Präsident Obama vor dem britischen Parlament

LONDON – (AD) – Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede, die US-Präsident Barack Obama am 25. Mai 2011 vor dem britischen Parlament in London hielt.

Vielen herzlichen Dank. Danke.

Lordkanzler, Herr Parlamentspräsident, Herr Premierminister, Lords und Mitglieder des Unterhauses,

es könnte kaum eine größere Ehre geben als die, vor der Mutter aller Parlamente in Westminster Hall sprechen zu dürfen. Mir wurde gesagt, dass die letzten drei Redner hier der Papst, Ihre Majestät die Königin und Nelson Mandela waren – das setzt entweder die Messlatte sehr hoch, oder es ist der Beginn einer lustigen Geschichte.

Ich bin heute hier, um eines der ältesten und stärksten Bündnisse zu bestärken, die es je gegeben hat. Es ist seit Langem bekannt, dass die Vereinigten Staaten und das Vereinigte Königreich besondere Beziehungen pflegen. Da unsere beiden Länder auch eine besonders aktive Presse haben, werden diese Beziehungen häufig analysiert und auch auf das geringste Anzeichen von Belastungen oder Spannungen hin überanalysiert.

Natürlich gibt es in allen Beziehungen Höhen und Tiefen. Zugegebenermaßen haben unsere mit einem kleinen Streit über Tee und Steuern einen weniger guten Anfang genommen. Gut möglich, dass auch verletzte Gefühle im Spiel waren, als das Weiße Haus während des Krieges 1812 in Brand gesteckt wurde. Aber glücklicherweise befinden wir uns seither in ruhigerem Fahrwasser.

Diese enge Freundschaft liegt nicht nur darin begründet, dass wir eine gemeinsame Geschichte, ein gemeinsames Erbe, eine gemeinsame Sprache und eine gemeinsame Kultur haben oder darin, dass zwischen unseren Regierungen eine starke Partnerschaft besteht. Die Werte und Überzeugungen, die die Menschen in unseren beiden Ländern über die Jahrhunderte hinweg geeint haben, machen unsere Beziehungen zu etwas Besonderem.

Vor Jahrhunderten, als Könige, Kaiser und Kriegsherren über große Teile der Welt herrschten, waren es die Engländer, die in der Magna Carta zum ersten Mal Rechte und Privilegien der Menschen verankerten. Hier, genau in diesem Saal, entstand die Rechtsstaatlichkeit, hier wurden Gerichte eingesetzt, Streitigkeiten beigelegt und hierher kamen Bürger, um ihrer Regierung Bittschriften vorzulegen.

Die Menschen in diesem Land haben einen langen und manchmal blutigen Kampf gekämpft, um ihre Freiheit gegenüber der Krone auszuweiten und zu sichern. Angetrieben von den Idealen der Aufklärung entstand schließlich die englische Bill of Rights und die Regierungsgewalt wurde in die Hände eines gewählten Parlamentes gelegt, das heute hier versammelt ist.

Was auf dieser Insel begann, sollte Millionen Menschen überall in Europa und weltweit inspirieren. Aber vielleicht wurde niemand von der Idee der Freiheit stärker inspiriert als Ihre aufwieglerischen Siedler auf der anderen Seite des Atlantiks. Wie Winston Churchill sagte: „Die Magna Carta, die Bill of Rights, Habeas Corpus, das Schwurgerichtsverfahren und das englische Gewohnheitsrecht haben ihren wohl berühmtesten Niederschlag in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung gefunden.“

Für unsere beiden Länder war es manchmal schwierig, entsprechend der in diesen Gründungsdokumenten verankerten Ideale zu handeln, und es war und ist ein kontinuierlicher Prozess. Der Weg war niemals fehlerfrei. Aber aufgrund der Anstrengungen von Sklaven und Einwanderer, von Frauen und ethnischen Minderheiten, von ehemaligen Kolonien und verfolgten Religionen haben wir mehr als viele andere die Erfahrung gemacht, dass der Wunsch nach Freiheit und menschlicher Würde nicht englisch, amerikanisch oder westlich ist – er ist universell und in jedem Herzen Zuhause. Vielleicht gibt es deshalb nur wenige Nationen, die sich stärker für demokratische Werte und ihre Verteidigung einsetzen als die Vereinigten Staaten und Großbritannien.

Wir sind die Verbündeten, die am Omaha [Beach] und Gold [Beach] landeten, die Seite an Seite kämpften und Opfer brachten, um einen Kontinent von Gewaltherrschaft zu befreien und die dazu beitrugen, dass aus den Trümmern des Krieges wieder Wohlstand erwachsen konnte. Mit der Gründung der NATO – einer britischen Idee – traten wir einem transatlantischen Bündnis bei, das unsere Sicherheit seit mehr als einem halben Jahrhundert gewährleistet.

Gemeinsam mit unseren Verbündeten haben wir einen Kalten Krieg in einen dauerhaften Frieden verwandelt. Als der Eiserne Vorhang fiel, haben wir unser Bündnis um die Länder Mittel- und Osteuropas erweitert und neue Brücken in Richtung Russland und der ehemaligen Staaten der Sowjetunion geschlagen. Und als der Konflikt auf dem Balkan ausbrach, haben wir zusammengearbeitet, um den Frieden zu wahren.

Heute, nach einem schwierigen Jahrzehnt, das mit Krieg begann und mit einer Rezession endete, sind unsere beiden Länder erneut an einem entscheidenden Punkt angelangt. Die globale Wirtschaft, die am Rande einer Weltwirtschaftskrise stand, ist nun stabil und erholt sich. Nach Jahren des Konfliktes haben die Vereinigten Staaten 100.000 Soldaten aus dem Irak zurückgeholt, das Vereinigte Königreich hat seine Streitkräfte abgezogen und unser Kampfeinsatz dort ist beendet. In Afghanistan haben wir die Stoßkraft der Taliban gebrochen und werden schon bald mit der Übergabe der Verantwortung an die Afghanen beginnen. Beinahe zehn Jahre nach dem 11. September haben wir Terrornetzwerke zerschlagen und Al Kaida durch die Tötung ihres Anführers Osama bin Laden einen schweren Schlag versetzt.

Gemeinsam haben wir große Herausforderungen bewältigt. Aber auch in dem neuen Kapitel unserer gemeinsamen Geschichte sehen wir uns wieder mit großen Herausforderungen konfrontiert. In einer Welt, in der der Wohlstand der Staaten untrennbar miteinander verbunden ist, muss eine neue Ära der Kooperation eingeläutet werden, um Wachstum und Stabilität der Weltwirtschaft zu gewährleisten. Da neue Bedrohungen Grenzen und Meere überqueren, müssen wir Terrornetzwerke zerschlagen, die Verbreitung von Atomwaffen aufhalten und den Klimawandel sowie Hunger und Krankheiten bekämpfen. Jetzt, da der Wind der Revolution durch die Straßen des Nahen Ostens und Nordafrikas weht, muss der gesamten Welt daran gelegen sein, eine Generation zu unterstützen, die entschlossen ist, ihr Schicksal selbst zu bestimmen.

Diese Herausforderungen treten in einer Zeit auf, in der die internationale Ordnung bereits auf ein neues Jahrhundert ausgerichtet ist. Länder wie China, Indien und Brasilien wachsen sprunghaft. Wir sollten diese Entwicklung begrüßen, denn sie hat weltweit viele Millionen Menschen aus der Armut befreit, neue Märkte erschlossen und Chancen für unsere Länder geschaffen.

Dennoch ist es in dieser Zeit des schnellen Wandels in manchen Kreisen gewissermaßen in Mode gekommen zu fragen, ob der Aufstieg dieser Länder nicht von einem zurückgehenden Einfluss der Vereinigten Staaten und Europas in der Welt begleitet wird. Vielleicht, so die Argumentation, sind diese Nationen die Zukunft und die Zeit unserer Führungsrolle ist abgelaufen.

Dieses Argument ist falsch. Die Zeit für unsere Führung ist jetzt. Es waren die Vereinigten Staaten, das Vereinigten Königreich und ihre demokratischen Verbündeten, die eine Welt formten, in der neue Nationen entstehen und der Einzelne sich entfalten konnte. Auch wenn mehr Länder Verantwortung übernehmen und sich an der weltweiten Führung beteiligen, wird unser Bündnis für das Ziel eines friedlichen, wohlhabenderen und gerechteren Jahrhunderts unverzichtbar bleiben.

In einer Zeit, in der Bedrohungen und Herausforderungen die zwischenstaatliche Zusammenarbeit erfordern, sind wir weiterhin die größten Katalysatoren für globales Handeln. In einer von schnellen Handels- und Informationsströmen gekennzeichneten Zeit bieten unsere Tradition des freien Marktes, unsere Offenheit, die durch unser Engagement für die grundlegende Sicherheit unserer Bürger gefestigt wird, die beste Chance auf stabilen und gemeinsamen Wohlstand. Millionen Menschen werden noch immer aufgrund dessen, wer sie sind oder woran sie glauben oder aufgrund der Regierung, unter der sie leben die grundlegenden Menschenrechte verwehrt, und wir sind die Nationen, die bereit sind, sich für die Werte der Toleranz und Selbstbestimmung einzusetzen, die zu Frieden und Würde führen.

Das bedeutet nicht, dass wir uns Stillstand leisten können. Das Wesen unserer Führungsrolle muss sich der Zeit anpassen. Wie ich bereits bei meinem ersten Besuch in London als Präsident beim G20-Gipfel sagte: Die Tage, in denen Roosevelt und Churchill in einem Raum sitzen und die Probleme der Welt bei einem Glas Kognak lösen konnten, sind vorbei – obwohl Premierminister Cameron mir sicherlich zustimmen würde, dass ein Gläschen Kognak manchmal nicht schaden würde. In diesem Jahrhundert erfordert unsere gemeinsame Führungsrolle den Aufbau neuer Partnerschaften, die Anpassung an neue Gegebenheiten und ein Umdenken unsererseits, damit wir den Anforderungen einer neuen Zeit gewachsen sind.

Das fängt bei unserer wirtschaftlichen Führung an.

Adam Smiths wichtigster Gedanke gilt auch heute noch: Nichts schafft mehr Wohlstand und Innovation als ein System des freien Unternehmertums, das das volle Potenzial des Einzelnen, von Frauen und Männern, freisetzt. Das führte zur industriellen Revolution, die in den Fabriken Manchesters begann. Das führte zum Beginn des Informationszeitalters, das in den Bürogebäuden von Silicon Valley begann. Aus diesem Grund wachsen Länder wie China, Indien und Brasilien so schnell – sie entwickeln sukzessive die marktgestützten Prinzipien, denen sich die Vereinigten Staaten und das Vereinigte Königreich schon immer verschrieben haben.

Mit anderen Worten: Wir leben in einer Weltwirtschaft, die wir zum Großteil selbst gestaltet haben. Im Wettbewerb um die besten Arbeitsplätze und Industriezweige sind heute die frei denkende und vorausschauende Länder im Vorteil, deren Bürger über viel Kreativität, Innovations- und Unternehmergeist verfügen.

Damit haben Länder wie die Vereinigten Staaten und das Vereinigte Königreich einen natürlichen Vorteil. Von Newton und Darwin bis Edison und Einstein, von Alan Turing bis Steve Jobs – unser Engagement für Wissenschaft und die neueste Forschung, die Entdeckung neuer Medikamente und Technologien ist weltweit führend. Wir bilden unsere Bürger und unsere Arbeitnehmer an den besten Hochschulen und Universitäten der Welt aus. Um diesen Vorteil aber in einer Welt aufrecht zu erhalten, die immer wettbewerbsfähiger wird, müssen wir unsere Investitionen in Wissenschaft und Technik verdoppeln und uns im Inland wieder stärker bemühen, unsere Arbeitnehmer gut auszubilden.

In den vergangenen Jahren wurden wir auch daran erinnert, dass Märkte manchmal versagen können. Im vergangenen Jahrhundert haben unsere beiden Länder ordnungspolitische Rahmenbedingungen geschaffen, um mit einem derartigen Versagen der Märkte fertig zu werden – beispielsweise Sicherungsmechanismen zum Schutz des Bankensystems nach der Weltwirtschaftskrise oder, in den Siebzigerjahren des 20. Jahrhunderts, Vorschriften zum Schutz von Luft und Wasser vor Verschmutzung.

 In der heutigen Wirtschaft macht die Gefahr eines Marktversagens nicht länger an den Grenzen eines Landes Halt. Das Marktversagen wird global, es breitet sich virusartig aus und erfordert internationale Reaktionen.

Die Finanzkrise, die an der Wall Street begann, hat beinahe alle Kontinente erfasst. Deshalb müssen wir weiterhin in Foren wie den G20 daran arbeiten, weltweite Regeln aufzustellen, um zukünftige Exzesse und Missbrauch zu verhindern. Kein Land kann sich vor den Gefahren verstecken, die von CO2-Emissionen ausgehen, und deshalb müssen wir auf dem aufbauen, was in Kopenhagen und Cancun erreicht wurde, damit wir unseren Kindern einen Planeten hinterlassen können, der sicherer und sauberer ist.

Auch wenn der freie Markt so funktioniert, wie er sollte, müssen unsere beiden Länder anerkennen, dass ganz gleich, wie verantwortungsvoll wir uns auch selbst verhalten, schwere Zeiten oder ein Unglück, eine Krankheit oder der Verlust des Arbeitsplatzes jeden von uns treffen kann. Ein Teil unserer gemeinsamen Tradition kommt in der Überzeugung zum Ausdruck, dass jeder Bürger einen Anspruch auf grundlegende Sicherheit hat – Gesundheitsversorgung bei Krankheit, Arbeitslosenversicherung bei Arbeitsplatzverlust und einen würdigen Ruhestand nach einem langen Arbeitsleben. Diese Verpflichtung gegenüber unseren Bürgern ist auch ein Grund für unsere weltweite Führungsrolle.

Nachdem wir diese schreckliche Rezession überstanden haben, besteht die Herausforderung darin, diese Verpflichtungen einzuhalten, während wir gleichzeitig sicherstellen müssen, dass wir nicht ein Maß an Schulden verursachen, das die Stärke und Vitalität unserer Volkswirtschaften beeinträchtigen und uns letztlich erdrücken könnte. Das erfordert schwierige Entscheidungen und unterschiedliche Vorgehensweisen in unseren beiden Ländern. Aber solche Herausforderungen sind uns nicht unbekannt; wir waren immer in der Lage ein Gleichgewicht zwischen der fiskalischen und unserer gegenseitigen Verantwortung zu finden.

Ich bin davon überzeugt, dass wir das wieder schaffen werden. Dabei können die vergangenen Erfolge und Fehlschläge den aufstrebenden Volkswirtschaften als Beispiel dienen – dafür, dass es möglich ist zu wachsen, ohne die Umwelt zu verschmutzen, dafür, dass anhaltender Wohlstand nicht daher rührt, was ein Land verbraucht, sondern daher, was dort produziert und in die Menschen und Infrastruktur investiert wird.

So wie wir eine Führungsrolle einnehmen, um Wohlstand für unsere Bürger zu schaffen, müssen wir das auch bei der Gewährleistung ihrer Sicherheit tun. Unsere beiden Länder wissen, was es heißt, sich dem Bösen auf der Welt entgegenzustellen. Hitlers Soldaten hätten nicht aufgehört zu töten, wenn wir sie nicht an den Küsten und Landeplätzen, auf den Feldern und in den Straßen bekämpft hätten. Wir dürfen niemals vergessen, dass unser Sieg in diesem schrecklichen Krieg nicht schicksalsgegeben war. Er wurde durch den Mut und die Charakterstärke unserer Bürger errungen.

Gerade weil wir bereit sind, seine Last zu tragen, wissen wir um den Preis des Krieges. Daher haben wir ein Bündnis geschaffen, das stark genug war, diesen Kontinent zu verteidigen und unsere Feinde abzuschrecken. Im Grunde beruht die NATO auf dem einfachen Prinzip des Bündnisfalls von Artikel 5: dass sich kein Mitgliedsland der NATO alleine verteidigen muss, dass sich die Bündnispartner immer gegenseitig beistehen werden. Über sechs Jahrzehnte lang war die NATO das erfolgreichste Bündnis der Menschheitsheitsgeschichte.

Heute stehen wir einem anderen Feind gegenüber. In New York und London wurden Bürger unserer Länder von Terroristen getötet. Während Al Kaida versucht, einen religiösen Krieg gegen den Westen zu führen, müssen wir uns daran erinnern, dass sie überall auf der Welt Tausende Muslime getötet hat – Frauen, Männer und Kinder. Unsere Länder sind nicht und werden auch niemals im Krieg mit dem Islam sein. Unser Kampf konzentriert sich auf den Sieg über Al Kaida und ihre extremistischen Verbündeten. Wir werden in diesem Bestreben nicht nachlassen, und Osama bin Laden und seine Anhänger haben das zu spüren bekommen. Im Kampf gegen einen Feind, der kein Kriegsrecht respektiert, orientieren wir uns an anderen Maßstäben – indem wir unseren Werten treu bleiben, für die wir uns so vehement einsetzen – der Rechtsstaatlichkeit und dem Recht auf ein ordentliches Gerichtsverfahren.

Seit fast einem Jahrzehnt ist Afghanistan wichtiger Schauplatz dieser Bemühungen. In diesen Jahren waren Sie, die britische Bevölkerung, ein treuer Verbündeter – gemeinsam mit so vielen anderen, die uns zur Seite stehen.

Lassen Sie uns gemeinsam der Frauen und Männer gedenken, die in den vergangenen Jahren gedient und Opfer gebracht haben – denn sie gehören zu der ungebrochenen Reihe von Helden, die für die Freiheiten, die wir heute genießen, die größte Last tragen mussten. Mit ihrer Hilfe haben wir den Vormarsch der Taliban gestoppt. Mit ihrer Hilfe haben wir die Kapazitäten der afghanischen Sicherheitskräfte aufgebaut. Mit ihrer Hilfe bereiten wir nun die Übergabe der Verantwortung in Afghanistan vor. Während dieses Übergangs werden wir mit jenen einen dauerhaften Frieden anstreben, die sich von Al Kaida befreien, die afghanische Verfassung respektieren und ihre Waffen niederlegen. Wir werden sicherstellen, dass Afghanistan niemals ein Zufluchtsort für Terroristen wird, sondern ein starkes, souveränes Land, das auf eigenen Beinen stehen kann.

In der Tat haben unsere Bestrebungen in diesem jungen Jahrhundert zu einem neuen Konzept für die NATO geführt, das uns in die Lage versetzen wird, mit neuen Bedrohungen umzugehen – Bedrohungen wie Terrorismus und Piraterie, Cyberangriffe und ballistische Flugkörper. Aber auch eine erneuerte NATO wird der ursprünglichen Vision ihrer Gründer folgen und uns die Möglichkeit geben, gemeinsame Maßnahmen zur Verteidigung unserer Bürger zu ergreifen, basierend auf der Überzeugung Roosevelts und Churchills, dass alle Nationen sowohl Rechte als auch Pflichten und ein gemeinsames Interesse an einer internationalen, den Frieden erhaltenden Architektur haben.

Wir haben auch ein gemeinsames Interesse daran, die Verbreitung von Atomwaffen zu verhindern. Überall auf der Welt wird dank unserer Bemühungen Nuklearmaterial weggeschlossen, damit es niemals in die falschen Hände gerät. Von Nordkorea bis Iran haben wir deutlich gemacht, dass diejenigen, die ihre Verpflichtungen missachten, mit Konsequenzen zu rechnen haben. Das ist der Grund, warum die Vereinigten Staaten und die Europäische Union erst kürzlich ihre Sanktionen gegen Iran verschärft haben. Die Führungsrolle des Vereinigten Königreichs und der Vereinigten Staaten hat dazu maßgeblich beigetragen. Während wir andere zur Rechenschaft ziehen, werden wir unsere Verpflichtungen im Rahmen des Nichtverbreitungsvertrages erfüllen und eine atomwaffenfreie Welt anstreben.

Wir haben ein gemeinsames Interesse an der Lösung von Konflikten, die menschliches Leid verlängern und drohen, ganze Regionen zu zerreißen. Nach Jahren des Krieges mit Tausenden Toten rufen wird den Norden und Süden des Sudan dazu auf, die Gewalt zu beenden und sich für Frieden einzusetzen. Im Nahen Osten sind wir geeint in unserer Unterstützung eines sicheren Staates Israel und eines souveränen palästinensischen Staates.

Wir haben auch ein gemeinsames Interesse an Entwicklungen, die Würde und Sicherheit fördern. Um erfolgreich zu sein, müssen wir dem Impuls widerstehen, ärmere Teile der Welt als Almosenempfänger zu betrachten. Stattdessen sollten wir die gleichen Kräfte unterstützen, die auch den Menschen in unserem Land geholfen haben, voranzukommen: Wir sollten den Hungrigen helfen, sich selbst zu versorgen und den Ärzten, sich um die Kranken zu kümmern. Wir sollten Länder unterstützen, die gegen Korruption vorgehen, und ihren Bürgern die Möglichkeit zu innovativem Handel geben. Wir sollten die Botschaft aussenden, dass Staaten gedeihen, wenn sie Frauen und Mädchen erlauben, ihr Potenzial voll auszuschöpfen.

Wir tun dies, weil wir nicht nur an die Rechte von Nationen glauben, sondern auch an die Rechte der Bürger. Das ist das Leuchtfeuer, das uns in unserem Kampf gegen den Faschismus und den Kommunismus den Weg gewiesen hat. Heute wird diese Vorstellung im Nahen Osten und in Nordafrika auf eine Probe gestellt. In einem Land nach dem anderen werden die Menschen aktiv, um sich aus dem Griff einer eisernen Faust zu befreien. Diese Bewegungen für den Wandel sind zwar erst sechs Monate alt, aber wir haben derartige Entwicklungen bereits erlebt – von Osteuropa bis nach Amerika, von Südafrika bis Südostasien.

Die Geschichte zeigt uns, dass Demokratie nicht einfach ist. Es wird noch Jahre dauern, bis diese Revolutionen abgeschlossen sind, und auf dem Weg dorthin wird es schwierige Phasen geben. Die Macht gibt selten kampflos auf – insbesondere dort, wo es Unstimmigkeiten zwischen Stämmen oder Religionsgemeinschaften gibt. Wir wissen auch, dass Populismus zu gefährlichen Entwicklungen führen kann – angefangen mit dem Extremismus derer, die die Demokratie ausnutzen, um Minderheiten Rechte zu verweigern, bis hin zum Nationalismus, der im 20. Jahrhundert so viele Narben auf diesem Kontinent hinterlassen hat.

Aber seien Sie versichert: Das was wir gesehen haben und jetzt in Teheran, in Tunis und auf dem Tahrir-Platz sehen, ist das Streben nach der gleichen Freiheit, die wir in unserem Land schon lange als selbstverständlich erachten. Es war die Widerlegung der Vorstellung, dass Menschen in bestimmten Teilen der Welt nicht frei sein wollen oder man ihnen die Demokratie aufzwingen muss. Es war eine Ablehnung der Weltsicht Al Kaidas, die die Rechte des Einzelnen unterdrückt und sie daher zu unendlicher Armut und Gewalt verdammt.

Verstehen Sie mich nicht falsch: Die Vereinigten Staaten und das Vereinigte Königreich stellen sich offen auf die Seite derjenigen, die frei sein wollen. Jetzt müssen wir zeigen, dass wir Worten auch Taten folgen lassen. Das bedeutet, wir müssen in die Zukunft der Länder investieren, die zu Demokratie übergehen, angefangen mit Tunesien und Ägypten – indem wir unsere Handelsbeziehungen vertiefen und ihnen helfen zu zeigen, dass Freiheit zu Wohlstand führt. Das heißt, für universelle Rechte einzutreten – indem diejenigen mit Sanktionen belegt werden, die unterdrücken, indem die Zivilgesellschaft gestärkt wird und die Rechte von Minderheiten geschützt werden.

Wir tun dies in dem Wissen, dass der Westen von vielen Menschen im Nahen Osten und Nordafrika mit Argwohn und Misstrauen betrachtet wird – ein Misstrauen, das in einer schwierigen Vergangenheit begründet liegt. Über Jahre hinweg wurde uns von jenen, die nicht über die Freiheit verfügen, für die wir eintreten, Heuchelei vorgeworfen. Ihnen müssen wir unverblümt sagen: Ja, wir haben ein anhaltendes Interesse an der Region. Wir kämpfen gegen den Terrorismus, manchmal mit Partnern, die vielleicht nicht makellos sind, und wir versuchen eine Unterbrechung der weltweiten Energieversorgung zu verhindern. Aber wir sagen auch mit Nachdruck, dass wir es für falsch halten zu behaupten, wir müssten uns zwischen unseren Interessen und Idealen oder zwischen Stabilität und Demokratie entscheiden. Unser Idealismus basiert auf der Realität unserer Geschichte und der Erkenntnis, dass das Versprechen, Unterdrückung bringe Stabilität, falsch ist, Gesellschaften mit freien Bürgern erfolgreicher und unsere engsten Verbündeten Demokratien sind.

Das ist die Wahrheit, die unser Handeln in Libyen bestimmt. Zu Beginn des scharfen Durchgreifens wäre es einfach gewesen zu sagen, dass uns all das nichts angeht – dass die Souveränität eines Staates wichtiger ist als die Ermordung von Zivilisten innerhalb seiner Grenzen. Diese Auffassung wird von einigen vertreten. Wir sehen das anders. Wir tragen eine größere Verantwortung. Zwar können wir nicht jede Ungerechtigkeit verhindern, aber es gibt dennoch Umstände, die uns zum Handeln zwingen – wenn ein führender Politiker droht, die Bürger seines Landes zu töten und die internationale Gemeinschaft Maßnahmen einfordert. Deshalb haben wir das Massaker in Libyen gestoppt. Wir werden nicht ruhen, bis die Menschen in Libyen sicher und von der Tyrannei befreit sind.

Wir werden in Demut und mit dem Wissen weitermachen, dass wir nicht jedes Ergebnis im Ausland bestimmen können. Die Freiheit muss letztendlich von den Menschen selbst errungen und kann nicht von außen erzwungen werden. Aber wir können und müssen denjenigen zur Seite stehen, die sich dafür einsetzen. Denn wir haben immer daran geglaubt, dass die Zukunft unserer Kinder und Enkelkinder eine besser wird, wenn die Kinder und Enkel anderer Menschen in mehr Freiheit und Wohlstand leben können – ob an den Stränden der Normandie, auf dem Balkan oder in Benghasi. Das liegt in unserem Interesse und entspricht unseren Idealen. Wenn wir diese Verantwortung nicht übernehmen, wer würde es dann tun, und was für eine Welt würden wir dann an die nächsten Generationen weitergeben?

Unser Handeln – unsere Führungsrolle – ist für die die Menschenwürde von großer Bedeutung. Daher müssen wir mit dem Vertrauen in unsere Ideale und dem Glauben an den Charakter unserer Bürger, die uns alle heute hierher entsandt haben, handeln – und führen.

Eines macht die Vereinigten Staaten und das Vereinigten Königreich meines Erachtens zu diesem Zeitpunkt der Geschichte unerlässlich – und zwar die Art und Weise, wie sie sich selbst als Nation definieren.

Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern auf der Welt bestimmt bei uns nicht die ethnischen Zugehörigkeit die Staatsbürgerschaft. Amerikaner oder Brite zu sein, heißt nicht, einer bestimmten Gruppe anzugehören – es geht vielmehr um den Glauben an bestimmte Werte – wie die Rechte des Einzelnen und die Rechtsstaatlichkeit. Deshalb sind unsere Länder so unglaublich vielfältig. Deshalb gibt es in diesem Augenblick Menschen überall auf der Welt, die davon überzeugt sind, dass sie in die Vereinigten Staaten, nach New York oder nach London kommen und dort schwer arbeiten können, einen Eid auf unsere Fahne schwören und sich selbst Amerikaner nennen dürfen, dass sie sich, wenn sie nach England kommen, ein neues Leben aufbauen und wie jeder andere Bürger auch „God Save The Queen“ singen können.

Ja, unsere Vielfalt kann zu Spannungen führen. Im Laufe der Geschichte gab es in unseren beiden Ländern hitzige Debatten über Einwanderung und Integration. Aber auch wenn diese Debatten schwierig sein können, wissen wir im Grunde doch, dass unser vielfältiges Erbe eine enorme Stärke darstellt. In einer Welt, die immer kleiner und vernetzter wird, zeigt das Beispiel unserer beiden Länder, dass Ideale Menschen einen können und ihre Unterschiede sie nicht spalten müssen. Dass Menschen sich ändern und alter Hass überwunden werden kann, dass Menschen aus den ehemaligen Kolonien hier als Mitglieder dieses großartigen Parlaments sitzen können und der Enkel eines Kenianers, der als Koch in der britischen Armee tätig war, hier als Präsident der Vereinigten Staaten vor Ihnen stehen kann.

Das ist es, was uns ausmacht. Das ist der Grund dafür, dass die Frauen und Männer in den Straßen von Damaskus und Kairo noch immer nach den Rechten streben, die unsere Bürger bereits haben, auch wenn sie manchmal nicht mit unserer Politik übereinstimmen. Als zwei der mächtigsten Nationen der Menschheitsgeschichte dürfen wir nie vergessen, dass die wahre Quelle des Einflusses nicht durch die Größe unserer Volkswirtschaften oder die Einsatzfähigkeit unseres Militärs oder das Land, das wir erobert haben, bestimmt wird. Es sind die Werte, deren Verteidigung überall auf der Welt wir niemals aufgeben dürfen – der Gedanke, dass alle Wesen von unserem Schöpfer mit bestimmten Rechten ausgestattet wurden, die man ihnen nicht verweigern darf.

Das hat im Gefecht des Krieges unsere Bande geschmiedet – Bande, die sich in der Freundschaft zwischen zwei unserer großartigsten Politiker zeigen. Churchill und Roosevelt waren nicht immer einer Meinung. Sie waren genaue Beobachter der wunden Punkte und Unzulänglichkeiten des jeweils anderen, wenn auch nicht immer ihrer eigenen, und sie waren entschlossen, die Welt neu zu gestalten. Was aber hat das Schicksal dieser zwei Männer zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Geschichte zusammengeführt? Es war nicht nur das gemeinsame Interesse am Sieg auf dem Schlachtfeld. Es war ihr gemeinsamer Glaube an den endgültigen Sieg der menschlichen Freiheit und Würde – sie waren überzeugt, dass wir Menschen den Ausgang der Geschichte mitbestimmen können.

Diese Überzeugung lebt heute in den Bürgern ihrer Länder weiter. Wir stehen vor großen Herausforderungen. Die vor uns liegende Arbeit wird schwierig werden. Aber wir haben ein schwieriges Jahrzehnt überstanden und wann immer die vor uns liegenden Prüfungen zu schwer oder zu zahlreich erscheinen, sollten wir uns an ihr Beispiel und an Churchills Worte erinnern, der am Tag der Befreiung Europas sagte:

„In den langen Jahren, die vor uns liegen, werden nicht nur die Menschen auf dieser Insel, sondern… die Welt, wo auch immer der Vogel der Freiheit im Herzen der Menschen zwitschert, auf das zurückblicken, was wir getan haben und sagen verzweifle nicht, gib nicht auf… mach weiter.“

Lassen Sie uns gemeinsam, mit Mut und einem Ziel, mit Demut und Hoffnung, mit dem Vertrauen auf die Versprechungen von morgen, weitermachen, als beständige Verbündete für eine Welt, die friedlicher, wohlhabender und gerechter ist.

Vielen herzlichen Dank.

Originaltext: Remarks by the President to Parliament in London, United Kingdom

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