Aktionskampagne gegen Gewalt an Frauen

WASHINGTON – (AD) – Nachfolgend veröffentlichen wir einen Artikel des Referats für globale Frauenfragen des US-Außenministeriums anlässlich des sechzehntägigen Aktionszeitraums zur Gewalt gegen Frauen vom 25. November bis 10. Dezember 2011.

Gewalt gegen Frauen und Mädchen ist ein Thema, mit dem Deutschland ebenso wie jedes andere Land in Berührung kommt. Geschlechtsspezifische Gewalt ist eine weltweite Pandemie, die keine Grenzen kennt – weder Herkunft, noch Hautfarbe, sozio-ökonomischen Status oder Religion. Sie kann Frauen und Mädchen in jeder Lebensphase treffen – von der Tötung weiblicher Föten und unzureichendem Zugang zu Bildung und Nahrung bis hin zu Kinderhochzeiten, Inzest und den sogenannten „Ehrenmorden“. Sie kann in Form von Mord wegen der Aussteuer, häuslicher Gewalt, Vergewaltigung (auch in der Ehe), sexueller Ausbeutung und Misshandlung, Menschenhandel oder Vernachlässigung und Ausgrenzung von Witwen auftreten. Jede dritte Frau auf der Welt erfährt in ihrem Leben eine Form der geschlechtsspezifischen Gewalt. In einigen Ländern sind sogar bis zu 70 Prozent betroffen.

 Dieses Jahr begehen wir wieder die „16 Aktionstage gegen geschlechtsspezifische Gewalt“, die am 25. November mit dem Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen beginnen und am 10. Dezember mit dem Internationalen Tag der Menschenrechte enden. Die Internationale Gemeinschaft muss mehr als nur Worte finden, um auf den Ruf, Frauen und Mädchen von Gewalt zu befreien, zu reagieren. Sei es hinter verschlossenen Türen oder als öffentlicher Akt der Einschüchterung, auf der Straße in der Nachbarschaft oder in fernen Ländern, Gewalt gegen Frauen und Mädchen schadet uns allen – Männern und Frauen gleichermaßen. Wir müssen uns dagegen wehren, dass Täter oft mit den ungeheuerlichsten Verbrechen ungestraft davonkommen. Wir müssen die schwache gesellschaftliche Stellung von Frauen und Mädchen, die dazu führt, dass sie unterschätzt und verletzbar werden, weltweit aufwerten. Zudem müssen wir Männer und Jungen einbinden, wenn wir gegen Gewalt vorgehen und Gewalt verhindern, geschlechtsspezifisches Verhalten ändern, die Verantwortung und das Engagement der Gemeinschaft und des Staates stärken sowie die Aufmerksamkeit auf bereits existierende, effektive Programme richten und diese fördern wollen.

 Dieser sechzehntägige Aktionszeitraum ist eine ernüchternde Erinnerung daran, dass geschlechtsbezogene Gewalt nicht lediglich als Frauenthema angesehen werden darf; es ist eine ernste Herausforderung für die gesamte Welt. Geschlechtsspezifische Gewalt stellt nicht nur einen Verstoß gegen die Menschenrechte und die Würde des Menschen dar, sondern schadet auch dem Wohlergehen unserer Gemeinden. Wenn Frauen und Mädchen misshandelt werden, schließen Firmen, die Einkommen sinken, Familien hungern und Kinder verinnerlichen ein Verhalten, das den Zyklus der Gewalt fortsetzt. Die Kosten für die Wirtschaft und das Sozial- und Gesundheitswesen, die durch diese Brutalität verursacht werden, steigen ins Unermessliche.

 Führen Sie sich nur die Kosten für die erheblichen medizinischen und rechtlichen Dienstleistungen vor Augen, die durch Verletzungen und Misshandlungen entstehen. Oder denken Sie an die Kosten, die entstehen, weil die Leistung des Haushalts und das Einkommen aufgrund von unbezahlten Fehlzeiten sinken. Da viele Frauen beispielsweise als Marktverkäuferinnen oder Hausangestellte in der „Schattenwirtschaft“ arbeiten, sind derartige Kosten oft verdeckt – auch wenn sie deutlich zutage treten.

In Uganda berichteten beispielsweise 12,5 Prozent aller Frauen, dass sie wichtige Hausarbeit, wie Feuerholz sammeln und Wäsche waschen, aufgrund von Gewalt durch einen Intimpartner nicht erledigen konnten. Fast zehn Prozent dieser Vorfälle führten dazu, dass die Frauen im Durchschnitt an elf Tagen im Jahr nicht arbeiten konnten und nicht bezahlt wurden. Die Auswirkungen dieser Fehlzeiten sind in den vielen Haushalten, in denen eine Frau die einzige oder Haupterwerbstätige ist, noch umso schlimmer.

In Bangladesch berichteten mehr als zwei Drittel der befragten Haushalte, dass häusliche Gewalt gegen ein Haushaltsmitglied zu einem durchschnittlichen Verlust von fünf US-Dollar führe, das entspricht 4,5 Prozent des monatlichen Durchschnittseinkommens vieler Frauen.

Dieser Schaden macht sich auch in anderen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens bemerkbar, da Justiz, Gesundheitswesen und Sicherheitsdienste überlastet sind. Gewalt ist ein Krebsgeschwür der Gesellschaft; sie verursacht erhebliche Störungen der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung. Physische Gewalt erhöht die Gefahr einer ernsthaften Erkrankung von Frauen maßgeblich. Dazu zählen Probleme der reproduktiven Gesundheit, Fehlgeburten sowie sexuell übertragbare Krankheiten wie HIV. Hier besteht auch ein enger Zusammenhang mit der Müttersterblichkeit sowie gesundheitlichen Problemen von Kindern und Kindersterblichkeit.

Abgesehen von dem Schmerz und Leid des Einzelnen hat geschlechtsbezogene Gewalt auch enorme Konsequenzen für die Wirtschaft eines Landes, beispielsweise aufgrund nicht getätigter ausländischer Investitionen und mangelndem Vertrauen in die Institutionen des Landes.

Kein Land auf der Welt ist vor diesen Kosten gefeit. Eine kanadische Studie aus dem Jahr 1995 schätzt die unmittelbaren Kosten von Gewalt gegen Frauen auf mehr als eine Milliarde US-Dollar pro Jahr, die für Justiz, Polizei und Beratungsstellen anfallen. Eine britische Studie aus dem Jahr 2004 bezifferte die gesamten direkten und indirekten Kosten häuslicher Gewalt auf 23 Milliarden Pfund pro Jahr oder 440 Pfund pro Person.

In den Vereinigten Staaten liegen allein die Kosten von Gewalt gegen Frauen bei über 5,8 Milliarden US-Dollar im Jahr. Weitere 4,1 Milliarden US-Dollar fallen für unmittelbare medizinische Versorgung und Gesundheitsdienstleistungen an. Der Verlust an Produktivität verursacht zusätzliche 1,8 Milliarden Dollar. In einer angespannten Haushaltslage mögen einige Interventionsbestrebungen als nicht finanzierbar gelten. Obwohl die Bereitstellung von Mitteln für die Verhinderung und Verfolgung von Angriffen auf Frauen erst einmal Kosten verursachen mag, zahlt sie sich langfristig deutlich aus. Durch das US-Gesetz gegen Gewalt an Frauen (Violence Against Women Act), mit dem Bestrebungen zur Ermittlung und Strafverfolgung bei derartigen Verbrechen gestärkt wurden, konnten seit seiner Verabschiedung 1994 schätzungsweise 16 Milliarden US-Dollar eingespart werden. Die Mehrheit dieser Einsparungen ergibt sich aus den Kosten, die sonst für die Betreuung von Überlebenden entstanden wären.

Die 16 Tage bieten die Gelegenheit, das Engagement für die Erlösung von Frauen und Mädchen aus dem Albtraum der Gewalt zu erneuern, unabhängig davon, ob die Misshandlung zuhause hinter verschlossenen Türen stattfindet oder offen in Zusammenhang mit bewaffneten Konflikten. Kein Land kann Fortschritte machen, wenn die Hälfte seiner Bevölkerung an den Rand gedrängt, misshandelt und diskriminiert wird. Wenn Frauen und Mädchen die ihnen zustehenden Rechte zuteil werden und sie in den Bereichen Bildung, Gesundheit, Arbeit und politische Partizipation gleiche Chancen haben, können sie positive Veränderungen für ihre Familien, Gemeinden und Länder bewirken. Außenministerin Clinton stellte vor kurzem fest: „Investitionen in das Potenzial der Frauen und Mädchen auf der Welt sind die sicherste Möglichkeit, wirtschaftliche Fortschritte, politische Stabilität und mehr Wohlstand für Frauen – und Männer – auf der ganzen Welt zu erzielen.“

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