Arabische Frauen wollen auch von den neuen Freiheiten profitieren

WASHINGTON (AD) – Nachfolgend veröffentlichen wir einen Artikel von Stephen Kaufman, Autor des Büros für internationale Informationsprogramme im US-Außenministerium, vom 3. November 2011 über die Bestrebungen arabischer Frauen, an den neuen Freiheiten beteiligt zu werden.

 

Während der Revolutionen in Ägypten, Tunesien und Libyen standen Frauen Seite an Seite mit den Männern. Werden die neu entstehenden Regierungen ihre Rechte schützen?

 

Tunesien, Ägypten und Libyen hoffen, dass die Revolutionen ihren Ländern mehr Freiheiten und Chancen bringen. Frauen haben die besondere Hoffnung, dass ihnen der derzeit stattfindende tiefgreifende Wandel eine wirkliche Teilhabe ermöglicht. Es wird aber auch befürchtet, dass der „arabische Frühling“ zu einer weiteren Marginalisierung der Frauen durch die Männer führen könnte.

 

Einen Tag nach der Rede von Mustafa Abdul Jalil, dem Chef der Übergangsregierung, vom 23. Oktober, die die Befreiung Libyens von der Herrschaft Muammar Gaddafis markierte, brachte die Organisation Voice of Libyan Women (Stimme der libyschen Frauen) nicht nur ihre Enttäuschung darüber zum Ausdruck, dass Jalil die Polygamie gefordert habe, sondern auch darüber, dass er Frauen lediglich dafür gedankt habe, dass sie Mütter, Schwestern und Ehefrauen seien.

 

„Müssen wir ihn an die unzähligen Frauen erinnern, die während dieser Revolution inhaftiert, ermordet und vergewaltigt wurden, die die Revolutionskämpfer mit Kleidung und Essen versorgt haben, die in ihren Autos Waffen geschmuggelt, Soldaten in ihren Häusern versteckt und ihre Söhne, Ehemänner, Brüder und sogar ihre Väter ermutigt haben, zu kämpfen?“, fragte die Organisation am 24. Oktober in einem Eintrag bei Facebook.

 

Die neuen Machthaber in Libyen müssen „verstehen, dass, nur weil Frauen in dieser Revolution nicht das gleiche wie die Männer gemacht haben, ihr Beitrag nicht weniger wichtig war. Dies war eine libysche Revolution, die von den libyschen Frauen und Männern durchgeführt wurde“, sagte die Organisation.

 

In einer Rede bei einer Anhörung vor dem US-Senat am 2. November sagte Melanne Verveer, Sonderbotschafterin für globale Frauenfragen des US-Außenministeriums, dass Frauen in Libyen, Tunesien und Ägypten in diesem gemeinsamen Kampf gegen etablierte autokratische Regimes Seite an Seite mit den Männern gestanden hätten.

 

„Jetzt stehen sie vor einer ebenso schwierigen Herausforderung“, sagte Verveer. Während sie am Fortkommen ihrer Länder arbeiten, versuchen sie ihre eigenen Rechte vor „Elementen in der Gesellschaft“ zu schützen, „die sie nicht länger in der Öffentlichkeit sehen wollen, [und die] sie zweifellos aus dem politischen Prozess verdrängen und von den Tischen, an denen die Entscheidungen gefällt werden, fernhalten wollen.“

 

Die Vereinigten Staaten sind ein starker Befürworter der Frauenrechte überall auf der Welt. Sie wenden sich an Frauengruppen in der Region, die akademische Welt und Nichtregierungsorganisationen sowie Organisationen, die sich für Demokratie einsetzen, um den Frauen bei der Suche nach den richtigen Instrumenten und Fortbildungsmaßnahmen zu helfen, damit sie sich besser organisieren und am neuen politischen Leben teilhaben können, sagte sie.

 

„Dies ist kein Gefallen, den wir den Frauen tun. Es ist nicht einfach nur eine nette Geste“, erklärte Verveer. „Themen, die Frauen betreffen, gehen jeden an. Demokratie ohne die Teilhabe von Frauen ist ein Widerspruch in sich und Volkswirtschaften, an denen Frauen nicht beteiligt werden, werden keinen Erfolg haben.“

 

Sie sagte in der Tat, dass „sie schlechter dran sein werden“.

 

Verveer forderte die Männer, die dies verstehen, auf, sich einzumischen. Sie sagte, dass „ohne gute Männer nichts Gutes für Frauen erreicht werden kann“ und dass sie „bei den Fortschritten eine außerordentlich wichtige Rolle spielen“.

 

Bei ihren Treffen mit libyschen, ägyptischen und tunesischen Frauen, so Verveer, habe sie gehört, dass der Wandel langsam käme, und dass auch der starke Wunsch bestehe, nicht zurückgedrängt zu werden.

 

Die Haltung gegenüber den Frauenrechten ist in den drei Ländern sehr verschieden. In Tunesien gibt es beispielsweise „eine sehr lange Tradition der Frauenrechte, die in der dortigen Verfassung verankert ist“.

 

Aber sie machte darauf aufmerksam, dass man in Ägypten einige Reformen, wie beispielsweise bei den Scheidungsgesetzen und das Verbot der Kinderheirat, als „negative Einflüsse“ betrachtet, weil die ehemalige First Lady Ägyptens, Suzanne Mubarak, während der Herrschaft ihres Mannes diese so stark befürwortet hatte.

 

„Wenn das Kind mit dem Bade ausgeschüttet wird, wird das ein schwerer Rückschlag für die Fortschritte sein, die bereits gemacht wurden“, sagte Verveer.

 

Die Vereinigten Staaten können Frauen in jedem Land helfen, indem sie ihnen die Ressourcen geben und politische sowie mediale Fertigkeiten vermitteln, um ihnen zu helfen, die „führende Rolle einzunehmen, von der sie wissen, dass sie sie einnehmen müssen“, sagte sie.

 

Die stellvertretende Abteilungsleiterin für Nahostangelegenheiten im US-Außenministerium, Tamara Wittes, sagte bei der Anhörung im US-Senat, dass die Partnerschaftsinitiative für den Nahen Osten (Middle East Partnership Initiative – MEPI) seit den Revolutionen Projekte finanziere, die Frauen in allen drei Ländern unterstützen.

 

In Tunesien hat MEPI die Kampagne „Get Out and Vote“ („Geh hinaus und wähle“) unterstützt, die Frauen ermutigte, sich an den jüngsten Wahlen in ihrem Land zu beteiligen und wählen zu gehen. Darüber hinaus arbeitete MEPI mit den tunesischen Medien „zur Überprüfung ihrer Darstellung von Frauen im Wahlkampf“ zusammen, so Wittes. Die Initiative unterhalte auch eine Partnerschaft mit tunesischen Gruppen für ein bevorstehendes nationales Forum über die Rolle von Frauen im demokratischen Übergang, an dem Juristinnen, Bürgerrechtsgruppen, zivilgesellschaftliche Organisationen und Vertreter politischer Parteien teilnehmen.

 

MEPI habe in den vergangenen Monaten Ausbildungsprogramme für mehr als 200 Ägypterinnen finanziert, um ihnen „alles darüber beizubringen, wie man selbstbewusst eine Wahlrede hält, bis hin zu Fertigkeiten, die den Kandidatinnen helfen, einen Wahlkampf zu führen, der bei den Wählern ankommt“, sagte Wittes.

 

Die Initiative unterstütze auch die neu entstehenden Nichtregierungsorganisationen in Libyen sowie die Menschen, die neue politische Parteien gründen wollten, um bei den geplanten Wahlen in Libyen anzutreten, so Wittes.

 

All diese Frauen, ergänzte Wittes, „wollen das gleiche“. „Sie alle streben nach Gleichberechtigung, Gleichheit vor dem Gesetz und Chancengleichheit.“

 

Wittes führte fort: „Viele dieser Frauen haben gelitten… über viele Jahre hinweg.“ Sie beim Aufbau von Netzwerken untereinander und weltweit zu unterstützen, helfe ihnen, das Gefühl der Isolation zu überwinden.

 

Dies, so Wittes, sei „vielleicht der wichtigste Beitrag, den wir leisten können, um sie zum Weitermachen zu motivieren“.

 

(Dieser Text ist ein Produkt des Büros für internationale Informationsprogramme im US-Außenministerium.

 

Originaltext: Arab Women Working to Ensure They Share in New Freedoms

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>