Italienische und deutsche Grenzpolizisten durchsuchen im Mai 2007 im Rahmen eines Einsatzes gegen Menschenhandel einen Lastwagen an der deutsch-polnischen Grenze.

WASHINGTON – (AD) – Nachfolgend veröffentlichen wir einen Artikel von Louise Shelley aus dem eJournal USA „Partnerships Against Corruption“, das am 25. Mai 2012 vom Büro für internationale Informationsprogramme des US-Außenministeriums herausgegeben wurde. Louise Shelley ist Hochschulprofessorin und Leiterin des Terrorism, Transnational Crime and Corruption Center an der George Mason University School of Public Policy.

Organisiertes Verbrechen kann ohne die Korrumpierung von Beamten nicht funktionieren. Um Drogen- und Menschenhandel, Waffenschmuggel und andere illegale Aktivitäten zu ermöglichen, müssen grenzübergreifende Verbrechersyndikate Zoll- und Grenzbeamte oder manchmal auch Konsularbeamte „kaufen“.

Gegen grenzüberschreitende Verbrechen vorzugehen, ist grundsätzlich schwierig, da kriminelle Organisationen sich zunehmend global vernetzen und die Rechtsordnung eines Landes nur innerhalb dessen Grenzen gilt. Grenzübergreifend tätige Verbrechergruppen nutzen die Möglichkeit, ihre Operationen in verschiedenen Ländern durchzuführen, in denen unterschiedliche Gesetze und Verordnungen gelten. Die Unterschiede in den nationalen Gesetzgebungen erschweren die Förderung der internationalen Zusammenarbeit, um gegen Verbrechergruppen zu ermitteln und deren Anführer festzunehmen und strafrechtlich zu verfolgen.

Kriminelle Netzwerke werden zunehmend mobiler, ihre Mitglieder sind versiert im Umgang mit Technologie und Märkten und fordern so die Staaten dazu heraus, mit ihnen Schritt zu halten. Seit den Terroranschlägen vom 11. September konzentriert die US-Regierung Ressourcen weniger auf grenzüberschreitende Kriminalität als auf den Kampf gegen Terrorismus. Beide Bedrohungen sind zwar oft durch Finanzierung, Logistik und Kommunikationssysteme miteinander verbunden, aber da dieser Zusammenhang anfangs nicht erkannt wurde, konnten sich vielfältige Formen der grenzüberschreitenden Kriminalität wie beispielsweise Waffen-, Drogen- und Menschenhandel, Handel mit gefälschten Waren, Geldwäsche und grenzübergreifende Umweltkriminalität schnell verbreiten. 2011 kündigte das Weiße Haus die erste „Nationale Strategie zur Bekämpfung grenzübergreifender organisierter Kriminalität“ an. Durch diese Strategie werden viele bereits existierende Vorgehensweisen institutionalisiert und bekannt gemacht, und es wird versucht, die Koordination der relevanten Regierungsbehörden zu verbessern. Es ist ein Versuch, auf geordnetere und seriösere Art und Weise gegen die unterschiedlichen Formen der grenzüberschreitenden Kriminalität vorzugehen.

Viele andere Länder sind sich ebenfalls der Ernsthaftigkeit dieser Bedrohung bewusst. Einige leiden stärker unter den Folgen grenzüberschreitender Kriminalität als die Vereinigten Staaten. Einige können aufgrund mangelnder Ressourcen nicht reagieren, andere sind durch Korruption handlungsunfähig. Für viele aber ist die grenzübergreifende Kriminalität eine Priorität. Ein Beispiel dafür ist Europol, die Polizeibehörde der Europäischen Union, die sich sehr stark für die Lösung dieses Problems einsetzt.

Trotz der bedeutenden internationalen Bemühungen zur Umsetzung des Übereinkommens gegen die grenzüberschreitende organisierte Kriminalität der Vereinten Nationen, das vor mehr als zehn Jahren verabschiedet wurde, gibt es immer noch viel zu tun. Die grenzüberschreitende Kriminalität und die damit einhergehende Korruption stellen nicht nur für die Strafverfolgung eine Herausforderung dar, sondern auch für Wirtschaft und Gesellschaft. Ihre Bekämpfung bedarf wachsamer Medien, einer engagierten Zivilgesellschaft, einer verantwortungsvollen Wirtschaft und guter Regierungsführung auf allen Ebenen.

 

Originaltext: Transnational Crime: Challenge for All

 

Leave a Reply