Globale Gesundheitsinitiative

WASHINGTON – (AD) – Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von US-Außenministerin Hillary Rodham Clinton zur Globalen Initiative für Gesundheit vom 16. August 2010.

Vielen Dank. Ich freue mich sehr, wieder hier an der School of Advanced International Studies (SAIS) zu sein und danke Dean Einhorn für die warmherzige und aufmerksame Einführung. Die SAIS ist eine außergewöhnliche Bildungsinstitution, und ich sehe die Ergebnisse ihrer Arbeit jeden Tag, Ihrer Forschung, Ihrer Studien, Ihrer Vorbereitung. Wir sind stolzer Arbeitgeber vieler SAIS-Absolventen, und ich hoffe, dass in den nächsten Jahren noch mehr von Ihnen hinzu kommen werden.

Neben den Beiträgen, die Johns Hopkins auf den Gebieten der Diplomatie und des Völkerrechts geleistet hat, möchte ich darauf eingehen, was Dean Einhorn über den Beitrag zum Bereich Gesundheit gesagt hat. Hopkins verfügt natürlich über ausgezeichnete Ausbildungseinrichtungen für Mediziner und Krankenschwestern sowie über die Bloomberg School für öffentliche Gesundheit. Das Motto dieser Schule, „Gesundheit schützen, Leben retten – Millionen auf einmal“, umschreibt sowohl die Möglichkeiten als auch die Verantwortung, die mit dem Streben nach mehr Gesundheit einhergehen, sei es hier in unserem eigenen Land oder weltweit. Bahnbrechende Neuentwicklungen und neue Erkenntnisse darüber, wie man Krankheiten bekämpft und Leben rettet, erhöhen noch die Verantwortung, die wir als Forscher, Lehrer, Studenten, als Beamte und als ganzes Land haben. Meiner Meinung nach muss jeder von uns Mittel und Wege finden, den Menschen die Lösungen zu bringen, die sie brauchen, wo auch immer sie sich befinden mögen.

Viele, die im globalen Gesundheitswesen arbeiten, sind heute hier, auch Vertreter aus einigen Partner- und Geberländern, Nichtregierungsorganisationen, dem Privatsektor, multilateralen Institutionen und öffentlich-privaten Unternehmen. Ich möchte daher die herausragenden Beiträge würdigen, die Sie alle zur Rettung von Leben auf der ganzen Welt, oft Millionen auf einmal, leisten.

Ich möchte heute mit Ihnen darüber sprechen, wie die Regierung Obama auf dem langjährigen Engagement unseres Landes für globale Gesundheit aufbaut, indem sie mehr Menschen an mehr Orten lebensrettende Prävention, Behandlung und Versorgung bietet.

Dadurch zeichnet sich die amerikanische Führungsstärke in der Welt von heute aus. Das Thema liegt mir auch persönlich sehr am Herzen. In den letzten 20 Jahren hatte ich das Privileg, im Namen unseres Landes viele Teile der Welt zu besuchen. Auf meinen Reisen habe ich unzählige Menschen kennengelernt, die der lebende Beweis dafür sind, was erfolgreiche Weltgesundheitsprogramme leisten können.

Ich habe HIV-positive Landwirte in Kenia getroffen, die dank antiretroviraler Medikamente jetzt die Kraft haben, den Tag auf dem Feld zu verbringen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen; Kinder in Angola, die jeden Morgen unter Moskitonetzen aufwachen und dann voller Wissensdurst in die Schule gehen, ohne unter Malaria zu leiden; junge Mütter in Indonesien, die stolz ihre gesunden Babys vorzeigen, die mithilfe ausgebildeter Hebammen auf die Welt kamen; Männer und Frauen, die ohne Krankheiten aufwuchsen, weil sie als Kinder gegen Polio und Masern geimpft wurden.

Dies sind nur einige, wenige Aspekte der Weltgesundheit, die ich gesehen habe – Menschen, die nicht nur am Leben sind, sondern als Eltern, Arbeitnehmer und Bürger einen Beitrag leisten, dank Regierungen, Organisationen, Stiftungen und Universitäten wie Johns Hopkins, die zusammenarbeiten, um mehr Orten auf der Welt medizinische Versorgung und Aufklärung über gesunde Verhaltensweisen zu bringen.

Dies sind auch Aspekte amerikanischen Engagements. Keine Nation hat je mehr für eine weltweite Verbesserung der Gesundheit getan. Wir haben bei einigen der größten Errungenschaften unserer Zeit im Bereich Gesundheit den Weg vorgegeben. Die Menschheit litt Tausende von Jahren unter den Pocken, bis wir mit der Kampagne der Weltgesundheitsorganisation in den Sechziger- und Siebzigerjahren dazu beigetragen haben, sie auszurotten. Das erweiterte Impfprogramm werden fast 80 Prozent der Kinder auf der Welt mit lebensrettenden Impfstoffen versorgt. Vor 36 Jahren, als das Programm eingeführt wurde, waren es lediglich 5 Prozent. Zum Großteil wurde dies durch amerikanische Steuergelder und Unterstützung ermöglicht. Die weltweite Verbreitung von Spurenelementen, für die wir den Weg geebnet haben, hat die Gesundheit von Millionen kleinen Kindern und schwangeren Frauen geschützt.

Wir sind weltweit führend bei der Bekämpfung vernachlässigter Tropenkrankheiten. Allein in den vergangenen vier Jahren haben wir 59 Millionen Menschen behandelt. Jedes Jahr tragen wir zur Prävention und Behandlung von Malaria bei mehr als 50 Millionen Menschen bei, und wir stellen fast 60 Prozent – 60 Prozent – der weltweiten Spendenfinanzierung für HIV und AIDS. Insgesamt kommen 40 Prozent der gesamten weltweiten Finanzierung von Entwicklungshilfe für Gesundheit aus den Vereinigten Staaten.

Dabei handelt es sich eindeutig nicht um ein Thema der Demokraten oder Republikaner, es ist ein parteiübergreifendes Thema, das den Amerikanern wirklich am Herzen liegt. Unsere Führungsstärke in diesem Bereich ist nur dank der starken Unterstützung beider Parteien möglich. Die Regierung Bush hat im Bereich der globalen Gesundheit und insbesondere mit zwei unserer wichtigsten Programme bahnbrechende Arbeit geleistet: dem Notfallplan des Präsidenten für AIDS-Hilfe (PEPFAR) sowie der Malariainitiative des Präsidenten. Ich möchte zwei Personen erwähnen, die diese Programme ermöglicht haben: Mark Dybul, der ehemalige weltweite AIDS-Koordinator und Admiral Tim Ziemer, der derzeitige Leiter der Malariainitiative des Präsidenten.

Außer der der Regierung leisten auch amerikanische Organisationen außergewöhnliche Beiträge. Von der Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung, die schon Milliarden für die Wiederbelebung von Impfkampagnen und die Erforschung neuer Impfstoffe sowie anderer Instrumente zur Vermeidung und Behandlung von Krankheiten gespendet hat, über das Carter-Zentrum, das die weltweite Kampagne zur Ausrottung des Guinea-Wurms angeführt hat, der zu schwerer Invalidität führen kann, über die Clinton-Stiftung, die mit Pharmaunternehmen zusammengearbeitet hat, damit AIDS-Medikamente für Millionen Menschen erschwinglicher werden, bis hin zu Hunderten anderer Organisationen in den gesamten Vereinigten Staaten, die nach innovativen Methoden suchen, Menschen auf der ganzen Welt lebensrettende und -verbessernde Versorgung zukommen zu lassen.

Auch Kirchen und Glaubensgemeinschaften kämpfen dafür, Bedürftigen Behandlung zukommen zu lassen, indem sie beispielsweise Freiwillige entsenden, die unter teilweise gefährlichen Umständen Menschen an Orten helfen, wo es nur geringe oder gar keine medizinische Versorgung gibt. Erst vor zwei Wochen wurden Freiwillige aus verschiedenen Ländern, auch aus den Vereinigten Staaten, in Afghanistan ermordet, als sie von Dorf zu Dorf reisten, um Augenkrankheiten und Zahnproblem zu behandeln. Es ist ein schrecklicher Verlust für die Familien, ein schrecklicher Verlust für die Welt, und ein schrecklicher Verlust für die Menschen, die von ihrer Hilfe profitiert haben und noch profitieren sollten.

Geschichten wie diese erinnern uns daran, dass nicht nur unsere Regierung der Stärkung der Weltgesundheit aus tiefer Überzeugung Priorität einräumt, sondern auch viele Amerikaner und unsere Nation insgesamt. Das ist ein wichtiger Teil unserer Landesgeschichte, der nicht so oft und so gründlich erzählt wird, wie er sollte.

Heute möchte ich Ihnen im Namen der Regierung Obama das nächste Kapitel der Arbeit erklären, die die Vereinigten Staaten weltweit im Bereich Gesundheit leisten. Es heißt Globale Gesundheitsinitiative (Global Health Initiative), oder kurz GHI, und steht für eine neue Herangehensweise, geleitet von einer neuen Denkweise und ausgerichtet an einem neuen Ziel: Durch den Ausbau und die Erweiterung unserer bestehenden Gesundheitsprogramme die größtmögliche Anzahl an Leben zu retten und Ländern zu helfen, ihre eigenen Fähigkeiten zur Verbesserung der Gesundheit ihrer Bürger zu entwickeln.

Bevor ich konkret auf die Initiative eingehe, möchte ich einen Schritt zurückgehen. Einige unter Ihnen fragen sich vielleicht, warum eine Außenministerin eine Rede über globale Gesundheit hält, es gibt schließlich eine Menge anderer Krisen auf der Welt, was mir sehr wohl bewusst ist. Man könnte mir vielleicht vorwerfen, eine kleine Auszeit von diesen Krisen zu nehmen, um an der SAIS eine Rede über Weltgesundheit zu halten. Was genau haben die Gesundheit von Müttern, Impfungen oder die Bekämpfung von HIV und AIDS mit Außenpolitik zu tun? Meine Antwort darauf lautet: alles.

Wir investieren in globale Gesundheit, um schwache oder scheiternde Staaten zu stärken. Wir haben die verheerenden Auswirkungen von AIDS in Ländern gesehen, die keine Landwirte, Lehrer, Soldaten, kein medizinisches Personal und andere Akademiker mehr haben, wo es Millionen von Waisen und schutzbedürftigen Kindern gibt, die nun alleine sind und deren Bedürfnisse bei Weitem das übersteigen, was eine Regierungsbehörde leisten kann. Die destabilisierende Wirkung von AIDS veranlasste die Regierung Clinton dazu, diese Krankheit nicht nur als gesundheitliche Bedrohung, sondern als Bedrohung der nationalen Sicherheit einzustufen. Außenminister Colin Powell übernahm diese Einschätzung später. Das Zentrum für strategische und internationale Studien, eine Denkfabrik mit dem Schwerpunkt nationale Sicherheit, rief eine Kommission für kluge Weltgesundheitspolitik ins Leben. Unter dem Vorsitz von Helene Gayle von CARE und Admiral a.D. William J. Fallon soll sie neue Strategien für globale Gesundheit erarbeiten, da wir der Meinung sind, dass dies helfen wird, die Welt sicherer zu machen.

Wir investieren in die Weltgesundheit, weil wir den sozialen und wirtschaftlichen Fortschritt fördern und die Entwicklung fähiger Partner unterstützen wollen, die uns bei der Lösung regionaler und globaler Probleme helfen können. Wir haben Orte gesehen, wo kranke Menschen vielerlei Probleme haben. Meist ist Armut weit verbreitet. Die Infrastruktur ist meist lückenhaft. Die Lebensmittelproduktion ist meist gering und nur wenige Kinder besuchen die Schule. Menschen, die unter anderen Umständen Führungsrollen übernehmen könnten, um ihren Familien und ihrem Land Fortschritt zu bringen, werden stattdessen von Krankheiten, Mangel und Chancenlosigkeit geschwächt.

Wir investieren in globale Gesundheit, um die Sicherheit unseres Landes zu schützen. Ein Beispiel ist die Bedrohung durch die Verbreitung von Krankheiten in unserer vernetzten Welt, in der jeden Tag Tausende von Menschen auf einem Kontinent in ein Flugzeug steigen und auf einem anderen wieder aussteigen. Wir benötigen ein umfassendes, effektives globales System zur Verfolgung von Gesundheitsdaten, der Überwachung von Bedrohungen und der Koordinierung der Reaktionen. Die Notwendigkeit eines solchen Systems wurde durch die Verbreitung der Viren SARS und H1N1in den letzten Jahren überdeutlich. Es ist kostengünstiger und effektiver, das Ausbrechen einer Krankheit im Keim zu ersticken als sie zu einer globalen Bedrohung werden zu lassen. Aber an Orten, wo die medizinische Versorgung und die entsprechenden öffentlichen Einrichtungen rar oder gar nicht vorhanden sind, ist das sehr schwierig.

Wir investieren in globale Gesundheit als Werkzeug der Public Diplomacy. Für Millionen Menschen weltweit sind die Bestrebungen der Vereinigten Staaten zur Vermeidung, Behandlung oder Versorgung der wesentliche Berührungspunkt, den sie mit unserem Land und unseren Bürgern haben. Dieser Berührungspunkt kann allerdings sehr viel bewirken. Menschen die Chance auf ein langes und gesundes Leben zu geben oder ihre Kinder vor Krankheiten zu schützen, vermittelt ebenso viel über unsere Werte wie ein Staatsbesuch oder ein strategischer Dialog.

Wir investieren in globale Gesundheit, um unsere Mitgefühl deutlich und unmittelbar zum Ausdruck zu bringen. Millionen Menschen sterben jedes Jahr, weil sie keinen Zugang zu so einfachen Erfindungen wie Moskitonetzen, mit Vitaminen angereicherten Lebensmitteln oder oraler Rehydrationstherapie haben. Diese sinnlosen Todesfälle können und dürfen wir als Nation und als Menschen nicht zulassen. Das ist einfach nicht unsere Art. Deshalb berichten Amerikaner regelmäßig, dass sie die Verwendung ihrer Steuergelder für globale Gesundheitsprogramme befürworten – nicht aufgrund dessen, was dieses Geld für uns tun kann, sondern aufgrund dessen, was es für andere tun kann und tut. Nur wenige Investitionen stimmen mehr mit all unseren Werten überein, und nur wenige sind vernünftiger. Weltgesundheit ist ein Musterbeispiel dafür, wie das strategische Investieren unserer Ressourcen unmittelbare und dauerhafte Wirkung auf Menschen, Gemeinschaften und Länder haben kann.

Die Liste der Krankheiten und Mangelerscheinungen, die auf der ganzen Welt Leben und Existenzen bedrohen, ist fast endlos, aber unsere Ressourcen sind es nicht. Deshalb müssen wir strategisch vorgehen und beweisgestützte Entscheidungen treffen, um die gefährlichsten Bedrohungen anzugehen, um sicherzustellen, dass unsere Investitionen, die schließlich von amerikanischen Steuerzahlern stammen, auch Ergebnisse erzielen. Wir dürfen aber auch das langfristige Ziel nicht aus den Augen verlieren und nicht nur die dringlichsten Bedürfnisse befriedigen, die Menschen heute haben, sondern müssen auch die Grundlage für eine bessere Gesundheit morgen und für zukünftige Generationen schaffen.

Diese Denkweise fließt in jeden Bereich der Globalen Gesundheitsinitiative ein, die Präsident Obama voriges Jahr thematisiert hat. Die Vereinigten Staaten investieren 63 Milliarden US-Dollar – zunächst, um unsere bestehenden Gesundheitsprogramme zu erhalten und zu stärken, und zweitens, um auf diesen Programmen aufzubauen und ihre Arbeit auf die nächste Ebene zu heben, indem wir mit Regierungen, Organisationen, zivilgesellschaftlichen Gruppen und Einzelpersonen zusammenarbeiten, um die zu erwartenden Verbesserungen in der öffentlichen Gesundheit auszudehnen.

Wir verlagern den Schwerpunkt unserer Arbeit darauf, ein Problem nach dem anderen zu lösen, auf den Dienst an den Menschen, indem wir ihre Lebensumstände stärker berücksichtigen und dafür Sorge tragen, dass sie die Versorgung bekommen, die sie im Laufe ihres Lebens am meisten benötigen.

Nehmen wir das Leben einer Frau in einem unserer Partnerländer.

Sie lebt in einem entlegenen Dorf, in dem ihre Familie seit Generationen zu Hause ist. Ihre Eltern waren ihr Leben lang nie bei einem Arzt, aber sie hat jetzt dank der harten Arbeit der internationalen Gemeinschaft Zugang zu qualitativ angemessener medizinischer Versorgung. Eine von PEPFAR unterstützte Klinik befindet sich in Laufweite. Dort erfuhr sie, dass sie HIV-positiv ist und erhält nun antiretrovirale Medikamente, die sie gesund erhalten. Wenn Sie das Fahrrad oder den Bus nimmt, erreicht sie eine weitere Klinik, die pränatale Versorgung und Impfungen für ihre Kinder anbietet. Freiwillige Helfer, die Moskitonetze zum Schutz ihrer Familie vor Malaria mitbringen, bringen die Gesundheitsversorgung manchmal sogar bis zu ihr nach Hause.

Während also für einige gesundheitliche Probleme die medizinische Versorgung gewährleistet ist, bleibt sie bei anderen auf sich gestellt. Die Klinik vor Ort ist mit antiretroviralen Medikamenten gut ausgestattet, verfügt allerdings nicht über Antibiotika oder Verhütungsmittel. Hat sie Schwierigkeiten bei der Geburt, ist die nächste Einrichtung, die im Notfall operieren kann, Hunderte von Meilen entfernt. Also besteht auch für sie das Risiko jeder 22. Frau im Afrika südlich der Sahara, bei der Geburt zu sterben. Und auch wenn ihr Haus mit einem Mittel gegen Moskitos eingesprüht wurde, hat sie keinen Zugang zu sauberem Wasser, so dass ihre Kinder womöglich der Malaria entgehen, um dann an einer Durchfallerkrankung zu sterben.

Ohne Frage ist diese gesundheitspolitische Landschaft sehr viel besser als noch vor einigen Jahren. Aber die Unzulänglichkeiten sind folgenschwer.

Es gibt zu wenig Abstimmung zwischen all den Ländern und Organisationen, die Gesundheitsdienste anbieten, einschließlich unserer eigenen Regierung, so dass bedenkliche Lücken bestehen bleiben.

Es gibt zu wenig Integration. Krankheiten werden oft isoliert und nicht gebündelt behandelt, so dass Menschen wie diese Frau gezwungen sind, verschiedene Kliniken aufzusuchen, damit sie und ihre Kinder eine grundlegende medizinische Versorgung erhalten.

Es gibt zu wenig Innovationen, die auf den Entwurf von Technologien und Strategien abzielen, die an Orten mit wenig Ressourcen funktionieren und den Menschen helfen, die am schwierigsten zu erreichen sind.

Wenn Sie noch einen Schritt zurücktreten, werden Sie ein weiteres Problem erkennen: den Mangel an Kapazitäten innerhalb verschiedener Länder. An vielen Orten bieten Geberländer und Nichtregierungsorganisationen von außerhalb wesentliche Dienstleistungen an, für die im Land nicht das Geld oder die Fachkenntnisse vorhanden waren. Das ist zwar die absolut richtige Reaktion auf einen Notfall, es ist aber eine vorläufige und keine langfristige Lösung. An zu vielen Orten ist es jedoch zur langfristigen Lösung geworden.

Folglich ist der aktuelle Zugang dieser Frau zu Versorgung unregelmäßig und für die Zukunft ungewiss. Sie ist vom Auf und Ab der Finanzierungszyklen und Entwicklungstrends an weit entfernten Orten abhängig. Sie hat wenig Kontrolle über die Qualität der Versorgung, die ihr und ihrer Familie angeboten wird. Wenn ihre gewählten Vertreter allerdings unmittelbarer und stärker involviert wären, hätten diese Frau und ihre Mitbürger größeres Mitspracherecht.

Das grundlegende Ziel der Globalen Gesundheitsinitiative ist es, diese Probleme anzugehen, indem die individuellen Gesundheitsprogramme in ein integriertes, koordiniertes und nachhaltiges Versorgungssystem eingebunden werden, das das jeweilige Land selbst verwaltet. Wir nehmen die Investitionen unseres Landes in PEPFAR, in die Malariainitiative des Präsidenten, in die Versorgung von Müttern und Kindern, die Familienplanung, vernachlässigte Tropenkrankheiten und andere entscheidende Gesundheitsbereiche, bauen auf der Arbeit von Behörden der Bundesregierung – wie den Zentren für Krankheitsüberwachung – auf und erweitern ihre Reichweite, indem wir das allgemeine Umfeld für die Gesundheitsdienste verbessern. So haben unsere Investitionen eine größere Wirkung und die Patienten erhalten Zugang zu mehr und besserer Versorgung, wodurch sie letztlich ein gesünderes Leben führen.

Um zu demonstrieren, wie die Globale Gesundheitsinitiative funktionieren wird, überlegen wir einmal, wie sie sich auf eines unserer erfolgreichsten globalen Gesundheitsprogramme auswirken wird: PEPFAR.

In den letzten sieben Jahren wurden Millionen von Menschen in ganz Afrika, Asien und der Karibik durch PEPFAR vor der Ansteckung durch Krankheiten bewahrt. Auch die gängige Meinung über Behandlungen änderte sich mit PEPFAR. Vor PEPFAR war die vorherrschende Meinung, dass HIV-positive Menschen in armen Ländern nicht behandelt werden können, weil die Medikamente nur Wirkung zeigen, wenn sie nach einem genauen Zeitplan mit ausreichend Nahrung eingenommen werden. Es schien als sollte die Behandlung für Menschen, die an Orten mit Nahrungsmittelmangel und ohne Kliniken, Apotheken und medizinisches Personal leben, für immer unerreichbar bleiben.

Aber die Vereinigten Staaten wollten die Ungerechtigkeit, dass Millionen Menschen sterben sollten, obwohl es rettende Medikamente gibt, nicht zulassen. Im Rahmen von PEPFAR bauten wir Kliniken, bildeten medizinisches Personal aus und verbesserten Transport und Lagerung. Das Experiment hat funktioniert. Vor sieben Jahren betrug die Zahl der Menschen im Afrika südlich der Sahara, die antiretrovirale Medikamente einnahmen, weniger als 50.000. Heute nehmen mehr als fünf Millionen Menschen in Entwicklungsländern diese Medikamente sicher und effektiv ein, und PEPFAR unterstützt etwa die Hälfte von ihnen.

Im Rahmen der Globalen Gesundheitsinitiative werden wir den Erfolg von PEPFAR durch eine Aufstockung der Mittel ausweiten. 2008 wurden für PEPFAR fünf Milliarden US-Dollar bewilligt. Für 2011 hat Präsident Obama mehr als 5,7 Milliarden US-Dollar beantragt, den höchsten Betrag, den je ein Land in die weltweite Bekämpfung von AIDS investiert hat.

Wir stecken auch unser Ziel für die Behandlung höher. Im Rahmen der Globalen Gesundheitsinitiative versuchen wird, die Behandlung von mehr als vier Millionen Menschen weltweit unmittelbar zu unterstützen – das sind mehr als doppelt so viele Menschen, wie in den ersten fünf Jahren durch PEPFAR behandelt wurden.

Unser Ziel ist die Versorgung von mehr als 12 Millionen Menschen, einschließlich fünf Millionen Waisen und schützbedürftigen Kindern.

Außerdem erhöhen wir unsere Zielvorgaben für die Prävention. Im Rahmen der Globalen Gesundheitsinitiative versuchen wir, 12 Millionen Neuinfektionen mit HIV zu verhindern. Zu diesem Zweck gehen wir umfassender vor und bauen funktionierende Maßnahmen aus. Wir gehen über den einfachen Ansatz „Abstinenz, Treue und die konsequente und korrekte Verwendung von Kondomen“ hinaus und wenden bei der Prävention alle zur Verfügung stehenden Maßnahmen an. Denn wir müssen jedes uns zur Verfügung stehende Instrument einsetzen – das gesamte Spektrum medizinischer, verhaltensgestützter und struktureller Intervention. Dazu zählt die Beschneidung von Männern, die Prävention der Übertragung von Mutter zu Kind, Verbesserungen und Investitionen bei der Kostenreduzierung und dem Zugang zu Diagnosemöglichkeiten, Aufklärung und, wo erforderlich, rechtliche, politische oder ordnungspolitische Veränderungen zum besseren Schutz der Bevölkerung.

Trotz aller Investitionen der Vereinigten Staaten und der ganzen Welt zur Bekämpfung der Epidemie wissen wir, dass es jedes Jahr 2,7 Millionen Neuinfektionen gibt. Wenn wir diesen Kampf also gewinnen wollen, müssen wir bei der Prävention bessere Resultate erzielen. Unsere Strategie im Rahmen der globalen Gesundheitsinitiative wird uns dies ermöglichen.

Die unmittelbare Wirkung von PEPFAR ist also klar. Mehr Mittel erzielen mehr Wirkung, und die Präventionsstrategien werden umfassender.

Auf ähnliche Weise verstärken wir auch unsere Unterstützung für die anderen Gesundheitsprogramme, die wir auf der ganzen Welt finanzieren.

Wir steigern unsere Unterstützung für die Malariainitiative des Präsidenten mit dem Ziel, für 450 Millionen Menschen die Bedrohung durch Malaria um 50 Prozent zu reduzieren.

Im Fall von Tuberkulose beabsichtigen wir, durch besseren Zugang zu Behandlung 1,3 Millionen Leben zu retten.

Außerdem stocken wir unsere Arbeit für die Familienplanung und der Gesundheit von Müttern und Kindern auf – Gebiete, auf denen die Vereinigten Staaten den Weg vorgeben können und müssen. Jedes Jahr sterben Hunderttausende Frauen aufgrund von Komplikationen in der Schwangerschaft und bei der Geburt, fast alle in Entwicklungsländern, und auf jede Frau, die stirbt, kommen 20 weitere, die zu Invalidität führende Verletzungen oder Infektionen erleiden. Jedes Jahr sterben in Entwicklungsländern Millionen von Kindern aufgrund absolut vermeidbarer Ursachen.

Das Leben von Frauen und Kindern zu retten, erfordert ein breites Spektrum von Maßnahmen – von der Verbesserung der Ernährung bis hin zur Ausbildung von Geburtshelfern, die den Frauen dabei behilflich sein können, sicher zu gebären. Es erfordert auch mehr Informationen über Familienplanung. Familienplanung ist eine der kosteneffektivsten gesundheitspolitischen Maßnahmen, die es auf der Welt heute gibt. Sie verhindert das Sterben von Müttern und Kindern gleichermaßen, indem sie es den Müttern ermöglicht, die Abstände zwischen den Geburten zu planen und in ihren gesündesten Jahren Kinder zu bekommen. Außerdem wird so die Anzahl der Todesfälle durch unsichere Abtreibungen verringert.

Die Vereinigten Staaten waren einmal führend bei der Entwicklung und Vermittlung erfolgreicher Familienplanungsprogramme. In den letzten Jahren sind wir allerdings zurückgefallen. Mit der Globalen Gesundheitsinitiative holen wir auf, was wir versäumt haben.

Alles in allem werden wir durch die stärkere Förderung bestehender US-Gesundheitsprogramme weltweit Millionen weiterer Menschenleben retten.

Aber was ist mit den systemimmanenten Herausforderungen von PEPFAR und den Programmen des US-Amts für internationale Entwicklung sowie anderen, von den Vereinigten Staaten finanzierten Gesundheitsprogrammen vor Ort? Das Zusammenspiel logistischer, struktureller, rechtlicher und politischer Probleme, die zu verminderter Gesundheit führen und das Leben der eben von mir beschriebenen Frau erschweren. Solange sie bestehen bleiben, werden sie unsere Möglichkeiten genauso wie die aller anderen Geber stark einschränken. Frauen, die wir vor AIDS retten, werden bei der Geburt sterben. Kinder, die wir vor Kinderlähmung retten, werden an einem Rotavirus sterben. Umfassender gesehen: Im Hinblick auf Ausmaß und Qualität der in den Gemeinschaften und Ländern zur Verfügung stehenden medizinischen und öffentlichen Gesundheitsdienste wird sich die Zukunft nicht sehr von der Gegenwart unterscheiden.

Wir müssen jetzt das Fundament für mehr Fortschritt schaffen, indem wir einige der systemimmanenten Probleme angehen und mit unseren Partnerländern daran arbeiten, die am tiefsten verwurzelten Hindernisse zu beseitigen, die der Gesundheit ihrer eigenen Bevölkerung schaden. So liefern unsere Investitionen die besten Ergebnisse und retten die meisten Leben, heute und in der Zukunft.

Ich möchte daher einige der wichtigsten Methoden darlegen, mit denen wir dieses Ziel erreichen wollen.

Zunächst arbeiten wir mit verschiedenen Ländern bei der Entwicklung und Umsetzung von gesundheitspolitischen Strategien zusammen, bei deren Entwurf sie, ihren speziellen Bedürfnissen und vorhandenen Stärken entsprechend, die Führung übernehmen. Wir helfen Ihnen beim Aufbau der Kapazitäten zur langfristigen Verwaltung, Überwachung, Koordinierung und Durchführung von Gesundheitsprogrammen.

In der Praxis bedeutet das an unterschiedlichen Orten unterschiedliche Dinge. In einigen Ländern bilden unsere Entwicklungsexperten medizinische Sozialarbeiter aus, die eine Grundversorgung anbieten und grundlegende Fragen zum Thema Gesundheit beantworten. In anderen Ländern richten wir Versorgungsketten ein und erstellen Arzneimittelprotokolle um zu gewährleisten, dass die Medikamente die Patienten auch rechtzeitig erreichen. In wieder anderen helfen wir bei der Einrichtung von Gesundheitsinformationssystemen, damit das medizinische Personal mehr Daten erfassen und analysieren kann – von der Zahl der Geburten und Tode über vielschichtigere Informationen wie die Zahl der Frauen, die pränatale Versorgung in einer Klinik erhalten und später dort auch entbinden. Die Länder benötigen ein nachhaltiges System zur Erfassung und Auswertung von Daten, um ihre eigene Leistung fortlaufend zu überwachen und zu verbessern.

Zweitens konzentrieren wir uns auf die Bedürfnisse und Beiträge von Frauen und Mädchen. Ihr Leid wird auch von ausgebildetem medizinischem Personal immer noch oft übersehen, ihre Anliegen werden überhört, weshalb sie oft unterversorgt sind. Unser Engagement für die Förderung der Gesundheit von Frauen und Mädchen geschieht natürlich um ihretwillen, aber auch für ihre Familien und ihre Umgebung. Denn wenn die Gesundheit einer Frau angegriffen ist, wirkt sich das zuerst auf ihre Familie und dann auf das gesamte Dorf aus. Wenn eine Frau wiederum gesund ist, sind die Wirkungen entsprechend positiv.

Die sozialen, ökonomischen und kulturellen Faktoren, die ihren Zugang zu Gesundheitsleistungen beschränken – zum Beispiel geschlechtsspezifische Gewalt, die Verheiratung von Kindern, Genitalverstümmelung bei Mädchen, fehlende Ausbildung, fehlender Zugang zu wirtschaftlichen Chancen und andere Formen von Diskriminierung – werden allzu oft weder erkannt noch bekämpft. Wir verbinden unsere Gesundheitsprogramme mit umfassenderen Entwicklungsbemühungen, um diese zugrunde liegenden politischen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und geschlechtsspezifischen Probleme zu lösen. Außerdem arbeiten wir mit Regierungen, zivilgesellschaftlichen Gruppen und Einzelpersonen zusammen, um dafür zu sorgen, dass die Bedürfnisse von Frauen und Mädchen nicht nur von uns als entscheidend anerkannt werden, sondern auch von den Gesundheitsministern und den Menschen an der Basis, die die medizinische Versorgung jeden Tag gewährleisten. Wir wollen dafür sorgen, dass sie bei der Mittelzuweisung sowie der Planung der Finanzministerien, der Premierminister und der Präsidenten berücksichtigt werden.

Drittens verbessern wir die Art und Weise, wie wir die Wirkung unserer eigenen Maßnahmen messen und auswerten. Dazu zählt die Verlagerung unseres Schwerpunkts von „Input“ auf „Ergebnisse und Wirkung“, also die Bestimmung unseres Erfolgs nicht nur anhand der Zahl von Moskitonetzen, die wir verteilen, sondern anhand der Zahl von Menschen, die durch ihre korrekte Anwendung tatsächlich von Malaria verschont bleiben – ein vollständigeres Bild, das erfordert, dass wir unsere Methoden des Datensammelns, -analysierens und des Datenaustauschs verbessern.

Viertens investieren wir in Innovationen und konzentrieren uns dabei au die Entwicklung von Instrumenten für die Diagnose, Prävention und Heilung von Krankheiten in den Gemeinschaften, in denen wir arbeiten, die häufig in entlegenen Gebieten und arm an Rohstoffen sind. Viele der Instrumente und Techniken, die wir hier in den Vereinigten Staaten zur Behandlung einsetzen, sind für die Lebensumstände an anderen Orten ungeeignet. Wir wollen also innovativ vorgehen, um die Menschen effektiv zu erreichen. Ein Beispiel dafür ist die Verwendung von Mobiltelefonen. In einigen Ländern arbeiten wir mit staatlichen und privaten Partnern zusammen, um den Tod von Müttern und Neugeborenen zu verhindern, indem wir schwangeren Frauen und jungen Müttern per Mobiltelefon rechtzeitig entscheidende Informationen zukommen lassen. Mobiltelefone sind oft auch dort verfügbar, wo es noch keine Kliniken gibt.

Ein weiteres spannendes Beispiel für die Wirkung von Neuerungen ist ein entscheidender Durchbruch, den wir erst vorigen Monat erzielt haben, als Wissenschaftler in Südafrika erfolgreich das erste antimikrobielle Gel getestet haben, das die Übertragung von HIV verhindert. Dieser Versuch zum Beweis einer These wurde mit PEPFAR-Mitteln, durch das US-Amt für internationale Entwicklung und das südafrikanischen Ministerium für Wissenschaft und Technologie durchgeführt. Er hat das Potenzial, zu einem wichtigen Durchbruch für die AIDS-Prävention zu werden, weil es sich um ein erschwingliches Mittel handelt, das Frauen ohne Zustimmung ihres Partners einsetzen können. Allzu oft entscheiden die Männer, ob Kondome verwendet werden. Aber mit einem solchen Gel liegt es in der Hand der Frauen, ihre Gesundheit zu schützen.

Fünftens verbessern wir die Koordinierung und Integration. Das fängt bei US-Regierungsprogrammen innerhalb eines Landes an, bei denen nach Möglichkeiten zur Bündelung von Dienstleistungen gesucht werden soll – ähnlich, wie es im Rahmen von PEPFAR in Kenia geschah, als HIV- und AIDS-Programme mit Programmen für Mütter- und Kindergesundheit, Tuberkulose und Familienplanung verbunden wurden.

Die Koordinierung beginnt ganz oben, hier in Washington. Die Globale Gesundheitsinitiative bringt Experten aus der gesamten Regierung zusammen. Heute sind die außergewöhnlichen Leiter – und zufällig auch exzellenten Ärzte – von drei Behörden hier, deren Federführung das tägliche Geschäft der Initiative untersteht. Dr. Raj Shah, Direktor des US-Amts für internationale Entwicklung, Dr. Eric Goosby, Welt-AIDS-Koordinator der Vereinigten Staaten bei PEPFAR und Dr. Tom Frieden, Direktor der Zentren für Krankheitsüberwachung. Ihre Behörden werden unter der Federführung und Leitung des Stellvertretenden Außenministers Jack Lew, der heute auch hier bei uns ist, gemeinsam mit den National Institutes of Health und anderen, dem Gesundheitsministerium und dem Verteidigungsministerium unterstehenden Behörden sowie mit dem Peace Corps und anderen Einrichtungen zusammenarbeiten. Das ist eine einzigartige Führungsstruktur, die unseren Koordinierungsmaßnahmen vom Weißen Haus abwärts auf allen Ebenen verankert.

Sechstens arbeiten wir in bereits bestehenden Partnerschaften zusammen und suchen auch nach neuen Partnern. Wir wollen unsere Bestrebungen mit denen anderer Geberländer und multilateraler Organisationen abstimmen. Viele von ihnen leisten ausgezeichnete Arbeit bei der Verbesserung der Weltgesundheit. Lassen Sie mich nur ein Beispiel nennen: der Globale Fonds zur Bekämpfung von AIDS, Tuberkulose und Malaria. Die Arbeit dieser Organisation verändert die Welt, nicht nur für die Millionen Menschen, die sie bereits gerettet hat. Es entsteht auch ein neues Vorbild dafür, wie die globale Gemeinschaft gemeinsam Epidemien bekämpfen und Maßnahmen koordinieren kann. Die Vereinigten Staaten sind stolz, der erste und größte Geber dieses Fonds zu sein. Mit der Mittelbeantragung von Präsident Obama für 2011 bleiben wir auch der größte Geber.

Unsere wichtigste Zusammenarbeit ist jedoch die mit unseren Partnerländern. Wir werden sie aufrufen, sich voll und ganz hinter diese Anstrengungen zu stellen. Schließlich werden ihre Beitrage darüber entscheiden, ob wir mit unserem Ziel, für mehr Menschen weltweit integrierte, koordinierte, nachhaltige Versorgungssysteme zu schaffen, Erfolg haben werden.

Wir müssen uns heute nur einmal auf der Welt umsehen um zu erkennen, wie wichtig Führungsstärke ist. An Orten, wo die Regierung in die Gesundheit der Menschen investiert, wo zivilgesellschaftliche Gruppen Rechte haben und sich engagieren, wo Gesundheit in jedem Sektor und auf jeder Ebene der Gesellschaft als Priorität angesehen wird, verbessern sich die gesundheitlichen Verhältnisse und die Menschen entwickeln sich weiter.

Führen Sie sich nur die Fortschritte in Südafrika im Bereich HIV/AIDS vor Augen. Das Land hat eine der höchsten HIV-Raten der Welt. Zu lang hielten einige führende Politiker Südafrikas an einer Sichtweise fest, die den Zusammenhang zwischen HIV und AIDS leugnete. Aber das hat sich geändert. Unter Präsident Zuma hat die afrikanische Regierung ihr Engagement für eine ernsthafte Bekämpfung der Epidemie erneuert. Sie stellt mehr Mittel zur Verfügung und verfolgt energisch das Ziel, die Diagnose und Behandlung zu verbessern. Durch zusätzliche Finanzmittel unterstützen die Vereinigten Staaten Südafrika beim Ausbau seiner Kapazitäten, um diese Ziele zu erreichen und die Epidemie langfristig in den Griff zu bekommen.

Um die einzelnen Länder dazu zu bewegen, die Führungsrolle zu übernehmen, setzten wir die gesamte Maßnahmenpalette der amerikanischen Diplomatie ein. Unsere Diplomaten arbeiten eng mit ihren Kollegen auf der ganzen Welt zusammen, um das Engagement für Gesundheit tief zu verwurzeln – nicht nur im Büro des Gesundheitsministers, sondern auch beim Außenminister, dem Verteidigungsminister, dem Finanzminister und besonders auch ganz oben, in den Büros der Premierminister und Präsidenten. Allzu oft haben wir erlebt, dass Gesundheit als zweitrangig und mit weniger Priorität behandelt wird, wenn es um die Zuweisung von Mitteln geht und darum wie viel Aufmerksamkeit das Thema erhält. Wir haben es tatsächlich auch schon erlebt, dass die Vereinigten Staaten und andere Geber Geld zur Verfügung stellen und die Länder dann dem Gesundheitswesen Geld entziehen, weil sie denken, die Geber werden das schon ausgleichen. Die Vereinigten Staaten sind bereit, zur Verbesserung der Gesundheit in verschiedenen Ländern Geld, Zeit und Fachwissen zu investieren. Allerdings fordern wir die jeweiligen Regierungen dann auch auf, sich gleichermaßen zu engagieren: mit dem erforderlichen Personal, mit ernst gemeinten Zusagen zum Aufbau von Kapazitäten und, wo machbar, mit finanzieller Unterstützung.

Wir erwarten von diesen Ländern, dass sie Verantwortung übernehmen. Und ihr Volk erwartet das ebenso.

Das wird nicht einfach sein. Die Veränderungen, die wir im Rahmen der Globalen Gesundheitsinitiative erreichen wollen, sind umfassend und tief greifend, und uns stehen viele Hindernisse im Weg. Wenn wir allerdings Erfolg haben, dann werden wir die Art und Weise verändert haben, wie Gesundheitsversorgung auf der Welt angeboten und angenommen wird.

Als Land und als globale Gemeinschaft haben wir bereits sehr viel erreicht, wir haben Leben gerettet und verbessert. Wir sind allen dankbar, die uns bis zu diesem Punkt gebracht haben, insbesondere dem heldenhaften medizinischen Personal, den Visionären, den entschlossenen Wissenschaftlern und Forschern sowie den engagierten Aktivisten. Dank ihnen sind wir in der Lage – und ich würde sogar sagen, verpflichtet – noch weiter zu gehen, mehr Leben zu retten, schwierigere Aufgaben zu übernehmen, und mit Geduld und Ausdauern daran zu arbeiten, ein Fundament für eine gesündere Zukunft zu schaffen.

Dieser Herausforderung sind wir als Nation und als Volk würdig. Wir werden ihr gerecht werden, wie wir es auch in der Vergangenheit bereits viele Male wurden. Gemeinsam können wir Millionen von Menschen die Chance geben, ein gesünderes Leben zu führen und eine gesündere, stabilere und friedlichere Welt schaffen.

Hier an der SAIS über dieses Thema zu sprechen, ist wirklich ein Privileg, denn dieser Ort wird die Menschen hervorbringen, die wir zur Verwirklichung dieser Vision in Zukunft brauchen. Sie werden die schwierigen Fragen stellen um herauszufinden, ob „das haben wir schon immer so gemacht“ wirklich ein Argument dafür ist, mit etwas weiterzumachen wie gehabt, nur weil wir damit vielleicht etwas Erfolg hatten. Sie werden den Kongress herausfordern, dessen starre Strukturen oft zu Blockaden führen, die unsere eigene Regierung in ihrer Arbeit behindern. Sie werden die schwierige, aber wesentliche Arbeit leisten, führende Politiker davon zu überzeugen, dass eine Investition in die Gesundheit des eigenen Volkes nicht nur ein hehres Ziel ist, sondern entscheidend für die Zukunft der Sicherheit, des Friedens und des Wohlstands, nach dem sie zu streben vorgeben.

Wir kennen also alle Fallstricke und Hindernisse, interne wie auch externe. Aber wir können nicht untätig zusehen. Wir müssen jetzt alles in unserer Macht Stehende tun, um etwas zu bewirken. Ich weiß, Sie sind an der SAIS, weil Sie Ihren eigenen Weg zum Erfolg finden wollen. Wir begrüßen Ihren Beitrag, und wir laden Sie ein, sich heute und in Zukunft an der Lösung einiger der größten Herausforderungen der Welt zu beteiligen.

Vielen Dank Ihnen allen.

Originaltext: Global Health Initiative: The Next Phase of American Leadership in Health Around The World
Siehe: http://www.state.gov/secretary/rm/2010/08/146002.htm