Neue Drogenbekämpfungskampagne zur Unterstützung Jugendlicher

WASHINGTON – (AD) – Gesundheitsministerin Donna Shalala rief eine ehrgeizige Drogenbekämpfungskampagne zur Aufklärung der Öffentlichkeit und Eindämmung des jüngsten Anstiegs beim Marihuanakonsum Jugendlicher ins Leben. Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Text der Rede von Gesundheitsministerin Shalala aus Anlaß des 100. Jahrestages des Eltern-Lehrer-Verbands (Parent-Teacher Association – PTA) am 24. Juni 1996.

Es ist mir eine große Ehre, aus Anlaß Ihres 100. Jahrestages mit Ihnen zusammenzutreffen.

Seit 100 Jahren ist die PTA eine der wichtigsten Basisorganisationen in Amerika. 100 Jahre lang rettete sie Leben, förderte Bildung und eröffnete Zukunftsperspektiven. Und 100 Jahre lang führte sie Eltern, Lehrer und Gemeinden bei der Aufgabe zusammen, unsere größte Ressource zu schützen – unsere Kinder.

Das war nie wichtiger als heute.

Denn jeden Tag sterben in Amerika 16 Kinder bei mit Schußwaffen verursachten Unfällen, durch Mord und Selbstmord.

Jeden Tag bekommen mehr als 1.000 Jugendliche uneheliche Kinder.

Jeden Tag fangen über 3.000 junge Menschen das Rauchen an.

Jeden Tag brechen mehr als 1.000 Jugendliche die weiterführende Schule ab.

Und über 2 Millionen 12-17jährige nehmen mindestens fünf alkoholische Getränke zu sich.

Ein Bericht jüngeren Datums an den Präsidenten belegte, daß jede Stunde mindestens ein amerikanischer Teenager mit HIV infiziert wird.

Ferner ist ein erneuter Anstieg des Marihuana-Konsums bei den 12-17jährigen zu beobachten – der monatliche Konsum hat sich seit 1991 nahezu verdoppelt.

Wir sollten uns nichts vormachen: Wenn wir nicht schnell handeln, könnten wir eine ganze Generation verlieren.

Das war die Botschaft eines umfassenden Berichts der Carnegie Corporation in New York von letztem Herbst, der die Schlußfolgerung enthielt, daß mindestens die Hälfte unserer Teenager aufgrund riskanten Verhaltens gefährdet ist, das ihr Leben ernsthaft verkürzen könnte.

Das sind nicht anderer Leute Kinder, das ist nicht anderer Leute Problem.

Dies ist unser Problem – ein amerikanisches Problem, das das Leben jeder Familie beeinflußt, ungeachtet der Rasse, Religion, Region und finanziellen Situation.

Aber glauben Sie mir nicht einfach, wenn ich sage, daß etwas getan werden muß. Wir wollen es aus erster Hand, von den Experten selbst hören:

Eine 16jährige erklärt: “Ich möchte Fotomodell werden. Rauchen verbrennt eine Menge Kalorien.”

Ein College-Student äußert: “Ich bin kein starker Trinker, aber jedes Mal, wenn ich etwas trinke, betrinke ich mich.”

Ein Schüler im ersten Jahr an der High School stellt fest: “Mir gefällt Gewalt. Ich sehe gerne Gewalt. Es gefällt mir wirklich, Zeuge von Gewalt zu sein, vor allem bei Videospielen.”

Warum kommen junge Amerikaner, die jahrelang auf dem rechten Weg waren, vom Kurs ab und vergeuden ihr Leben? Es gibt viele Gründe.

Teilweise sind es Armut und Mangel an Chancen – Frühindikatoren für die künftige Gesundheit eines Kindes und seine künftigen Lebenschancen in diesem Land.

Teilweise sind es die gefährlichen Botschaften, die unsere Kultur den jungen Menschen sendet, beispielsweise: “Rauchen ist toll.” “Marihuana ist cool.” “Jeder hat Sex.” “Eine Waffe verschafft Dir Respekt.”

Teilweise ist es darauf zurückzuführen, daß wir eine bessere Aufklärung brauchen und jede neue Generation dazu anleiten müssen, ein gesundes Leben zu führen. Damit dürfen wir nie aufhören.

Noch etwas anderes ist ebenfalls von entscheidender Bedeutung. Ich habe eine aus Teenagern zusammengesetzte Beratungsgruppe – 17 junge Menschen aus allen sozialen Schichten, mit denen ich mich einmal monatlich treffe. Und ob wir über die Verhinderung von Drogenkonsum oder Depressionen, über Rauchen oder Sex reden – sie sagen alle dasselbe.

Sie sagen, ihre Eltern seien bei weitem die einflußreichsten Menschen in ihrem Leben. Sie sagen, Eltern und Familien könnten das meiste zu ihrer Rettung unternehmen.

Und trotz der Aura der Unabhängigkeit, die Teenager so gut vermitteln, erklären sie, die meisten jungen Menschen bräuchten und wünschten sich jeden Tag Liebe, Aufmerksamkeit, Einbeziehung und tatsächlich auch Strenge von seiten ihrer Eltern.

Wir alle wissen, daß meine Teenager-Berater recht haben: Die Familie ist die wichtigste Institution in diesem Land, und dennoch haben wir uns zu einer Gesellschaft entwickelt, in der schwierige Umstände Mütter und Väter daran hindern, ihre Kinder so zu erziehen, wie sie gerne möchten.

Ich brauche wohl keinem von Ihnen zu erzählen, unter welchem Druck Eltern heute stehen.

Eltern arbeiten länger an unsichereren Arbeitsplätzen und haben weniger Zeit für Ihre Kinder. Es ist für sie schwieriger, die Lebenshaltungskosten zu bestreiten und gleichzeitig für die Ausbildung ihrer Kinder zu sparen. Es gibt mehr Alleinerziehende, mehr Familien, in denen beide Eltern berufstätig sind, und immer mehr Familien, die sich nicht einer starken, sie unterstützenden Gemeinde zugehörig fühlen. Und die Aufmerksamkeit unserer Kinder wird von immer mehr Seiten beeinträchtigt.

Kindererziehung wird folglich für Eltern immer schwieriger – genau zu dem Zeitpunkt, an dem Kinder ihre Eltern – und andere fürsorgliche Erwachsene – mehr denn je brauchen.

Kein Wunder, daß so viele Eltern solche Angst haben.

Eine Mutter in einem Vorort von Virginia formulierte es am besten: “Früher wollte ich, daß mein Sohn den Nobelpreis bekommt. Heute will ich nur noch, daß er überlebt.”

Als Gesellschaft müssen wir im Schulterschluß dieser Mutter und allen Eltern helfen. Aus diesem Grund haben wir eine neue Strategie für die öffentliche Gesundheit Heranwachsender mit dem Namen “sicheres Geleit” entwickelt.

“Sicheres Geleit” ist unser umfassender Ansatz zum Umgang mit schwierigen Herausforderungen wie Suchtstoffmißbrauch, Tabakkonsum, Teenager-Schwangerschaften, sexuell übertragbare Krankheiten, Gewalt, Ernährung und Sport.

Es geht hierbei um partnerschaftliche Zusammenarbeit mit der PTA und allen anderen Erwachsenen und Institutionen, die im Leben Jugendlicher eine Rolle spielen, um ihnen dabei zu helfen, unsere wertvollen jungen Menschen durch die bisweilen felsigen Wasser der Jugend zu geleiten.

Das ist nicht der alte, von oben gelenkte, allzu programmatische Ansatz der Bundesregierung zur Lösung von Problemen.

Statt dessen definieren wir die staatliche Rolle klarer: Sie soll unsere jeweiligen Partner zusammenhalten und ihnen Befugnisse verleihen sowie Lücken füllen, die ohne unsere kollektiven Bestrebungen ein klaffendes Loch würden.

Was bedeutet “sicheres Geleit” also im einzelnen?

Es bedeutet die Verbesserung unserer Fähigkeit zur Unterstützung umfassender Forschung in allen Bereichen der Gesundheit und Entwicklung Jugendlicher – von HIV-Infektion bis zu Gewalt und von der Verhinderung von Teenager-Schwangerschaften bis zum Verständnis der sich abzeichnenden Bedürfnisse besonders anfälliger Bevölkerungsgruppen.

Es bedeutet die Finanzierung wichtiger nationaler Kampagnen zur Gesundheitsfürsorge in Bereichen wie Rauchen, Verhinderung von Drogenkonsum, Sport und Nahrungsmittelkennzeichnung – um Teenager und ihre Eltern mit den für eine gesunde Lebensführung entscheidenden Informationen zu versorgen.

Ich freue mich, heute eine neue nationale Aufklärungskampagne der Öffentlichkeit bekanntgeben zu können, mit der der zunehmende Konsum von Marihuana unter Teenagern bekämpft werden soll, der seit 1991 zu beobachten war.

Zu viele Teenager denken heute, Marihuana würde nicht ihre Gesundheit oder ihr Leben ruinieren.

Es ist an der Zeit für eine Bestandsaufnahme – und so nennen wir diese neue Kampagne.

Von neuen öffentlichen Bekanntmachungen bis zu neuen Unterrichtsmaterialien geht es bei dieser Kampagne darum, den Eltern Informationen zu vermitteln und sie anzuregen, häufig und frühzeitig mit ihren Kindern über Suchstoffmißbrauch zu sprechen.

Wir wollen ihnen behilflich sein, ihren Kindern zu verdeutlichen, daß Drogen illegal, gefährlich und schlecht sind.

Wir wollen den Eltern behilflich sein, sich mit ihren Kindern an den Küchentisch zu setzen und ihnen klarzumachen, daß sie gegen deren Konsum von Drogen, Alkohol oder Zigaretten sind.

Ein Schlüsselelement der Bestandsaufnahme ist die Publikation Eine drogenfreie Jugend, die dank der PTA Millionen von Familien erreicht, die Kinder im Alter zwischen 7 und 13 Jahren haben.

Wenn Sie diese Broschüre aufschlagen, werden sie keine tollen Statistiken und Graphiken finden. Sie werden jedoch folgendes vorfinden: Praktische Ratschläge und praktische Informationen, um Ihre Kinder zu erreichen, bevor es der Suchtstoffmißbrauch tut. Und mit Ihrer Hilfe wird es uns gelingen.

Die Bestrebung der Administration, die unsere Strategie des “sicheren Geleits” vielleicht am deutlichsten widerspiegelt, ist unsere Initiative “Kinder und Rauchen”, bei der es letztlich darum geht, den Eltern die Befugnisse zurückzugeben.

Nie zuvor in der Geschichte hat ein Präsident den Mut und die Überzeugung besessen, den Kampf gegen das Rauchen aufzunehmen – im Namen der öffentlichen Gesundheit und im Namen unserer Kinder. Ich bin stolz darauf – und ich weiß, daß auch Sie stolz darauf sind.

Insgesamt besteht unser Ziel darin, binnen sieben Jahren den Zigarettenkonsum von Kindern und Jugendlichen um die Hälfte zu reduzieren.

Und um das zu tun, hat der Präsident einige der mutigsten Vorschläge im Bereich der öffentlichen Gesundheit unterbreitet, die es je in diesem Land gegeben hat.

Um die Anziehungskraft des Rauchens für Kinder einzuschränken, schlagen wir vor, ihnen den Zugang zu Zigaretten zu erschweren, Zigarettenreklametafeln mindestens 300 Meter entfernt von den Schulen unserer Kinder anzubringen, den Malboro-Mann und Joe Camel aus den Zeitschriften zu verbannen, die von Millionen Kindern gelesen werden und den Zigarettenunternehmen zu verbieten, als Sponsor von Veranstaltungen die Anziehungskraft ihres Markennamens einzusetzen.

Vom Küchentisch über die Fußballfelder bis zu den Kinos müssen wir den Kindern die gegen das Rauchen gerichtete Botschaft senden – dort, wo sie leben, wo sie lernen und wo sie ihre Freizeit verbringen – in Worten und Bildern, die sie verstehen.

Aus diesem Grund arbeiten wir mit der nationalen Frauenfußballmannschaft zusammen und setzen wichtige Bekanntmachungen ein, um Millionen von Kindern eine deutliche Botschaft zu senden: Rauchen und Fitness passen ebensowenig zusammen wie Öl und Wasser.

Aus diesem Grund treten wir an Führungskräfte der Medien und der Unterhaltungsindustrie heran – und stellen sie vor die Herausforderung, Charaktere zu entwerfen, die in und cool genug sind, nicht zu rauchen.

Und aus diesem Grund möchte ich Ihnen allen für die Arbeit danken, die sie zusammen mit uns für das Video-Aufklärungsprogramm “Stoppt den Verkauf – verhindert die Sucht” geleistet haben.

Mit der Verteilung von Tausenden Videos für PTA-Versammlungen im ganzen Land klären Sie die Eltern und Lehrer über das Problem des Rauchens bei Jugendlichen auf – und was sie tun können, um es zu beheben.

Einige mögen sagen: “Können sich die Eltern nicht um ihre Kinder kümmern?” Die Antwort lautet, natürlich können sie. Das ist genau der Punkt, auf den unser Vorschlag abzielt – sicherzustellen, daß die Kinder die Informationen über das Rauchen von den Eltern und anderen fürsorgenden Erwachsenen erhalten – nicht von Joe Camel.

Aus diesem Grund stehen wir den Eltern zur Seite und sagen: “Ja, wir helfen Euch, Eure Kinder zu schützen.”

Ja, wir werden unsere Interessen vor die Eigeninteressen stellen – nicht nur die der Zigarettenindustrie.

Wir sind ein sichereres Land wegen des Brady-Gesetzes über das Verbot von Handfeuerwaffen – und der Präsident wird nicht zulassen, daß es abgeschafft wird.

Wir sind ein gesünderes Land, weil wir unseren Standpunkt behauptet und die historische Garantie von Medicaid – Gesundheitsfürsorge für unsere anfälligsten Kinder – durchgesetzt haben.

Und wir werden ein klügeres Land sein, wenn die Eltern die Vorteile einer Vorrichtung zur Sichtung von Fernsehsendungen und des mit der Unterhaltungsindustrie ausgearbeiteten freiwilligen Kontrollsystems nutzen können, um das Ausmaß an Gewalt zu kontrollieren, dem unsere Kinder im Fernsehen ausgesetzt sind.

Aber die Regierung kann dies nicht alleine tun.

Wir alle müssen uns beteiligen – die Medien, Eltern, Großeltern, ältere Geschwister, Ärzte und Lehrer, Trainer, Berater und Kirchenvertreter, Angehörige des öffentlichen Gesundheitswesens und Unternehmer.

Offen gesagt, Sie müssen sich beteiligen.

Denn der richtige Weg zu Gesundheit und Hoffnung für unsere Kinder muß immer an demselben Ort beginnen und enden – bei den Eltern.

Es gibt keine schwierigere, wichtigere und forderndere Aufgabe als die Erziehung unserer Kinder.

Und es gibt kein besseres Sicherheitsnetz in diesem Land als Eltern, die ihre Kinder lieben, leiten und unterstützen.

Es mag einfach klingen – aber das gilt für die meisten Dinge, die man mit gesundem Menschenverstand tut.

Die Eltern müssen die Zeit finden – sich die Zeit nehmen – wirklich mit ihren Kindern zu sprechen, ihnen bei den Hausaufgaben zu helfen und ihnen vom ersten Tag an die Unterscheidung zwischen Gut und Böse beizubringen.

Und wir brauchen Eltern, die ihren Kindern das Vertrauen geben und ihren Charakter prägen, damit sie die richtigen, die klugen – die gesunden – Entscheidungen bezüglich des einzigen Lebens treffen können, das sie je haben werden.

Wenn wir das tun, werden wir ein Ergebnis erzielen, das kein anderes Regierungsprogramm je hervorbrachte: Die Eltern werden ihre Stimme in diesem Land weit über die Lautstärke von CDs, Filmen und Fernsehsendungen erheben. Es sind die Eltern, die gehört werden.

Franklin D. Roosevelt hat einmal gesagt: “Wir können nicht immer die Zukunft für unsere Jugend gestalten, aber wir können immer unsere Jugend auf die Zukunft vorbereiten.”

Und genau das werden wir gemeinsam tun.

Ich danke Ihnen.