Globale Herausforderungen im Bereich Energie: Wir dürfen den Privatsektor nicht vergessen

HANNOVER – (AD) – Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Botschafter William R. Timken jr. beim World Energy Dialogue in Hannover vom 17. April 2007.

Vergangenes Jahr hatte ich die Ehre, an demselben Forum teilzunehmen. Ich sprach damals über den Zusammenhang zwischen Wirtschaftswachstum, Energieverbrauch und Umweltfragen. Ich beschrieb einige der Initiativen der Regierung Bush, die sich mit den Herausforderungen im Energiesektor im 21. Jahrhundert befassen. Präsident Bush hat während seiner gesamten Amtszeit technologische Entwicklungen im Bereich Energie unterstützt und beschleunigt. Die Vereinigten Staaten haben in die Klimawissenschaften investiert und Maßnahmen umgesetzt, um den Anstieg an Treibhausgasemissionen zu verlangsamen. Um dies zu erreichen haben wir mit Forschungseinrichtungen, dem Privatsektor und anderen Regierungen zusammengearbeitet.

Deutschland ist dabei einer unserer wichtigsten Partner. Bundeskanzlerin Merkel hat wie Präsident Bush die Forschungshaushalte für saubere Energietechnologien aufgestockt und die Förderung der Energiesicherheit zu einem Hauptziel ihrer Regierung gemacht.

Sie hat zudem die Bereiche Energie und Umwelt zu Prioritäten während der deutschen EU-Ratspräsidentschaft gemacht. Mein Präsident und Ihre Bundeskanzlerin haben schon oft über die Herausforderung gesprochen, eine wirtschaftlich tragfähige, umweltfreundliche Energieversorgung zu gewährleisten.

Die Bundeskanzlerin und Präsident Bush sind sich einig, dass nachhaltige Investitionen einer der Schlüssel zur Bewältigung dieser Herausforderung sind, der am wenigsten wirtschaftliche Nachteile für die Bürger mit sich bringt. Es sollte unseren Bürgern als Verbrauchern und Arbeitnehmern absolut klar sein, dass die Kosten und sich ergebenden Lasten vieler Veränderungen, die von Politikern zur Bewältigung der Erderwärmung und der Gewährleistung der Energiesicherheit vorgeschlagen werden, von den Bürgern selbst bezahlt werden müssen.

Die Vereinigten Staaten und die Europäische Union haben die einzigartige Chance, eine gemeinsame transatlantische und globale Energieagenda voranzutreiben. Beide Seiten sind bei erneuerbaren Energiequellen und innovativen Energiespartechnologien führend. Dank dieser Errungenschaften können wir bei der Lösung der weltweiten Energiefragen eine besondere Rolle spielen.

Vergangenen Monat luden Außenministerin Rice und Außenminister Steinmeier zu einem gemeinsamen US-EU Energy Technology CEO Forum in Washington ein. Sie brachten führende Vertreter der größten Unternehmen im Energiesektor und damit verwandten Bereichen mit Wagniskapital-Investoren und bedeutenden Forschungsinstitutionen auf beiden Seiten des Atlantiks zusammen. Das Ziel des Forums war die Etablierung eines Dialogs zur Förderung öffentlich-privater Kooperation bei der Entwicklung neuer, sauberer und effizienter Technologien – und, was am wichtigsten ist, der Erschließung neuer Produkte für die Verbraucher, die auf diese Technologien angewiesen sind. Außenministerin Rice sagte, dass wir in Energiefragen gewährleisten müssen, dass es nicht nur für Politiker genug Plätze am Tisch gibt, sondern auch für den Privatsektor.

Warum ist das so wichtig? Lassen Sie mich es folgendermaßen ausdrücken. Auf beiden Seiten des Atlantiks gibt es öffentliche und private Kampagnen zur Steigerung der Energieeffizienz. Sogar so etwas Einfaches, wie eine Glühbirne durch eine Energiesparbirne zu ersetzen, kann eine enorme Wirkung haben. Einige Regierungen erwägen hierbei die Einführung von Gesetzen. Was halten Sie davon? In den Vereinigten Staaten gibt es Witze über Glühbirnen, die ausgewechselt werden. Ich weiß, dass es die in Deutschland auch gibt. Wie viele Politiker braucht man Ihrer Meinung nach, um die alten Glühbirnen auszuwechseln? Keinen. Es ist an den Verbrauchern und dem Privatsektor, die eine oder andere grundlegende Veränderung zu finanzieren und zu beschließen, die unsere Energieeffizienz erhöht.

Im Ernst: Es ist wichtig, dass Regierung und Privatsektor gemeinsam an den umwelt- und energiepolitischen Herausforderungen arbeiten. Der effiziente Umgang mit Energie und Ressourcen sowie die Verhinderung des Klimawandels sind nicht nur ökologische, sondern auch knallharte ökonomische Anliegen.

Es gibt keine geeigneteren Zusammenkünfte als das CEO Forum der Außenministerin im vergangenen Monat in Washington oder den jährlich veranstalteten World Energy Dialogue, um sich über intelligente und Erfolg versprechende Ansätze für Wachstum auszutauschen. Intelligentes Wachstum ist gut für unsere Umwelt, für unsere Volkswirtschaften und unsere Lebensqualität.

Hier haben die Vereinigten Staaten und Deutschland wieder eine besondere Rolle zu spielen. Als größte und drittgrößte Volkswirtschaft der Welt verfügen wir über Kapitalmärkte und Unternehmer, die viele der innovativsten Firmen der Welt hervorgebracht haben. Deutschland ist auch die größte Exportnation der Welt und Vorreiter in verschiedenen modernen Technologien für saubere Energie, darunter die Solartechnologie. Der Fokus der Vereinigten Staaten auf Energieforschung und -entwicklung hat dazu geführt, dass auch wir große Schritte in einigen neuen Energietechnologien gemacht haben, darunter Kohlenstoffbindungs- und Speichertechnologien.

Die Menschen wollen die Arbeitsplätze, Volkswirtschaften, wirtschaftliche Wiederbelebung und Chancen, die Wachstum mit sich bringen kann, aber sie wollen sie ohne negative Auswirkungen für die Umwelt. Vor einhundert Jahren, zu Beginn des 20. Jahrhunderts, sagte US-Präsident Theodore Roosevelt: “Umweltschutz bedeutet Entwicklung genauso wie Schutz.” Roosevelt erkannte damals, dass wir Fortschritt und Wachstum nicht aufhalten können, aber lenken müssen, um auch die Umwelt zu schützen, während wir das Wirtschaftswachstum fördern.

Heute erscheinen die Herausforderungen, die sich aus der Deckung der globalen Nachfrage nach Energie ergeben, vielen Menschen beängstigend. Sie vergessen dabei jedoch die Fortschritte, die in den vergangenen 100 Jahren in den Energietechnologien gemacht wurden. Während der nächsten Jahrzehnte werden wir aller Wahrscheinlichkeit nach technologische Durchbrüche miterleben, die sich die meisten von uns, die wir im Zeitalter der Kohlenwasserstoffe aufgewachsen sind, nicht einmal vorstellen können. Wir nutzen die Atomkraft zu friedlichen Zwecken, was auch richtig ist, aber finden zudem Wege, unseren Energiebedarf durch die effiziente Verwendung von Maisstengeln und Präriegras, von Brennstoffzellen, Lithium-Ion-Batterien, Photovoltaikzellen und möglicherweise eines Tages der Mikroben im Magen einer Termite zu decken.

Regierungen bewilligen Forschungsgelder, um einigen dieser Technologien zum Durchbruch zu verhelfen. In den Vereinigten Staaten investieren wir stark in saubere Technologien und ergreifen politische Maßnahmen, die sie bei den Kosten wettbewerbsfähig machen sollen. Von 2001 bis 2006 hat die US-Regierung mehr als 29 Milliarden Dollar für Klimawissenschaften, Technologien, internationale Hilfsmaßnahmen und Bonusprogramme bewilligt. Zusätzlich unterhalten wir Programme in Höhe von 11,5 Milliarden Dollar zur Förderung sauberer Technologien sowie zur Nutzung von Solarenergie, Windkraft, Erdwärme sowie Hybrid- und sauberen Dieselfahrzeugen. Obwohl die Finanzierung durch Regierungen wichtig bleiben wird, kann dies nicht die einzige Lösung sein. Der Privatsektor muss innovative Ansätze zur Schaffung einer nachhaltigen Infrastruktur finden. Der Markt muss bestimmen, welche Technologien gleichzeitig die Bedürfnisse von Verbrauchern, Einzelpersonen und Unternehmen erfüllen. Die Verbraucher müssen in der Lage sein, ihren eigenen Weg zu finden, die höheren von ihnen zu tragenden Kosten zu minimieren.

Unsere Ansätze bei Initiativen für saubere Kohletechnologien veranschaulichen die Vorteile von öffentlich-privaten Partnerschaften. Energieminister Sam Bodman sagte, die in den Vereinigten Staaten verfügbare Kohle stelle eine größere Energieressource dar als nahezu alle Ölvorkommen auf der Welt. Die Regierung teilt die Kosten für die großflächig angelegte Umsetzung “nahezu fertiger” Technologien und die langfristige Entwicklung der Technologien von Morgen mit dem Privatsektor. Dies wird es uns ermöglichen, Wege zu finden, Kohle auf umweltverträgliche Weise zu nutzen. Das Gesetz über Energiepolitik (Energy Policy Act) aus dem Jahr 2005 billigte Steuererleichterungen als Anreiz dafür, moderne Technologien auf den Markt zu bringen. Vergangenen November erhielten neun Unternehmen Steueranreize in Höhe von einer Milliarde Dollar, um den schnellen Einsatz moderner kohlebasierter Stromerzeugungstechnologien und Kohlevergasungstechnologien zu bewirken.

Duke Energy war eines dieser neun Unternehmen. James Rogers, Geschäftsführer von Duke Energy, nahm im März an einer Anhörung vor einem Kongressausschuss zu zukünftigen Bestimmungen zum Klimawandel teil. Er erklärte, dass jedes Gesetz zum Klimawandel so strukturiert sein muss, dass es Innovationen fördert, kreativ in seinem Vermögen ist, zu Investitionen in neue und entstehende Technologien zu ermutigen und die für umweltpolitische Verbesserungen nötigen Kosten gerecht verteilt.

Denn wenn die Vergangenheit als Richtschnur gelten kann, wird die derzeitige starke Nachfrage nach Energie zu einem neuen Zeitalter der Innovationen und des Reichtums im Energiesektor führen. Ich vertraue auf die Kraft des Privatsektors. Genau wie ein Fluss auch die größten Felsen in seinem Verlauf auswäscht, haben die Kräfte des Marktes das Vermögen und die Ausdauer, Hindernisse auszuräumen. Die derzeitige Energiekrise ist gekennzeichnet durch Fragen nach der Verlässlichkeit der Versorgung, steigende Energiekosten und Bedenken bezüglich des Klimawandels und anderer Auswirkungen auf die Umwelt. Steigende Kosten bedeuten, dass es große Chancen für innovative Kräfte und Investoren gibt, die neue Technologien auf den Markt bringen wollen. Die Risiken sind hoch, aber der Lohn ist groß.

Zum jetzigen Zeitpunkt ist Energieeffizienz eines der heißesten Themen für Unternehmen. Zwischen 1973 und 2000 wuchs die US-Wirtschaft um 148 Prozent. Die Bevölkerungszahl stieg von 212 Millionen auf mehr als 282 Millionen. Dennoch stieg der Gesamtenergieverbrauch in den Vereinigten Staaten um nur 32 Prozent. Das bedeutet, dass die Energieintensität unserer Volkswirtschaft erheblich zurückging. Wodurch wurde die Veränderung hervorgerufen? Nun, Konsumenten kauften sparsamere Autos und Geräte. Sie isolierten und rüsteten ihre Häuser gegen das Wetter. Sie stellten Thermostate so ein, dass der Energieverbrauch fiel. Unternehmen setzten mehr energiesparende Technologien ein. Wir lernten, dass Energiesparen nicht unbedingt eine Form von Abstinenz sein muss – Fahrradfahren und weniger Duschen – sondern auch durch die kluge Entscheidung erzielt werden kann, leicht verfügbare Technologien einzusetzen.

Wie viele von Ihnen wissen, komme ich aus der verarbeitenden Industrie. In den Vereinigten Staaten ist die verarbeitende Industrie für nahezu ein Drittel des Energieverbrauchs verantwortlich. Als die Energiepreise dramatisch anstiegen, hatte sie keine andere Wahl, als Methoden zu entwickeln, um die in die Höhe schießenden Kraftstoffpreise auszugleichen. Unternehmen rüsteten ihre Gebäude mit effizienteren Heiz- und Kühlvorrichtungen aus. Sie installierten Energiemanagement und -kontrollsysteme. Fabriken setzten energieeffiziente Herstellungsprozesse und effizientere Motoren für Fließbänder, Pumpen, Ventilatoren und Kompressoren ein. Unter dem Strich wurden Milliarden von Dollar investiert und gleichzeitig wurden die Auswirkungen auf die Umwelt reduziert. Heute geht es beim Energiesparen um Effizienz: darum, dieselben oder bessere Ergebnisse aus nur einem Bruchteil der Energie zu gewinnen. Steigerungen bei der Rentabilität von Energie, ausgelöst durch hohe Kraftstoffpreise und vernünftige politischen Entscheidungen von Regierungen, zählen zu den größten wirtschaftlichen Erfolgsgeschichten dieses Jahrhunderts.

Im Gegensatz zu dem, was Einige in Europa glauben, setzen sich die Vereinigten Staaten für die Festlegung von Zielwerten und die Schaffung eines Umfeldes ein, in dem Lösungen erdacht, entwickelt und umgesetzt werden können. Obwohl wir uns großen Herausforderungen gegenüber sehen, können wir diese bewältigen, wenn wir weiterhin Grenzen und Schranken niederreißen und zusammenarbeiten. Unsere Bürger, Wissenschaftler und Unternehmen müssen offen für die Fortschritte sein, die auf beiden Seiten des Ozeans erarbeitet werden. Indem wir unsere Energiequellen erfolgreich diversifizieren, unsere Effizienz steigern und Übertragungsmöglichkeiten verbessern, können wir sicherstellen, dass unsere Nationen und die Weltwirtschaft während der kommenden hundert Jahre weiter wachsen werden.

Originaltext: Global Energy Challenges: Don’t Forget the Private Sector

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