Einwanderung im 21. Jahrhundert

BERLIN – (AD) – Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von US-Botschafter William R. Timken jr. im Rahmen der DuBois-Vortragsreihe an der Humboldt-Universität zu Berlin vom 10. Juli 2006. Es gilt das gesprochene Wort.

Präsident Markschies,
Professor Kaschuba,
Professor Lenz,
sehr verehrte Damen und Herren,

es ist eine Ehre, an der W.E.B.-DuBois-Vortragsreihe teilnehmen zu dürfen. Wie viele der Bürgerrechtshelden der Vereinigten Staaten hat auch DuBois die Amerikaner gezwungen, sich einigen Ungerechtigkeiten in ihrer Gesellschaft zu stellen. Seine Entschlossenheit und Redegewandtheit trieb eine von der Bevölkerung ausgehende Bewegung zur Bekämpfung der Rassendiskriminierung in den Vereinigten Staaten an. Einer seiner Biografen sagte, DuBois sei sich immer selbst einen Schritt voraus gewesen – besorgt aufgrund der Fehler der Vereinigten Staaten, aber sich trotz allem zu dem Verständnis einer amerikanischen Demokratie bekennend, das sich selbst treu ist. Er hörte nie auf, schwierige Fragen zu stellen.

Vor etwas mehr als 100 Jahren veröffentlichte W.E.B. DuBois “The Souls of Black Folk”, eine Reihe von Essays, die sich mit den amerikanischen Schwierigkeiten mit dem Thema Rasse beschäftigten. Eine der bekanntesten Passagen aus diesem Buch ist jene, in der er eine “duale Realität” beschreibt. “Wir fühlen uns immer zweigeteilt”, sagte er, “zwei Seelen, zwei Meinungen, zwei Sehnsüchte, afrikanisch und amerikanisch, uns immer durch die Augen anderer sehend, uns messend an einer Welt, die uns nicht berücksichtigt.” Mit diesem doppelten Bewusstsein meinte DuBois meines Erachtens die Spannungen, die in der amerikanischen Gesellschaft auftraten, während sich die Menschen assimilierten, um als Amerikaner eine Einheit zu bilden. Er bezog sich natürlich auf Afroamerikaner, aber als er diese Zeilen 1903 schrieb, befanden sich die Zahlen der Einwanderer auf Rekordhöhe. Es gab Befürchtungen, was die “neuen” Einwanderer betraf. Einige Bürger befürchteten, dass ihre Kultur bedroht würde oder sie ihre Arbeitsplätze an Neuankömmlinge verlieren würden, die bereit waren, niedrigere Löhne zu akzeptieren. Für viele neue euroamerikanische Einwanderer stellte sich die sehr reale Frage, wie man in Amerika Italiener, Jude oder Ire sein konnte.

Die Herausforderung der Assimilierung zieht sich wie ein Faden durch das Gewebe der amerikanischen Geschichte. Die Vereinigten Staaten haben mehr Einwanderer willkommen geheißen als jedes andere Land der Welt.

Die gemeinsame Kultur der Vereinigten Staaten wurde von den Wellen der Neuankömmlinge aus unterschiedlichen Ländern gestaltet, neu gestaltet und oft lebhaft diskutiert.

Kein Satz gibt das Grundverständnis der Vereinigten Staaten von Amerika besser wieder als die Worte, die auf der Vorderseite unseres großen Siegels zu lesen sind: “E Pluribus Unum“ Aus vielen Eins. Das bedeutet nicht, dass wir alle versuchen, gleich zu sprechen, gleich zu beten, uns gleich zu verhalten oder gleich auszusehen. Die multikulturelle Gesellschaft der Vereinigten Staaten ist sicherlich nicht perfekt. In der amerikanischen Geschichte hat es dunkle Augenblicke gegeben, die sich auf Intoleranz zurückführen lassen, und Vorurteile stellen noch heute ein Problem dar. Aber es gibt eine enorme Zahl amerikanischer Errungenschaften, die der Verdienst unserer multikulturellen Gesellschaft sind, die sich auf das Gesetz, Gerechtigkeit und Offenheit verlässt. Die Vereinigten Staaten sind gut darin geworden, aus den verschiedensten Nationalitäten und Herkunftsländern Talente anzuziehen.

In der Anfangszeit der Vereinigten Staaten beschwerte sich Benjamin Franklin, einer der ersten Staatsmänner Amerikas, einmal, dass die Deutschen, die in Philadelphia eintrafen, ich zitiere: “über kurz oder lang so zahlreich sein werden, dass sie uns germanisieren, statt dass wir sie anglifizieren… Sie werden unsere Sprache und Gebräuche nie annehmen.“ Ende des Zitats. Er hatte Unrecht.

Die Deutschen haben niemanden “germanisiert” und wurden auch nicht “anglifiziert”. Die Integration von Einwanderern bedeutet, dass sich sowohl die Neuankömmlinge, als auch die etablierten Einwohner verändern. Britische Zuwanderer wurden Amerikaner, ebenso wie deutsche Immigranten Amerikaner wurden. Heute berufen sich im Übrigen mehr Amerikaner auf ihre deutschen Vorfahren – und zu ihnen zähle auch ich – als auf jede andere Gruppe. Diese Zahlen verändern sich jedoch ständig. Geschwindigkeit und Vielfalt der Einwanderung in der heutigen Zeit verändern die Zusammensetzung der Vereinigten Staaten in Bezug auf Rasse und Ethnie rapide.

Ein solches Einwanderungsniveau hat es in den vergangenen einhundert Jahren nicht gegeben. Millionen von Zuwanderern strömten in den letzten zehn Jahren in die Vereinigten Staaten – etwa eine Million Menschen im Jahr. Heute ist jeder neunte Einwohner Amerikas ein Zuwanderer, der in einem anderen Land geboren wurde. Gemessen an der Gesamtbevölkerung ist das der höchste Prozentsatz seit 1910.

Diese neue Einwanderungswelle hat in den Vereinigten Staaten erneut eine lebhafte Debatte ausgelöst. Einige akzeptieren diese Politik der relativ offenen Tür als Fortsetzung einer langen Tradition in den Vereinigten Staaten, nach der man Neuankömmlinge auf der Suche nach dem amerikanischen Versprechen von Freiheit und wirtschaftlichen Chancen mit offenen Armen willkommen heißt.

Einige unterstreichen, dass die erste Handlung eines illegalen Einwanderers die Verletzung amerikanischer Gesetze ist. Andere stellen die Klugheit, so viele Einwanderer ins Land zu lassen, in Frage. Sie befürchten wieder einmal, dass geschätzte Traditionen und Werte ausgehöhlt werden, insbesondere aufgrund der bedeutenden Verlagerung bei den Herkunftsländern der Einwanderer. Gemäß der Volkszählung aus dem Jahr 2000 weisen die Vereinigten Staaten eine größere ethnische, kulturelle und linguistische Vielfalt auf als je zuvor in der Geschichte.

Einwanderer stammten in den ersten beiden Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts hauptsächlich aus Ländern Süd- und Osteuropas. Die Einwanderer der letzten zwanzig Jahre stammen aus Lateinamerika, Asien, der Karibik und Afrika. Die Zahl der Hispanier ist auf fast 14 Prozent der Gesamtbevölkerung der Vereinigten Staaten angestiegen. Es wird erwartet, dass Hispanier bis Mitte des Jahrhunderts 24 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen.

Die amerikanische Gesellschaft, in die heutige Zuwanderer kommen, ist eine ganz andere als die, welche die Iren, Italiener, Polen, Russen und Griechen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts willkommen hieß.

Die Nachfrage nach der Muskelkraft der Einwanderer zum Aufbau neuer Industrien und Städte gehört der Vergangenheit an und wurde ersetzt durch die technologischen Fachkenntnisse und Fertigkeiten, die für den Wettbewerb um neue, anspruchsvollere Arbeitsplätze erforderlich sind. Heute ist Bildung im Assimilierungsprozess noch wichtiger. Es besteht eine weitere Parallele zu DuBois. Er glaubte, dass die mächtigste Waffe zur Bekämpfung von Rassismus Bildung sei, und dass man den Menschen die Lebensausbildung geben müsse, die sie benötigen – nicht nur, um beruflich erfolgreich zu sein, sondern auch um eine starke Wirtschaftskraft innerhalb ihrer Gemeinden aufzubauen. Übrigens bin ich der Überzeugung, dass größere durch Bildung erlangte Fertigkeiten zusammen mit der Fähigkeit zu lebenslangem Lernen absolut wesentlich für die Bewältigung eines weiteren wichtigen Themas sind – der Globalisierung.

Das Bildungsniveau ist ein weiterer Maßstab, an dem die Vielfalt der Einwanderer gemessen werden kann. Viele der Immigranten, die heute in den Vereinigten Staaten leben, sind illegal eingewandert und haben Arbeit angenommen, die eine geringe Qualifikation erfordert und schlecht bezahlt ist. Andere sind ihrer Familie nachgezogen oder als Flüchtlinge gekommen. Wiederum andere mit hohem Bildungsniveau trafen auf dem amerikanischen Arbeitsmarkt als qualifizierte, gut bezahlte Fachleute in den Bereichen Technologie, Wissenschaft und Medizin ein. Vielleicht erinnern Sie sich an die so genannten vietnamesischen Boat People, die nach der Krise in Indochina in den Vereinigten Staaten aufgenommen wurden. Die Mütter und Väter waren Analphabeten.

Eine große Anzahl ihrer Kinder schloss die High School als Jahrgangsbeste ab. Sie erhielten Stipendien an unseren führenden Universitäten. Heute zählen sie zu den besten amerikanischen Ärzten, Wissenschaftlern usw. und gründen amerikanische Familien. Das Konzept des doppelten Bewusstseins, das DuBois zu Beginn des 20. Jahrhunderts formulierte, erhielt Anfang des 21. Jahrhunderts tatsächlich eine neue Bedeutung.

Was bedeutet diese neue Einwanderung also für das Amerika des 21. Jahrhunderts? Ganz eindeutig stehen Europäer und Amerikaner einer großen Herausforderung gegenüber, die sie annehmen müssen. Es gibt keine Möglichkeit, ihr aus dem Weg zu gehen.

Die unmittelbaren wirtschaftlichen Kosten und Vorteile, die durch die Aufnahme von Millionen von Zuwanderern für die Vereinigten Staaten entstehen, insbesondere von schlecht ausgebildeten, sind Thema lebhafter Debatten unter Einwanderungsexperten. Ich stelle mich auf die Seite jener, die behaupten, dass die Geschwindigkeit des jüngsten Wirtschaftswachstums in den Vereinigten Staaten in großem Maße der Arbeit von Einwanderern geschuldet ist. Seit 1990 haben Zuwanderer auf dreierlei Art und Weise zur Schaffung von Arbeitsplätzen beigetragen: Sie füllen insgesamt einen zunehmenden Anteil der Arbeitsplätze aus. Sie nehmen Arbeit in Regionen an, in denen ein Mangel an Arbeitskräften besteht. Und sie nehmen die Art von Arbeit an, die Einheimische oft ablehnen. Im Ausland Geborene machen nur etwa 11,3 Prozent der amerikanischen Bevölkerung, jedoch 14 Prozent der Erwerbsbevölkerung aus.

Die Hälfte des Nettozuwachses bei der Gesamtzahl der Erwerbstätigen ist auf Einwanderer zurückzuführen. Sie sorgen dafür, dass unser Land jung und produktiv bleibt.

Wir wollen außerdem in der Lage sein, das Interesse der hochqualifiziertesten Arbeitnehmer und Studenten zu wecken. Unser Land steht zunehmend im Wettbewerb mit anderen Ländern, wenn es darum geht, die am besten qualifizierten Köpfe anzuwerben und zu halten. Das ist kein Nullsummenspiel. Entweder werden diese Menschen ihre innovativen Unternehmen in den Vereinigten Staaten gründen – oder in die Länder zurückkehren, mit denen wir im Wettbewerb stehen. Die Rekrutierung der talentiertesten Menschen auf der Welt für die Vereinigten Staaten verbessert unser Unternehmertum, unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit und wird – laut jeder wichtigen Studie zum Thema – viele gut bezahlte Arbeitsplätze für Amerikaner schaffen. Wir schätzen die Vielfalt.

Ein weiteres Thema ist die nationale Sicherheit und wie man Terroristen daran hindert, in die Vereinigten Staaten einzureisen, insbesondere nach dem 11. September.

Die illegale Einwanderung bereitet uns ebenfalls Sorge. Die Bereitschaft, illegal in die Vereinigten Staaten einzureisen, macht die Immigranten anfällig für Missbrauch durch Menschenhändler und -schmuggler. Diese Verbrecher verschulden den Tod armer Menschen.

Präsident Bush spricht diese und andere Themen in seiner Initiative zur Reform der Einwanderung an. Dieses Programm hat zwei Eckpfeiler: Erstens soll sichergestellt werden, dass wir ein funktionierendes, gerechtes und wohlgeordnetes Einwanderungssystem haben; zweitens soll die Assimilierung der Menschen gefördert werden. Wir erwarten von Neuankömmlingen, dass sie unsere Geschichte zu schätzen lernen und die englische Sprache in Wort und Schrift erlernen. Englisch ist der Schlüssel zur Nutzung von Chancen.

Das bedeutet nicht, dass die Bundesregierung die Einwanderer als Personenkategorie anerkennt, die aufgrund ihres Status Anspruch auf Sprachunterricht, berufliche Qualifizierungsprogramme, Unterkunft oder Unterhaltszahlungen hat. Wir erwarten, dass die Einwanderer sich mit Hilfe von Familie und Freunden selbst zurecht finden, dass sie auf dem dynamischen und elastischen amerikanischen Arbeitsmarkt Arbeitsplätze finden und dass sie für sich selbst Integrationsmöglichkeiten schaffen, sowie sie sich eingewöhnen.

Dies geschieht durch Teilhabe an den gemeinschaftlichen Aktivitäten von Gotteshäusern, den Schulaktivitäten ihrer Kinder, Englischunterricht an der Abendschule für sie selbst, Gemeindevereine, Sport und den Aufbau von Freundschaften mit Nachbarn und Kollegen.

Wir hoffen, dass es ihnen leichter fällt, neue Amerikaner zu werden, wenn ältere Amerikaner ihnen Achtung als Menschen entgegenbringen und sich für ihre Traditionen interessieren. Sie müssen mit Toleranz und Akzeptanz begrüßt werden. Unsere Gesellschaft muss ihnen eine faire Chance geben, durch harte Arbeit voran zu kommen.

Die Assimilierung von Einwanderern ist allerdings keine Einbahnstraße. Wir haben immer wieder gesehen, dass sich die Zuwanderer ändern, dass sie aber auch Amerika verändern. Die National Association of Manufacturers, ein industrieller Handelsverband, dem ich angehörte, veröffentlicht eine regelmäßig erscheinende Rubrik auf seiner Website. In der Reihe Passport to Prosperity wird auf der Website jede Woche ein Einwanderer vorgestellt, um die Beiträge herauszustellen, die Immigranten zu praktisch jedem Aspekt der amerikanischen Gesellschaft leisten.

Diese Bedenken im Zusammenhang mit Einwanderung betreffen heute eine viel größere Zahl von Nationen als noch vor hundert Jahren. Die Vereinten Nationen schätzen die Zahl der Menschen, die zurzeit außerhalb ihres Geburtslandes leben, auf 175-200 Millionen. Das sind etwa drei Prozent der Weltbevölkerung. Diese Zahl ist etwa doppelt so hoch wie 1975, Tendenz steigend, insbesondere in Europa.

Einer großen Zahl von Menschen aus dem Nahen Osten, Asien und Afrika mangelt es beispielsweise an den Chancen, sich selbst zu verbessern, die die meisten Europäer als selbstverständlich erachten. Sie sehen Europa als Land der Chancen – ebenso wie das Potenzial der Neuen Welt einst Millionen von unternehmungsfreudigen Europäern anzog. Aus eben diesem Grund benötigen europäische Gesellschaften Zuwanderer. Die Europäer leben länger und haben weniger Kinder. Die Gesamtbevölkerung aller Mitgliedstaaten der Europäischen Union wird bis 2050 allen Voraussagen nach von etwa 450 Millionen auf 400 Millionen sinken. Andere Länder stehen womöglich vor einer ähnlichen Zukunft – in der bei schrumpfender Wirtschaft und stagnierender Gesellschaft Arbeitsplätze nicht besetzt und Dienstleistungen nicht ausgeführt würden. Die Einwanderung wird diese Probleme alleine nicht lösen, aber sie ist ein wesentlicher Teil jeder Lösung.

Um die Immigration zu handhaben werden die Länder allerdings Strategien entwickeln müssen, um die Zuwanderer zu integrieren um sicherzustellen, dass sie in ihrem neuen Heimatland Teil der Bürgergesellschaft werden können.

Wir glauben nicht, alle Antworten zu wissen, aber wir denken doch, dass wir einige interessante Modelle anbieten können. Für die meisten Amerikaner ist ein Amerika ohne Zuwanderer unvorstellbar.

Vertrauen und Optimismus, was die Anziehungskraft des American Way of Life angeht, sind Konstanten in unserer Geschichte. Einwanderer auf der Suche nach einem besseren Leben für sich und ihre Familien erneuern unseren Glauben an den amerikanischen Traum.

Deshalb gehört die Ausweitung der Chancen für den Dialog über einige dieser amerikanischen Modelle für mich als Botschafter zu meinen Prioritäten.

Wir arbeiten mit Lehrern, Bibliothekaren und Sozialarbeitern, um beste Praktiken bei der Schaffung von Chancen zur Assimilierung zu erörtern.

Wir arbeiten auch mit deutschen Schulen zusammen. Ein Beispiel hierfür ist der Businessplan-Wettbewerb für Schüler, der vom American-German Business Club in Berlin organisiert wird. Wir wollen Schulen einbeziehen, die auch gute Partner für das Network for Teaching Entrepreneurship sein könnten, eine in den Vereinigten Staaten ansässige Organisation, die Jugendlichen aus einkommensschwachen Familien darin unterstützt, unternehmerische Fähigkeiten zu entwickeln.

Unser Generalkonsul in Düsseldorf, George Knowles, ist just in diesem Moment Gastgeber eines Grillabends für 10 Schüler mit Migrationshintergrund aus einer Düsseldorfer Hauptschule, die gerade von einem zweiwöchigen Besuch in den Vereinigten Staaten zurückgekommen sind. Dieses neue Programm nennt sich Windows on America. Es ist eine öffentlich-private Initiative – die Botschaft organisiert das Programm, das durch Unternehmen und private Spenden finanziert wird. Die Reaktion auf Windows on America war großartig, und weitere Schülergruppen werden an den Besuchen teilnehmen.

Vorige Woche fand ein Gegenbesuch statt. Einige amerikanische Muslime sind nach Berlin gekommen, um hier mit Schülern zu sprechen, die auch großenteils aus Migrantenfamilien stammten. Die Schüler sprachen sehr beredt über ihre “Zweigeteiltheit” – um W.E.B. DuBois zu zitieren. Sie erwähnten beispielsweise die Fußballweltmeisterschaft, die ihnen eine Möglichkeit gab, sich als Deutsche zu fühlen. A propos, ich würde Deutschland und den Deutschen gerne dazu gratulieren, dem Motto “Die Welt zu Gast bei Freunden” wirklich alle Ehre gemacht zu haben. Es gibt kein besseres Beispiel dafür, wie Vielfalt eine Gesellschaft kreativer, interessanter, stimulierender und lebenslustiger machen kann, als die deutsche Erfahrung der letzten vier Wochen während der Weltmeisterschaft.

Es gibt viele Möglichkeiten, sich den historischen Chancen der Globalisierung zu nähern – wenngleich wahrscheinlich nicht alle mit so viel Spaß verbunden sind wie die Weltmeisterschaft. Die Entlohnung ist für jedes Land, das die Talente der Menschen aus aller Welt nutzen kann, vorhanden. Wir sind der Meinung, dass eine Nation, die auf Toleranz und Achtung für die Meinung des Einzelnen aufgebaut ist, von Dauer sein wird. Wir sind auch der Meinung, dass das Glück der Vereinigten Staaten in nicht zu kleinem Maße an die Talente jener geknüpft ist, die aus anderen Ländern zu uns gekommen sind. Vielfältige Gesellschaften sind Nährböden für Kreativität– wenn sie offen und frei sind. Und vielleicht noch lohnenswerter sind die Vorteile, die Vielfalt für unser aller Lebensqualität bedeutet.

Manchmal werden wir daran erinnert, wie gut es uns heute geht. Vor einigen Tagen erschien in der Herald Tribune ein sehr interessanter Artikel zum Thema Einwanderung. Der amerikanische Reporter interviewte einen ehemals illegalen Einwanderer aus Guatemala, der seit 25 Jahren versucht hatte, ein erfolgreicher legaler amerikanischer Einwanderer zu werden. Seine letzten an den Reporter gerichteten Worte waren: “Dieses Land ist hart, man muss wirklich schwer arbeiten, aber man hat die Chance, es zu schaffen. Um ehrlich zu sein: Möglicherweise liebe ich dieses Land mehr, als Sie das tun.“ Das ist wahrlich eine Aussage, über die man nachdenken sollte.

Vielen Dank. Thank you.

Originaltext: Immigration in the 21st Century

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