Obama spricht über das Gesundheitssystem der Vereinigten Staaten

Washington – (AD) – Nachfolgend veröffentlichen wir die unwesentlich gekürzte Rede, die Präsident Barack Obama am 20. Juli 2009 im Children’s Hospital in Washington hielt.

Nun, zuerst einmal möchte ich dem Children’s Hospital dafür danken, dass man uns heute hier empfängt.

Ich hatte gerade die Gelegenheit, mit Ärzten, Pflegepersonal, Arzthelfern und Verwaltungsangestellten dieser außergewöhnlichen Einrichtung zu sprechen. Wir sprachen über einige Belastungen, die auf unser Gesundheitssystem wirken und über einige der Belastungen, die unser Gesundheitssystem auf Eltern mit kranken Kindern ausübt.

Wir sprachen darüber, wie viel Zeit und Geld auf versicherungsbürokratische Abläufe verschwendet werden. Wir sprachen über die wachsende Zahl der Amerikaner, die unter- oder gar nicht versichert sind. Wir sprachen darüber, was nicht stimmt an diesem System, in dem sich Frauen oft keine Betreuung während der Schwangerschaft und Familien sich keine Vorsorgeuntersuchungen für ihre Kinder leisten können und letztendlich Behandlung in einer Notfallambulanz wie hier im Children’s Hospital in Anspruch nehmen müssen. Wir sprachen über die Tatsache, dass es sogar für Familien, die eine Krankenversicherung haben, sehr schwierig ist, Zugang zu medizinischer Grundversorgung durch Ärzte und Kinderärzte zu erhalten. In einer Stadt wie Washington findet man sämtliche Ärzte in einer Hälfte der Stadt, während in der anderen Hälfte nur sehr wenige praktizieren. Und das hat auch mit den Abrechnungssystemen und den abschreckenden Regelungen für Ärzte, Pflegepersonal und Arzthelfer zu tun, die sich um diejenigen kümmern, die das am nötigsten haben.

Wir sprachen auch darüber, wohin unser Weg führen wird, wenn wir die Krankenversicherungsreform erneut hinausschieben.

Die Angestellten im Gesundheitswesen leisten jeden Tag großartige Arbeit, um amerikanischen Kindern das Leben zu retten. Aber sie sind gezwungen, sich durch ein System zu kämpfen, das Pharmaunternehmen und Versicherungen besser behandelt als die amerikanische Bevölkerung, in deren Dienst all diese wunderbaren Angestellten im Gesundheitswesen ihre Arbeit gestellt haben.

Im Verlauf der vergangenen zehn Jahre haben sich in den Vereinigten Staaten die Prämien verdoppelt, die Zuzahlungen haben sich um ein Drittel erhöht und die Selbstbeteiligung ist weiter gestiegen. Und dennoch – während amerikanische Familien unter in die Höhe schnellenden Gesundheitskosten leiden, haben Krankenkassen und deren Führungskräfte es geschafft, überraschende Gewinne aus diesem kaputten System zu ziehen.

Jahr um Jahr haben wir dieses Problem zerredet. Aber solange wir nicht handeln – wenn wir jetzt nicht handeln – wird sich daran nichts ändern. Hier ein paar Zahlen, die ich über dieses Krankenhaus erfahren habe: Noch vor wenigen Jahren kamen hier etwa 50.000 Menschen jährlich in die Notaufnahme. Heute sind es 85.000. Die Aufnahmen in der Notaufnahme haben sich in relativ kurzer Zeit beinahe verdoppelt, was das ganze System enorm belastet. Das ist der Status quo, und es wird nur noch schlimmer werden.

Wenn wir nichts tun, werden Familien einen immer größeren Teil ihres Einkommens für immer weniger Leistungen aufwenden müssen. Die Zahl der Menschen, die ihren Versicherungsschutz verlieren, weil sie ihre Stelle verloren oder den Arbeitsplatz gewechselt haben, wird weiter steigen. Noch mehr Kindern werden Leistungen verwehrt werden, weil sie Asthma oder einem Herzfehler haben. Menschen werden ihre Stellen verlieren, die Nettolöhne werden geringer ausfallen, Unternehmen werden schließen und wir werden weiterhin Hunderte Milliarden Dollar für Verschwendung und Ineffizienz in Versicherungsfirmen aufwenden, die unsere finanzielle Belastung erhöhen, ohne uns im Geringsten gesünder zu machen.

Die Notwendigkeit zur Reform ist also drängend und unstrittig. Niemand leugnet, dass unser jetziger Weg kein nachhaltiger ist. Wir alle wissen, dass es auch effizienter geht. Ich habe mit dem Leiter der IT-Abteilung hier im Krankenhaus gesprochen, der mir einige großartige Möglichkeiten nannte, wie man elektronische Krankenakten und Informationen über jedes Kind, das nicht nur hier, sondern in der gesamten Region behandelt wurde, zusammenführen und damit Geld sparen und die Gesundheit dieser Kinder verbessern kann. Aber das erfordert Investitionen.

Nun gibt es einige in dieser Stadt, die gerne den Status quo aufrechterhalten – die sogar im Namen mächtiger Sonderinteressen gegen die Reformbestrebungen ankämpfen. Wieder andere erkennen das Problem, sind aber der Meinung – oder hoffen vielleicht auch – dass wir die schwierige Arbeit der Versicherungsreform auf einen anderen Tag, ein anderes Jahr, ein anderes Jahrzehnt verschieben können.

Vor ein paar Tagen sagte ein Senator der Republikaner, ich zitiere: “Wenn wir Obama hier stoppen können, wird das sein persönliches Waterloo. Es wird ihn zu Fall bringen.” Stellen Sie sich das vor. Hier geht es nicht um mich. Hier geht es nicht um Politik. Hier geht es um ein Gesundheitssystem, das amerikanische Familien, amerikanische Unternehmen und die amerikanische Volkswirtschaft zerstört.

Wir können uns bei der Gesundheitsfürsorge keine Politik des Aufschiebens und der Fehlschläge leisten. Nicht dieses Mal. Nicht jetzt. Es geht um das Leben und das Auskommen zu vieler Menschen. Zu viele Familien werden erdrückt werden, wenn die Versicherungsbeiträge weiterhin dreimal so schnell steigen wie die Löhne. Zu viele Unternehmen werden gezwungen sein, Stellen zu streichen, Leistungen zu kürzen oder Einschnitte beim Versicherungsumfang vorzunehmen, wenn wir die in die Höhe schnellenden Gesundheitskosten nicht unter Kontrolle bekommen.

Die von uns anvisierten Reformen würden zu mehr Wettbewerb, Auswahl, Einsparungen und mehr Effizienz in unserem Gesundheitssystem und zu größerer Stabilität und Sicherheit für amerikanische Familien und Unternehmen führen. Für den Durchschnittsamerikaner bedeutet das niedrigere Kosten, mehr Möglichkeiten und Versicherungsschutz, auf den man sich verlassen kann. Sie und Ihre Familie werden Geld sparen, wenn wir ein effizienteres Gesundheitssystem haben. Sie werden sich keine Sorgen mehr darüber machen müssen, aufgrund zu hoher Kosten von der Versorgung ausgeschlossen zu sein. Sie werden sich keine Gedanken mehr darüber machen müssen, dass eine Krankheit Ihre Familie in den finanziellen Ruin treiben könnte. Sie werden sich nicht mehr sorgen müssen, sich die Behandlung eines kranken Kindes nicht leisten zu können.

Wir können – und müssen – all diese Reformen verabschieden, und es gibt eine Möglichkeit, die unser Haushaltsdefizit in den nächsten zehn Jahren nicht erhöhen wird. Ich habe das schon einmal gesagt. Ich möchte es wiederholen: Ein Gesetz, das ich unterschreibe, muss meine Entschlossenheit und die Entschlossenheit des Kongresses widerspiegeln, den Anstieg der Kosten für die Gesundheitsversorgung langfristig zu bremsen. So können wir sicherstellen, dass die Gesundheitsreform gleichzeitig die finanzpolitische Gesundheit unseres Landes festigt.

Wir wussten ja schon immer, dass es nicht einfach sein würde, eine Gesundheitsreform zu verabschieden. Wir wussten immer, dass es schwer sein würde, das Richtige zu tun. In dieser Stadt gibt es einfach einen Hang zur Trägheit. Ich weiß das so gut wie alle anderen. Aber wir sind ein Land, das lieber die schwierige Entscheidung zugunsten der richtigen Lösung als eine einfache Entscheidung zugunsten der falschen Lösung fällt. Das müssen wir dieses Mal tun. Das müssen wir noch einmal tun.

Bahnen wir uns also unseren Weg durch die Tagespolitik. Verabschieden wir bis Ende des Jahres eine Reform. Treffen wir die Entscheidung, unserem Land eine bessere Zukunft zu bescheren – und diese Zukunft wird an Orten wie dem Children’s Hospital sichtbar werden, wenn junge Menschen die Pflege erhalten, die sie verdienen und benötigen, und zwar zum richtigen Zeitpunkt, und es keine überfüllte Notaufnahme gibt, die diese hervorragende Einrichtung überlastet. Ich glaube, wir können das erreichen, aber wir werden in den nächsten Wochen und Monaten einiges dafür tun müssen.

Ihnen allen vielen herzlichen Dank.

Originaltext: Remarks by the President on Health Care at Children’s Hospital

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