Gedenken an den 11. September

On 2007/09/11, in US-Politik, by AmerikaDienst

BERLIN – (AD) – Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von US-Botschafter William R. Timken vom 11. September 2001. Es gilt das gesprochene Wort.

Botschafterin Zulfacar,
Imam Ljevakovic,
Herr Piening,
Herr Hoffmann,
Mitglieder der Muslimischen Akademie und des Islamforums,
meine sehr verehrten Damen und Herren,

vielen Dank, dass Sie heute zu uns gekommen sind, um gemeinsam mit uns der tragischen Ereignisse des 11. Septembers 2001 zu gedenken. Der 11. September ist ein schwieriger und schmerzhafter Tag für die Amerikaner und Menschen überall auf der Welt. Leider hat sich das Böse dieses Morgens in den sechs Jahren seit dem 11. September auch an anderen Tagen und anderen Orten gezeigt. Regierungen arbeiten eng zusammen, um diese Bedrohung zu bekämpfen. Erst vergangene Woche haben die deutschen Strafverfolgungsbehörden einige Personen verhaftet und somit womöglich schwerwiegende Anschläge verhindert. Wir wissen diese Anstrengungen zu würdigen.

Seit den Terroranschlägen vom 11. September hat die Regierung der Vereinigten Staaten sich besonders bemüht, etwas zu betonen, das schon immer gewährleistet war – dass die vielen Amerikaner islamischen Glaubens auch weiterhin sowohl die Vorzüge ihrer Staatsangehörigkeit als auch die ihres Glaubens genießen können. Die Vereinigten Staaten schätzen die Beziehungen zu und Freundschaften mit muslimischen Nationen und Gemeinden überall auf der Welt.

Wir wollen ganz klar feststellen, dass die von Extremisten verbreitete Vorstellung eines “Westens”, der im Konflikt mit dem Islam steht, einfach nicht zutrifft. Der Islam ist eine der Weltreligionen, die jüngste der drei großen Glaubensrichtungen, die tief in der Tradition des Nahen Ostens verwurzelt sind. Die große Mehrheit der Menschen auf der Welt – Muslime, Christen, Juden, Hindus, Buddhisten und alle anderen, die keinen bestimmten Glauben haben – wollen ein sicheres und chancenreiches Leben führen. Das ist kein Ziel, das eine bestimmte Kultur oder ein bestimmtes Land sein Eigen nennen kann. Es ist ein gemeinsames Ziel der Menschen. Wenn wir auf die großen Tragödien und Verbrechen dieser Welt reagieren, gibt es sehr viel mehr Gemeinsamkeiten als Trennendes zwischen uns. Rechtschaffene Menschen auf der ganzen Welt müssen gemeinsam und mit einer Stimme laut verkünden, dass kein Missstand jemals Angriffe auf und Mord an Unschuldigen rechtfertigen kann.

Wir haben ein tief greifendes Interesse daran sicherzustellen, dass diese fromme und gemäßigte Stimme aus allen muslimischen Gemeinden gehört wird. Als Präsident Bush mich bat, der nächste Botschafter in Deutschland zu werden, hob er besonders die Bedeutung persönlicher Kontakte zwischen Amerikanern und Deutschen aller Religionen und Kulturen hervor und wie wichtig es sei, diese Kontakte aufzubauen und zu vertiefen. Voriges Jahr habe ich ihm von der bewegenden Zeremonie der Botschaft erzählt, die im Gedenken an den fünften Jahrestag der Anschläge vom 11. September in einer Berliner Kirche stattfand. Aber ich habe ihm auch von den Andachten berichtet, die unabhängig davon in 40 Berliner Moscheen im Gedenken an die Tragödie gehalten wurden. Dieses Gebet für den Frieden spiegelt das wahre Gesicht des Islam wider. Aus diesem Grunde haben wir für die diesjährige Gedenkfeier die muslimische Gemeinschaft mit einbezogen. Wir danken der Muslimischen Akademie und dem Berliner Islamforum für die Zusammenarbeit. In diesem Sinne werden wir das Thema religiöser Dialog mit den Religionsgemeinschaften in Berlin, einschließlich der jüdischen Gemeinde, jedes Jahr am 11. September weiter erkunden. Es symbolisiert den Geist des Dialogs, den wir zu entwickeln versuchen. In diesen schwierigen Zeiten ist Dialog von entscheidender Bedeutung. Er führt zu Verständigung und Freundschaft.

Liebe Freunde, Sue und ich freuen uns, Sie in unserem Haus willkommen zu heißen, hier in der offiziellen Residenz des amerikanischen Botschafters, um gemeinsam diesem tragischen Augenblick in der Geschichte unserer Welt zu gedenken.

Ich möchte jetzt Botschafterin Zulfacar, Herrn Piening und Herrn Hoffmann bitten, gemeinsam mit mir einen Augenblick zu schweigen und dem Leid und den Erfahrungen dieses Tages zu gedenken.

Danach wird der Imam des Islamischen Kulturzentrums der Bosniaken in Berlin ein Gebet sprechen und damit die Zeremonie abschließen.

Meine Damen und Herren, bitte erheben Sie sich für einen Augenblick des Schweigens.

Originaltext: September 11 Memorial

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