2008 war eine historische Wahl. Nicht nur wurde mit Barack Obama der erste Afroamerikaner zum Präsidenten gewählt, sondern die Wahlbeteiligung der afroamerikanischen Bevölkerung war so hoch wie nie zuvor. Kein Kandidat konnte bis dato so viele Wähler dieser Bevölkerungsgruppe mobilisieren und damit seinen Sieg sichern. Etwa 13 Prozent aller Wähler gehörten zu dieser Gruppe – und 95 Prozent von ihnen stimmten für Obama. Wie wird es aber 2012 sein? Der Amerikadienst hat dazu einen Artikel von MacKenzie C. Babb auf Deutsch veröffentlicht.
Afroamerikanische Wähler werden aller Wahrscheinlichkeit nach eine Schlüsselrolle bei den Präsidentschaftswahlen im November spielen und setzen somit den Trend der steigenden Wahlbeteiligung afroamerikanische Bürger fort, der Barack Obama 2008 den Wahlsieg über seinen Gegner John McCain sicherte.
„Die weißen Wähler bevorzugten McCain mit 53 Prozent gegenüber Obama mit 47 Prozent“, sagte Lorenzo Morris, Spezialist für die politische Teilhabe der afroamerikanischen Bevölkerung während eines Briefings im Foreign Press Center in Washington am 4. Mai. „Die hohe Wahlbeteiligung der Afroamerikaner 2008 war die höchste, die wir für diese Gruppe jemals ermittelt haben, und zudem die höchste Beteiligung einer Minderheit. Sie lag bei 65 Prozent und trug dazu bei, dass sich etwas änderte“, indem das Pendel am Ende für Obama ausschlug.
Morris, Professor für Politikwissenschaft an der Howard University in Washington, sagte, dass die Wahlbeteiligung der Afroamerikaner historisch gesehen zwar nicht hoch sei, aber seit Kurzem ein ständiges Wachstum zu verzeichnen sei. Außerdem erwarte er nur einen leichten Rückgang der Wahlbeteiligung von Minderheitengruppen im Vergleich zu den Wahlen 2008.
Der Politikwissenschaftler sagte, Obama sei nicht so beliebt wie viele es für seine historische Amtszeit erwartet hatten. Dies liege teilweise daran, dass er hinter den Erwartungen vieler liberalen Demokraten zurückgeblieben sei.
„Allerdings hat er bei den afroamerikanischen Wählern kaum an Beliebtheit eingebüßt“, sagte Morris. Er fügte hinzu, dass diese Beliebtheit der Schlüssel zur Mobilisierung von Minderheitengruppen für die Wahl sein werde, die erneut entscheidenden Einfluss auf das Wahlergebnis haben könnten.
Die meisten afroamerikanischen Wähler, ebenso wie andere Minderheiten, vertreten ideologisch gesehen eine „relativ weit linksgerichtete“ Einstellung, weshalb ein Großteil dieser Wähler ihre Stimme für die Demokraten abgeben werde, so Morris.
Der politische Analyst Larry Sabato erklärte, 90 bis 95 Prozent der afroamerikanischen Wähler hätten sich in den vergangenen Jahren für demokratische Kandidaten entschieden.
Während eines Interviews am 9. Mai sagte der Dozent der University of Virginia, dass dieser Trend bei den Präsidentschaftswahlen 2008 besonders deutlich geworden sei.
„Angesichts der historischen Kandidatur Barack Obamas war es nicht überraschend, dass die Wahlbeteiligung der Afroamerikaner anstieg und etwa 13 Prozent der gesamten Stimmen ausmachte. Obama erhielt 95 Prozent und McCain vier Prozent ihrer Stimmen“, so Sabato. „2012 rechne ich mit ähnlichen Zahlen.“
Sabato sagte aber auch, dass afroamerikanische Wähler nicht seit jeher einen Trend zur politischen Linken gezeigt hätten. Nach dem Bürgerkrieg, so Sabato, stimmten viele Afroamerikaner, die das Wahlrecht hatten, für die Republikaner – die Partei von Präsident Abraham Lincoln.
„Präsident Lyndon B. Johnson änderte dies, als er 1964 das Bürgerrechtsgesetz von Präsident John F. Kennedy unterstützte und im selben Jahr 96 Prozent der afroamerikanischen Stimmen erhielt“, sagte Sabato. „Die Stimmen der afroamerikanischen Wähler sind für die Demokraten in jedem Staat mit einem hohen, afroamerikanischen Bevölkerungsanteil entscheidend.“
Morris stellte fest, Johnson sei der einzige demokratische Präsidentschaftskandidat nach dem Zweiten Weltkrieg, der die Mehrheit der Stimmen der Weißen auf sich vereinigen konnte. Die weißen Wähler hatten in allen Präsidentschaftswahlen nach dem Zweiten Weltkrieg die Kandidaten der Republikaner bevorzugt.
„Ohne die Stimmen von Minderheitengruppen schafft es kein Demokrat ins Weiße Haus“, sagte Morris.
Den beiden Analysten zufolge sei die Wahlbeteiligung der Minderheitengruppen zu diesem frühen Zeitpunkt zwar schwer vorherzusehen, würde sich aber sehr wahrscheinlich wieder entscheidend auf das Wahlergebnis auswirken.
Originaltext: African-American Voters Set to Play Key Role in November Election
Übersetzung: Afroamerikanische Wähler und ihr Einfluss auf das Wahlergebnis im November