu Ende ging. Bedauerlicherweise leben 50 Jahre später immer noch Menschen unter uns und auf der ganzen Welt, die mit dem Haß Handel treiben. Natürlich können wir ihre Aktionen oder Fähigkeiten nicht mit den Greueltaten vergleichen, die dem jüdischen Volk angetan wurden, aber diese Menschen praktizieren und predigen Gewalt gegen Menschen anderer Hautfarbe, anderer Herkunft oder anderer Religionszugehörigkeit. Sie leben von Angst und Unsicherheit. Sie schüren Verfolgungswahn. Im Namen der Redefreiheit haben sie sich der Verantwortung entledigt, die demokratische Freiheiten für uns alle mit sich bringt.

In dieser freien Nation muß es Ihnen allen ironisch erscheinen, daß viele dieser Menschen unsere Regierung und ihre Angestellten angreifen, die die von ihnen mißbrauchten Freiheiten gewährleisten. Angeblich um eine bessere Zukunft zu gestalten, würden sie die schlimmsten Kapitel der Geschichte wiederaufleben lassen. Obwohl wir ihre Worte und Taten nicht mit dem vergleichen können, was das jüdische Volk vor Jahrzehnten erleiden mußte, dürfen wir nicht die Gefahr unterschätzen, die sie darstellen. Zweifelsohne können sie das Leben unschuldiger Menschen auslöschen und in unseren Herzen Furcht säen. Es ist ihnen gleichgültig, ob sie Kinder niedermetzeln. Sie bedrohen unsere Freiheiten und unsere Lebensart, und wir müssen ihnen Einhalt gebieten.

Einer unserer ersten Patrioten, Samuel Adams, erklärte einst: “Wenn wir die gesetzlosen Angriffe auf unsere Freiheit brav erdulden, ermutigen wir sie noch und ziehen andere mit ins Verderben.” Hier in den Vereinigten Staaten ist es nicht nur unser Recht, sondern unsere Pflicht, dem Terror Einhalt zu gebieten, die Schuldigen vor Gericht zu bringen, uns dem Haß entgegenzustellen und anderen Menschen in anderen Ländern dabei zu helfen, ebenso zu handeln.

Seit Beginn der Amtszeit unserer Administration haben wir im Kampf gegen den Terrorismus im In- und Ausland umfassende und unverzügliche Maßnahmen ergriffen. Wir haben die Verdächtigen des Bombenanschlags auf das World Trade Center vor Gericht gebracht, die das Herz dieser Stadt trafen. Wir verfolgen aktiv diejenigen, welche die Grenze zu illegalen und gewaltsamen Aktivitäten überschritten. Wir gehen entschieden gegen die Nationen vor, die Terroristen Schutz gewähren oder ihre mörderischen Geschäfte unterstützen. Wir setzen uns, bisweilen mit bemerkenswertem Erfolg, für die Verhinderung von Gewalttaten ein. Und auf einer Welt, in der offene Grenzen und neue Technologien unsere Arbeit erschweren, arbeiten wir immer enger mit anderen Nationen zusammen, um Verbrecherorganisationen aufzulösen und diejenigen zur Strecke zu bringen, die unser Volk bedrohen.

Die Tragödie von Oklahoma City und ihre Konsequenzen haben jedoch deutlich gemacht, daß wir entschiedener vorgehen müssen. Diese Woche habe ich dem Kongreß zwei Initiativen zur Terrorismusbekämpfung vorgelegt – einen Antrag auf die Einstellung von 1.000 zusätzlichen Strafverfolgungsbeamten sowie auf Unterstützung zur Gründung eines neuen Terrorismusbekämpfungszentrums unter der Leitung des FBI; ferner die Ermächtigung des Militärs, seine besonderen Fähigkeiten bei Vorfällen einzusetzen, die mit dem Einsatz von chemischen, biologischen und atomaren Terrorinstrumenten in unserem Land in Zusammenhang stehen. Unsere Vorschläge würden uns die Markierung von Material zur Bombenherstellung gestatten, so daß Verdächtige leichter aufgespürt werden können.

Obwohl niemand Freiheit von Terror garantieren kann, werden diese vernunftdiktierten Schritte zumindest zur Sicherheit unserer Bürger beitragen. Daher appelliere ich heute an den Kongreß, diesen Maßnahmen unverzüglich zuzustimmen.

Während wir im Inland diese Schritte unternehmen, müssen wir auf der ganzen Welt unseren Kampf gegen den Terror fortsetzen und intensivieren. Am heutigen Abend möchte ich über den Terrorismus im Nahen Osten sprechen, über verbrecherische Staaten, die das Töten fördern, um den Frieden zu zerstören und darüber, was wir noch zu ihrer Eindämmung unternehmen können.

Seit Beginn meiner Präsidentschaft lief unsere Nahostpolitik auf zwei Schienen: Unterstützung des Friedensprozesses zwischen Israel und seinen Nachbarn. Es war mir eine Ehre, mit Ministerpräsident Rabin, Außenminister Peres, ihrer Regierung und dem israelischen Volk zusammenzuarbeiten. Und die von den Vereinigten Staaten verfolgte Politik war die richtige. Wir würden niemals versuchen, Israel und seinen Nachbarn einen Frieden aufzuoktroyieren, falls aber Israel um des Friedens willen Risiken eingeht, werden wir diese möglichst gering halten und die Erfolgschancen maximieren. Wir haben in diesen zwei Jahren Fortschritte gemacht, und mit Gottes Hilfe werden wir das auch in Zukunft tun. Ich bin sehr stolz auf die von uns allen geleistete Arbeit und ganz besonders stolz auf das von Außenminister Christopher in dieser Hinsicht Erreichte.

Die zweite Schiene unserer Nahostpolitik ist ebenfalls wichtig – Widerstand gegen alle, die den Friedensprozeß stören, dem Terrorismus Vorschub leisten oder Massenvernichtungswaffen entwickeln. Es gibt weiterhin große Gefahren. Je mehr wir uns dem Ziel von Frieden und Normalität in der Region annähern, desto verzweifelter werden die Feinde des Friedens. In Autobussen auf belebten Straßen zerstören die Terroristen das Leben Unschuldiger, und wir trauern mit den Familien der Opfer.

Wir haben unsere Bestrebungen verstärkt, Gruppen wie Hamas oder die Hizbollah zu bekämpfen und ermutigen den PLO-Vorsitzenden Arafat bei seinem Versuch, schärfer gegen gewaltsame Extremisten vorzugehen und sie strafrechtlich zu verfolgen. Einzelpersonen und Extremistengruppen sind jedoch nicht die einzige Bedrohung. Israel teilt das Land im Nahen Osten mit Nationen, die den Frieden zerstören wollen – Nationen wie Iran, Irak und Libyen. Sie wollen die Region destabilisieren, gewähren Terroristen Zuflucht, errichten und fördern terroristische Basislager in anderen Ländern, gieren nach nuklearen und anderen Massenvernichtungswaffen.

Jeden Tag bringen sie unschuldige Zivilisten in Gefahr und säen Zwietracht unter den Nationen. Unsere Politik gegenüber diesen verbrecherischen Staaten ist einfach: Sie müssen eingedämmt werden.

Der Iran stellt für den Friedensprozeß im Nahen Osten ein besonderes Problem dar. Seit dem Amtsantritt meiner Administration bemühen wir uns, die iranische Unterstützung für den internationalen Terrorismus einzudämmen, insbesondere seine Förderung gewalttätiger Friedensgegner im Nahen Osten.

Gleichzeitig versuchen wir, seinem Streben nach Massenvernichtungswaffen Einhalt zu gebieten, die das Land nicht nur für seine Nachbarn, sondern die gesamte Region und die Welt zu einer Bedrohung machen würden. Unsere Politik hat dazu beigetragen, daß der Iran für seine Aktionen bezahlt. Das Land wurde wirksam von der Kreditvergabe durch internationale Finanzinstitutionen ausgeschlossen.

Die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten in der G-7 haben den Verkauf von Waffen unserer Nationen an den Iran beendet. Wir haben uns geweigert, in sicherheitsempfindlichen Bereichen wie bei der Atomenergie mit dem Iran zusammenzuarbeiten und verschärften die Handelsbeschränkungen bei möglicherweise waffenfähigen Gegenständen.

Wie Sie alle wissen, hatten wir damit nicht immer Erfolg. Die jüngsten Nachrichten über das Abkommen zum Verkauf von russischen Gaszentrifugen an den Iran sowie zur Ausbildung iranischer Nukleartechniker durch russisches Lehrpersonal sind beunruhigend. Da der Iran über mehr als genug Erdöl für seine Energieversorgung verfügt, müssen wir davon ausgehen, daß er diese Technologie zur Entwicklung seiner Kapazitäten für den Bau von Atomwaffen einsetzen will.

Die Vereinigten Staaten haben ein enormes Interesse daran, die Weiterverbreitung dieser Waffen zu bekämpfen. Und Rußland hat als Nachbar des Iran ein besonderes Interesse an der Erreichung dieses Ziels. Wenn Rußland den Verkauf von Atomreaktoren fortsetzt, wird es dieses Ziel unterhöhlen.

Wir haben energisch auf eine Revidierung dieser Entscheidungen gedrängt, und ich werde Präsident Jelzin bei meinem Moskaubesuch in einigen Tagen meine Gründe direkt vortragen. Ich wende mich vor allem an meine amerikanischen Mitbürger, wenn ich sage: Viele Menschen haben leidenschaftlich argumentiert, der beste Weg zur Veränderung des iranischen Verhaltens sei, das Land einzubeziehen. Bedauerlicherweise gibt es dafür keine Beweise.

Vielmehr haben die letzten beiden Jahre genau das Gegenteil bewiesen. Der Appetit des Iran auf den Erwerb und die Entwicklung von Nuklearwaffen und ihren Trägersystemen ist nur noch größer geworden. Selbst im Angesicht zunehmender Erfolgschancen für den Friedensprozeß im Nahen Osten hat der Iran seine Rolle als Anstifter und Zahlmeister von Terroristen noch erweitert. Und nichts deutet darauf hin, daß weitere Einbeziehung diesen Kurs verändert.

Aus diesem Grund habe ich vergangenen Monat, als die Firma Conoco ein Milliardenprojekt zur Erschließung iranischer Ölreserven bekanntgab, das Projekt mit Hilfe eines Präsidialerlasses blockiert, der amerikanischen Unternehmen die Finanzierung, Kontrolle oder Verwaltung iranischer Ölreserven untersagt. Conoco entschied sich jedoch, auf das Geschäft zu verzichten. Und ich möchte hinzufügen, daß Edgar Bronfman einer der entschiedensten Gegner war. Als bedeutender Aktionär bei Conoco hätte er finanzielle Vorteile gehabt. Er stellte jedoch – wie so oft in seinem Leben – die Interessen der Öffentlichkeit über seine Eigeninteressen.

Ich habe mir meine Entscheidung nicht leicht gemacht. Eines der wichtigsten Merkmale unserer Außenpolitik ist die Erschließung neuer Märkte im Ausland und die aggressive Unterstützung unserer Unternehmen beim Wettbewerb sowie der Schaffung amerikanischer Arbeitsplätze. Es gibt jedoch Zeiten, in denen bedeutende Wirtschaftsinteressen noch wichtigeren Sicherheitsinteressen weichen müssen. Und wir leben in einer solchen Zeit.

Daher gebe ich heute abend bei diesem festlichen Abendessen zu Ehren eines großen Vorkämpfers für die Freiheit offiziell meine Absicht bekannt, sämtliche Handels- und Investitionstätigkeit mit dem Iran einzustellen und nahezu alle anderen wirtschaftlichen Aktivitäten zwischen unseren Nationen auszusetzen. Ich habe mir diesen Schritt nicht leicht gemacht, bin jedoch davon überzeugt, daß die Verhängung eines Handelsembargos gegen den Iran für unsere Nation das beste Mittel ist, den Bestrebungen dieses Landes zum Erwerb zerstörerischer Waffen sowie seiner fortgesetzten Unterstützung terroristischer Aktivitäten Einhalt zu gebieten.

Der Präsidialerlaß, den ich nächste Woche unterzeichnen will, umfaßt nicht nur den Energiesektor, sondern alle amerikanischen Exporte in den Iran sowie alle Investitionen amerikanischer Unternehmen und ihrer Niederlassungen. Unseren Schätzungen zufolge wird das Embargo begrenzte Auswirkungen auf unsere Unternehmen und Arbeitnehmer haben. Nach Prüfung aller Optionen habe ich jedoch entschieden, daß wir selber Opfer bringen und eine Führungsrolle übernehmen müssen, wenn wir andere Nationen zu Opfern veranlassen wollen, um das Verhalten des Iran zu ändern. Bei meinen Gesprächen mit Präsident Jelzin und den führenden Politikern der G-7 im Juni in Halifax werde ich die anderen Ländern dazu auffordern, ähnliche oder parallele Maßnahmen zu ergreifen.

Sie sollen wissen, daß ich gegen den Vorschlag bin, einen sekundären Boykott zu verhängen und ausländischen Firmen, die Geschäfte mit dem Iran abwickeln, Geschäfte mit amerikanischen Unternehmen zu untersagen. Das befürworte ich nicht. Meines Erachtens würde eine solche Entscheidung zu einem Zeitpunkt, an dem wir die Kooperationsbereitschaft unserer Freunde benötigen, die Beziehungen zu unseren Verbündeten unnötig belasten. Mein Beschluß zur Verhängung des Embargos sollte dem Iran und der ganzen Welt die unverminderte Entschlossenheit der Vereinigten Staaten vor Augen führen, alles in unserer Macht Stehende zu unternehmen, um dem Verhalten und den Ambitionen dieser Nation Beschränkungen aufzuerlegen.

Es wäre ein Fehler, nichts zu unternehmen. Es wäre ein Fehler, nichts zu tun, während der Iran weiterhin den Besitz von Atomwaffen anstrebt. Es wäre falsch, angesichts der überwältigenden Beweise für die Unterstützung des Terrorismus durch Teheran, der den Friedensbeginn bedroht, nicht zu handeln.

Die Sicherung eines dauerhaften und umfassenden Friedens muß unsere oberste Priorität sein. Kern dieser Bestrebungen sind natürlich weiterhin enge Beziehungen zwischen Israel und den Vereinigten Staaten. Wir müssen jedoch denjenigen die Stirn bieten, die den Frieden zunichte machen und selbst nach Erlangung des Friedens die Zukunft zerstören könnten.

Unsere Strategie funktioniert. Araber und Israelis haben sich nie zuvor so oft getroffen, sind so frei gereist und waren sich nie zuvor so stark bewußt, daß ihre gemeinsame Zukunft in Frieden und Wohlstand ein dringliches Anliegen aller ist. Wenn sie bereit sind, auf diesem Weg weiterzugehen, werden die Vereinigten Staaten mit ihnen an einer hoffnungsvollen Zukunft arbeiten. Und wir werden nicht ruhen, bis überall Frieden herrscht.

Vor einem halben Jahr hatte ich die große Ehre, Jerusalem einen Besuch abzustatten, nachdem wir den Friedensvertrag zwischen Jordanien und Israel unterzeichnet hatten. Ich äußerte den Mitgliedern der Knesset gegenüber, die Feinde des Friedens würden keinen Erfolg haben, weil sie der Vergangenheit, nicht der Zukunft angehören. Wir müssen uns dafür einsetzen, diese Behauptung wahr werden zu lassen.

Außenminister Peres äußerte, es tue ihm leid, daß wir unseren Feind verloren hätten. Und wir alle lachten ein wenig verunsichert, weil wir wußten, daß seine Äußerung ein Körnchen Wahrheit enthält. Wir hatten ein so klares Feindbild, als es die Sowjetunion, den Kalten Krieg und die massive nukleare Bedrohung gab. Heute gibt es keine Sowjetunion, keinen Kalten Krieg und erstmals seit dem Anbruch des Atomzeitalters keine auf amerikanische Kinder gerichteten sowjetischen Raketen. Das ist ein Grund zu feiern und zur Freude.

Ich werde Ihnen jedoch sagen, was meines Erachtens die Bedrohung des 21. Jahrhunderts sein wird, die sich bereits weltweit abzeichnet: Die hier anwesenden Kinder sollten in der interessantesten, wohlhabendsten und vielfältigsten Welt in der gesamten Menschheitsgeschichte aufwachsen. Alle Kräfte, die uns noch oben bringen und zusammenführen, enthalten jedoch eine versteckte Möglichkeit für Böses; die Kräfte der Integration, die die Welt verbessern und integrieren, enthalten die Saat der Zerstörung. Die große Herausforderung im 21. Jahrhundert wird darin bestehen, die Chancen zu erkennen, die Technologie, Freizügigkeit, offene Gesellschaften und der Abbau von Grenzen zwischen den Nationen bieten, ohne von den einigen Kräften innewohnenden Gefahren und Bedrohungen völlig absorbiert zu werden. Das ist die Herausforderung des 21. Jahrhunderts. Denn das Böse in der menschlichen Natur ist noch nicht ausgerottet.

Je offener und flexibler wir sind, desto ungeschützter sind wir vor den Kräften des organisierten Bösen. Das haben Sie in Oklahoma City gesehen. Das zeigt sich an dem schrecklichen Vorfall mit religiösen Fanatikern, die einen Giftgasanschlag auf die japanische U-Bahn verübten. Das sehe ich in Rußland; jetzt fordert es von mir die Einrichtung eines FBI-Büros, da das organisierte Verbrechen auf seine Banken übergreift. Als ich ins Baltikum reiste, drückte man in Riga den Wunsch nach Hilfe bei der Strafverfolgung aus, denn nachdem das totalitäre Regime im Baltikum abgesetzt wurde, machen sich die Menschen dort Sorgen, daß ihr Hafen ein Umschlagplatz für Drogen und andere Zerstörungsmittel wird. Und genau das passiert im Nahen Osten.

Warum verüben in Israel die Terroristen Sprengstoffanschläge auf unschuldige Menschen? Weil der einzige Weg, Frieden zwischen Israelis und Palästinensern zu schaffen, in Bewegungsfreiheit zwischen beiden Gebieten besteht. Und wenn diese Bewegungsfreiheit bedeutet, daß Unschuldige sterben müssen, muß die israelische Regierung Schranken errichten, weil ihr Volk das fordert. Wenn das geschehen ist, sinkt das Einkommen im palästinensischen Gebiet, wodurch der Frieden zum Scheitern verurteilt ist. Offenheit macht Frieden möglich und beinhaltet die Bedrohung, ihn zunichte zu machen. Das ist im kleinen eine Darstellung der Herausforderung des 21. Jahrhunderts.

Wenn Sie heute abend nach Hause gehen und darüber nachdenken, werden sie erkennen, daß nahezu jedes moderne Problem auf diese Weise erklärt werden kann. Die Kräfte des Fortschritts, der Chancen und Integration enthalten allesamt die Saat ihres Mißbrauchs durch das organisierte Böse. Wir alle müssen ihm die Stirn bieten.

Das Bibelbuch der Sprüche sagt, es werde einen Umsturz der Bösen geben, und sie würden nicht mehr sein; das Haus der Gerechten werde jedoch stehenbleiben. Während meiner baptistischen Erziehung erzählten uns alle Prediger, das würde erst am Ende der Menschheitsgeschichte geschehen, wenn wir uns alle im Jenseits befänden. Niemand kann das wissen, aber ich behaupte, daß Edgar Bronfman das Anbrechen des Tages beschleunigt, an dem das Haus der Gerechtigkeit steht; und dazu müssen wir alle beitragen.

Dies kann für die Menschheitsgeschichte eine großartige Zeit sein, und unsere Kinder und Enkel können eine großartige Zukunft vor sich haben, weil es Menschen wie Edgar Bronfman gibt. Die Herausforderung ist klar: Können wir bewirken, daß die Kräfte des Terrors Vergangenheit werden? Ja, das können wir, aber wir müssen uns dafür einsetzen.

Ich danke Ihnen. Gott schütze Sie.