Irakische Wahlen sind ein Wendepunkt für die Demokratie

WASHINGTON – (AD) – Nachfolgend veröffentlichen wir die unwesentlich gekürzte Rede von US-Präsident George W. Bush im Woodrow Wilson Center vom 14. Dezember 2005.

Ich möchte heute ein Thema von ausschlaggebender Bedeutung für alle Amerikaner erläutern: den Sieg im Kampf gegen den Terror. Am 11. September 2001 wurde unsere Nation von einem plötzlichen Angriff getroffen, und wir übernahmen neue Verantwortung. Wir stellen uns neuen Gefahren mit fester Entschlossenheit entgegen. Wir jagen die Terroristen und jene, die sie unterstützen. Wir werden in diesem Krieg kämpfen, ohne zu wanken – und wir werden obsiegen.

Im Krieg gegen den Terror ist jetzt der Irak die zentrale Front. In den vergangenen Wochen bin ich auf unsere politische, wirtschaftliche und militärische Strategie für den Sieg in diesem Land eingegangen. Morgen werden im Irak historische Wahlen stattfinden. Während sich Millionen von Irakern darauf vorbereiten, ihre Stimmen abzugeben, möchte ich darüber sprechen, warum wir in den Irak gegangen sind, warum wir im Irak geblieben sind, und warum wir den Irak nicht verlassen können – und nicht verlassen werden – bis wir den Sieg errungen haben.

Wir erleben derzeit einen Wendepunkt in der Geschichte der Freiheit. Die meiste Aufmerksamkeit konzentriert sich gerade auf die in dieser Woche stattfindenden Wahlen – und das ist richtig so. Die Iraker werden in ihre Wahllokale gehen und eine Regierung wählen, die die einzige konstitutionelle Demokratie in der arabischen Welt sein wird. Wir müssen uns jedoch auch in Erinnerung rufen, dass diese Wahlen Teil einer größeren Strategie für den Schutz der Amerikaner vor den Bedrohungen des Terrorismus sind.

Am schicksalsschweren Morgen des 11. Septembers 2001 haben wir die Zukunft gesehen, die die Terroristen für unsere Nation beabsichtigen. An diesem Tag haben wir erkannt, dass große Ozeane und freundliche Nachbarn nicht mehr ausreichen, um unser Land zu schützen. Der 11. September hat unser Land verändert. Er hat die Politik unserer Regierung verändert. Wir haben eine neue Strategie zum Schutz der amerikanischen Bürger umgesetzt: Wir werden die Terroristen gnadenlos verfolgen, wo sie sich auch verbergen; wir werden nicht zwischen den Terroristen und jenen unterscheiden, die ihnen Zuflucht gewähren; und wir werden die Sicherheit unseres Landes verbessern, indem wir im Nahen Osten Freiheit fördern.

Der 11. September veränderte auch meine Einschätzung von Bedrohungen, wie sie Saddam Hussein darstellte. Wir sahen die Zerstörung, die Terroristen mit voll mit Düsentreibstoff betankten Flugzeugen verursachen konnten – und wir malten uns die Zerstörung aus, die sie mit noch mächtigeren Waffen anrichten könnten. Damals erkannten die Politiker beider politischer Parteien diese neue Realität: Wir können es nicht erlauben, dass die gefährlichsten Menschen der Welt die gefährlichsten Waffen der Welt in die Hände bekommen. Wenn wir in einem Zeitalter des Terrorismus und der Massenvernichtungswaffen warten, bis Bedrohungen vollständig Gestalt annehmen, werden wir zu lange gewartet haben.

Wir entmachteten Saddam Hussein, weil er eine Bedrohung für unsere Sicherheit darstellte. Er strebte den Besitz von Massenvernichtungswaffen an und setzte sie ein. Er unterstützte Terroristen. Er befahl seinem Militär, auf amerikanische und britische Piloten zu schießen, die die Flugverbotszonen überwachten. Er griff seine Nachbarländer an. Er führte einen Krieg gegen die Vereinigten Staaten und eine große Koalition. Er hatte die Vereinigten Staaten von Amerika offen zu seinem Feind erklärt.

Im Laufe eines Jahrzehnts weigerte sich Saddam Hussein, mehr als einem Dutzend UN-Resolutionen zu entsprechen – darunter Forderungen, er müsse die Rechte der Iraker respektieren, seine Waffen aufgeben und sich an die Vereinbarung einer Waffenruhe aus dem Jahre 1991 halten. Er täuschte internationale Waffeninspektoren und verweigerte ihnen die uneingeschränkten Zugangsrechte, die sie für ihre Aufgabe benötigen. Als ihm eine einstimmige Sicherheitsresolution eine letzte Chance einräumte, seinen Waffenbesitz offen darzulegen und abzurüsten oder andernfalls ernste Konsequenzen tragen zu müssen, weigerte er sich, diese letzten Chance zu nutzen. Zu jedem Zeitpunkt in dieser Entwicklung hätte Saddam Hussein den Krieg vermeiden und den gerechtfertigten Forderungen der internationalen Gemeinschaft nachkommen können. Die Vereinigten Staaten entschieden sich nicht für den Krieg – diese Entscheidung traf Saddam Hussein.

Als wir uns entschieden, in den Irak zu gehen, teilten zahlreiche Nachrichtendienste auf der Welt die Einschätzung, dass Saddam Hussein Massenvernichtungswaffen besaß. Diese Einschätzung war auch die der Nachrichtendienste der Regierungen, die meinen Entschluss, Saddam Hussein zu entmachten, nicht teilten. Und es ist wahr, dass viele der nachrichtendienstlichen Erkenntnisse sich als falsch erwiesen. Als Präsident bin ich für die Entscheidung, in den Irak zu gehen, verantwortlich – und ich bin auch dafür verantwortlich zu korrigieren, was falsch lief, indem ich unsere nachrichtendienstlichen Fähigkeiten reformiere. Und genau das tun wir. Gleichzeitig müssen wir uns in Erinnerung rufen, dass eine Untersuchung des obersten Waffeninspektors Charles Duelfer nach dem Krieg ergab, dass Saddam Hussein das UN-Programm “Öl für Nahrungsmittel” dazu nutzte, Länder und Unternehmen mit dem Ziel zu beeinflussen, die Sanktionen zu umgehen, um sein Waffenprogramm erneut aufnehmen zu können, nachdem die Sanktionen zusammengebrochen waren und die Aufmerksamkeit der Welt wieder von ihm abgelenkt war. Gemessen an den geschichtlichen Erfahrungen mit Saddam Hussein und den Lektionen des 11. Septembers war meine Entscheidung, ihn zu entmachten, die richtige. Er stellte eine Bedrohung dar – und den amerikanischen Bürgern sowie dem Rest der Welt geht es besser, seit er nicht mehr an der Macht ist. Wir sind heute im Irak, weil unser Ziel schon immer über den Sturz eines brutalen Diktators hinaus ging; wir wollen an seiner Stelle einen freien und demokratischen Irak hinterlassen.

Ich sagte in einer Rede in der Zeit vor dem Krieg, dass ein befreiter Irak die Kraft der Freiheit aufweisen könnte, den Nahen Osten zu verändern, indem Millionen von Menschen in ihrem Leben Hoffnung und Fortschritt erfahren. Daher helfen wir den Irakern beim Aufbau einer dauerhaften Demokratie, die friedlich und erfolgreich ist und dem Nahen und Mittleren Osten als Beispiel dienen kann. Die Terroristen wissen das und haben daher den Irak zu ihrer Hauptfront gemacht.

Der Feind der Freiheit im Irak ist eine Kombination aus Verweigerern, Saddamisten und Terroristen. Die Verweigerer sind gewöhnliche Iraker, zumeist sunnitische Araber, die den privilegierten Status vermissen, denn sie unter dem Regime von Saddam Hussein hatten. Wir sind der Meinung, dass der Großteil dieser Gruppe im Lauf der Zeit überzeugt werden kann, einen demokratischen Irak unter einer Regierung zu unterstützen, die stark genug ist, die Rechte von Minderheiten zu schützen. Wir werden bestärkt von den Anzeichen, dass viele Sunniten vorhaben, an den morgigen Wahlen teilzunehmen.

Die Saddamisten sind die treuen Anhänger des ehemaligen Regimes, die davon träumen, wieder an die Macht zu gelangen. Sie versuchen, eine anti-demokratische Geisteshaltung unter der sunnitischen Bevölkerung zu schüren. Ihnen fehlt jedoch die breite Unterstützung der Bevölkerung. Mit der Zeit können sie daher marginalisiert und von den Sicherheitskräften eines freien Iraks besiegt werden.

Die mit der Al Kaida verbundenen oder von ihr inspirierten Terroristen sind die kleinste, jedoch gefährlichste Gruppe. Sie werden von einem brutalen Terroristen mit dem Namen Sarkawi angeführt. Er ist der Anführer der Al-Kaida-Operationen im Irak. Er hat Osama bin Laden die Treue geschworen. Die Terroristen haben Ambitionen; sie haben Ziele. Sie wollen dem Erfolg der Freiheit im Irak Einhalt gebieten. Sie wollen den Irak in das verwandeln, was Afghanistan unter den Taliban war – eine Zufluchtsstätte, von der aus sie Anschläge auf unsere Bürger planen können. Ihre Brutalität ist grenzenlos. Sie töten Unschuldige, um ihre Ziele zu erreichen. Es handelt sich um einen Feind ohne Gewissen – und auf einen solchen Feind gibt es nur eine wirksame Reaktion: Wir werden niemals klein beigeben, wir werden niemals aufgeben, und wir werden niemals etwas Geringeres als den vollständigen Sieg akzeptieren.

Vergangenen Monat veröffentlichte meine Regierung ein Dokument mit dem Namen “Nationale Strategie für den Sieg im Irak”. In den vergangenen Wochen habe ich unsere Strategie mit den amerikanischen Bürgern diskutiert. In der U.S. Naval Academy sprach ich darüber, wie wir unsere Strategie für die Ausbildung irakischer Sicherheitskräfte verändert haben, so dass diese ohne größere Hilfe aus dem Ausland die Führung im Kampf und schließlich die Verantwortung für die Sicherheit ihrer Bürger übernehmen können. Die irakischen Sicherheitskräfte gewinnen ständig an Fähigkeiten.

Vor genau einem Jahr gab es nur eine Hand voll kampfbereiter irakischer Bataillone. Heute kämpfen mehr als 125 irakische Armee- und Polizeikampfbataillone gegen die Terroristen. Von ihnen kämpfen mehr als 70 irakische Bataillone Seite an Seite mit Koalitionsstreitkräften und mehr als 50 haben im Kampf die Führung übernommen. Bis jetzt gab es im Irak im Dezember mehr als 900 Kampfoperationen auf Kompanieebene oder höher, und bei 75 Prozent von ihnen übernahmen die irakischen Sicherheitskräfte entweder die Führung oder kämpften Seite an Seite mit unserer Koalition. Während die irakischen Sicherheitskräfte weiterhin an Größe und Stärke gewinnen, können sich die Streitkräfte der Vereinigten Staaten und der Koalition auf die Ausbildung der Iraker und die Jagd nach primären Zielen wie Sarkawi und seinen Verbündeten konzentrieren.

Vergangene Woche erklärte ich vor dem Council on Foreign Relations, wie wir unsere Vorgehensweise veränderten, um die Iraker dabei zu unterstützen, vom Feind zurückeroberte Städte zu sichern und wiederaufzubauen, und wie wir ihnen bei der Wiederbelebung der irakischen Infrastruktur und Volkswirtschaft helfen. Viele Städte wie Mosul und Nadschaf kehren ins Leben zurück und die irakische Volkswirtschaft wächst. Tausende neuer Unternehmen sind im Irak eröffnet worden, das Einkommen des Einzelnen ist gestiegen und laut einer Studie sagen sieben von zehn Irakern, ihr Leben verlaufe gut, und fast zwei Drittel der Menschen erwarten, dass sich die Dinge im kommenden Jahr noch verbessern werden.

Anfang dieser Woche sprach ich vor dem Philadelphia World Affairs Council detailliert darüber, wie wir unsere Vorgehensweise bei der Unterstützung der Iraker beim Aufbau ihrer Demokratie verändert haben. Auf Wunsch der irakischen Politiker beschleunigten wir den Übergang hin zu einer irakischen Selbstverwaltung. Wir legten vier große Meilensteine fest, die den Übergang des Iraks zu einer konstitutionellen Demokratie leiten sollten: die Übertragung der Souveränität, Wahl einer Übergangsregierung, die Verabschiedung einer demokratischen Verfassung sowie die Wahl einer neuen Regierung gemäß dieser Verfassung. Trotz der Gewalt haben die Iraker jeden Meilenstein erreicht – und dies verändert die politische Landschaft im Irak.

Sunnitische Araber, die nicht an den Wahlen im Januar teilnahmen, beteiligen sich jetzt intensiv am Wahlkampf für die Wahlen in dieser Woche – und wir haben Grund zu der Annahme, dass die Wahlbeteiligung unter Sunniten diesmal höher sein wird. Wenn Sunniten anfangen, am politischen Prozess teilzunehmen, wird die irakische Demokratie integrativer – und die Terroristen und Saddamisten werden marginalisiert.

Jede Veränderung, die wir bei unserer Vorgehensweise im Irak vorgenommen haben, hilft uns, die harten Realitäten und Bedingungen vor Ort anzugehen. Wir haben unsere Taktik angepasst, wir haben behoben, was nicht funktionierte, und wir haben jenen zugehört, die die Dinge am besten beurteilen können: unseren militärischen Befehlshabern und den irakischen Bürgern.

Unsere Taktiken verändern sich weiterhin, aber unser Ziel im Irak hat sich nicht geändert: ein freier und demokratischer Irak. Ich bin der festen Überzeugung, dass ein demokratischer Irak ein ausschlaggebender Bestandteil unserer Strategie ist, die Terroristen zu besiegen, weil nur Demokratie dem Irak Freiheit und Versöhnung ermöglichen und Frieden in diesen krisengeschüttelten Teil der Welt bringen kann. Unsere Bestrebungen zur Förderung der Freiheit im Irak werden von unseren wichtigsten Interessen und tiefsten Überzeugungen geleitet. Die Vereinigten Staaten wurden basierend auf dem Prinzip gegründet, dass alle Menschen gleich geschaffen sind, und wir sind der Meinung, dass die Menschen im Nahen Osten ebenso wie wir Freiheit verdienen. Die Geschichte hat gezeigt, dass freie Nationen auch friedliche Nationen sind. Wenn sich die irakische Demokratie weiter festigt, werden die irakischen Bürger Anteil an einer gemeinsamen und friedlichen Zukunft haben.

Bei der Förderung der Sache der Freiheit im Irak kann unsere Nation mit Zuversicht voranschreiten, weil wir diese Art von Arbeit schon einmal geleistet haben. Nach dem Zweiten Weltkrieg war Präsident Harry Truman der Meinung, dass die beste Art, Frieden und Wohlstand nach Asien zu bringen, sei, die Saat der Freiheit und Demokratie in Japan auszusäen. Wie heute gab es auch damals zahlreiche Skeptiker und Pessimisten, die sagten, dass die Japaner für die Demokratie noch nicht bereit seien. Glücklicherweise gab Präsident Harry Truman nicht nach. Er glaubte wie ich an die Macht der Freiheit, einen Feind in einen Verbündeten zu verwandeln. Und weil er seinen Überzeugungen treu blieb, ist Japan heute eine der freiesten und wohlhabendsten Nationen sowie einer der engsten Verbündeten der Vereinigten Staaten bei der Friedenssicherung. Die Verbreitung der Freiheit im Irak und im Nahen Osten erfordert dieselbe Zuversicht und Beharrlichkeit und wird dieselben Ergebnisse erzielen.

Die Menschen im Irak sehen derzeit einige der greifbaren Vorzüge ihrer neuen Demokratie. Sie sehen, dass sich einhergehend mit dem Voranschreiten der Freiheit ihr Leben verbessert. Die Iraker haben einer kühnen Verfassung zugestimmt, die Rechtsstaatlichkeit und die Versammlungsfreiheit, Eigentumsrechte, Rede- und Pressefreiheit, Rechte für Frauen sowie das Recht zu wählen gewährleistet. Sie sehen, wie ihre eigenen Soldaten und Polizeikräfte zunehmend ihre Freiheit verteidigen, und keine ausländischen Streitkräfte. Und sie sehen, dass die Freiheit ihnen Chancen und ein besseres Leben eröffnet.

Den Irakern stehen noch viele Herausforderungen bei der Sicherheit, dem Wiederaufbau und wirtschaftlichen Reformen bevor. Aber sie bauen eine starke Demokratie auf, die diese Herausforderungen bewältigen und für den Nahen Osten als Vorbild dienen kann. Die Freiheit im Irak wird Reformer von Damaskus bis Teheran inspirieren. Dieser neu entstehende Irak teilt unsere grundlegendsten Werte und unsere entschlossensten Feinde. Indem wir den Irakern beim Aufbau einer Nation helfen, die sich selbst regieren, unterhalten und verteidigen kann, gewinnen wir einen Verbündeten im Kampf gegen den Terror und einen Partner für den Frieden im Nahen Osten.

Im Irak steht viel auf dem Spiel, und wir werden das Land nicht verlassen, bevor wir den Sieg errungen haben.Gerade findet eine intensive Debatte über die Bedeutung des Irak im Krieg gegen den Terror statt. Die ständigen Schlagzeilen über Autobomben und Morde haben dazu geführt, das manche sich fragen, ob unsere Präsenz im Irak für die Vereinigten Staaten nicht zu einer geringeren Sicherheit geführt hat. Bei dieser Annahme wird davon ausgegangen, dass die Terroristen uns in Ruhe ließen, wenn wir nicht im Irak wären. Wahr ist jedoch, dass die Terroristen die Vereinigten Staaten schon seit Jahren als Ziel hatten, lange bevor wir in den Irak gegangen sind.

Wir waren 1993 nicht im Irak, als Terroristen versuchten, das World Trade Center in New York in die Luft zu sprengen. Wir waren 1998 nicht im Irak, als Terroristen Bombenanschläge auf unsere Botschaften in Kenia und Tansania verübten. Wir waren im Jahr 2000 nicht im Irak, als Terroristen 17 amerikanische Matrosen an Bord der USS Cole töteten. Am 11. September 2001 war kein einziger amerikanischer Soldat im Irak, als Terroristen beim schlimmsten Anschlag auf unserem Boden seit Pearl Harbor nahezu 3.000 Menschen ermordeten.

Diese Taten sind Teil einer großen Strategie der Terroristen. Ihr erklärtes Ziel ist, die Vereinigten Staaten und die Koalitionsstreitkräfte aus dem Nahen Osten zu vertreiben, damit sie die Kontrolle über den Irak erlangen und ihn als Stützpunkt für Anschläge gegen die Vereinigten Staaten und den Sturz moderater Regierungen im Nahen Osten verwenden und ein totalitäres islamisches Reich von Indonesien bis Spanien schaffen können. Hören Sie sich die Worte der Terroristen an. In einem Brief an den Terroristenführer Sarkawi beschreibt der Al-Kaida-Anführer Zawahiri Pläne, die stufenweise realisiert werden sollen: Das sind seine Worte: “… Die Vertreibung der Amerikaner aus dem Irak. … Die Etablierung eines islamischen Einflussbereichs über das größtmögliche Gebiet, um die Macht im Irak auszuweiten… Die Ausbreitung der Dschihad-Welle auf die säkularen Nachbarländer des Irak.”

Um diese Ziele zu erreichen, greifen die Terroristen unschuldige Frauen, Männer und Kinder an. Unsere Feinde haben nur die Fähigkeit, mit spektakulären Gewalttaten Chaos für die Kameras zu schaffen. Sie wissen, dass sie uns militärisch nicht besiegen können. Also versuchen sie, unseren Willen in der Hoffnung zu brechen, dass die Vereinigten Staaten das Schlachtfeld früher verlassen. Sie zitieren den Vietnamkrieg als Grund, dass sie siegen können. Zawahiri schreibt in seinem Brief an Sarkawi: “Die Folgen des Zusammenbruchs der amerikanischen Macht in Vietnam, wie sie flohen und ihre Agenten zurückließen, sind beachtenswert.” In der Vergangenheit hat die Al Kaida gesagt, dass die amerikanischen Truppenabzüge aus dem Libanon und Somalia ihr gezeigt hat, dass Amerika schwach ist und in die Flucht geschlagen werden kann. Jetzt denken die Terroristen, sie können die Vereinigten Staaten im Irak in die Flucht schlagen. Es gibt nur eine Möglichkeit für die Terroristen zu siegen: wenn wir unsere Nerven verlieren und das Land verlassen, bevor der Auftrag vollendet ist. Das wird nicht passieren, solange ich der Wachhabende bin.

Manche Stimmen in Washington fordern einen schnellen und vollständigen Truppenabzug im Irak. Sie sagen, dass unsere Präsenz dort die Ursache für die Instabilität im Irak ist und dass wir als Reaktion darauf eine Frist für den Truppenabzug setzen müssen. Ich bin anderer Meinung. Ich habe mir alle Argumente gründlich angehört. Es gibt vier Gründe, aus denen ich glaube, dass das Aufstellen einer künstlichen Frist zwangsläufig eine Katastrophe zur Folge hätte.

Erstens würde das Aufstellen einer künstlichen Frist die falsche Botschaft an die Iraker übermitteln. Die Iraker riskieren ihr Leben für die Demokratie, und es würde für sie bedeuten, dass die Vereinigten Staaten mehr Interesse an einem Abzug haben, als ihnen zu helfen, erfolgreich zu sein. Es würde alle demokratischen Fortschritte des vergangenen Jahres gefährden.

Zweitens würde das Aufstellen einer künstlichen Frist die falsche Botschaft an den Feind übermitteln. Es würde ihm sagen, dass die Vereinigten Staaten Reißaus nehmen, wenn er nur lange genug wartet. Es würde die Strategie der Terroristen, Enthauptungen und Selbstmordattentate durchzuführen und Massenmord zu begehen rechtfertigen. Es würde die Terroristen stärken und zu neuen Anschlägen auf die Vereinigten Staaten einladen.

Drittens würde das Aufstellen einer künstlichen Frist die falsche Botschaft an die Region und die Welt übermitteln. Wir würden damit all unseren Freunden und Unterstützern sagen, dass die Vereinigten Staaten ein schwacher und unzuverlässiger Verbündeter sind und dass wir uns zurückziehen, wenn es hart auf hart kommt.

Und schließlich würde das Aufstellen einer künstlichen Frist die falsche Botschaft an den wichtigsten Empfänger übermitteln – unsere Soldaten an der Front. Es würde ihnen sagen, dass die Vereinigten Staaten die Mission aufgeben, für deren erfolgreichen Abschluss sie ihr Leben riskieren, und dass das Opfer ihrer in diesem Kampf gefallenen Kameraden umsonst war. Ich gebe den Familien der Gefallenen folgendes Versprechen: Wir werden weiter kämpfen, wir werden ihren Auftrag zu einem Abschluss bringen, und wir werden gewinnen.

Den Sieg werden wir erringen, wenn wir bestimmte eindeutige Ziele erreicht haben: wenn die Terroristen und Saddamisten die Demokratie im Irak nicht mehr gefährden, wenn die irakischen Sicherheitskräfte ihre eigenen Mitbürger schützen können und wenn der Irak keine Zufluchtsstätte für Terroristen mehr ist, von der aus sie Anschläge gegen unser Land vorbereiten können. Diese Ziele – und nicht von Politikern in Washington aufgestellte Fristen – werden unsere Truppenstärke im Irak bestimmen. Während die Iraker Verantwortungsbereiche übernehmen, werden wir uns im Gegenzug nach und nach aus diesen Bereichen zurückziehen. Und wenn wir den Sieg errungen haben, kehren unsere Truppen mit verdienter Ehre nach Hause zurück.

Eine der Segnungen unserer freien Gesellschaft ist, dass wir diese Themen offen diskutieren können, sogar zu Kriegszeiten. Der Großteil der Debatte war gut für unsere Demokratie, aber es wurden auch einige unverantwortliche Anschuldigungen geäußert. Man sagt, wir handelten wegen Öl, wir handelten im Irak wegen Israel oder wir hätten die Amerikaner getäuscht. Einige der unverantwortlichsten Kommentare über die Manipulation von nachrichtendienstlichen Erkenntnissen kamen von Politikern, denen dieselben Informationen vorlagen, wie uns, und die dann in der Abstimmung über die Anwendung von Gewalt gegen Saddam Hussein mit ja stimmten. Diese Anschuldigungen sind rein politisch motiviert. Sie schaden der Moral unserer Truppen. Unabhängig von unseren Differenzen in Washington verdienen es unsere Frauen und Männer in Uniform zu wissen, dass, wenn unsere Politiker sich dafür entscheiden, sie Gefahren auszusetzen, unsere Unterstützung ihnen in guten und in schlechten Zeiten sicher ist und wir uns mit nichts Geringerem als dem vollständigen Sieg zufrieden geben.

Bevor wir diesen Sieg erringen, liegt noch viel schwierige Arbeit vor uns. Wir haben in den vergangenen zweieinhalb Jahren wahre Fortschritte erreicht. Die Terroristen sehen diese Fortschritte und sind fest entschlossen, sie zu beenden. Unsere Feinde werden sich nicht von erfolgreichen Wahlen zum Aufgeben überreden lassen. Sie wissen, dass es ein schwerer Schlag gegen ihre hasserfüllte Ideologie wäre, wenn die Demokratie im Irak Wurzeln schlägt. Wir können also davon ausgehen, dass sich die Gewalt fortsetzt.

Wir können auch davon ausgehen, dass den Wahlen Tage der Ungewissheit folgen. Wir werden möglicherweise bis in die erste Januarhälfte nicht sicher wissen, wer die Wahlen gewonnen hat – und es ist wichtig, dass unsere Bürger das verstehen. Es wird eine Weile dauern. Es wird auch eine Weile dauern, bis die Iraker eine Regierung gebildet haben. Die vor uns liegende Arbeit wird die Geduld der Iraker, aber auch unsere Geduld erfordern. Wir müssen uns jedoch in Erinnerung rufen, dass ein freier Irak in unserem Interesse ist, da ein freier Irak ein Leuchtfeuer der Hoffnung sein wird. Und wenn der Nahe Osten an Freiheit gewinnt, werden die amerikanischen Bürger und ihr Land sicherer sein.

Die vor uns liegende Arbeit wird auch fortdauernde Opfer erfordern. Wir können aber zuversichtlich sein, weil die Geschichte gezeigt hat, dass die Macht der Freiheit Tyrannei überwinden kann. Wir können auch zuversichtlich sein, weil wir die größte Macht für Freiheit auf unserer Seite haben: die Frauen und Männer der Streitkräfte der Vereinigten Staaten.

Einer dieser Männer war Ryan McGlothlin, ein Leutnant der Marineinfanteristen aus Lebanon (Virginia). Ryan war ein kluger erfolgreicher junger Mann und wollte schon immer unserer Nation dienen. Er war der Abschiedsredner seines High-School-Jahrgangs. Er schloss das College of William & Mary mit nahezu perfektem Notendurchschnitt ab und hatte ein volles Stipendium der Stanford University, wo er auf eine Promotion in Chemie hinarbeitete.

Zwei Jahre nach den Anschlägen vom 11. September 2001 kam der junge Mann, der alle Möglichkeiten der Welt hatte, von Stanford zu Besuch nach Hause. Er sagte seinem Vater: “Ich fühle mich einfach nicht, als täte ich etwas von Bedeutung. Ich möchte meinem Land dienen. Ich möchte unser Land vor Terroristen schützen. Deshalb bin ich den Marineinfanteristen beigetreten.” Als sein Vater ihn fragte, ob es nicht eine andere Möglichkeit gäbe zu dienen, antwortete Ryan, dass er eine besondere Verpflichtung verspüre, sich freiwillig zu melden, weil ihm so viel gegeben worden war. Ryan gab bei den letzten Wahlen seine Stimme nicht für mich ab, aber er unterstützte unsere Mission im Irak. Und er unterstützte seine Kameraden bei den Marineinfanteristen.

Ryan wurde vergangenen Monat im Kampf gegen die Terroristen nahe der syrischen Grenze getötet. In seiner Tasche fand man das Gedicht, das Ryan bei seinem High-School-Abschluss vorgelesen hatte. Es verdeutlicht den Kampfgeist dieses mutigen Marineinfanteristen. Das Gedicht hieß “Gib nicht auf”.

In unserem Kampf, die Freiheit der Vereinigten Staaten zu wahren, werden wir niemals aufgeben. Wir haben wunderbare Amerikaner wie Ryan McGlothlin verloren. Wir bewahren die Erinnerung an jeden einzelnen von ihnen. Wir beten für die geliebten Menschen, die sie zurückgelassen haben, und wir sehen es als Privileg an, Bürger des Landes zu sein, dem sie dienten. Wir ehren sie auch, indem wir anerkennen, dass ihr Opfer uns an diesen Punkt gebracht hat: die Geburt einer freien und souveränen irakischen Nation, die ein Freund der Vereinigten Staaten und eine Kraft für das Gute in einer von Krisen heimgesuchten Region der Welt sein wird.

Im Nahen Osten hat die Geschichte der Freiheit eben erst begonnen. Und wenn die Geschichte dieser Zeit geschrieben wird, wird sie davon berichten, wie die Vereinigten Staaten ihre eigene Freiheit verteidigt haben, indem sie die Freiheit dazu verwendeten, aus unerbittlichen Feinden starke Verbündete zu machen. Und die Geschichte wird besagen, dass diese Generationen, wie die Generationen vor ihr, die Grundlage für den Frieden zukünftiger Generationen geschaffen hat.

Möge Gott Sie alle segnen.

Originaltext: Iraqi Elections a “Watershed Moment” in Democracy, Bush Says

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