Rede zum Gedenken an Richard Holbrooke

NEW YORK – (AD) – Nachfolgend veröffentlichen wir die unwesentlich gekürzte Rede von US-Außenministerin Hillary Rodham Clinton, die sie am 18. Februar 2011 anlässlich einer Reihe von Gedenkreden der Asia Society zum Tode von Richard Holbrooke hielt.

Richard Holbrooke war jemand, der instinktiv begriff, dass mutiges Handeln und große Ideen die Geschichte beeinflussen können.

So ging Richard auch an seine letzte Aufgabe in Afghanistan und Pakistan heran. Er nannte sie seinen schwierigsten Einsatz. Die Herausforderungen waren geradezu unbeschreiblich. Richard war der erste, der sie beim Namen nannte. Aber er wusste um die Bedeutung dieser Mission für unsere nationale Sicherheit und für die Zukunft einer so entscheidenden Region der Welt.

Wir haben Fortschritte gemacht, aber die Stammesgebiete entlang der Grenze zwischen Afghanistan und Pakistan sind noch immer das Epizentrum des gewalttätigen Extremismus, der Amerikaner und friedliebende Menschen überall bedroht.

Hier in New York, Richards Heimatstadt, müssen wir nicht daran erinnert werden, was auf dem Spiel steht. Vor fast zehn Jahren verübte die Al Kaida einen Terrorangriff, der in Afghanistan, ihrem von den Taliban kontrollierten Zufluchtsort, geplant und vorbereitet worden war. Dabei starben auf tragische Weise Tausende unserer Mitbürger und Menschen aus aller Welt.

Seitdem haben die Al Kaida und ihre Anhänger weiter unschuldige Menschen getötet und zum Töten angestachelt, sei es in Afghanistan und Pakistan, Madrid, London, Bali oder Istanbul. Diese Anschläge haben uns nur noch entschlossener gemacht. Wie Präsident Obama in West Point schon sagte: Wir haben uns diesen Kampf nicht ausgesucht, aber wir werden ihn ganz sicher zu Ende führen.

Seit diesem schrecklichen Tag im Jahr 2001 haben sich zwei aufeinander folgende Regierungen aus unterschiedlichen Bereichen des politischen Spektrums dem Ziel verpflichtet, die Terroristen, die uns angegriffen haben, und diejenigen, die ihnen Zuflucht gewähren, zu verfolgen. Dafür haben sie Leben und Vermögen von Amerikanern eingesetzt. Nach all dem wollen viele Amerikaner nun verständlicherweise wissen, wie wir die Ziele, die wir uns gesteckt haben, zu erreichen gedenken.

Die Menschen in der Region – nicht nur in Kabul oder Islamabad, sondern auch in Peking und Moskau, Delhi und Teheran – machen sich ebenfalls Gedanken um die langfristigen Absichten und Ziele der Vereinigten Staaten. Sie wollen wissen, ob wir ihnen wieder den Rücken zukehren werden wie 1989, nachdem sich die Sowjetunion aus Afghanistan zurückgezogen hatte.

Ich möchte heute einige dieser Fragen beantworten und auch näher auf eine neue Phase unserer diplomatischen Bestrebungen in Afghanistan eingehen. Gleich zu Beginn möchte ich ganz deutlich auf einige Hauptelemente zu sprechen kommen: auf unseren Feind, unser Ziel und unsere Strategie.

Zunächst zu unserem Feind. Trotz schwerer Verluste verfügen die Terroristen der Al Kaida, die uns am 11. September angegriffen haben, immer noch über gefährliche Fähigkeiten. Sie planen weiterhin groß angelegte, verheerende Anschläge auf der ganzen Welt und unterstützen und motivieren ihre regionalen Anhänger. Die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten sind weiterhin ihre Hauptangriffsziele. Vor 2001 fand die Al Kaida Unterschlupf in Afghanistan, das von den Taliban kontrolliert wurde. Die Al Kaida und die Taliban sowie verschiedene mit ihnen in Verbindung stehende Gruppen sind noch immer Verbündete und haben ihre Basis hauptsächlich in der Grenzregion zwischen Afghanistan und Pakistan. Um wieder Kontrolle über das Land zu erlangen, rebellieren die Taliban weiterhin mit aller Brutalität gegen die Regierung in Kabul. Die Taliban und die Al Kaida sind unterschiedliche Gruppen mit unterschiedlichen Zielen, aber beide sind unsere Gegner und Teil eines Terrornetzwerkes, das zerschlagen werden muss.

Nach seinem Amtsantritt ordnete Präsident Obama eine sorgfältige Überprüfung unserer Politik an und gab ein klares Ziel vor: die Al Kaida zu behindern, zu zerschlagen und zu besiegen und zu verhindern, dass sie in Zukunft die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten bedroht. Wir dürfen der Al Kaida nicht erlauben, ihren von den Taliban geschützten Zufluchtsort zu behalten und weiter Anschläge zu planen und dabei Länder zu destabilisieren, die schon weit zu viele Kriege erlebt haben. Die Region wird vom Tigris bis zum Indus nie ihr volles Potenzial entfalten, solange sie nicht von der Al Kaida und deren Glaubenslehre der Gewalt und des Hasses befreit ist. Dieses Ziel sollte alle Länder einen.

Um dieses Ziel zu erreichen, verfolgen wir eine dreigleisige Strategie, drei Komponenten, wenn Sie so wollen, die sich gegenseitig verstärken: eine militärische Offensive gegen Al-Kaida-Terroristen und aufständische Taliban, einen zivilen Feldzug zur Unterstützung der Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft in Afghanistan und Pakistan, um den Aufstand weniger attraktiv zu machen, sowie einen stärkeren diplomatischen Vorstoß, um den Konflikt in Afghanistan zu beenden und den Weg in eine neue und sicherere Zukunft der Region einzuschlagen.

Die ersten beiden Komponenten ebnen den Weg für den Erfolg der dritten, die auf einen von den Afghanen geleiteten Prozess abzielt, die geschwächten Taliban von der Al Kaida zu trennen und diejenigen einzubinden, die der Gewalt abschwören und eine afghanische Verfassung mit einer zunehmend stabilen afghanischen Regierung akzeptieren. Das würde die Al Kaida isolieren und zur Flucht zwingen.

Ich möchte uns alle daran erinnern, dass die Taliban sich nach dem 11. September 2001 dazu entschieden haben, sich der internationalen Gemeinschaft zu widersetzen und die Al Kaida zu schützen. Das war die falsche Entscheidung, und sie haben einen hohen Preis dafür bezahlt. Heute kristallisiert sich angesichts des zunehmenden Drucks durch unser Militär eine ähnliche Entscheidungsfrage für die Taliban heraus: die Bande zur Al Kaida zu durchbrechen, der Gewalt abzuschwören, die afghanische Verfassung zu respektieren und damit wieder Teil der afghanischen Gesellschaft zu werden oder dies abzulehnen und weiter die Konsequenzen einer Verbindung zu Al Kaida als Feind der internationalen Gemeinschaft zu tragen.

Sie können das nicht aussitzen, bis wir aufgeben. Sie können uns nicht besiegen. Und sie können sich dieser Entscheidung nicht entziehen.

Alle drei Komponenten sind Teil der Vision für einen Übergang in Afghanistan, die Präsident Obama im Rahmen der strategischen Überprüfung im Dezember nochmals bestätigte und die von der NATO beim letzten Gipfeltreffen in Lissabon so unterstützt wurde. Letztendlich müssen die Afghanen selbst die Verantwortung für ihre Zukunft übernehmen – für die Gewährleistung von Sicherheit, die Stärkung der Regierungsführung und für eine politische Lösung des Konflikts.

Dieser Übergang wird nächsten Monat offiziell eingeleitet – beginnend mit Truppenreduzierungen ab Juli – und dann abhängig von den Bedingungen vor Ort fortgesetzt werden. Der Prozess wird Ende 2014 abgeschlossen werden. Je weiter der Übergang voranschreitet und je mehr die afghanische Führung im Land an Stärke gewinnt, desto gangbarer wird sich der Prozess der politischen Versöhnung gestalten.

Mit einer erfolgreichen Versöhnung wiederum nimmt die Bedrohung für die afghanische Regierung ab, womit der Übergang nachhaltiger wird. Ein entscheidender Faktor ist das anhaltende Engagement der Vereinigten Staaten, ihrer Verbündeten und Partner, das die Stabilität der afghanischen Regierung und die Bestandskraft einer verantwortlichen politischen Lösung unterstützen wird. Das ist die Vision des Übergangs, die wir anstreben und die von der afghanischen Regierung geteilt wird.

Wir stehen also vor einer großen Herausforderung mit vielen Unwägbarkeiten. Ich möchte jetzt jede einzelne Komponente – die militärische, die zivile und die diplomatische – ansprechen und erklären, wie sie zusammenpassen und wie wir durch sie unsere umfassenderen Ziele erreichen.

Zunächst, auf militärischer Seite, die Truppenaufstockung, im Rahmen derer Tausende amerikanische und verbündete Soldaten nach Afghanistan entsandt wurden, um der Al Kaida dort ihren Zufluchtsort zu nehmen und die Dynamik der Taliban zu durchbrechen. Mittlerweile arbeiten auch mehr und besser ausgebildete afghanische Sicherheitskräfte Seite an Seite mit unseren Soldaten. Wir zollen diesen Frauen und Männer aller Nationen sowie ihren zivilen Kollegen Tribut für die Opfer, die sie bringen, und den Dienst, den sie leisten. Sie bringen ihr Leben in Gefahr und viele haben ihren Einsatz tragischerweise auch mit ihrem Leben bezahlt. Sie fechten einen sehr harten Kampf aus. Aber wir sitzen alle im gleichen Boot. Dank ihrer Anstrengungen konnte die rapide schlechter werdende Sicherheitssituation, die die Regierung Obama im Januar 2009 übernommen hat, stabilisiert werden. Der Ausbau der Sicherheitsmaßnahmen in den Dörfern vor Ort hat dazu beigetragen, schwache Bevölkerungsgruppen zu schützen. Die Sicherheit in Kabul und in Schlüsselprovinzen wie Helmand und Kandahar hat sich gebessert. Die aufständischen Taliban haben an Dynamik verloren und in einigen Fällen hat sich die Situation sogar zu ihren Ungunsten umgekehrt.

Die grundlegende Verbindung zwischen unseren Bestrebungen in Afghanistan und den Zufluchtsorten der Extremisten und Drahtzieher in Pakistan war uns von Anfang an bekannt. Es ist kein Geheimnis, dass wir mit Pakistan nicht immer einer Meinung waren, wie man mit diesen Bedrohungsszenarien umgehen oder wie die Zukunft Afghanistans aussehen sollte. Aber infolge der zunehmenden Zusammenarbeit unserer Regierungen, des Militärs und der Strafverfolgungsbehörden sowie entschlossener Maßnahmen der pakistanischen Armee waren wir in der Lage, unsere Anstrengungen zur Bekämpfung des Terrorismus und unsere nachrichtendienstlichen Bestrebungen drastisch auszuweiten.

Auf beiden Seiten der Grenze nimmt der Druck zu. Folglich fühlen sich die Terroristen, die uns am 11. September angegriffen haben, stärker bedroht denn je. Die Führung der Al Kaida ist geschwächt, sie hat weniger und unsicherere Zufluchtsorte in den Grenzregionen und ihre Fähigkeit, terroristische Aktionen vorzubereiten und durchzuführen, ist signifikant geschwächt worden. Aber täuschen Sie sich nicht, die Al Kaida ist immer noch eine ernsthafte Bedrohung. Allerdings wird es schwieriger für sie, Gelder zu beschaffen, Rekruten auszubilden und Anschläge außerhalb der Region durchzuführen. Noch dazu haben wir den Verbündeten der Taliban und ihren Anhängern Gründe geliefert, die Klugheit ihrer Loyalität zu überdenken.

Lassen Sie mich nun auf den zweiten Bereich zu sprechen kommen. Ich weiß, es gibt im Kapitol und andernorts Stimmen, die meinen, wir bräuchten nichts weiter als Gewehre, Bomben und Soldaten, um unsere Ziele in Afghanistan zu erreichen. Aber unsere Befehlshaber vor Ort wären die ersten, die sagen würden, dass dies eine kurzfristige und letztlich kontraproduktive Sichtweise wäre. Wir werden nie genug Aufständische töten können, um diesen Krieg dadurch zu gewinnen. Der militärische Feldzug muss mit energischen zivilen Bestrebungen einhergehen, die der afghanischen Regierung helfen, gegenüber dem eigenen Volk an Glaubwürdigkeit zu gewinnen, den Aufständischen Alternativen zu bieten und Anreize für alle Afghanen zu schaffen, der Gewalt abzuschwören und auf eine bessere Zukunft hinzuarbeiten. So werden Aufstände beendet.

Deshalb gehen unsere militärischen Bestrebungen mit entsprechenden zivilen Bestrebungen einher, im Rahmen derer wir die Zahl der Diplomaten, Entwicklungsexperten und anderer Spezialisten vor Ort verdreifacht haben. Diese Anstrengungen bauen aufeinander auf und beide unterstützen den Übergangsprozess. Es arbeiten jetzt mehr als 1.100 zivile Experten aus neun Bundesbehörden in Afghanistan in den verschiedensten Bereichen – von der Verbesserung der Landwirtschaft und der Erweiterung der Infrastruktur über die Eindämmung des Drogenhandels bis hin zur Ausbildung afghanischer Beamter.

Wir haben auch in Pakistan unsere zivilen Bestrebungen ausgedehnt, unter anderem durch das Kerry-Lugar-Berman-Hilfsprogramm, mit dem Projekte für Energie und Wirtschaft in Pakistan finanziert werden.

Nach den verheerenden Überflutungen haben wir die Hilfsprogramme aufgestockt, und im Rahmen unseres strategischen Dialogs wird auf allen Ebenen eine Routine der Zusammenarbeit zwischen unseren Regierungen aufgebaut. Natürlich gilt es in unseren Beziehungen noch maßgebliche Herausforderungen zu überwinden. Auf beiden Seiten gibt es noch Misstrauen. Wir müssen besonnen zusammenarbeiten, damit Missverständnisse und Meinungsverschiedenheiten die Fortschritte, die wir in den vergangenen zwei Jahren gemacht haben, nicht zunichte machen.

In beiden Länder zahlt sich die Entscheidung, zusätzliche zivile Ressourcen einzusetzen also aus. Gleichzeitig sind wir entschlossen, weiter nach sinnvolleren und besseren Einsatzmöglichkeiten für diese Ressourcen zu suchen.

Die Haushaltsvorlage, die Präsident Obama am Montag ankündigte, sieht die Bereitstellung der Ressourcen vor, die unsere Diplomaten und Entwicklungsexperten benötigen, wenn sie dem Militär bei der Erfüllung der Aufgaben als effektive Partner zur Seite stehen sollen. Sich von der zivilen Seite der Mission zurückzuziehen, wie einige dem Kongress vorliegende Finanzierungsvorschläge es momentan vorsehen, wäre ein schwerwiegender Fehler.

Ich bin mir der schwierigen Haushaltslage, in der wir uns befinden, durchaus bewusst. Aber Tatsache ist, dass diese zivilen Maßnahmen entscheidend für unsere nationale Sicherheit sind.

Denken Sie an den langfristigen Preis, den wir für unseren Rückzug aus Afghanistan nach 1989 gezahlt haben. Verteidigungsminister Robert Gates sagte dem Streitkräfteausschuss des Senats erst gestern, dass wir uns nicht leisten können, den gleichen Fehler noch einmal zu machen. Oder denken Sie an den Irak, wo der Übergang zu einem von Zivilisten geführten Einsatz dem Pentagon eine Ersparnis von 45 Milliarden US-Dollar einbringt, wobei das Außenministerium und das US-Amt für internationale Entwicklung lediglich vier Milliarden US-Dollar zusätzlich bewilligen mussten, um ein fundiertes Engagement für Regierung und Menschen im Irak zu gewährleisten. Das ist in jedem Fall ein gutes Ergebnis. Wir arbeiten also mit dem Kongress zusammen um sicherzustellen, dass das zivile Engagement in Afghanistan und Pakistan auch in den kommenden Jahren die erforderliche Unterstützung erhält.

Ich werde allerdings die Tatsache, dass die afghanische Regierung von Zeit zu Zeit nicht mit unserer Politik übereinstimmt, nicht schönreden. Und wir können die Herausforderungen für unsere zivilen Bestrebungen in Afghanistan nicht leugnen. Korruption ist weiterhin ein großes Problem. Die Bekämpfung von Betrug und Verschwendung ist eine unserer höchsten Prioritäten. Bei unserem zivilen Einsatz haben wir auf unsere erweiterte Präsenz vor Ort gesetzt und mehr Experten entsandt, um unseren Entwicklungsprojekten praktische Unterstützung zu bieten. Wir haben uns mit dem Militär zusammengetan, um Auftragnehmer stärker zu kontrollieren. Und wir arbeiten mit afghanischen Institutionen zusammen, die wir direkt finanzieren, um ihnen bei der Verbesserung der Buchführung und der Rechenschaftspflicht behilflich zu sein.

Der militärische Einsatz schwächt also die Aufständischen und setzt sie unter Druck, Alternativen zum bewaffneten Widerstand in Betracht zu ziehen. Der zivile Einsatz schafft wirtschaftliche und soziale Anreize, sich in eine friedliche Gesellschaft zu integrieren. Gemeinsam bereiten die beiden Seiten des Einsatzes den Boden für einen politischen Prozess, der erfahrungsgemäß die effektivste Methode ist, einen Aufstand zu beenden.

Und damit wären wir beim dritten Bereich. Bei der von Präsident Obama angestoßenen Überprüfung unserer Politik im Dezember wurde deutlich, ich zitiere, dass „unsere zivilgesellschaftlichen und militärischen Bestrebungen eine dauerhafte und wünschenswerte politische Lösung des Konflikts unterstützen müssen. 2011 werden wir unsere regionalen diplomatischen Bestrebungen vertiefen, um einen politischen Prozess zu ermöglichen, der Frieden und Stabilität in Afghanistan fördert.“

Wie versprochen starten wir eine diplomatische Initiative, um diesen Konflikt auf ein politisches Ergebnis hinzusteuern, das die Allianz zwischen Taliban und Al Kaida zerstört, den Aufstand beendet und hilft, nicht nur die Verhältnisse in Afghanistan, sondern in der gesamten Region zu stabilisieren.

Als Leiter dieser Bemühungen hatten wir stets Richard Holbrooke ins Auge gefasst. Er war ein Architekt unserer integrierten militärischen, zivilen und diplomatischen Strategie und sein Verlust ist uns schmerzlich bewusst.

Aber Richard hat ein solides Fundament hinterlassen. In den vergangenen zwei Jahren hat er ein außergewöhnliches Team geschaffen und solide Arbeitsbeziehungen zu unseren Verbündeten und regionalen Partnern aufgebaut.

Und ich freue mich, heute ankündigen zu können, dass Präsident Obama und ich Botschafter Marc Grossman, einen ehemaligen Diplomaten und einen von Richards meistgeschätzten Kollegen, als unseren neuen Sondergesandten für Afghanistan und Pakistan in den Dienst zurückberufen haben. Botschafter Grossmans erster Einsatz im auswärtigen Dienst führte ihn nach Pakistan. Er kennt unsere Verbündeten und weiß, wie man gemeinsame Maßnahmen einsetzt, um gemeinsame Herausforderungen anzugehen. Er hat bei den Gesprächen von Dayton eine entscheidende Rolle gespielt, und in einem denkwürdigen Buch beschrieb ihn Richard als „einen der hervorragendsten Karrierediplomaten.“ Botschafter Grossman trat in den Neunzigerjahren als Abteilungsleiter für europäische Angelegenheiten schon einmal Richards Fußstapfen, und ich bin absolut überzeugt von seiner Fähigkeit, die Arbeit sofort anzupacken.

Botschafter Grossman und sein behördenübergreifendes Team werden die ganze Bandbreite der politischen Möglichkeiten ausschöpfen, um eine verantwortungsvolle, von den Afghanen angeführte Aussöhnung zu unterstützen, die den Konflikt friedlich beendet, und sich aktiv in Ländern der Region und der internationalen Gemeinschaft engagieren, um diesen Prozess zu fördern.

Wie ich bereits erwähnte, wurden von Richard und seinem Team, aber auch von den Afghanen selbst, schon wichtige Grundlagen geschaffen.

Viele Kämpfer auf unterster Ebene haben sich dem Aufstand nicht aufgrund ideologischer Überzeugungen angeschlossen, sondern weil sie die Bezahlung lockte. Daher hat die internationale Gemeinschaft im vergangenen Jahr in London finanzielle Unterstützung für das umfassende Programm der afghanischen Regierung zugesagt, das sie vom Schlachtfeld holen und wieder in die Gesellschaft eingliedern soll.

Wenn der militärische Druck stärker wird, könnten noch mehr Aufständische nach Alternativen zur Gewalt suchen. Und das gilt nicht nur für Kämpfer auf unterster Ebene. Wir glauben ebenso wie die Afghanen, dass die Aufstockung militärischer und ziviler Einsatzkräfte und die dadurch verbesserte Sicherheit und Regierungsfähigkeit eine Chance sind, ernsthaft einen verantwortungsvollen Aussöhnungsprozess anzugehen, der von den Afghanen geleitet und durch intensive regionale diplomatische Bemühungen und starken amerikanischen Rückhalt gestützt wird.

Ein solcher Prozess müsste von allen größeren ethnischen und politischen Gruppierungen Afghanistans angenommen werden. Damit das funktioniert, müssen alle ein Interesse am Ergebnis und eine Verantwortung für dessen Erreichen haben.

Präsident Karzai hat einen guten Anfang gemacht, als er im Juni mit breiter Unterstützung eine Friedensdschirga einberief, die einen Rahmen für die nationale Aussöhnung schuf. Dann schuf er den „Hohen Friedensrat“, dem Vertreter aus ganz Afghanistan angehören. Leitende Mitarbeiter dieses Rates treffen sich in wichtigen Provinzen im ganzen Land zu Gesprächen mit Stammesführern, der Zivilgesellschaft, Frauen und Dorfbewohnern, um von ihren Hoffnungen und Sorgen im Zusammenhang mit dem Aussöhnungsprozess zu erfahren. Sie arbeiten daran lokale Räte zu bilden, um die Aufständischen und die Gemeinschaft mit einzubeziehen.

Die Vereinigten Staaten unterstützen diese Bemühungen Afghanistans. In den vergangenen zwei Jahren haben wir klare Vorgaben für die Aussöhnung mit den Aufständischen gemacht: Sie müssen auf Gewalt verzichten, ihr Bündnis mit der Al Kaida aufgeben und sich an die afghanische Verfassung halten. Diese Ergebnisse müssen auf jeden Fall am Ende von Verhandlungen stehen. Das ist der Preis für eine politische Lösung und ein Ende der militärischen Aktionen, die ihre Führung treffen sollen und ihre Reihen dezimieren.

Wenn ehemals militante Kämpfer bereit sind, sich an diese Vorgaben zu halten, könnten sie anschließend am politischen Leben des Landes im Rahmen ihrer Verfassung teilhaben.

Ich weiß, dass eine Aussöhnung mit einem Gegner, der so brutal ist wie die Taliban, abstoßend, ja geradezu undenkbar erscheint. Und Diplomatie wäre einfach, wenn wir uns nur mit unseren Freunden unterhalten müssten. Aber so kann man keinen Frieden schaffen. Präsident Reagan hatte das begriffen, als er sich mit den Sowjets an einen Tisch setzte. Und Richard Holbrooke hat das zu seiner Lebensaufgabe gemacht. Er verhandelte von Angesicht zu Angesicht mit Milosevic und beendete einen Krieg.

Es wird nicht einfach sein. Einstige Gegner werden erkennen müssen, dass in ihrem eigenen Interesse ist, ihren Groll beiseite zu schieben. Militante Taliban werden sich entscheiden müssen, dass es besser ist, im Rahmen des afghanischen politischen Systems zu arbeiten, als an der Seite der Al Kaida in zerbombten Höhlen einen aussichtslosen Kampf zu kämpfen. Die afghanische Regierung muss bereit sein, eine breitere Basis zu repräsentieren und Rechenschaft abzulegen. Alle Parteien werden sich zu einem pluralistischen politischen System bekennen müssen, in dem die Menschenrechte aller Afghanen gewahrt werden.

Die Vereinigten Staaten sind entschlossen, den Afghanen bei der Verteidigung dieser Rechte zu helfen. Wir werden unsere Werte nicht aufgeben und keinen politischen Prozess unterstützen, der die sozialen Fortschritte des vergangenen Jahrzehnts zunichte macht.

Die afghanische Regierung muss die Rechte aller Afghanen wahren, insbesondere die der Frauen und Minderheiten. Ich weiß aufgrund der Ereignisse auf dem Balkan, in Nordirland und an anderen Orten, die sich von Konflikten erholen, dass die Beteiligung von Frauen und zivilgesellschaftlichen Gruppen erforderlich sein wird, um einen gerechten und dauerhaften Frieden zu schaffen.

Die Vereinigten Staaten unterstützen die Beteiligung von Frauen auf allen Ebenen des Aussöhnungsprozesses, denn wir sind davon überzeugt, dass das Potenzial für nachhaltigen Frieden unterwandert wird, wenn Frauen mundtot gemacht oder ausgegrenzt werden. Afghanische Frauen haben einen maßgeblichen Beitrag zur Friedensdschirga geleistet, sie müssen weiterhin Teil des Hohen Friedensrates bleiben und werden auf regionaler und lokaler Ebene eine wichtige Funktion haben, wenn sich die Aussöhnung verfestigt.

Dass Erreichen und die Aufrechterhaltung einer Aussöhnung wird von der Beteiligung und Unterstützung der Nachbarstaaten Afghanistans abhängen, einschließlich und insbesondere von Pakistan. Lassen Sie mich ganz deutlich sagen: Wir müssen alle an einem Strang ziehen, damit das funktioniert. Ob wir in Kabul, Islamabad oder Washington leben, wir müssen eine gemeinsame Vision für die Zukunft haben. Die Vision eines stabilen, unabhängigen Afghanistans ohne Aufständische und Stellvertreterkonflikte in Nachbarstaaten. Die Vision einer Region ohne die Al Kaida.

Wie wir von Anfang an betont haben, spielt Pakistan dabei eine entscheidende Rolle. Dieses Land mit beinahe 170 Millionen Einwohnern verfügt über Atomwaffen und hat eine enge Bindung und großes Interesse an Afghanistan. In den Achtzigerjahren haben die Vereinigten Staaten und andere Länger gemeinsam mit Pakistan die Afghanen in ihrem Kampf gegen die sowjetische Besatzung unterstützt. Pakistan ist noch immer Zufluchtsort für Tausende Flüchtlinge des aktuellen Konflikts. Leider ist das historische Misstrauen zwischen Pakistan und Afghanistan weiterhin ein wichtiger Grund für die Instabilität der Region und langfristig nicht im Sinne der Menschen in den beiden Ländern.

Pakistan hat berechtigte Sorgen, die anerkannt und von der afghanischen Regierung in einem Aussöhnungsprozess angesprochen werden und durch Maßnahmen für Transparenz und Sicherheit angegangen werden sollten. Aber auch Pakistan muss einen Beitrag leisten, dazu zählen entscheidende Maßnahmen, um sicherzustellen, dass die afghanischen Taliban ihre Aufstände nicht weiter von pakistanischem Gebiet aus steuern können. Der Druck der pakistanischen Seite wird helfen, die Taliban an den Verhandlungstisch und weg von der Al Kaida zu drängen.

Damit die Aussöhnung erfolgreich ist, wird Pakistan Teil des Prozesses sein müssen. Pakistan wird die afghanische Souveränität achten und mit Afghanistan zusammenarbeiten müssen, um die regionale Stabilität zu erhöhen. Wir wissen, dass Kooperation möglich ist. Erst im vergangenen Monat haben Afghanistan und Pakistan mit der formellen Ratifizierung eines lang ersehnten Transithandelsabkommens, das die wirtschaftlichen Chancen auf beiden Seiten der Grenze deutlich erhöhen wird, indem es neue Märkte und Handelsrouten für afghanische und pakistanische Waren öffnet, einen deutlichen Schritt nach vorn gemacht. Das war eine der Errungenschaften, auf die Richard besonders stolz war, weil die Verhandlungen darüber bereits seit den frühen Sechzigerjahren im Gange waren.

Diese Zusammenarbeit auf Sicherheitsthemen und Aussöhnung auszuweiten liegt im Interesse beider Länder und wird in der Zukunft ein Schwerpunkt unserer diplomatischen Bemühungen sein.

Abgesehen von Pakistan werden alle afghanischen Nachbarstaaten und Staaten der Region – Indien und Iran, Russland und China und die zentralasiatischen Länder – von einer verantwortungsvollen politischen Lösung in Afghanistan und von der Beseitigung der Rückzugsgebiete der Al Kaida in den Grenzgebieten und dem Export von Extremismus in ihre Länder profitieren. Das würde die Bedrohung ihrer Bürger durch Terroristen und Drogen reduzieren, neue Handelschancen eröffnen und den freien Verkehr von Energie und Ressourcen in der gesamten Region vereinfachen. Es könnte auch helfen, andere regionale Konflikte friedlich zu lösen.

Die Nachricht, dass Indien und Pakistan einen Dialog wiederaufnehmen, der Vertrauen aufbauen soll, ist ermutigend, und wir bestärken sie in diesem Sinne darin, einen politischen Prozess in Afghanistan zu unterstützen. Wir erwarten von ihnen – und von allen Nachbarstaaten Afghanistans –, dass sie die afghanische Souveränität achten, also bereit sind, Rivalitäten nicht innerhalb der afghanischen Grenzen auszutragen, und die Aussöhnung und Bestrebungen zu unterstützen, der Al Kaida und dem Syndikat des Terrorismus jegliche Rückzugsmöglichkeit zu entziehen. Im Gegenzug darf Afghanistan nicht erlauben, dass sein Territorium gegen andere eingesetzt wird.

Die Vereinigten Staaten werden ihre Bestrebungen für eine breite internationale Unterstützung für eine Aussöhnung in Afghanistan verstärken.

Anfang März werden wir als Gäste der Organisation der Islamischen Konferenz im saudi-arabischen Dschidda mit unseren Partnern von der Internationalen Kontaktgruppe zusammentreffen. Die Kontaktgruppe, für deren Aufbau sich Richard so stark engagiert hat, bringt mehr als 40 Länder und internationale Organisationen zusammen, darunter eine wachsende Zahl mehrheitlich muslimischer Länder. Die afghanischen Politiker des Hohen Friedensrates werden mit uns zusammentreffen und die Aussöhnungsbemühungen überprüfen.

Einige Tage darauf werden die Minister der NATO in Paris zusammentreffen, um die Übergangsplanung zu überprüfen. Wir bereiten uns auch auf eine Konferenz in Deutschland vor, die in der zweiten Hälfte dieses Jahres anlässlich des 10. Jahrestags der Bonner Konferenz stattfinden wird und von der wir hoffen, dass sie ein wichtiger Meilenstein für den politischen Prozess sein wird.

Während diese Arbeit voranschreitet, werden die Vereinigten Staaten ununterbrochen die Al Kaida und jene Taliban verfolgen, die sich weigern, der Gewalt zu entsagen, während wir an der Verbesserung der Sicherheit, Entwicklung und Regierungsfähigkeit vor Ort arbeiten werden. Die Taliban haben die Wahl: Sie können Teil der Zukunft Afghanistans werden oder sich unnachgiebigen Angriffen ausgesetzt sehen.

Damit eine Aussöhnung stattfinden kann und unumkehrbar ist, muss die afghanische Regierung allen Menschen im Land Sicherheit bieten. Die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten werden also weiterhin afghanische Kräfte ausbilden, beraten und unterstützen.

Wir arbeiten mit Präsident Karzai an einer verantwortungsvollen Übergabe der Sicherheit an Afghanistan, womit wir in den nächsten Wochen beginnen werden. Im Juli werden wir beginnen, die Zahl unserer Soldaten aufgrund der vor Ort gegebenen Bedingungen zu reduzieren. Die Übergabe der Führung an Afghanistan wird bis Ende 2014 abgeschlossen sein. Das gibt der afghanischen Regierung die notwendige Zeit und den notwendigen Raum, um Sicherheitskräfte, Ministerien und Institutionen, die die Aussöhnung dauerhaft und nachhaltig machen werden, weiter aufzubauen.

Ebenso wichtig ist, dass ein politischer Prozess, der die Aufständischen vom Schlachtfeld holt, es unseren Soldaten leichter machen wird, den afghanischen Sicherheitskräften die Verantwortung zu übergeben und den Übergang voranzutreiben.

Wir haben deutlich gesagt, dass dieser Übergang nicht das Ende unseres Engagements für die Menschen der Region bedeutet. Die NATO hat Afghanistan ihr dauerhaftes militärisches und finanzielles Engagement versprochen, das über die Vollendung des Übergangs im Jahr 2014 hinausgehen wird.

Auf Bitten der afghanischen Regierung hin werden die Vereinigten Staaten außerdem Verhandlungen über eine neue Partnerschaftserklärung (Strategic Partnership Declaration) aufnehmen. Sie wird einen langfristigen Rahmen für unsere bilaterale Zusammenarbeit in den Bereichen Sicherheit, Wirtschaft und soziale Entwicklung sowie beim Aufbau von Institutionen bilden.

Diese neue Partnerschaft wird unseren anhaltenden strategischen Dialog mit Pakistan ergänzen. Die Entwicklung dieser Beziehungen und die Vertiefung unseres Engagements in wichtigen Nachbarländern sind entscheidend für die Schaffung von Stabilität und Vertrauen in der Region.

Die Vereinigten Staaten werden immer in der Lage sein, ihre Bevölkerung und ihre Interessen zu schützen. Aber unser dauerhaftes Engagement sollte keinesfalls als Wunsch der Vereinigten Staaten oder unserer Verbündeten missverstanden werden, Afghanistan gegen den Willen seiner Bevölkerung zu besetzen. Wir haben Achtung vor der stolzen afghanischen Geschichte des Widerstands gegen Fremdherrschaft und wollen keine dauerhaften Militärbasen in Afghanistan errichten oder eine Präsenz schaffen, die eines der Nachbarländer Afghanistans bedrohen würde.

Die Vereinigten Staaten werden die Region nicht allein lassen. Wir werden die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen. Unser Engagement ist ernsthaft und dauerhaft.

Aber unabhängig davon, was die Vereinigten Staaten zu tun bereit sind und unabhängig von der Arbeit der internationalen Gemeinschaft sind letztendlich die Bewohner und die Politiker der Region selbst für ihre Zukunft verantwortlich.

Die Pakistaner sind des Terrors und der Unruhen müde. Die Afghanen haben drei Jahrzehnte der Kriege erlitten. Aber die Politiker beider Länder, ob Regierungsangehörige oder andere, haben nicht genügend unternommen, um einen anderen Weg einzuschlagen.

Trotz der Maßnahmen der Regierung in den vergangenen zwei Jahren ist es um die Staatsfinanzen Pakistans weiterhin schlecht bestellt. Energieengpässe behindern das Wirtschaftswachstum und verursachen politische und soziale Instabilität.

Ständige Selbstmordanschläge – darunter auch die tragische Ermordung von 31 Unschuldigen durch einen Selbstmordattentäter in Schuluniform – unterstreichen die permanente Bedrohung durch gewalttätigen Extremismus. Und haarsträubender, nicht gerechtfertigter Anti-Amerikanismus wird diese Probleme nicht lösen.

Die Vereinigten Staaten sind bereit, der pakistanischen Regierung dabei zu helfen, diese Herausforderungen anzugehen. Sie hat bereits einige Reformen beschlossen, die auf die Stabilisierung der Wirtschaft abzielen. Die eigentliche Bestandsprobe wird in ihrer Umsetzung, Unterstützung und Erweiterung liegen. Die Führung Pakistans muss noch sehr viel für die Reduzierung der Korruption, den Wiederaufbau nach den Überschwemmungen des letzten Sommers und Fortschritte bei der Eliminierung von Extremisten und ihrer Rückzugsräume tun.

Die Bevölkerung Afghanistans erwartet von ihrer Regierung auch eine positive Vision für die Zukunft. Präsident Karzais Versprechen, die Transparenz zu erhöhen, grundlegende Versorgungsleistungen zu verbessern und die Korruption zu verringern, ist ein Anfang. Aber die Menschen in seinem Land wollen, dass auf Worte Taten folgen. Sie werden starke und unabhängige demokratische Institutionen wie Gerichte und Wahlgremien verlangen, die ihre Rechte absichern. Und sie werden insbesondere Ergebnisse fordern, die Veränderungen für ihr Leben bringen.

Politiker beider Länder werden entscheiden müssen, welche Zukunft sie ihren Kindern und Enkelkindern hinterlassen wollen.

Wie diese Zukunft aussieht, wird zu einem nicht geringen Teil davon abhängen, wie erfolgreich der politische und diplomatische Prozess sein wird, den ich heute beschrieben habe. Solange Politiker in Kabul und Islamabad sich mit Misstrauen begegnen, solange die Taliban Rückzugsgebiete haben und von dort aus Kämpfe anzetteln können, solange die Al Kaida überall in der Region operiert, sind die Aussichten auf Fortschritt gering.

Letzten Monat – oder genauer gesagt vor zwei Monaten, im Dezember – habe ich, kurz bevor die Proteste in Tunesien und Ägypten begannen, davor gewarnt, dass die Fundamente der Region zu versinken drohten. In Afghanistan und Pakistan werden diese Fundamente Stein für Stein von Konflikten zerstört. Versöhnung und Reformen bieten einen Ausweg.

In Südasien leben beinahe 1,5 Milliarden Menschen. Sie sind begabt, arbeiten hart, haben eine reiche Kultur und viel Unternehmergeist. Wenn die Länder der Region ihre historisch begründeten Konflikte hinter sich lassen und zusammenarbeiten können, um die Chancen des 21. Jahrhunderts zu nutzen, sind dem, was sie erreichen können, keine Grenzen gesetzt.

Unser Freund Richard Holbrooke glaubte, dass eine bessere Zukunft für Afghanistan, Pakistan und die übrige Region möglich ist. Er beobachtete einmal, und ich zitiere, dass sich „in jedem Krieg dieser Art stets ein Fenster für diejenigen findet, die aus der Kälte hineinkommen möchten. Wenn sie bereit sind, die Voraussetzungen zu akzeptieren und einzutreten […] muss Platz für sie sein.“

Das waren seine Worte. Und das ist die Politik der Vereinigten Staaten. Daraus wird vielleicht nicht morgen oder übermorgen Frieden entstehen, aber sie ermöglicht uns die besten Chancen. Und ganz besonders bietet sie den Menschen in Afghanistan und Pakistan die besten Chancen, die so sehr eine andere Zukunft verdienen. Die Vereinigten Staaten werden ihnen als Partner zur Seite stehen, um ihnen dabei zu helfen, das zu erreichen, wenn sie diesen Weg wählen.

Vielen Dank Ihnen allen.

Originaltext: Remarks at the Launch of the Asia Society’s Series of Richard C. Holbrooke Memorial Addresses

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