Zum Tode Osama bin Ladens

WASHINGTON – (AD) – Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung von US-Außenministerin Hillary Rodham Clinton zum Tode Osama bin Ladens vom 2. Mai 2011.

Guten Morgen. Wie Präsident Obama gestern Abend berichtete, ist Osama bin Laden tot, und die Gerechtigkeit hat gesiegt. Ich möchte heute etwas dazu sagen, was dies für unser weiteres Vorgehen bedeutet.

Zunächst möchte ich den Tausenden Familien, die durch Osama bin Ladens Feldzug des Terrors und der Gewalt Angehörige verloren haben – bei den Bombenanschlägen auf die Botschaften in Afrika, dem Anschlag auf die U.S.S. Cole, den Anschlägen vom 11. September 2001 und bei so vielen anderen Attentaten – versichern, dass ich an sie denke und für sie bete. Obwohl wir schmerzliche Verluste erlitten haben, richteten sich diese Anschläge nicht nur gegen Amerikaner, sondern gegen die ganze Welt. In London und Madrid, auf Bali, in Istanbul und an vielen anderen Orten wurden unschuldige Menschen, die meisten von ihnen Muslime, auf Märkten und in Moscheen, in U-Bahnstationen und Flugzeugen zum Angriffsziel ausgewählt, und jeder einzelne dieser Anschläge war von einer gewalttätigen Ideologie geleitet, die Menschenleben und Menschenwürde keinerlei Bedeutung beimisst. Ich weiß, dass nichts den Tod der Opfer aufwiegen oder die Lücken, die sie hinterlassen haben, füllen kann, aber ich hoffe, dass ihre Familien nun etwas Trost in der Tatsache finden, dass der Gerechtigkeit Genüge getan wurde.

Zweitens möchte ich, wie es der Präsident bereits getan hat, den Mut und das Engagement der tapferen Männer und Frauen hervorheben, die unserem Land dienen und mehr als zehn Jahre unermüdlich gearbeitet haben, um Osama bin Laden aufzuspüren und seiner gerechten Strafe zuzuführen. Von unseren Soldaten über unsere Nachrichtendienstexperten bis hin zu unseren Diplomaten und Strafverfolgungsbeamten – dies war ein umfassendes, weitreichendes und sehr beeindruckendes Unterfangen.

Hier im Außenministerium haben wir an der Entwicklung eines weltweiten Netzwerks zur Terrorismusbekämpfung gearbeitet. Wir haben die Ergebnisse der Arbeit und die Energie von Freunden, Partnern und Verbündeten auf allen Kontinenten hier gebündelt. Unsere Partnerschaften, unter anderem auch die enge Zusammenarbeit mit Pakistan, haben dazu beigetragen, dass enormer Druck auf Al Kaida und ihre Führung ausgeübt werden konnte. Die Fortsetzung dieser Zusammenarbeit wird in der Zukunft von ebenso großer Bedeutung sein, denn auch wenn wir diesen Meilenstein erreicht haben, sollten wir doch nicht vergessen, dass der Kampf mit dem Ziel, Al Kaida und ihrem Terrornetzwerk Einhalt zu gebieten, nicht mit dem Tod bin Ladens endet. Wir müssen vielmehr diese Gelegenheit nutzen, um unsere Entschlossenheit zu bekräftigen und unsere Anstrengungen zu verdoppeln.

In Afghanistan werden wir weiter den Kampf zu Al Kaida und ihren Verbündeten unter den Taliban tragen, während wir gleichzeitig die Afghanen dabei unterstützen werden, eine stärkere Regierung aufzubauen und die Verantwortung für ihre Sicherheit selbst zu übernehmen. Wir setzen die von der NATO bei ihrem Gipfel in Lissabon gebilligte Übergangsstrategie um und unterstützen den politischen Prozess unter Federführung der Afghanen, der die Isolierung von Al Kaida und das Ende des Aufstands anstrebt. Unsere Botschaft an die Taliban bleibt die gleiche, aber heute findet sie vielleicht noch größere Resonanz: Sie können das nicht aussitzen, bis wir aufgeben. Sie können uns nicht besiegen. Aber Sie können sich entscheiden, Al Kaida zu verlassen und an einem friedlichen politischen Prozess teilzuhaben.

In Pakistan engagieren wir uns dafür, Bürger und Regierung dabei zu unterstützen, ihre eigene Demokratie vor gewalttätigem Extremismus zu schützen. Wie der Präsident bereits sagte, hatte bin Laden auch Pakistan den Krieg erklärt. Er hatte die Ermordung vieler unschuldiger Männer, Frauen, und Kinder in Pakistan angeordnet. In den letzten Jahren hat die Zusammenarbeit zwischen unseren Regierungen, dem Militär und den Strafverfolgungsbehörden den Druck auf Al Kaida und die Taliban erhöht, und diese Fortschritte müssen fortgesetzt werden; wir halten an unserer Partnerschaft fest.

Die Geschichtsbücher werden feststellen, dass der Tod bin Ladens in eine Zeit fiel, in der es eine große Bewegung für Frieden und Demokratie gab, eine Zeit, in der sich die Menschen im Nahen Osten und Nordafrika der extremistischen Indoktrination verweigerten und einen Weg des friedlichen, auf allgemeinen Rechten und Wünschen basierenden Fortschritts einschlugen. Es gibt keine bessere Zurückweisung für Al Kaida und ihre abscheuliche Ideologie.

Wir werden auf der ganzen Welt vorwärts drängen, unsere Partnerschaften und Netzwerke stärken, in eine positive Vision von Frieden und Fortschritt investieren und Mörder, die es auf unschuldige Menschen abgesehen haben, unermüdlich verfolgen. Der Kampf geht weiter, und wir werden nie nachgeben. Ich weiß, einige von Ihnen haben daran gezweifelt, dass dieser Tag jemals kommen würde, sie haben unsere Entschlossenheit und unsere Möglichkeiten infrage gestellt. Wir sollten uns allerdings in Erinnerung rufen, dass dies Amerika ist. Wir nehmen die Herausforderung an, wir lassen nicht nach, und wir erledigen unsere Aufgabe.

Gerade der heutige Tag erinnert mich an den Heldenmut und die Menschlichkeit, die die schwierigen Tage nach dem 11. September kennzeichneten. In New York, wo ich Senatorin war, war unsere Gemeinde verzweifelt, aber wir haben durchgehalten. Zehn Jahre später ist diese für Amerikaner charakteristische Einstellung ebenso stark wie je zuvor, und sie wird es immer bleiben. An diesem Tag sollten Amerikaner ebenso wie die Menschen in der übrigen Welt, in eine friedlichere und sicherere Zukunft blicken, sie sollten natürlich weiter wachsam bleiben, aber auch zunehmend auf das hoffen und an das glauben, was möglich ist.

Vielen Dank Ihnen allen.

Originaltext: Remarks on the Killing of Usama bin Ladin

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