Interaktion mit der Welt nach dem 11. September 2001

MÜNCHEN – (AD) – Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede der Hochrangigen Beraterin im US-Außenministerium, Farah Pandith, vom 11. September 2001.

Deutschland ist eines der bedeutendsten Länder Europas. Seit Jahrzehnten ist es ein wichtiger strategischer Verbündeter der Vereinigten Staaten, ein Verbündeter im Krieg gegen totalitäre Systeme und ein Bollwerk bei der Unterstützung der Demokratie. Ich hatte das Glück, im vergangenen Jahr mehrmals nach Deutschland zu reisen, und fühle mich hier sehr Zuhause.

Während des Kalten Kriegs war Deutschland ein Staat an der Front. Es war sogar das Land, das an vorderster Front stand. Es gab viele bewaffnete Konfrontationen während des Kalten Kriegs – die bekanntesten in Korea und Vietnam – aber sie führten nicht dazu, dass der Kalte Krieg in eine heiße Phase eintrat. Wenn das der Fall gewesen wäre, hätte die chemische Verbrennung aller Wahrscheinlichkeit nach über Deutschland stattgefunden. Die NATO war in der Tat eine Organisation, die speziell für den Schutz Deutschlands vor einer Invasion durch den Warschauer Pakt eingerichtet war. Und Deutschland war die Nation, die am meisten vom erfolgreichen Ausgang des Kalten Krieges, von unserem Sieg, profitiert hat. Ihr Land konnte seine Wiedervereinigung feiern und wieder eine Nation werden. Der östliche Teil Ihres Landes ist keine Diktatur mehr, eine Frau, die auf der falschen Seite des Eisernen Vorhangs aufwuchs, ist Bundeskanzlerin von ganz Deutschland, und sie hat es dorthin geschafft, wo sie heute ist, weil es diese alte Trennlinie nicht mehr gibt.

Deutschland ist weiterhin ein wichtiges strategisches Land. Es ist weiterhin zweifelsohne das wirtschaftliche Wunderkind Europas, und es ist erfreulich zu sehen, dass die deutsche Wirtschaft Zeichen der Erholung zeigt. Aber Deutschland spielt auch eine zentrale Rolle in den neuen strategischen Konflikten unserer Zeit. Von den positiven und negativen Auswirkungen der Globalisierung hin zur Suche nach Lösungen bei der Energieabhängigkeit und der Erderwärmung bis zu den Herausforderungen und Vorteilen, die Einwanderung mit sich bringt, ist Deutschland weiterhin im Zentrum der Aufmerksamkeit. In Europa wird ohne Deutschland nichts, oder nur wenig, geschehen; das war in der Vergangenheit schon so und man kann sich nur schwer vorstellen, dass sich das jemals ändern wird. Hier nahm die Reformation ihren Ausgang, hier wurde der Westfälische Friede unterzeichnet, mit dem das auf Staaten basierende internationale System begründet wurde, das bis heute überdauert hat, und hier fanden die drei großen Kriege des 20. Jahrhunderts statt, zwei davon Weltkriege, einer davon der Kalte Krieg.

Deutschland spielt auch eine wichtige Rolle in der entscheidenden Auseinandersetzung unserer Zeit, der zwischen Demokratien, die offene Gesellschaften wollen, und Extremisten, die Angst vor Freiheit haben und uns allen ihren Willen aufzwingen wollen. Ebenso wie der Fall der Berliner Mauer das Ende des 20. Jahrhunderts einläutete, wenn schon nicht kalendarisch, dann auf jeden Fall historisch, symbolisierten die Anschläge vom 11. September 2001 den Anfang eines neuen Jahrhunderts. Und in dieser neuen Realität bleibt Deutschland ein Schlachtfeld. Mehr als jemals zuvor ist es verwundbar gegenüber den Feinden einer offenen Gesellschaft.

Wir wissen, dass viele der Extremisten, die ausgeschwärmt sind, um den Rest der Welt zu terrorisieren, Deutschland als Basis verwendet haben – darunter einige der Planer der Anschläge, denen wir vor nur ein paar Tagen gedacht haben. Sie haben Deutschlands Gastfreundschaft missbraucht. Aber die deutsche Regierung hat es mit ihnen aufgenommen und einige spektakuläre Erfolge errungen. Erst vergangene Woche hat die Regierung einen groß angelegten terroristischen Plan durchkreuzt, der Anschläge mit Hunderten von Toten zur Folge hätte haben können. Und es handelte sich dabei nicht um den ersten Erfolg, den Ihre Regierung bei der Terrorismusbekämpfung verzeichnet hat.

Es ist nicht weiter verwunderlich, dass die Deutschen zunehmend erkennen, dass die Bedrohungen für unsere Gesellschaften erheblich zugenommen haben. Eine der interessantesten Feststellungen der Transatlantic-Trends-Umfrage des German Marshall Fund, die vergangene Woche veröffentlicht wurde, belegte eine deutlich verstärkte Wahrnehmung der Bedrohungslage bei den Deutschen.

Der Prozentsatz der Befragten, die angaben, dass sie erwarteten, der islamische Fundamentalismus würde Auswirkungen auf ihr Leben haben, ist von nur 29 % vor zwei Jahren auf 57 % gestiegen. Bei der Frage nach der Bedrohung durch den internationalen Terrorismus stieg das Barometer von 39 % im Jahr 2005 auf 70 % heute. Das waren die größten Sprünge, die es bei allen befragten Ländern gab.

Ich denke, man kann sagen, dass die Deutschen sich keinen Illusionen hingeben. Sie wissen, dass unsere Art zu leben bedroht wird.

All das ist gut und zutreffend, aber wir sollten sehr vorsichtig sein, die Dinge nicht zu vermischen. Es ist sehr wichtig, sich der bestehenden Bedrohungen bewusst zu sein. Es ist wichtig, weil so das Überleben der Gesellschaft gesichert wird, die wir wollen – eine demokratische, offene Gesellschaft mit Gedanken- und Entscheidungsfreiheit, in der die Menschen ihre eigene Zukunft bestimmen. Das Problem zu erkennen, ist der erste Schritt.

Aber es ist ebenso wichtig zu erkennen, dass die Bedrohung durch Terrorismus und Extremismus zu keiner Ablehnung des Islams oder einer Religion oder von Arabern, die möglicherweise Muslime sind, führt und führen darf. Wir werden verlieren, wenn wir die “Angst vor der Andersartigkeit” zu unserer Standardhaltung werden lassen. Dieser zweite Schritt, diese Verweigerung gegenüber der Versuchung, den Islam abzulehnen, muss die logische Folge des ersten Schrittes sein. Das sind die Themen, die ich heute mit Ihnen erörtern möchte.

Einer der Gründe, warum Deutschland so wichtig ist, ist auch die Tatsache, dass es eine der größten muslimischen Bevölkerungen Europas hat. Ich war in der sehr glücklichen Position, muslimische Gemeinden überall im Land kennen zu lernen, in Berlin, München, Düsseldorf und Köln. Sie sind Deutschland wichtig, und ich kann Ihnen versichern, dass Sie uns in den Vereinigten Staaten wichtig sind. Wir blicken nicht an den muslimischen Gemeinden in Deutschland vorbei, wir betrachten sie als Teil des Mosaiks, das Deutschland heute ausmacht.

Es ist wichtig, dass wir Ihnen diese Ansichten mitteilen. Das Risiko von engen Beziehungen ist, dass man manchmal denkt, man müsse sich nicht immer erklären. Das ist ganz offensichtlich ein Fehler, ob es nun um persönliche Beziehungen oder die zwischen Staaten geht. Aus allen bereits von mir angeführten Gründen, und vor allem, weil Deutschland ein guter Freund ist, müssen wir mit Deutschland reden, über unsere Erfahrungen berichten und uns die Ihren anhören.

Lassen Sie mich Ihnen versichern, dass die Vereinigten Staaten wissen, dass sie kommunizieren müssen, dass sie enge Verbündete wie Deutschland konsultieren, ihre Meinung einholen und die eigenen Ansichten erklären müssen. Wir müssen mit unseren Freunden sprechen, ihnen nicht nur Dinge mitteilen oder auf sie einreden. Das ist nach dem 11. September genauso der Fall wie zuvor. Partner haben nicht immer dieselben Ansichten, auch in den engsten Beziehungen nicht, aber es ist wichtig, sich gegenseitig mitzuteilen, dass die jeweils anderen Ansichten geschätzt werden, auch in Fällen von Meinungsverschiedenheiten.

Der erste Staatsbesuch des Präsidenten 2005 führte ihn nach Brüssel. Und Außenministerin Rice ist sozusagen nach Europa umgezogen. Sie hat als Außenministerin 65 Länder besucht, von denen 42 in Europa oder im Kaukasus liegen. Von ihren 32 Monaten Amtszeit hat sie zwei Monate in Europa verbracht.

Und dann gibt es da noch mich. Der Abteilung für europäische und eurasische Angelegenheiten ist besonders daran gelegen, stärkere Beziehungen zu den Muslimen in Europa aufzubauen. Das ist einer der Gründe, warum ich dieses Jahr die Position als Hochrangige Beraterin für Kontakte mit Muslimen für Abteilungsleiter Daniel Fried übernommen habe. In dieser Funktion arbeite ich mit Regierungsbeamten in Washington und unseren Botschaften im Ausland daran, die besten Möglichkeiten zu finden, mich mit muslimischen Gemeinden in Europa auszutauschen – um stärkere Brücken zu bauen und mehr über Muslime in diesem Teil der Welt zu erfahren.

Es ist mir eine Ehre, meinen Teil dazu beizutragen, die Lücke im Verständnis zwischen der muslimischen Welt und meinem Land zu überbrücken. Ich habe vor drei Jahren als Leiterin der regionalen Initiativen im Nahen Osten (Director for Middle East Regional Initiatives) im Nationalen Sicherheitsrat angefangen, und meine Tätigkeit konzentriert sich jetzt auf aktiven Austausch, der meiner Meinung nach notwendig ist.

Ich kann nicht genug betonen, wie wichtig es ist, die Kommunikationswege offen zu halten. Hier ist irgendwie die Auffassung geschaffen worden, dass die Vereinigten Staaten einen Krieg gegen den Islam führen wollen, oder dass die Regierung Bush einen solchen Kurs verfolgt, oder beides.
Das ist im besten Fall eine Fehlinformation und im schlechtesten pure Boshaftigkeit. Es verkennt die Absichten und Wesensart Amerikas. Es verkennt auch unsere Geschichte. Wenn es zwei Botschaften gibt, von denen ich möchte, dass Sie sie von unserem heutigen Treffen mitnehmen, wären es die folgenden beiden:

Erstens: Wir befinden uns nicht im Krieg gegen den Islam. Der Islam ist ein zu wichtiger Teil unserer gemeinsamen globalen Zivilisation, unseres gemeinsamen menschlichen Erbes, um vergessen oder ignoriert zu werden. Die Vereinigten Staaten sind ein Land ohne Staatsreligion, eine Heimat für Muslime, Juden und Christen gleichermaßen (und in der Tat auch für Menschen, die nicht gläubig sind). Wenn die Vereinigten Staaten also einen Krieg mit dem Islam führen würden, würden sie einen Krieg gegen sich selbst führen.

Der zweite Punkt leitet sich direkt aus dem ersten ab: Im Gegenteil, wir wollen gemeinsam mit verbündeten Muslimen gegen den islamischen Extremismus kämpfen, gegen die Verfälscher dieser großen Religion. Ohne dieses Bündnis werden die Vereinigten Staaten ihren Kampf gegen jene, die sie zerstören wollen, sicher verlieren.
Lassen Sie mich zunächst auf den Mythos eingehen, die Vereinigten Staaten befänden sich im Krieg mit dem Islam. Als muslimische Amerikanerin geht mir vor allem das auf den Geist.

Der Erfolg, den Millionen von amerikanischen Muslimen in meinem Land erreicht haben, ist eine tägliche Zurechtweisung jener, die versuchen, einen Keil zwischen mein Land und meine Religion zu treiben. Eine Tatsache, die viele Menschen vielleicht nicht verstehen, ist, dass Muslime nichts Neues in den Vereinigten Staaten sind. Wir sind keine neue Erfahrung. Viele amerikanische Muslime sind seit Generationen hier und haben die amerikanische Lebensweise vollständig verinnerlicht.

Wir sind genau wie die Millionen Einwanderer vor uns – Iren, Italiener, Chinesen oder diejenigen, die mit der Mayflower kamen. Wir veranstalten private Flohmärkte, gehen zum Elternabend und versuchen, mit dem Geld über die Runden zu kommen, das der Familie zur Verfügung steht. Wir sind Lehrer, Ärzte, Computerexperten, Künstler und Sportler. Ein Freund in Maryland hat mir erzählt, dass sein Zahnarzt, sein Hausarzt und der beste Freund seines Sohnes Muslime sind. Dies erschien ihm so profan und wenig außergewöhnlich, als seien sie Katholiken. Diese Personen haben den gleichen beruflichen Hintergrund wie mein Freund, leben im selben sozialen Kontext und orientieren sich an denselben Richtwerten wie er.
Wir sind nicht nur einige Hundert, wir sind Millionen. Laut Newsweek gibt es in den Vereinigten Staaten 2,35 Millionen Muslime. Sie stammen aus unterschiedlichen Ländern, es gibt kein vorherrschendes Herkunftsland. Obwohl die meisten Muslime in den Vereinigten Staaten aus Iran kommen, machen sie nur 12 % der amerikanischen Muslime aus. (Ich selbst wurde in Kaschmir in Indien geboren und kam als Baby in die Vereinigten Staaten.) Bezüglich ihrer beruflichen Leistung entsprechen Muslime ziemlich genau dem amerikanischen Durchschnitt. 17 % der Amerikaner verdienen beispielsweise mehr als 100.000 Dollar im Jahr. Das trifft auf 16 % der muslimischen Amerikaner zu.
Bezüglich ihrer Integration und Aufnahme in der Gesellschaft befand Pew Research in einer vor kurzem veröffentlichten Umfrage, dass obwohl 65 % der Muslime in den Vereinigten Staaten im Ausland geboren wurden, sie “in ihren Ansichten entschieden amerikanisch” sind.

Bezüglich der Frage, wie nicht-muslimische Amerikaner Muslime betrachten, ein Thema, das in Europa kontrovers diskutiert wird, sagten 69 % der Befragten in einer Umfrage von Newsweek, dass Muslime das Recht haben sollten, in der Schule Kopftücher zu tragen. Die Vereinigten Staaten können sich nicht mehr mit dem Islam im Krieg befinden, als sie sich mit sich selbst im Krieg befinden könnten.

Von Anfang an hat sich Präsident Bush stark dafür eingesetzt, sicherzustellen, dass die Tragödie des 11. Septembers nicht eine weitere Tragödie mit gegen den Islam gerichteter Gewalt in den Vereinigten Staaten verursacht. Er hat in vielerlei Hinsicht klar gemacht, dass die Vereinigten Staaten die Millionen von muslimischen Amerikanern schätzen. Er hat gesagt, dass sich Amerika nicht im Krieg mit dem Islam befindet. Er hat immer wieder betont, dass die Vereinigten Staaten wissen, dass gewaltbereite Extremisten nicht im Namen der friedlichen Religion des Islam agieren, wenn sie ihre düsteren und mörderischen Taten verüben.

Er hat Muslime eingeladen, mit ihm über die Herausforderungen zu sprechen, die wir alle in einer Welt nach dem 11. September bewältigen müssen, und er schätzt diese Gespräche sehr. Bei seinen jährlich veranstalteten Iftar-Abendessen im Weißen Haus hat er insbesondere seit dem 11. September klar festgehalten, dass der Islam Teil des kulturellen Gewebes Amerikas ist. Er war sogar 2005 der erste Präsident der Vereinigten Staaten, der den Koran in die Bibliothek des Weißen Hauses aufnahm. Vergangenes Jahr ehrte er die amerikanischen Muslime, die in unserer Regierung dienen.

In diesem Sommer besuchte er das Islamic Center in Washington, um dessen 50-jähriges Bestehen zu würdigen. Er sagte: “Wir leben in einer Zeit, in der es Fragen über die Vereinigten Staaten und ihre Absichten gibt. Jene, die unser Land wirklich verstehen wollen, müssen nicht weiter blicken als hierher. Dieses muslimische Zentrum gliedert sich ruhig in eine Straße ein, in der sich auch eine Synagoge… eine lutheranische Kirche… eine katholische Gemeinde… eine griechisch-orthodoxe Kapelle… und ein buddhistischer Tempel befindet – diese Institutionen haben alle treue Anhänger, die ihren tief empfundenen Glauben ausüben und in Frieden miteinander leben.”

Und es ist nicht nur George W. Bush, der erkannt hat, dass religiöse Toleranz einer der Grundpfeiler unserer Nation ist, und dass dieser Grundpfeiler auch unsere islamische Gemeinschaft stützt. Der Präsident, der das Zentrum eröffnete, war auch Republikaner – Dwight D. Eisenhower. Seine Worte sind es ebenso wert, zitiert zu werden. Vor 50 Jahren sagte er:
“Es ist angemessen, dass wir uns erneut dem friedlichen Fortschritt aller Menschen, unter einem Gott vereint, verpflichten. Ich möchte Ihnen, meinen islamischen Freunden, versichern, dass gemäß der amerikanischen Verfassung, der amerikanischen Tradition und in den amerikanischen Herzen dieses Zentrum, dieser Ort des Gebets, ebenso willkommen ist wie es jedes ähnliche Gebäude einer anderen Religion sein könnte. Die Vereinigten Staaten würden sogar mit all ihrer Kraft für Ihr Recht kämpfen, hier Ihre eigene Kirche zu haben und entsprechend Ihres Gewissens Ihre Religion ausüben zu können. Diese Auffassung ist in der Tat ein Teil der Vereinigten Staaten, und ohne diese Auffassung wären wir nicht das, was wir sind.”

Ich habe Anfang der Neunzigerjahre in der Regierung seines Vaters gedient und bin stolz, heute unter ganz anderen Umständen wieder unserer Nation zu dienen. Was sich am drastischsten geändert hat, ist die Notwendigkeit – mehr als jemals zuvor – sich mit Muslimen überall auf der Welt auszutauschen – um gegen die Mythen vorzugehen, die es über die Vereinigten Staaten gibt, um unsere Geschichte des Pluralismus, der Religionsfreiheit und der Achtung gegenüber allen Menschen zu erzählen. Während wir Wege finden, mit anderen zu sprechen, lernen wir auch mehr darüber, wie ähnlich die Geisteshaltungen sind.

Wir haben in den Vereinigten Staaten keine Staatsreligion, obwohl wir natürlich möglicherweise unsere persönlichen Religionen haben. Der Präsident ist beispielsweise Methodist und ich bin Muslimin. Aber die US-Regierung schätzt die unglaublichen Beiträge der islamischen Kulturen zu unserem gemeinsamen globalen Erbe.
Wie ich bereits gesagt habe, es ist pure Verleumdung, zu behaupten, Amerika befände sich im Krieg mit dem Islam. Das ist eine Falschmeldung jener, die gegen unsere Politik sind.

Ich denke, dem Mythos liegt die Tatsache zugrunde, dass wir uns derzeit in Afghanistan und im Irak im Krieg befinden, in zwei Ländern, die mehrheitlich muslimisch sind. Interessanterweise hat niemand nahe gelegt, dass wir Krieg gegen Lutheraner, Shintos oder Buddhisten führten, als wir uns im Krieg mit Deutschland, Japan oder Korea befanden.

Mit Blick auf Afghanistan und den Irak finde ich es verkehrt zu sagen, dass wir in diesen beiden Fällen gegen den Islam kämpfen. Wir unterstützen vielmehr in beiden Fällen junge Demokratien. In beiden Ländern gibt es Probleme, keine Frage. Aber vor dem Eingreifen der Vereinigten Staaten wurden beide Länder von den Taliban beziehungsweise Saddam Hussein regiert, ersteres ein obskurantistisches Regime, das Frauen und kleine Mädchen tötete und die jahrhundertealte afghanische Kultur verbot, und letzterer einer der schlimmsten Diktatoren, der jemals Muslime tyrannisiert hat.

Unabhängig davon, was man über die US-Einsätze im Irak und in Afghanistan denkt, können wir uns zumindest darauf verständigen, dass diese Konflikte nichts mit dem Islam zu tun haben. In Afghanistan sind muslimische Länder wie die Türkei in der Stabilisierungstruppe vertreten, ein Land, das uns auch in unserer Mission im Irak hilft. Ich muss Sie nicht daran erinnern, dass es sich um ein Land handelt, dessen Regierung von einer erkennbar islamischen Partei geführt wird.

Und das bringt mich zu meinem zweiten Punkt. Wir benötigen einfach die Unterstützung von und Übereinkunft mit Muslimen, die sich der Al Kaida in den Weg stellen. Ihnen wird auffallen, dass ich bewusst nicht “gemäßigte” Muslime sage. Wir wollen auch die Übereinkunft und Freundschaft mit Muslimen, die zutiefst gläubig sind, und deren Glaube ihre Ansichten prägt. Diese Muslime haben genauso ein Interesse daran, jene zu besiegen, die ihre Religion korrumpieren, wie es andere haben.

Ein Beispiel, über das derzeit sehr viel berichtet wird, ist der Aufstand gegen die Al Kaida, den wir momentan im Irak beobachten. Dieser Aufstand hatte seinen Ursprung in der Provinz Anbar, aber er hat sich jetzt ausgebreitet. Laut David Kilkullen, einem ehemaligen Beamten des US-Außenministeriums, der über Erfahrung vor Ort im Irak verfügt, hat er sich jetzt auf 40 % des Iraks ausgebreitet. Dieser Aufstand, der auf unterster Ebene entstanden ist, hat sich auf Bagdad ausgebreitet und geht von Schiiten und Sunniten gleichermaßen aus. Muslimische Stämme vor Ort kamen zu dem Schluss, dass die Al Kaida eine Lebensart einführen wollte, die im Gegensatz zu der ihren stand, und baten uns um Hilfe.

Wir geben uns nicht der Illusion hin, dass wir irgendeinen Konflikt ohne Freunde, ohne unsere europäischen Freunde, ohne unsere arabischen und muslimischen Freunde gewinnen können.

Meine Freunde, ich habe meine heutige Rede damit begonnen, zu sagen, dass die Vereinigten Staaten wissen, dass sie mit ihren Verbündeten reden müssen, und das ist es auch, was wir vorhaben. Ich hoffe, das habe ich heute hier getan.
Ich habe auch versucht zu vermitteln, dass wir uns nicht im Krieg mit dem Islam befinden. Das würden wir nicht wollen. Ferner wissen wir, dass wir uns in einem gemeinsamen Konflikt befinden und an der Seite von Muslimen gegen gewalttätige Extremisten kämpfen.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. Sie waren ein wunderbares Publikum und ich freue mich, jetzt ihre Fragen zu beantworten. Wie gesagt, Kommunikation findet in beide Richtungen statt.

Originaltext: Engaging With the World After 9/11

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