18. Jahresgala des Asian Pacific American Institute

WASHINGTON – (AD) – Nachfolgend veröffentlichen wir die unwesentlich gekürzte Rede von US-Präsident Barack Obama bei der 18. Jahresgala des Asian Pacific American Institute for Congressional Studies vom 8. Mai 2012.

 

 

Ich freue mich sehr, heute Abend hier zu sein, da Sie alle einen besonderen Platz in meinem Herzen haben. Wenn ich an Amerikaner asiatischer Herkunft oder an die Menschen auf den Pazifikinseln denke, dann denke ich an meine Familie: An meine Schwester Maja und meinen Schwager Konrad, der hier auch irgendwo sein muss. … An meine Nichten Suhaila und Savita. Ich denke an all die Leute, mit denen ich in Honolulu als Teil … meiner hawaiianischen ohana aufgewachsen bin. Ich denke an meine Zeit in Indonesien. Für mich fühlt es sich hier also ein wenig wie Zuhause an. Diese Gemeinschaft hat mich zu dem gemacht, der ich heute bin. Es ist eine Gemeinschaft, die Amerika zu dem Land gemacht hat, das es heute ist.

 

Ihr Vermächtnis umspannt die gesamte Welt. Sie alle eint aber, dass es in Ihren Familien Geschichten über Durchhaltevermögen gibt, die typisch amerikanisch sind. Einige unter Ihnen, die aus Hawaii oder von den Pazifikinseln stammen, leben dort, wo ihre Familien seit Generationen gelebt haben, und in Ihrer Geschichte geht es zum Teil darum, geschätzte Traditionen zu bewahren. Bei anderen beginnt die Geschichte mit Vorfahren, die an einem bestimmten Punkt in ihrem Leben alles, was sie kannten, hinter sich gelassen haben, um ein neues Land und sein Versprechen zu erkunden. Vielleicht reicht die Geschichte anderthalb Jahrhunderte zurück, zu den Arbeitern, die ihr Leben aufs Spiel gesetzt haben, damit unsere Küsten per Eisenbahn miteinander verbunden werden können. Vielleicht beginnt sie mit einem der Hunderttausenden von Einwanderern, die vor Jahrzehnten die beschwerliche Reise nach Angel Island antraten.

 

Vielleicht beginnt die Geschichte mit Ihren Eltern. Oder vielleicht mit Ihnen. Aber es ist doch so: Unabhängig davon, wann und wo sie ihren Anfang nahmen, geht es in Ihren Geschichten um jemanden, der auf der Suche nach neuen Chancen in dieses Land kam, und zwar nicht nur für sich selbst, sondern für seine Kinder, die Kinder seiner Kinder und für alle folgenden Generationen.

 

Nur wenige hatten Geld. Viele hatten kein Gepäck. Aber viele hatten den unerschütterlichen Glauben, dass dieses Land unter allen Ländern der Ort ist, an dem es jeder schaffen kann, wenn man es nur versucht.

 

Viele von Ihnen lebten in Not und litten unter Spott und Rassismus. Viele wurden als Bürger zweiter Klasse behandelt, als Menschen, die nicht dazugehörten. Aber Sie gaben nicht auf. Sie redeten sich nicht heraus. Sie kämpften sich durch. Sie bauten die Vereinigten Staaten weiter auf. Sie haben für Amerika gekämpft, wie Danny Inouye, der auch hier ist. Danny, der einen Großteil meines Lebens mein Senator war. Ich liebe diesen Mann.

 

Sie waren Pioniere, wie Dalip Singh Saund, ein junger Mann aus Indien, der 1920 zum Landwirtschaftsstudium kam und blieb, um Landwirt zu werden und für die Staatsbürgerschaft für alle Menschen südasiatischer Abstammung zu kämpfen. Als Dalip selbst eingebürgert wurde, setzte er sich für das Land ein, das er liebte und wurde der erste Amerikaner asiatischer Herkunft, der in den Kongress gewählt wurde.

 

 

Es waren Pioniere wie meine ehemalige Kongressabgeordnete Patsy Mink, die nicht nur die erste Amerikanerin asiatischer Herkunft im Kongress war, sondern auch die Autorin von Title IX, einem Gesetz, das die Ausgangsbedingungen für alle Mädchen änderte.

 

Dann ist da noch die Geschichte des japanisch-amerikanischen Jungen, der erst 10 Jahre alt war, als seine Familie ihr Haus verlassen und hunderte von Meilen entfernt in ein Gefangenenlager ziehen musste. Drei Jahre lang lebten sie in diesem Lager, aber als der Junge nach Hause zurückkehrte, kehrte er sich den Vereinigten Staaten nicht den Rücken, sondern widmete Amerika sein Leben. Er schwor, er würde sich „für die Unterrepräsentierten einsetzen und die Themen ansprechen, die andere nicht aufgreifen“.  Als erster Amerikaner asiatischer Herkunft, der je zum Kabinett des Präsidenten gehörte, hat Norm Mineta diesem Schwur Folge geleistet.

 

Denken Sie nur, wie stolz all die vorherigen Generationen wären, wenn sie diesen Saal sehen könnten, wenn sie sehen könnten, wie weit es diese Gemeinschaft gebracht hat. Amerikaner asiatischer Herkunft, die Bewohner der Pazifikinseln sind heute die Erfinder und Unternehmer, die unser Land nach ganz vorne bringen. Sie sind die Unternehmerinnen und Unternehmer an der Spitze einiger unserer erfolgreichsten Wirtschaftszweige, sie übernehmen in jedem Bereich der amerikanischen Gesellschaft Führungsrollen – in der Wissenschaft, in der Medizin, in der Bildung, im Sport, in der Kunst, in unseren Streitkräften, in unserer Regierung und an unseren Gerichten. In den letzten Jahren haben wir übrigens die Zahl der Amerikaner asiatischer Herkunft an Bundesgerichten verdoppelt.

 

Erst gestern wurde die Ernennung von Jacqueline Nguyen bestätigt, die als erste Amerikanerin asiatischer Herkunft Bundesrichterin an einem Berufungsgericht wird. … Wir sind sehr stolz, sie mit Denny Chin, ebenfalls ein Berufungsrichter, den ich ernannt habe, hier zu haben. … So können wir ihnen für ihre Arbeit danken.

 

Ob Sie aus Südasien oder Ostasien, aus meiner Heimat Hawaii oder von den Pazifikinseln stammen, ob sie die erste oder die fünfte Generation sind, Sie tragen dazu bei, ein besseres Amerika aufzubauen.

 

 

Ich weiß, dass insbesondere die Erfolgsgeschichten hier heute Abend dazu verleiten können, von der Legende einer „vorbildlichen Minderheit“ zu sprechen und die Herausforderungen, mit denen sich diese Gemeinschaft noch immer konfrontiert sieht, zu übersehen. Wir dürfen nicht vergessen, dass es immer noch Bildungsunterschiede gibt, wie beispielsweise mehr Schulabgänger in bestimmten Gruppen und weniger Collegeimmatrikulationen in anderen. Es gibt immer noch wirtschaftliche Unterschiede wie eine höhere Armutsrate und Hindernisse bei der Arbeitsplatzsuche. Es gibt gesundheitliche Unterschiede wie eine höhere Diabetes-, Krebs- und Hepatitis-B-Rate. Andere, wie Vincent Chin, der vor dreißig Jahren ermordet wurde, wurden Opfer schrecklicher Hassverbrechen, deren Motiv Ignoranz und Vorurteile sind, die allem widersprechen, wofür Amerika steht.

 

Das sind echte Probleme, die wir nicht ignorieren dürfen. Wenn wir diese Probleme besser angehen wollen, müssen wir zunächst einmal damit aufhören, alle in eine große Schublade einzuordnen. Unter den Begriff Amerikaner asiatischer Herkunft und Pazifikinselbewohner fallen Dutzende unterschiedliche Gemeinden, und wir müssen erkennen, dass Einwanderergruppen unterschiedliche Erfahrungen machen. Ihre Anliegen sind breit gefächert.

 

Das muss Washington noch stärker zur Kenntnis nehmen. Deshalb habe ich die Initiative des Weißen Hauses für Amerikaner asiatischer Herkunft und die Bewohner der Pazifikinseln wiederbelebt. So können wir die konkreten Anliegen in den unterschiedlichen Gemeinden besser erkennen. Viele der hiermit Beauftragten sind hier. Ich möchte ihnen für die großartige Arbeit danken, die sie leisten.

 

Wir bewirken also etwas – an dieser Front und an vielen anderen Fronten. Durch mehr Unterstützung für die kleinen Unternehmen in den Vereinigten Staaten wurde auch die Unterstützung für diese Gemeinschaft verbessert, indem Kredite in Höhe von mehr als sieben Milliarden US-Dollar für kleine Unternehmen im Besitz von Amerikanern asiatischer Herkunft und Bewohnern der Pazifikinseln zur Verfügung gestellt wurden.  Mit der Verabschiedung der Gesundheitsreform haben wir neue Mechanismen eingeführt, mit denen wir nun über bessere Daten über Unterschiede bei der Gesundheit verfügen.  Aufgrund dieses Gesetzes erhalten jetzt mehr als drei Millionen Amerikaner asiatischer Herkunft und Bewohner der Pazifikinseln eine erweiterte private Krankenversicherung auch für Vorsorgebehandlungen, und fast eine Million erhalten über Medicare kostenlose Vorsorgebehandlungen.

 

Einige der Anliegen dieser Gemeinden betreffen jede Gemeinde, wie beispielsweise das Anliegen, dass jede Frau für die gleiche Arbeit den gleichen Lohn erhalten sollte. Oder das Ende von „don’t ask, don’t tell“, sodass niemand verbergen muss, wen er liebt, damit er dem Land zu dienen kann, das er liebt.  Oder die Umsetzung der Bildungsreform, damit jedes Kind Zugang zu einer guten Schule und zu höherer Bildung erhält.  Oder die Versorgung unserer Veteranen, denn es ist unsere Pflicht, ebensoviel für sie zu tun, wie sie für uns getan haben.

 

Darum geht es in diesem Land. Darum ging es schon immer. Wir haben wegen der außergewöhnlichen Rezession einige harte Jahre durchgemacht, und es liegt noch ein langer Weg vor uns. Aber wir werden es schaffen. Wir werden das Ziel erreichen, und jedes in den Vereinigten Staaten geborene Kind wird unabhängig von Abstammung, Glauben und Hautfarbe eine Chance erhalten. Wir werden das gemeinsam angehen, denn in diesem Land kümmern wir uns umeinander. Wir setzen uns für einander ein. Wenn jemand unter Ungerechtigkeit oder Ungleichbehandlung leidet, nehmen wir uns der Sache an, als ginge es um uns selbst. Das ist die Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika. Und das ist in jedem Fall auch die Geschichte dieser Gemeinschaft.

 

Mitten im Zweiten Weltkrieg, als der Sohn japanischer Einwanderer, Gordon Hirabayashi, die Ausgangssperre ignorierte und sich weigerte, in ein Gefangenenlager zu übersiedeln, wurde er deswegen inhaftiert. Später, als er gegen dieses Urteil Beschwerde einlegte und bis zum Obersten Gerichtshof damit ging, wusste er, dass es bei diesem Kampf um mehr ging als ihn selbst. Er sagte einmal: „Ich haben meinen Fall nie als einen japanisch-amerikanischen Fall gesehen. Es ist ein amerikanischer Fall, mit Prinzipien, die die Grundrechte aller Amerikaner betreffen.“  Gordon ist zwar nicht mehr unter uns, aber Ende des Jahres werden ich ihm [posthum] die Freiheitsmedaille des Präsidenten verleihen, die höchste zivile Auszeichnung, die es in den Vereinigten Staaten gibt.  Denn er erinnert uns daran, dass jeder nur deshalb der ist, der er heute ist, weil irgendjemand irgendwo Verantwortungsgefühl hatte, nicht nur sich selbst gegenüber, sondern gegenüber seiner Familie, seiner Gemeinschaft und dem Land, das wir alle lieben.

 

Heute Abend würdigen wir also die Pioniere, die uns den Weg bereitet haben. Aber wir ehren auch die Führungspersönlichkeiten, die noch kommen werden: All die jungen Menschen, die heute Abend hier sind.  Nun sind wir gemeinsam an der Reihe, Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen. Wir sind an der Reihe zu gewährleisten, dass die nächste Generation mehr Chancen hat als wir. Wir sind an der Reihe zu gewährleisten, dass die Vereinigten Staaten immer der Ort bleiben wird, an dem man es schafft, wenn man es nur versucht – unabhängig davon, woher man kommt und wie man aussieht.

 

Vielen Dank Ihnen allen. Möge Gott Sie segnen. Möge Gott die Vereinigten Staaten von Amerika segnen.

 

Originaltext: Remarks by the President at the 18th Annual Gala for the Asian Pacific American Institute for Congressional Studies

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