Senator Fulbright – Seine Vision für Amerika und die Welt

FAYETTEVILLE – (AD) – Zum Gedenken an den früheren Senator von Arkansas und Verfasser des nach ihm benannten Programms für Öffentlichkeitsarbeit, J. William Fulbright, hielt der Direktor des US-Informationsamts (United States Information Agency – USIA), Joseph D. Duffey, bei einer Feierstunde am 28. Februar 1996 in Fayetteville (Arkansas) nachfolgende Rede.

Das Fulbright-Programm wurde zu einer Zeit ins Leben gerufen, die in vieler Hinsicht der jetzigen gleicht. Im Jahr 1946 waren die Vereinigten Staaten gerade siegreich aus einem langen, schwierigen Krieg hervorgegangen und verspürten zu Recht ein Gefühl des Triumphes – sie waren optimistisch bezüglich der Zukunft sowohl im Hinblick auf die eigenen Aussichten als auch die Möglichkeiten der Gestaltung einer neuen Weltordnung. Senator Fulbright zählte zu den hoffnungsvollsten Personen des öffentlichen Lebens jener Zeit und sprach bei jeder Gelegenheit die Empfehlung aus, daß die Vereinigten Staaten die Führungsrolle bei der Schaffung von Programmen und Organisationen übernehmen sollten, die das Risiko wiederkehrender Konflikte – ähnlich dem Zweiten Weltkrieg – verringern könnten.

Aber ebenso wie heute machten sich beunruhigende Befürchtungen breit – obwohl Sieg das ganze Land erstrahlen ließ. Die Welt war immer noch ein gefährlicher Ort – damals wie heute hat die Schlichtung eines großen Kampfes eine Vielfalt neuer und unerwarteter Herausforderungen ausgelöst. Im Jahr 1946 lastete die Furcht vor dem Kommunismus und der nuklearen Vernichtung schwer auf dem Land. Senator Fulbright hatte immer behauptet, daß die Atombomben von Hiroshima und Nagasaki der Katalysator waren, der seine Gedanken auf die Schaffung eines internationalen Austauschprogramms konzentrierte. Er nahm die Warnung Albert Einsteins ernst, der schrieb, daß “wir uns eine neue Denkweise zulegen müssen, wenn die Menschheit überleben soll”. Für Fulbright mußte diese neue Denkweise die Änderung der Sichtweise von Nationen zueinander beinhalten, und diese Änderung durfte nicht auf der abgehobenen diplomatischen Bühne stattfinden, auf der sich die internationalen Beziehungen für gewöhnlich entfalten, sondern zwischen den Bürgern der vielen Nationen der Welt. Nur der umfangreiche persönliche Austausch von Ideen, Kulturen und Geschichte vermittelte Fulbright “eine gewisse Hoffnung, daß die menschliche Rasse nicht Selbstmord begeht”.

William Fulbrights Hoffnungen, daß sein Programm das gegenseitige Verständnis weltweit vertiefen könnte, gründeten sich auf seine eigenen äußerst persönlichen Erfahrungen als Rhodes-Stipendiat in den zwanziger Jahren, die ihn entscheidend prägten. Obwohl Bill Fulbright seine Heimatstadt Fayetteville in Arkansas liebte, erkannte er, daß ein Ort allein nicht die Lektionen lehren kann, die unterschiedliche Kulturen und Traditionen auf der ganzen Welt bieten können. Ein einziger Ort ist stets per definitionem provinziell – sei es Fayetteville, Paris, Oxford oder Washington. Aber die Summe der Erfahrungen all dieser Orte vermittelte Fulbright die Einsichten zum Vermächtnis des einzelnen, das durch Auslandsaustausch erworben werden kann. Seine in Europa gemachten Erfahrungen erweiterten seinen Horizont – er war beeindruckt von der Komplexität der Weltgeschichte und der Kulturen. Vor allem hatten seine Kontakte zu vielen unterschiedlichen Menschen die Erkenntnis genährt, daß Amerikas Zukunft letztlich mit der Zukunft der Weltgemeinschaft verbunden ist.

Die Geschichte des Fulbright-Austauschprogramms erscheint wie ein Roman in unserer Zeit der Haushaltsengpässe und einem Umfeld, in dem weithin die Meinung vertreten wird, daß die Regierung wenig zur Verbesserung der Gesellschaft beitragen kann. Am 27. September 1945 erhob sich der frischgebackene Senator aus Arkansas im Senat und erbat von der fast leeren Kammer die ungeteilte Zustimmung, Kredite aus Reparationszahlungen und Rückzahlungen aus Auslandsanleihen zur Finanzierung eines akademischen Austauschprograms zu verwenden. Die Gesetzesvorlage ging praktisch unbemerkt durch den Kongreß und erhielt bei jeder Abstimmung einhellige Unterstützung. An der Seite von Präsident Truman wohnte Fulbright im August 1946 der Unterzeichnung des Gesetzes bei, das seinen Namen zum Synonym für internationalen Goodwill und intellektuelle Offenheit über die Grenzen hinweg machte. Der offizielle Zweck des Gesetzes war und ist “die Vertiefung des gegenseitigen Verständnisses zwischen den Menschen in den Vereinigten Staaten und den Menschen in anderen Ländern”. Weder die Wohlhabenden noch die Elite oder die Gelehrten sind die Hoffnungsträger für die Verbesserung des internationalen Friedens, sondern die Menschen aller Nationen. Nur indem die Möglichkeit des internationalen Verständnisses so weit wie möglich verbreitet wird, konnte das Programm Senator Fulbrights Überzeugung zufolge eine Chance haben, jahrhundertealte Vorurteile und Mißtrauen zu überwinden. Später sagte er über das Programm, das seinen Namen trug: “Es ist ein bescheidenes Programm mit einem unbescheidenen Ziel – der Einführung eines zivilisierteren, rationaleren und menschlicheren Regimes in internationalen Angelegenheiten… Ich habe von Anfang an an diese Möglichkeit geglaubt und tue es immer noch.”

Gegen Ende seines Lebens gelangte Senator Fulbright zu der Auffassung, das Fulbright-Programm sei nach dem Ende des Kalten Krieges vielleicht noch notwendiger als auf dem Höhepunkt der amerikanisch-sowjetischen Spannungen. Im Gegensatz zu jenem Zeitalter, in dem die Welt in zwei Glaubensrichtungen gespalten war, leben wir heute in einer “multipolaren” Welt, in der das Verständnis nuancierter Unterschiede zwischen Kulturen von zunehmender Bedeutung ist. Die Beziehungen zwischen Ländern werden nicht länger durch einige wenige Supermächte diktiert, sondern vielmehr durch unzählige nicht greifbare und komplexe Faktoren. Noch 1992 forderte Senator Fulbright den Kongreß auf, das Engagement für das Fulbright-Programm zu bewahren, da es ein wichtiger Weg zum Verständnis zwischen komplizierten Kulturen sei und durch den Abbau von Barrieren zwischen Nationen mehr denn je zur Sache des internationalen Friedens beitragen könne. Bei jener Gelegenheit sagte er: “Die größte Macht solcher Austauschprogramme ist vielleicht , daß sie Nationen in Menschen verwandeln und Ideologien in menschliches Streben umsetzen.”

Seit der Einführung des Fulbright-Programms gingen über 70.000 Amerikaner im Rahmen des Austauschprogramms ins Ausland, und es ermöglichte 130.000 Ausländern, die Vereinigten Staaten kennenzulernen. Das Programm ist umfassend und bezieht Studenten und Dozenten aus mehr als 500 amerikanischen Colleges und Universitäten aus jedem Bundesstaat ein sowie Grundschullehrer und Vertreter aller Berufe und Schichten. Ausländische Studenten und Wissenschaftler von nahezu 700 ausländischen Institutionen sind an rund 300 amerikanische Colleges und Universitäten in 46 Bundesstaaten gekommen und haben damit Hunderttausenden die Möglichkeit verschafft, aus erster Hand Erfahrungen mit dem noch unbeendeten Projekt der amerikanischen Demokratie zu machen.

Die Liste prominenter Teilnehmer am Fulbright-Programm ist zu lang um sie aufzuführen, aber unter ihnen sind Universitäts-Rektoren, mit dem Nobelpreis ausgezeichnete Wirtschafts- und Naturwissenschaftler, Musiker, Schauspieler und ja, auch Politiker. Senator Fulbright sah ein Programm voraus, das die führenden Vertreter der Gesellschaft zur Förderung von Frieden und Verständnis unter den Nationen anregen sollte. Aber er sah das Programm auch als etwas, das die Gesellschaft bewegen würde, wenn die Teilnehmer ihre Erfahrungen einem immer größer werdenden Kreis von Menschen vermittelten. Er hegte keinen Zweifel, daß die durch Kontakte zu fremden Menschen und Kulturen gelernten Lektionen nicht nur eine Bereitschaft unter den Teilnehmern schaffen würden, die umfassendere Sichtweise zu teilen, die sie aus der sogenannten “Fulbright-Erfahrung” gewonnen hatten, sondern auch eine brennenden Leidenschaft wecken würden, andere von der Bedeutung dieser Erfahrung zu überzeugen.

Der Prozeß der Entdeckung ist ein zentrales Merkmal der Fulbright-Erfahrung: Die Entdeckung kultureller Unterschiede, fundamentaler menschlicher Ähnlichkeit und der quälenden, aber voreiligen Erkenntnis, daß die eigenen grundlegenden Überzeugungen von Moral, Politik und dem Sinn des Lebens nicht die vielfältigen Möglichkeiten des menschlichen Lebens umfassen. Senator Fulbright hoffte, daß das Austauschprogramm ein Destillat der größten Qualitäten der Bildung sein würde: Der konstanten Herausforderung einer Neudefinition der eigenen Annahmen, die erschütternde Erfahrung, die das Bekannte plötzlich fremd erscheinen läßt und die brillante Eröffnung neuer Sichtweisen. Obwohl William Fulbright stets der Überzeugung war, daß gute Institutionen von zentraler Bedeutung für eine gute Gesellschaft sind – wie man beispielsweise seinem leidenschaftlichen Engagement für die Vereinten Nationen und seinen lebenslangen Versuchen zur Reform der Institutionen der US-Regierung entnehmen kann – vertrat der Senator auch die Auffassung, daß gute Institutionen allein unzureichend sind, wenn ein Land nicht rechtschaffene, gebildete Staatsbürger hat.

Die Ziele der Bildung waren für Senator Fulbright klar definiert. Vor dem Hintergrund der wachsenden Betonung von Bildung als vorberuflicher Bildung wies er die Betonung der beruflichen Bildung zurück, die – wie er es formulierte – “das Gehirn in Geld umwandelt”. Vielmehr betrachtete er Bildung als großartiges staatsbürgerliches Projekt, als einzigen Weg zur Förderung staatsbürgerlicher Tugenden wie Dienst an der Öffentlichkeit, zivilisiertes Verhalten anderen gegenüber, Toleranz, Anstand und Gleichberechtigung. Es ist besonders lehrreich, sich Senator Fulbrights Überzeugung vor Augen zu halten, daß es in einer Demokratie keine bedeutendere Berufung gibt als die eines Staatsbeamten. In seiner ersten Rede als Rektor der University of Arkansas erklärte er: “Meines Erachtens können Schulen durch die richtige Betonung der richtigen Fächer den Schülern die Bedeutung guter Regierungsführung verdeutlichen, sie lehren, daß Politik der ehrenhafteste aller Berufe sein kann und die Besten unter ihnen zu einer Laufbahn in der Politik veranlassen.” William Fulbrights Worte, sein Werk und sein Leben widerlegen den vorherrschenden Zynismus, der sich gegenwärtig gegen Politik und Staatsbeamte richtet und sollte als Erinnerung dienen, daß Bildung und eine gesunde Gesellschaft eng miteinander verbunden sind.

Fulbright setzte überall große Hoffnung auf die Bildung, hielt sie in einer Demokratie jedoch für besonders wichtig. Nach dem Sieg der Vereinigten Staaten im Kalten Krieg behaupteten manche, Demokratie sei die einzige Regierungsform, die in der Zukunft Bestand haben könne. William Fulbright zeigte sich jedoch nie zufrieden mit der Demokratie. Vielmehr war er der Überzeugung, daß Demokratie beständige und große menschliche Bestrebungen erfordert, um weiterhin erfolgreich zu sein. Im Senat äußerte er einmal: “Gott hat nicht verfügt, daß unsere Regierungsform erfolgreich sein wird, und es gibt auch keine historischen Beweise zur Untermauerung der These, Demokratie sei die natürliche Gesellschaftsform.” Er fuhr fort: “Unsere Regierungsform ist das Produkt großartiger menschlicher Bestrebungen. Sie wurde von unseren Vorvätern in der Erkenntnis geschaffen, daß der Mensch gut, aber auch eine Bestie sein kann. Es werden immer kluge Taten der Menschen erforderlich sein, um zu verhindern, daß die Bestie überhand nimmt.”

Senator Fulbright war davon überzeugt, daß die für den Erhalt der demokratischen Struktur erforderliche Klugheit nur durch ein starkes System staatsbürgerlicher Erziehung erhalten werden kann. Seine Unterstützung für ein internationales Austauschprogramm war nur eine Facette seiner Überzeugung, daß Vorurteile und Mißtrauen überwunden und statt dessen gegenseitiges Verständnis gefördert werden können, wenn die Menschen einander nicht so fremd sind. Die potentiellen Schranken zwischen den Menschen auf der internationalen Bühne waren beängstigend, aber er erachtete die Schranken zwischen den Menschen innerhalb eines Landes als keine geringere Herausforderung. Als Fulbright älter, die Nation heterogener und weniger geeint wurde und die politische Rhetorik an Schärfe zunahm, wuchs seine Überzeugung, daß die Demokratie nur erhalten werden kann, wenn die Menschen bei ihren Gesprächen eine gemeinsame Grundlage haben – inspiriert durch eine Erziehung zu zivilisiertem und staatsbürgerlichem Verhalten. Obwohl Senator Fulbright immer ein engagierter Weltbürger war, überraschte er seine Anhänger bisweilen durch seine Kritik an der von ihm als missionarisch empfundenen Geisteshaltung Amerikas – dem eifrigen Streben nach Lösung der weltweiten Probleme, das seines Erachtens oftmals auf Kosten der demokratischen Gesundheit Amerikas ging.

In seinen späteren Reden und Büchern äußerte Senator Fulbright zunehmend Kritik an der selbst auferlegten Rolle der Vereinigten Staaten als Retter der Welt. In seinem Buch “Wahn der Macht” (The Arrogance of Power, 1966) schrieb er: “Eine exzessive Beschäftigung mit auswärtigen Beziehungen … lenkt eine Nation von den Quellen ihrer Stärke ab – ihren inneren Angelegenheiten.” Sein Widerstand gegen den Vietnamkrieg gründete in dieser Überzeugung. Als internationaler Pragmatiker war er der Ansicht, daß Amerika bei der Wahl seiner Schlachten klug vorgehen müsse und die Vorteile des Krieges größer sein müßten als der dadurch angerichtete Schaden. Seiner Meinung nach war der Vietnamkrieg unnötig – nicht nur für die Weltpolitik, sondern auch wegen seines zu hohen Preises für die Amerikaner – sowohl in Form von Soldaten als auch der Zerstörung des nationalen Konsenses.

Er machte sich Sorgen, daß Amerika allzusehr wie ein überragendes Imperium handelte – seine Regierenden buchstäblich herumpfuschten, während die Nation brannte. Er schrieb, “eine ehrgeizige Außenpolitik auf einer sich verschlechternden Grundlage ist nur eine begrenzte Zeit lang möglich…. Amerika wird irgendwann ein Desaster erleben, wenn wir nicht unser Haus in Ordnung bringen oder, genauer gesagt, nicht die Arbeit wiederaufnehmen, unsere Kinder zu erziehen, die Armut zu bekämpfen, unsere Städte zu erneuern und unsere Umwelt zu säubern.” Wir brauchen uns nicht den Isolationismus einiger extremer Kritiker des gegenwärtigen Internationalismus zu eigen machen, um mit Senator Fulbright darin übereinzustimmen, daß jetzt – nach dem Ende des Kalten Krieges – eine echte Neuüberprüfung der Prioritäten unserer Nation und des politischen Kurses erforderlich ist, selbst wenn das eine verringerte Betonung der Führungsrolle Amerikas in der Welt beinhaltet.

Senator Fulbrights Überzeugung, daß Amerikas oberste Verantwortung seine innenpolitische Gesundheit ist, war letztlich ein Spiegelbild seiner Ansicht, daß Amerika nicht durch die Kraft seiner Waffen, sondern durch die Kraft seines Beispiels eine Führungsrolle in der Welt übernehmen konnte. Er schrieb: “Wenn die Vereinigten Staaten der Welt einen Dienst zu leisten haben … ist es großenteils ein Dienst durch das von ihnen gegebene Beispiel.” Für Senator Fulbright gab es keine einfache Trennung zwischen Innenpolitik und internationalen Beziehungen. Die beiden waren eng miteinander verbunden, und eine Nation, die nicht ein friedliches, erfülltes, bewunderungswürdiges innenpolitisches Leben aufweisen konnte, hätte wenig Hoffnung, durch ihr Beispiel Vertrauen zu erwecken. Er zitierte gerne Edmund Burke, der geäußert hatte, “das Beispiel ist die Schule der Menschheit, und sie lernt durch nichts anderes”.

Es war besonders wichtig für Demokratien, durch die Kraft ihres Beispiels zu führen, denn Demokratie basiert auf einer Reihe von Ideen zu Menschenrechten, Gleichheit und Freiheit. Seit der Unabhängigkeitserklärung – die teilweise mit “dem gebührenden Respekt für die Meinungen der Menschheit” im Hinterkopf verfaßt wurde – waren die Vereinigten Staaten stets zu Recht bemüht, andere Nationen von den herausragenden Errungenschaften des demokratischen Projekts Amerikas zu überzeugen. Diese Erfordernis, immer auf die “Meinungen der Menschheit” zu achten, war auch Teil der Motivation des Fulbright-Austauschprogramms. Zu den wenigen Kritikern des Programms zählte Senator Kenneth McKellar aus Tennessee, der Fulbright nach der relativ reibungslosen Verabschiedung des Gesetzes gegenüber äußerte “das ist ein sehr gefährliches Gesetzeswerk… Sie bringen unsere Jungen und Mädchen dorthin und setzen sie Formen des ausländischen -ismus’ aus.” Senator Fulbright antwortete, durch die Ermutigung einer Verbreitung amerikanischer Kultur und Werte auf der ganzen Welt würde mehr für die Förderung von Demokratie getan, als mit Waffen je erreicht werden könnte.

Obwohl er weiterhin großes Vertrauen in die Anziehungskraft der Demokratie setzte, wenn diese offen mit anderen Ideologien konkurrieren darf, erachtete Senator Fulbright das Austauschprogramm nie als Werbekampagne für amerikanische Werte. Seiner Meinung nach forderte das Vertrauen in die höchsten Ideale Amerikas diejenigen, die Amerika lieben, auch dazu auf, notfalls zum Kritiker Amerikas zu werden. Er schrieb: “Sein Land zu kritisieren heißt, ihm einen Dienst zu leisten und ihm Ehre zu erweisen… Kritik ist mehr als nur ein Recht. Sie ist ein patriotischer Akt, eine höhere Form des Patriotismus.”

Senator Fulbright wurde in den Jahren unter Senator McCarthys Terrorregime Zeuge des Schadens, den sogenannte Patrioten anrichten können, die eine unreflektierte Liebe zu Amerika verlangen. Er war der Ansicht, daß die Institutionen der Vereinigten Staaten, ihre philosophischen Überzeugungen und Bürger widerstandsfähig genug waren, um Fragen und Herausforderungen von innen standhalten zu können. Tatsächlich war er letztlich der Meinung, Amerikas große Stärke bestehe darin, daß seine Bürger ihr Land so sehr liebten, um es ständiger Verbesserung für würdig zu erachten. Ihm zufolge ist es ein Zeichen der “politischen und intellektuellen Gesundheit eines Landes (daß Bürger ihrer Meinung Ausdruck verleihen dürfen) mit Freiheit und Offenheit”. Teil der Idee für das Fulbright-Austauschprogramm war nicht nur, der Welt die großartigen Errungenschaften und das Potential Amerikas vor Augen zu führen, sondern auch, die Amerikaner zur Erprobung alternativer Visionen von gutem Leben in anderen Kulturen zu ermutigen. Ich glaube nicht, daß irgendein Fulbright-Stipendiat von seinem Auslandsaufenthalt mit einer Gehirnwäsche durch ausländische -ismen” zurückkehrte – die Befürchtung von Senator McKellar. Meines Erachtens sind fast alle Teilnahmer am Fulbright-Programm mit einer größeren Wertschätzung für Amerikas Stärken sowie einem Bewußtsein für seine Mängel zurückgekehrt. Vor allem flößt ihnen die Fulbright-Erfahrung großen Respekt für die Tatsache ein, daß es in Amerika nicht nur ein Recht, sondern eine Pflicht darstellt, sich nicht auf seinen Lorbeeren auszuruhen, sondern Amerika immer wieder an seinen eigenen hohen Maßstäben zu messen. Diese Maßstäbe, die sich das Land selbst setzte, waren auch die Motivation für das Leben und Wirken von Senator J. William Fulbright.

Nicht weit entfernt von dem Ort, an dem wir heute zusammengekommen sind, steht eine Büste des Senators, unter der die Worte eingraviert sind: “In der Schönheit dieser Gärten ehren wir die Schönheit seines Traums: Frieden unter den Nationen und freier Austausch von Wissen und Ideen auf der ganzen Erde.” Wohl jeder von uns möchte ein solches Vermächtnis hinterlassen, aber nur wenige verfügen über den Elan, die Standhaftigkeit und Vision. Senator Fulbrights Vision war tatsächlich klar und weitblickend. Wir ehren das Andenken an ihn durch unser fortgesetztes Engagement für diese Vision.

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