Truppenabzug aus dem Irak

Die Streitkräfte der Vereinigten Staaten verlassen den Irak.

NORTH CAROLINA – (AD) – Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von US-Präsident Barack Obama und der First Lady Michelle Obama vor Soldaten in Fort Bragg vom 14. Dezember 2011. Die Einleitung sprach die First Lady, danach folgt die Rede von Präsident Obama.

Hallo allerseits! Ich bin heute Ihr Vorprogramm. Ich möchte damit beginnen, General Anderson für die einleitenden Worte zu danken, aber auch, und das ist noch wichtiger, für seine Führungsrolle hier in Fort Bragg. Ich kann Ihnen gar nicht sagen, was für eine Freude und Ehre es ist, wieder hier zu sein. Ich habe so viele wunderbare Erinnerungen an diesen Ort.

Vor einigen Jahren kam ich auf meiner ersten offiziellen Reise als First Lady hierher. Ich habe mit den Ehepartnern der Soldaten eine wunderbare Zeit verbracht und sie in diesem Sommer wieder besucht, um die Abschlussarbeiten an einem tollen neuen Haus für eine Veteranin und ihre Familie zu begleiten. Als ich hörte, dass ich die Gelegenheit haben würde, Sie wieder zu besuchen und Sie alle zuhause willkommen zu heißen, war ich mehr als aufgeregt.

Sie alle hier zu sehen ist wirklich überwältigend. Ich bin überwältigt und stolz, weil ich um die Stärke und die Einsatzbereitschaft weiß, die Sie alle tagtäglich zeigen. Wann immer Ihr Land Sie ruft, folgen Sie diesem Ruf, ganz gleich, unter welchen Umständen, welche Gefahren auf Sie warten oder welche Opfer Sie bringen müssen.

Ich weiß, dass Sie das nicht nur als Soldaten tun, nicht nur als Patrioten, sondern als Väter und Mütter, als Brüder und Schwestern, als Söhne und Töchter. Ich weiß, dass Ihre Kinder, Ihre Ehepartner, Ihre Eltern und Ihre Geschwister vielleicht keine Uniform tragen, aber sie dienen an Ihrer Seite.

Ich weiß, dass Ihr Opfer auch ihr Opfer ist. Wenn ich daran denke, was Sie alle tun and was Ihre Familien tun, bin ich sehr stolz und dankbar. Aber, was noch wichtiger ist, Sie sind eine Inspiration. Wie viele Amerikaner habe ich das Gefühl, dass ich einfach nie richtig zum Ausdruck bringen kann, wie dankbar ich bin, denn Worte scheinen einfach nicht auszureichen.

Deshalb arbeite ich zusammen mit Jill Biden so intensiv an einem Projekt mit dem Titel „Joining Forces“ („Kräfte bündeln“). Das ist ein Projekt, das, so hoffen wir, über Worte hinausgehen wird. Es ist ein Projekt, bei dem es darum geht, zu handeln. Dabei sollen sich alle Amerikaner hinter Sie stellen, um Ihnen die Ehre zu erweisen, die Dankbarkeit zu zeigen und die Unterstützung zu geben, die Sie alle verdienen. Ich muss Ihnen wohl nicht sagen, dass dies kein schwieriges Projekt war. Wir mussten keine große Überzeugungsarbeit leisten, weil die Amerikaner Schlange standen, um Ihnen und Ihren Familien ihre Dankbarkeit auf ganz konkrete Weise zu zeigen.

Unternehmen stellen Zehntausende Veteranen und Ehepartner von Militärangehörigen ein. Schulen überall im Land und Eltern-Lehrer-Verbände (Parent Teacher Association – PTA) wenden sich an die Kinder der Soldaten. Privatpersonen helfen ihren Nachbarn und ihren Gemeinden überall im Land, um Ihnen Ehre zu erweisen.

Ich möchte, dass Sie wissen, dass die Unterstützung dieses Landes nicht mit dem Ende dieses Krieges endet. Noch lange nicht. Wir werden das Engagement fortsetzen. Wir müssen noch so viel mehr tun. Wir werden neue Wege finden, wie wir Ihnen ebenso dienen können, wie Sie es für uns getan haben. Der Mann, der diese Bemühungen anführt, steht direkt neben mir. Er setzt sich jeden einzelnen Tag für Sie und Ihre Familien ein. Durch das G.I. Bill (das Gesetz über die Ausbildungsfinanzierung von Kriegsveteranen), das nach dem 11. September verabschiedet wurde, hat er mehr als 500.000 Veteranen und Familienmitgliedern von Soldaten geholfen, einen College-Platz zu bekommen.

Er hat beispiellose Schritte unternommen, um die Gesundheitsversorgung bei psychischen Erkrankungen zu verbessern. Er hat die Steuern für Unternehmen gesenkt, die Veteranen oder Soldaten einstellen, die verwundet wurden. Und er hat sein Versprechen eingehalten, Sie auf verantwortungsvolle Weise aus dem Irak zurück nach Hause zu bringen.

Begrüßen Sie also gemeinsam mit mir jemanden, der Ihr stärkster Befürworter ist, jemanden, der unserem Militär seine Unterstützung nicht nur mit Worten, sondern in Taten zeigt: Mein Mann, unser Präsident und Oberbefehlshaber, Barack Obama.

 

Hallo allerseits! Hallo, Fort Bragg! Sie haben unsere Unterstützung!

Jetzt verstehen Sie sicherlich, warum ich nicht gerne nach Michelle Obama spreche. Sie macht das ziemlich gut. Es stimmt, ich bin ein bisschen voreingenommen, aber lassen Sie mich nur eines sagen: Michelle, du bist eine bemerkenswerte First Lady. Du setzt dich sehr für die Soldatenfamilien ein. Und du bist süß. Meine Herren, ich will damit nur sagen, dass es Ihr Ziel sein sollte, eine bessere Hälfte zu finden. Sie sollten immer über der eigenen Gewichtsklasse boxen.

Fort Bragg! Wir sind hier, um einen in der Geschichte unseres Landes und unseres Militärs historischen Moment zu erleben. Unser Land ist seit fast neun Jahren im Irak im Krieg. Sie, die unglaublichen Frauen und Männer von Fort Bragg waren die von Anfang an dabei und haben ehrenvoll gedient und große Opfer gebracht – vom ersten Einmarsch bis hin zu den letzten Soldaten, die nach Hause kommen. Als Ihr Oberbefehlshaber und im Namen einer dankbaren Nation, möchte ich Ihnen mit Stolz die folgenden zwei Worte sagen, und ich weiß, dass Ihre Familien zustimmen werden: Willkommen zuhause! Willkommen zuhause! Willkommen zuhause! Willkommen zuhause!

Es ist großartig, hier in Fort Bragg zu sein, der Heimat der Luftlandedivision und der Sondereinsatzkräfte. Ich möchte General Anderson und all den herausragenden Befehlshabern dafür danken, dass Sie uns hier heute willkommen heißen, darunter General Dave Rodriguez und General John Mulholland. Außerdem möchte ich Ihre hochrangigen Militärangehörigen, unter ihnen Kommandofeldwebel Major Roger Howard, Darrin Bohn und Parry Baer, nennen. Und einen großen Applaus für die Ground Forces Band!

Heute sind eine Menge Leute gekommen. Wir haben hier das 18. Luftlandecorps – die Sky Dragons. Wir haben hier die legendäre 82. All-American Luftlandedivision. Wir haben die stillen Experten unseres Landes – unsere Sondereinsatzkräfte – hier. Aus Pope Field haben wir die Luftwaffe hier. Und ich glaube, wir haben auch einige Vertreter der Marine und des Marinekorps hier.

Auch wenn andere, wie General Helmick, Hauptfeldwebel Rice und die Angehörigen der 18. Luftlandedivision und Bragg, die unsere Soldaten aus dem Irak nach Hause bringen, heute nicht hier sein können, sind wir in unseren Gedanken und Gebeten bei ihnen. Wir sind allen Angehörigen der 82. Luftlandedivision und Bragg dankbar, die in Afghanistan erfolgreich dienen, sowie General Votel und all jenen, die überall auf der Welt ihrem Land dienen.

Lassen Sie mich Ihnen sagen, dass einer der Momente in meiner Amtszeit als Präsident, in dem ich die größte Demut empfand, der war, als ich den Eltern eines Patrioten aus Fort Bragg, Stabsunteroffizier Robert Miller, der sein Leben in Afghanistan ließ, die höchste militärische Auszeichnung, die Ehrenmedaille, überreichte.

Ich möchte Ginny Rodriguez, Miriam Mulholland, Linda Anderson, Melissa Helmick, Michelle Votel und all den inspirierenden Soldatenfamilien, die heute hier sind, danken. Auch für Ihre Leistungen sind wir dankbar.

Schließlich möchte ich Ihren Nachbarn und Freunden danken, die dazu beitragen, diese herausragenden Leistungen bei diesem Einsatz zu erbringen, und allen, die helfen, die Armee zu stärken, und dazu zählen auch Vertreter des Repräsentantenhauses wie Mike McIntyre, Dave Price und Heath Shuler sowie Gouverneur Bev Perdue. Ich weiß, dass Bev so stolz darauf ist, dass sie so viel für unsere Soldatenfamilien getan hat. Bitte spendieren Sie ihnen einen großen Applaus!

Ich bin heute zu Ihnen gekommen, um über das Ende des Krieges im Irak zu sprechen. In den vergangenen Monaten wurde der Abzug aus dem Irak vorbereitet. Dutzende Militärbasen mit amerikanischen Namen, in denen Tausende amerikanischer Soldaten stationiert waren, wurden geschlossen oder an die Iraker übergeben. Tausende Tonnen Ausrüstung wurden eingepackt und haben das Land verlassen. Morgen wird in Bagdad die Fahne der US-Streitkräfte im Irak – die Fahne, unter der wir gekämpft haben – in einer Zeremonie offiziell eingeholt. Dann werden die Soldaten ihre Reise über den Ozean nach Hause antreten.

In den vergangenen drei Jahren haben fast 150.000 US-Soldaten den Irak verlassen. In den kommenden Tagen wird eine kleine Gruppe amerikanischer Soldaten mit dem endgültigen Abzug aus dem Land beginnen. Einige von ihnen sind auf ihrem Rückweg nach Fort Bragg. Wie General Helmick sagte: „Sie wissen, dass der letzte taktische Marsch aus dem Land ein Symbol ist und sie in die Geschichte eingehen werden.”

Als Ihr Oberbefehlshaber kann ich Ihnen sagen, dass es in der Tat ein Moment ist, der in die Geschichte eingehen wird. Diese letzten amerikanischen Soldaten bewegen sich in südlicher Richtung durch Wüstensand. Sie werden das Land erhobenen Hauptes verlassen. Eines der außergewöhnlichsten Kapitel in der Geschichte der amerikanischen Militärs neigt sich dem Ende. Die Zukunft des Iraks liegt in den Händen seiner Bürger. Der Krieg der Vereinigten Staaten im Irak geht zu Ende.

Wir wussten, dass dieser Tag kommen würde. Wir wissen dies bereits seit einiger Zeit. Dennoch entbehrt das Ende dieses Krieges, der so lange andauerte, nicht einer gewissen Tiefgründigkeit.

Vor neun Jahren bereiteten sich amerikanische Soldaten auf die Entsendung in den Persischen Golf und die Möglichkeit vor, dass sie in einen Krieg geschickt werden. Viele von Ihnen waren damals noch in der Grundschule. Ich war damals US-Senator. Viele der Politiker, die jetzt im Irak regieren, darunter auch der Ministerpräsident, lebten im Exil. Seit damals hat sich unser Vorgehen im Irak mehrfach geändert. Dies hat zu großer Kontroversen in unserem Land geführt, mit Patrioten auf beiden Seiten der Debatte. Aber es gab eine Konstante: Ihr Patriotismus, Ihr Engagement im Einsatz und Ihre anhaltende Einsatzbereitschaft füreinander. Diese Dinge blieben. Sie haben sich nicht verändert. Sie haben nicht nachgelassen.

Es ist schwieriger, einen Krieg zu beenden als einen Krieg zu beginnen. All das, was die amerikanischen Truppen im Irak geleistet haben – die Kämpfe die Verwundungen und die Opfer und der Aufbau, die Ausbildung und die Zusammenarbeit – haben zu diesem Erfolg geführt. Der Irak ist kein perfekter Ort. Es gibt noch viele Herausforderungen. Wir hinterlassen aber einen unabhängigen, stabilen und autarken Staat, mit einer repräsentativen Regierung, die von den Bürgern gewählt wurde. Wir bauen eine neue Partnerschaft zwischen unseren Ländern auf. Wir beenden diesen Krieg nicht mit einer abschließenden Schlacht, sondern durch einen letzten Marsch nach Hause.

Das ist eine große Leistung, auf die wir während der vergangenen neun Jahre hingearbeitet haben. Heute erinnern wir uns an alles, was Sie getan haben, um dies zu ermöglichen.

Wir erinnern uns an die ersten Tage – die amerikanischen Truppen, die die Wüste des Iraks durchquerten und über den Irak hinweg flogen; die Kämpfe von Kerbala bis Bagdad, in denen amerikanische Soldaten einen brutalen Diktator in weniger als einem Monat zu Fall brachten.

Wir erinnern uns an die zermürbenden Aufstände – die Bomben am Straßenrand, das Feuer der Scharfschützen, die Selbstmordanschläge. Vom „Dreieck des Todes“ bis zum Kampf um Ramadi, von Mosul im Norden bis Basra im Süden – Ihre Entschlossenheit war stärker als der Terror derjenigen, die sie brechen wollten.

Wir erinnern uns an das Schreckgespenst der religiös motivierten Gewalt – die Anschläge der Al Kaida auf Moscheen und Milizen, die andere einschüchterten und ermordeten. Im Angesicht dieser schon lange andauernden Uneinigkeit waren Sie standhaft und halfen den Irakern, das Vertrauen in die Zukunft zurückzugewinnen.

Wir erinnern uns an die Aufstände und an das Erwachen – als aus dem chaotischen Abgrund eine Hoffnung auf Versöhnung emporkeimte. Indem Sie Bagdad Straße um Straße erkämpften und aufbauten, indem Sie verschiedene Stämme zusammenbrachten und mit den irakischen Streitkräften und der irakischen Polizei zusammenarbeiteten, haben Sie den Weg Richtung Frieden geebnet.

Wir erinnern uns auch an das Ende unseres Kampfeinsatzes und daran, wie ein neues Zeitalter anbrach – mit einem zielgerichteten Vorgehen gegen die Al Kaida im Irak, mit professioneller Ausbildung der irakischen Sicherheitskräfte und mit dem beständigen Abzug unserer Streitkräfte. Indem Sie die Verantwortung in die Hände der Iraker gelegt haben, haben Sie die Errungenschaften der vergangenen vier Jahre erhalten und den heutigen Tag ermöglicht.

Erst im letzten Monat haben einige von Ihnen – Mitglieder der Falcon Brigade – den Irakern das Anbar Operations Center im Rahmen einer Zeremonie übergeben, wie es sie in den vergangenen Monaten häufig gab. Eine Kombination aus Kampf, Ausbildung, Politik und Partnerschaft hat einer Region die Hoffnung auf Frieden gebracht, die einst für Aufstände bekannt war. Der stellvertretende irakische Gouverneur sagte dazu: „Das haben wir der harten Arbeit und der Opferbereitschaft der amerikanischen Streitkräfte zu verdanken.“

Das sind die Worte eines Irakers. Harte Arbeit und Opferbereitschaft. Diese Worte spiegeln nur einen Teil der Kosten dieses Krieges und den Mut der Frauen und Männer, die in gekämpft haben, wider.

Wir wissen nur zu gut, was dieser Krieg uns abverlangt hat. Mehr als 1,5 Millionen Amerikaner haben im Irak gedient – 1,5 Millionen. Mehr als 30.000 Amerikaner wurden verwundet. Und dies sind nur die sichtbaren Wunden. Fast 4.500 Amerikaner haben ihr Leben lassen müssen – unter ihnen auch 202 gefallene Helden aus Fort Bragg. 202. Heute halten wir inne, um ein Gebet für all die Familien zu sprechen, die geliebte Angehörige verloren haben, denn sie sind Teil der großen, amerikanischen Familie.  Wir trauern mit ihnen.

Wir wissen auch, dass diese Zahlen uns nicht die ganze Geschichte des Krieges im Irak verraten – nicht einmal einen Bruchteil davon. Auch unsere zivilen Hilfskräfte haben unser Land mutig und stolz vertreten. Unsere Streitkräfte haben eine Stationierung nach der anderen absolviert und dazwischen kostbare Zeit Zuhause verbracht. Unsere Gardisten- und Reservisteneinheiten haben nie da gewesenen Einsatz gezeigt. Sie haben gefährliche Fußpatrouillen absolviert und dabei voller Schmerz mit ansehen müssen, wie Ihre Freunde und Kameraden gefallen sind. Sie mussten weit mehr sein als Soldaten, Matrosen, Flieger, Marineinfanteristen oder Angehörige der Küstenwache – Sie mussten auch Diplomaten, Entwicklungshelfer und Ausbilder sein und Frieden schaffen. Dadurch haben Sie gezeigt, wieso die Streitkräfte der Vereinigten Staaten die besten Streitkräfte in der Geschichte der Menschheit sind.

Wie Michelle bereits gesagt hat, wissen wir, dass auch Ihre Familien die Last dieses Krieges tragen. In zahllosen Stützpunkten wie hier in Fort Bragg sind die Menschen, deren Angehörige im Ausland dienen, zusammengekommen. Der Bürgermeister von Fayetteville hat das so ausgedrückt: „Krieg ist hier kein politischer Begriff. Krieg – das ist das, wo unsere Freunde und Nachbarn hingehen.“ Geburtstage und Abschlussfeiern wurden verpasst. Rechnungen müssen bezahlt und die Arbeit erledigt werden, während die Kinder noch von der Schule abgeholt werden müssen. Jede Soldatin und jeder Soldat, der auf Patrouille geht, hat einen Mann oder eine Frau, Mutter, Vater, Sohn und Tochter, die dafür beten, dass sie zurückkehren.

Heute stellen wir uns also auf das Ende dieses Krieges ein. Lassen Sie uns durch einen großen Applaus unserer Anerkennung für die Soldatenfamilien Ausdruck verleihen, die während der vergangenen neun Jahre diese Last mitgetragen haben. Auch Ihnen gebührt der Dank einer ganzen Nation.  

Denn es gehört zur verantwortungsvollen Beendigung eines Krieges, denen zur Seite zu stehen, die ihn gekämpft haben. Es reicht nicht aus, Sie nur mit Worten zu ehren. Worte sind nur Schall und Rauch. Wir müssen Taten sprechen lassen. Sie sind für die Vereinigten Staaten eingetreten und jetzt müssen die Vereinigten Staaten für Sie eintreten.

Daher möchte ich als Ihr Oberbefehlshaber alles tun, um zu gewährleisten, dass Sie die Versorgung, die Vorteile und Möglichkeiten bekommen können, die Sie verdienen. Für diejenigen unter Ihnen, die die Uniform noch nicht ablegen, werden wir alles in unserer Macht Stehende tun, um die Gesundheit unserer Streitkräfte und ihrer Familien sicherzustellen. Dieses Versprechen werden wir einhalten.

Wir werden unseren verwundeten Soldaten die Genesung erleichtern und auch diejenigen unterstützen, die an den unsichtbaren Wunden des Krieges leiden. Seien Sie sicher – während wir uns als Nation weiterentwickeln, werden wir die amerikanischen Streitkräfte weiterhin als stärkste Streitkräfte der Welt erhalten. Das wird sich nicht ändern.

Das wird sich nicht ändern. Aber unsere Einsatzbereitschaft endet nicht, sobald Sie die Uniform ablegen. Sie sind das Beste, was unser Land zu bieten hat. Nach Jahren des Wiederaufbaus in Irak möchten wir unsere Veteranen auch für die Erneuerung der Vereinigten Staaten gewinnen. Deswegen wollen wir alles tun, um den Veteranen mehr Chancen zu geben.

Dazu dient beispielsweise das G.I. Bill, durch das Sie und Ihre Familien die Ausbildung erhalten können, die Sie brauchen, um ihre Träume zu verwirklichen. Es bedarf auch nationaler Bemühungen, um unsere Veteranen wieder in den Arbeitsmarkt integrieren zu können. Im Kongress haben wir daran gearbeitet, Steuervergünstigungen zu verabschieden, damit Unternehmen ein Anreiz geboten wird, Veteranen einzustellen. Michelle hat mit Vertretern des Privatsektors zusammengearbeitet, um zu erreichen, dass verpflichtend 100.000 Arbeitsplätze für Veteranen geschaffen werden.

Dies tun wir nicht nur, weil es das Richtige für Sie ist, sondern weil es das Richtige für die Vereinigten Staaten ist. Soldaten wie mein Großvater sind aus dem Zweiten Weltkrieg heimgekehrt und bildeten das Rückgrat des amerikanischen Mittelstandes. Ich bin zuversichtlich, dass unsere Veteranen aus der Zeit nach dem 11. September mit ihren Fähigkeiten, ihrer Disziplin und ihrer Führungsstärke die Zeit im Dienste der Vereinigten Staaten erst jetzt beginnt.

Aber es gibt noch etwas, was wir Ihnen schuldig sind. Als Amerikaner tragen wir die Verantwortung, aus dem Dienst, den Sie geleistet haben, zu lernen. Ich denke an ein Beispiel: Leutnant Alvin Shell, der hier in Fort Bragg stationiert war. Vor einigen Jahren waren er und sein Team auf einer Versorgungsstraße außerhalb Bagdads in den Flammen einer raketenbetriebenen Granate gefangen. Über und über mit Benzin begossen stürzte er sich in die Flammen, um seinen Kameraden zu Hilfe zu eilen, und führte sie den zwei Meilen langen Weg zurück ins Camp Victory, wo er mit Brandwunden übersät zusammenbrach. Als man ihm sagte, er sei ein Held, ein hero, winkte er ab. „Ich bin kein hero“, sagte er. „Ein hero ist ein New Yorker Sandwich. Ich bin ein Fallschirmjäger.“

Wir können einiges von Alvin lernen. Dieses Land muss von Ihnen allen lernen. Washington muss von Ihnen lernen.

Politiker und Historiker werden die strategischen Lektionen des Einsatzes im Irak noch lange analysieren. Das ist auch wichtig. Unsere Kommandeure werden diese schmerzlichen Lektionen als Erfahrungen in zukünftige Einsätze mitnehmen. Das ist auch wichtig. Aber die wichtigste Lektion, die wir von Ihnen lernen können, hat nichts mit militärischer Strategie zu tun. Es geht dabei vielmehr um den Charakter unseres Landes. 

Denn im Angesicht der Herausforderungen, denen unser Land sich gegenübersieht, erinnern Sie uns daran, dass es nichts gibt, was wir als Amerikaner nicht erreichen können, wenn wir zusammenhalten.

Denn im Angesicht aller Uneinigkeit erinnern Sie uns daran, dass es etwas gibt, das größer ist als unsere Differenzen, etwas, das uns zu einer Nation und einem Volk macht, unabhängig von Hautfarbe, Glaubensrichtung, Herkunft oder persönlicher Lebensgeschichte. Sie erinnern uns daran, dass wir eine Nation sind.

Deswegen sind die Streitkräfte der Vereinigten Staaten die Institution unseres Landes, die das größte Ansehen genießt, weil Sie dies nie vergessen. Sie können es sich nicht leisten, es zu vergessen. Wenn Sie es vergessen, stirbt jemand. Wenn Sie es vergessen, schlägt ein Einsatz fehl. Und so vergessen Sie es nicht. Sie können sich aufeinander verlassen. Deswegen haben Sie, die Generation vom 11. September, sich einen Platz in unserer Geschichte verdient.

Durch Sie – durch Ihre großen Opfer, die Sie für Menschen gebracht haben, die Sie nie kennen gelernt haben, haben die Menschen in Irak nun die Chance, ihr Schicksal selbst zu bestimmen. Das macht uns als Amerikaner aus. Wir bringen diese Opfer nicht, um an Territorium oder Ressourcen hinzuzugewinnen wie die Imperien der Vergangenheit. Wir tun dies, weil es das Richtige ist. Unsere Unterstützung der Selbstbestimmung kann kaum deutlicher ausgedrückt werden als durch die Übergabe des Iraks in die Hände seiner Bürger. Dies sagt viel über uns aus.

Durch Sie konnten wir den Taliban in Afghanistan den Wind aus den Segeln nehmen. Durch Sie konnten wir eine Übergabe der Verantwortung an die Afghanen beginnen, die es ermöglicht, unsere Streitkräfte nach Hause zurückzubringen. Während wir diesen Krieg zu einem Ende geführt haben, haben wir die Al Kaida auf der ganzen Welt verfolgt, damit die Terroristen, die die Vereinigten Staaten bedrohen, kein Rückzugsgebiet mehr haben, und Osama bin Laden nie mehr einen Fuß auf diese Erde setzen kann. 

Ich möchte, dass Sie und alle Frauen und Männer in Uniform eins wissen: Dank Ihnen können wir diese Kriege in einer Art und Weise beenden, die die Vereinigten Staaten stärker und die Welt sicherer macht. Dank Ihnen.

Dieser Erfolg war niemals selbstverständlich. Wir dürfen niemals die Quelle der amerikanischen Führungsstärke vergessen: Es sind die Werte, denen wir uns verpflichtet haben, die in unseren Gründungsdokumenten niedergeschrieben sind. Es ist aber auch die einzigartige Bereitschaft, für den Fortschritt der menschlichen Freiheit und Würde einen hohen Preis zu zahlen. Darüber definieren wir uns. Das ist das, was wir als Amerikaner gemeinsam tun.

Der Krieg in Irak wird bald Geschichte sein. Ihr Dienst ist Teil des Erbes unserer Geschichte. Sie dürfen niemals vergessen, dass Sie eine Tradition großer Helden weiterführen, die sich über zwei Jahrhunderte erstreckt – von den Siedlern, die ein Imperium besiegt haben, über unsere Eltern und Großeltern, die Faschismus und Kommunismus besiegt haben bis zu Ihnen – Frauen und Männer, die für dieselben Prinzipien in Falludscha und Kandahar gekämpft und diejenigen zur Rechenschaft gezogen haben, die uns am 11. September angegriffen haben.

Mit Blick auf den Krieg, durch den unsere Einheit gerettet wurde, sagte ein großer Amerikaner, Oliver Wendell Holmes, zu Ehren derer, die ihren Dienst geleistet haben:  „Als wir jung waren, brannte in unseren Herzen ein Feuer, das uns von Anfang an geschenkt wurde, damit wir erfahren, wie tiefgründig und leidenschaftlich das Leben ist.”

Jeder der heute Anwesenden hat die Feuersbrunst des Krieges erlebt. Dafür wird man Sie in Erinnerung behalten. Dafür wird man Sie ehren – für immer. Sie haben in Ihrem Leben Großes geleistet. Als dieses Land in den Krieg zog, haben Sie sich freiwillig gemeldet. Als die Zeiten hart waren, haben Sie weiter gekämpft. Als das Ziel nicht absehbar war, sahen Sie das Licht am Ende des Tunnels.

In der Zukunft wird Ihr Vermächtnis weiterleben – in den Namen Ihrer gefallenen Kameraden, die in die Grabsteine in Arlington und in die stillen Mahnmale im ganzen Land gemeißelt sind, in den leisen Worten der Bewunderung, die während einer Parade geflüstert werden, und in der Freiheit unserer Kinder und Enkelkinder. In der Stille der Nacht werden Sie sich daran erinnern, dass auch Ihre Herzen einmal mit Feuer entzündet waren. Sie werden sich daran erinnern, dass Sie dem Ruf Ihres Landes gefolgt sind, dass Sie einer Sache gedient haben, die größer war als Sie selbst, dass Sie zu einem gerechten und andauernden Frieden mit dem Irak beigetragen haben.

Ich bin stolz auf Sie. Die Vereinigten Staaten sind stolz auf Sie.

Möge Gott Sie segnen, möge Gott Ihre Familien segnen. Möge Gott die Vereinigten Staaten von Amerika segnen.

 

Originaltext: Remarks by the President and First Lady on the End of the War in Iraq

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