Neue Strategie für Afghanistan und Pakistan

WASHINGTON – (AD) – Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von US-Präsident Barack Obama zur neuen Strategie für Afghanistan und Pakistan vom 27. März 2009.Guten Morgen. Bitte setzen Sie sich.

Bevor ich heute beginne, möchte ich zunächst Sie, sehr geehrte Exzellenzen, die Botschafter, die heute hier anwesend sind, begrüßen. Ich begrüße auch unser Zivil- und Militärpersonal, das in Kürze in die Region entsendet wird. Ich bin Ihnen allen sehr dankbar für die außergewöhnliche Arbeit, die Sie leisten.

Ich begrüße General David Petraeus, der heute hier ist und hervorragende Arbeit bei CENTCOM geleistet hat; wir wissen das zu schätzen. Ich möchte Bruce Reidel danken, Bruce sitzt ganz am Ende dort – der sich intensiv mit unserer strategischen Überprüfung befasst hat. Ich begrüße auch Karl Eikenberry, der heute hier ist – er ist unser designierter Botschafter für Afghanistan. Meinem nationalen Sicherheitsteam: Danke für Ihre herausragende Arbeit.

Heute möchte ich eine umfassende neue Strategie für Afghanistan und Pakistan vorstellen. Damit wird eine umsichtige Überprüfung unserer Politik abgeschlossen, die unter der Federführung von Bruce geschah und die ich bei Amtsübernahme angeordnet habe. Meine Regierung hat unsere militärischen Befehlshaber sowie unsere Diplomaten angehört. Wir haben uns mit der Regierung Afghanistans und Pakistans abgestimmt, mit unseren Partnern und Verbündeten in der NATO sowie mit anderen Geberländern und internationalen Organisationen. Auch mit den Mitgliedern des Kongresses hier zu Hause haben wir eng zusammengearbeitet. Jetzt möchte ich mich klar und deutlich an die amerikanischen Bürger wenden.

Die Situation wird immer gefährlicher. Mehr als sieben Jahre sind vergangen, seit die Taliban entmachtet wurden, dennoch tobt der Krieg noch immer und Aufständische kontrollieren Teile von Afghanistan und Pakistan. Anschläge auf unsere Truppen, unsere Bündnispartner in der NATO und die afghanische Regierung nehmen ständig zu. Am schmerzhaftesten ist jedoch, dass 2008 das tödlichste Jahr für die amerikanischen Streitkräfte war.

Viele Menschen in den Vereinigten Staaten – und in vielen Partnerländern, die so viele Opfer gebracht haben – stellen eine einfache Frage: Welchen Zweck verfolgen wir in Afghanistan? Nach so vielen Jahren fragen sie sich, warum unsere Soldatinnen und Soldaten dort noch immer kämpfen und sterben. Sie verdienen eine ehrliche Antwort.

Ich sage es ganz deutlich: Die Al Kaida und ihre Verbündeten – die Terroristen, die die Anschläge vom 11. September geplant und ausgeführt haben – sind in Pakistan und Afghanistan. Zahlreiche nachrichtendienstliche Erkenntnisse warnen, dass die Al Kaida von ihrem sicheren Unterschlupf in Pakistan aus aktiv mit der Planung von Anschlägen auf die Vereinigten Staaten beschäftigt ist. Wenn die afghanische Regierung an die Taliban fällt – oder sie der Al Kaida nichts mehr entgegensetzt – wird dieses Land wieder zur Basis für Terroristen, die so viele unserer Bürger töten wollen, wie sie nur können.

Die Zukunft Afghanistans ist untrennbar mit der Zukunft seines Nachbarlandes, Pakistan, verknüpft. In den fast acht Jahren seit dem 11. September haben sich die Al Kaida und ihre extremistischen Verbündeten über die Grenze in entlegene Gebiete des pakistanischen Grenzgebiets verlagert. Das schließt fast sicher auch die Führung der Al Kaida ein: Osama bin Laden und Ayman al-Zawahiri. Sie haben sich das bergige Terrain zunutze gemacht, um ein sicheres Versteck zu finden, Terroristen auszubilden, mit Anhängern zu kommunizieren, Anschläge zu planen und Kämpfer zur Unterstützung der Aufständischen nach Afghanistan zu schicken. Für die Amerikaner ist die Grenzregion zum gefährlichsten Ort der Welt geworden.

Aber hier handelt es sich nicht um ein ausschließlich amerikanisches Problem – weit davon entfernt. Es ist vielmehr eine Herausforderung ersten Grades für die internationale Sicherheit. Terroranschläge in London und Bali wurden mit der Al Kaida und ihren Verbündeten in Pakistan in Verbindung gebracht, ebenso wie Anschläge in Nordafrika und im Nahen Osten, in Islamabad und Kabul. Wenn ein schwerer Anschlag auf eine asiatische, europäische oder afrikanische Stadt verübt wird, wird er wahrscheinlich auch Verbindungen zur Führung der Al Kaida in Pakistan aufweisen. Die Sicherheit von Menschen auf der ganzen Welt steht auf dem Spiel.

Für die Afghanen wäre eine Rückkehr zur Herrschaft der Taliban eine Verurteilung ihres Landes zu brutaler Führung, internationaler Isolierung, einer gelähmten Wirtschaft sowie einer Verweigerung von Menschenrechten für das afghanische Volk – insbesondere für Frauen und Mädchen. Die zahlenmäßig starke Rückkehr von Terroristen der Al Kaida, die die Kernführung der Taliban begleiten würde, würde einen Schatten dauerhafter Gewalt über Afghanistan werfen.

Meine größte Verantwortung als Präsident ist es, das amerikanische Volk zu schützen. Wir sind nicht in Afghanistan, um das Land zu kontrollieren oder ihm seine Zukunft zu diktieren. Wir sind in Afghanistan, um einem gemeinsamen Feind entgegenzutreten, der die Vereinigten Staaten, ihre Freunde und Verbündeten sowie die Menschen in Afghanistan und Pakistan bedroht, die unter den gewalttätigen Extremisten am meisten gelitten haben.

Ich möchte, dass die Amerikaner verstehen, dass wir ein klares und scharf umrissenes Ziel haben: die Al Kaida in Pakistan und Afghanistan zu behindern, zu zerschlagen und zu besiegen und ihre Rückkehr in beide Länder in Zukunft zu verhindern. Dieses Ziel muss erreicht werden. Es könnte keine gerechtere Aufgabe geben. An die Terroristen gewandt, die sich uns entgegenstellen, lautet meine Botschaft ebenfalls: Wir werden Sie besiegen.

Um unsere Ziele zu erreichen, benötigen wir eine stärkere, intelligentere und umfassende Strategie. Damit die Vereinigten Staaten sich auf die größte Bedrohung für ihre Bürger konzentrieren können, dürfen Afghanistan wegen des Kriegs im Irak keine Ressourcen mehr vorenthalten werden. Zur Verbesserung der militärischen, regierungspolitischen und wirtschaftlichen Fähigkeiten Afghanistans und Pakistans müssen wir internationale Unterstützung mobilisieren. Um einen Feind zu besiegen, der weder Grenzen noch Kriegsgesetze achtet, müssen wir die grundlegende Verbindung zwischen der Zukunft Afghanistans und Pakistans erkennen. Deshalb habe ich Botschafter Richard Holbrooke, der heute hier ist, zum Sondergesandten für beide Länder ernannt. Er wird zur Koordinierung unsere zivilen und militärischen Bestrebungen eng mit General Petraeus zusammenarbeiten.

Zunächst möchte ich auf die zukünftige Vorgehensweise in Pakistan zu sprechen kommen.

Die Vereinigten Staaten haben große Achtung vor den Bürgern Pakistans. Sie haben eine reiche Geschichte und haben gegen große Schwierigkeiten gekämpft, um ihre Demokratie zu erhalten. Die Menschen in Pakistan wollen die gleichen Dinge, die wir wollen: ein Ende des Terrors, Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen, die Chance, ihre Träume zu verwirklichen und die Sicherheit, die es nur mit Rechtsstaatlichkeit gibt. Die größte, einzelne Bedrohung für diese Zukunft geht von der Al Kaida und ihren extremistischen Verbündeten aus. Deshalb müssen wir zusammenstehen.

Die Terroristen innerhalb der Grenzen Pakistans sind nicht lediglich Feinde der Vereinigten Staaten oder Afghanistans – sie stellen eine ernste und dringliche Gefahr für die Menschen in Pakistan dar. Seit dem 11. September haben die Al Kaida und andere gewalttätige Extremisten mehrere Tausend Pakistaner getötet. Sie haben viele pakistanische Soldaten und Polizisten umgebracht. Sie haben Benazir Bhutto ermordet. Sie haben Gebäude in die Luft gesprengt, ausländische Investitionen platzen lassen und die Stabilität des Landes bedroht. Täuschen Sie sich also nicht: Die Al Kaida und ihre extremistischen Verbündeten sind ein Krebsgeschwür, dass droht, Pakistan von innen zu zersetzen.

Es ist wichtig, dass die Amerikaner verstehen, dass Pakistan bei der Verfolgung der Al Kaida unsere Hilfe braucht. Das ist keine leichte Aufgabe. Die von Stämmen beherrschten Regionen sind weitläufig, gebirgig und oft hat die Regierung hier keinen Einfluss. Deshalb müssen wir unsere militärische Unterstützung auf die Instrumente, die Ausbildung und die Unterstützung konzentrieren, die Pakistan zur Bekämpfung der Terrorisen benötigt. Nach jahrelangen gemischten Resultaten werden und können wir dafür keinen Blankoscheck ausstellen.

Pakistan muss seine Entschlossenheit zur Bekämpfung der Al Kaida und der gewalttätigen Extremisten an seinen Grenzen beweisen. Und wir werden – auf die eine oder andere Weise – darauf bestehen, dass Maßnahmen ergriffen werden, sobald wir nachrichtendienstliche Erkenntnisse über hochrangige Zielpersonen unter den Terroristen haben.

Die Fähigkeit der Regierung, diese sicheren Zufluchtsstätten zu zerstören, ist verbunden mit ihrer eigenen Stärke und Sicherheit. Um Pakistan zu helfen, die Wirtschaftskrise zu überstehen, müssen wir weiterhin mit dem IWF und der Weltbank sowie anderen internationalen Partnern zusammenarbeiten. Um die Spannungen zwischen zwei Ländern mit Atomwaffen zu verringern, die sich zu oft am Rande der Eskalation und Konfrontation befinden, müssen wir konstruktive Diplomatie mit Indien und Pakistan betreiben. Um die Fehler der Vergangenheit zu vermeiden, müssen wir klarstellen, dass unsere Beziehungen zu Pakistan auf der Unterstützung für die demokratischen Institutionen Pakistans und der pakistanischen Bürger gründen. Und um unser bleibendes Engagement ebenso durch Taten wie durch Worte zu zeigen, müssen wir für dauerhafte Chancen stehen.

Eine Kampagne gegen Extremismus wird mit Kugeln und Bomben allein keinen Erfolg haben. Die Al Kaida bietet den Menschen in Pakistan nichts als Zerstörung. Wir stehen für etwas anderes. Heute rufe ich also den Kongress auf, ein parteiübergreifendes Gesetz zu verabschieden, das gemeinsam von John Kerry und Richard Lugar eingebracht wurde. Es bewilligt für die nächsten fünf Jahre 1,5 Milliarden US-Dollar an direkter, jährlicher Hilfe für die Menschen Pakistans. Mit diesen Mitteln werden Schulen, Straßen und Krankenhäuser gebaut und die pakistanische Demokratie gestärkt. Ich fordere den Kongress außerdem auf, ein parteiübergreifendes, von Maria Cantwell, Chris Van Hollen und Peter Hoekstra eingebrachtes Gesetz zu verabschieden, mit dem chancenreiche Zonen in den Grenzregionen geschaffen werden, um die Wirtschaft zu entwickeln und von Gewalt geplagten Orten Hoffnung zu bringen. Wir werden unsere Freunde und Verbündeten bitten, das Ihre zu tun – auch auf der Geberkonferenz in Tokio in einem Monat.

Ich bitte nicht leichtfertig um diese Unterstützung. Es sind schwierige Zeiten. Die Ressourcen sind knapp. Aber die amerikanischen Bürger müssen verstehen, dass es sich hierbei um eine Anzahlung auf ihre eigene Zukunft handelt – weil die Sicherheit der Vereinigten Staaten und Pakistans zusammenhängt. Die Regierung Pakistans muss ein stärkerer Partner dabei werden, diese Zufluchtsorte zu zerstören, und wir müssen die Al Kaida von den pakistanischen Bürgern isolieren. Diese Schritte in Pakistan sind auch für unsere Bestrebungen in Afghanistan unverzichtbar, wo es kein Ende der Gewalt geben wird, wenn sich Aufständische frei über die Grenze hinweg bewegen können.

Die Sicherheit erfordert einen neues, geteiltes Verantwortungsgefühl. Deshalb werden wir einen ständigen, trilateralen Dialog zwischen den Vereinigten Staaten, Afghanistan und Pakistan einführen. Unsere Länder werden sich unter der Federführung von Außenministerin Clinton und Verteidigungsminister Gates regelmäßig treffen. Gemeinsam müssen wir den Austausch nachrichtendienstlicher Erkenntnisse ausbauen, die militärische Zusammenarbeit entlang der Grenze verbessern und gleichzeitig gemeinsame Anliegen wie Handel, Energie und Wirtschaftsentwicklung besprechen.

Dies ist nur ein Teil einer umfassenden Strategie um zu verhindern, dass Afghanistan wieder der Zufluchtsort für die Al Kaida wird, der es vor dem 11. September war. Um erfolgreich zu sein, müssen wir und unsere Freunde und Verbündeten die Erfolge der Taliban zunichte machen und eine fähigere, verantwortungsvollere afghanische Regierung fördern.

Unsere Truppen haben einen skrupellosen Feind mutig bekämpft. Unsere zivilen Einsatzkräfte haben große Opfer gebracht. Unsere Verbündeten haben eine schwere Last getragen. Die Afghanen haben für ihre Zukunft gelitten und Opfer gebracht. Aber seit sechs Jahren werden Afghanistan aufgrund des Kriegs im Irak die geforderten Mittel vorenthalten. Jetzt müssen wir eine Verpflichtung eingehen, mit der wir unsere Ziele erreichen können.

Ich habe bereits die Entsendung von 17.000 Soldaten angeordnet, die General McKiernan seit Monaten anfordert. Diese Soldaten und Marineinfanteristen werden den Kampf gegen die Taliban im Süden und Osten aufnehmen und uns mehr Möglichkeiten bieten, gemeinsam mit den afghanischen Sicherheitskräften die Aufständischen entlang der Grenze zu verfolgen. Dieser Vorstoß wird auch zur Sicherheit im Vorfeld der wichtigen Präsidentschaftswahlen in Afghanistan im August beitragen.

Gleichzeitig werden wir den Schwerpunkt unserer Mission auf die Ausbildung und die Aufstockung der afghanischen Sicherheitskräfte verlagern, so dass sie schließlich die Führung bei der Sicherung ihres Landes übernehmen können. So werden wir die Afghanen darauf vorbereiten, die Verantwortung für ihre Sicherheit zu übernehmen, und so werden wir schließlich unsere eigenen Truppen nach Hause bringen.

Seit drei Jahren erklären unsere Befehlshaber deutlich, welche Ressourcen sie für die Ausbildung benötigen. Diese Ressourcen wurden ihnen aufgrund des Kriegs im Irak verweigert. Das wird sich jetzt ändern. Die zusätzlich entsandten Truppen haben unsere Ausbildungskapazitäten bereits erhöht. Gegen Frühlingsende werden wir in etwa 4.000 amerikanische Soldaten zur Ausbildung der afghanischen Sicherheitskräfte entsenden. Zum ersten Mal werden wir unsere Bestrebungen zur Ausbildung und Unterstützung der afghanischen Armee und Polizei wirklich finanzieren. Jeder amerikanischen Einheit in Afghanistan wird eine afghanische Einheit als Partner zugewiesen, und wir werden zusätzliche Ausbilder von unseren Bündnispartnern in der NATO anfordern um zu gewährleisten, dass jede afghanische Einheit einen Koalitionspartner hat. Wir werden unsere Anstrengungen zum Aufbau einer 134.000 Mann starken afghanischen Armee und eines Polizeiapparats von 82.000 Mann beschleunigen, damit wir diese Ziele bis 2011 erreichen können. Im Rahmen unseres Plans, die Verantwortung zukünftig auf die Afghanen zu übertragen, könnten Aufstockungen der afghanischen Kräfte durchaus erforderlich sein.

Diese Anstrengung muss mit einer drastischen Verstärkung unserer zivilen Bestrebungen einhergehen. Afghanistan hat eine gewählte Regierung, die aber von Korruption unterwandert ist und Schwierigkeiten hat, grundlegende Dienste für ihre Bürgern zu leisten. Die Wirtschaft wird von einem boomenden Drogenhandel unterlaufen, der Kriminalität fördert und die Aufständischen finanziert. Die Bürger Afghanistans wollen die Vorzüge einer besseren Zukunft. Dennoch haben wir wieder einmal gesehen, wie die Hoffnung auf einen Neuanfang von Gewalt und Unsicherheit überschattet wird.

Um also Sicherheit, Chancen und Gerechtigkeit zu stärken – nicht nur in Kabul, sondern auch ausgehend von der untersten Ebene in den Provinzen – benötigen wir Landwirtschaftsexperten und Pädagogen, Ingenieure und Rechtsanwälte. So können wir der afghanischen Regierung helfen, ihrem Volk zu dienen und eine Volkswirtschaft aufzubauen, die nicht von illegalen Drogen dominiert wird. Deshalb ordne ich eine maßgebliche Aufstockung unserer Zivilkräfte vor Ort an. Das ist auch der Grund für die Bitte um zivile Unterstützung von unseren Partnern und Verbündeten, von den Vereinten Nationen und internationalen Hilfsorganisationen – eine Bestrebung, die Außenministerin Clinton nächste Woche in Den Haag voranbringen wird.

In wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist es verlockend, an die Kürzung dieser zivilen Bestrebungen zu denken. Aber täuschen Sie sich nicht: Unsere Bestrebungen in Afghanistan und Pakistan werden scheitern, wenn wir nicht in die Zukunft dieser Länder investieren. Deshalb beinhaltet mein Haushalt die unverzichtbaren Investitionen in die Programme unseres Außenministeriums und unserer Auslandshilfe. Diese Investitionen erleichtern die Last unserer Truppen. Sie tragen unmittelbar zur Sicherheit bei. Sie machen die Vereinigten Staaten sicherer. Langfristig sparen wir so auch viel Geld – denn es ist weitaus billiger, einen Polizisten auszubilden, das eigene Dorf zu sichern, als einem Landwirt bei der Aussaat einer Pflanze zu helfen, aufgrund derer unsere Truppen eine turnusmäßige Dienstzeit nach der anderen in den Kampf entsandt werden müssen, ohne dass es je einen Übergang zu afghanischer Verantwortung gäbe.

Wenn wir diese Mittel zur Verfügung stellen, muss die Zeit, in der Ausgaben getätigt wurden, ohne Rechenschaft zu verlangen, Verträge ohne Ausschreibung vergeben wurden und verschwenderisch wiederaufgebaut wurde, enden. In meiner Haushaltsvorlage sind also mehr Mittel für einen leistungsstarken Generalinspekteur im Außenministerium und beim US-Amt für internationale Entwicklung (USAID) vorgesehen, sowie eine solide Finanzierung der Sonderinspektoren für den Wiederaufbau Afghanistans.

Ich möchte es ganz deutlich sagen: Wir können vor der Korruption, die die Afghanen den Glauben an die eigene Führung verlieren lässt, nicht die Augen verschließen. Stattdessen wollen wir einen neuen Pakt mit der afghanischen Regierung, der korruptes Verhalten bestraft, klare Maßstäbe aufstellt und eindeutige Vorgaben für internationale Hilfe macht, damit er für die Bedürfnisse der Afghanen eingesetzt wird.

In einem Land mit extremer Armut, das sich seit Jahrzehnten im Krieg befindet, wird es zudem keinen Frieden ohne eine Versöhnung unter ehemaligen Feinden geben. Ich mache mir keine Illusionen, dass es einfach sein wird. Im Irak hatten wir Erfolg damit, auf ehemalige Gegner zuzugehen, um die Al Kaida im Irak zu isolieren. In Afghanistan müssen wir ähnlich vorgehen, aber wir müssen uns gleichzeitig bewusst machen, dass es ein ganz anderes Land ist.

Unter den Taliban gibt es einen kompromisslosen Kern. Man muss mit Gewalt gegen ihn vorgehen, er muss besiegt werden. Aber es gibt auch diejenigen, die genötigt wurden, zu Waffen zu greifen, oder die dafür bezahlt wurden. Diese Afghanen müssen die Möglichkeit haben, sich für einen anderen Kurs zu entscheiden. Deshalb werden wir mit der den führenden Vertretern vor Ort zusammenarbeiten, mit der afghanischen Regierung und internationalen Partnern, um in jeder Provinz einen Aussöhnungsprozess zu ermöglichen. Mit abnehmenden Anhängerzahlen wird ein Feind, der den Afghanen nichts zu bieten hat außer Terror und Unterdrückung, weiter isoliert. Wir werden uns außerdem weiterhin für die grundlegenden Menschenrechte aller Afghanen einsetzen – auch der Frauen und Mädchen.

Wir werden zukünftig auch nicht blind dem eingeschlagenen Kurs folgen. Stattdessen werden wir klare Vorgaben machen, um Fortschritte zu messen und Rechenschaft abzulegen. Wir werden unsere Anstrengungen zur Ausbildung der afghanischen Sicherheitskräfte und unsere Fortschritte bei der Bekämpfung von Aufständischen kontinuierlichen bewerten. Wir werden das Wirtschaftswachstum in Afghanistan und den illegalen Drogenanbau messen. Und wir werden überprüfen, ob wir die richtigen Instrumente und die richtige Taktik anwenden, um Fortschritte im Hinblick auf unsere Ziele zu machen.

Keiner der Schritte, die ich beschrieben habe, wird leicht sein, keiner sollte von den Vereinigten Staaten alleine unternommen werden. Die Welt kann es sich nicht leisten, den Preis zu zahlen, der auf uns zukommt, wenn Afghanistan wieder im Chaos versinkt oder die Al Kaida unkontrolliert agieren kann. Wir tragen gemeinsam die Verantwortung zu handeln – nicht, weil wir Macht um der Macht willen ausüben wollen, sondern weil Frieden und Sicherheit in unserem Land davon abhängen. Diesmal steht nicht nur unsere Sicherheit auf dem Spiel, sondern die Auffassung an sich, dass freie Länder im Namen ihrer gemeinsamen Sicherheit zusammenarbeiten können. Das war die Motivation für die Gründung der NATO vor 60 Jahren, und das muss auch heute unser gemeinsames Ziel sein.

Meine Regierung bekennt sich zur Stärkung internationaler Organisationen und zu kollektivem Handeln, und das wird auch nächste Woche in Europa meine Botschaft sein. Wenn die Vereinigten Staaten mehr tun, werden sie auch andere bitten, ihren Teil zu leisten. Wir werden unsere Partner und Bündnispartner in der NATO nicht einfach um Truppen ersuchen, sondern um ziemlich klar definierte Fähigkeiten: die Unterstützung der afghanischen Wahlen, die Ausbildung afghanischer Sicherheitskräfte, mehr ziviles Engagement für die afghanischen Bürger. Für die Vereinten Nationen ersuchen wir um größere Fortschritte für ihr Mandat zur Koordinierung internationaler Maßnahmen und Hilfe sowie die Stärkung afghanischer Institutionen.

Und schließlich werden wir gemeinsam mit den Vereinten Nationen eine neue Kontaktgruppe für Afghanistan und Pakistan bilden, in der alle zusammenkommen, die ein Interesse an Sicherheit in der Region haben – unsere Bündnispartner in der NATO und andere Partner, aber auch die Staaten Zentralasiens, die Golfanrainer sowie Iran, Russland, Indien und China. Keines dieser Länder kann davon profitieren, eine Basis für Terroristen der Al Kaida und eine Region zu sein, die ins Chaos stürzt. Alle haben ein Interesse an dauerhaftem Frieden, Sicherheit und Entwicklung.

Das gilt vor allem für die Koalition, die gemeinsam in Afghanistan gekämpft hat, Seite an Seite mit den Afghanen. Die Opfer waren enorm. Fast 700 Amerikaner kamen ums Leben. Truppen aus mehr als 20 Ländern haben diesen ultimativen Preis ebenfalls bezahlt. Alle Amerikaner halten den Dienst und die Freundschaft derer in Ehren, die an ihrer Seite gekämpft, gearbeitet und geblutet haben. Und alle Amerikaner haben Ehrfurcht vor dem Dienst der eigenen Soldatinnen und Soldaten, die eine ebenso große Last getragen haben, wie jede andere Generation. Sie und ihre Familien verkörpern das Vorbild des selbstlosen Opfers.

Ich möchte alle daran erinnern, dass die Vereinigten Staaten von Amerika sich diesen Krieg in Afghanistan nicht ausgesucht haben. Am 11. September 2001 starben fast 3.000 Amerikaner, während sie nichts anderes taten, als ihrem Alltag nachzugehen. Seitdem haben die Al Kaida und ihre Verbündeten Tausende von Menschen in vielen Ländern getötet. Das meiste Blut an ihren Händen ist das Blut von Muslimen, die die Al Kaida in viel größerer Zahl getötet und verstümmelt hat als alle anderen. Das ist die Zukunft, die die Al Kaida den Menschen in Pakistan und Afghanistan anbietet – eine Zukunft ohne Hoffnung oder Chancen, eine Zukunft ohne Gerechtigkeit oder Frieden.

Sie müssen also verstehen, dass der vor uns liegende Weg lang sein wird und uns schwierige Tage bevorstehen. Aber wir werden dauerhafte Partnerschaften mit Afghanistan und Pakistan eingehen, die den Bürgern dieser Länder einen Neuanfang versprechen. Wir werden alle Möglichkeiten unserer nationalen Macht ausschöpfen, um die Al Kaida zu besiegen und die Vereinigten Staaten sowie alle ihre Verbündeten und alle, die eine bessere Zukunft wollen, zu verteidigen. Weil die Vereinigten Staaten von Amerika für Frieden, Sicherheit, Gerechtigkeit und Chancen stehen. Das ist es, was wir sind, und danach zu handeln, ruft uns die Geschichte wieder einmal auf.

Vielen Dank. Gott segne Sie, und Gott segne die Vereinigten Staaten von Amerika.

Originaltext: Remarks by the President on a New Strategy for Afghanistan and Pakistan

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