Energie im 21. Jahrhundert

HANNOVER – (AD) – Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Botschafter William R. Timken jr. anlässlich des World Energy Dialogue in Hannover vom 25. April 2006.

Guten Tag. Es ist ein Privileg und eine Ehre, bei dieser Debatte zum Thema Energiepolitik an dieser herausragenden Diskussionsrunde teilnehmen zu dürfen. Viele wichtige Themen sind bereits angesprochen worden. Es ist offensichtlich, dass wir enormen Herausforderungen gegenüberstehen. Die Energieversorgung ist für unsere wirtschaftlichen Unternehmungen und unsere Lebensqualität von übergeordneter Bedeutung.

Wirtschaftswachstum, Energieverbrauch und umweltpolitische Themen sind eng miteinander verwoben. Da zunehmende wirtschaftliche Entwicklung zu stetig steigender Nachfrage nach Energieressourcen zu vernünftigen Preisen führt, hat die Sicherung der Energieversorgung eines Landes nicht nur Auswirkungen auf die Volkswirtschaft dieses Landes, sondern auch auf seine nationale Sicherheit.

In den vergangenen Jahren haben wir die Konsequenzen der steigenden Nachfrage von Einzelpersonen, Industrien sowie aufstrebende Wirtschaftsmächte wie Indien und China auf die Öl-, Gas- und Kohlepreise beobachten können. Auf der Verbrauchsseite der Gleichung scheinen die Kräfte des Markts zu funktionieren. Steigende Preise führen dazu, dass Unternehmen und private Konsumenten auf einen effizienten Verbrauch achten und versuchen, Energie zu sparen. Steigende Preise haben auch erhöhte Produktion zur Folge.

Aber wir haben auch gesehen, wie verletzlich wir marktunabhängigen Versorgungsunterbrechungen wie politischer Instabilität oder Naturkatastrophen wie Hurrikan Katrina gegenüberstehen.

Ich möchte heute auf die Bestrebungen der Vereinigten Staaten eingehen, den energiepolitischen Anforderungen des 21. Jahrhunderts gerecht zu werden. Die Vereinigten Staaten haben eine robuste und flexible Strategie zur Bewältigung des Klimawandels geschaffen, die die Kraft der Märkte und technologischer Innovation nutzt, wirtschaftliches Wachstum unterstützt und globale Beteiligung fördert.

Zu den wichtigsten Elementen der amerikanischen Strategie zählen die Umsetzung kurzfristiger Schritte und Maßnahmen zur Verlangsamung der Zunahme von Treibhausgasemissionen, Investitionen in die Klimaforschung, die Beschleunigung der Entwicklung neuer Technologien sowie die Förderung internationaler Zusammenarbeit.

Die Vereinigten Staaten arbeiten mit anderen Regierungen, Nichtregierungsorganisationen, und, was am wichtigsten ist, dem Privatsektor partnerschaftlich zusammen, um die Art und Weise zu ändern, wie Energie gewonnen und verbraucht wird. Unsere Strategie stützt sich auf die modernste wissenschaftliche Forschung, fördert die Kreativität von Unternehmern und bietet Möglichkeiten zur Zusammenarbeit mit den Entwicklungsländern, um unseren gemeinsamen Wünschen für unsere Bürger, unsere Wirtschaft und unsere Umwelt gerecht zu werden.

Präsident Bush verpflichtete die Vereinigten Staaten im Februar 2002 zur Reduzierung ihrer Treibhausgasintensität – der Emissionsmenge pro Einheit wirtschaftlicher Aktivität – um 18 Prozent bis zum Jahr 2012. Die Treibhausgasintensität der Vereinigten Staaten fiel im Zeitraum zwischen 2000 und 2003 sogar um ein Prozent, während unsere gesamtwirtschaftliche Leistung um 1,23 Billionen Dollar stieg. Seit 2003 ist das Wirtschaftswachstum der Vereinigten Staaten das höchste unter den Industrienationen und unsere Volkswirtschaft schafft so viele Arbeitsplätze, dass die Arbeitslosenquote nur 4,7 Prozent beträgt.

Trotz dieses Wachstums sind wir dabei, das Ziel des Präsidenten der 18-prozentigen Reduzierung der Treibhausgasintensität zu erreichen.

Wie schaffen wir das? Einerseits hat die amerikanische Regierung seit 2001 mehr als zehn Milliarden Dollar in die Entwicklung umweltfreundlicherer, kostengünstigerer und zuverlässigerer Energiequellen investiert.

2006 kündigte der Präsident eine weitere 22-prozentige Erhöhung der finanziellen Mittel für die Erforschung sauberer Technologien unter Federführung des Energieministeriums an. Dazu zählen die Kohleforschungsinitiative (Coal Research Initiative), die Initiative solares Amerika (Solar America Initiative), die erweiterte Nutzung sauberer, aus Wind gewonnener Energie, die Bioraffinerie-Initiative (Bio-refinery Initiative) sowie die Initiative für Wasserstoff als Treibstoff (Hydrogen Fuel Inititative).

2005 verabschiedete Gesetze erhöhten die Effizienzstandards, erweiterten die Nutzung alternativer und erneuerbarer Energien und boten Steueranreize für sparsamere Fahrzeuge und Kraftstoffe.

Leider ist es aus zeitlichen Gründen nicht möglich, dass ich die lange Liste der Regierungsinitiativen weiter ausführe. Wir mussten jedoch erkennen, dass ein regulativer Ansatz von oben nach unten die falsche Lösung für die Vereinigten Staaten ist, obwohl die Regierung eine starke Rolle spielen muss.

Regierung, Unternehmen und private Konsumenten müssen sich zusammen dafür einsetzen, wesentliche kumulative Veränderungen zu bewirken.

»Die ganze Welt besteht aus Energiequellen, ob in Form von Gasen und Kohlewasserstoffen, den Temperaturunterschieden auf der Welt, den Gewässern und Meeren, dem Wind oder der Kraft der Sonne.

Technologische Entwicklungen werden die größten Chancen für Lösungen bieten. So wird beispielsweise das Unternehmen oder Land, das saubere Kohletechnologie zu bezahlbaren Preisen entwickelt, unerwartet große Gewinne machen.

Welche beiden Länder sind naturgegebene Partner für Innovation? Die Vereinigten Staaten und Deutschland. Wir nehmen bei der Entwicklung alternativer Energiequellen bereits Führungsrollen ein. Wir sind moderne, hochindustrialisierte Volkswirtschaften (die größte und drittgrößte der Welt), die Energie benötigen.

Unsere beiden Regierungen setzen sich für Energieeffizienz und die Entwicklung der nächsten Generation der Energietechnologien ein.

Bundeskanzlerin Merkel hat erklärt, dass die konventionelle Energiewirtschaft in Deutschland bis 2012 vorhat, 30 Milliarden Euro in neue Kraftwerke und Netze zu investieren.

Wie Präsident Bush in den Vereinigten Staaten kündigte auch sie an, dass Deutschland die Forschungsetats für Energietechnologie bis Ende 2009 um 30 Prozent erhöhen wird.

Ich denke, es wäre ein großer Schritt für die Energiepolitik im 21. Jahrhundert, wenn die Vereinigten Staaten und Deutschland die von Kanzler Schröder und Präsident Bush im Februar 2005 in Mainz eingegangenen Verpflichtungen erneut bekräftigen würden.

Die Erklärung von Mainz spiegelt das gemeinsame Engagement der Vereinigten Staaten und Deutschlands wider, im Rahmen einer Vielzahl von Projekten zusammenzuarbeiten, um die Energiesicherheit zu erhöhen, Umweltverschmutzung zu verringern und Treibhausgasemissionen zu reduzieren. Sie erwähnt mehr als 20 bestimmte Bereiche, in denen wir zur Sicherung der Energieversorgung, der Verbesserung der Effizienz sowie der Förderung der Marktfähigkeit und dem Zugang zu erneuerbaren Energien überall auf der Welt kooperieren.

Wenn Deutschland und die Vereinigten Staaten noch enger zusammenarbeiten, können sie die wichtigsten treibenden Kräfte für die Zukunft der Energie im 21. Jahrhundert sein. Damit werden wir unseren Bürgern und der ganzen Welt dienen.

Originaltext: Energy in the 21st Century

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>