Frauen, Frieden und Sicherheit

WASHINGTON – (AD) – Nachfolgend veröffentlichen wir eine Übersicht des US-Außenministeriums über Frauen, Frieden und Sicherheit vom 19. Dezember 2011.

Der Charakter des Krieges verändert sich und damit auch dessen Auswirkungen auf Frauen.

Derzeit gibt es zahlreiche aktive Konflikte, von denen viele brutale Bürgerkriege sind. An diesen Kriegen sind oft nichtstaatliche Akteure beteiligt, die immer häufiger den Tod von Zivilisten verursachen. Insbesondere Frauen, die entführt, vergewaltigt oder vertrieben werden, sind davon massiv betroffen. [i]

Im Ersten Weltkrieg lag die Zahl der nicht an Kampfhandlungen beteiligten Opfer bei zehn Prozent, im Zweiten Weltkrieg bei 50 Prozent. In den gegenwärtigen Konflikten in Afrika liegt diese Zahl bei 90 Prozent. [ii]

Hier einige Zahlen zu sexueller und geschlechtsspezifischer Gewalt (sexual and gender-based violence – SGBV) in Konflikten der vergangenen 20 Jahre: Während des Völkermords in Ruanda wurden 250.000 bis 500.000 Mädchen und Frauen vergewaltigt [iii]; während des Krieges in Bosnien-Herzegowina wurden 20.000 bis 50.000 Mädchen und Frauen vergewaltigt [iv]; in Sierra Leone wurden 50.000 bis 64.000 im Land vertriebene Frauen Opfer sexueller Übergriffe durch Soldaten [v]; während des über zehn Jahre andauernden Konflikts in der Demokratischen Republik Kongo wurden mehr als 200.000 Frauen und Kinder vergewaltigt. [vi]

Die traditionellen Methoden zur Schaffung von Frieden haben sich beim Versuch der Beendigung dieser kleineren Kriege als ineffektiv erwiesen. 

Fast die Hälfte der Abkommen, durch die während der Neunzigerjahre Konflikte beendet werden konnten, wurde innerhalb von fünf Jahren nach deren Unterzeichnung gebrochen. [vii]

Informationen der Weltbank zufolge fanden 90 Prozent der Bürgerkriege im 21. Jahrhundert in Ländern statt, in denen es bereits in den vorangegangenen 30 Jahren zu einem Bürgerkrieg gekommen war. [viii]

Frauen wurden überwiegend nicht in die Friedensprozesse eingebunden.

Während der vergangenen 20 Jahre wurden Hunderte Friedensverträge unterzeichnet. Die Analyse einiger Verträge hat ergeben, dass weniger als acht Prozent der Verhandlungsteilnehmer weiblich waren. [ix]

Eine Prüfung von 585 Friedensabkommen aus 102 Friedensprozessen durch UNIFEM ergab, dass seit 1990 nur 92 Friedensabkommen (16 Prozent) wenigstens einen Verweis auf Frauen oder Gleichberechtigung enthielten. [x]

Eine Analyse von UNIFEM ergab, dass SGBV in nur 18 von 300 überprüften Friedensabkommen erwähnt wurde. [xi]

Frieden schaffen: Frauen leisten nicht nur in, sondern auch außerhalb der Verhandlungen einen wichtigen Beitrag.

Mehr und mehr Beweise deuten darauf hin, dass Frauen auf einzigartige Art und Weise zur Schaffung und Erhaltung von Frieden beitragen können – und, dass dies nicht nur für Frauen, sondern für eine ganze Gesellschaft zu besseren Ergebnissen führen kann.

Frauen sprechen in Friedensverhandlungen Themen an, die zur Aussöhnung, zum Wiederaufbau und zur Schaffung eines gerechten und dauerhaften Friedens beitragen.

Den Forschungsergebnissen der International Crisis Group im Sudan, Kongo und in Uganda zufolge sprechen Frauen, die an Friedensverhandlungen teilnehmen, häufiger Themen wie Menschenrechte, Sicherheit, Gerechtigkeit, Beschäftigung, Bildung und Gesundheitsversorgung an, die von entscheidender Bedeutung für Aussöhnung und Wiederaufbau sind und daher zu dauerhaftem und nachhaltigem Frieden führen. [xii]

In Nordirland erzielten weibliche Verhandlungsteilnehmer, dass das Karfreitagsabkommen aus dem Jahr 1998 auch Bestimmungen zur Aussöhnung, Integration und über die Rechte von Opfern enthält. Dazu zählten beispielsweise wichtige soziale und wirtschaftliche Bedürfnisse – wie zum Beispiel integratives Wohnen und integrative Bildung –, was die Beständigkeit und den Erfolg des Abkommens sicherstellte. [xiii]

Weniger als ein Jahr nach dem Völkermord 1994 in Ruanda begannen die Frauen der Täter aus verschiedenen ethnischen Gruppen und politischen Parteien, zusammen am Wiederaufbau des Landes zu arbeiten. Die ruandischen Frauen schlossen sich zusammen, um Programme ins Leben zu rufen, die den Überlebenden in Sachen Unterbringung, Gesundheitsversorgung, Bildung und Beschäftigung helfen sollten. Diese Bemühungen trugen zur Vermeidung weiterer Konflikte bei. [xiv]

Frauen setzen sich häufig für Randgruppen ein und organisieren sich über kulturelle und religiöse Gräben hinweg. So kann sichergestellt werden, dass die Stimmen von mehr Menschen gehört werden, die ein Interesse an der Zukunft des Landes haben, was für die langfristige Stabilität wichtig ist.

In der verfassungsgebenden Versammlung 2004 in Afghanistan machten Frauen zwar lediglich 20 Prozent der Delegierten aus, aber sie haben für alle afghanischen Bürger erfolgreich Gleichberechtigung eingefordert und über ethnische Grenzen hinweg gemeinsam die Bemühungen der usbekischen Minderheit unterstützt, ihre Sprache offiziell anerkennen zu lassen. [xv]

In Südafrika sind Frauengruppen vor der Ausarbeitung der neuen Verfassung nach der Apartheid zusammengekommen und haben die Women’s Charter for Effective Equality herausgegeben. Der Einfluss der Charta hat unmittelbar zu einer Verfassung geführt, die nicht nur Frauen die gleichen Rechte garantiert wie Männern, sondern auch Rechte enthält, von denen die Gesellschaft insgesamt profitiert, wie das Recht auf Bildung, Religionsfreiheit, Meinungsfreiheit und Sicherheit der Person. [xvi]

In einigen Konflikten sind Frauen in der Lage, beispiellose Ergebnisse zu erzielen, weil sie als ehrliche Makler im Friedensprozess betrachtet werden.

Ein UNIFEM-Bericht, der sich auf umfassende Interviews mit Unterhändlern im Friedensprozess in Burundi, Südafrika und Nordirland stützt, hat gezeigt, dass die Fähigkeit von Frauen zu kommunizieren, sich in andere hineinzuversetzen, Vertrauen aufzubauen, alle Seiten einzubeziehen und Streitigkeiten beizulegen, Verhandlungen und Kompromisse vorangebracht hat. [xvii] Viele haben darüber hinaus berichtet, dass sich Männer in Friedensgesprächen weniger aggressiv verhalten, wenn Frauen anwesend sind, was zu einem besseren Dialog und besserer Kommunikation führt. [xviii]

Frauen üben auch außerhalb der eigentlichen Verhandlungen Druck aus, um Fortschritte herbeizuführen.

In Kolumbien war die Arbeit von Frauengruppen für die Friedensgespräche zwischen der Regierung und den FARC-Rebellen 1999 von großer Bedeutung. Nachdem die Friedensgespräche 2002 abgebrochen wurden, organisierten Frauen in Kolumbien Massendemonstrationen für dauerhaften Frieden, wodurch sie die Menschen landesweit sensibilisierten. [xix]

In Somalia schlossen sich im Jahr 2000 Frauen über alte, Stammeszugehörigkeiten hinweg zusammen, um die Menschenrechte von Frauen, Kindern und Angehörigen von Minderheitengruppen zu schützen und drängten auf umfassende Beteiligung am Friedensprozess. [xx] Sie bezeichneten sich selbst als Sixth Clan Coalition und halfen bei der Erarbeitung einer nationalen Charta, die eine Quote von 25 Sitzen für Frauen in der 245 Sitze umfassenden Übergangsnationalversammlung enthielt. [xxi]

Im Jahr 2000 organisierten Frauen in Burundi vor der Unterzeichnung des Friedensabkommens der Regierung eine Friedenskonferenz, in der sie sich auf eine Erklärung einigten, die die an den Friedensverhandlungen Beteiligten dazu aufforderte, geschlechtsspezifische Themen in ihre Diskussionen einzubeziehen. Die meisten Empfehlungen der Frauen wurden in das Friedensabkommen aufgenommen. Später, im Jahr 2005, führten die fortgesetzten Bemühungen der Frauen zu einer neuen Verfassung, die eine Frauenquote von 30 Prozent in der Regierung vorsah. [xxii]

Wenn eine Gesellschaft einen Konflikt überwindet, hat die wirtschaftliche und politische Teilhabe von Frauen einen Multiplikatoreffekt, von dem alle profitieren.

Der Gender Gap Report des Weltwirtschaftsforums zeigt, dass dort, wo die Ungleichbehandlung von Frauen und Männern fast überwunden werden konnte – dazu gehören die Bereiche Bildung, Gesundheit sowie wirtschaftliche und politische Teilhabe – das Land und die Volkswirtschaft wettbewerbsfähiger und wohlhabender sind. [xxiii]

In Indien hat eine Studie gezeigt, dass von Frauen geleitete Dörfer mehr in Trinkwasser und Infrastruktur investieren und eine größere Impfdichte bei Kindern, weniger geschlechtsspezifische Unterschiede beim Schulbesuch, eine niedrigere Korruptionsrate und eine verstärkte politische Partizipation von Frauen aufweisen. [xxiv]

Die Gleichbehandlung und Sicherheit von Frauen hängen mit der Sicherheit im Staat und der Bereitschaft des Staates Gewalt auszuüben.

Studien legen nahe, dass nicht nur ein höherer Grad an Gleichberechtigung und physischer Sicherheit für Frauen mit der Sicherheit und Friedfertigkeit eines Staates korreliert, sondern auch, dass die Verringerung der Ungleichheit und Verbesserungen in der Sicherheit für Frauen eine wichtige Grundlage für Stabilität sein können. [xxv]

Forschungen haben ergeben, dass die soziale, politische, wirtschaftliche und geschlechtsspezifische Gleichberechtigung in einem Land mit der Abhängigkeit eines Staates von militärischer Macht während eines Konfliktes oder einer Krise korreliert. [xxvi] Daten aus den Jahren 1954 bis 1994 zeigen, dass Staaten mit mehr Gleichberechtigung weniger Gewalt einsetzen, um mit Krisen umzugehen als Staaten mit weniger Gleichberechtigung. [xxvii]

Originaltext: Secretary Clinton’s Remarks on Women, Peace, and Security, Fact Sheet

 

[i] United Nations. (2002). “Women, peace and security.” http://www.un.org/womenwatch/daw/public/eWPS.pdf. See also UNICEF. 2005. “The impact of conflict on women and girls in west and central Africa and the UNICEF response.” http://www.unicef.org/publications/files/Impact_final.pdf

 

[ii] Cahill, Kevin M. (ed.). (2003). Emergency Relief Operations. New York: Fordham University Press. p. 227.

 

[iii] UN Women. 2011. “Facts & figures on peace & security”. http://www.unifem.org/gender_issues/women_war_peace/facts_figures.php#2. See also UN Special Rapporteur to the Commission on Human Rights. (1996). “Report on the situation of human rights in Rwanda.” E/CN.4/1996/68.

 

[iv] Ibid. See also Ward, Jeanne. (2002). “Bosnia and Herzegovina, if not now, when? Addressing gender-based violence in refugee, internally displaced, and post-conflict settings.” The Reproductive Health for Refugees Consortium. http://www.rhrc.org/resources/ifnotnow.pdf. p. 81.

 

[v] Ibid. See also Physicians for Human Rights. (2002). “War-related sexual violence in Sierra Leone: a population-based assessment.” https://s3.amazonaws.com/PHR_Reports/sierra-leone-sexual-violence-2002.pdf

 

[vi] Ibid. See also Rodriguez, Claudia. (2007). “Sexual violence in South Kivu.” Forced Migration Review. Oxford: Refugee Studies Centre of the Oxford Department of International Development, University of Oxford.

 

[vii] Human Security Report 2009/2010. (2010). “The causes of peace and the shrinking costs of war.” http://www.hsrgroup.org/docs/Publications/HSR20092010/20092010HumanSecurityReport-Part3-TrendsInHumanInsecurity.pdf

 

[viii] World Bank. (2011). “2011 World Development Report: facts and figures.” http://wdr2011.worldbank.org/early-findings

 

[ix] Diaz, Pablo Castillo et al. (2010). “Women’s participation in peace negotiations.” UNIFEM. http://www.unifem.org/attachments/products/0302_WomensParticipationInPeaceNegotiations_en.pdf

 

[x] Ibid.

 

[xi] Ibid.

 

[xii] Africa Report. (2006). “Beyond victimhood: women’s peacebuilding in Sudan, Congo and Uganda.” International Crisis Group, 112(28). http://www.crisisgroup.org/~/media/Files/africa/horn-of-africa/Beyond%20Victimhood%20Womens%20Peacebuilding%20in%20Sudan%20Congo%20and%20Uganda.pdf

 

[xiii] Institute for Inclusive Security (uploaded 2010). Video interview with Monica McWilliams: “A voice of confidence we took to the table.” http://www.youtube.com/watch?v=NQd2ZQptsnE

 

[xiv] United Nations. (2002). “Women, peace and security.” http://www.un.org/womenwatch/daw/public/eWPS.pdf. p. 120.

 

[xv] UNIFEM. (2005). “Securing the peace: guiding the international community towards women’s effective participation throughout peace processes.” http://www.unifem.org/attachments/products/Securing_the_Peace.pdf. See also Sultan, Masuda with C. Levine & E. Powley. (2005). “From Rhetoric to Reality: Afghan Women on the Agenda for Peace.” Hunt Alternatives Fund. http://www.huntalternatives.org/download/18_from_rhetoric_to_reality_afghan_women_on_the_agenda_for_peace.pdf. p. 23

 

[xvi] United Nations. (2002). “Women, peace and security.” http://www.un.org/womenwatch/daw/public/eWPS.pdf. p. 62.

 

[xvii] Anderlini, Sanam Naraghi. (2000). “Women at the peace table: making a difference.” UNIFEM. http://www.unifem.org/attachments/products/WomenAtPeaceTable.pdf. See also Anderlini, Sanam Naraghi. (2007). Women Building Peace: What They Do, Why It Matters. Colorado: Lynne Rienner Publishers, Inc. Anderlini, Sanam Naraghi. (2010). “WDR gender background paper.” World Development Report 2011. http://wdr2011.worldbank.org/sites/default/files/pdfs/WDR%20Background%20Paper_Anderlini.pdf.

 

[xviii] Anderlini, Sanam Naraghi. (2007). Women Building Peace: What They Do, Why It Matters. Colorado: Lynne Rienner Publishers, Inc. See also Anderlini, Sanam Naraghi. (2010). “WDR gender background paper.” World Development Report 2011. http://wdr2011.worldbank.org/sites/default/files/pdfs/WDR%20Background%20Paper_Anderlini.pdf. Anderlini, Sanam Naraghi. (2000). “Women at the peace table: making a difference.” UNIFEM. http://www.unifem.org/attachments/products/WomenAtPeaceTable.pdf.

 

[xix] USAID. (2007). “Women & conflict.” http://pdf.usaid.gov/pdf_docs/PNADJ133.pdf Pg. 14-15. See also Rojas, Cataline et al. (2004). “In the midst of war: women’s contributions to peace in Colombia.” Hunt Alternatives Fund. http://www.huntalternatives.org/download/16_in_the_midst_of_war_women_s_contributions_to_peace_in_colombia.pdf.

 

[xx] Timmons, Debra M. (2004). “The Sixth Clan – women organize for peace in Somalia: a review of published literature.” University for Peace, Africa Program. http://www.upeace.org/library/documents/somalia_the_sixth_clan.pdf. p. 18

 

[xxi] Rehn, Elisabeth and Ellen Johnson Sirleaf. (2002). Women, War, Peace: the Independent Experts’ Assessment on the Impact of Armed Conflict on Women and Women’s Role in Peace-Building. New York: UNIFEM.

 

[xxii] Falch, Ashild. (2010). “Women’s political participation and influence in post-conflict Burundi and Nepal.” Peace Research Institute Oslo (PRIO). http://www.peacewomen.org/assets/file/Resources/Academic/partpol_postconburundinepal_falch_2010.pdf.

 

[xxiii] Hausmann, Ricardo, L. Tyson & S. Zahidi. (2010). “Global gender gap report 2010.” Geneva: World Economic Forum. http://www3.weforum.org/docs/WEF_GenderGap_Report_2010.pdf.

 

[xxiv] Chattopadhyay, Raghabendra & Esther Duflo. (2004). “Women as policy makers: Evidence from a randomized policy experiment in India.” Econometrica, 72:5, 1409-1443. See also Beaman, Lori et al. (2006). “Women politicians, gender bias, and policy-making in Rural India.” Background Paper for UNICEF. The State of the World’s Children 2007 Report. http://www.unicef.org/sowc07/docs/beaman_duflo_pande_topalova.pdf

 

[xxv] Hudson, Valerie M., M. Caprioli, B. Ballif-Spanvill, R. McDermott, & C. Emmett. (2008/9). “The heart of matter: the security of women and the security of states.” International Security, 33(3), pp 7-45.

 

[xxvi] Caprioli, Mary. (2000). “Gendered conflict.” Journal of Peace Research, 37:1, 53-68. See also Caprioli, Mary. (2003). “Gender and civil wars.” CPR Working Papers, Paper No. 8. World Bank. http://siteresources.worldbank.org/INTCPR/214578-1111996036679/20482367/WP8trxtsep3.pdf. Caprioli, Mary & M. Boyer. (2001). “Gender, violence and international crisis.” Journal of Conflict Resolution, 45:4, 503-518. Caprioli, Mary. (2003). “Gender and civil wars.” CPR Working Papers, Paper No. 8. World Bank. http://siteresources.worldbank.org/INTCPR/214578-1111996036679/20482367/WP8trxtsep3.pdf.

 

[xxvii] Ibid.

 

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