Präsident Obama nimmt an Iftar-Abendessen teil

WASHINGTON – (AD) – Nachfolgend veröffentlichen wir die unwesentlich gekürzte Rede von US-Präsident Barack Obama im State Dining Room des Weißen Hauses vom 1. September 2009.

Ich freue mich, Sie alle hier im Weißen Haus aus diesem besonderen Anlass empfangen zu können – Ramadan karim.

Ich fühle mich sehr geehrt, dass ich hier so viele Mitglieder des diplomatischen Corps sowie mehrere Mitglieder meiner Regierung und geschätzte Kongressabgeordnete begrüßen darf, darunter auch die ersten zwei im Kongress vertretenen Muslime – Keith Ellison und Andre Carson.

Ich möchte noch einige weitere Gäste namentlich nennen. Senator Richard Lugar ist hier, er ist unser Ranking Member im Auswärtigen Ausschuss. John Conyers, Mitglied des Repräsentantenhauses und des Justizausschusses. Der Abgeordnete Rush Holt ist ebenfalls hier.

Verteidigungsminister Gates ist auch unter den Gästen. Unser Justizminister Eric Holder ist hier. Ebenso wie unsere Gesundheitsministerin Kathleen Sebelius.

Vor allem möchte ich aber die anwesenden amerikanischen Muslime begrüßen, die aus allen Lebensbereichen kommen. Dies ist nur ein Teil unserer Bestrebungen, den Ramadan zu feiern, und setzt eine lange Tradition der Veranstaltung von Iftar-Abendessen hier im Weißen Haus fort.

Für mehr als eine Milliarde Muslime ist der Ramadan eine Zeit der tiefen Hingabe und Reflexion. Er ist eine Zeit der Gebete und Unterstützung für die Hilfsbedürftigen. Er ist auch eine Zeit für die Familie und Freunde, in der sie zusammenkommen und ihren Glauben, ihre Gemeinschaft und die gemeinsame Menschlichkeit, die uns alle eint, feierlich begehen. In diesem Sinne möchte ich jeden einzelnen von Ihnen im Weißen Haus begrüßen.

Das heutige Iftar-Abendessen ist ein Ritual, das während dieses Ramadans auch an Küchentischen und in Moscheen in allen 50 Staaten durchgeführt wird. Der Islam ist – und das wissen wir – ein Teil der Vereinigten Staaten. So wie die gesamte amerikanische Bevölkerung sind auch die muslimischen Gemeinden in den Vereinigten Staaten sehr dynamisch und vielfältig. Es gibt Familien, die Generationen zurückreichen und Einwanderer, die erst vor kurzem hierher kamen. Die Muslime in diesem Land gehören zahllosen Ethnien an und haben in jedem Teil der Welt ihre Wurzeln.

In der Tat sind die Leistungen der Muslime in den Vereinigten Staaten zu umfangreich, als dass sie einzeln aufgezählt werden könnten, weil Muslime so stark mit der Geschichte unserer Gemeinden und unseres Landes verflochten sind. Amerikanische Muslime sind in der Wirtschaft und der Unterhaltung, den Künsten und im Sport, auf dem Gebiet der Wissenschaft und in der Medizin erfolgreich. Vor allem sind sie aber erfolgreiche Eltern, gute Nachbarn und aktive Bürger.

Wir nehmen daher diesen Anlass, um nicht nur den heiligen Monat Ramadan zu feiern, sondern auch die Bereicherung der Vereinigten Staaten und ihrer Kultur durch die Muslime – sowohl im Großen als auch im Kleinen. Heute Abend sehen wir nur einen kleinen Ausschnitt dieser Beiträge. Lassen Sie mich Ihnen kurz einige Geschichten erzählen.

Elsheba Khans Sohn Karim brachte das größte Opfer für sein Land, als er im Irak sein Leben ließ. Karim trat dem Militär bei, sobald er die Highschool beendet hatte. Später wurde ihm die Auszeichnung Purple Heart and Bronze Star verliehen, und er hatte die Bewunderung seiner Kameraden. Wenn sie ihren Sohn beschrieb, sagte Elsheba immer: “Er wollte immer helfen, so gut er konnte.” Heute liegt er zusammen mit Tausenden anderen Helden auf dem Arlington National Cemetery. Ein Halbmond ist in sein Grab eingraviert, genau wie bei anderen das christliche Kreuz oder der jüdische Stern. Diese mutigen Amerikaner sind im Tod beieinander, wie sie es im Leben waren – geeint durch ihren Einsatz für ihr Land und für die Werte, die uns am wichtigsten sind.

Einer dieser Werte ist das Recht auf freie Religionsausübung – ein Recht, das im ersten Verfassungszusatz niedergelegt ist. Nashala Hearn, die aus Muskogee (Oklahoma) kommt und heute bei uns ist, setzte sich früh für dieses Recht ein. Als ihr gesagt wurde, sie könne in ihrem Schulbezirk keinen Hidschab tragen, protestierte sie und sagte, das sei Teil ihrer Religion. Das Justizministerium stellte sich auf ihre Seite, und sie errang das Recht, ihren Glauben auszuüben. Sie reiste sogar nach Washington, um vor dem Kongress auszusagen. Sie sprach von einer Toleranz, die viel größer ist als das Mistrauen. Sie sagte, als sie ihr Kopftuch das erste Mal in der Schule trug, “haben mir die anderen Kinder Komplimente gemacht.”

Eine weitere junge Frau, die in ihrer Schule erblühte, ist Bilqis Abdul-Qaadir. Bilqis brach den Rekord von Rebecca Lobo. Als Basketballspielerin machte sie die meisten Punkte, die jemals an einer Highschool in Massachusetts erzielt wurden. Vor kurzem erzählte sie einem Reporter: “Ich möchte gerne eine Inspiration für viele muslimische Mädchen sein, die Basketball spielen wollen. Alles ist möglich. Sie können es auch schaffen.” Als erstklassige Schülerin und Athletin, die unterwegs nach Memphis ist, ist Bilqis nicht nur ein Vorbild für muslimische Mädchen, sondern für uns alle.

Natürlich wissen wir, dass, wenn wir über Sportler sprechen, die die Vereinigten Staaten inspiriert haben, jede Liste den Namen des Mannes enthalten muss, der einfach als “The Greatest” bekannt ist. Und obwohl Muhammad Ali heute nicht bei uns sein konnte, sollten wir über seine beachtlichen Errungenschaften sprechen. Aus einem unübertroffenen Kämpfer im Ring wurde ein Mann mit stiller Würde und Anmut, der noch immer für das kämpft, an das er glaubt – unter anderem für die Auffassung, dass Menschen aller Glaubensrichtungen Dinge gemeinsam haben. Ich liebe das folgende Zitat. Vor ein paar Jahren erklärte er diese Sichtweise – und auch deswegen ist er der Größte – als er sagte: “Bäche, Teiche, Seen und Flüsse – sie haben alle unterschiedliche Namen, aber alle enthalten Wasser. Genau wie Religionen – sie alle enthalten Wahrheiten.”

Sie alle enthalten Wahrheiten. Zu diesen Wahrheiten zählt das Streben nach Frieden und Würde für alle Menschen. Das muss immer die Basis sein, auf deren Grundlage wir nach Gemeinsamkeiten suchen. Und aus diesem Grund bin ich so froh, dass heute nicht nur so viele herausragende und prominente muslimische Amerikaner und Vertreter des diplomatischen Corps bei uns sind, sondern Menschen vieler Glaubensrichtungen – neben vielen Muslimen auch Christen, Juden und Hindus.

Gemeinsam haben wir die Verantwortung, einen Dialog basierend auf gemeinsamen Interessen und gegenseitigem Respekt zu fördern. Und das ist eine meiner wichtigsten Pflichten als Präsident, sowohl im In- als auch im Ausland. Das steht bei dem Neuanfang, den ich zwischen den Vereinigten Staaten und Muslimen überall auf der Welt anstrebe, im Mittelpunkt. Und das ist ein Bekenntnis, das wir während dieses feierlichen Monats erneuern können.

Wir würdigen heute Abend eine große Religion und ihr Bekenntnis zu Gerechtigkeit und Fortschritt. Wir würdigen die Beiträge der amerikanischen Muslime und das positive Beispiel, das viele von ihnen in ihrem Leben setzen. Und wir widmen uns erneut der Arbeit, eine bessere und hoffnungsvollere Welt aufzubauen.

Ich möchte Ihnen allen dafür danken, dass Sie sich die Zeit genommen haben, um heute Abend hier zu sein. Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Ramadan. Und damit denke ich, kann das Festessen beginnen. Ich weiß nicht, was genau auf der Speisekarte steht, aber ich bin mir sicher, es wird gut sein. Herzlichen Dank an Sie alle.

Originaltext: Remarks by the President at Iftar Dinner

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