Auf der Suche nach Amerika, Moschee für Moschee

WAHSINGTON – (AD) – Nachfolgend veröffentlichen wir einen Artikel von Jeff Baron, Autor des Büros für internationale Informationsprogramme des US-Außenministeriums, vom 20. August 2010.

Bassam Tariq (links) und Aman Ali haben während des muslimischen Fastenmonats Ramadan die Vereinigten Staaten bereist. Zuerst nur New York, dann aber von Küste zu Küste.

Während des Ramadans bereisen Aman Ali und Bassam Tariq das muslimische Amerika. Sie fasten sich quer durch 30 Staaten und feiern das Iftar, das allabendliche Fastenbrechen, in 30 verschiedenen Moscheen. Um ihren Glauben zu vertiefen, legen sie 19.300 km zurück.

Und dabei haben sie viel Spaß.

Ali (25), Amerikaner indischer Abstammung, und Tariq (23), Amerikaner pakistanischer Herkunft, sind aus New York. Vor einem Jahr, so erzählen sie, haben sie am ersten Tag des Ramadans in einer großen Gruppe von Gläubigen in einer Moschee gebetet. Da kam ihnen die Idee, während des heiligen Monats jeden Tag eine andere Moschee zu besuchen – 30 Moscheen in 30 Tagen. „In New York gibt es mehr als 800.000 Muslime. Wenn man meine Adresse bei Google eingibt, werden in einem Radius von acht Kilometern 162 Moscheen angezeigt“, sagt Ali. „Und da dachten wir uns: ,Hey, lass uns das mal ausprobieren.‘“

Ihren Freunden gefiel diese Idee und so forderten sie einen Blog zu dieser Reise, den Ali und Tariq eingerichtet haben „nur, damit sie Ruhe geben“, so Ali. Und dann kamen die ersten Reaktionen: Zuerst nur von Freunden, dann von Fremden aus ganz New York, dann aus anderen Orten in den Vereinigten Staaten. „Und dann kamen E-Mails aus Kanada, aus dem Vereinigten Königreich, dem Nahen Osten, von Menschen aus Luxemburg oder China – Mann, ihr könntet Ärger bekommen, schickt doch nicht diese E-Mails – und aus vielen anderen Ländern“, erzählt Ali.

In gewisser Hinsicht haben die beiden jungen Männer während dieser 30 Tage im Jahr 2009 die muslimische Welt bereist. Dadurch, dass sie in vielen verschiedenen Moscheen gebetet haben, lernten sie auch viele verschiedene muslimische Gemeinden kennen und brachen das Fasten mit vielen verschiedenen Speisen.

Eines der Ziele war, laut Tariq, „einmal das, was man kennt, hinter sich zu lassen“ und ein wenig Abwechslung in das alltägliche Leben zu bringen. So vielfältig wie die Stadt auch ist: „Jeder in New York lebt sein Leben in seiner Seifenblase und verlässt diese auch nicht“, sagt er.

Dieses Jahr sind Tariq und Ali aus ihrer Blase ausgebrochen. Mit Hilfe der Blog-Leser und der Gastfreundschaft von Freunden und Fremden im ganzen Land fahren sie von der Ostküste der Vereinigten Staaten bis an die Westküste und wieder zurück, machen Halt in Staaten, die an Kanada und Mexiko grenzen, und brauchen 30 Tage, um 30 Moscheen in 29 Staaten und im District of Columbia zu besuchen, wo Washington liegt.

Mit jeder neuen Stadt, sagt Tariq, „weißt Du schon genau, dass Du eben nicht weißt, was Dich erwartet.“ Tariq sagt auch, dass sie versucht haben, nicht nur in die etablierten Moscheen, die er „Doktor-Moscheen“ nennt, zu gehen, die von den erfolgreichsten amerikanischen Muslimen besucht werden.

„Natürlich sind diese Moscheen wichtig, wenn man die Muslime in diesem Land betrachtet, aber es gibt so viele andere Geschichten, die auch erzählt werden müssen“, sagt Ali. „Wir wollten nicht nur an der Oberfläche kratzen.“

Auf einer ihrer ersten Stationen in Augusta in Maine finden die beiden jungen Männer eine kleine, einladende, malerische Hauptstadt eines Bundesstaats mit ihrer fest zusammengewachsenen muslimischen Gemeinde und der kleinen Moschee vor – in der etwa ein Dutzend Menschen verschiedener ethnischer Abstammung zusammen beten. Wenn es um grundlegende Dinge wie beispielsweise Halal-Speisen geht, bauen die Gemeindemitglieder aufeinander: Jede Woche fährt ein anderes Mitglied der Gemeinde zum Halal-Metzger nach Boston, um die Bestellungen der einzelnen Familien abzuholen.

Der kurze Besuch der Begräbnisstätte eines heiligen Sufis aus Sri Lanka in der ländlichen Gegend Chester County (Pennsylvania) inspiriert Tariq zu einem längeren Aufenthalt, um einen Foto-Essay über diesen friedlichen Ort, seine Besucher und die Mitglieder der dortigen Gemeinde zu erstellen. „Ich habe noch nie in meinem Leben mit so vielen weißen Menschen zusammen gebetet“, erzählt er.

Einige Dinge kommen ihnen aber bekannt vor: Die beiden besuchen Tariqs Familie in Houston, Alis Eltern und seinen Bruder in New Orleans und die Moschee in Columbus (Ohio), wo Ali aufgewachsen ist. Tariq hatte bereits geahnt, dass es schwer werden würde, nach nicht einmal einem Tag die Familie wieder zu verlassen, um die Reise fortzusetzen.

Der Blog bietet einen Einblick in die Kultur, Geschichte und – während eines ganzen Monats, in dem das Fasten und das Fastenbrechen beschrieben werden – natürlich auch in die Speisen, die Ali und Tariq probieren. „Es ist überraschend, wie sehr Menschen durch einen gefüllten Teller miteinander verbunden werden. Das ist etwas Besonderes“, sagt Ali.

Wenn er nicht von einer Moschee zur anderen reist, ist Ali Journalist und Stand-up-Comedian. Tariq war in der Werbebranche tätig, hat aber während der letzten Monate einen Dokumentarfilm in seinem Heimatland Pakistan produziert. Beide wussten, dass sie wahrscheinlich niemals wieder die Chance haben würden, andere Aufgaben aufzuschieben, um einen Monat lang zu beten und zu reisen und dabei, so Tariq, „viele schlechte Popsongs aus den Neunzigern mitzusingen.“

„Wir möchten nicht behaupten, dass unser Projekt ein umfassendes, facettenreiches Bild der Muslime in den Vereinigten Staaten liefert, denn wir haben nicht genug Zeit und Raum, das zu bieten,“ erklärt Ali. „Es ist vielmehr eine Sammlung persönlicher und individueller Geschichten. Die Menschen können aus ihnen ziehen und lernen, was sie möchten.“

(Dieser Text ist ein Produkt des Büros für internationale Informationsprogramme im US-Außenministerium. Website: http://iipdigital.usembassy.gov/iipdigital-en/index.html)

Originaltext: Off to Find America, Mosque by Mosque

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