Globales Informationssystem erfordert weltweite Zusammenarbeit

BRÜSSEL – (AD) – Die Schaffung einer globalen Informationsinfrastruktur (Global Information Infrastructure – GII) erfordert Vizepräsident Al Gore zufolge die Mitwirkung von Regierungen und Privatwirtschaft.

“Die GII wird nicht an einem Ort zu einem Zeitpunkt von nur einer Gruppe geschaffen”, äußerte er am 25. Februar 1995 beim G-7-Treffen in Brüssel. “Sie wird das Produkt weltweiter Zusammenarbeit zwischen Regierungen, Industrie und Bürgern sein.”

Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Redetext des Vizepräsidenten.

 

Mein Freund James Burke, der Historiker, erzählt eine fesselnde Geschichte über die letzte Informationsrevolution und die daraus resultierenden Veränderungen.

Vor über 500 Jahren suchte nicht weit von hier entfernt – in Deutschland – ein Goldschmied, dem ein gewinnträchtiges Geschäft entgangen war, weil er ein wichtiges Datum verwechselt hatte, nach einer Möglichkeit, seine Geschäftspartner zu beschwichtigen. Er beschloß, seine Fähigkeiten als Goldschmied zu nutzen, um eine bewegliche Drucktype herzustellen und diese für seine neue Druckpresse zu verwenden, mit der er das Buch drucken wollte, das sich zweifellos verkaufen würde – die Bibel.

In diesem Fall die Gutenberg-Bibel.

Erfindungen entspringen nur selten vollkommen entwickelt und ohne etwas zuvor Dagewesenes dem Gehirn. Und Gutenbergs Erfindung ist keine Ausnahme.

Die bewegliche Metalltype war bereits 200 Jahre zuvor in Korea erfunden worden. Aufgrund bestimmter Gegebenheiten wurde diese erste bewegliche Type jedoch nicht verbreitet. Der Konfuzianismus verbot die Vermarktung von Büchern, und die königliche Presse Koreas druckte lediglich klassische chinesische Literatur, nicht die populärere koreanische Literatur.

Zu Gutenbergs Zeiten waren die Bedingungen besser: Besseres Papier, bessere Metalle und Sehhilfen. Und die Europäer waren bereit für eine billigere Vorgehensweise bei der Kopie von Büchern, anstatt sich eines Schreibers zu bedienen, der für eine Abschrift mehr verlangte, als bei einer Druckpresse tausend Exemplare kosten würden.

Das Ergebnis: Nicht nur Bücher, sondern Aufklärung; die wissenschaftliche Revolution, das Zeitalter der Aufklärung. Und das Symbol der politischen Revolution war das Dokument, auf das ich etwa 200 Jahre nach seinem Entwurf vereidigt wurde – die Verfassung der Vereinigten Staaten.

All das geht letztlich auf einen Goldschmied zurück.

Was können wir aus dem spektakulären Erfolg Gutenbergs lernen? Ich möchte zweierlei anführen.

Erstens ist unsere Einstellung zur Zukunft und unsere Fähigkeit zur Nutzung und Weiterentwicklung einer neuen Idee immer durch die jeweiligen Umstände eingeschränkt. Gutenberg hatte eine großartige Idee. Es ist sein Verdienst, unsere Kultur revolutioniert zu haben, weil er seine neue Idee zu einem Zeitpunkt nutzte, an dem die Gegebenheiten für eine schnelle Ausbreitung der Drucktechnik günstig waren.

Zweitens ist es unglaublich schwierig, Wandel zu handhaben, zu leiten und zu prognostizieren – oder, wie der Physiker Neils Bohr einst erklärte: “Es ist sehr schwierig, Voraussagen zu machen, insbesondere wenn man über die Zukunft spricht.”

Wir sind hier zusammengekommen, um den Weg in die Zukunft zu planen – zu einer Zeit, in der Prognosen schwieriger als je zuvor sind, aber auch zu einer Zeit, in der unser Umfeld eindeutig einer schnellen Ausbreitung neuer Fähigkeiten förderlich ist, Informationen zu verarbeiten und weiterzuleiten, die der ganzen Menschheit zugute kommen. Dieser Weg führt uns von unserer gemeinsamen Vision zu einer neuen Realität. Ebenso wie die Menschen früher von Dampfschiffen, Eisenbahnen und Autobahnen träumten, träumen wir jetzt von einer globalen Informationsinfrastruktur, die zu einer globalen Informationsgesellschaft führen kann.

Unser heutiger Traum dreht sich jedoch nicht nur um Technologie. Technologie ist ein Mittel zum Zweck. Wir träumen von Kommunikation – der grundlegendsten menschlichen Strategie, derer wir uns bedienen, um unsere Kinder zu erziehen, zu heilen, mehr Befugnisse zu erhalten und zu befreien.

In ihrer elementarsten Form ist Kommunikation der Transfer von Informationen von einem Menschen zu einem anderen. Information wiederum ist der Grundstoff des Wissens, und Wissen reift bisweilen -wenn wir Glück haben – zu Klugheit. Und natürlich ist es inzwischen eine Binsenwahrheit, daß die jetzt im Anfangsstadium befindliche Informationsrevolution letztlich unsere Vorstellungen von Kommunikation und Information gleichermaßen verändern wird.

Die von Gutenberg herbeigeführten Veränderungen sind unser gemeinsames Erbe. Die Veränderungen, über die wir hier sprechen, werden unser gemeinsames Vermächtnis. Heute möchte ich einige der Prinzipien darlegen, die nach Ansicht der Clinton-Administration bestimmen sollten, welches Vermächtnis wir hinterlassen.

Im vergangenen Jahr nahm ich in Buenos Aires an der ersten Weltkonferenz über die Entwicklung des Telekommunikationswesens teil, bei der ich die amerikanische Vision einer globalen Informationsinfrastruktur darlegte, die stabilen und tragfähigen wirtschaftlichen Fortschritt fördern, Demokratie unterstützen, bessere Lösungen für weltweite Umweltprobleme bieten, Gesundheitsfürsorge verbessern und letztlich ein geschärftes Bewußtsein unserer gemeinsamen Verantwortung für unseren kleinen Planeten schaffen wird.

Bei der Konferenz in Buenos Aires wurden eine Reihe grundlegender Prinzipien angenommen, die unseres Erachtens die Bausteine der GII sind:

  • Privatinvestitionen
  • Wettbewerb
  • offener Zugang
  • universelle Dienstleistungen
  • flexible Bestimmungen.

Diese Grundsätze standen im Mittelpunkt der Diskussionen über die GII in bilateralen, multilateralen und regionalen Foren – zuletzt beim APEC-Treffen vergangene Woche in Vancouver, aber auch im vergangenen Dezember beim gesamtamerikanischen Gipfel in Miami sowie in den Regierungsvereinbarungen zwischen den Vereinigten Staaten und Rußland sowie der Ukraine.

Sie werden auch den Schwerpunkt dieses Treffens hier in Brüssel bilden, das auf Initiative Präsident Clintons zurückgeht und dankenswerterweise von der Europäischen Union unter der Leitung von Kommissionspräsident Santer und dem ehemaligen Kommissionspräsidenten Jacques Delors veranstaltet wird. Erstmals nehmen mehr als 40 Vertreter des Privatsektors offiziell an einer derartigen Konferenz teil. Sie und Hunderte von inoffiziellen Teilnehmern demonstrieren bei dieser Konferenz eine beeindruckende Palette von Anwendungsmöglichkeiten, die der Welt signalisieren, daß sich die G-7-Staaten zur Übernahme einer Führungsrolle bei der Entwicklung der GII verpflichten, indem sie in Wort und Tat ein Beispiel geben.

Die Tatsache, daß diese Konferenz überhaupt stattfindet, steht im Einklang mit dem Ratschlag, den Träumer vor langer Zeit von Mahatma Gandhi erhielten: “Ihr müßt selbst zu dem Wandel werden, den Ihr in der Welt sehen möchtet.”

Zudem sind aggressive Fortschritte bei einer GII die beste Möglichkeit zum Umgang mit den Anliegen, die letztes Jahr beim Detroiter Gipfel der G-7 über die Schaffung von Arbeitsplätzen hervorgehoben wurden. Bei dieser Konferenz beschäftigten wir uns mit dem Hauptdilemma, dem sich jede Regierung gegenübersieht: Wie können wir sicherstellen, daß unsere Volkswirtschaften genug Arbeitsplätze bereitstellen?

Die erste Arbeitsplatzstudie der OECD legte den Zusammenhang zwischen Arbeitsplätzen und unserer heutigen Arbeit dar. Die Nationen, die am besten zum Einsatz der neuen Technologien für eine auf Wissen basierende Wirtschaft geeignet sind, konnten auch die meisten Arbeitsplätze schaffen.

Die GII wird nicht an einem Ort zu einem Zeitpunkt von einer Gruppe geschaffen. Sie wird das Produkt weltweiter Zusammenarbeit zwischen Regierungen, Industrie und Bürgern sein.

Aber wie können Staaten mit stark unterschiedlichen Bedürfnissen, Kulturen und Technologien zusammenarbeiten?

Erstens indem sie erkennen, daß die Früchte unserer Zusammenarbeit offener Marktzugang für alle Anbieter und Nutzer kreativer Inhalte sowie Informationsprodukte, -geräte und -dienstleistungen sein sollten.

In der Weltwirtschaft des 21. Jahrhunderts gibt es für die Konkurrenten keinen Ersatz dafür, auf den Markt zu gehen und unseren Nutzern die größtmögliche Vielfalt von Produkten, Informationen und Dienstleistungen zu niedrigen Preisen anzubieten.

Zweitens setzt die Schaffung einer GII harten Wettbewerb voraus. Und diesen kann man nicht erzielen, indem man Konkurrenten ausschließt, sei es im In- oder im Ausland.

Lebhafter Wettbewerb – das heißt, globaler Wettbewerb – führt zur Schaffung von Arbeitsplätzen.

Aus diesem Grund möchte ich im Namen von Präsident Clinton die Botschaft dieser Konferenz deutlich formulieren: Wir unterstützen Wettbewerb auf offenen Märkten, der jedem Unternehmen gestattet, jedem Kunden jede Dienstleistung anzubieten.

Welche konkreten Maßnahmen müssen wir zur Erreichung dieses Ziels ergreifen?

Erstens müssen wir gemeinsam unsere Hindernisse für ausländische Investitionen abschaffen. Über 60 Jahre lang haben die Vereinigten Staaten bei bestimmten Dienstleistungen im Telekommunikationsbereich Beschränkungen für ausländische Investitionen aufrechterhalten. In dieser Hinsicht werden wir in diesem Jahr viel verändern. Wir wollen entweder durch ein neues Gesetz oder durch neue Vorschriften denjenigen Unternehmen aller Länder die Tür für Investitionen in amerikanische Telekommunikationsdienstleistungen öffnen, die ihre eigenen Märkte geöffnet haben.

Wir sind uns jedoch auch bewußt, daß die Informationsgesellschaft mehr als nur einen stückweisen Ansatz erfordert. Die hier vertretenen sowie andere Regierungen haben eine historische Chance zur Öffnung von Telekommunikationsmärkten weltweit bei den Verhandlungen im Rahmen des allgemeinen Abkommens über den Handel mit Dienstleistungen. Diese Verhandlungen müssen bis April 1996 abgeschlossen sein.

Wir wollen diesen Termin für den gemeinsamen Abbau unserer Investitionshemmnisse einhalten.

Zweitens wollen wir wirksame Rechte zum Schutz von geistigem Eigentum für die GII formulieren und umsetzen. Wenn die Anbieter der Inhalte nicht geschützt sind, wird es keine Inhalte geben, um die Netze zu füllen und den Dienstleistungen Wert zu verleihen.

Drittens sollten alle Parteien an der Entwicklung von freiwilligen Konsensnormen für den Privatsektor durch bereits bestehende internationale Organisationen wie die internationale Fernmeldeunion, die internationale Normenorganisation und die Internetgesellschaft mitarbeiten. Die Schaffung wirklich globaler Netze wird ein hohes Maß an Verbindungen untereinander und an Interoperabilität erfordern.

Die Regierungen sind nicht die besten Richter in Sachen Technologie, und staatliche Intervention birgt das Risiko der Verabschiedung von Normen, die letztlich entweder schlechter oder ungeeignet für die Nachfrage des Marktes sind.

In unserer Vision einer Informationsgesellschaft ist die wertvollste Ressource – Information – gleichzeitig auch die am häufigsten vorhandene.

Ich hege die Hoffnung, daß ein offener Gedankenaustausch zu allen möglichen Themen und der beste Zugang aller Bürger zu unterschiedlichen Kommunikationsmitteln Kreativität stimulieren wird.

Bei globaler Kommunikation handelt es sich nicht um Konformität. Einige fürchten, daß wir unsere Eigenheiten verlieren, wenn wir die Distanz zwischen uns und anderen verlieren. Aber bei Kommunikation geht es um die Überbrückung von Unterschieden zwischen Nationen und Menschen, nicht deren Ausmerzung.

Tatsache ist, daß auf Fehleinschätzungen gegründete staatliche Maßnahmen, die Veränderungen zu blockieren oder den Status quo zu bewahren versuchen, selbst Arbeitsplätze vernichtet haben. Dieses Mal haben wir die Chance, es richtig zu machen. Wir können Märkte öffnen und Arbeitsplatzchancen schaffen. Wir nutzen Bildung und Ausbildung, damit mehr Arbeitnehmer sich an den neuen Arbeitsplatz anpassen können.

Die befreiende Wirkung dieser neuen Technologien ist auf der ganzen Welt offenkundig. Satellitenstationen übermittelten den Helfern in Ruanda medizinischen Rat. Radio- und Fernsehsendungen haben in Südafrika die Rolle der Wahl in einer Demokratie unterstrichen. Funktechnologien gestatten es aufstrebenden Nationen, das teure Stadium der Verkabelung eines Kommunikationsnetzes zu überspringen – beispielsweise in Thailand, wo es doppelt so viele Funktelefone gibt wie in den Vereinigten Staaten.

Die Auswirkungen sind auch im Bildungswesen sichtbar. Eines der größten Handikaps für Lernwillige war die Distanz. Die Library of Congress in Washington ist ein wunderbarer Ort. Wir müssen jedoch sicherstellen, daß sie auch einem Schulmädchen aus meiner Heimatstadt Carthage in Tennessee, 900 Kilometer entfernt, zugänglich gemacht wird. Dank Fernkursen können bereits viele Bürger geographische Schwierigkeiten überwinden.

In Japan sind über 100 Institutionen durch Computer und Satelliten miteinander verbunden und ungefähr 150.000 Studenten eingeschrieben.

In Indien gibt es fünf offene Universitäten und über 35 Fernkurse an herkömmlichen Universitäten.

Und in Kanada bietet das Knowledge Network Studienkurse für Erwachsene an, die auf Inseln in British Columbia leben.

In Frankreich sind die vor kurzem entdeckten Höhlenmalereien in der ArdŠche, die im wirklichen Leben kaum zu erreichen sind, Wissenschaftlern, Dozenten und vor allem Kindern über Internet zugänglich.

Die Clinton-Administration hat sich dem Ziel verpflichtet, bis zum Ende dieses Jahrzehnts jedes Klassenzimmer, jede Bibliothek, jedes Krankenhaus und jede Klinik mit der nationalen und globalen Informationsinfrastruktur zu verbinden.

Wir müssen unseren Lehrern und Schülern dieselbe Kommunikationstechnologie bieten, die Expedienten, Konstrukteure und Regierungsbeamte jeden Tag nutzen.

Die Informationstechnologie ist ein entscheidendes Element der Wirtschaftspolitik. Aber es gibt große Hindernisse.

Wie können wir die harte Arbeit angehen, die vor uns liegenden Hindernisse in Chancen umzuwandeln?

Erstens indem wir uns auf diejenigen konzentrieren, die die Nachfrage nach Informationsprodukten und -dienstleistungen bestimmen: Die Nutzer.

Die Nachfrage der Nutzer wird den Markt definieren.

Wettbewerb zugunsten der Nutzer wird Innovation und kostengünstige Installation neuer Technologien beschleunigen. Privatinvestitionen in unterschiedliche Technologien bedeuten neue Kapitalquellen und Fachwissen für reiche und arme Nationen gleichermaßen.

Computernetze haben völlig neue, rasch wachsende Märkte geschaffen. Diese Netze helfen kleinen und mittelständischen Unternehmen in armen und reichen Ländern, effektivere Wettbewerber auf Weltmärkten zu werden.

In den Vereinigten Staaten haben unsere Auktionen über Frequenzbereiche die Lizenzvergabe für persönliche Kommunikationsdienstleistungen beschleunigt und führen zur Schaffung von Hunderttausenden Arbeitsplätzen in den nächsten Jahren – ein Anzeichen, daß Kommunikation eine Quelle für wirtschaftliche Veränderungen und Wachstum ist, nicht nur eine Folge davon.

Es geht um den Schutz und die Erweiterung der Meinungsfreiheit für alle unsere Bürger und darum, dem einzelnen die Macht zur Erstellung der erforderlichen und gewünschten Informationen aus dem reichhaltigen Fluß von Daten zu geben, mit denen er jeden Augenblick konfrontiert wird.

Kommunikation ist der Anfang von Gemeinschaft. Sei es durch Sprache, Kunst, Gebräuche oder politische Philosophie – Menschen und Nationen identifizieren sich durch die Kommunikation von Erfahrungen und Werten. Ein globales Informationsnetz wird neue Gemeinschaften hervorbringen und bestehende stärken, indem es die Art und Weise bereichert, in der wir kommunizieren und kommunizieren können.

Ideen sollten nicht an Grenzen kontrolliert werden. Wir können viel voneinander lernen und sollten Praktiken und Maßnahmen anstreben, die die größte Vielfalt von Meinungen einbeziehen, nicht ausschließen. Wir alle profitieren vom Austausch kultureller Sichtweisen und Erfahrungen, der stattfindet, wenn aufgeschlossene Menschen zusammentreffen.

Gleichzeitig wünschen die Nutzer der GII den Schutz ihrer Privatsphäre und werden diesen fordern. Wenn man Amerikaner über die Informationstechnologie befragt, ist dies ihre größte Sorge. Wir müssen persönliche Daten und Kommunikation schützen.

Regierungen und Industrien müssen zusammenarbeiten, um neue Technologien, neue Normen und neue Maßnahmen zu entwickeln, die den erforderlichen Schutz und die Sicherheit der Privatsphäre bieten.

Um die Privatsphäre und Finanztransaktionen zu schützen und das Recht auf geistiges Eigentum durchzusetzen, muß die GII sicher und zuverlässig sein. Die OECD sollte weiterhin eine Führungsrolle im Bereich der Computersicherheit übernehmen.

Glücklicherweise bieten uns die Technologie und menschliche Erfindungsgabe neue Chancen zur Erweiterung unserer Kommunikationsfähigkeiten. Nehmen sie zum Beispiel nichtgeostationäre Satelliten. Sie bergen ein enormes Potential, insbesondere für weit entfernt liegende oder dünn besiedelte Regionen und für Gesellschaften, die Vorteile der Technologie des 21. Jahrhunderts zu nutzen, noch bevor die Installation teurer landgestützter Netze beendet ist. Diese modernen Technologien können alles von Telefonanrufen bis zu medizinischen Ferndiagnosen bereitstellen. Ebenso wie Internet haben sie das Potential, Millionen von Menschen an unterschiedlichen Orten und in unterschiedlichen Situationen miteinander zu verknüpfen – und dies auf wirtschaftliche Weise.

Jedes dieser Satellitensysteme auf niederen Umlaufbahnen – und darüber hinaus das mit dem Inmarsat-P-Konsortium verbundene System auf der mittleren Umlaufbahn – ist multinational, und jedes Satellitenkonsortium begrüßt und strebt die Beteiligung von Industrie- und Entwicklungsländern an. Natürlich behält jedes Land die Entscheidungsbefugnis bezüglich des Satellitensystems. Aber Länder, die Lizenzen an diese internationalen Satellitenkonsortien vergeben, tragen dazu bei, daß ihre Unternehmen in der Weltwirtschaft wettbewerbsfähiger werden und ihren Bürgern profitable Satellitendienstleistungen bieten können.

Der Zweck unserer Zusammenkunft ist die Förderung unseres gemeinsamen Ziels einer globalen Informationsinfrastruktur, die allen Ländern die Vorteile einer globalen Informationsgesellschaft verschafft.

Unsere heutige Herausforderung besteht in der Schaffung der wirtschaftlichen, technischen, rechtlichen und sozialen Bedingungen, die das Fundament für die GII legen werden.

Während wir über unsere gemeinsamen Grenzen und Ozeane hinweg auf den Aufbau einer GII hinarbeiten, dürfen wir nicht nur an die heutigen Diskussionen über Funkverbindungen und Satelliten denken. Wir müssen unsere Arbeit in den Dienst einer globalen Vision stellen, die in jeder Gemeinde und in jedem Dorf der Welt realisiert werden kann.

Ich habe zu Beginn meiner Ausführungen über Gutenberg gesprochen, dessen Entdeckungsreise das Leben aller Menschen auf diesem Planeten beeinflußt hat.

Es war keine leichte Reise. Es gab Skeptiker und Feinde. Als sein Finanzier mit zwölf Bibeln nach Paris kam, brachten ihn die Buchhändler vor Gericht mit dem Argument, so viele identische Bücher könnten nur das Werk des Teufels sein.

Sein Werk war eine Herausforderung an die Gesellschaft, sich dem Wandel zu stellen.

Und diese Gesellschaft lernte eine Lektion, die wir nicht ignorieren können: Wir haben nicht die Wahl, die Zukunft zu verzögern oder sie zu leugnen – wir müssen uns auf sie vorbereiten.

Es gibt keinen besseren Weg der Vorbereitung auf die Zukunft, als das Beste aus der Gegenwart zu machen.

Aus diesem Grund sind gemeinsame Visionen so unerläßlich. Wir haben jetzt die große Chance, die Welt in einem neuen Licht zu sehen und ihre Funktionsweise sowie die Art und Weise zu überdenken, in der wir in dieser Welt funktionieren sollten.

Ich habe heute die konkreten Schritte dargelegt, die wir ergreifen müssen, um uns auf diese neue Entdeckungsreise zu begeben. Ausgestattet mit der beweglichen Drucktype des nächsten Jahrtausends können wir mit dem Reichtum des Wissens und der Kreativität des Menschen beladene Karawanen auf Pfade des Lichts entsenden, die in jedes Dorf und zu jedem Heim führen. Ich danke Ihnen für Ihr Verständnis dieser Vision und sehe unserer gemeinsamen Reise erwartungsvoll entgegen.