Warschauer Konferenz zur Bekämpfung des Terrorismus

WASHINGTON – (AD) – Nachfolgend veröffentlichen wir die per Satellit übertragene Rede von US-Präsident George W. Bush bei der Warschauer Konferenz zur Bekämpfung des Terrorismus vom 6. November 2001.

Vielen Dank, Herr Präsident. Ich freue mich, wieder in Warschau zu sein, dieses Mal per Satellitenübertragung. Mein Besuch der Region im Juni war wunderbar, und ich weiß, ich bin heute unter Freunden.

Ich danke allen Ländern Mittel- und Osteuropas, die an dieser Konferenz teilnehmen. Sie sind unsere Partner im Kampf gegen Terrorismus, und wir erleben gemeinsam eine bedeutende Zeit in der Geschichte.

Mehr als 50 Jahre lang haben die Menschen Ihrer Region unter repressiven, die Menschenwürde mit Füßen tretenden Ideologien gelitten. Heute ist unsere Freiheit wieder bedroht. Wie die Faschisten und die totalitären Systeme vor Ihnen versuchen diese Terroristen – Al Qaida, das Taliban-Regime, das sie unterstützt und andere Terrorgruppen auf der ganzen Welt – ihre radikalen Ansichten mit Drohungen und Gewalt durchzusetzen. Wir erleben die gleiche Intoleranz gegenüber Andersdenkenden, die gleichen verrückten, globalen Ambitionen, die gleiche brutale Entschlossenheit, jedes und das gesamte Leben zu beherrschen.

Wir haben das wahre Wesen dieser Terroristen und das Wesen ihrer Angriffe erkannt – sie töten tausende unschuldige Menschen und jubeln dann darüber. Sie töten muslimische Glaubensbrüder – an diesem schrecklichen Morgen starben viele von ihnen im World Trade Center – und brüsten sich dann damit. Sie dulden Mord und behaupten, es im Namen einer friedliebenden Religion zu tun.

Wir haben das wahre Wesen dieser Terroristen auch im Wesen des Regimes erkannt, das sie in Afghanistan unterstützen – und das ist erschreckend. Frauen werden in ihren Häusern eingesperrt, und ihnen wird der Zugang zu grundlegender Gesundheitsfürsorge und Bildung verwehrt. Nahrungsmittel, die geschickt werden, um hungernden Menschen zu helfen, werden von ihren Anführern gestohlen. Die religiösen Denkmäler anderer Glaubensrichtungen werden zerstört. Kindern wird verboten, Drachen steigen zu lassen, Lieder zu singen oder Schneemänner zu bauen. Ein siebenjähriges Mädchen wird geschlagen, wenn es weiße Schuhe trägt. Unsere Feinde haben den Menschen in Afghanistan nur Elend und Terror gebracht – und jetzt versuchen sie, diesen Terror in die ganze Welt zu exportieren.

Die Al Qaida operiert in mehr als 60 Ländern, einschließlich einiger Länder in Mittel- und Osteuropa. Diese terroristischen Gruppen streben die Destabilisierung ganzer Länder und Regionen an. Sie streben den Besitz von chemischen, biologischen und nuklearen Waffen an. Hätten sie die Mittel, so wären unsere Feinde eine Bedrohung für jede Nation und letztlich für die Zivilisation selbst.

Wir sind daher entschlossen, dieses Übel zu bekämpfen, es zu bekämpfen, bis wir es beseitigt haben. Wir werden nicht warten, bis die Initiatoren von Massenmord Massenvernichtungswaffen erlangen. Wir handeln jetzt, weil wir diese dunkle Bedrohung aus unserem Zeitalter beseitigen und zukünftige Generationen schützen müssen.

Die Menschen meiner Nation tragen diesen Krieg jetzt zu Hause aus. Wir stehen vor einer zweiten Welle von Terroranschlägen in Form von tödlichen Milzbranderregern, die durch die Post versandt werden. Unser Volk reagiert auf diese neue Bedrohung mit Wachsamkeit und Ruhe. Unsere Regierung reagiert mit der Behandlung der Kranken, der Bereitstellung von Antibiotika für diejenigen, die dem Erreger ausgesetzt waren, und der Verfolgung der Schuldigen, ob im In- oder Ausland.

Und im Ausland kämpfen unsere Streitkräfte mit der Hilfe vieler Länder, da das Taliban-Regime Afghanistans sich weigerte, die Terroristen auszuliefern. Und wir machen gute Fortschritte bei einer gerechten Sache. Unsere Anstrengungen sind auf terroristische und militärische Ziele gerichtet, da wir – im Gegensatz zu unseren Feinden – Menschenleben achten. Wir zielen nicht auf unschuldige Menschen, und wir sehen mit Kummer die schwierigen Zeiten, die die Taliban den Menschen in ihrem eigenen Land gebracht haben.

Unsere Streitkräfte erfüllen ihre Mission systematisch. Wir haben viele Ausbildungslager der Terroristen zerstört. Wir haben Kommunikationsverbindungen unterbrochen. Wir setzen die Luftabwehr außer Gefecht, und nun greifen wir die Frontlinien der Taliban an.

Ich habe in einigen Nachrichtenberichten gesehen, dass viele Bürger Afghanistans wünschten, sie hätten die Terroristen der Al Qaida nie in ihr Land gelassen. Ich kann es ihnen nicht verdenken. Und ich hoffe, diese Bürger werden uns helfen, die Terroristen zu finden – denn je schneller wir sie finden, desto besser wird es den Menschen gehen. Es wird womöglich lange dauern, aber egal wie lange es dauert, diejenigen, die tausende Amerikaner und Bürger aus über 80 anderen Ländern getötet haben, werden ihrer gerechten Strafe zugeführt, und Afghanistan wird nicht mehr als Ausbildungsort für den Terror missbraucht werden.

Ich habe von Anfang an gesagt, dies ist ein schwieriger Kampf von ungewisser Dauer. Wir verfolgen einen Feind, der sich im Dunkeln und in Höhlen versteckt. Wir stehen am Anfang unserer Anstrengungen in Afghanistan. Und Afghanistan ist der Anfang unserer weltweiten Anstrengungen. Keine Gruppe oder Nation sollte sich in den Absichten der Vereinigten Staaten täuschen: Wir werden nicht ruhen, bis Terrorgruppen mit globaler Reichweite gefunden wurden, ihnen Einhalt geboten wurde und sie besiegt wurden. Und dieses Ziel wird nicht erreicht werden, bis alle Länder der Welt aufhören, derartigen Terroristen innerhalb ihrer Grenzen Zuflucht zu gewähren und sie zu unterstützen.

Der Sieg über den Terror erfordert eine internationale Koalition nie da gewesenen Ausmaßes und beispielloser Zusammenarbeit. Er erfordert ehrliche, andauernde Maßnahmen vieler Länder gegen das Netzwerk der terroristischen Zellen, Stützpunkte, und Finanzquellen. Ende dieser Woche werde ich den Vereinten Nationen meine Vision unserer gemeinsamen Verantwortung im Krieg gegen den Terror darlegen. Ich werde jede Nation darauf aufmerksam machen, dass diese Aufgaben mehr als Mitgefühl oder Worte erfordern. Kein Land kann in diesem Konflikt neutral bleiben, denn keine zivilisierte Nation kann sich in einer von Terror bedrohten Welt sicher fühlen.

Ich danke den vielen Nationen Europas, einschließlich der NATO-Bündnispartner, die ihre militärische Hilfe angeboten haben. Außerdem danke ich den Ländern, die ihre nachrichtendienstlichen Erkenntnisse mit uns teilen und daran arbeiten, die Finanzierungsquellen der Terroristen auszutrocknen. Ich danke Ihnen allen für die wichtige praktische Arbeit, die Sie bei dieser Konferenz leisten. Der Krieg gegen den Terrorismus kann nur gewonnen werden, wenn wir unsere Kräfte bündeln.

Wir haben eine breite Koalition, die die Welt eint und die Terroristen zunehmend isoliert – eine Koalition, der viele arabische und muslimische Ländern angehören. Ich fühle mich ermutigt durch das, was ihre Regierungsoberhäupter sagen. Die Führung der 22 Länder zählenden Arabischen Liga wies die Behauptungen der terroristischen Anführer zurück und sagte, er – Osama bin Laden – spreche nicht im Namen der Araber und Muslime. Es wird immer deutlicher, dass es hier nicht nur um eine Angelegenheit zwischen den Vereinigten Staaten und dem Terrornetzwerk geht. Der ägyptische Außenminister sagte: “Es gibt einen Krieg zwischen bin Laden und der ganzen Welt.”

Wir alle, die heute hier sind, sind uns dessen bewusst: Wir bekämpfen nicht den Islam, wir bekämpfen das Böse.

Ich danke allen unseren Koalitionspartnern und Ihnen allen für ihre unerschütterliche Unterstützung. Das letzte Mal, als ich in Warschau war, sprach ich von unserer gemeinsamen Vision eines geeinten, freien und friedlichen Europas. Ich sagte, wir bauen ein Haus der Freiheit, dessen Türen allen Völkern Europas offen stehen und dessen Fenster auf globale Chancen darüber hinaus blicken. Jetzt wurde diese Vision herausgefordert, aber sie wird sich nicht ändern. Mit Ihrer Hilfe wird unsere Vision von Frieden und Freiheit verwirklicht werden. Und mit Ihrer Hilfe werden wir unsere gemeinsamen Werte verteidigen.

Vielen Dank, dass Sie hier bei uns waren. Möge Gott Sie alle segnen.

Originaltext: Bush to Warsaw Conference on Combatting Terrorism

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